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. V-trliftce/irL. 





. i^OÜitcü^ht-L. 



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r 



NOViti W84 



Jahrbücher 



des 



kaiserlichen königlichen 

polytechnischen Institutes 

i ti Wien. 



fn-yerbindong mit den Professoren des trtstitnte» 

herauigegeben 

■ 

TOB- den Direkter 

Johann Joseph Pfechtl^ 

K k. wirkL' Ragiarunfträtbe, und Mitglied mekrerer («Ukrt«» 0«MlltekafWa« 



D r i t t e r B an d. 



Mit ftech» Kupfertafoln« 



m^mtmmtmtm 



W i c n> 1822. 

Csdruekt und verlegt bei G a r 1^ G e r o l d« 



mm»mtm^m90immm 



Inhalt 



I« —IT. Gcfscbichte des liaiserl. königl. polytechniscliea In- 

atituu (Fortoetzung) < yit 

Abhandlungen. 

III. Über das Gesetz der Zunahme der Wärme mit der 
Tiefe, und über die damit susammenhängenden £r* 
scbeinungen der Vulhanitat. yom Herausgeber . . i 

IV. Theorie der Kurbelbewegung, mit Anwendung auf die 
Gröfse und Anlage der Schwungräder bei dem Ma«* 
sehinenbau. Von Mathias Reinseher ^ Assistenten des 
Lehrfachs der Maschinenlehre 4^ 

V. Beschreibung einer' von Herrn toseph Fuehs ^ k. Ic« 
Bitimeister, erfundenen Kattundruckermaschine, durch 
welche mittelst der gewöhnlichen Druckmodel Über 
die ganae Breite des Stückes gedruckt wird. Von 
ßtathiai Reinscher 4 • 4 * * • • lo^ 

Tl. Vher die Methode, Druckmodel von >eder GrÖfse 
nach Art der Stereotypen hereustellen; ein Zusats 
au dem vorhergehenden Aufsatse* Von dem Herausgeber 11$ 

VII« Beschreibung einer holaemen Bogenbrücke eigener 

Art, nach der Erfindung des Herausgebers • « iigf 

VIII. Von den Mitteln «nr längeren Erhaltung des Bauhol- 
ses, im Besondern cum Schiff- und Brückenbau, und 
der Bewahrung desselben vor der Fau^nifs und dem 
frühseitigen Verderben« Vom Herausgeber < ifgf 

IX. Tabellen über die aus den Stein- und Braunkohlen« 
Bergwerken iii Böhmen^ Mähren und Schlesien im 
Jahre i&i<) ausgelieuteien Stein - und Brann -Kohlen^ 
mit Angabe der iiokal* Verhältnisse ^ < • < 1*6« 

X* Über die kaiserh königf. Salinen des adriattschen 

Meeres ^ * 44 • 4 •■'• « •• 16^ 

I 

Sl. Über einige Verfahrungsarten ,• um das Glaabersaln 
und Ouplikatsals , xum Behufe der G^asfabrikation, 
auf den Salinen a1» Nebcnjprodukt su erseugan. Vom 
Heftmsgeber ^ ^ ^ ^ . , . « . fj^ 

A % 



Xn. über die Verfertigune des verzttonteo Eisenbleche» Seiu 
' in England, von G, Altmütter ^ Professor der Tech- 
nologie am lu li. polytJBchnischen Institute . . i85 

Xni. über die Wechselwirkung der Acherbau - und Manu- 
faktur-Industrie. Vom Herausgeber .... ^^B 

.XlV« Darstellung der Eisenerz-Gebilde in den Gebirgen 
der österreichischen Monarchie , welche im Norden 
der Donau liegen* Von Franz Riepl^ Professorder 
Naturgeschichte und Waarenkunde am k. k. polytech- 
nischen Institute 337 

XV. Beschreibung einer Maschine, um HoTs-Fournire 

nach einer neuen Methode xu schneiden . . . 309 

XVI.- Über die Form der Zähne bei versahnten Bäder- 
.werkexV) und die zWeckraärsigste AusHUirun'gsweise 
derselben. Von Mathias Reinscher . . . .817 

XVII. Oarntafeln. Von Karl Karntarseh , Assistenten des 
Lehrfaches der Technologie amk. k. polytechnischen 
.Institute • • • • • 34^ 

Xvm. Über die Theorie des Krummsapfens , und die 
Verbindung einer Dampfmaschine mit demselben, 
um drehende Bewegung tM erzeugen. Von Johann 
Arhberger^ Professor der Maschinenlehre am k. k. 
polytechnischen Institute.. • • • . . 355 

XIX. Verbesserter Stofsheber oder hydraulischer Widder 38j 

XX. Das Torfwes€tn im KÖQigreiche Böhmen^ in geogno- 
stischer und technischer Hinsicht ; von /. A. Brern^ 
fürstlich Karl v. Auersberg'schen Bergamts -Ad- 

. junkten • • . . • . « * • . 385 

XXI. Beschreibung des Serbischen Spinnrades, von Kttrl 
Karmarsch , Assistenten d^s Lehrfaches der Techno* 
logie am k. k. polytechnischen Institute . . . 3^4 

* « . * 

XXII. Die Manchesterfabrik des Franz Worm in Neuforst* 
walde ••••.*... 397 

XXIIL Die SpSt&enfabrik su Hirschenstand irii EUbagner 

Kreise Bshmtns, . • 3qq 

XXIV. Wissens^ihafiliche und technologische Noti9:eh, aus- 
. gezogen .aus englischen 9 französischen und italieni* 

scLen Zeitschriuen 

(Von Nr. 1 — 53 vou /. Pet. Kretz , Assistenten 
des Lehrfachs der Physik , und von Nr. 54 — 74 
von Karl Karmarsch ^ Assistenten des Lehrfaclis 
der Teclmplogio. . * 



/ 



Dn ffeinptins*s.hetten^ um die Anilecliung tu Tefbftteri, 
S. 401. — VerbeMerunf; saurer Weine, S.' 4o9. — * Ebi wirth- 
sehaftliches gegofareaes ^etrinlc, S. 4^3. -^ Verbessertes Verfah- 
ren « um Rasirmesser und ciururgischo Inslntmente absusiefaen, 
S. 4o3. — Eine einfaobe. Art von Mikroskopen^ S. 4o4* *^ 
Ein sehr gutes Flufsmittcl , S. 4<>5. — Scheidung des Goldes 
▼om Silber , S. ^oB. — Verwendung * des Berlmerblaues rar 
Färberei , S. io6» — • Verwendung des chromsaureu Bleies cur 
Färberei , S. 407* -*- Mabaleb • Marasehino , S. 407« -^ Neues 
Email fiir PorseUaiiiy S. ^o%» — > Vorzüge des vor seincfr ▼oll- 
liommenen Reife gescbnitfenen Getreides, S. 4^ ~^ Zur Gas-' 
beletichtune, S. 409* — OlasmahTerci und gefärbte Glaser, S. ^o^, 

— Über die Eigenschaften des Splints von Bäumen , welche im 
Frühlinge, im Herbste und im Winter gefallet werden,* von TA« 
Knight^ S* 41a. — Über die Mischungen , welche Amr Stahl mit 
verschiedenen Metallen eingelit. Vota Faradajr^ S. 4 '3. *— Neuee 
Qoldahnliches Metall, S. 4' 4* — Eine Anwendung des Stickgases, 
S. 414* .—^ über die Schmelzung verschiedener strengflüssiger 
Körper, mittelst der ^fare'schen' Flamme, S. 4^4* -^'Über den 
Palmen-Wein. S. 4i^* — Never Völtaiseher Apparat, 8. 4i^* — - 
Verbesserung an den Gkularglasern der tragbaren' achromatisch en 
Fernrohre, von Kitehentr in London^ S; '4^^''"~" CatfutYa pbscura 
mit einem konvexen Prisma, von Chevalier^ S. ^iS, -^ Kryome- 
ter } neues Instrument , um die Stätike des Frostes und Üer Kälte 
SU messen, von Flaugergues^ S. 4^7* "** Neues lithographisches* 
Verfahren, S. 41B. — Siderographie , ein neues Verflihren im 
Graviren, S. 4i3' — Maschine ,^ um Musikalien umsublattern, 
S. 419. — Neue^Saiten, S. 430. -^ Verfahren, die Achate zu fär- 
bten, S. 430. — Neuer hydraulisoher Widder, S. 43>« — Instru- 
ment, um Blinde losen zu lehren, S. 4^** -^ Lithogljrplitiche 
Maschine des Herrn Vallin^ S. 4*'- — Tabakdosen zum Rechnen, 
S. 423* — Neue Anwendung dos leichtflüssigen Mctalles, S. 43** 
^- Beleuchtung durch Öhlgas^ S. i^%'^, -^ Papier-Dachungen, S. 
4a5. — Zoogene, S. 4^6. «- Neue Pigmente, S. 43(>. — Knallgold, 
S. 4*7" — Neue elektrische Batterie, S. 4'7« — Besondere Art 
von Kupferdruckerei, S, 4^7* — Aufbewahrung frisrhor Früchte, 
S. 4>B. — LesU«*^ Hygrometer , zur Prüfunc der Stärke geistiger 
Flüssigkeiten angewendet , S. 4«8. — Doppelte Strahlenbrechung. 
8. 4«9« — Wiederherstellung des Weifs an Gemälden, S. 429» — Mau- 
erobst, S..4^9> — Aufbewahrung von Eiern, S. 43o. — Neuer 
Erdglobus, S. 4^0. — Gemeinnütsiges astronomisches Instrument, 
S. 43o. — Der eigentliche Erfindsr der Dampfmaschine, S. 4^i* 

— Unverbrennliches Vorrathshaus zu Pljrmouth^ S. 433« ~~ ^C"* 
duktion des Silberchlorids durch WasserstofFgas , S/,43^* — ^^i* 
nosische Art , Bleiplatten zu machen , S. 43a. — Über die Ver- 
fertigung der damassirten Säbelklingen; vom Professor Anton 
ChriveUi in Mailand^ S. 4^3. — Verfahren , Leder wasserdicht 
zu machen, S« 44^« — ^^^ gegenwärtig in Frankreich übliche 
Methode , den Salpeter zu reinigen , verglichen mit derjenigen, 
deren man sich vor derBevolution daselbst bedient hat, S. 447« "^ 
Über die Fabrikation des Strafs^ und der künstlich geförbten 
Steine, S. 449* — Über d6e Zusammensetzung der E|nailfarben, 
S, 4^4« *~* Messing mit Zinkblende bereitet, S. 4^^* — Somerm 

ford^ verbessertes Thürscblofs, S. 4^6. — Ein von dem Engländer 



fitfuit erfiiiidenes SieheiiieiMschloCi^ 6. 4^* — Vorrlchruag zoni 
Trodcnen d«r Hetto für Wollenweber, S. 471« "-* Notie über eine 
Verbessemng in 4ei* Färberei« S. 473. — Verbesserung des Unv 
sehlitts cur Kersenfabriliation , S. 475* •«« Beschreibung einer 
Spieldpse aus der Schweizer ^Manttfaktur, S* 47^* "^ Streicbmafil 
.Bum Halbiren, 6. 4B14 — Einiee Angaben cur Bereitung des Ma- 
^ rokln - Papiers, S. 483. — ob? sum Gebrauch für Urmacher , S* 
' 487* -^ Mittel cur Verminderung der Reibung bei Maschinen , S, 
488. -~r Pottascfaengehalt verschiedener Pflanzen, S. 488.« *- £1- 
fenbeinpapier, S. 489* — Seidene Hüte , S. 493* — Über die Ver- 
fertigung der Nägel durch Maschinen ^ &. ^93. — ^ Sotiaen fiir 
Bchnftgiefser, 8, ^95, 

XXV. Verseichnifs der in der österreichischen Monarchie im 
Jahre 18s 1 auf Erfindungen, Entdeckungen und Verr 
bjBSser^ngen er^heilten Privilegien oder Patente « 498 

X3CVI. Verseichnifs der Patente , welche in Frankreich im 
Jahre iBso auf Erfindungen, Verbesserungen und 
Einführungen ertheilt wurden. ^ « • . B%% 

XXVIL Veraeichnif« der Patente , welche in Ettgiand im 
Jahre 1820 a^f Enfindungeni Verbesserungen oder 
Einführungen ertheilt wiar4en • • • . * 537 

♦ 

Passelbe vom Jahre 18a 1 • , • . , 54« 



I. 

G e s c h i c h t e 

des haiserl. bönigl. 

polytechnischen Instituts. 

(Forttetsung.) 

im III 

A.m 4tenNoyember 1 8 19 wurden die Vorlesua* 
gen fiir das neue Studienjahr eröffnet. Die Anzahl der 
ordentlich eingeschriebenen Schüler betrug in diesem 
Jahre fiir die erste Vorbereitungs-Klasse • . iS^t 
iür die zweite Vorbereitungs-Klasse . • 87 
für die kommerzielle Abtheilung • « ga 

fiir die technische Abtheilung . • ' . a^ 

*i ■ ■ 

zusammen 574 

Nach dem. Schlüsse der Finalprüfungen wurden 
am 21. 22. a3. 2^ und ^5. August 1830 die feierli* 
chen Tentamina, in Form öffentlicher Disputationen, 
abgehalten^ zu welchen sich aus den sämmtlichen 
Fächern der technischen Abtheilung fiinf und zwanzig, 
und aus jenen der kommerziellen Abtheilung zwölf der 
ausgezeichnetsten Zuhörer erboten hatten. Ihre Nah^ 
men wurden in einem eigenen Programm yerzeichnet, 
welches die bei diesen feierlichen Prüfungen yerthei- 
digten Lehrsätze enthält. 

Die Gründlichkeit und Gewandtheit^ mit welcher 
diese Zuhörer die Lehrsätze entwickelten, und 
die gemachten Einwürfe lösten, bewiesen neuer« 
dings die gründlichen und umfassenden Kenntnisse, 



WÜX 



welche die Schüler an diesem Institate sich erwar- 
ben und zu erwerben Gelegenheit haben* Viele ange- 
sehene Personen beehrten diese Prüfungeu mit ihrer 
Gegenwart. 

Das I^ehramt der Land - und Wasser-Baukunst 
wurde fortwährend von dem k. k* nied. österr. Wasser- 
pauamts-Director, Herrn voii Kudriaffskjr^ suppUrtj 
und das Lehramt der Elementar - Mathematik proviso- 
risch von dem Assistenten , Herrn Joseph Salomon, 
versehen^ . Für das Lehrfach' der IVaturgeschiphte an 
wder Realschule und der Waarenkunde an der kommer- 
ziolJen Abtheilung wurde Herr Franz Riepl mit aller- 
höchster Entschliefsung vom lötep Dezember i8jo 
.(Regierunsrs^Dekret vom ^fi. Janner 1831) als ordent- 
Jii^h^r Professor ernannt. 

Kt , Mit den Assistenteil der .verschiedenen Lehr«- 
ficher .sind während dieises Studienjahres folgende 
Veränderungen vorgegangeli : Zum Assistenten der 
Technologie wurde Herr Karl JCarmarsch ernannt^ 
bisheriger Schüler des Instituts^ der sich in seinen 
Studien' ausgezeichnet hatte. Herr Joseph Seitz 
wtu*de als Assistent der speziellen technischen. Che- 
mie auf fernere zWei Jahre bestätiget. Zum Assi- 
stenten des Lehrfaches der praktischen Geometrie 
wurde Herr jinastasius .StoiscIücSy Und zum Assisten- 
' ten des Lehrfaches* der Land- und Wasser -Baukunde 
flerr Franz Piringer ernannt j beide waren Schüler 
des Instituts^ welche die gesammten .mathematischen 
Lehrfächer desselben mit Auszeichnung absolvirt hat- 
ten. Zum Assistenten des Lehrfaches der allgemei- 
nen technischen Chemie , statt des nach Verlauf der 
gesetzlich bestimmten Zeit von vier Jahren ausgetrete- 
nen und nunmehr- als k. k. Bergrath und Professor 
der Chemie in Schernnitz angestellten Herrn Alojs 
fVehrlCf wurde Herr August Krause, welcher gleich- 



falls die Chexme und andere Lehrfädier am Institute 
mit Auszeiclmung absolvirt hatte, ernanni. 

Die Sammlungen des polytechniscbon Institms 
haben in diesem Jahre angemessene, zxxsn Tbeil be- 
deutende Bereicherimgcn . erbalten, wie.^aus der 
nachstehenden einzelnen Darstellung erhellet« 

Die FahrikS' Produkten ' Sammlung hat einen 
Zuwachs von 471& Musterstücken, von Fabrikaten aller 
Art erhalten, von denen nur ii4 Stücke angekauft, 
die übrigen aber sämmtlich uneutgelilich eingeliefert 
worden sind. Unter diesen Stücken befinden sich 
viele Sachen von ausgezeichneter Schönheit und be- 
deutendem Werthe. Diese Samn;^lang entspricht 
schon gegeny^ärtig ihrem Zwecke/ indem sie eine 
lehrreiche Uebersicht des Znstandes der National* 
Industrie irt der Vervollkommnung ihrer Produkte ge- 
währt. Für die fernere Erweiterung dieser Samm- 
lung ist der erste Stock des demnächst zu erbauenden 
linken Flügels des Hauptgebäudes bestimmt. 

Der Grofshändler, Herr Joseph Patt-ra, machte 
dem Institute zur Verwendung für das Fabriks-Pro- 
dukten - Kabinet ein Geschenk mit i5oo fl. W. W., 
worüber demselben laut hohem Regierungs -Decret 
vom 19. Juni 1819 das allerhöchste Wohlgefallen aui 
erkennen gegeben worden ist. Dieser Betrag wurde 
nach hoher Genehmigung zur Bereicherung der mit 
diesem Kabinette verbundenen Werkzeug - Sammlung 
verwendet. 

Diese Sammlung von Musterwerkzeugen hat in 
diesem Jahre einen Zuwachs von 121 1 Stücken vor-» 
züglich gearbeiteter Werkzeuge erhalten, - welche 
theils aus obigem Betrage , theils aus dem V'erlags- 
gelde, nach der Auswahl und Angabe des Vorstehers 
dieser vereinigten Sammlung (Hrn. Professors Altmüt- 



ter\ beigeschafft worden sind. Einige dieser Werk« 
zeuge sind aus En^land belogen worden, um zur 
VervoUkommnung der inländischen Werkzeuge als 
Muster zu dienen, -^ ein Zweck, welcher schon in 
mehreren Fällen erreicht worden ist, indem auf diese 
Art mehrere vorzügliche und neue Werkzeuge von hie- 
sigen Gewerbsleuten bereits nachgeahmt worden sind. 

Die Mqdellensammlung ist in ' diesem Jahre 
mit acht grofscn und vorzuglich gearbeiteten Modellea 
vermehrt worden. 

Das physikalische Kabinet hat einen Zuwachs 
von neunzehn Apparaten erhalten. 

Das Laboratorium der allgemeinen techni- 
sehen Chemie erhielt einen Zuwachs von 21 Ap* 
paraten imd iQ/ß Präparaten, welche von dem Pro- 
Cessor ( Herrn B. Scholz ) theils aus dem Verlagsgelde 
beigeschafft, theils im Verlaufe des Jahres selbst ver- 
fertiget worden sind. 

Die mathematische Sammlung erhielt einen Zu* 
wachs von i4o Stucken, worunter zwei neue zum 
Beh\]fo der praktischen Übungen noch nöthig gewe* 
sene Mefstische, sodann 36 litkographirte Karten, 
welche die k. k. Katastral-Lilhographirungs-Direktioa 
mit Bewilligung der k. k. Grundsteuer -Regulirungs- 
Hofkommission dem Institute unentgeltlich überlas* 
sen hat« 

Die Sammlung der Materialwaaren^ Muster 
zum Behufe des Vortrages der kommerziellen Waa- 
renkunde hat einen Zuwachs von \2 Stücken erhalten. 

Die Sammlung der Zeichnungs - Originalien 



XI 

wurde mit 35 Stacken^ grofstentheils in Grof^^Folio, 
vermehrt. 

Die Bibliothek d^s Instituts hat in diei^em Jahre 
«Inen Zuwachs von !) 38 Werken in ^lo Bänden erhal- 
ten. £inige ältere Douhlctten physikalisch -malhema- 
tischer VVerke wurden in Folge höherer Bewilligung 
aus der k. k. Uuiversiläts- Bibliothek übernommen. 

Die Bereicherung der TVerkstätte des Instituts 
mit den v. Reickenbach^ sehen Plänen, Werkzeugen 
und Maschinen zur Verfertigung der geodätischen 
und astronomischen Instrumente ist bereits im vori- 
gen Bande dieser Jahrbücher erwähnt worden. Im 
Juni i8ao kam Herr Direktor v. Reichenbach selbst 
aus München hier an, um die grefse Theilscheibe 
aufzustellen und einzntheilen. Ein Zimmer im neuen 
Hauptgebäude wurde von ihm zur Aufbewahrung 
dieses Instruments als zweckmäfsig gewählt , und das- 
selbe darin sammt den dazu gehörigen Vorrichtun- 
gen aufgestellt« Binnen zwei Monathen brachte Herr 
▼• Reichenbach nach der ihm eigenthürolichen Me- 
thode die Theilung dieses Instruments zu Stande, das 
räoksichtlich der Genauigkeit und Vollendung wohl 
gegenwärtig seines Gleichen nicht hat. 

Mittlerweile, als die Herstellnns der Theilscheibe 
beendiget wurde, wurden auch die beiden erstell 
Probe ^ Instrumente fertig, welche mit den vom Hrn. 
y. Reichenbach übergebenen Werkzeugen unter der 
Leitung seines Werkmeisters und Kompagnons Ertel 
hergestellt worden waren. Das eine dieser Instrumente, 
ein achtzehnzölliger astronomischer Repetitionskreis, 
wurde der k. L Universitäts- Sternwarte, das zweite, 
ein zwölfzölliger repetirender Theodolit, dem k.k. Ge- 
neral-Quartiermeister-Stabe überlassen. Bei einer des- 
halb abgehaltenen Kommission wurden dieselben als in 

Art vollendete Instnunente anerkannt. Der Di- 



reltor der k.J&.Universitäts-Siemwarte^ Herr Littrow, 
hat in der Wiener Zeitung von 2. August i8ao eine 
ausführliche^ auf Beobachtungen gegründete Anrüh- 
mung derselben bekannt gemacht. 

Das polytechnische Institut und dessen Sammlun- 
gen .wurden in diesem Jahre (1820) von einer grofsen 
Menge hoher Herrschaften und angesehener Personen 
besucht. Im Frühjahre beglückten Se, Majestät der 
Kaiser das Institut mit allerhöchst Ihrem Besuche, 
besichtigten das ganze Detail desselben, und bezeug- 
ten über den Fortgang des Ganzen Ihr allerhöchstes 
Wohlgefallen. 

In seiner Eigenschaft einer Kunstbehörde hat 
das polytechnische Institut in diesem Jahre i34 gut- 
achtliche Äufsetungen an verschiedene Behörden 
erstattet. Das Protokoll des Direktors weiset in die- 
sem Jahre 991 Geschäftsnummern aus. 

Der Studien-Kurs fiir das Jahr 182 t wurde mit 
dem 5ten November 1820 eröfihet. Als ordentliche 
Schüler wurden für dieses Jahr eingeschrieben : 
für den ersten Jahrgang der Vorbereitungsklassen i56 
für den zweiten » » » »85 

für die kommerzielle Abtheilung . . . . ^ io5 
fiir die technische Abtheilung • . . • . . 346 

zusammen • 69a 

Nach Beendigung der Final - Prüfungen wurden 
die feierlichen Ten tamina am 21.^ an., :»3.^ 34*^^^^^* 
Augusti82 i abgehalten, zu welchen sich aus den sämmt- 
lichen Fächern der technischen Abtheilung a5 , und 
aus jenen der kommerziellen Abtheilung zwölf Zuhö* 
rer erboihen hatten. Den Fortschritten der Schüler der 
sämmtlichen Ahtheilungen des Instituts wurde auch 
in diesem Jahre verdientes Lob zu Theil. 



xm 

' Herr Joseph Sahmon, bisher Repetitor der hö- 
heren Mathematik, wurde mit allerhöchster Ent*- 
schlief^ung vom 6ten November 1821 (Regierungs- 
Deliret vom 28. November 1821) zum ordentlichen 
Professor des Lehrfaches der Elementar -Mathematik 
ernannt Die Stelle des Assistenten und Repetitors der 
höheren Mathematik wurde dem Herrn Adam Burg, 
welcher die sämmtlichen mathematischen Lehrfächer 
des Instituts mit Auszeichnung absolvirt halte ^ über- 
tragen. Der Assistent des Lehrfaches der Physik^ Hn 
/. P. Kretz, vnirde auf die nächsten zwei Jahre^ vom 
I. Juli d. J. an^ bestätiget; und für das Lehrfach der 
Maschinen-Lehre Herr Joseph Arbesser, welcher die 
mathematischen Studien des Instituts mit Auszeich- 
nung zurückgelegt hatte ^ als Assistent ernannt^ nach- 
dem Herr Mathias Reinscher, nach Verlauf der ge- 
setzmäfsigen Zeitfrist von vier Jahren^ von dieser Stella 
abgetreten war. 

Der bisherige Vice-Du*ektor der Yorbereitungs- 
Klassen oder derReal-^chule^ zugleich Katechet^ Herr 
Joseph ,Majrer, war zum Propst und Pfarrör in 
Staatz befordert worden^ und natje demnach sein^ 
bisherigen Amter im polytechnischen Institute naöh 
dem Schlüsse der Finalprüfungen niedergelegt. Dier 
Vicedirektion der Realscli|^e wurde sonach dem Vice- 
Direktor der kommerziellen Abtheilung, Herrn Reisser^ 
provisorisch übertragen. 

* 

Der Bau des rechten Seitenflügels des Hauptge- 
bäudes wurde im Sommer dieses Jahres angefangen, 
und im Spätherbsie beendiget. 

Die Sammlungen des Instituts haben im Laufe 
dieses* Jahres folgende Bereicherungen erhalten: 

Die National - Fabriks - Produkten - Sammlung 
wurdQ mit 77B Musterslucken vermehrt. Ditf Samm-' 



XIV , 

lung sßon Afusterwerkzeugen erhielt einen ZuwacKs 
Yon i8g Stücken. 

Die Mbdellensammlung wurde mit 1 7 Modellen 
von verschiedenen Maschinen bereichert. 

Das physikalische Kabinet erhielt einen Zuwachs 
von 4c Apparaten. 

Das Laboratorium der, allgemeinen technischen 
Chemie ist mit i5 Apparaten und mit 90 Stück Prä- 
paraten; das Laboratorium der speziellen techni" 
sehen Chemie mit .7 Stücken vermehrt worden. 

Die mathematische Sammlung hat einen Zu- 
wachs von 43 Stücken erhalten. 

Der Sammlung der Materialivaaren- Muster 
lind 18 Stücke hinzu gekommen. 

Die Sammlung der Zeichnungs ^Originalien 
wurde mit 70 Stücken vermehrt« 

Die Bibliothek des Instituts erhielt in diesem 
Jahre einen Zuwachs von 566 Werken in 990 Bänden. 

In der mechanischen 'Werkstätte wurden meh- 
rere noch al)gängige Werkzeuge angefertiget^ und 
die verschiedenen Reichenbacn sehen Kreise in Ar- 
beit genommen^ welche für mehrere Sternwarten des 
Inlandes^ für den k. k. Generalstab und den k. k. Ka- 
taster bestellt worden sind. Herr ^, JaK^orskjr wurde 
mit allerhöchster Entschliefsung vom 26. Februar 182 1 
^(R^gierungsdekret vom 3i. März 1821)^ als leiten- 
der Werkmeister dieser Werkstätte ernannt. Ein 
zwölfzöUiger Theodolit war- bereits in Vollkommen- 
heit hergestellt worden, mehrere andere waren der 
Vollendung nahe. 



XY 

Auch ÜQ diesem Jahre erfreute sich das Institat 
des allerhöGhsten Besuches «St*. Majestät des Kaisers. 
Im Juni d« J. beglückten Se. Majestät der Kaiser 
zweimahl, und Ihre Majestät die Kaiserinn drei- 
mahl das Institut mit allerhöchst Ihrer Gegenwart, 
und gemheten üher die Fortschritte des Ganzen Ihre 
aUerhöcfaste Zufriedenheit auszudrüdLen* * 

In semer Eigenschaft einer Kunstbehorde hat 
das polytechnische Institut in diesem Jalu'e i^o gnt- 
achtuche Äufserungen über technische Gegenstände 
an verschiedene Behörden erstattet« Das Protokoll 
des Direktors weiset in diesem Jahre ioi4 Geschäfts- 
Ifnmmem aus. 

In dem laufenden Studienjahre i8aa hat sich die 
Anzahl der Zuhörer des Instituts wieder vermehrt, 
indem gegenwärtig Tim Dezember i8ai) 754 ordentlich 
eingeschriebene Zunörer das Institut frecpientiren« 






IL 

Verzeichnifs demjenigen Zuhörer, welche ' 
am Ende des Studienjahres sich dem 
feierlifchen Teiitanien unterzogeil 

, haben. 



,. Im Jalir,e iSaio. •, 

• ■ ' i. : ' 

j , Ja. der technischen, Abtheilung. 

AüsderPhysik. 

Herr Burg jinton, von ' TFien. 
» Hof mann Joseph y von JVien. 
» Loihl Leopold y von Grofsinzersdorf in 

Österreich. 
» Randhartinger Joseph y von Ruprechts- 

hofen bei A/ö/!^ in Österreich. 

Aus der allgemeinen technischen Chemie. 

Herr Feueregger Karl, von Neusohl in Ungarn. 
» Ntedermajer Joseph y von Wien. 
» Freiherr i^. Puthon Eduard, von Wien. 
» V. Szasz, von P^izakna in Siebenbürgen. 

Aus der speziellen technischen Chemie. 

Herr i^. Sattler Friedrich, von ^en. 

» Schopf er Anton y von Ä. Polten in öster- 
reich. 



Aus der reinen fil^inentar-Mallieitiatik. 

Herr Peüeregger Karlj von Neusohl in UnganL 
y Jiuiks Johann^ von fFierii 
9 Klaus Adolph^ von Ödenbutg iii Ungarn« 
» Niedermajer Joseph ^ von ^ie». 

Ans der feinen hohem Mathematik. 

Herr Albert Joseph , , von Mündheni 

* Arbesser Joseph f von Wien. 
^ Heller Eduard ^ von /5F7en. 
» HofmaMi Joseph y voi^ fFieui 

Ans der Maschinenlehre.' 

Herr Albert Joseph > von Manchen. 

9 Rodelberger Joseph, von JffdUsi^dl in 

Österreich. 
» ühlirz JF^anz, von Feldsberg in Oateiteich^ 

Alis der prahtiscfhell Giionietrje. 

Berr FabHdzj Johann^ von Poprad in Ungarn« 
y Hasenauer Martin $ von Üdenburg in 

Ungarn. 
» Schmidl Eduard , von A*a^4 

Ans dei" Laivct- nnd Wasser- Bankiinde. 

Herr JClanding^r .Daniel ^ Von fFien* 
y Köchel Friedrich^ von «SS^ef/t in österreicli« 
y Lindner Anton f von Montagnana im lomb« 
venezianischen Königreiche. 

* Zoi&/ Leopold I von Grojsinzersdorf vfk 
Österreichs 

Aus der l^eehnologie« 

Herr Arbesser Joseph, von Wieni 

» Hermann Adolph, von Großherrlitz in 
Schlesien. 



•^pftü^ii* 



i«fc#b, a4 ^oiyt/ iiiit, ui. fi4* jg 






a. 

In der kommerziellen Abtheilung. 

» 

Ans der Handelswiss^enschaft. 

Herr jille Karl, von Iglau in Mähren. 
» Dora Georg, aus Ungarn* 
9 Geyer Johann, von müglitz in Mähren. 
» f^. Mach Franz, von Wien. 
» Murrmann Peter, von ödenburg in 

Ungarn. 
» Rupprecht Wilhelm, von Mittewalde in 

preufs. Schlesien. 

Afs dem Handels- und Wechselrechte. 

Herr Z^ra Georg, aus Ungarn. 

y Gejrer Johann, von Müglitz in Mähren« 
» f^. yifizcX: Franz , von Wien. 
y Murmann Peter, von Ödenburg in Ungarn. 
» Rupprecht Wilhelm, von Mittewalae in 
preufs. Schlesien. 

Aus der Merhantilrechnung« 

Herr u^//^ Äiar/^ von Iglau in Mähren. 

» Gejrer Johann , von Müglitz in Mähren. 

» Guttmann Joseph, von Pesth in Ungarn. 
^ » Kutscher a jinton, von Wien. 

» Murrmann Peter, yon Ödenburg in Un- 
garn. 

» Schnitzer Franz, von Wien. 

Ans der Buchhaltung. 

Herr ^Zfe ÄorZ, von /g^/ai/ in Mähren. 
» Bafslinger I^naz, von /iP7e/i. 
» Geyer Johann, von Müglitz in Mähren» 
» Giani Joseph, von Wien^ 



Herr Bupprecht PTilheim, Ton Mittewalde in 
preufs. Sdbdesien. ' 
» FTamerl jiUyjrs y von Wien. 

Ans der Mat^rial-Waarenkunde« 

Herr jßle Kart^ von Iglcui in Mähren. 
» Geyer Johann , von Müglitz in Mahren. 
» Giani Joseph, von fiF7e/E. 
» fFamerl Jlojs, von ^ie/i. 



Im Jahre i 82 i. 

L 
In der technischen Abtheilong. 

1 

Aus der Phjsik. 

Herr David Johann, von Trrn in Schlesien. 
» Gastl Ludwig, von Scharding. 
» Hbmarr Aloys, von Kaltenbrunn in Oe» 

sterreich. 
» Monecke Christoph , von Heiligenstadt in 

Preufsen. 
» Niedermayer Joseph , von Wien. 
» Ritter p. Schinnern Rudolph , von Wien. 

Int der allgemeinen technischen Chemie« 

Herr Ritter u. Bohr Karl, von Zmjs. 
» Ludwig . Joseph , von Skotschau in L L. 

Schlesien. 
» Stuwer Franz, uon Wien. 
» Sprenger Paul, aus Sagan in Schlesien. 



Aaa.der reinen Elementarma thematilu 



^err HUler Wolfy von Brody in Galizien. 
» Nowak JEduard, von Wien. 

V Oppl Wenzel^ von Przibram in Böhmen. 

» Sedlak Martin, von Radnow in Böhmen« 

» StrehlJohann, von Wien. 

» Tschopp Karl, von MitrowUz in Kroatien. 

Ans der reinen höheren Mathematik. 

Herr Budinka Finzenz, von Nenakonitz in 
Mähren. 

Christ sf. Rheinthal Karly von Wien. 
Göth Geor^y von Wien^ 
Jacks Johann y von Wien. 
Klaufs Adolph, von Ödenburg in Ungarn, 
Niedermajer Joseph y jon Wte/i. 

Aas der Maschinenlehre* 

Herr Jrbesser Joseph , von Wien. 
» Keller Eduard, von Wien. 
t i/. T^tteUfoch Friedrich, von Marburg in 
der ßteiermark. 

Aus der praktisehen Geometrie. 

Jlerr Heller Eduard, von Wien. 

» Klaufs Adolph, von Ödenburg in Ungarn, 

V Pfeiffer Leopold, von /jFTe». 

Ans der Land - und Wasserbau k an de. 

Jicrr Bieber Johann, von /iP7e/i. 

^ Hasenauer Martin, von Ödenburg. 
» Neuwert h Johann, von Reichwiäden in 
Schlesien. 

» Rodelberger Joseph, von Neusiedel 
» Tqpler Ludwig, von Allhan in Ungarn, 



XXI 

Ans der Technologie. 

Herr Geiger Heinrich y von fFien. 

9 Hofmann Alois ^ von Bischofteinitz in 

Böhmen. 
» Magauer Leopold, von PFien. 
» Monecke Christoph , von Heiligenstadt in 

Preufsen. 
» Piwon Anton, von Sucholasetz in Mähren. 
» Stuchlick Anton , von Gillschwitz in 

Sehlesien. 

A D m« r 11 u n g« Zum Tentamen «us der speziellen tacbnisclieri 
Chemie hat sich niemand gemeldet. 



IL 
In der kommerziellen Abtheilung. 

Aus der Handels wissenechaft. 

HetT Berger Romuald ^ von TYoppOu. 
» Mayer Saul, von Wien. 
y> Ochs Leonhardy yon Fürth in Baiern. . 
» Reschauer Michael, von Wien. 
» Politzer Karl, von Wien. 
» Singer Karlp von Wien. 

Atts dem Handels- und Wephselrecli te* 

Uerr Berger Bomuald , von JYoppau. 

» Eisenstädter Leopold , yon Grofs-Betsch 

kereh 
» OcA^ Leonhard, von Fürth in Baiern. 
y Pumb Mathias, von Enns. 
» Reschauer Michael, von Wien^ 
» $ingcr Karl, von Wien. 



xxu 

Aus der Merkantilrechmiiig. 

« 

Herr Berger Romuald, iroa Tlroppau. 
» Mar er Johann Georg, von Iglau» 
» Ocns Leonhard, yon Fürth in Baiersu 
y JPUmb Mathias, von Enns. . 
^ Rohr er Rudolph, von Krakau^ 
» Singer Karl, von Wien. 

Aus der Buchhaltung« 

Herr Eisenstädter Leopold, von Oroß-Betsch- 

kerek. 
9 • Hauer Leopold, von iSIfaii^ Grofs^En* 

zersdorf. 
» Mayer Saul, von Wien. 
V Marer Johann Georg, von Iglau* 
» Rohrer Rudolph, von Krakau. 
» Singer Karl, von /äPZcw. 

Aus der Waarenkunde. 

Herr Re/chauer Michael, von Wien. 
» Singer Karl, von ^ten, 
» Zimmerl Karl, von ^len. 
» ZiTiA: ädnton. von OUmütz. 



Abhandlungen 



IIL 

Über das Gesetz der Zunahme der Wärme 

mit der Tiefe , und über die damit zusam« 

menhängenden Erscheinungen der 

Vulkanität. 

y.om Herausgeber* 



i) JL/as Geseu der Abnahme der Temperatur 
der Atmosphäre mifder Höhe ist noch nicht mit el'* 
niger Genauigkeit ausgemittelt \?orden. Es hängt von 
der Bestimmung der Gröfse der Temperaturverände-* 
rung ah , welche durch Ausdehnung oder Zusammen- 
drückung der Luft heryorgebracht wird. Denn wenn 
wir uns für einen Augenblick vorstellten^ die ganze 
Luftmasse ^ weiche die Atmosphäre bildet^ sey in 
gleicher Dichtigkeit^ z. B. einer solchen > die emem 
Stande von i^' Quecksilberhöhe entspräche^ und in 
gleicher Temperatur,, z. B. von — 3o°^ R-, um die 
Erde herum verbreitet ; und nun setze sich diese Luft-» 
masse nach den Gesetzen der Schwere ins Gleichge-^ 
wicht ^ und bilde um die Erde eine Atmosphäre; so 
wird diese ganze Luftmasse in einen vcrhältnifsmäfsig 
kleineren Raum zusammengezogen, die unteren Schicht* 
ten werden immer dichter und dichter, so dafs diese 
Dichtigkeiten mit dem arithmetisch zunehmenden 
Wachsthume der Höhen in einer geometrischen Reih« 

, il«krk. i, poljl« last« Hh 14« 1 



abnchmco. In dem Verhältnisse nun^ in welchem 
die Dichtigkeit der unteren Luftschichten in Folge 
dieser Zusaminendrückung durch die oheren, vermehrt 
wird, wird ihre Wärmekapazität vermindert, oder 
sie erwärmen sich in dem Verhältnisse dieser Zusam- 
mendrückung. Die Temperatur der Atmosphäre mufs 
daher gegen die Erdoherfläche immer mehr, und 
zwar im Verhältnisse der den relativen Höhen ent- 
sprechenden Luftdichtigkeit zunehmen. Diese ur- 
sprüngliche Temperatur der Atmosphäre ist daher 
von ilurer Erwärmung durch die Sonne unabhängig. 

2) Die Gröfse der Ahnahme der Temperatur der 
Atmosphäre mit der Höhe läfst sich daher bestimmen, 
wenn man die Gröfse der Temperaluränderung kennt, 
welche durch die Ausdehnung oder Zusammendrüc- 
kung der Luft hervorgebracht wird. Es sey die Gröfse 
der Ausdehnung oder Zusammenzichung eines Luft- 
volums, durchweiche 1° R. Erniedrigung oder Er- 

' höhung der Temperatur desselben hervorgebracht 
wird = X. 

Der untere Barometerstand =i h« 
der obere » ==; h' 

die untere Temperatur =: t 
die obere » == l'^ 

so ist, da die Luftdichtigkeiten den Barometerstän- 
den proportional sind, 

__, = X (t — tO, oder t' = t j^^. 

3) Da keine genauen Bestimmungen über dio 
Größe der Temperaturverminderung bei einer be- 
stimmten Ausdehnung der Luft vorhanden sind, so 
suchte ich diese Gröfse oder den Werth von x durch, 
eigene Versuche aufzufinden, und wählte dazu fol- 
gende Vorrichtung. 



• 



3 

An eine Thermoineterröhre von etwa ^ Linie in- 
nerem Durchmesser ist ein gläserner Zylinder aus ganz 
dünnem Glase ^ von etwa 3 — 4 Linien Weite, ange- 
JbJasen. Dieser Zylinder wiid bis zu einem Punkte^ 
welcher etwa einen halben Zoll über der Stelle liegt, 
'an welcher der Zylinder mit der Thermometerröhre 
vereinigt ist, mit Quecksilber gefüllt, und von diesem 
Punkte aus^ welchen ich den p Punkt nennen will, 
die Länge der Röhre gemessen, welche durch diese 
Quecksilbermenge angefüllt wird. Diese Länge der 
Röhre theilt man .sonach durch Kalibriren* in zehn 
gleiche Theile, und bricht die Röhre dann zwischen 
der dritten und vierten Abtheilung ab; weil nur diese 
untere Länge nöthig ist. Jede dieser Abtheilungen 
theilt man nun wieder .in fünfzig oder hundert gleiche 
Theile j in welchem letzteren Fa)le die Grade dieses 
Luftthermometers Tausendtheile der Kapazität des 
Zylinders ausdrücken. Zuletzt füllt man die ganze 
Röhre mit trockener Luft, und bringt endlich eine 
Quecksilbersäule von etwa j- Zoll Länge in dieselbe ; 
so d.ifs sie z. B. bei einer Tcmperatui* von o^ U. oder 
einiger Grade darüber bis an den oben bezeichneten 
Punkt zu stehen kommt. Die obere Mündung der 
Röhre wird nut einem kleinen Hahne versehen, 
welcher vollkonnucn luftdicht schliefst. Bei dem In- 
strumente , mit welchem ich Versuche anstellte, hditte 
die graduirte Röhre eine Länge von g Zoll , auch war 
an demselben der Zylinder, etwa parallel mit der Röhre, 
aufwärts gebogen. 

4) Man beobachtet mit diesem Listrumente auf 
folgende Art.' Indem man den Zylinder desselben 
einer niederen Temperatur aussetzt, z.B. in Eis stellt, 
bringt man die Quecksilbersäule bis auf den o Punkt 
herab (oder auch auf irgend einen höher liegenden), 
und verschliefst sonach den Hahn an der oberen 
Öffnung. Man bringt hierauf das Instrument in eine 
höhere Temperatur in erwärmte Luft, z* B. im Win* 



tcr in die Nähe eines Zimmerofens mit einem Queck- 
silberthernioracler , welches Zehntel eines Grades 
zeigt ^ und bemerkt genau die Temperatur. Hierauf 
öffnet man den Hahn , und bemerkt den Stand des 
unteren Randes der Quecksilbersäule^ welche von der 
Luft plötzlich in die Höhe gehoben wird (den Stand 
der plötzlichen Ausdehnung). Man läfst hierauf das 
Instrument in derselben Temperatur^ bei geöffnetem 
Uahnc y und bemerkt gleichfalls den Stand der Luft- 
säule (den Stand der freien Ausdehnung). Der Un- 
terschied dieserbeiden Ausdehnungen gibt<dieGröfse 
der Temperaturverminderung bei der vorhandenen 
Ausdehnung. Es sey die Gröfse der freien Ausdeh- 
nung in den Theilen der Skala =: m^ 

jene der plötzlichen Ausdehnung =? m^ 
die Kapazität des Zylinders =s V, 
die Temperatur, welche dey freien Ausdeh- 
nungsgröfse entspricht =: t, 

jene, welche der Gröfse der plötzlichen Ausdeh- 
nung zugehört =-. Vj 

so ist t = T/irv "J^^l ^' == 77iri> > folglich 

o.oo4o8* V 0.00468. V ° 

t — l' = TiTTT die Temperaturverminderung fiir 

0.00460. v * *■ 

die Ausdehnungsgröfse s= — . 



Z.B. Bei dem Instrumente, mit welchem ich 
Versuche anstellte ,. war die Kapazität des Zylinders 
oder V =s i5oo. Bei einem dieser Versuche betrug 
unter gleicher Temperatur die freie Ausdehnung =s 
:2i8 Theile der Skale, die plötzliche Ausdehnung =1 
178 Theile der Skale, folglich war fiir die Ausdeh- 

nungsgröfse = -r — , die Temperaturverminderung =» 

- — ~ ^ = 5.^69: oder auf i® R. betrug die Aus- 
dehnungsgröfse X SS o.b:ao9. * 



Bei einem anderen Versuclie betrn«bci einer und 
derselben Temperatur die freie Ausdehnung = 28S 
Theile^ die plötzliche Ausdehnung =: ^35 Theile, 

folglich war für die Ausdehnungsgröfse = -r — , die * . 

Temperaturverminderung =: "^ * ^ - =: 7^12: oder 

auf i^ ß. betrug die Ausdehnungsgröfse x as 0219. 

5) Der Fehler, welcher bei diesen Versuchen 
durch die Aufnahme der Warme der sich ausdehnen- 
den Luft aus dem erwärmten Glase entstehen würde, 
kann durch einige "Übun^ in der Behandlungsart des 
Instruments gröfstentheils vermieden werden. Denn 
wenn man das Instrument bei geöfihetem Hahne (um 
die freie Ausdehnung zu messen) aus der höheren 

' Temperatur in eine um . 5 bis 6 Grad kältere Luft 
bringt (z. B. aus der Nähe eines Ofens in einen etwas 
entfernteren Th^il des Zimmers), so vergehen einige 
Sekunden, bis das Quecksilber wieder zu fallen an* 
fängt ^ so dafs also das Glas in dieser Zeit seine Wärme 
an die umgebende Luft verloren hat. Die kurze 
Zeit also, welche vergeht, um das Instrument ;zur 
Bestimmung der plötzlichen Ausdehnung einen oder 
«wei Schritte weit aus seiner vorigen Stelle zu entfer- 
nen und so schnell wie möglich zu offnen, reicht gerade 
hin, um dem Glase jene überflüssige Wärme zuneh- 
men, welche auf die Ausdehnungsgröfse einen bedeu- 
tenden Einflufs haben könnte, da bekann termafsen 
bei geringen Temperaturunterschieden die Mitthei- 
lung der Wärme nur langsam erfolgt, und ein weit 
gröfserer Zeitraum. erforderlich seyn würde,' um bei 
einer Temperaturdifferenz von 5 bis 6^ die Luft in 
dem Instrumente um i^ abzukühlen. 

6) Auf diese Art habe ich, zum Theil unter ab- 
geänderten Umständen, eine bedeutende Menge von 
Versuchen angestellt, die unter sich gut harmonirten 
und zeigten, dafs das Resultat aus denselben Zutrauen 



verdiene. Die ttieisten dieser Verftüche geben ^ auf 
die §. 4« erwähnte Art berechnet, für i ® R. Tempe- 
ratur eine Ausdehnungsgröfse »wischen 0.021 und 
o.oaa des Luftvolums. Ich glaubte daher für diese 
Grofse oder das oben erwähnte x = 0.021 5 als Mit- 
telzahl setzen zu dürfen. Da nun diese Zahl, wie 
man sehen wird, in der Berechnung der Tempera- 
turen in verschiedenen Höhen, sehr genau mit den 
Beobachtungen übereinsiimmt ; so glaube ich, dafs 
sie so genau ist, als es fiir die Anwendung immer 
^erforderlich seyn dürfte, 

* 

7) Die einzigen Angaben über diesen Gegenstand, 
die meines Wissens vorhanden sind, sind von Dalton 
tmd Gar^Lussac. Ersterer suchte durch Versuche 
mit der Luftpumpe die Temporal urvernjinderung 
durch die Ausdehnung der Luft zu bestimmen, und 
glaubte als Resultat annehmea zu können, dafs bei 
der Ausdehnung einer doppelt koraprimirten Luft 
eine Temperaturverminderung von etwa 5o° F. Statt 
finde. Diese Annahme ist Jedoch viel zu klein (£r//- 
£er^^ Annalen XIV. loi). Herr Gay-Liissac gibt an 
(Annales de Chimie et de Phjsique. T. IX. p. 3o8J, 
dafs in dem pneumatischen Feuerzeug der Schwamm 
sich entzünde, wenn die Luft auf den fünften Theil 
ihres Volums zusammengeprefst wird. Nun entzün- 
de sich der Schwamm wohl auf dem schmelzenden 
Blei (3a3*^ C), aber nicht auf dem Wismuth (283. C), 
also beiläufig bei 3oo*^ C, welche Temperatur also 
wenigstens durch jene Zrusammen drückung erzeugt 
werde, 

« 

Diese Angabe stimmt mit dem |oben gefundenen 
Ausdehnungskoeffizienten näher zusammen, als man 
nach jener tlicrmomctrischen Bestimmungsart erwar- 
ten sollte. Denn eine fünffache Zusammendrückung 
^er Luft gibt nach dem angegebenen Resultate meiner 



5 

Versuche eine Tempepaturerhöliung von 



o.oai5 

a3a^ R. =290° C. ; was sich von der von Herrn 
(7a7^-Zz/^5ac angenommenen Mittelzahl nur wenig un- 
tersclicidet. Es ist hier übrigens im Vorbeigehen zu 
heinerken^ dafs sich im pneumatischen Feuerzeug der 
Schwamm wahrscheinUch hei etwas niederer Tempe- 
raeur entzündet^ als auf einem hcifsen Körper, weil 
im erstcren Falle die heifse Luf\ ihn nach allen Thei- 
len plötzlich durchdringt, sonach keine Ableitung 
der Wärme Statt findet. 

8) Die Temperatur der Luft in einer bestimmten 
Höhe dbr Atmosphäre läfst sich daber nun berech- 
nen, wenn man den gefundenen Werth von x=s 0:0:1 15 
in die' oben (2) angegebene Formel scizt. Es ist hier 
vorläufig zu bemerken, dafs vorzüglich dreierlei Ein- 
flüsse die gesetzmäfsige Abnahme der Temperatur 
stören, und daher berücksichtigt werden müssen. 
Nälimlich: i)die Erwärmung der unteren Luftschich- 
ten durch die Sonne j wenn diese Erwärmung nicht 
anhaltend genug ist, dafs sie bis zu grossen Höhen 
ihre Wirkung erstreckt. Im letzteren Falle vertheilt 
sich durch die Strömungen aufwärts die Wärme in 
die oberen Schichten bis zu einer wahrscheinlich 
hoch liegenden Gräuze, da bei Gay-Liissac^s Luft- 
fahrt das Thermometer in den gröfsten Höhen noch 
Feuchtigkeit zeigte. So dehnt sich z.B. durch 20^ R. 
die untere Luft um 0.093 aus, folglich etwas über 
viermahl mehr , als diese Lqft sich ausdehnen müfste, 
um sich -um i°R. zu erkälten. Folglich kann diese 
durch 20^ R., unten ausgedehnte Luft in eine Höhe 
gebracht werden , wo das Thermometer etwas über 
4^R. tiefer steht als unten, und sich um diese 4^ R- 
erkälten , ohne ihr Volum zu ändern. So hoch würde 
also in diesem Falle die Strömung Statt finden, wenn 
keine Wärme während des Aufsteigens abgesetzt 
wurde. Da aber durch di^se Wärmeabgabe die hc- 



\ 



8 

heren Luftschichten wieder erwärmt sind, so geht 
die Verhrcituhg dieser Wärme immerfort aufwärts 
ahnehmend im Yärhältnifs der Luftdichtigkeiten, Eine 
anhaltende untere Erwärmung der Luft ändert ako 
das Gesetz der Wärmeahnahme his zu bedeutenden 
Höhen nicht merklich, Diefs wird aber allerdings dann 
der Fall seyn, wenn die Temperatur, welche unten 
lierrscht, iure Wirkung nicht noch genug erstrecken 
Xonnte, welches hei sehr grofsen Höhen immer der 
Fall seyn wird; daher in solchen Höhen die Tempe- 
ratur in der That niedriger seyn zu miissen scheint, 
als sie durch das in minderen Höhen Statt findende 
Wärmegesetz angegeben wird; weil die Temperatur 
des unteren Standpunktes, mit jener des höheren, 
auf welchen sich die äufsere Erwärmung nicht mehr, 
oder nicht yerhältnifsmäfsig mehr erstreckt, nicht ii^ 
4er regelmäfsigen Beziehung steht. 

Diese Ursacho l)6gründet wahrscheinlich haupt* 
4iSchlich die Variationen in der Schneegränze der ver- 
ßchiedenenKIimate. Denn setzen wir z.B. eine grofse, 
ebene oder nur mit niedrigen Gebirgen durchschnit- 
tene Landfläche, welche durch hohe Gebirge. gegen 
Nord und Nordost vor den kalten Winden geschützt 
ist: so wird dieses Land einen regelmäfsigen Sommer 
mit geringen Temperaturdiflferenzen haben ; die un- 
tere Erwärmung wird sich Monathe lang ununterbro- 
chen in die Höhe verbreiten , und die Schneegränze 
daher bedeutend über jene Höhe hinausrücken kön- 
pen, welche ihr nach Mafsgabe anderer Länder in 
dieser Breite zukommt, 

9) Eine zweite Ursache, die das Gesetz der 
Temperaturabnahme stört , sind die Windstriche, 
welche in verschiedenen Höhen die Luft wärmer oder 
kälter machen, als sie aufsordem seyn würde. Ein 
ißeispiel dieser iVrt findet sich in der bereits angeführ- 
ten Luftreise Gay- « I^ussacs, Bis zu einer Höhe von 



1893 Klafter fand die regelmäfsige Temperaturab- 
nähme Statte und das Thermometer' zeigte in dieser 
Höhe 8<|^ C.^ von hieraus stieg das Thermometer mit 
der Höhe^ zeigte bei iqSS Klafter io|^ C. und kam 
erst bei 2^ü8 Klafter Avieder auf 6|^ G. und erst bei 
a83:i Klaftern tritt der Thermometerstand in die re- 
gehnafsige Abnahme zurück. Es zeigte sich hier also 
ein warmer Luftstrich^ dem eine senkrechte Höhe 
▼on etwa 873 Klaftern zukam ^ und weither die Tem- 
peratur der Luftschichten , die er einnahm , im Mittel 
lun 3^ R. erhöhte^ wie aus der folgenden Tabelle er- 
hellet^ in welcher die berechneten Thermometer- 
stande aus der im vorigen (§. ü.) abgegebenen Formel 
erhalten worden sind. 



Barometer* 

stand 
in Centim. 



Höhe 
ii»>Toisen« 



Beobachtete 

Temperatur 

R. 



Berechnete 
Temperatur 



DifTerens. 



49.68. 

49-o5. 
45.:i8. 

44«o4- 
43.53. 

4a.49. 

4i.i4- 
39.35. 

39. 1 8. 



1893.9. 
1958.3. 
a3i4.8. 
2428.8. 
2467.2, 
2560.3. 
2702.7. 
2831.7. 
2889.4. 



6^75. 
8.5. 

7- 
6.5. 

5^. 

4i. 
3f 

2. 

O. 



50] 
5.i 
3.21. 
2.45. 

2.24. 

1.68. 
0.68. 

— O.II* 

— 0.5 i. 



+ 0.86. 
+ 3.0. 

- - 3.79. 
'+ 4o5. 

4- 3.01. 

4- 2.82.* 
4^ 2. II. 

4^ o.5i. 



Man sieht hieraus^ da(s dieser Windstrich etwa 
in der Mitte seiner Höhe^ bei 2428 Toiscn, seine 
höchste Temperatur hatte, und diese Temperatur sich 
aufwärts schneller^ abwärts langsamer yermindertOj^ 
gerade wie es unter ähnlichen > Umständen erfolgea 
inufste. 



tö 

lo) Die dritte Ursache, welche die Regelmäfsig- 
keit der Temperaturabnahme in der Atmosphäre störl^ 
ist die auf den Berggipfeln und Bergrücken durch ge- 
meinschaftliche- Wirkung der Sonne und der stet^ 
wechselnden trockenen und dünneren Luft Statt fin- 
dende Ycrdiinstungskälte , welche nicht nur die be- 
nachbarten Luftschichten erkältet, sondern auch käl- 
tere Luftströme nach der Umgebung verursacht. Da- 
her sind in der Regel die Berggipfel, kälter, als die 
/ ' Luft im Freien bei gleicher Höhe. Daher umziehen 

sich dieke Höhen mit Nebel , während die entferntere 
Luft in gleicher Höhe heiter bleibt : indem die Luft 
41US gleichen und wärmeren Höhen durch die Wind- 
striche an diesellien getrieben wirdj setzt sie ihr Was- 
ser als Nebel, Regen, Reif, Schnee oder Eis ab. 
Auf der genannten Luftreise fand Gay ' Lussae- die 
^ Temperatur o erst in einer Höhe von 5ö3i Mcires 
(2889 Toiscn) über Paris y oder in 2909 Toisen über 
dem Meere, obgleich diese Hölie die Schneegränze 
der Pariser Beeile weit, und die Spitze des Mont- 
blanc um 2810 Fufs übertrifft. . 

ti) Die Thermomelerbeobachtungen des Herrn 
Gay-Lussac auf seiner zweiten ärostatischen Reise 
(am iG. September i8o4)sind ganz geeignet, die Rich- 
tigkeit des oben angeführten Gesetzes sowohl, dafs 
nähmÜT^h die .Temperaturabnahme Jm Verhältnisse der 
Luftdichtigkeiten erfolge, als auch die Genauigkeit 
des für x gefundenen Werihes zu bestätigen, weil 
diese Beobachtungen , zumahl in den gröfseren Hö- 
hen, von den angeführten Störungen möglichst frei 
sind. 

Nachstehende Tabelle zeigt die Berechnung der 
Gajr - Lussac*s^en Beobachtungen , mit Weglassung 
derjenigen, welche bereits ipi Vorigen aufgefführt 
worden sind. 



II 



Barometer- 
stand 
in Ccntini. 



Höho 

in Toiscn 

iiber Paris. 



Beobachtete 

Temperatur 

o R. 



Berechnete 
Temperatur 



DiiTercnE. 



. 



76.53. 
53.81. 

5 1.43» 
49.68. 

4i-4'- 
89.18. 

89.01. 

87.17. 

86.96. 

86.70. 

33.89. 

82.88. 



o. 
i555.6. 
1700 6. 
1 898.9. 
2654-6. 
2889.4, 
29 1 1 .6. 
8099.8. 

3 133.4. 
3 1 5 1 .9. 

8582.0. 
3579.9. 



22°. 2D. 
10. 
8.75. 
6.75. 
' 0.75. 
O. 
0.5. 

1.25. 

— 2.75. 
—5.5. 
— 7.5. 



8.41. 

6.89. 

5.89. 

0.85. 

-0.5 1. 

-1.07. 

-1.74. 

• 1.87. 

-2.64. 

'4«o4. 

4-35. 



+ 1.59. 
+ 1.86. 
4- 0.86. 
— o.io. 

+ Q.5l. 

4- 1.57. 

—0.76. I 
-f- 0.62. 

— O.I I. 

— 1.46. 
— 3.i5. 






Nimmt man, um die Folgen der verhaltnirsmäfsi g 
ungleichen Erwärmung von unten nach oben ( 8. ) zu 
Beseitigen, von diesen Beobachtungen nur jene für 
die gröfsten Höh^n, und legt der Berechnung der 
ihnen zugehörigen Temperaluren , die bei dem J3aro- 
meterstande von 89.18 Centim. beobachtete Tempera- 
tur von o R. zu Grunde, Statt wie in der vorstehen- 
den Tabelle die Temperatur an der Oberfläche der 
Erde 3 so erhält man folgende Werthe. 



Barometer- 


Höben 


Rcobachtete 


Berechnctp 


DifTerenr.. 


stand 


in Toisen. 


Temperatur 


Temperatur 


89.18. 


2889.4. 


0^. 


0°. 


0°. 


89.0 1 . 


29 1 1 .6. 


0.5. 


— o.a. 


+ 0.7. 


87.17. 


8099.8. 


— 2.5. 


2.5. 


0. 


86.70. 


8151.9. 


— 2.73. 


—2.9. 


— o.ia. 


88.89. 


3532. 


—5.5. 


Ö.8. 


— 0.3. 


82.88. 


3579.9. 


-7.5. 


"5 


. 0. 



iJä 



Diese Vergleichungen zeigen , dafs die DiflTerea* 
sen zwischen der Beobac^itang und Berechnung nicht 
gröfser sind^ als die unvermeidlichen Fehler in der 
Beobachtung mit sich bringen; welche vorzüglich in 
dem ZurüclsLleiben des Thermometers beim Auf- oder 
Niedersteigen des Ballons ihren Grund haben. Man 
kann sonach das erwähnte Gesetz^ welches dieser 
Rechnung zu Grunde hegt^ als him*eichend bewiesen 
ansehen. 

is) Aufser der Erwärmung durch die Sonne, 
hängt also die mittlere Temperatur der Erdoberflache 
vorzüglich von dem mittleren Drucke der Atmosphäre 
ab. Gesetzt es befinde sich an einem Theile dieser 
Oberfläche, dessen mittlere Temperatur lo^ R. bei 
28'^ B. betrüge , ein Thal , dessen senkrechte Tiefe 
4973 Klafter betrüge , oder in welchem das Baro- 
meter einen Stand von 88^^ hätte, so würde am Grunde 
dieses Thaies die mittlere Temperatur 80^ betragen. 
Die in dieser Lufl befindlichen Wasserdämpfe hätten 
die Dichtigkeit der Dämpfe von 28^^ B.; das -Wasser 
würde aber erst bei etwa 1 09^ R. zum Sieden kom- 
mein. Der Himmel würde in dieser Tiefe durch die 
von den dichteren Dämpfen und der dichteren Luft 
vermehrte Lichtzerstreuung kaum noch eine blaueFarbe 
haben, u. s. w. In einer Tiefe von 11 290 Klaftern 
oder von etwa drei deutschen Meilen (bei einem Baro- 
meterstande von 377" W.) würde die Luft die Glüh- 
hitze (43o° R.) erreichen; bei. einer Temperatur von 
I o^ R. an der Oberfläche der Erde. Aus diesem Grun-^ 
de haben die Veränderungen des Barometerstandes 
an der Oberfläche der Erde auch Einflufs auf die 
Veränderungen der Temperatur : setzen wir z. B. das 
Barometer steige von 27" auf 28", so wird die untere 
Lijft um s^ dichter, folglich um ^^^7.0.021 5 == i^y R. 
erwärmt, und im Gegenfalle erkältet (wenn diese Tem- 
peraturänderung nicht durch andere Einflüsse wie- 
der auf|;ehoben wird). 



i3 

1 3) Wir "woBcn nun eine Aimospliare Ton Was- 
«erdampf unter denselben Umständen betrachten. Es 
ist ein Erfahrangssatz ^ dafs gleiche Gewichte Dampf 
von irgend einer Temperatur gleiche Mengen Wärme 
enthalten. Wurde z. B. Dampf von o R. ^ v^elchem ein 
Druck von o.5o5 Gentim. entspricht^ auf das iGofache 
zusammengedrückt^ ohne dafs Wärme entweicht; 
so wird seine Temperatur loo^ C. bei einem Drucke 
von 76 Centim. Im entgegengesetzten Falle wenn ein 
KubÜLfufs Wasserdampf von 100^ C. sich in einen 
Ramu von 160 K. F. ausdehnt^ so erhält der Dampf 
bei der Elasticität von o.5o5 Centim. die Temperatur' 
von o^ 9 ohne dafs Wärme nach aufsen verloren wor- 
den ist. Wenn wir uns daher eine Atmosphäre von 
Wasserdampf vorstellen^ die sich nach demselben 
Gesetze , wie jene aus Luft gebildet hat ; so müssen 
in jedem Punkte ihrer Höhe die Temperaturen des 
Dampfes der Elasticität desselben entsprechen , wie 
deren Yerhältnifs durch die Versuche gefunden wor- 
den ist. Da^ wo das Barometer z. B. tio^^ zeigt;, hat 
der Dampf eine Temperatur von go° C., bei dem 
Barometerstande von 7'' eine Temperatur von 65^ G. 
IL s. w. 



\ 



Um diese Erhöhung der Temperatur, welche 
durch den eigenen Druck einer Dampfsäule von gros- 
ser Höhe entsteht^ näher zu betrachten, nehmen wir 
einen senkrechten Schacht von 1 1 3oo Klaftern Tiefe 
an^ dessen Mündung an der Erdoberfläche bei einem 
Barometerstande von 28'' sich öffnet, und in welchen 
Dampf von 80^ R. einströmen soll, so dafs diesem 
Dampf den Schacht endlich ganz anfüllt. Die Ela&ti« 
zität und Dichtigkeit dieses Dampfes nimmt mit der 
Tiefe zu nach demselben Gesetze , als dieses mit der 
Luft der Fall ist , dabei Rücksicht genommen auf das 
spezifische Gewicht de» Dampfes. Ixx der Tiefe des 
Schaehtes von i t3oo Klaftern haben sonach die Was- 

$erdäfflpfe eine £la$tizitat von 377^^ X 0.62 s a33^^ W.| 



und daher die dieser Elastizität entsprechende Tem- 
peratur von i48° R. (175° C). Mit der Höhe niount 
diese Temperatur dem in irgend einem Theile dersel- 
ben Statt findenden Drucke entsprechend ab^ und an 
der Mündung des Schachtes erhält sie sich auf dem 
ursprünglichen Grade. 

i4) Ist Wasserdampf mit Luft gemischt^ so nimmt 
der Wasserdampf die Temperatur der Luft und (vor- 
ausgesetzt^ dafs hinreichend Wasser vorhanden sey)* 
die dieser Temperatur cfntsprechende Elastizität an. 
Die Temperatur der Luft erhöht sich mit der Tiefe 
bedeutend schneller^ als jene des Wasserdampfes; 
dagegen wächst die Elastizität des Wasserdampfes 
mit der Temperatur viel schneller , als die Elastizi- 
tät der Luft. In einer Tiefe z. B. in welcher' die 
Luft eine Temperatur von 80° H. bei einem Drucke 
yoii 88'^ hat y komn;it den Wasserdämpfen eine Elasti- 
zität von a8" zu. Bei der Tiefe von ii3oo Klaftern, 
iu welcher die Luft eine Temperatur von 43o^ R., 
l>ei einem Drucke von 877" erreicht, erhaben die 
Wasserdämpfe durch diese Temperatur eine Elastizi- 
tät von i4632'^ (etwa 52a Atmosphären); soda(s diese 
daher den Statt findenden Luftdruck noch um i /pSS'^ 
übertrifft. Die Luft kann also nur bis zu jener Tiefe 
reichen und Dämpfe enthalten , in welcher die Elasti- ' 
zität der letzteren , durch die Temperatur der unte- 
ren Luft bedingt, dem Drucke der Luft höchstens 
gleich ist. In diesem Flalle ist der Gesammtdruck aus 
dem Drucke der Luft und des Dampfes zu gleichen 
Tbeilcn zusammengesetzt. Über dieser Gränze wird 
die Luft von den Dämpfen aufwärts getrieben , indem 
letztere allein den Raum einzunehmen suchen. Diese 
Gränze tritt beiläufig bei einem Barometerstande yon 
122^' ein, bei welchem der Luft eine Temperatur von 
120^ R. zukommt (bei der Temperatur von jo° R. in 
der Oberfläche), welche Temperatur einer Elastizität 

de> Dämpfe von etwa derselben Stärke entspricht* Die* 



i5 

Mr Luftdruck kommt einer Tiefe voa etwa 64oo Klaf- 
tern zu. 

i5. Wir woüen nun betrachten^ was vorgeht, 
wenn in einen tiefen Schacht oder eine Erdspalte Luft 
mit Wasserdam|>fen gemischt eindringt, mit der Vor* 
aussetzen^, dafs die Wände des Schachts hinlänglich 
feucht seyen , um die Luft ihrer Temperatur gemäfs 
mit Dämpfen zu sättigen, in der oben genannten 
Tiefe von etwa 6000 Klaftern erlangen Luft und Dampf 
eine Temperatur von 120^ R. Diese Temperatur 
nimmt aufwärts ab; folglich auch das Yerhältnifs des 
Volums Wasserdampf zu dem Volum Lufl in den ver- 
schiedenen Höhen; so dafs an der Ofihun«; des 
Schachtes bei einer Temperatur von 12^ R. dieses 
Volnmsverhältnils (hei gleicher £lastizilät)=: ^'4'h ^^^^ 
ten bei der Tempei?atur von 120^ IL aber =-- 1 ist. 
Hat der Schacht in dieser Tiefe ursprünglich eine nie- 
drigere Temperatur , als welche diesem Drucke der 
Luft zugehört^ so werden die Luft und der Dampf 
ihre Warme zum Theil an die Wände; desselben ab- 
setzen : der durch die Kondensirunf^ der Dämpfe 
entstandene leere Raum wird ausgefüllt durch neue 
Quantiiäten von Luft und Dampf ^ welche von oben 
nachdringen , und gleichfalls die der Tiefe korrespon- 
dirende Temperatur . annehmen^ und ihre erlangte 
Wärme zwischen der in dieser Tiefe vorhandenen 
Luftmasse und den anUegenden Wandeln des Schach- 
tes gleich vertheilen. Diese Temperaturerhöhung 
wird so lange andauern^ bis die Schachtwände mit 
der anliegenden L^ftmasse gleiche T'emperatur er- 
halten. 

Diese Gränze würde bald einireten, wenn nicht 
unaufhörlich die unteren Theile des Sc hachtes durch 
MiuheUung ihre Wärme nach den hoher liegenden 
verbreiteten^ wodurch zwei Wirkungen entstehen: 
nähmlich i) die Verminderung deJC 'ü '^mperatui" der 



i6 . 

unteren Theile^ und in Folge derselben die Fortset- 
zung des erwähnten Vorganges zur Herstellung der 
vorigen Temperatur ; ' a) die Erwärmung der höher 
hegenden Luft - und Dampfschichten selbst über jene 
Temperatur , welche ihnen nach Mafsgabe der Tiefe 
zukommt. Diese^ Temperaturerhöhung der obern 
Theile hat die Folge , dafs auch nun wieder die Tem- 
peratur der unteren zunimmt. Nimmt z. B. in der 
Höhe von 28^' die Temperatur um :2^ R. zu, in Folge 
dieser Erwärmung aufwärts; so wird die Temperatur 
unten bei 122"^» Statt 120^, wie vorher bei 10® R. 
oben^ nun i25^' R. 

16) Denkt man sich diese Vorgänge unaufhörlich 
wiederhohlt, so läfst sich vollständig begreifen, dafs 
in diesen tiefen , weder kälteren Windstrichcu , noch 
anderen erkältenden Ursachen ausgesetzten Schach-« 
ten die Temperatur sich nicht nur in den tiefesten 
Theilen allmähl ich und nach einem langen Zeiträume 
immer mehr erhöhe, so dafs sie vi^l bedeutender 
wird, als diejenige Temperatur, welche dem Drucke 
der Luft in diosen Tiefen entspricht, sondern dafs 
diese hohe Tc^mperatur sich auch allmählich nach, 
den höheren Theilen des Schachtes aufwäits verbrei- 
tet; so dafs che Wände desselben beinahe gleich- 
Tnäfsig diese hohe Temperatur sowohl nach einem 
bedeutenden Theile der Höhe, als nach der auf die 
Seiten wände senkrechten Richtung erhalten. 

r 

17) Diesei* Vorgang fmdet auch in nounder tiefen 
Schacnten Statt, jedoch we^en des geringen Unter- 
schiedes der Temperatur und der dadurch verzögerten 
Mittheilung od er Ausgleichung derselben, dann we- 

§ea der Leicbitigkeit, mit welcher Störungen der 
'emperatur durch die aufsere Atmosphäre eintreten, 
in viel längerer Zeit. Setzen wir z. B. einen senkrech-^ 
ten, nicht sehr weiten Schacht von 200 Klaftern 
Tiefe ; dessen «Qlündupg mit einer Decke oder Hütte 



'7 

▼ersehen ist, durch deren Öffnungen die Luft mit 
dem Innern zwar Gemeinschaft hat, welche jedoch 
Winde und Luftströmung abhält, fauch finde durch 
untere Seitenöffnungen keine Ventilation des Schacht 
tes Statt; so gehört dem Grunde dieses Schachtes hei 
einem Barometerstande von ^q^'Si eine Temperatur 
^on 13^08 R., wenn die Temperatur der Luft an der 
Mimdung bei a8'^ Barometerstand 10^ R. betragt« Die 
untersten Schachtwände erlangen bald diese Tempc'» 
ratur , welche sich nach den Gesetzen der Wärmelei- 
lung allmählich zu den höher liegenden Querschnit- 
ten des Schachtes verbreitet. In dem Mafse , als 
diese Verbreitung aufwärts geht, erhöht sich auch ' 
die Temperatur des Grundes, welche wieder eine 
Erhöhung der Temperatur der Schachtwände auf->. 
wärts bewirkt, u. s. w«, bis endlich durch die Ab'» 
leitung der Wärme an der oberen Mündung eine 
Gränze des Wachsthumes eintritt. Hierin - liegt der 
Grund, dafs Schächte in Bergwerken, abgesehen von 
der Einwirkung chemischer Prozesse , in der Regel 
eine höhere Temperatur haben , als ihrer Tiefe nach 
den angegebenen Gesetzen der Wärmezunahme zuge- 
hört. So beträgt in den Steiukohlengruben JEnglands 
(ungeachtet der Statt findenden Ventilation) in einer 
Tiefe von 900 Fufs (84i" Paris.) die Temperatur 
d^r Luft auf dem Grunde 70^ F. = 17^ R» (JEdin-^ 
burgh Journal L 335). 

18) Hat der Schacht eine solche Tiefe, dafs die 
Elastizität der Wasserdämpfe, welche der Tempera« 
tur der Luft entspricht, den Druck der letzteren mehr 
oder weniger bedeutend übertriSl ; so mufs der Vor* 

{;ang dieser Temperaturerhöhung heftiger und schnei^ 
er erfolgen. In jener Tiefe z. B. welche einem Baro* 
meterstande von 171'' entspricht, erhalt die Luft eine 
Temperatur von 180° R.; der Dampf, welcher durch 
diese Temperatur erzeugt wird , erhält aber eine Ela- 
stizität von 616'^ Quecksilberhöhe, die sonach jene 



i8 

deis Lufldrucke5 um 44^^^ oaer um eiwa iß Atmo- 
sphären übertrifft. - Betrachten ;wiT daher die Luft in- 
diese Tiefe einstürzend^ und das Wasser, mit wel- 
chem sie in Berührung kommt, in Dampf verwan- 
delnd ; so wird dieser Dampf, in dem Augenblicke, 
als er gebildet ist , die Luft selbst zu verdrängen su- 
chen und aufwärts treiben, während er selbst an den 
kühlen Wänden sich verdichtet und diese erwärmt. 
Die durch diese Verdichtung entstehende Leere wird 
neuerdings durch die abwärts dringende, mit Dampf 
gemischte Luft nusgefuUt, wodurch derselbeDampf wie- 
der erzeugt, und an den Wänden neuetdings konden- 
sirt wird. Dieser Vorgang wird so lange anhalten , bis 
die Seitenwände des Schachtes eine Temperatur von 
i8o^ angenommen haben, und dieser Theil desselben 
ganz mit Dampf von dieser Temperatur ausgefüllt ist. 
Da jedoch in dem Mafse , als diese Temperatur her- 
gestellt wird^ die Seitenwände d6s Schachtes sich 
nach aufwärts erwärmen ; durch diese höhere Erwär- 
mung aber sich wieder die untere Temperatur erhö- 
het, so wird auch hier keine Gränzc der Temperatur- 
erhöhung für den Fall Statt finden, als der obere Aus- 
gang desSchachtec geschlossen ist, an demselben also 
Dämpfe und Luft jeden höheren Druck über :j8" an- 
nehmen können. Öffnet sich dagegen der Schacht 
in die Atmosphäre, so ist die höchste Temperatur^ 
welche im Inneren desselben erreicht werden kahn^ 
jene , welche dem Gründe desselben fiir den Fall zu- 
gehört, als die Temperatur des Dampfes am Aus- 
gange bis auf 80^ R. steigt; in welchem Falle bei dem 
unteren Barometerstände von 171" der unterste Theil 
des Schachtes (die Erwärmung durch die höher er- 
hitzten Seitenwände bei Seite gesetzt) allmählich bis zu 
einer Temperatur von etwa i3o° R. herabsinkt^ und 
der Schacht ganz mit Dampf ausgefüllt ist. 

19) Nehmen wir an, der Schacht sey bereits ganz 
mit Dampf angefüllt, übrigens oben yerschlosscn, und 



19 

habe sich so weit abgekühlt^ dafs die obersten.TheUe 
desselben die mittlere Temperatur der Erdfläche oder 
lo^ R. angenommen haben; so wird auch hier die 
aUmähliche Erhitzung der unteren Thcile des Schach* 
tes bis zu einer sehr hohen Temperatur Statt finden 
müssen. Denn in dies'em Falle kann man sich den 
Schacht zuerst als luftleer^ lidd dann durch»Dämpfe 
Ton 10*=* R., erzeugt durch die mittlere Wärme der 
Erde, ausgefdllt denken , deren Druck nach Verhält- 
niis der Höhe die proportionale Dichtigkeit und Tem- 
peratur des dieser Höhe zugehörenden Dampfes her- 
vorbringt (i3). Beträgt dieser Druck unten z. B. 
1^8 Zoll; so ist hier die Temperatur der Dämpfe =« 
130^ R. Kommen diese mit den kälteren Wänden 
des Schachtes in Berührung ; so theilen sie ihnen ihre 
Wärme mit, indem sie sich kondensiren: die oberen 
dünneren Dämpfe stürzen ii^ den leeren Raum nach, in- 
dem sie sich verdichten und dieselbe Temperatur an- 
nehmen, die sie wieder der Umgebung mittheilen; 
der oberste Theil des Schachtes ersetzt seinen Dampf 
"VDn 10° R. aus seiner feuchten Umgebung und durch 
die Zuleitung der Wärme der Erdfläche. Die immer- 
währende Wiederhoblnng dieses V^organgs erhöht 
endlich die Temperatur des unteren Schachtes bis 
zu jener, welche den Dämpfen vermög ihres Druckes 
in dieser Tiefe zugehört. Von nun an verbreitet sich 
diese Temperatur immer mehr und mehr an den 
Schachtwänden aufwärts. In dem Mafse dieser Ver- 
breitung erhalten die mit denselben in Berührung 
stehenden Dämpf e eine höhere Temperatur undDich- 
• ligkeit , in diesem Verhältnisse vermehrt sich wieder 
die Temperatur der unteren Wände des Schachtes 
u. s/w. Auf diese Art wird es möglich, dafs von der 
Oberfläche der Erde bis zu den gröfsten Tiefen, io, 
welche' keine Sonnenwärme zu. dringen vermag, eine 
ungeheure Wärmequantität wie in einen Feuerherd 
hinab und zusammen geleitet werde. Hätte man 
es in seiner Gewalt, Schachte von 4 ^^^ 5ooo Fufs 

2 * 



Tiefe ^ am untersien 'theile mit einer bedeutenden 
Erweiterung^ herzustellen^ so würde maii auf diese 
Art die schwache Wärme der Erdoberfläche in Her- 
den konzentriren, oder Vulkane von schwacher Wir- 
kung erhaUcn, deren Wasserdampf man periodisch 
zur Betreibung von Maschinen oder zum Heitzen der 
Gebäude verwenden könnte. Man sieht hieraus ^ wie 
in allen bisher bezeichneten Fällen immer die Zunah^ 
me der. Temperatur mit der Tiefe von der Wärme der 
Erdoberfläche ausgeht^ und dafs fiir die Feuerherde 
der Vulkane eben diese Wärme der Erdoberfläche 
(folglich zuletzt die Sonnenwärme) die Quelle ihrer 
Temperaturerhöhung und Erneuerung ist. 

ao) Sammelt sich im Grunde des Schachtes oder 
der Spalte Wasser; so nimmt dieses dieselbe Tem- 
peratur an y welche die anliegenden Seitenwände er- 
nalten haben, nähmlich die Temperatur des unmit- 
telbar über demselben liegenden Dampfes. In dieser 
von der Tiefe abhängenden hohen Temperatur wirkt 
diese Flüssigkeit auf die Seitenwände, zerstört ihren 
Zusammenhangs löset zum Theil auf, und setzet aus 
den Bcstandthellen der anliegenden Gebirgsarten halb-* 
flüssige Massen von hoher Temperatur zusammen, 
welche gleichsam einen Mittelzustand von trocken ge- 
schmolzenen und im Wasser von gewöhnlicher Tem- 
Eeratnr erweichten Erd- oder Steinmassen bilden* 
»ie Wirkungsart des Wassers in sehr hoher Tempe- 
ratur ist uns nicht bekannt, und wir können sie nur 
nach der Analogie der erhöhten Einwirkung dessel- 
ben bei wenig erhöhter Temperatur auf die Körper 
beurtheilen. Dafs das Wasser ^ welches sich unter 
einem solchen Drucke befindet, dafs es die Glühe- 
liitze zu erreichen im Stande ist, eine auflösende 
Kraft auf die verschiedenen Gebirgsarten und ihre Be- 
standtheile ausübe, die von dem Verhalten desselben 
bei gewöhnlicher Temperatur sehr abweicht, und 
dafs ein solches Wasser ein höchst; wirksames .Auflö- 



31 

sungsmiuel darstellen könne , läfst sich leicht begrei- 
fen. Es läfst sich denken^ dafs glühendes Wasser 
andere im glühenden Flusse befindliche Körper eben 
so in sich aufnehme , wie diese im geschmolzenen Zu- 
stande befindlichen Körper einander selbst. Es ist 
wahrscheinUchy' dafs das W&sser in hoher Tempera- 
tur und unter dem- derselben zugehörigen Drucke mit 
den Erden , mit welchen es in Flufs kommt, eigene 
Verbindungen eingeht , gleich den schon bekannten 
Hydraten, so dafs diese Verbindung bei niederer 
Hitze schmelzbar ist, und in dieser Hitze das Wasser 
nur sehr langsam fahren läfst; wie dieses Verhalten 
schon bei mehr^eren bekannten und in niederer Tem- 
peratur gebildeten Hydraten Statt findet ; am ausge- 
zeichnetsten bei den Hydraten der Alkalien > beson- 
ders bei dem Bary thy d,rat , das schon bei dunkler 
Rothglühehitze schmilzt, mit dem Verluste des Was- 
sers aber in derselben Temperatur fest und unschmelz- 
bar wird., 

3 1) Die bisherige Darstellung, welche sich übrigens 
auch in allgemeineren mathematischen Ausdrücken be- 
handeln liefse,enthält die ungezwungene und genügende 
Elrklärung der vulkanischen Phänomene der Erdfläche. 
Durch die bcschriebei^en Vorgänge vermöge der Wir- 
kung der Luft und vor^üglidhi des Wasser dampf es in 
grofsen Tiefen wird hier ein glühender Herd gebildet, 
der im Zusammentritt mit Wasser alle jene Wirkun- 
gen hervorzubringen im Stande ist , welche der Vul- 
kanität zukommen.. Die ungeheure Elastizität der Was- 
serdämpfe ist ihr Grund , und durch dieselbe werden 
nicht nur die Decken der Schachten gesprengt und 
gehoben , sondern auch aus dem tiefesten Grunde des 
Urgebirges die durch heifses Wasser veränderten 
Steinmassen in die Höhe gehoben, oder mit dem 
Wasserdampf ausgeworfen. 

Wir wollen noch i*m Allgemeinen die einzelnen 



33 ' 

V 

Punkte,* welclie hier zu berücksichtigen siiid, etwas , 
xiäh<^r bezeichnen, um die Haupterscheinungen da- 
durch zusanunen zu fassen. 

,22) Als die, Granitmasse *), welche 4ie Erd- 
fläche bedeckt, allm/dhlich austrocknete, niufste sie 
natürlich eine grofsc Menge mehr oder minder ausgc- - 
dehnter und tiefer Risse und Spalten erhalten^ auf 
dieselbe Art^ wie das mit jeder allmählich austrock- . 
nenden Masse der Fall ist. Die kleinsten dieser Risse 
sind mit verschiedenen Gangarten durch alimähliche 
Einsiuterung von den Seiten und der Oberfläche aus- . 
gefüllt; die grofsen und tiefen Risse ifnd Klüfle. hin- 
gegen bildeten den Herd der vulkanischen Erschei- 
nungen. In cler Periode der Austrocknung der 
Granitmasse um die Erde trat daher die , erste und 
gröfste Periode der Vulkanität ein, deren Wirkungen 
sich in zahlreichen Herdea über die ganze Erdfläche 
erstreckten. Die wahrscheinliche Tiefe der gröfseren 
Spalten läfst sich durch Vergleichung der auf einer 
Kugel von einer sehr gleichförmigen Masse , z. ]ß. Gyps* 
oder feinen Thon durch das allmähliche Austrocknen 
entstehenden Risse beurtheilen. Nimmt man an, dafs 
auf einer solchen Kugel von 18" Durchmesser die 
gröfste Breite der Sprünge jöW eines Zolles beträgt 
(Sprünge, welche mit freiem Auge nicht mehr erkannt 
werden können), und ihre verhältnifsmäfsige Tiefe 
Yö o eines Zolles ; so kommt, nach den ähnlichen Ver- 
hältiyssen, einer Spalte von dieser Gröfse auf der Ober- 
fläche der Erde eine Tiefe von 4 deutschen Meilen, 
und eine Breite von 4^0 Klaftern zu. Dafs ähnliche, 

t'a noch bedeutend tiefere Schluchten und Spalten vor- 
nanden waren oder sind, läfst sich nach der vor Au« 
gen liegenden Bildungsweise der Erdrinde und nach ' 

W . » ' ■ ■ ■- ' ■ - ....■■ , . . ■ ■ , , ■ 

*) Ich reebne xu derselben auch die Gnetisformation , welche 
nur ein mehr schneller und turbulenter ISiederschlag der- 
selben Granilmasse zu seyn scheint, daher mit dem Granit 
tbeils gleiclizeitig, theils später abfliegend vorliommen liann. 



Analogie der ähnlichen Vorgänge nm so weniger be- 
zweifeln , als schon der durch Gebirge verursachten 
Unebenheit der Erdiläche^ deren Bildung gröfsere 
und anhaltendere Kräfte erforderte, als jene der Spal- 
ten und Klüfte einer austrocknenden Masse, von dem 
tiefsten Grunde des «Meeres bis zum Gipfel der höch- 
sten Gebirge .eine Höhe von vielleicht zwei deutschen 
Meilen zukommt« Auch haben die Geologen das Da- 
seyn dieser Risse und die Nothwendigkeit ihrer Ent- 
stehung nie bezweifelt. Es ist übrigens aus dem Vor- 
hergehenden ersichtlich, dafs weit weniger tiefe 
Schachte und Klüfte hinreichen, um dem Ipuern der- 
selben allmählich eine Temperatur mitzutheilcn, wel- 
che die Glühehitze bedeutend übertrifft. 

^3) Die Länge und Richtung der vulkanischen 
Spalten bilden die Lage und Richtung der Vulkane 
an der Oberfläche, nachdem in späteren Zeiten die 
Öffnung der Spalte bedeckt und einzelne Theile der- 
selben ausgefüllt worden sind. Man kann daher die 
Richtungen dieser Spalten mit ihren Seitenzweigen 
durch dieLage der Vulkane an der Oberfläche der Erde 
erkennen. Die alten Vulkane , die Porphyrgebirge und 
Basaltkegel liegen in der Regel so ^n einander, wie 
es die Lage einer Hauptspalte und der minder tiefen 
und minder wirksamen Seitenspalten fordert. Es läfst 
sich begreifen, dafs durch die Umdrehung der aus- 
trocknenden Erde um ihre Achse die mächtigsten Spal- 
ten in der Richtung von Nord nach Süd sich öffneten ; 
auch finden sich in dieser Richtung die mächtigsten 
vulkanischen Formationen, z. B. die Kordilleren der 
Andes ;' während die Bergrücken des Urgebirges nach 
allen Richtungen fortlaufen. 

^4) Der Auswurf oder die Ausfüllungsmasse der 
Vulkane ist, wie aus dem vorher Gesagten erhellet, 
kein im trockenen Flusse geschmolzenes Produkt, son- 
dern ein Produkt auf dein nassen Wege bei einer 



a4 

hohen , in einzelnen Fällen' die Gliihehitze überstei- 
genden Temperatur d^s Wassers. Diese Tempera- 
tur, die Tiefe^ aus welcher die kochende Schlammmasse 
emporgehoben wird, und die Menge des Wassers und 
der Masse selbst bestimmen unter übrigens bleichen 
Umständen seine verschiedene Form ; so dafs derselbe 
Vulkan porphyrartiges Gestein , schlackige Lava, heis- 
sen, an der Luft zu Basalt erhärteten Schlamm , zer-. 
stäubten Schlamm (vulkanische Asche) mit Wasser- 
dämpfen, flüssigeren Schlamm, auch selbst heifses 
Wasser, und endlich auch nur Wasserdämpfe auswer- 
fen kann. Daraus erklären sich alle AnAihalien des 
Aussehens und Vorkommens der vulkanischen Pro- 
dukte und der dahin gehörigen Trapparten: sie sind 
in der Regel aus dem Urgebirg — zufällig aus sekun- 
dären Formationen — durch die Einwirkung des Was- 
sers von hoher Tempeiratur entstandene, und durch 
dess?n Dämpfe emporgehobene Gebilde. Ohngeach- 
tet des glasigen , und auf die Wirkung eines trocke- 
nen Feuers deutenden Ansehens mancher derselben, 
enthalten sie daher solche Bestandtheile , welche die 
tit>cJLene Glühehitze, ohne ihre Form zu ändern,. nicht 
vertragen; ja selbst Wasser, wie der blasige Basalt. 
Daher ist der Flufs der Lava in seinen Erscheinungen 
nicht eigentlich ein trockener glühender Flufs; denn 
aufserdem dafs sie Theile enthält, welche diesen Flufs 
nicht vertragen, stöfst sie Wasserdämpfe aus, nach 
deren Verlust sie fest wird, und deren Einschliefsung 
sie (gleich dem Basalte) blasig macht« .Die Hitze, 
welche der glühenden fliefsenden Lava zukommt, ist 
geringer, als diejenige, welche erfordert wird, sie^ 
nachdem sie erhärtet, in trockenen blühenden Fltifs 
^VL bringen ; d^nn in den letzteren geht sie erst dann 
i^ber , wenii sie ihre Eigenschaft als Hydrat verloren 
hat (30 ). Die Lava ist daher durch die Schmelzung 
mit glühendem Wasser entstanden, und als glühen^ 
der Schlamm (leichtflüssigeres Hydrat) emporgehoben 
worden» Während des Glühens entbinaet sich das 



25 



"Wasser allmälilich an der Luft , die Masse bläht dabei 
Siui, wird strengflüssiger und zäher in dem Mafse 
als sie das Wasser verliert^ und erstarrt sonach schnel- 
ler^ als es der Fall seyn würde, wenn sie eine im 
trockenen Flusse geschmolzene Masse (Glas) wäre» 
Die Laven sind entweder mit einer höheren Tempe- 
ratur^ oder mit Zutritt eiiier geringeren Wassermenge 
gebildet, als die älteren vulkanischen Produkte (Por- 
phyre und Basalte). Rücksichtlich der Entstehungs- 
weise verhält sich der Porphyr und Basalt zu den 
neueren Laven , wie der Obsidian zu dem Bimsstein. 

25) Hiemach hebt sich der Streit zwischea den 
sogenannten Neptunisten und Yulkanisten^ und beide 
haben zum Theil Recht^ obgleich die Wahrheit mehr 
auf der Seite der ersteren ist. Die vulkanischen Aus- 
fiiUangsmassen^ z. B. die Basalte^ haben eine mehr 
oder weniger blasige Form , wenn der aus dem In- 
nern des Herdes emporgehobene Schlamm zäher ist' 
(weniger Wasser enthält)^ und mit einer höheren 
Temperatur (durch schnelleres Emporheben oder 
Auswerfen) aus der Mündung tritt; sodafs die zäbe 
Masse während ihres Yerhärtens^ je nach ihrer Zähig- 
keit^ eine über 80^ R. mehr oder weniger erhöhte Tem- 
peratur erhält^ folgUch die eingeschlossenen Blasen des 
Wasserdampfes die Höhlungen der verhärtenden Um- 

Sebung bilden. Ist dagegen der vulkanische Schlamm 
unnflüssiger^ und wird er langsamer aus dem vulka- 
sischeu Schachte emporgehoben; so dafs er mit ei- 
ner geringeren Temperatur als 80^ R. aus der Öffnung 
schon halb austrocknend ausgestofsen wird : so wird 
er eine dichte Form annehmen , indem die Höhlun- 

Sen in demselben durch Wasserdampf während des 
.ustrocknens nicht gebil4et werden können. Die lö- 
cherigen oder blasigen Basalte y zu denen rücksicht- 
lich ihrer Entstehungsart auch viele neuere Laven zu 
rechnen sind, sind demnach durch eine heftigere vul- 
kanische Wirkung , die dichten Basalte hingegen , zu 



a6 

denen in dieser Rucksicht auch die Porphyrarten ge- 
hören^ sind durch eine langsamere und weniger hef- 
tige Wirkung mehr allmählich und ruhiger, wenn 
gleich in um so mehr bedeutenden Massen, emporge- 
hoben worden. Setzen wir einen zäheren Schlamm, 
der unter den in dem ersteren der erwähnten Fälle 
bezeichneten Umständen , als schlackenartiges Pro- 
dukt die Öffnung des vulkanischen Schachtes verlas* 
sen hätte, dufcn eine noch heftigere Eruption und 
mehr häufige Entbindung der Wasserdäpipfe noch 
schneller aufwärt^ getrieben,. folglich an der Mündung 
des Schachtes mit einer die Südehitze bedeutend 
übersteigenden Temperatur ankommend; so werden 
die Blasen des Wasserdampfes durch ihre überwie- 
gende Expansivkraft den zähen verhärteten Schlamm 
zerstäuben und nach allen Richtungen umherschleu- 
dern (vulkanische Asche). Ist bei einer Eruption und 
hinreichendem Zutritte von Wasser in den unteren 
Herd die Entbindung von \V^asserdämpfen häufig ; so 
werden diese theils aus der aufkochenden Ausfüllungs- 
masse , theils durch dieselbe hindurch mit einer den 
Druck der Atmosphäre oft vielmahl übertreffenden Ex- 
pansivkraft in die Höhe getrieben , und indem sie sich 
in bedeutenden Massen schnell kondensiren und Wol- 
ken bilden, verursachen sie oft Donner und Blitz auf 
dieselbe Art, als dieses gewöhnlich in der Atmosphäre 
geschieht *). Die Wasserdämpfe, welche in hoher 
^ Temperatur in die Luft apstrcten, und sich schnell 
. in dieser verdichten, erscheinen durch die schnelle 
. Entbindung und Ausstrahlung der Wärme leuchtend, 
gleich der sich schnell ausdehnenden oder der schnell 
zusammengedrückten Luft. Ähnliche leuchtende und 
glühende Wasserdämpfe sieht man zuweilen selbst 
aus dem Meere emporfahren, wenn eine plötzliche 



*) Ich habe die hieher besug habende Theorie des Qewitters 
in Gehlens Journal für die Chemie 9 Physik und Miner^lo« 
gie, acht<;r Bfmd, 1809, 8/297 « vorgelegt« 



3? 

r 

Tulkamsche Eruption unter dem Grunde desselben 
Statt hau 

26) Der eigentliche Herd der Vulkane liegt also 
ina Urgebirge , weil die Tiefe der sekundären Forma- 
tionen viel zu gering ist^ als dafs sich in denselben 
aus den im Vorigen angegebenen Gründe ein vulka- 
Bischer Herd bilden könnte. Hieraus erklärt sich so- 
wohl die Art als das Vorkommen der vulkanischen 
Gebilde. . Die Gebirgsarten , an deren erhitzten Wän- 
den das Wasser von hoher Temperatur in der Tiefe 
wirksam ist^ werden zerbröckelt, aufgelöst, in Schlamm 
verwandelt, und dieser kochend durch die einge- 
schlossenen Wasserdämpfe (gleich einer kochenden 
zähen Flüssigkeit) in die Höhe gehoben. Von der Na- 
tur dieser Gebirgsarten hängt also die Natur des vul- 
kanischen Schlammes ab (zufällige Einmischungen aus 
den höheren sekundären Formationen abgerechnet). 
Aus vulkanischen Herden, welche hauptsächlich im 
Granit und Gneuse gelagert sind, scheinen sonach die 
Porpbyrarten ; aus dem Glimmerschiefer, Chloritschie- 
fer, bomblende, Hornblendeschiefer und Urthqnschie- 
fer die Basalte hervorgehoben worden zu seyn. Es 
ist wahrscheinlich, dafs Hornblende und Hornblende- 
schiefer eine viUkanische Uniänderung des Glimmers 
und Glimmerschiefers sind, durch die Einwirkung des 
Wassers von hober Temperatur und Abänderung des 
Mischuncsverhälinisses hervorgebracht. Wahrschein-» 
lieh wird diese Umänderung durch die Entfernung 
des Kaligehalts aus dem Glimmer bewirket ; denn die 
Verhältnifsmengen der • übrigen Bestandtheüe wei- 
chen bei diesen beiden FossUiei) von einander nicht 
inehrab, als beiden einzelnen Abänderungei> des ei- 
nen oder des andern. Ähnliche Veränderungen müs- 
sen auch aus gleicher Ursache mit mehreren anderen 
Fossilien vorgegangen sevn. Man kann hiernach an- 
nehmea, dafs die Hornblende des Porphyrs auch aus 
der Umänderung eines Theiles des Glimmers des 



/ 



/ ' 



Granits oder Gneuse« entstanden sey. Es folgt jedoch 
hieraus noch nicht, dafs alles hornhlendige Fossil ein 
vulkanisches Produkt sey, da zur Zeit, als der Nie* 
derschlag des Glimmerschiefers Statt £ind, durch an- 
dere Umstände auch Hornblendeschiefer gebildet wer- 
den konnte. 

Die Scnwierigkeiten , welche Statt finden, wenn 
man die vulkanischen Produkte , z. B. die noch heut 
zu Tage ausfliefsenden Laven, als Produkte einer 
trockenen Schmelzung in hoher Glühehitze ansieht, 
beseitigen sich durch die bisher dargestellte Theorie 
vollständig. Gemenge von Erdarten, Welche im trok- 
kenen Flusse sich befinden, verhalten sich anders als 
fllefsende Laven : man wird nie im Stande seyn, ir- 
gend eine Gebirgsart im Feuer zu schmelzen, welche 
bei ihrem Erkalten alimählich Wasserdämpfe ausstöfst 
wie dieses die Laven thun. Irgend ein Gemenge von 
Erdarten, einmahi in der Hitze, die zu deren trocke- 
nem Flusse gehört, geschmolzen, gibt allemahl ein 
Glas, welches, wieder geschmolzen, immer wieder 
dieselbe Form des Glases beibehält. Die vulkani- 
schen Produkte hingegen werden, wenn sie im trocke- 
nen Feuer geschmolzen werden, immer etwas von 
demjenigen, was sie vorher waren, wesentlich ver- 
schiedenes. Die Porphyre, Perlsteine, Klingsteine, 
hornblendigen Gesteine , Basalte, Qbsidiane und alle 
neueren Laven werden nach dem Umschmelzen im 
trockenen Feuer Produkte von ganz anderer Beschaf- 
fenheit. Man bezieht sich öfters auf ein Experi- 
ment von Unlly nach welchem Gebirgsarten, der 
Schmelzhitzc unter einem hohen Drucke ausgesetzt, 
die krystallinische Form ihrer Gemengtheile beibe- 
halten können. Allein dieser Versuch beweiset we^ 
nig für die reinen Vulkanisten ; , denn die vulkanischeii 
AusfüUungsmassen kommen geschmolzen an die Ober- 
fläche der Erde und erkalten unter keinem andern 
Drucke> als dem gewöhnliche!^ der Atmosphäre, folg-? 



^9 

lieh wie jeder im trockenen Feuer des Tiegels umge- 
scfamolzene Körper. Dafs übrigens bei der Erkaltung 
einer aus verschiedenen Erdarten im trockenen Feuer 
geschmolzenen Masse Krystalle sich absondern kön- 
nen^ leidet keinen Zweifel; solche Körper haben 
aber ein ganz anderes Aussehen^ als die echt vulkani- 
schen Massen^ und die Kry^taUe sind in denselben 
mit wahrer Glasmasse verbunden« Die vorliegende 
Theorie erkläret endlich von selbst die Verschieden-* 
heit der vulkanischen Produkte y ihre Stufenreihe vom 
Wasser und dem wässerigen Schlamme , bis zu dem 
Produkte^ welches dem im trockenen Feuer geschmol* 
zenen Körper nahe kommt ^ und zeigte warum alle 
diese Produkte wasserhaltend sind^ und der Vulkan 
eben so wesentlich dampft und regnet^ als Feuer 
sprüht. 

37) Das Wasser in hoher Temperatur ist ohne 
Zweifel ein Auflösi^ngsmittel mehrerer in niedrigerer 
Temperatur in demselben unauflöslichen Substanzen^ 
besonders der Kieselerde , wie das Wasser des Gajr^ 
sers beweist. Wenn daher der in hoher Tempera- 
tur kochende 9 und an der vulkanischen Mündung 
überfliefsende Basaltschlamm sich allmählich abkühlt; 
so setzt das Wasser in der Masse desselhen Krystalle 
aby deren vorwaltender Bestandtheil Kieselerde ist^ 
als: Olivin^ Augit^ Zeolith/auf dieselbe Art ^ wie die- 
ses mit der Bildung der Kalkkrystalle in andern Fäl- 
len Statt findet. Wird der vulkanische Schlamm wo* 
gen Nachlassung der vulkanischen Wirkung nur bis 
zu einem Theile des Schachtes in die Höhe gehoben^ 
so dais er in demselben allmählich und sehr langsam 
erkaltet; so können diese OUvinkrystalle sich in sehr 
bedeutender Gröfse bilden^ wo sodann die nächste 
Eruption sie mit der übrigen hälbflüssigeh Masse aus- 
wirft^ wie dieselben Herr von Buch auf der Insel 
Lewzerote beobachtet hat. 



3o 

Den vtilkanischen Schwefel mufs man deui 
Schwefelkiese theils des Urgebirgs^ theils der höher 
liegenden sekundäi*en Formationen zuschreiben, wel- 
cher durch Einwirkung des Kochsalzes (Meerwassers) 
in der hohen Temperatur zersetzt wird, und sonach 
theils Glaubersalz und salzsaures Eisen, welches zum 
Theil seine Salzsäure den Wasserdämpfen abgibt^ 
bildet, theils mit dem Wasser in hoher Temperatur 
Schwefel Wassers toffgas erzeugt, welches mit den salz- 
sauren , zum Theil schweflichsauren Dämpfen sich er- 
hebend, und durch letztere zerlegt*), den Schwefel 
an der Mündung absetzt. 

128) Da der Grund des vulkanischen Herdes im 
Urgel)irge liegt ; so ergibt sich daraus von selbst die 
Lagerungsart der vulkanischen Ausfiillungsmassen. Sic 
füllen Spalten, Risse und Ablösungen im Urgebirge 
und lagern sich unmittelbar über diesem, wenn es 
noch nicht mit sekundären Formationen bedeckt ist. 
Sie durchsetzen und übergreifen dagegen diese For- 
mationen, wenn sie bereits vorhanden sind. Es kann 
daher Porphyre und Basalte geben, die älter sind als 
der Übergangskalk, und andere, welche jünger sind, 
als die neuere Flötzformation. 

29) Aus demjenigen, was über die Entstehung, 
Fortdauer und Erhöhung der Temperatur in der Tiefe 
gesagt worden ist, erhellet von selbst, dafs das Was- 
ser die eigentlichen vulkanischen Wirkungen noth- 
wendig bedinge. So lange in den vulkanischen Herd 
kein Wasser zutritt, ist die untere hohe Temperatuir 
ohne Wirkung nach oben. Wenn aber durch eine 
lange Zeit hindurch nach dem oben beschriebenen 
Vorg'angc die unteren Theile des Schachtes, wenn er 

*) ScliwefelwasscrstofTgas und schweflichsaures Gas zersetzen 
'Sich in der Berübrung und bilden Sciiwcfel und Wasser* 



3i 

I 

oben offen ist^ oder ein bedeutender Theil seiner 
Höhe^ ^enn er oben mebr oder weniger verschlos« 
sen ist (§. i8v ^ eine hohe Temperatur in einer grofsen 
Masse ihrer Wände angenommen haben ^ und nun 
Wasser hinzutritt ^ so ' ^ird durch dessen Erhitzung 
und Verdampfung die Yulkanität bald durch eine hef- 
tigere Entbindung von Wasserdampf aus der oberen 
Mündung, oder Losreifsung der Decke derselben, 
oder der im Innern verhärteten Lava eintreten, und 
bei anhaltender .Wirkung das Überkochen der Aus- 
(ullungsmasse beginnen. Ein ununterbrochener und 
häufiger Zuflufs des Wassers, z.B« durch eine unter- 
wärts Statt findende freie Kommunikation mit den^ nahe 
gelegenen Meere , wird nicht nur die Wirkungen der 
Yulkanität schwächen, sondern bei gänzlicher Ausfül- 
lung auch ganz aufheben können. Denn dieser häu- 
figere Zuflufs verdünnt die schlammige Masse, hindert 
sonach ihr Aufsteigen bis an den Rand der Öffnung, 
und die partielle , zur Erhöhung der Temperatur des 
Innern erforderliche Yerschliefsung derselben; so 
dafs sich unter diesen Umständen nur Wasserdämpfe 
aus dem offenen Kraier werden erheben können. Bei 
stärkerem Zuflüsse des Wassers werden die Seiten- 
wände des Herdes endlich immer mehr abgekühlt, 
imd durch die endliche Ausfiillung des Schachtes die 
Bcne Temperaturerhöhung unmöglich gemacht. Hier- 
in liegt der Grund, warum im Meere selbst keine 
Mrirksamen Yulkane vorhanden sind ; sondern nur auf 
dem festen Lande oder den Inseln. Zuweilen wer- 
den einzelne vulkanische Inseln «'^us dem Meere em- 
porgehoben, als Folge einer vulkanischen Eruption 
in einem unterirdischen Herde, zu welchem das Meer 
keinen freien Zutritt hatte; diese Inseln fahren aber 
sehr selten fort, vulkanische Thätigkeit zu äufsem, 
weil bei ihrer Emporhebung durch Spalten und Risse 
das Wasser Zutritt zu dem vulkanischen Herde er- 
hielt, und ihn ausfüllte. Man kann sonach annehmen, 
dafs das Meer den gröfsien Theil der Yulkane der 



\ 



3a 

Erdfläche / welche es bedeclLt^ so wie jene des gröfs- 
ten Theiles der Insehi ^ ersäuft habe. 

3o) Zu heftigen vulkanischen Wirkungen gehört 
daher eine gewisse Periodicität^ oder eine längere 
Ruhe des Vulkans^ innerhalb welcher er seinen durch 
den letzten Ausbruch a})gekiihlten Herd allmählich 
wieder erwärmt. Diese Ruhe schafft sich der Vulkan 
bei der letzten Eruption dadurch y dafs er den Zuflufs 
des Wassers^ welcher diese Eruption begründete, 
durch seine eigene Wirkung Verstopft. Mit dersel- 
ben Kraft nähimich , als die vulkanische Masse ^ nach 
dem Zutritte des Wassers, durch die seit längerer 
Zeit angehäufte hohe Temperatur nach auswärts ge-* 
trieben wird, wird sie.aucn in den unteren Theilen 
des Schachtes seitwärts getrieben^ und es werden so^ 
nach durch dieselbe die Kommunikations wege* mit 
. dem Meere ganz oder gröfstentheils mit der verhärteten 
Lava verstopft; wobei diese Lava oft selbst in das 
Meer hinausgetrieben wird, und dort Dampfen und 
Kochen des Wassers verursacht. Nach längerer Zeit, 
binnen welcher die Temperatur des Herdes, nach 
der im Vorhergehenden angegebenen Weise, sich 
_ wieder bedeutend erhöht hat, öffnen sich durch Er- 
>veichung des Ausfüllungsmittels und den mitwirken- 
den Druck des Wassers^ wieder diese Kommunikatio- 
nen, und die Eruption des Vulkans beginnt von neuem, 
und zwar der Natur der Sache nach , um so heftiger, 
je länger diese ZwisqUenruhe gedauert, uild je weni- 
ger Zeichen von Vulkanität er in dieser Zeit gegeben 
hat y d. h. je besser am Ende der letzten Eruption seine 
pbere Öffnung geschlossen, und der Zutritt des Was- 
sers von unten oder den Seiten gesperrt worden ist. 
» ■ 

Während des Ausbruches ist die Temperatur in 
dem Schachte ziemlich gleichförmig verbreitet, und 
eine grofse Erwärmung di^r oberen Theile des Schach- 
tes und der ihm nahe liegenden Erdmassen bewirkt 



33 

worden. Hat« nach dem Ausbruche der Vulkan die 
obere Öffnung ganz oder grölstentheils durch verhär* 
tele Laven verschlossen^ so dafs nur ein verhältnifs- 
mafsig geringer Austritt von Wasserdampf Statt fin-* 
det', so wird diese obere höhere Temperatur durch 
die ihr sugehöHgen^ an den oberen Wänden des 
Schachtes sich bildenden Wasserdämpfe auf ebendie- 
selbe Art wieder hinab in den Feuerherd geleitet ^ wie 
dieses früher für den Fall gezeigt worden ist, als 
oLen I aufser der mitUern Temperatur der Erdflache, 
noch keine höhere WärmeStatt gefunden hat (§. 19.) } 
so dafs ein bedeutender Theil der von der friiheren 
Eruption aufwärts gebrachten Wärme für die «nächste 
Eruption wieder aibwärts gefuhrt wird. Je dichter 
sich daher die Vulkane nach der Eruption oben schlies* 
sen, desto früher ist, imter übrigens gleichen Um- 
ständen , wieder ein Ausbruch derselben zu erwarten. 
Hieraus erklärt sich , dafs einige Vulkane^ welche 
beständig rauchen (Wasserdämpfe ausstofsen)^ weil 
sie oben offen sind , wie der IHc von Teneriffa y nie 
eigentliche Eruptionen erleiden ^ weil in diesem Falle 
die Temperatur in ihrem Inneren nie den dazu erfor- 
derlichen hohen und ausgebreiteten Grad annehmen 
kann« 



\ 



3 1 ) Bei diesen sich von Zeil ^u Zeit wiederfaohlen« 
den Ausbrüchen der Vulkane erweitert sich der untere 
TheU ihres Schachtes immer mehr und mehr^ und die 
Umstände y welche zur schnelleren Erhöhung der 
unteren Temperatur beitragen, sind dadurch nur noch 
mehr begünstigt. Denn die in diesem Räume befind^ 
liehe Dampfmasse erwärmt die umgebenden W&nde> 
deren Oberfläche in einem geringeren Verhältnisse 
sunimmt , als die Masse des die Erweiterung ausfül« 
lenden Dampfes, nur tun so schneller. Hieraus lälst 
sich erklären, dafs Vulkane Jahrtausende hindurch 
wirken können y ohne dafs ihre Thätigkeit abgenom* 
men au haben scheint; ja man kana schliefen j dafr 



34 

bei übrigens gleicben Umstanden ^ die Eruptionen der 
Vulkane in ibrem Aller heftiger werden können^ als 
in ihrer Jugend, bis die Heftigkeit dieser Wirkung^i 
entweder dtirdii Eröffnung einer bleibenden Konununi- 
kation mit dem Wasser, oder durch allmähliche Aus- 
füllung mit Gebirgsarten ihre Thätigkeit endUch selbst 
zerstört. Auf letztere Art scheint der gröfste Theil 
derjenigen Vulkane, deren Produkt das Porphyr t- und 
Basaltgebilde ist, sein Ende erreicht zu haben. 

Sa) Unter eigenen Umständen in der Lage der 
vtdkanischen Spalten und Klüfte kann dieselbe Ur- 
sache , welche gewöhnlich Erscheinungen der Vulka- 
nität hervorbringt , heifses Wasser auswerfen , wenn 
der Wasserzuflufs stark genug ist. So der Gayser 
in Island y und heifse Quellen, ähnlicher Art, die 
ihren Sitz im Urgebirge haben. Um eine ähnliche 
Wirk1^lg hervorzubringen , ist , es hinreichend , dafs 
von mem^eren zu einem vulkanischen System gehören- 
den Schächten oder Klüften ^ zwei davon unten imter 
einem Winkel zusammenstofsen ^ von denen die 
eine durch das Gebirge oben verschlossen ist, die an- 
dere aber durch den Druck der Dämpfe einen Aus- 
gang erhalten hat, und dafs eine oder beide dersel- 
ben einen fortdauernden Wasserzuflufs erhalten. Der 
Druck der Dämpfe in dem verschlossenen Schachte 
drückt das Wasser in denj zweiten durcb die Öffnung 
empor. Der Verlust der Wärme durch die bestän- 
dige Ausströmung des Wassers darf dabei nicht grös- 
ser seyn , als. die durch die bisher erörterte vulkani- 
sche urriuidursache mögliche Erneuerung der Tem- 
peratur im Inneren. Die Schwierigkeit des Zusam- 
mentreffens dieser Umstände begründet die Seltenheit 
dieses Phänomens. Die Zusammenwirkung mehrerer 
mit einander in Verbindung stehenden Schächte und 
Klüit^iLann i^brigens auch bei den gewöhnlichen Vul- 
kanen vorhanden seyn , und ist es- wahtscheinlich in 
mehreren .Fällen. < 



35 

33) Es gibt endlich noch Vulkane, die ihre Wirk- 
samkeit nicht durch die Ausfüllung ihrer Schächte, 
sondern durch den Mangel an Wässer verloren ha^ 
hen, theils indem ihre Kommunikationen mitdemsel-* 
hcn sich verstopften , theils weil die Meere , die vor^ 
mahls Theile des Kontinents bedeckten, sich nicht 
mehr in ihrer Nähe befinden. Daher ereignet es sich 
znwcUen, dafs Überschwemmungen, wngewöhnli<?h 
hohe Fluth , ungewöhnKch hohe Barometerstände, 
schlafende Vulkane erwecken , oder zu Erderschüttc- 
rungen veranlassen, so vfrie einen Ausbruch der be- 
stehenden beschleunigen ; weil der höhere Druck des 
Wassers Kommunikationen nach innen 2u eröffnen im 
Stande ist, die vorher verschlossen waren^ . 

Ich bemerke hier noch, dafs der Umstand, dafs 
die Basalte Kochsalz enthalten, als Beweis angenom- 
n»en werden kann, dafs auch ihre Vulkane, so wie alle 
jetzt bestehenden, durch das Wasser ernährt worden 
sind, woraus man schliefsen kann , dafs ihre Wirksam- 
keit in eine Zeit falle, iü welcher noch mehrere tiefera 
Theile des Kontinents mit Meer bedeckt waren« 

Dafs' die Erderschütterungen in dieselbe Kate- 
gorie der Erscheinungen gehören, und nur nach der 
Überfläche gehemmte und abgeschlossene vulkanische 
Eruptionen sind , bedarf übrigens keiner Erwähnung» 

V 

Noch bemerke ich, dafs mir keine vulkanische 
Erscheinung bekannt sey, die sich aus der bisherigen 
Darstellung nicht ganz genügend erklären iiefse; so 
wie ich glaube, dafs, wenn man nach der vorliegen^ 
den Ansicht die Erscheinungen der Vulkaniiat beobach« 
tet, man nicht nur ihre Bestätigung in den gewöhn- 
lichen Phänomenen erkennen, sondern auch neue 
Beobachtungen machen wird, die mit ihi* zusammen- 
stimmen oder aus ihr fliefsen. leb hätte 'die einzel- 
nen Angaben und Bemerkimgen mit der Geschichta 

3 * 



36 

der Vulkane und der an denselben gemachten Beob- 
achtungen belegen können; wenn nicht dadurch die*, 
ier Aufsatz den Umfange -weliJien ich ihm geben 
wollte^ weit hätte ülierschreiten müssen. 

34) Es sey mir zum Schlüsse noch erlaubt^ et- 
was gegen die* Meinung einiger Geologen zu erinnern^ 
dafs die Erde sich ursprünglich oder bei ihrer Bil- 
dung in einem glühenden Flusse befunden habe ^ diese 
erste hohe Temperatur durch allmähliche Abkühlung 
verloren habe, und dafs die* höhere Temperatur im In- 
nern der Erde noch dem glühenden Kerne zuzuschrei- 
ben sey^ bis zu welchem die allmähliche Abkühlung 
erst vorwärts geschritten ist. Diese Meinung verliert 
die Haltbarkeit durch die Betrachtung, dafs eine Ab- 
kühlung der Erde unter den vorhandenen Umständen 
eigentUch gar nicht möglich sey; folglich die hohe 
.Temperatur, welche man voraussetzt, auch hie vor- 
handen seyn konnte» Denn jede Abkühlung geht vor 
sich, entweder durch die Verbreitung der Wärme 
mittelst der Fortleitung in Körper von geringerer Tem- 
peratur, oder durch die Ausstrahlung der Wärme 
gegen solche Körper. Es mag aber nun die Erde 
welch immer eine hohe Temperatur haben; so wird 
in irgend einer Höhe ihrer Atm(fepliäre eine mehr 
oder minder niedrige Temperatur konstant vorhanden 
seyn, üb6r welche hinaus eine Fortleitung der gröfse- 
ren Wärme von unten nicht möglich ist , eben so we- 
nig als gegenwärtig die Temperatur von o^ R. in einer 
Höhe der Atmosphäre voa ^Soo Klaftern eine erkäl- 
tende Ursache für die untere Temperatur der Erd- 
fläche von lo*^ oder no® R. seyn kann. Eine Fort-' 
leitung der Wärme von der Erde aus ist daher nicht 
denkbar. 

Durch die jdusstrahlung der Wärme in die At- 
mosphäre kann ebenfalls keine bleibende Abkühlung 
der Erdfläche bewirkt werden, weil durch die Form- 



37 

V 

anderang^n der Wasserdampfe dasjenige ^ was zii ei« 
ner Zeit der Atmosphäre an Wärme zugefUhrt wird^ 
zu einer anderen wieder darch Thau und Regen auf 
die Erdflache zurücktritt. Von der Ausstrahlung der 
Wärme aus der Erde in den leeren Raum kann man sich 
keinen Begnflf machen : vielmehr findet diese Ausstrah** 
lung durch dei} leeren Raum nur dann Statt, wenn 
ein Körper von niedrigerer Temperatur entgegen« 
wirkt. Eine Abkühlung der Erde durch Ausstrah- 
lung konnte also nur durch die Gegenwirkung der 
übrigen Weltkörper Statt finden , wenn diese eine 
niedrigere 'Temperatur hätten, als die Erde. Allein 
Aese Wirkung ist nach den Annahmen, welche hier 
erlaubt seyn können , . zu unbeträchtlich , als dafs sie 
einigermafsen mit der steten Erwärmung' der Erd- 
flache durch die Wirkung der Sohne verglichen wer- 
den könnte. Denn geben wir auch dem Monde eine 
im Verhältnisse seiner Masse geringere Temperatur, 
also etwa ^^ der mittlem Wärme der Erdfläche : und 
setzen wir die , für die Erwärmung des Mondes von 
der Erde aus, günstige Annahme, dafs die Erde im 
Sunde sey, durcli Ausstrahlung dem Monde in einer 
Entfernung desselben von einem Erdhalbmesser ihre 
ganze eigene Temperatur mitzutheilen ; so i9t die Tem- 
peratur^ welche von der Erde auf der Oberfläche des 

Mondes wahrnehmbar wird , n= ^ — =: -rr- von je- 

^ 60 ^ 6a 36o ' 

ner der Erdfläche. Wenn daher die Erdfläche eine 
Temperatur von 36o° R. hätte; so würde dadurch 
die Mondfläche erst um i ^ R. erwärmt werden ; und 
setzen wir, dafs nach ladger Zeit endlich die ganze 
Mondmasse diese Temperaturerhöhung annehme ; so 
wurde dadurch die Erdmasse . erst um -f^^ R., oder 
um -^53 ihrer vorigen Temperatur, abgekühlt wor- 
den seyn. 

35) Um die angenommene 'Abkühlung der Erde 



auf eine andere Art zu erklären j nimmt Herr Breis-- 
lak an (Geologie^ iibers. von v. Strombfick. I. S. a 12 S\ 
dafs der früher in der höheren Temperatur frei wir- 
kende Wärmestoff durch seine Verwandtschaft und 
Verbindung mit den verschiedenen Substanzen gebun- 
den und latent gemacht^ und dadurch die allmähliche 
Abkühlung bewirkt worden sey, wobei er annimmt^ 
dafs die Entwicklung der Gasarten zur Bildung der 
Atmosphäre hierbei die vorzüglichste Rolle gespielt 
habe. Gegen diese Ansicht finden zwei* entscheidende 
Einwürfe Statt. 

■ 

fi. In dem ganzen Gebiete der Chemie kennen wir 
keine Erscheinungen, bei welchen Wärme gebun- 
den und latent würde , als in denjenigen Fällen^ 
in welchen feste Körper in einen weniger dich- 
ten^ oder in einen tropfbar - flüssigen Körper 
juibergehen^ oder tropfbar ^flüssige Körper gas- 
formig werden. Aufser diesen Fällen der Form- 
änderung eines und desselben Körpers kennen 
^ir dagegen keine eigentliche chemische Verbin- 
dung^ bei welcher Kälte erzeugt würde , selbst 
nicht bei denjenigen Verbindungen , deren Pro- 
dukt ein bedeutend weniger dichter Körper ist^ 
als diejenigen^ aus welchen er entstand , z. B. 
bei der Bildung der Metallsalze, Es ist daher 
nicht denkbar y und allen Erfahrungen entgegen, 
dafs Körper, welche vorher im glühenden Flusse 
auf einander gewirkt haben (wie Herr Breislak 
will), durch Eingehung neuer Verbindungen im 
festen Zustande, den WärmestofT sollten binden 
können, der vorher ihre Temperatur auf der 
Schmelzhitze zu erhalten vermochte. 

^, Di0 Verschluckung dieser bedeutenden Wärme- 
niassc läfst sich also nur durch ihre Verwendung 
fi\xv Bildung ^er Dampf- und g2lsformige^ Stoffe 



39 

ans vorher festen Substanzen hegreifen. Allein 
nachstehende Betrachtung zeigt ^ dafs diese Wir« 
K.ung bei weitem nicht hinreiche. Dinn die 
Laftmasse, welche die Erde umgibt, beträgt 
etwa 9>757;44o fiilhonen Pfund« Nach Mafsgabe 
der Wärme, welche sich bei der Verbrennung 
des Phosphors entwickelt, schmilzt die in einem 
Pfunde Sauerstoffgas enthaltene Wärmemenge 
etwa 4o Pfund Eis; somit nach dem Yerhältnifs 
der spezifischen Wärme , jene von einem Pfund 
Stickgas 4^ Pfund : wornach also ein Plund at* 
mosphärische Luft so viel Wärme enthält, als 
zur Schmelzung von 4^.6 Pfund Eis erforderlich 
ist. Die gesammte latente Wärme der Luftmasse 
(über jene , welche dem ursprünglich festen Kör- 

Eer noch zugehört) würde daher etwa 444;937;44<> 
iliionen Pi. Eis zu schmelzen, oder 333,7op,ooo 
Billionen Pf. Wasser^ vono^R. bis. zur Siedehitze' 
von 8o^ R; zu bringen, oder 5i,34o,ooo Billionen 
Pfund Wasser von 0° R. in Dämpf von 8o® R. 
zu verwandeln im Stande se^n. Das Gewicht des 
gesammten Meerwassers (zu 55,ooo,ooo Kubik* 
meilenä 2283Toisen) beträgt etwa 9,780,000,000 
Billionen Pfund. Folghch ist die ganze gebun« 
dene Wärme der Atmosphäre nur im Stande, etwa 
-^^6 9 öder tV d^^ Meerwassers von 0° R. bis zur 
Siedehitze zu bringen, oder etwa y|^ desselbeUj,^ 
von o^ K in Dampf von 80^ R. zu verwaiQdeln. -; 

Die latente Wärme der Atmosphäre reicht also 
so wenig hin, der Erdmasse eine der Glühehitze etwa 
nahekommende Temperatur zu verschaffen, dafs sie 
selbst nur einem geringen Theile des vorhandenen 
Meerwassers die Damp^estalt zu geben vermag; ja 
die Temperatur des gesammten Meerwassers nur um. 
2yV Graue zu erhöhen im Stande seyn würde ! Herr 
Brdslak nimmt zwar an, dafs sich die Atmosphäre 



4o 

vor dem Wasser gebildet habe^ und letzteres durch die 
Yerbindiing des Sauerstoffgases and Wasser6toff$:ase9 
aus ersterer abgeschieden worden sey; allein dieser 
Umstand ist hier von keinem Einflüsse , da diejenige 
Wärme 9 welche zur Bildung jener beiden Gasarien 
verwendet werden mufste , bei deren Verbindung zu 
Wasser wieder frei wurde ^ folglich keine Tempera- 
turverminderung bewirken konnte. 

Eben so unzureichend erscheint dieses Resultat 
in der Vergleichung der gebundenen Wärmemenge 
der Atmosphäre mit der Gröfse der glühenden Erd- 
masse , welche derselben entspricht, &r den Fall, als 
man annehmen wollte, dafs die Wärme der Erde 
blofs zur Bildung der Atmosphäre^ mit Ausschluf» des 
etwa später entstandenen Wassers gewirkt habe. Nach 
einem defshalb angestelltea Versuche erhöhte ein 
Pfund Ziegebtein, bis zur Rothglühehitze erwärmt, 
die Temperatur von i6 Pfund Wasser um lo^R^, folg- 
lich von zwei Pfund Wasser von o bis 80® (welches 
einer spezif* Wärme von o.sS entspricht). Folglich 
ist die gebundene Warnte der Atmosphäre im Stande, 
^5^670^000 Billionen Pfund einer ähnlichen Stein* oder 
Erdmasse ins Glühen zu bringen. Diese (glühende 
Masse würde sich also auf der Oberfläche der Erde 
nur bis zu einer Tiefe von 33.9 Fufs, oder auf 77^77 
Theil des Erdhalbmessers erstrecken, oder nur etwa 
4en 200|000**** Theil des Erdkörpers ausmachen , ein 
IR^sultat; das zu unbedeutend ist, als dafs aus dem- 
selben einige Abkühlung der ganzen Erdmasse herge- 
leitet werden könnte. 



4i 



IV. 

Theorie der Kurbelbewegung , mit An- 
wendung auf die Gröfse und Anlage der 
Schwungräder bei dem Maschinenbau« 

Vcio 

JUathias Reinscher ^ 

Assiatente9 des Lebrfacbs der Mascbincnlehre um It.lc. polyl. 

Institute, 



i).Uaft bei Maschinenanlageii. für technische 
Zwecke sehr häufig Fälle vorkommen^ wo Kraft und 
Last sich gegenseitig in ihrer Wirkung nicht immer an 
allen Stellen erschöpfen^ und die Anordnungen nicht 
überall so getroffen werden können, .dafs die Bewe- 
gung bestandig gleichförmig wäre, ist jedem, der sich 
mit Maschinenbau beschäftigt, ohnehin bekannt. Zu- 
gleich erfordert es aber oft der technische Zweck, 
fiir welchen die Maschine erbaut ist, dafs die Bewe- 
gung irgend eines Punktes möglichst gleichförmig seyn 
mnis, oder auch, dafs für irgend eine Stelle die Ge- 
schwindigkeit bedingt ist; auch weifs man, dafs bei 
Maschinen, welche eiiien ungleichförmigen Gang ha- 
ben, die Nebenhindernisse der Bewegung oft viel 
bedeutender und krafterschöpfender werden, als 
wenn ein möglichst gleichförmiger Gang dtr Maschine 
eraielc werden kanix. 

Es durfte sich also wohl der Mühe lohnen , zu 
untersuchen, durch welche Mittel wir vermögend 
sind , den Gang der Maschinen bis zu irgend einem 



4a 

Grade der Gleichf örmigleit zu rcguliren^ und zugleich, 
zu zeigen 9 dafs ein ganz gleicUförmiger Gang in vie- 
len Fällen nie erreicht werden kann. 

a) Einer der wichtigsten und fast bei allen Ma- 
schinen^ besonders bei Bergwerkmaschinen, vorkora- 
mender Fall ist die Kurbelbewegung (Krummzapfea), 
wo Kraft und Last so gegen einander wirkend ange- 
bracht sind , dafs eine oder die andere paraUel mit ei- 
nem Durchmesser des Kurbelkreises auf die Länge die- 
ses Durchmessers gleichförmig hin und herdrückt^ 
während die*andere beständig gleichförmig in der Tan- 

Sente dieses Kreises widersteht, oder wenigstens auf 
lesen Kreis als widerstehend nach bekannten Geset- 
zen reduzirt werden kann. 

Die näheren Bestimmungen über diese Bewe- 
gungsart bei Maschinen werden weiter unten noch 
mehr auseinandergesetzt werden ; vorläufig können 
wir uns^ um die Sache zu versinnlichen, dafs auf 
diese Art eine ungleichförmige Bewegung im Kurbel- 
kreise Statt findet, einen Menschen an einem Haspel 
mittelst Kurbel eine Last aufwindend denken. 

Nehmen wir dazu an, was jedoch keineswegs 
streng erwiesen ist, dafs der Mensch am vortheilhaf- 
testen seine Kraft äufser^ kann, weinn er eine Last 
vor sich in gerader Richtung hin schiebt und zurück- 
zieht , so wird er hier genöthigt seyn , diese vortheil- 
hafte Richtung für seine Kraftäufserung alle Augen- 
blicke zu ändern, je nachdem die Handhabe oder 
die Kurbelwarze in diese oder jene Stelle des Kreises 
tritt, und dabei würde er doch an jeder Stelle ge- 
zwungen seyn^ gleichen Kraftaufwand zu verwenden ; 
weil in diesem Falle die zu erhebende Last ail einem 
Seile, das um die Welle geschlagen wird, ange- 
bracht ist, und indem sich das Seil aul windet, die 
Last gehoben wird, aber immer gleich grofs in der 



43 

Tangente des Wellkreises der Bewegung widersteht, 
und wie schon hemcrkt worden, auf eine Kraft wird 
reduzirt' werden können, welche auch gleichförmig 
in der Tangente jenes Kreises der Kraft widersteht, 
in welchem der Mensch wirkt. 

• 

Weil also der Mensch aiif diese Art, wegen der 
ihm unnatiirUcheren Lage für seine Kraftaufserung, 
nicht überall gleiche Kraft der beständig gleichför- 
mig widerstehenden Last entgegensetzen kann, so 
mufs auch die Bewegung ungleichförmig werden. 

3) Bei ähnlichen Vorrichtungen, wie Hornha- 
spel, Kreuzhaspel, Tummelbaum etc., mag sich dem 
Menschen wohl zuerst die Bemerkung gleichsam auf- 
gedrungen haben, dafs die Bewegung leichter ist, 
wenn mit diesen Vorrichtungen viele Massen in Ver* 
bindung stehen, die sich mit der Kraft im Kreise als 
trü^e Massen herum bewegen, und so mag man nach 
und nach darauf geglommen seyn, um den Gang -leich« 
ter zu machen, eigene Räder, welche viele Masse 
haben, an jene Drehungsachse zu legen, um welche 
die Kraft wirksam ist, und um welche herum die 
Last widersteht. 

4) Diese Räder, in der Mechanik unter dem 
iValuiien Schwungräder allgemein bekannt, sind fiir 
den gleichförmigeren Gang der ineisteh Maschinen un-> 
entbehrlich. 

« 

Ob sich nun gleich bei Vielen , durch die Erfah- 
rung, dafs manche Maschinen vortheilhafter gelrie- 
ben werden können , wenn Schwungräder damit ver- 
bunden sind, der Wahi\ eingeschlichen hat, als ob 
die Schwungräder unmittelbar fiir die Äufserung der 
Kraft vortlieilhaft wären, und man ohne dieselben 
iür eine gleiche Last mehr Kraft bedürfte, als mit 
denselben ; so sind doch alle jene , die sich mit dem 



44 

MaschinenLau nur in etwas wissenschaftlich beschäf- 
tigen, mit dem Zwecke der Schwungräder sehr wohl 
bekannt ; nur ist es nicht so leicht für den praktischen 
Maschinisten j fiir jede gegebene Bedingung die Gröfse 
des Schwungrades zu bestimmen» Es soll daher <)er 
Zweck dieser Abhandlung seyn, zuerst zu zeigen^ 
wie Massen überhaupt einen Einflufs auf die Bewe« 
gung äufsern, wie wir diese Aufserung benützen kön- 
nen y welchen Einflufs sie bei der Kurbelbewegung 
haben y und wie wir dann die Massen dabei benutzen 
dürfen, um irgend einen Grad der Gleichförmigkeit 
der Bewegung durch sie hervor zu bringen. 

5) Da die reinen vollständigen Beweise über 
diesen Gegenstand nur mittelst höherer Analysis durch« 
geführt werden können, diese jedoch hier nicht vor* 
ausgesetzt werden soll , so werde ich nur versuchen^ 
so viel mir möglich ist, durch Raisonnement dei\ Ein* 
flufs der Schwungräder auf Maschinenbewegung deut* 
lieh zu machen, ohne mich auf strenge Beweise, wel- 
che dem Dynamiker genügen, einlassen zu können. 

6) Um im Stande zu seyn, den ganzen Gegen- 
-stand vollkommen zyi übersehen, und das Folgende 
auf festgestellte Gründe zu stützen, müssen wir, wie 
schoii gesagt worden, zeigen, welchen Einflufs Mas- 
sen überhaupt auf Bewegung, und auf die Wirkung 
einer Kraft äufsern. Um dieses aber zu können, 
müssen wir zuvor festsetzen, was hier unter dem Aus- 
druck: Wirkung einer Ki'aft^ verstanden werden 
8oli 

7) Daza sey an einem, über eine Rolle gezoge- 
nen Faden, Fig. Xy Taf. IL, ein Gewicht in Pfundea 
gleich P angehängt , das vermöge seiner Schwere frei 
abwärts zieht ; an demselben Seile ziehe ebenfalls eine 
Kraft gleich P in der Tangei)^e der Rolle dem Zuge 
des Gewichtes entgegengesetzt in horizontaler Rieh* 



45 

■ 

tmi|^ so , dafs diese Kraft , indem sie den Druck des 
Gedicktes nach aufwärts üLerwii^et^ in irgend ei* 
per Zeit einen Raum a b durchlaufe. Dadurch wird 
auch das Gewicht in dieser Zeit um eine senkrechte 
Höbe ab steigen müssen^' Welche gleich seyn wird 
dem von der Kraft P zurückgelegten horizontalen 
^^ cge. 

« 

Nehmen wir aher nun eine andere Kraft, indem 
vir das Gewicht in der bestimmten Grdfse lassen, so 
SD j dafs auch diese Kraft vermögend ist , den Druck 
des Gewichtes zu überwinden, in derselben Richtung 
wie die Kraft P wirke, und in einer eben so grofsen 
Zeit einen Weg horizontal zurück zu legen vermögend 
isi, welcher nicht gleich dem von der erst angenomme* 
Ben Kraft zurückgelegten sey; so sehen wir, dafs 
X¥rar beide Kräfte hinsichtlich der Gröfse, den Druck 
des Gewichtes zu überwinden , einander gleich sind, 
* dais aber dennoch die Wege , durch welche sie ge* 
gaogen, von einander abweichen. 

So kann ein Pferd auf diese Art ein Gewicht von 
100 Pfund überwinden, und ist dabei noch vermö- 
gend, durch einen Weg von 4 Fufs in einer Sekunde 
vorwärts zu schreiten ; ein anderes Thier könnte viel- 
leicht eben diesen Druck von loo Pfund überwinden, 
aber dabei nur mit einer Geschwindigkeit von 3 Fufs 
vorwärts gehen. 

. Wir dürfen hier also wohl die Kräfte ihrer Gröfse 
nach unmittelbar einander gleich ^setzen , keineswegs 
aber das , was durch sie geschehen ist. 

Da aber bei Maschinen , uild überhaupt in der 
Mechanik nur das von Kräften in Rechnuns kommen 
kann, was dnrch ^ie erzeugt vvird; so geht hieraus 
hervor , dafs , wenn wir zwei Kräfte , welche benützt 
Verden sollen I miteinander vergleichen^ wir imnar 



4ß 

nebsi ihrer Grofse auch auf den Weg sehen müssen, 
vrelcheu sie in gegebenen Zeiten zurück zu legen im 
Stande sind. 

Es wird also das durch zwei verschiedene Kräfte 
Geschehene sich gegen einander so verhalten müssen, 
wie sich erstens die Kräfte selbst ihrer unmittelbaren 
Gröfse nach gegen einander^ und wie sich zweitens 
die von ihnen in gleichen Zeiten zurückgelegten Wege 
. verhalten werden. Oas^ was durch eine Kraft in irgend 
einer Zeit geschieht^ nennen wir die Wirknng dieser 
Kraft für die angenommene Zeit. 

Die Wirkung (ur eine gegebene Zeit wollen vnr 
a)so der Gröfse der Kraft ^ und der Gröfse des von 
dieser Kraft in der bestimmten Zeit zurückgelegten 
Weges proportional setzen. 

I<(ennen wir die beständig gleich wirkende Krafl 
Py den von ihr in der Zeiteinheit zurückgelegten Weg 
Cy und die Wirkung fiir diese Zeit Wy so können wir 
w SS p c setzen. 

Für eine andere Krafl = p', sey der in derselben 
Zeiteinheit durchlaufene Raum = c^, die Wirkung 
dafiir =s w'i so ist aus denselben Gründen auch u^ 
= pf ' c'. Die Wirkung für beide in der Zeit =s t, 
fiir die Kraft p mit PT, und für die Kraft p' mit FF^ 
bezeichnet^ wird 

W ^=i p X'y und 

JV* =s p' x' geben ^ wenn x und x' die 
in der gleichen Zeit von p und p* durchlaufenen 
Wege sind. 

Wäre die Beweguüg gleichfSrmig^ so wäre x » 
G t^ und x^ ssi & ty und daher 
fV zz p c t , und 
W' ^ p' *' t. 



47 

Aus obigen Gleichungen für PF und ff^ erhal* 
ten wir aber 

fVz JJ^ :=z px : p^x\ 

Es verhalten sich also die Wirkungen zweier 
Kräfte wie die Produkte aus den Kräften in die von 
ihnen in gleichen Zeiten zurüjckgelegten Wege. 

Der Ausdruck fV ^=i p x wird auch allgemein 
für die Wirkung jeder y wie immer beschaffenen Krait 
gelten können; denn wäre die j^raft auch nach einem 
willkürhchen Gesetze veränderlich^ so werden vnir 
doch an jeder Stelle des Weges y den sie durchläuft^ 
liir diese Stello die Gröfse derselben bestimmen > und 
diese Gröfse wenigstens für einen sehr kleinen Weg 
als gleich grofs annehmen können, f Die Wirkungen in 
diesen Elementen der Wege von den ihnen zuge- 
hörigen Kräften^ d^r Summe nach genonunen, wer- 
den die Wirkung der Kraft durch den ganzen Weg 
geben ^ durch welchen sie^ zwar veränderlich^ ge- 
gangen ist* Hat man die Summe der Elementarwir- 
iongen y so wird sich auch ein Weg ausfinden lassen^ 
durch welchen die Kraft unveränderhch wirkend ge- 
. gangen seyn müfste, um dasselbe hervorzubringen. — 
Dadurch wird es uns nun leicht seyn^ die Wirkung 
zweier Kräfte mit einander zu vergleichen. 

8) Wenn aber eine Kt'afl auf eine Masse in (einer 
Richtung wirkte in welcher die Masse der Bewegung 
nur als träge Masse widersteht; so wird, wenn letz- 
tere in irgend einem Zustande, in Ruhe oder in Be- 
wegung,' vor der Einwirkung der Kraft war, dieser 
Zustand der Masse geändert werden, und diese Än- 
derung ifiufs um so gröfser seyn, je länger die Ein- 
wirkung dauert, and je gröfser die Kraft für gleiche 
l^asse ist. 

9) Eini solche Masse in Pfunden k M falle bei 



^ 



48 

von der Ruhe aus senkrecht gegen die Erde, so wi- 
dersteht dieselbe hier der Bewegung blofs als träge 
Mssae , die Krafl der Schwere wirkt aber hier der 
Masse proportional, und für die Auflösungen, zu denea 
wir hier ihre Bewegungsgesetze kennen müssen , kön- 
nen wir sie als ganz gleichförmig wirkend in Rechnung 
bringen, so zwar, dafswenn wir dieKraft der Schwere, 
welche auf ilf wirkt, in Pfunden mit P bezeichnen, 
P — M wird. 

P wirkt hier also beständig gleichförmig auf SI^ 
und mufs daher in gleichen Zeiten den Zustand der 
Masse um gleich viel ändern. Geht die Masse durcsh 
einen Weg = h, so geht auch die Kraft P durch den> 
selben Weg in derselben Zeit, und bezeichnen wir* 
die Wirkung von /* in- dieserZeit mit fF^, soistauch. 
nach dem Vorhergehenden 

fV^Ph, und weil P=:Af ist, auch 
■ rr=>Mhi oder ' 

- Ph^Afh. 

' lo) Während aber die Masse M durch den Ratum 
h frei fällt, wird vermöge dem Gesetz, nach wel- 
chem P oder die Schwere auf sie vrirkt, ihre Bewe- 
gung alle Augenblicke geändert werden; fällt siä 
von der Ruhe aus gegen die Erde , so mufs ihre Ge- 
schwindigkeit immer gröfser werden, und sie erhält 
tun Ende des Weges h irgend ein Bestreben, ver- - 
möge der Trägheit durch einen Raum gleichförmig 
fort zu geben, wenn die Kraft i'auch nicht mehr am* 
sie wirkte. Dieses Bestreben sich fort zu bewegen 
mufs aber an jeder Stelle des Weges anders seyn, so 
Jaiif^c P .ml' ,Ü wirksam bleibu — Wir wissen aber 
auch, dal's für jede solche Stelle, oder für ein belie- 
biges h dieses Bestreben, welches die Geschwindig- 
keit fitr diese Stelle genannt wird, sich wird bestimm 
men lüsscn.' 



49 

Es gehört also zu jeder solchen Fallshöhe eine 
Kestimmte Geschwindigkeit, und umgekehrt, zu je« 
der Geschwindigkeit eine bestimmte Fallshöhe. 

Hat also die Masse My während sie durch die 
Hohe h gefallen ist, eine Geschwindigkeit erhalten, 
die wir gleich c setzen wollen , so nennt ts^n h die 
zu c gehörige Geschwindigkeitshöhe; oder, wenn 
irgend eine Masse eine Geschwindigkeit c durch was 
immer für eine Kraft erhalten hat, so würde sie diese 
auch erhalten haben, wenn sie durch ihr Gewicht 
getrieben frei durch die Höhe h gefallen wäre. 

1 1) Erzeugt also die Schwere durch den Falls- 
raum h in der Masse M die Geschwindigkeit c; so 
können wir uns auch denken, es habe eine andere 
Kraft der Masse M durch den Weg x dieselbe Ge- 
schwindigkeit c mitgetheilt , und es ist in beiden Fäl- 
len in der Bewegung der Masse gleich viel Verände- 
rung Torgegangen; gleich viel Veränderung in einer . 
Masse kann nur durch gleiche Ursachen entstanden 
seyn, es hat also diese* Kraft durch den Weg x eben 
so viel hervorgebracht, als die Schwere durch den 
Weg Ä. 

War nun die durch den Weg x aut die Masse M 
wirkende Kraft ^=i p\ so ist ihre Wirkung nach §. 7, 
oder 

Wzz p oc. In der Masse ist aber nach §. 9 die 
Wirkung ^=^ Mh. Diese ist durch die Kraft in dem 
Wege X erzeugt worden , also wird auch 

Mh^=ip Xy imd allgemein 

h =i ^— seyn. Das heifst : keimen wir die 

Gröfse der Kraft , welche durch einen auch bekann- 
ten Weg auf eine Masse wirkt, so ist die zur erzeug- 
ten Gesdiwindigkeit in der Masse M nach dem durch- 

Jakrb. d. poljt. Intt. IIF. B4. A 



5<K 

laufenen Räume gehörige Geschivindigkeitshöhe im- 
mer gleich (lern Produkte aus der Kraft in den Weg^ 
gelheilt durch die Masse. 

Hätte die Masse vor der Einwirkung einer Kraft 
Py durch den Weg x, schon eine Geschwindigkeit 
s=: Cy zu f> elcher die Höhe h gehört, und diese Mas&e 
hahe am Ende des durchlaufenen Raumes x die Ge- 
schwindigkeit c'y wozu die Höhe h' gehören soll, so 
ist die in der Masse nun vorhandene Wirkung =: Mh^'^ 
ehe aher p auf M wirkte, war die Wirkung in ilf schon 
r= yi!//i3 ,und diese mufste nur durch die Einwirkung 
von/7 üufMh* gebracht werden } esmufs also, wenn 
wir blofs das suchen, was p erzeugte , das schon vor* 
handene abgezogen werden, und daraus wird die von 
p herrührende Wirkung in der Masse M auch nur 
= M (Ä' — h) seyn könnei^, dieses ist aher auch 
gleich pXy und also 

M (h' — h) =; p Xy oder 
Qi* * — 7^)=: — j d.h. die Geschwindigkeits- 
höhe wird um die Differenz — von der verschieden 

m 

seyn , welche zur Geschwindigkeit der Masse vor der 
Einwirkung gehörte ; oder auch 

7,'=/.+ '--; 

sollte in dieser letzten Gleichung h* wieder auf h zu* 
rückgebracht werden , so wäre . 

7a' ==: Ä + -rr — — -; uud daraus hf »aÄ; 

• __ 

es miifste also, eine Kraft durch den Weg .r, der 
Kraft p durch eben diesen Weg x. gleich grofs mit p^ 
entgegengewirkt haben. 

Wollten wir annehmen, dafs die Kraft p durch 
den P'^um x auf die Masse M in der Richtung 




5i 

gewirkt habe, in welcher die Masse sich mit der Ge- 
schwindigkeit c schon bewegte , so müfste h^ gröfscr 
als h seyn, und die Masse bis zu irgend einer Ge- 
schwindigkeit, die von h' abhängt, beschleunigt wor- 
den seyn, und um der Masse diese Beschleunigung 
zu nehmen,* müfste durch einen ebenso grofsen Weg 
eine Kraft p auf die Masse in entgegengesetzter Rich- 
tung ihrer Bewegung wirken. 

la) Lassen wii' also zwei Kräfte einander so ent- 
gegenwirken , dafs bald die eine b^ld die andere 
gröfser wird, und mit diesen Kräften sey. zugleich 
eine Masse verbunden , welche der Bewegung nur 
als träge Masse widersteht; so wird, wenn die Kräfte 
einander gleich sind , die Masse ihren Zustand nicht 
ändern; wir wpUen hier voraussetzen, sie sey in Be- 
wegung, so wird sie diese Bewegung gleichförmig 
fortsetzen, so lang die wirkenden Kräfte gleich blei- 
ben. Erhält von diesen beiden Kräften nur jene Kraft 
Überwucht, welche in der Richtung der sich bewe- 
genden. Masse wirkt; so kann diese Überwucht nur 
auf die Masse wirken, und wird die Masse so lange 
Leschleunigen, so lange diese Überwucht dauert. 

Erhält nun nach irgend einer Zeit jene Kraft 
Überwucht, welche der ersten entgegen, also regen 
die Bewegung der Masse wirkt, so kann die Über- 
wucht von dieser Kraft die Bewegung nur verzögern, 
und zwar auch wieder so lange verzögern , so lange 
diese Überwucht dauert. 

■ 

Hätte nun die Überwucht der ersten Kraft mit 
einer Gröfse = p' durch einen Raum = x' gedauert, 
und die Masse sey ==•• M gewesen ; so wissen wir, dafs 
die Wirkung dieser Überwucht gleich 

p^ x^ ist, und wenn wir den Zuwachs der Ge- 
schwindigkeit der Masse Af durch diese Kraft p' ^ d 

4* 



5a 

und die zugehörige Geschwindigkeitshöhe = hf set- 
zen y so ist auch 



■/ «./ 



Ä' = ^-^ j nach §. 1 1 , nur mit dem Unterschied^ 
dals hier A' ausdrückt^ was dort (ä' — A) ist. ' — 

Solke nun durch die Üherwucht der entgegen-* 
gesetzt wirkenden Kraft dieser Zuwachs der Geschwin- 
digkeit wieder vernichtet werden^ und die Masse in 
ihren Zustand wieder zurück gebracht Werden^ in 
welchem sie war, ehe die Überwucht p* auf sie wirkte ; 
und ist diese Überwucht der zweiten Kraft =^'^ der 
Weg, durch welchen sie wirkt =-. or"; und ist der 
Zuwachs der Geschwindigkeitshöhe gleich A'^ für die 
Masse M durch die Kraft p" ^ so ist 



./# «.// 



Jiti zsz ; diese Beschleunigung kann aber nur 

eigentlich eine Verzögerung der Bewegung der Masse 
seyn, weil p' der Bewegung entgegenwirkt. Soll 
nun die Verzögerung, oder die Abnahme der Ge- 
schwindigkeit#höhe A'^ gleich dem Zuwachs h' seyn, 
so mufs 



ß* «.'/ 



p' JB^ p" X 



M M 



odei 



I p' x' ^^ /?" o:" seyn. Für den Fall , dafs x' == or" 
wird, ist auch ^'=^" j wenn also die Überwucht der 
einen Kraft durch einen eben so grofsen Weg als die 
Überwucht der andern dauert, und es soll der Gang 
der Masse so seyn, dafs, was in dem einen. Wege für 
die Beschleunigung gewirkt hat, in dem zweiten wie- 
der yernichtet wird, so müssen die Überwuchten der 
Kräfte auch abwechselnd gleich seyn. 

i3) Lassen wir die Überwucht der einen Kraft, 
welche in der Richtung der Bewegung der Masse wirkt, 
durch den Raum x' tmverändert = p^ ^ setzen aber 
einmahl die Masse =; AT, und dann =: M^\ den Zu- 



53 

wachs der Geschwindigkeitshöhe für die Masse M 
gleich Hf und für M' gleich f{' ; so wird 

If^^ und 

H : H' :=, •— : •— ; oder 
H : H' :=^ M' i M. 

Die Zuwachse der Geschwindigkcitshöhen ste- 
hen also bei gleich grofsen, auf Beschleunigung wir- 
kenden Kräften im umgekehrten Yerhältnifs mit den 
Masseh; und daraus geht hervor, dafs eine gröfsere 
Masse bei gleicher Kraftüberwucht auf der einenSeite, 
wie §• i:i> eine nicht so grofse Geschwindigkeitsän- 
derung zulassen kann^ als eine kleinere. 

Wäre uns daher der Unterschied zweier Ge- 
schwindigkeiten für irgend eine .Überwucht p' durch' 
einen Weg x' gegeben, und der Unterschied der 
Geschwindigkäitshöhen sey zs^ h^ '^ so ist aus der 
Gleichung 

M s: — — : — also M die Masse, welche 

nöthig ist, dafs durch die Wirkung p* der Höhenun« 
terschied nicht größer oder kleiner als h^ werde. 

Und dadurch ist nun gezeigt , welchen Einflufs 
Massen auf die Gleichförmigkeit der Bewegung äufsern, 
aber auch zugleich erwiesen, dafs, wenn die einan- 
der entgegenwirkenden Kräfte nicht an allen Stellen 
gleich sind, die Bewegung niemahls gleichförmig 
werden hann. 



54 ' 

1 4) Um aber für zwei einander entgegenwirkende 
Kräfte in der Art^ wie §.1:2 angenommen^ die Än- 
derungen der Geschwindigkeiten in der Masse zu be- 
stimmen j müssen wir vor allem genau das Gesetz ken- 
nen, nach welchem beide wirken , und überhaupt für 
die beschleunigenden Kräfte Regeln festsetzen-, nach 
welchen sie wirken; und, hierzu dient uns wieder die 
Schwere. 

Da die Entwicklungen der Gesetze für diese Be- 
wegung fiir diese Abhandlung nicht gehören, und 
auch zu weit fuhren würden, will ich nur das noth- 
wendigste herausheben und als erwiesen voraus 
setzen, — 

Die Schwere treibt jeden Körper in der ersten 
Sekunde durch i5,5 Fufs nahe, und in jeder folgen- 
den um eben so viel weiter , als er seiner Trägheit 
gemäfs ohne die Einwirkung der Schwere gegangen, 
wäre. Der Körper erhält jedoch in der ersten Se- 
kunde eine Geschwindigkeit, die doppelt so grofs als 
der durchfallene Raum ist , und eben so viel in jeder 
folgenden Sekunde. 

Man nennt den in der ersten Sekunde durchfal- 
lenen Raum die Beschleunigung, und wir wollen .'sie 
TXih g bezeichnen. Wie sie. in den meisten deutschen 
Schriften über ähnliche Gegenstände bezeichnet ist. 

Die Geschwindigkeit für jede durchfallene Höhe 
A, wenn wir sie mit c bezeichnen, ist gleich 2 V^^h, 

und h ist gleich — i -^ 

Für jede andere Kraft p sey die Beschleunigung 
in einer Masse M gleich G ; so wird die Beschleuni- 
gung der Schwere sich zur Beschleunigung von p 




55 

verbalten müsseq , wie sich die Kraft der Schwere zur 
Xraft p yeihält, und wir haben daher 

g : G =Fi P : PI wo P die Kraft der Schwere 
für die Masse M ausdruckt^ und daraus 

^ = Ä" -^ • Es ist aber Pzn M nach schon vor- 
ausgegangenen Gründen^ und also auch 

G :=: g -j^. Dadurch kennen wir die Beschleu- 
uigung jeder Kraft für jede Masse* 

Wenn wir die Bewegung einer Masse in Pfunden 
= M auf einer gegen den Horizont ^i?, Fig. ß, Ta- 
fel U./ unter dem Winkel ABC geneigten Ebene B C 
betrachten, wissen wir, dafs das eigenthiimliche Ge- 
weht der Masse in der Richtung der Schwere^ und 
ist M in Cy und C A senkrecht auf A B, hier also in 
der Richlung CA^ und an jeder andern Stelle paral- 
lel mit CA wirkt. Die Bewegung kann aber nur in 
CB erfolgen y und in dieser Richtung ist die auf M 
wirkende Kraft nur irgend ein Theil ihres Gewich- 
tes y der von der Neigung der schiefen Ebene gegen 
den Horizont 'abhängt. 

Sehen wir hier CA als die Kraft der Schwere an, 
fallen aus A sl\x{ C B die senkrechte CDy so ist nach 
dem Gesetz der Zerlegung der Kräfte , wenn wir die 
auf ^f in der Richtung der schiefen Ebene wirkende 



mit p bezeichnen 

CD 
p =a M -— -; es ist aber in den rechtwinkeligen 

Dreiecken ADQ uad BAC. 

CD : AC =B AC : CB\ also auch 



5G 

Setzen wir CB r: Xi so ist die Wirkung von p^ 
wenn die Masse nach B kommt 

AC ' 

ssp X ssi M -^ C B ^=i M.A C , also eben so 

grofs^ als ob M frei durch den Weg AC gegangen 
wäre. Da dieses für die Kraft der Schwere gilt^ wird 
es auch für jede andere, nach den Gesetzen der Schwere 
wirkende Kraft in jeder andern Richtung [gelten 
müssen. 

Es sey also hierzu eine Kraft von B nach'^ =ip 
wirkend, und genöthigt, Bewegung in der Richtung 
BC zu erzeugen. 

Ist wie zuvor AC senkrecht auf AB, AD senk- 
recht auf B Cy so ist die aus p nach der Richtung ß C 
fallende Seitenkraft, diese mit p* bezeichnet^ 

p' ^ p 33-; und die Wirkung durch den Weg 
AB 

BC von p^ ist 

^p'.BC = p «i^- BC Eis ist aber 

jiB 

BD : AB =: AB : BC, also 

— « 

BD =: -zr^r; und daher 

BC ' 

"■ ^'^ ~P ^i^ = P- -^B- 

also die Wirkung der zerlegten Krafl durch die 
Hypothenusc des rechtwinkehgen Dreiecks eben so 
grofs , als die Wirkung der unzerlegten p durch die 
Kathete, in welcher sie wirkt. 

Und auf diese Grundsätsze gestützt können wir 
nun auf die Kurbelbewegung übergehen. 



1^ 

i5) Wenn vfir also bei der Kurbelbe^vegnng an- 
nehmen^ da£s eine Kraft = ^^ parallel mit dem Durch- 
messer JB des Kreises JDEBGA Fig. 8., Taf.IL, 
ihre Wirkung äufsert^ aber durch den festliegenden 
Mittelpunkt C, und den unbiegsamen Halbmesser 
CI?, an dessen äufserstem Punkte D dieselbe als wir- 
Vend gedacht wird, gehindert ist^ mit dem Durchmes- 
ser A B parallel fortzugehen , und genöthigt wird, 
ihren Weg im Halbkreise von A über D und E nach 
B 2u nehmen; dieser Kraft aber eine andere als Last^ 
die wir mit P bezeichnen wollen^ beständig gleich- 
ionnig in der Tangente des Kreises entgegenwirkt, 
also ihre Richtung von B über E und D nach A hin 
geht^ so wird hier vor allem das Verhalten von P 

fegen p auszumitteln seyn^ damit die Summe der Wir^ 
ungen der Kraft p von A nach B in dem. Durchmes- 
ser gleich ist der Summe der Wirkungen der Kraft P 
Ton A nach B in dem Halbkreise ; dafs dieses nöthig 
ist^ wird noch gezeigt werden, und hierzu müssen 
wir Tör aUem die Wirkungsart der Kraft p betrachten. 

« i6) Theilen wir uns zu diesem Zwecke den Halb- 
kreis ADEB in so viel gleiche Theile ein, dafs wir 
jedes hierdurch entstehende Bogentheilchen als eine 
gerade Linie ansehen können, fällen uns sodann auf 
den Durchmesser aus den Theilungspunkten a, a'y 
a% a*^* etc. Perpendikel, so dafs dieselben mit dem 
vi£ AB senkrecht gezogenen Halbmesser (7J? parallel 
laufen; aus eben diesen Theilungspunktenaber Paral- 
lele mit AB so lang, bis die Linie aus einem vor- 
hergehenden Theilungspunkte die slvl( AB senkrecht 
gelallte des nächstfolgenden Theilungspunktes schnei- 
det, so werden wir die Dreiecke Ai a, aba' , a' b' a", 
a**b''a^**j etc....... erhalten. 

Die Summe de* Linien 
Ai '\' ah \ fl'6' -|" ä"*" + ••• etc. wird vermöge 
der vorausgesetzten Bedingung ihrer Lage gleich dem 



58 

Darclmiessef AB seyn müssen , wenn man den gan- 
zen Halbkreis in solche Dreiecke zertheilt. 

Zugleich fallen die Linien Aiy ab, a^b^^...etc. 
in die Richtung der Kraft p, weil sie mit AB paral- 
lel sind. Es wirkt also p in jedem dieser kleinen 
Dreiecke in den Richtungen dieser Linien , ist aber 
genöthigt, Bewegung in den Richtungen Aa, aa^^ 
a* a'^y etc, zu erzeugen. Die Winkel byb^yb"jb'" etc. 
in diesen kleinen Dreiecken sind rechte Winkel ^ und 
wir können jedes diesem Dreiecke so wie das in §. 1 4 
betrachten^ dafs nähmlich die Kraft p durch den Weg 
Ai eben so viel wirkte als durch den Weg'^a jene 
welche aus ihr in diese Richtung entfällt ; durch den 
Weg a b eben so viel , als die aus ihr in der Richtung 
da* zerlegte in dem Wege a a' , imd so fiir jedes 
Dreieck. 

.Wenn wir die zerlegten Kräfte der R^ihe nach 
nAxp^y /?'', j?'", /?"" etc..,. bezeichnen, so wird die 
Summe der Wirkungen dieser Kräfte 
= />' XAa'\^p"Xaa' '\' p"'Xa' a'' +p"''X «"a"' 
•T" • t . etc. 

Es ist aber nach dem gefundenen Gesetz auch 
pX Ji =p' X Ja-, p X ab = p" X aa'-, 
pXa'b' T^ p'."Xa' a"; pX a" b" = p'"* a" a'" } etc. 
also auch in Summa 
p {Ai + aÄ + a' *' + a"b'i + ... etc.) ^p'X-da 

Nun ist aber die Summe 

^i + aÄ +a'6' + <*"*" +••• etCMy^Ä, wenn der 
ganze Halbkreis wie angenommen worden^ so zerlegt 
ist, und daher ist auch 

pXAB^p^Aa'\-p''Xaa''\'p''^Xa'a'*'\^p'**^a'^a''' 
^... etc., oder es ist die Summe der Wirkungen al- 
ler aus p zerlegten Kräfte in dem Halbkreise gleich 



59 

der Wirkung der unveränderlichen Kraft p durch den 
Durchmesser. 

SoU nun in der Tangente dieses Kreises, eine 

Kraft P, wie angenommen worden ^ beständig gleich- 

iörmig entgegenwirken; so wird diese ^ während p 

durch den Durchmesser wirkte durch den Halbkreis 

wirken müssen ^ und wejl sie y wie vorausgesetzt ^ an 

allen Stellen gleich grofs ist , wird ihre Wirkung auch 

durch das Produkt aus ihr in ihren Weg ausgedrückt 

vrerden können, und diese Wirkung also =:pr^seyn, 

wenn r den Halbmesser des Kreises, und ir die Lu- 

dolph*sche Zahl für das Kreisverhältnifs bezeichnet. 

Die Wirkung von p war = p X ^ By es ist aber 

^J5 = ar; daher 

p X ^B sss p 2r. 

■ 

Weil aber, wennp in B kommt, eine nenc Be- 
' wegungsperiode in dem unteren Halbkreise von J9 über 
O nach Jl hin, nach demselben Gesetze, wie von ji 
über E nach B eintritt , indem p nun in seiner glei- 
chen Gröfse wieder zurück in der Richtung von B 
nach ji wirkt; so mufs in B derselbe Zustand zwi- 
schen den Wirkungen von p und P Statt finden , der 
in ji zwischen denselben Statt gefunden hat^ und es 
mufs alle Wirkung, die in dem Wege von A nach B 
durch die Kraft je? auf was immer für eine Art erzeugt 
worden, durch die Wirkung von P in derselben Pe- 
riode erschöpft seyn, und daher mufs 

Prir c: parj oder 

Pt = pi^ seyn. 

Aus dieser Gleichung erhalten wir 
P ; p =^ 2 : Ty oder 
P : p =; 2 : 3,i4i59; es mufs also 

P =: r— ^ e= p 0,63602 sevn, wenn die 



6o 

Bewegung regelmäfsig , nach den angenommenen Be- 
dingungen erfolgen soll. 

Man ersieht zugleich hieraus , daf««, wenn P gros* 
«er wäre, ini9 ein Überschnfs der Wirkung von P Stall 
finden müfste^ derselbe Überschufs fände vermehrt 
hei jedem durchlaufenen Halbkreis Stalt^ und es würde 
am Ende durch diesen bestandigen Zuwachs der Wir- 
kung von Py wenn p die bewegende Kraft ist, die Be- 
wegung aufhören, oder in die entgegengesetzte ilieh- 
tung übergehen müssen. 

Eben so würde, wenn p eröfser als ^.,^ wäre. 

eine beständige Beschleunigung der Bewegung erfol- 
gen, die ins Unendliche übergehen könnte. 

Soll also eine Bewegung erfolgen, wo die Wir- 
kung der Kraft und die Wirkung der Last sich gegen- 
seitig in den für die Kreisbewegung bestimmten Perio- 
den erschöpfen , so mufs dieses ausgedrückte Verhal- 
ten zwischen P und p Statt haben. 

Dieses Yerhältnifs also vorausgesetzt, fange die 
Wirkung beider Kräfte in A an, und gehe von Zi über 
D und JE bis B in dem Halbkreise fort. Es könnte 
jedoch die Bewegung in A nicht anfangen , weil die 
auf Bewegung wirkende Kraft ;? in Ay in der Richtung 
AB auf den festliegenden Mittelpunkt C drückt, und 
daher in dieser Stelle nicht wirksam seyn kann, wenn 
wir nicht ^chon eine Bewegung in der Kurbelwarze 
(der Punkt, welcher den Kreis* mit dem Halbmesser 
CA oder CD beschreibt) voraussetzen, und über- 
haupt einen Zustand der ganzen Bewegung bedingen, 
dafs in den Punkten, yfo p nicht wirksam seyn kann^ 
kein Stocken entsteht« 



6i 

Dieser Zustand liegt m unserer Willkür^ in so 
fem et nur keinen Einflufs auf p und P äufseru 

Wir wollen alsp annehmen^ es sey schoi^ eine 
Bewegung der Warze xxx dem Kreise nach der Rich- 
tung ADEB etc. vorhanden / ohne dafs dieselbe von 
P oder p erzeugt werden durfte^ so würde die Warze 
vermöge der Trägheit die Bewegung gleichförmig in 
der angenommenen Richtung fortsetzen ^ wenn P und 
p nicht vorhanden wären ^ und weil sich die Wirkun- 
gen von P und p in den bestimmten Perioden und 
den bestimmten Stellen gänzlich gegenseitig vernich- 
ten^ so kann die Wirkung dieser Kräfte den Zustand^ 
in welchem wir uns die Warze denken^ in solchen 
Stellen nicht geändert haben y und da A und B zwei 
solche Punkte sind, so mufs auch in^ und B ein 
gleicher Zustand der Bewegung der Warze Statt fin- 
den. Mit dieser Warze können wir uns auch zugleich 
Kräfte oder Massen in Verbindung denken^ wenn nur 
aus ihnen kein Einflufs auf P und p entsteht. Neh- 
men wir an, es scy mit der Warze eine Masse in Ver- 
bindung y die an keiner Slelle der Bewegungslinie der 
Warze als Gewicht , sondern nur blofs als träge Masse 
der Bewegung widersteht, was wir uns leicht vorstel- 
len können, wenn wir uns in die Warze, und in einen 
ihr über dem Mittelpunkt gegenüberliegenden Peri- 
pherienunkt zwei gleich schwere Massen angebracht 
vorstellen, welche einander in jeder Lage balanziren, 
so wird das Gewicht beider Massen der Bewegung im 
Kreise blos der Masse proportional widerstehen. 

Die Warze habe nun in ^nach obiger Richtung 
eine Geschwindigkeit, welche in Füssen = c sey, so 
wird auch die mit ihr verbundene Masse, welche 
wir in Pfunden mit M bezeichnen wollen, dieselbe Ge- 
schwindigkeit in derselben Richtung haben. ' 

Welche Kraft aber diese Masse auf eine solche 



6a 

Geschwindigkeit gebracht hat^ und nach welchem 
Gesetze sie auf die Masse wirkte^ kann uns hier gleich- 
gültig seyn y denn die Wirkung, die in der Masse ein- 
mahl da ist^ läfst sich nach dem oben entwickelten 
allgemeinen Satze fiir die Wirkung durch das Produkt 
der Masse in deren Geschwindigkeitshöhe ausdrücken. 
Nennen wir also die zur Geschwindigkeit c gehörige Ge- 
schwindigkeitshöhe n.'^ch dem Sinne des §. 10 hy so ist 
die vorhandene Wirkung in der Masse M gleich Mh. 

Diese Wirkung ist also schon da, wenn die Warze 
in y^ist, und mufs auch in B Statt finden, wenn zwi^ 
sehen JP und p das vorausgesetzte Verhältnifs auge- 
ordnet ist, denn alles, was von p für die Bewegung von 
^bis B wirkt, mufs durch P während dieser Periode 
erschöpft werden. — Dafs also auf diese Ai^ die 
Bewegung im Kreise wird erfolgen müssen, ist wohl 
klar, denn wenn die Masse in Bewegung ist, wird 
sie diese Bewegung fortsetzen, und ist die Kurbel* 
warze eiumahl über die Stelle A gerückt, so tritt auch 
die auf Bewegung wirkende Kraft p wieder in Thätig- 
keit; wie jedoch diese. Bewegung erfolgen wird, ob 
gleichförmig oder ungleichförmig ^ beschleunigt^ oder 
verzögert^ ist eine andere Frage > die uns nur durch 
die Natur der Wirkungsart von p und P erhellen 
kann. 

Wir dürfen also nur die Wirkungen von p und 
P von SteUe zu Stelle betrachten. 

17) Wenn sich die Warze in A befindet^ haben 
wir gesehen, dafs p des festhegenden Mittelpunktes C 
wegen nicht auf Bewegung wirken könne ; weil aber 
die Bewegung das ist , was die Kraft anzeigt , so kön- 
nen wir in dieser Stelle die Kraft ^ssso setzen, ob sie 
gleich in ihrer ganzen Gröfse da ist; für die Wirkung 
aber ist ihre Gröfse in dieser Stelle gleich Null. Las- 
ten wir die Bewegung bis an irgend eine Stelle ^ z. B. 



63 

bis D iortgerückt seyn^ und untersuchen an dieser die 
Gröfsc der Kraft p für die Bewegung nach der be- 
dingten Richtung^ so finden wir^ weni; wir den 'Halb- 
messer Cj9 ziehen^ aus />*eine senkrechte, auf den 
Halbmesser CE^ also Z> jP parallel miij4B fällen, und 
DF^ als Gröfse der Kraft so gelten lassen , dafs yrir 
DF oder p als eine Mittelkraft ansehen können , die 
aus zweien, auf einander senkrecht wirkenden Kräf- 
ten p* und q' entstanden seyn kann, wovon die eine 
in der Tangente des Peripheriepunktes D von D nach 
H, die zweite in der Richtung des Halbmessers von 
D nach C wirksam* ist. « 

Nehmen wir dieses an, so ist Z) i^ die Diagonale 
des Rechteckes, das dui'ch die Gröfse der beiden Sei- 
tenkräfte entsteht. Konstruiren wir das Rechteck, 
indem wir auf F eine auf D^H senkrechte Linie FH, 
und auf D C die senkrechte Linie /^iV* fällen, so wis- 
sen wir aus der Zerlegung der Kräfte , dafs die Sei- 
tenkräfte zur Mittelkraft sich verhalten, wie die ihneqi 
ZDgehörigen Seitenlinien im Rechteck zur Diagonale y 
also wird 

p' \ p ^sS' DH : DF. Es ist aber wegen Kon- 
gruenz der Dreiecke DFU und D FN. 

DH : DF= FN: DF und wegen Ähnlichkeit 
der Dreiecke DFNvm^ DCD' (wo DD' senkrecht 
9L\i£ AB vorausgesetzt wird) 

FN : DF = DD' : DC, und daher 

p' : p = DD' : DO oder esnst 

v' s=z p . Da hier ----^r nur das Verhalten 

'^ ^ DC D C 

der Linie DD' zum Halbmesser ausdrückt, und die- 
ses Verhältnifs für einen und denselben Winkel bei 
jedem Halbmesser gleich bleibt, so wollen wir hier 
/> C =5 I setzen, und wir erhalten dann DD in Thei- 
len des Halbmessers =- i ausgedrückt ^ und es wird 
p' =p. DD'. Soll dieser Ausdruck richtig seyn, 



- 64 



SO mufs p* für die Stelle A gleich Null , and fiir einen 
durchlaufenen Quadranten eleich p werden^ dieses fin- 
det auch Statt; denn ist die Warze in Ay oder fällt 
der Punkt D inA, so ist die aus V auf A B senkrechte 
Linie == o und 

pf sz p. o == o ; ist die Warze bis in E, durch 
einen Quadranten fortgerückt, so ist die senkrechte 
Linie aus JE auf AB gleich JSC gleich dem Halbmes- 
ser gleich I , also 

p':^p. I ^p der Natur der Sache gemäfs, denn 
in E fällt die Richtung der Bewegung in die Richtung 
der Kraft p> es kann also für diese Stelle p in seiner 
vollen Gröise wirksam seyn. Die Kraft q' wird durch 
den unbiegsamen Halbmesser und den festliegenden 
Mittelpunkt c an jeder Stelle aufgehoben. — 

Weil also nach dem Vorausgegangenen 
p' zss:p. DD' ist, DD* aber in ^gleich Null und in 
E gleich I wird , also p' von Null an bis p wachsen, 
und sodann wieder bis Null abnehmen mufs, so sehen 
wir , dafs die Wirkungen von p auch sehr verschieden 
seyn werden; und weil sich vermöge der krummen 
Linie , die Tangentialkraft p' alle Augenblicke ändern 
mufs, so wird sich auch die Wirkung alle Augen- 
blick ändern müssen. Betrachten wir aber die Wir- 
kung von p' nur durch einen sehr kleinen Weg, oder 
eigentlich hier durch einen so kleinen Bogen, dafs wir 
diesen Bogen als gerade Linie ansehen können, wie oben 
schon angenommen wurde, sq können wir die Wirkung 
der Krafl p' auf diesen sehr kleinen Weg als gleichfor** 
iiiig betrachten, und wenn wir diese Wirkung mit w 
bezeichnen, und den sehr kleinen Weg mit o:,* so wird 

w =: p^ jc seyn^ oder 

w =i p X DD' X ^, durch p ausgedrückt, wo 
DD* aber immer nur die senkrechte aus der Stelle, 
wo sich die Warze gerade befindet, auf ^£ bedeu- 
tet, und nie als beständige Gröfse angesehen wer- 
den darf; x bedeutet die Länge des kleinen Bo- 



(J5 

Jens y jedoch immer dem Halbmesser proportional^ so* 
afs iiir eine9 andern Halbmesser als i , o: erst mit 
diesem Halbmesser multiplizirt werden müfste, uwii 
wenn* dieser mit r bezeichnet wäre 

tv » ;? X DI> y, X r werden würde. 

Diese Wirkung ginge auf die Masse M über, 
welche mit der Warze in Verbindung steht, und da 
diese Wirkung in derselben Richtung hcrvorgebracbt 
wird , in welcher die Masse ohnehin vermöge der 
Trägheit sich bewegt, so müfste durch diese heue 
Wirkung die Masse beschleunigt werden, und eine 
gröfsere Geschwindigkeit annehmen. 

Sehen wir hier aber zugleich auch auf die Wir- 
kung der Last P, so wissen wir der Voraussetzung 
zu Folge, da(s diese in unveränderlicher Gröfse an 
jeder Stelle in der Tangente entgegenwirkt. Suchen 
wir also die Gegenwirkung auf jenen Weg x, welchen 
die Krafe p' für irgend eine Stelle zurückgelegt hat, 
und bezeichnen wir diese mit w', so wird 

w' =3 Pxr-y wo xia obigem Sinne genommen 
werden muds. Sollte nun die Wirkung w', jene obige 
w erschöpfen, so müfsie ws=i w'i oder Statt beiden 
ihre Werthe eingeführt 

p X i?i?' X X r ^s=i Px r seyn; es ist aber 

P z=: p o,63662. Diesen Werth Statt P gesetzt^ 
müfste auch 

p X DD^ xr ssz p 0,63602 xr werden, oder 
DD* ^sx 0.6366a seyn* 

An der Stelle also , wo DD' diesen Wertherhält, 
werden die beiden Wirkungen von p und P, aber nur 
für einen sehr kleinen Weg, sich gegenseitig auf» 
heben. * 

f aiik» i« polyl. Iii»l< UI« B«k 5 



. So lange ako DD' kleiner ist, mufs auch die 
Wirkung von p kleiner seyn, als die von P, vreil aber 
P der Bewegung entgegenwirkt, so wird der Theil 
der Wirkung von P, der noch übrig bleibt , wenn 
die Wirkung von p für denselben Weg von ihr abge- 
zogen i«t, offoabar der Bewegung der Masse entge- 
lten, also auf Verzögerung derselben wirken müssen. 

Erhält aber DD' größere Wcrthe als oßZGßiiy 
so wird ein Überschufs der Wirkung von p entstehen 
müssen, der natürlich die Geschwindigkeit der Masse 
vergröfsert^ wir ersehen also hieraus, dafs die Ge- 
schwindigkeit der Masse und also auch die mit ihr 
verbundene Warzengeschwindigkeit, bald zu- bald ab- 
nebmen wird, je nachdem die Kraft oder die Last 
Überwucht erhält. ^ 

DD' wird gleich o,63G6a , wenn die Warze von 
ji aus einen Bogen von 89 Grad 12 Minuten nahe 
durchlaufen hat, es ist daher DD* von *A bis an diese 
Sielle immer kleiner, die Wirkung von Palso impier 
gröfser als die von p bis an diese 3telle, und die 
Masse wird in ihrer Geschwindigkeit verzögert wer- 
den. , Tritt aber die Warze einmahl an diese nun be- 
stimmte Stelle , so erschöpft die momentane Wirkung 
von p jene von P, und es kann in diesem Augenblick 
weder./? noch P auf die Masse M wirken, und M mufs 
in dehi Zustande bleiben, in Vielehen es bis hieher 
gebracht worden isu Geht die Bewegung weiter, so 
wird die Wirkung von p gröfser und beschleunigt 
die Masse. Es findet daher in 89 12 ein Übergang 
aus Verzögerung in Beschleunigung der Masse AT Statt, 
und die Geschv^indigkeit von M mufste in dieser Stelle 
ein Kleinstes gewesen seyn, weil nur bis dahin P auf 
Verzögerung wirket konnte. 

Es wird aber DD' so lange gröfser als o,G36G2 
bleibten, bis die Warze im zweiten Quadranten zwi- 



% 

' ■ . ' «7 

sehen JS und JB in einer ähnlicben Lage ^ie zwischen 
J und £ im ersten Quadranten sich befindet^ und 
diefs luinn nur in einem Winkel von 89^ la' von B aus 
gezahlt^ Statt haben ^ weil nur für diesen Winkel D D* 
wieder gleich 0^63662 wird. 

• 

Die Wirkung von p mufstc alsp bis hieher immer 

grober als die von P seyn, und ihr Überschufs über 
die Wirkung der Last P auf Beschleunigung« der Masse 
.¥ wirken; geht aber, die Bewegung über diese Stelle 
hinüber gegen B zu. fort ^ so wird von da aus D D^ 
immer kleiner als obige Zahl seyn y und in jS in Null 
übergehen , also die Wirkung von P wieder Überwucht 
über die Wii*kung von der Kraft p haben ^ oder auf 
Verzögerung der Masse M wirken müssen. Wir sehen 
also auch hier einen Übergang aus einer Beschleuni- 
gung in eine Verzögerung^ und da die erstere nur bis 
an diese Stelle Statt haben konnte^ so mufs sie da ein 
Gröfstes seyn^ oder die Masse M mufs bei i4o^4^' 
von A aus ihre gröfste Geschwindigkeit erlangt haben. 



Wir haben also für diese angenommene Wir- 
kungsart der Kräfte p und P im ersten Quadranten 
ein Kleinstes^ und im zweiten ein Gröfstes der Ge- 
schwindigkeit der Warze und der Masse gefunden. 

18) Lassen wir nun aber wie vorhin die Richtung 
und Geschwindigkeit der Bewegung der Warze und 
der Masse, nehmen aber an^ es wirkte P in einer der 
vorigen entgegengesetzten Richtung^ also in der Rich- 
tung, in welcher sich ilf bewegt, wie zuvor unver- 
änderlich gleich grofs in der Tangente des Warzen- 
kreises; die Kraft p aber widerstehe der Bewegung 
als Last nach eben dem Gesetze , als sie zuvor für die 
Bewegung gewirkt hat; so werden die momentanen 
Wirkungen der beiden Kräfte sich nur in denselben 
Stellen gegenseitig ganz erschöpfen können, wo sie 
es in dem vorigen Fall nur konnten ; allein rücksicht- 

5 * . '■ 



68 

lieh der Geschwindigkeit der Warze und der mit 
ihr verbundenen Masse mufs nun etwas anders ein- 
trclen. 

Die Wirkung von der Kraft P bleibt von A aus 
bis zu einem Winkel von 89^12' wie zuvor gröfser^ 
als die Wirkung yonp, ihr Überschufs wirkte zuvor 
-wie jetzt auf die Masse ^ allein die vorige Wirkung 
von P war der Bewegung der Masse entgegengesetzt^ 
und brachte daher nothwendiger Weise eine Verzö- 
gerung in der Masse AT hervor , in dem jetzigen Falle 
hingegen wirkt P mit eben diesem Wirkungsübet- 
. schufs bis an die genannte Stelle in der Richtung der 
Bewegung der Masse M, und mufs also eine Beschleu- 
nigung erzeugen. 

Weil von da aus die \yirkung der Kraft , oder 
jetzt der Last p bis an die obenbemerkte Stelle im 
zweiten Quadranten momentan^ und also auch in 
Summe gröfser bleibt ,. als die von Py sie aber gegen 
die Bewegung wirkt ^ so mufs ihr Wirkungsüberschufs 
über die Wirkung von P auf Verzögerang der Masse 
M aber nur bis an diese Stelle wirken , und hieraus 
geht hervor, dafs in diesem zweiten' Falle die gröfste 
Ge£\chwindigkeit der Warze im ersten Quadranten, 
und die kleinste im zweiten wird fallen müssen. 

« 

19) Wir sehen aus der Wirkungsart dieser bei- 
den Kräfte wohl, dafs eine beständige Änderung in 
der Geschwindigkeit der Warze Statt finden mufs, 
allein wir wissen noch nicht, vne grofs diese Ände- 
rung im Allgemeinen, oder wie grofs sie fiir bestimmte 
Stellen ist. 

Doch ist uns zugleich klar , dafs wenn diese 
Kräfte in einer angenommenen Gröfse, welche ge- 
genseitig doch in dem Verhältnisse , das oben vor- 
ausgesetzt, und hier immer, wenn auch stillschwei« 



69 

gend bedingt ist, vHIrken, zn den Stellen für die 
gröiste und Kleinste Geschwindigkeit för verschiedene 
Massen M gleichen Wirkungsiiberschufs erzeugt ha- 
ben werden. Dieser soll auf M wirken^ und es küm- 
mert uns jcflzt nichts ob er Beschleunigung oder Ver- 
zögerung erzeugt^ d.h. ob er von der Kraft oder von . 
der Last herrührt ; nur sehen wir^ dafs dieser Wir- 
kungsiiberschufs auf die Masse nur der unmittelbaren 
Gröfse der letzteren proportional wird wirken können ; 
dais also derselbe Wirkungsüberschufs in einer klei- 
neren Masse eine gröfsere Änderung der Geschwin- 
digkeit wird erzeugen müssen^ ah in einer gröfseren^ 
and es ist uns dadurch schon erhellt^ dafs bei einer 
grofsen, mit der Warze verbundenen Masse ^ die Ge- 
schwindigkeit der Warze nicht so bedeutend , als bei 
einer kleineren Masse geändert werden kann^ wel- 
ches ohnediefs allgemein schon in §• i3 erwiesen 
worden. 

3o) Es dringt sich uns hier bei genauer Betrach- 
tung unwillkürlich die Frage auf ^ ob es nicht mög- 
lich seyn sollte, die Geschwindigkeit der War%e in- 
nerhalb bestimmten Gränzen ernalien zu köni^en? 
Die Beantwortung dieser Frage liegt aber schon ge- 
löst in dem Vorhergehenden ; dafs nähmlich in einer 
gröfseren Masse eine kleinere, und in einer kleinen 
Masse eine gröfsere Geschwindigkeitsanderung ,von 
gleichem Wirkungsüberschufs der Kräfte p' und P 
iTvird erzeugt werden können , und es kömmt hier nur 
noch darauf an, diesen Wirkungsüberschufs , den 
wir die Wirkung auf Beschleunigung nennen wollen, 
wo unter Beschleunigung nun schon eine wirkliche 
positive Beschleunigung, oder eine negative, oder 
Verzögerung verstanden werden kann, je nachdem. 
Kraft oder Last Überwucht hat, an jeder Stelle, also 
auch an denen, wo die gröfste und kleinste Geschwin* 
digkeit Statt findet , der Summe nach zu kennen. 



70 ^ 

Hierzu wird c» gut seyn^ wenn wir vor Allem eine 
willkürlich grofse Masse uns mit der Warze in Ver- 
bindung denken^ und den Zustand dieser Masse an 
jeder beliebigen Stelle betrachten. 

■r 

Da wir hier aber die Wirkung auf Beschleuni- 
gung für jede Stelle des Warzenkreises der Summe 
nach finden können^ so wird sich diese Wirkung auch 
immer auf oben bemerkte allgemeine Art durch einen 
doppelten Werth ausdrücken lassen Nehmen wir 
nun an, die Masse sey gegeben und in Pfunden gleich 
Mj ihre Geschwindigkeit sey in A in der angenom- 
menen Richtung s=; c; so wird zu dieser Geschwin- 
digkeit, wie schon oben gezeigt worden ist, eine 
Geschwindigkeitshöhe , die wir mit h bezeichnen wol- 
len, gehören. Nun habe sich die Warze bis an ir- 
gend eine Stelle <i gleich viel ob über oder unter dem 
bekannten Winkel, z.B. bis in D bewegt, so können 
wir ihre Geschwindigkeit an dieser Stelle mit o* und 
die ihr zugehörige Gesch^ndigkeitshöhe mit h' be- 
zeichnen. Es mufs also eine Wirkung da gewesen 
s'eyn , welche die Masse von einer Geschwindigkeit c 
Huf die Geschwindigkeit d gebracht hat, es kann hier 
natürlich o* sowohl gröfser, wie. auch kleiner als c 
seyn , je nachdem wir D an einer Stelle nehmen , wo 
p oder P Überwucht hat. Die Wirkung in A war yoi 
der Masse Mh\ in dem Punkte D ist sie =: Mh^\ un- 
ter der Wirkung Mh' aber ist auch die Mh schon 
mitbegriffen ; wenn wir also blos die Wirkung suchen, 
welche von der Wirkung der beiden Kräfte auf die 
Masse entstanden ist, miissen wir nothwendiger Weise 
das schon vorhanden G.ewesene ehe diese Kräfte wirk- 
sam wurden, abziehen, und es. wird also die Wir- 
kung, auf Beschleunigung, durch die beschleunigte 
Masse und ihre Geschwindigkcitsliöhe ausgedrückt 
= Mh — Mh =5 M (h' — h) seyn müssen. Die 
Wirkung von p sey bis an diese Stelle in Z? = tv, die 
von der Kraft P = tv' ; so wird w — \v*y auch diese 



7» 

Wirkung auf Beschleunigung ausdrücken, und du diese 
nur einander gleich seyn können, weil erstere nur 
durch den Unterschied w — w^ erzeugt wird, so ist 

M {h' — h) -=2 w — iv 5 'und 

I. Af =s , oder wenn 71/ gegeben ist, was 

h* — h 

hier vorausgesetzt wurde 




So läfst sich also aus Formel II der Zuwachs oder 
die Abnahme der Geschwindigkeitshöhe , also auch 
der Geschwindigkeit, durch die .Wirkung w und w' 
und durch die Masse M bestimmen, und um^^ekchrt, 
wenn die Differenz der Geschwindigkeiten bedingt ist, 
die Masse M für diese Differenz aus Formel I. aus- 
drücken. 

Da hier diö Wirkungen der Kräfte Pund^ nach 
einem stätigen Gesetze- wirken, und an den schon 
liekannten Stellen entweder eine gröfste oder kleinste 
Geschwindigkeit der Warze eintritt; so wird es für 
die Bestimmung der Geschwindigkeitsdifferenz, wenn 
die Masse gegeben ist, oder ftir die Bestimmung der 
Masse, wenn diese Differenz bedingt ist, nur nöthig 
seyn, an diesen Stellen die Wirkungenstv und tv' nä- 
her zu bestimmen, und aus diesen das tlbrige zu 
finden. 

21^ Aus §. i5 wissen wir, dafs die Wirkungen 
der einzelnen aus p an jeder Stelle der Warze wir- 
kenden Tangentialkräfte gleich sind der Wirkung der 
Kr^ft py multiplizirt mit der Länge des Durchmessers, 
und dafs auch diese einzelnen Wirkungen von A aus 
bis an eine Stelle, wo sich die Warze befindet, gleich 
sind der Wirkung von p in einem Theile dieses Durch- 
messerd von A aus bis an eine Stelle, wo eine senk^ 



7^ 

rechte Linie aus dem angenommenen Wanenponkte 
auf den Durchmesser jiB hinfallt. -^ Befindet sich 
die Warze also in D^ und D sey hier in 39^12^; so 
ist die Wirkung Yon p bis an diese Stelle von ji aus, 
oder wenn wir sie für diese Stelle mit ff^ bezeichnen 
W ^=^ p. Al>\ Vfo DD' senkrecht auf AB vor- 
ausgesetzt wird* 

» 

Di» Wirkung von P ist gleich der Kraft P mul- 
tiplizirt mit der Länge des Bogens AD in Theilen des 
Halbmessers AC wie AD' ausgedrückt; setzen wir in 
solchen Theilen den Bogen AD ^2», so ist die Wir* 
kung von P bis an diese Stelle mit fV bezeichnet, 

kfT^ = p,Z und' also 

PT ^ TfTi ^ pJDi — PZ. Es ist aber für 

den Winkel yon 89^ la' veie wir schon oben gesehen 
haben 

DD' ^ 0,63662 } AD' = r — CD' und weil 
für DD' = 0,6366a, r as i werden mufs 

ALf =: i — CD'} upd 

CD' =? V Cd"^ DD^i 
also 



C/^« Vr« — o,636öxr«= V i^o,4o5a85 

•= \/ 0,594715 s= 0,771 ij und daher 

AD* =5 I — 0,7711 .=s 0,22899 und die Wir- 
' - kung von p , oder 

fr ^ pX 0,2289. 

Für die Wirkung der Kraft P ist der Bogen ^D 
oder Z für den Winkel von 39^ 12/. nahe gleich o,6838 
ii'ir den Halbmesser = i , und also 

PT' pz P. o,6838; P aber durch seinen Werth 
f^us /' in ^ ausgedriickt 




7^ 

''* r: p. OjQiißß%. 0^6838 = p* o^4353 nalie ge- 
BUg. Daraus ist 

w—w*x=ip. 0,3289 — p. 0,4353 

zup. (o,!i!>89 — 0,4353) =: — p. o,ao64 ; 
oder es ist die Wirkung auf Beschleunigung negativ, 
oder eine Verzögerung, wenn/? Hir und Zugegen Be- 
"wegung wirkt. 

Setzen wir die Geschwindigkeitshöhe der Masse 
AT in dieser Stelle r: j&; und hehalten die Geschwin- 
d%keitshöhe dersel)i>eii in A wie oben angenommen 
worden := h hei, so mufs die Wirkung in der Masse 
am die Gröfse M {H — H) vermehrt , worden seyn. 
£s ist also 

M {U — Ä) c — p. 0,2064 ; daraus 

(JS — Ä) = '^' ■ , oder der Unterschied 

negativ; also wenn wir diese Diflferenz mit Z* be- 



{H—h) = — Z> und 
^ Z' = - ^^^!^; und 

Z' == ^—z — ; und wenn Z^ gegeben ist. 

M =: -— *7--- — Dieser Werih für ilf gilt je- 

doch nur, wenn die Geschwindigkeit der Warze in A 
bekannt, imd auf irgend eine Art bestimmt ist« 

Da aber , wie man wohl aus dem bisher Gesag- 
ten wi^d ersehen können, diese Geschwindigkeit in 
A und B auch nur von der Differenz der kleinsten und 
gröfsten Geschwindigkeit der Warze wird abhängen 
miissen, so müssen wir auch die Masse durch die 
Differenz der gröfsten und kleinsten Geschwindigkeit 
auszudrücken suchen, weil diese gewöhnlich gegen^ 



74 

einander bedingt^ und iiir irgend ei(^en Zweck ^ der 
erreicht werden soll, gegeben sind., x" 

22) Die Wirkung ist in der Masse ^f an der Stelle 
von 39^ 1 2^ von A aus im ersten Quadranlen, 

Verfolgen wir die Bewegung bis an die dieser 
korrespondirenden Stelle im zweiten Quadranten^ also 
bis. in i4o^4S' von A aus gezählt ^ und nehmen an^ 
es sey die Geschwindigkeit der Warze an diesem 
Punkte ±1 C'y die dazu gehörige Geschwindigkeit^- 
höhe :=! H^ y so mufs die Wirkung auf Beschleunigung 
der Masse, von D bis an diese Stelle 

= Mff — MH = M (Ä' — H) seyn. 

Suchen wir auch die Wirkungen der Kräfte P und 
p von A bis an diese Stelle , und ziehen die Wirkun« 
gen derselben von A bis D davon ab^ so ist die Wir- 
kung auf Beschleunigung der Masse durch die Kräite 
PnnAp in ihre Wege, ausgedrückt, wenn wir diese 
Wirkung mit fV' bezeichnen, 

ff^' =z(pAL — p AI>) — P rZ' — Z); wo 
Z den Bogen von A bis D, und Z' den Bogen von 
u/bis W ausdrückt, und D*^ den Punkt bezeichnet, 
wo im zweiten Quadranten der Wechsel der Beschleu- 
nigung eintritt , so dafs Z)'<C^=: i4o® 48' ist; D^L 
ist senkrecht auf AB, und. daher auch gleich o,6366a 
== DD*. — 

Es ist aber unter diesen Voraussetzungen und 
für den Halbmesser CDzz i, wie überhaupt hier im- 
mer angenommen. 

AL zz AC -^ CL =: i -{- CL, und 



CL =:V CD'* — I>'L =: V I — D^'L j 



^ 



75 

ly'L =1 0,63602, und also 

JD*^ L = 0,43532; mithin 

Vi — 0,43533 = V 0,56467 = 0,7711 = CL 
und 

AL =: I -f 0,7711 = 1,7711 und die Wirkung 
Ton p , oder 

p ALzzp. 1,771 ij nach Obigem war 

p AD* = ;;. 0,2289 also 

p {AL — -^Z?') = p ( 1,7711 — 0,2289) =z: 

Für einen Winkel von i4o^48' ist 

Z' r^ 2,4562 nahe genug, und 

Z war nach. Obigem gleich o,6838 nahe; also 

Z' — Z r= 2,4562 — 0,6838 = 1,7724, und 

P{Z^ — Z) = P. 1,7724 =;>. 0,63662. 1,7724 

:=zp. 1,12834» und aus diesem wird 

W = p (1,5422 — 1,12834) = P- o,4i386j 
dieses mufs auch gleich 

M' {H^ — H) seyn, und es ist daher 

M {IP -r- ff) =^ p. o,4i386, und für einen ge- 
gebenen Unterschied der Geschwindigkeiten 

Dieser Ausdruck gilt für den Halbmesser 1 , für 
willen andern Halbmesser des Warzenkreises müfste 
aus bekannten Gründen o,4i386 crstmit diesem Halb- 
messer multiplizirt werden ^ uhd wenn wir den Halb- 
messer desselben allgemein mit /* liezeichnen, wäre 
für jedeii Warzenki'eis 



/ 



76 

a3) In der Anwendung ist gewöhnlich die Um- 
drehungszeit der Kurbelwarze durch Umstände be- 
stimmt^ aus der Lange des Kreises und dieser Zeit 
ergibt sich irgend eine mittlere Geschwindigkeit, und 
die Zwecke y zu denen die Maschine angeordnet ist, 
bestimmen, wie weit sich die Geschwindigkeit an 
andern Stellen des Umfanges von dieser mittleren , so- 
wohl dariid)er als darunter entfernen darf, und mit 
diesen ist also C und O^ daher auch mit ihnen U 
und H' gegeben. 

Je kleiner nun die Differenz wird, desto grös- 
ser mufs die Masse werden, würde H^ es H^ oder 
sollte die Geschwindigkeit an allen Stellen gleich 
grofs seyn , so würde W — ff = o und * 

M = = unendlich grofs. 

Man ersieht hieraus , dafs Mnie zu grofs werden 
kann , und man defswegen ein Schwungrad niemahls 
zu grofs anlegen könnte, -wenn nicht andere Umstände 
die Gröfse desselben beschränkten , und da die Masse 
niemahls unendlich grofs werden kann , so kann auch 
die Bewegimg niemahls gleichförmig werden. 

4 

Beispiel. 

Es sey die auf Bewegung wirkende Kraft culer 
p == 4oo Pfund; der Halbmesser der Kurbel, oder 
r = I. 

Die kleinste Geschwindigkeit, welche die Warze 
im Kreise haben darf, sey = i,5 Fufs; die gröfste 
SS 1^8 Fufs ; so gehört zur ersten eine Geschwindig- 

keitshöhe, weichein Fufsen = — =: 0,08629 ist. 



77 

2ur zweiten eine Höhe s=: J^ s=l: o.oSü^G; und es 

ist hier 

jfiT = o,o3Ö29 ; Ä' = o^oSsaG und 

//' — B =^ o^oSdüö — 0,086:19 = O9O1597 
und es* ist also nach Formel (I) §. 22 

M == — ^-^ . *= io366 Pfund nahe genug. 

0901597 o .0 

Diese Masse miifsten wir nun in dem Warzen- 
ireise so anbringen^ dafs sie der Bewegung^ wie be- 
dingt bt 9 nur als träge Masse widerstände , was wir 
entweder durch einen zylindrischen Ring, oder durch 
einander balanzirende Massen in dem Warzenkreise 
erreichen würden, wenn dieselbe nicht durch ihre 
Gröfse uns nöthigte , sie durch andere Mittel zu er- 
setzen. 

Wir wissen, dafs durch eine kleinere Masse auf 
einem gröfseren Weg eine eben so grofse Wirkung er- 
reicht werden kann, als durch eine gröfsere Masse in 
einem kleineren Weg ; und weil es sich hier ntur um 
den Zweck zu erreichen kandelt, und nicht darum, 
ipit welchen Mitteln, und wie grofs diese Mittel sind, 
wodurch der Zweck erreicht ist, wollen wir unter- 
suchen, ob sich diese Masse im Warzenkreise vertheilt, 
nicht durch eine andere in einer andern Entfernung 
oder auch auf einer andern Drehungsachse (welche 
jedoch mit der War^enachse in Verbindung sey), wird 
anbringen oder ersetzen lassen. * 

a4) Wenn wir an einem willkürlichen Halbmes- 
ser, der sich um den Mittelpunkt als feste, unbieg- . 
same Linie drehen kanp , an dessen äufserstem Ende 
vom Mittel- oder Drehungspunkt uns eine Masse an- 
gebracht denken, die der Bewegung blofs als Masse 
nach dem Gesetze der Trägheit widerjsteht ; , so wird 



78 

irgend eine Kraft dazu gehören , dieser Masse Bewe- 
gung mit zu tKeilen , oder wir können uns den Wider- 
stand der Masse gegen^ Bewegung als eine solchtß 
Kraft denken , so mufs die Kraft auch natürlich der 
Masse proportional seyn. 

Es widersteht also die Masse in der Entfernung 
vom Drebungspunkte^ welche wir mit r bezeichnen, 
der Bewegung mit irgend einer Gröfse. 

Denken wir uns diesen Halbmesser verlängert, 
und in dieser Verlängerung in einer Entfernung vom 
vorigen Drehungspunkte, welche wir durch jR- aus- 
drücken wollen, eine andere Masse eben so wie die 
in r angebracht, jedoch mit der Bedingung, dafe^ diese 
neue Masse in ihrer Stelle gerade das hervorbringe, 
was die vorige hervorgebracht hat, dafs sie also der 
Bewegung mit gleicher Gröfse wie die in r wider- 
stehe; so wird die Kraft, weichein der Entfernung R 
angebracht ist, sich gegen ]hn.e, welche in r wirkt, 
lUHgekebrt wie ihre Entfernungen vom Drehungspunkt 
zur Entfernimg der erstcren verhalten müssen, oder 
Wenn wir die Masse in r mit Q die in R mit Q^ be- 
zeichnen, wird 

Q : Q' =i R : ri weil nähmlich, wie schon 
bemerkt worden , die Widerstände den Massen pro- 
portional sind. 

Es wäre also hier 
^ Q '' 

^ = -V- 

Gehen wir hier aber auf wirkliche Bewegung 
über, so sehen wir, dafs wenn die Masse ^ in r ir- 
gend eine Geschwindigkeit =-'C annimmt, die Masse 
Q' in dem geraden Verhältnisse der Radien ihre Ge- 
schwindigkeit erhalten mufs, die wir mit c' bezeich- 

m 



79 

neu vrollen. Zu diesen Geschwindigkeiten gehören 
die Geschwindigkeiuhöhen h und A'^ so wird 

h : k' =•' r^. : R^^y weil sich die Geschwindig* 
keitshöhen wie die Quadrate der Geschwindigkeiten^ 
und die Geshwindigkeiten wie d^ Radien verhalten. 
'E0S ist also 

h if - 

Ä' =s —- . Soll nun in ^ dieselbe Wirkung 

wie in Q hervorgebracht werden, was hier eigentlich 
Bedingung ist, so wissen wir aus dem allgemeinen 
Satz der Wirkung dafs 

h Q^^ h* Q' wird seyn müssen, und Statt ä' den 
Werth eingeführt, wird 

h QcB -!--• Q^'y oder es ist ^durch ^und die 

Halbmesser ausgedrückt 

(I.) Q' CS -— • Wäre hier /• = i , so wird , 

(n.) ^Ä*= Q.- 

Wollten wir alsQ die in dem obigen Beispiel für 

den Halbmesser s=:r des Warzenkreises gefundene Masse 

▼on io366 Pfund auf einen Schwungring rcduziren, 

dessen Halbmesser = 4' ^^J^ so würde diese Masse 

. oder ^ nach Formel (I) 

^ .0366. . » ^ if^ _ 643 pf^j „^he. 

Die Formel (I) gibt uns jedoch eine sehr leichte 
Hegel, jede Schwungmasse anginem beliebigen Halb- 
messer auf einen andern , gröfseren oder kleineren 
zu bringen \ indem wir nur die gegebene Masse mit 
dem Quadrate ihres Abstandes vom Drehungspunkte 
multipliziren , und dieses Produkt durch das Quadrat 
des neuen Abstandes theilen dürfen, um durch den 
Quotienten die neue Masse zu erhalten. . 



8o 

^5) Will man eine schon bekannte^ iiir die Gleich- 
förmigkeit hinlänglich grofae Masse auf eine andere 
Welle übertragen^ so sey der Halbmesser für den 
Schwungring an beiden Achsen gleich grofs , die Um- 
drehungsEciten der beiden Wellen durch die in ein-* 
ander greifenden Räder oder andere Vorrichtungen 
gegeben. Die Geschwindigkeit der Masse an der 
Warzen welle sey wie* oben =: c, die Geschwindigkeit 
der Masse «Q' an der zweiten Welle sey = c% dazu 

Sehören die Höhen h und h^ ; so mufs wieder nach 
em bekannten Gesetz 

JiQ ^sss h^ Q* &T gleiche Wirkungen seyn. 

Es ist aber 

h : h^ = C^ : c' * j und 

c : c' *=i t : t^ , wo t und t^ die Umdrehungs- 
zeiten der Wellen^ und zwar t für die erste und t* 
für die zweite sind ; also auch 

h : h^ s^ t^ : ^f^ ; weil sich aber die Umdre- 
hungszeiten zweier Wellen lungekehrt wie die Radien 
ihrer in einander greifenden Räder verhalten müssen^ 
so wird auch^ wenn g den Halbmesser des Rades an 
der ersten^ und q^ den Halbmesser des Rades an der 
«weiten Welle bezeichnet 

t : ^t esa ^g : q und 

t ^ : '^ » BS 'j « : j « oder ' 

Ä : Ä' .= '^ * : j « daher 

fi^ sa -i- und aus der Gleichuns 

hQ =i h' Q* wird, Tür A' den Werth geseut, 

A P ss: ^^— ^- oder 

(y SS — ^. Ist die Masse einmahl auf diese Art 
auf eine zweite Welle gebracht; so kann sie nach 



8i 

Formel (1), §. :i4> vvieder aaf jede Entfernung vom 
DrehongspimLte gelegt ^yerdeii. 

In diesen zwei Paragraphen ^4 ^^^ ^^ ^^^^ ^^^ 
die Regeln aufgestellt^ nach welchen eine Schwung- 
masse^ sie sey nun durch die Rechnung oder durch 
ILrfahrung als hinlänglich grofs bekannt^ auf jeden 
beliebigen Halbmesser reduzirt^ und auf mit der War* 
zeaweUe verbundene Wellen übertragen werden kann. 

:iG) Diese Entwicklungen für die Gröfse und die 
Bestimmung von M fiir irgend einen Grad der Gleich- 
förmigkeit der Bewegung der Kurbelwarze gelten je- 
docJi nur, wenn p als reine Kraft, frei von allen an- 
dern Verbindungen^ der Kraft -P entgegenwirkt. 

Dieses ist jedoch selten der Fall, und gewöhnlich 
sind mit der Kraft p auch Massen 'in Verbindung^ 
welche in der Richtung dieser Kraft hin und zurück, 
d. h. von j4 nach B, und von B naöh ^ der Bewegung 
aJs träge Massen widerstehen, und entweder beschleu- 
Bigt oder verzögert werden, was die Natiu: der Bie- 
wegung aufhellen wird. 

* 

Es sey also, mit der Kraft p eine lange Unbieg- 
same Linie udK in Verbindung, dafs die Neigung die- 
ser Linie gegen die Verlängerung von ^B^ wenn;? 
mit dem einen E;adpunkte dieser Linie im Kreise der 
Kurbelwarze heruni geht, als unbedeutend angese- 
hen werden kann, und an dem Ende bei K sey an 
diese Linie eine Masse sstm angebracht^ welche nach 
obiger Bedingung parallel mit ^B hin und hergezo- 
gen wird ; so sehen wir , dafs , wenn die Warze sicK 
in Ji4 befindet, die Bewegung, also auch dic/Ge- 
schvnndigkeit , der Masse m gleich Null seyn mufs, 
und dafs ihre Geschvnndigkeit, wenn die Warze nach 
B Kommt, ebenfalls gleich Null ^eyn wird^ weil in B 
die Kraft p aufhört von A nach B, und anfängt von 

lakgk, 4. poljt. Init, 111. Bd, ' 6 ' 



8a 

B nach A zu i;^irken. Es kann nun die Geschwin* 
digkeit der -Masse m zwischen A und B nach eiaem 
-willkürlichen Gesetze verändert worden seyn, oder 
nicht ^ so sehen wir doch^ dafs, weil dieselbe sich 
in B in demselben Zustande der Bewegung wie in Aly 
also in Ruhe y befindet ; durch ihre Bewegung in der 
ganzen Periode nichts geschehen seyn kanu^ was in 
Beziehung auf die Wirkung der Kräfte p und P vor- 
oder nachtheilhaft seyn könnte^ uhd hätte die Masse 
m auch durch Beschleunigung in ihr an einigen Stel« 
Jen Kraft erschöpft^ so niufs die Wirkung dieser 
Kraft y durch die Verzögerung der Masse m an' anderen 
Stellen wieder ersetzt worden seyn. 

4 

Man ersieht also hieraus^ dafs die Masse m auf 
das Verhalten von p und Py eben so wie die Masse 
M keinen Einflufs haben kann ; welche Veränderun- 
gen in der Bewegung jedoch innerhalb dieser Periode 
vorgehen^ und in wiefern die Masse m hierauf einen 
Einflufs äufsert^ ist noch zu erläutern. 

tyj) Die Warze sey bis an eine willkürlich ange^ 
nommene Stelle von, A gegen E hin vorgerückt ^ und 
befinde sich in D (wo jedoch nicht angenommen wird^ 
dafs der Winkel DCAzz Sg^iü' sey), die Masse ilf, 
welche mit der Warze verbunden ist, habe hier eine 
Geschwindigkeit = c' , und die Geschwindigkeit von 
Min A sey, wie oben 15 c gewesen. 

Die Masse m, welche sich in der Richtung AB 
bewegt, wird sich jetzt in Ä^ befinden müssen , wenn 
AK = DK'y wie vorausgesetzt wird, ist; sie mufs 
also an dieser Stelle irgend eine Geschwindigkeit ha- 
ben, die wir c" nennen wollen* 

Man sieht jedoch, dafs, je schneller die Warze 
•ich bewegt, um so schneller auch die Masse m he- 



83 

weg! werden mufs.^ dafs also die Geschwuidigkeit c'^ 
Ton der Gesch^viiidigkeit c' abhängig ist. 

IHe GescnnvindigLeJieh lassen sich aber nach (|cn* 
selben Gesetzen^ wie dief Kräfte zerlegen ^ und wi^ 
haben also > wenn wir die Geschwindigkeit c^ als eine 
mittlere in der Tangente des Peripheriepunktes D an- 
sehen , und die Geschwindigkeit d' parallel mit ^B 
aus ihr ableiten , indem wir c' =^ D PF setzen, also 
zur Diagonale c' das Rechteck Z> ^/F'JC konstruireii^ 
c' : c" ^=^ DTV \ Dy. Es^ ist aber auch hier in 
den beiden Dreiecken WD Vy und Z? C/>f,dfei> Winkel. 
CD'D==^^o^ = frrD\ der Winkel VDW^ 
CDD* y weil der zwischen ihnen liegende Winkel 
VHG jed^n zu 90^ ergänzt, die Di^eiefc^e tVDP" 
und D CD' daher ähnlich, und defshalb, 

DfV \ DV ^ DC i DD':, also äucb 

& : c" ^=i D C : DD^i tmd es ist daher immer 

c" as ; Wo Wieder -rr^ nur feine Verhält«' 

f • * • , 

aifszabl ausdrückt , die für gleiche Winkel für ^edeii 
Halbmesser gleich grofs bleibt j und setzen wir 
deishälb 

Z> C == I , so ist^ 

(I) c" » d DD'. 

Hierdurch die GescbwindigkeitshShe fiir die 
Masse m an dieser Stelle ausgedrückt ist 

h' i h" = 'c* : ''c* ; wenn h' und h^' diö tXk 
'c und "c gehörigen Höhen bezei<;hnenj und dahetr 

h^i SS j es ist aber 

> 

"c* s= 'c» jüif] also 

(D) hf « — ^7^ — «s< hf DD' 



84 

Die Oescilvrincligkeit c^^ in der Masse, fn' kann 
jedoch durch keine andere Kraft als durch p, oder 
eigentlich durch die au^ p entstehende Tangential- 
kraift p^ hervorgebracht werden, weil nur ;>' für die 
Bewegung von m'wirkeii kann. 

Die in der Tangente wirkende Kraft p^ mufs sich 
also in zwei Theile theilen, wovon der eine auf Be^ 
schleunlgung der Masse m wirkt, der andere aber 
der unveränderlichen Tangentialkraft P widersteht. 

9 

Rückt die Warze in einen WinkeWon 89° la' im 
ersten Quadranten, die Grade wie iriin^er an'genom- 
inen von Ji an gezählt , wo J9 /)' n oß3662 wird , so 
sind p' und P zwar einander gleich, und ihre Ele- 
mentarwirkungen für diese Stelle erschöpfen einan- 
der, weil aber nicht die ganze Kraft p^, sondern, nur 
ein Theil derselben der Last P entgegenwirken kann, 
indem der andere Theil auf Beschleunigung von m 
wirken muls, so können auch in dieser genannten 
Stelle der Warze di^ 'Elementarwirkungen von der 
Last P, und des dieser entgegenwirkenden Kraftan* 
theils aus p^, den wir mit p^^ bezeichnen wollen , nodi 
nicht gegenseitig sich erschöpfen , und die Last P 
mufs so lang Überwucht haben , bis 

p^^ zsss P zss p. 0,63603 ist Nun ist in So^iü', 
p*^ kleiner als p. 0,68662, weil für diesen Fall erst 
p^ s=3 p. 0,63662 wird , und p^^ nur stets ein Theil 
yonp^ ist. 

Weil also P an dieser Stelle noch Überwucht 
hat, diese Überwucht aber nur auf M wirken kann^ 
so mufs auch Af noch über diesen Winkel hinaus Ver- 
zögerung leiden. 

Zugleich geht auch hieraus hervor, dafs )e 
gröfser die Masse m ist, desto gröfser der von p^ für 
ihre Beschleunigung yer^yendete Kraftantheil seya 



85 

wird, und p** alslh mit dem Wacli$Lhum von m für. 
übrigens gleiche Abmessungen und Gröfsen^ abnimmt, 
und daher auch der Winkel immer gröfscr . werden 
mufs, in welchem /7"=:;t^.o,63663 werden kann. • 

Die kleinste Geschwindigkeit der Masse itf fällt 
liso bei einer mit p verbundenen Masse üJjcr den 
Winkel von 39^1:3' hinaas. 

Dafg die Masse Af über den Winkel von 39^12' 
luaiiber, immer noch VeTzögerung leidet, wenn m 
da ist, können wir uns auch noch deutlicher dadurch 
erklären , wenn wir die Kräfte p und P so gegen ein- 
ander wirkend betrachten^ als ob die Masse m nicht 
Torhanden wäre. — Es wird also hei dieser An- 
nahme die Kraft P bis in den obigen Winkel Über- 
iiracht über die Tangentialkraft p' haben, und die 
Beschleunigung der Masse m kann nur durch eine 
desto gröfsere Verzö8;erung von M erhalten werden. 
Erhalt nun aber p' Überwucht über P, was an der 
o/t genannten Stelle geschieht', so wird die durch die 
Fortbewegung entstehende Überwucht von p' zwar 
unmittelbar auf die Beschleunigung von M verwendet 
werden^ allein M mufs dieselbe wieder an m abtre- 
ten , weil^ wenn i(f selbst von dieser Stelle an, ver- 
möge der Trägheit gleichförmig im Kreise fortginge. 
do<3i die Masse m beschleunigt werden müfste , weil 
selbst für eine gleichförmige. Geschwindigkeit ; des 
Warzenpunktes in dem Kreise, oder für eine gleich-* 
förmige Tangentialgesch windigkeit, aus der Natur der 
Sache hervorgeht , dafs die Geschwindigkeit in paral- 
leler Richtung mit dem Durchmesser wachsen mufs, so 
lange die Neigung der Tangente gegen den Durch- 
messer hier gegen A B abnimmt, upd wieder klei- 
ner wird, v^enn die Neigung der Tangente gegen den 
Barchmesser zunimmt j und am gröfsten, oder der 
Tangentialgesch windigkeit gleich seyn mufs, wenn 
die Tangente pai^^iel mit dem Durchmesser ist, oder 



156 

yfejßn für diesen Fall die Warze von j4 aus einen 
Tischten Winkel durchlaufen bat^ und sich in JS be- 
endet. — 

Wir könnten uns also vorläufig denken^ die Masse 
ilf ginge von 39°i2''aus (bis wohin sie immer Verzö- 
gerung erlitten haben mufs , weil p' keine Überwucht 
über P hatte, und überdiefs die Beschleunigung von 
m auf Kosten ihrer Geschwindigkeit hergestellt wer- 
den mufste), gleichförmig so langä fort, bis die Über- 
wucht der Kraft p' so grofs wird, dafs dieselbe nicht 
nur im Stande sey , Beschleunigung in der Masse m; 
sondern auch noch Beschleunigung in M zu erzeu- 
gen, so fällt hierdurch der Winkel schon gröfser 

{(US als 3g^ia. 

« 

Nun sind aber die Bewegungen beider Massen so 
piit einander verbunden, dafs ihre Bewegungen an 
allen Stellen von einander abhängen, und es wird von 
39° 13' an, die Masse m, sowohl von p^ als von AT 
beschleunigt werden müssen, von ersterer durch Über- 
wucht über P, und von letzterer auf Kosten ihrer 
Geschwindigkeit. 

Durch das^erste Element des Bogens, von wo aus 
p^ Überwucht über P erhält, können wir diese Über- 
IfVucht als unbedeutend ansehen , und sie wirdj also 
nicht vermögend seyn , der Masse m die nöthige Be- 
fchleunigung einzurücken, und diese mufs also blofs 
durch die Mas£ie ^bezweckt werden. Es wird aber 
nach und nach diese Überwucht gröfser, und die 
Masse üf darf also mit keinem so grofsen Autheil mehr 
auf m wirken, bis an irgend einer Stelle die Über- 
Taucht von p' anfängt gröfser >zu werden, als sie nö- 
fhig Mfäre, um für diese Stelle in xler Masse m die 
^öthige ' Geschwindigkeit zU erzeugen, und an diese 
Stelle mufaf ilüi^ die kleinste Geschwindigkeit der A|iisse 
Af fallen, weil über sie hinaus* die Übörwuch^ van p^ 



87 

über P schon gröfser ist^ als sie für die Besclileani- 
^Dg von m noüiig wäre^ und daher schon mit einem 
Theile ihrer Überwucht auch auf Af wirken^ und M 
beschleunigen kann. 

Wäre nun die Masse m gegen die Masse M und 
die Kraft p sehr grofs^ so wird auch natürlich für 
gleiche Geschwindigkeiten der Masse MinAy für die 
Erzeugung der nöthigen Geschwindigkeit in der Masse 
m ein desto gröfserer Kruflaufwand von p' , und eben 
so eine desto gröfsere Verzögerung in der Geschwin- 
digkeit der Masse M erforderlich seyn^ und die Stelle, 
wo die kleinste Geschwindigkeit Statt hat, mufs in 
diesem Falle weiter gegen E hin fallen, als wenn m 
gegeh M und p nicht so grofs wäre. 

£5 fragt sich hier jedoch , ob diese Stelle der 
kleinsten Geschwindigkeit., bei beliebigen Annahmen 
für m und Af, nicht innerhalb bestimmten Gränzen 
wird fallen müssen, und dieses heantwortet sidi auf 
ib%endc Art. 

Nehmen wir die Masse m so grofs als wir woUeni, 
und verfolgen die Bewegung bis in £, also bi^ zu 90^ 
▼on ^aus; so wissen wi'r^ dafs die Geschwindigkeit 
der Masse m von A bis E wächst , und von E bis B 
iw^ieder abnimmt^ wenn die Tangentialgeschwindig- 
keit gleich wäre. Es ist aber 

&* = d DD'y und fiir einen rechten Winkel 
wird DD' ^=^ EC ^^ i , nach der Annahme für den ^ 
Halbmesser des Warzenkreises =r i ; also in E 

c" =: c'y über diese Stelle hinüber ist />/)' im- 
mer kleiner ab i , und also 

c" auch immer kleiner als c'. Die Geschwindig- 
keiten der Massen M und m sind also nur in E ein- 
ander gleich, an jeder andern Stelle ist die Geschwin- 
digkeit der Masse m kleiner^ als die der Masse M. 



88 

• 

Wäre nun die Masse m se grofs , dafs die kleinste 
Gesell windigkeit erst in J? fiele, so sind, wie gezeigt 
worden , in E die Geschwindigkeiten in M und m auf 
jeden Fall einander gleich. Lassen wir von hier aus 
die Masse M mit der Geschwindigkeit, die ihr in E 
angehört, gleichförmig fortgehen, so wissen wir, dafs. 
die Geschwindigkeit in der Masse m weiter über JS 
Ueiner als die der Masse M, also bei dieser Annahme 
kleiner als ihre Geschwindigkeit im Scheitel seyiimufs, 
und die Masse m also verzöeert worden ist; mit die- 
ser erlittenen Verzögerung kahn sie jedoch nirgends 
anders hin, als auf ilf gewirkt haben, und mufste also 
die Masse M beschleunigen. Es ist also unmöglich, 
idafs M TOP E aus sicn gleichiörmig fortbewegen 
könne» 

Es könnte jedoch die auf Beschleunigung wir- 
kende Überwucht von p^ in M über E hinaus eine so 
grofse Geschwindigkeit erzeugen , dafs auch die Ge- 
schwindigkeit der Masse m gröfser als im Scheitel 
seyn würde, also noch beschleunigt werden müiste, 
wenn auch die Warze schon über E hinaus tritt, und 
es könnte vielleicht durch diese Beschleunigung die 
Masse M verzögert werden. Weil aber die Geschwin-^ 
digkeiten beider Massen in E gleich waren , so könnte 
diese Überwucht nur gemeinschaftlich sowohl M als 
m beschleunigen, und die Masse ^kann daher über 
£* hinaus, so lange p^ noch Überwucht hat, weder 
gleichförmig fortgehen , noch Verzögerung erleiden, 
und mufs also, da nichts anders mehr möglich ist, be-^ 
schleunigt werden. 

Hieraus ist also klar , dafs die kleinste Gei^ch win<* 
digkeit der Warze im ersten Quadranten zwischen 
39^13 und 90^ fällt, und dafs, selbst bei der gröfs-» 
ten Masse m, diese Stelle nie in 90^ fallen kann^ ja 
/selbst nur oo^ nahe kommen v^ilrde, wenn m gegea 
M unendlich grofs wäre. 



89 

Von 90^ an tnurste also in jedem Falle die Masse 
M so lange beschleunigt werden y bis die Überwucht 
Ton p' über P in i4o°4'^' wieder gleich Null wird. — 
Von da aus erhält P Überwucht über /;' und verzö- 
gert die Masse M ; mit der Verzögerung von M aber 
ist die Verzögerung von 771 im Zweiten Quadranten 
Bolhwendiger Weise verbunden^ weil, wie oben ge- 
zeigt worden , schon für eine gleichförmige Geschwin- 
digkeit der Warze m hier^ verzögert würde; also um 
so mehr , bei einer Verzögerung von M» Die Verzö- 
gerung von m kann aber nur auf Beschleunigung yon 
jtf wirken, und da die Überwucht von P über p' nicht 
gleich so grofs ist, dafs sie im Stande wäre, diese 
Wirkung von der Masse m aul M zu vernichten > und 
noch nebst dieser Vernichtung , auch auf Bewegungs- 
änderung in der Masse M wirken könnte , so müfste 
die Masse AT wenigstens so lange glsichformig mit der* 
iQi4o°43^ erlangten Geschwindigkeit fortgehen, bis 
die Überwuoht von P im Stande ist, die Wirkung 
der Masse m auf Beschleunigung von M zu erschö- 
pfen. Da sich aber diese Wirkung sowohl zum Vor- 
theile für die Bewegung der Masse M^ als zum Vor- 
theile der Überwncht von P äufsert, also in beide 
iibergeht, so wird die Masse il/ 90 pange über den 
genannten Winkel hinaus noch beschlennigt werden, 
bis die Warze an eine Stelle kommt,, wo die Über- 
wncht von P so grofs wird, dafs sie nicht nur im 
Stande ist, die Wirkung der Masse m augenblicklich 
ZQ erschöpfen, sondern auch anfängt, auf M zu 
wirken. — - ' 

Da die Wirk\mg in m aber nicht weiter als in B 
gehen kann, indem an dieser Stelle die Geschwin- 
digkeit der Masse m = Null ist , so kann auch nur 
höchstens eine Beschleunigung der Masse M von- der 
^tasse m bis au diese Stelle Statt finden, und die 
gröfste Geschwindigkeit der War;ce falU also im 



zweiten Quadranten für jeden Fall and jede Gröfse 
der Masse /» zwischen i4o^4S^und i8o^. 

08) DieseBestimmungen derGränzen für diegröfste 
öder kleinste Geschwindigkeit der Warze gelten, 
wenn p die auf Bewegung in der Richtung der Warze 
wirkende Kraft, und P die derselben entgegenwir- 
kende Last ist. Ist es umgekehrt, so dafs P bewe- 
gende Kraft, und p die Last ist, P also fiir Bewe- 
gung Yon M , und p gegen diesq ^irkt, so tritt auch 
hier der umgekehrte Fall wie oben, ohne die Masse 
m , ein. Im ersten Quadranten ist die Geschwindig- 
keit der Warze dann ein Gröfstes , im zweiten ein 
Kleinstes ; nur ist noch zu bestimmen , wohin diese 
Stellen jetzt fallen Werden , wenn mit der Last p die 
Masse m nach demselben Gesetze wie zuvor in §. 27 
Terbunden ist. 

39) Ist fiir diesen Fall die Warze in 89^ i:^^, so 
ist p' SS P^ und weiter über diese Stelle ist p* gröfser 
als Py bis zu i4o®48'. 

Da hier die Masse m so wie die Masse iRTvon JP 
beschleunig! wird , und/;^ immler der Bev/egung ent- 
gegenwirkt, so kann von 39^12' an, in ^ und m 
durch P nichts mehr auf Beschleunigung erfolgen, 
und soll m beschleunigt werden , kann dieses nur le- 
diglich auf Kosten der Geschwindigkeit der Masse M 
geschehen. Da nach dem Vorhergehenden in dem 

i'etzigen Falle Pvon ^bis 3q®i3' Überwucht überp' 
lat, so wird diese Überwucntauf die Beschleunigung 
der Masse 3f und m wirken, und zwar so lange, bis 
diese Überwucht nicht mehr vermögend ist, die nö- 
thipe Geschwindigkeit in der Blasse m zu erzeugen; 
so lange nun noch auch M beschleunigt wird , wächst 
auch die Beschleunigung von m; die auf Beschleuni- 
gung beider Massen wirkende Kraft oder Überwucbt 
wird aber immer kleiner , und in 89^ la' ist sie gleich 



9» 

» 

Null ; die Masse M kann also in diesem Falle nur bis 
dahin beschleanigl werden^ wo die Überwucht der- 
Kraft P über p^ noch vermögend ist, die.nöthige Be- 
schletmigung in m zu erzeugen y die weitere Beschleu- 
nigung von in kann also durch die Überwucht, und 
theils auf Kosten der Geschwindigkeit von M gesche- 
hen , es mufs daher die Geschwindigkeit in M früher 
ein Gröfstes gewesen seyn, ehe die Warze noch in 
39^ 1 2^ treten konnte. Diese Stelle kann jedoch auch 
ivieder nicht weiter als höchstens bis A zurückfallen, 
weil^ wenn auch m unendlich grofs wäre, die Ge- 
schwindigkeit von m in ^ gleich Null ist, und also 
noch nichts erschöpft haben kann. — 

Nun würde von dieser Stelle an , wo sie immer 
swischen o^ und 39^1^' hinfallen mag, die Masse M 
durch die Beschleunigung von m und die Überwucht 
Ton p* bis an irgend eine andere Stelle verzögert wer- 
den, diese andere Stelle aber fiele in i4o^48'> wenn 
die Masse m nicht da wäre , wie wir für diesen Fall 
oben gesehen haben; weil wir aber wissen, däfs die 
Geschwindigkeit der Masse 7» im Scheitel oder in 90^, 
gleich ist der Geschwindigkeit der Warze oder der 
Masse Af, und über 90^ im zweiten Quadranten die 
Geschwindigkeit von m immer kleiner seyn mufs,' als 
die von Af , so mufs hier , da p^ noch Überwucht hat, 
die Masse M verzögert, und mit dieser Verzögerung 
also auch die Geschvnndigkeit von m abnehmen, 
^^elche Abnahme aber zum Vortheile für M Statt ha- 
hen mufs. Diese Abliahme der Geschwindigkeit in 
der Masse m wird um so gröfser, je gröfser die Ab- 
nahme der Gescjiwindigkeit der Warze ist. 

Es wirkt alsQ die Verzögerung von M mittelst der 
Masse, m zugleich auf Beschleunigung von sich selbst. 
Rückt nun auch hier die Warze so weit fort , bis die 
Überwucht von p^ nur noch vermögend ist, durch 
ihre Gegenwirkung der von m herrührenden Besohlen- 



9? 

nigung das Gleichgewicht zu halten ^ so mufs an jener 
Stelle die kleinste Geschwindigkeit der Warze eintre- 
ten , weil über sie hinaus die von m auf die Masse M 
wirkende Beschleunigung, grofser ist^ als die von p' 
herkommende Verzögerung^ also die Überwucht der 
beschleunigenden Kraft aus der sich verzögerDden 
Masse m über die Überwucht der Kraft p' über P, 
auf die Masse M beschleunigend wirkt. 

Diese Stelle mufs nun um so eher eintreten , je 
gröfser m gegen ein immer gleichbleibendes M und p 
ist, weil dieselbe Beschleunigung in einer gröfseren 
Masse nur durch einen gröfseren Kraftaufwand als in 
einer kleineren erschöpft werden kann^ die der Masse 
m also gleichwirkende Überwucht noch gröfser seyn 
mufs 9 wenn m grofs ist^ und daher immer weiter von 
der Stelle zurückrücken muis^ wo diese Überwucht 
gleich Null ist. — « 

Betrachten wir die Bewegung im Scheitel^ so 
mag m so grofs als immer angenommen werden mag, 
seyn, so ist die Geschvnndigkeit in m gleich der in 
M', zugleich wurde die Masse m auf Kosten von M, 
von der Stelle an, wo die gröfste Geschwindigkeit Statt 
hatte, a,uf jeden Fall, beschleunigt, weil die Über- 
vmcht von p^ der Bewegung beider Massen entgegen- 
vnrkte , eine Beschleunigung in m also nur durch die 
bewerte Masse M möglich war. Wir sehen also ', 
dafs die kleinste Geschwindigkeit der Warze auch 
nicht über 90^ zurückfallen kann, selbst wenn m un* 
endlich grols wäre. 

Es liegt also In diesem zweiten Falle die kleinste 
Geschwindigkeit der Warze in einem Winkel, der 
zwischen 90^ und 1 4o^48' fallen mufs. 

3o) Um hier die Gröfse der Masse Af, welche 
mit der Kurbel warze verbunden gedacht wird, für 



93 

irgend einen gegebenen Unterschied zu bestinuuen^ 
müfsten wir zuerst die Winkel kennen ^ in welche die 
kleinstes und gröfste Geschwindigkeit fallt ; um daraus^ 
wie §. la die Masse My aus der zwischen diesen, bei- 
den Stellen erzeugten Wirkung auf Beschleunigung 
iiir einen gegebenen Grad der Gleichförmigkeit aus- 
drücken zu können, 

* 
Weil hier aber die Geschwindigkeit der Masse m 
nets von der Geschwindigkeit der Masse M abhängt, 
uod letztere unbekannt seyn mufs, so läfst sich hier 
ohne höheren Kalkül M auf keinen Fall sicher be- 
stimmen. 

Wir wollen aber doch die allgemeine Formel auf 
dieselbe Art^ wie in §. 21 ^ fiir die Berechnung der 
Masse iHf hier aufstellen^ wo wir die Winkel als be- 
lannt annehmen , in welchen die gröfste oder kleinste 
Geschwindigkeit Statt findet. 

Hierzu sey die bewegende Kraft sr; , . ^ 
die zu überwindende Last in obigem Sinne • =: P 
die mit p verbundene Masse as . • . n^ 

die gröfste Geschwindigkeit der Warze :== . . c'' 

deren Höhe =a !. W* 

die kleinste Geschwindigkeit =z • . . . O 
deren Höhe = . . . . . . ♦ H' 

die Geschwindigkeit in A tmd J9 =: * . c 
deren Höhe . • H 

Der Winkel^ in welchem, im ersten Quadran-* 
teiiy die kleinste Geschwindigkeit eintritt, sey 
dem Bogen nach in Theilen des Halbmessers 
gleich I von A aus gemessen =: . • . . A 

Der Winkel für die Stelle der gröfsten Ge- 
schwindigkeit =? . . • • . ^ B 



Süll' 






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auf 



II., „, O»!. 

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__ _... =.^ -ff.Oi 



p (z'^z) — P (B — J) = M (Ä>' — Ä>) + 
m (Ä" 'a ' -^ H*a^) und hieraus ist 

^^ ßJT-zrg^ ' 

soll dieser Ausdruck für jeden beliebig grofsen Halb- 
messer des Kurbelkreises gelten^ und setzen wir* die* 
seu gleich r^ so ist allgemein 

\ J ^^ Ä" — H' 

Wir sehen also durch die Form des Werthes Toh 
My dafs ^undJ? bekannt seyn müssen, weil von ihnen 
die Grofsen z^ z^, a und a' abhängig sind. Durch das . 
Vorhergehende ist uns aber auch nun klar, dals die 
Winkelwerthe Air ^und B in irgend einem Verhält- 
nisse stehen müssen, in ivelchem die KVaft p die Masse 
m, und die Änderung der Geschwindigkeitshöhen, 
unier einander stehen ; und es zeigt auch der Kalkül, 
dafs, wenn man diese Gröfse, welche das Verhältnifs 
ausdrücken soll, mit u fiir den Winkel der kleinsten, 
und mit u' für den Winkel der gröfsten Geschwin- 
digkeit bezeichnet 

u = ; und 

r.p 

1^/—- . \ Wird. 

'' f" 

Wenn die Werthe fiir u und u^ auf diese Art ge- 
geben, oder bekannt sind, so wird für den Fall', dafs 
p die Kraft, und P die Last ist für den Winkel ji^ 
oder für den Wickel der kleinsten Geschwindigkeit 

a =s -^ ■ • ; und für den Winkel Ä 

oder für die Stelle der gröfsten Geschwindigkeit 

o,63663 
a' ä! — ■ ■ ■ ;. •< 



96 

Für den Fall^^ wenn P die Kraft und p die Last 
wird^ ist fiir den Winkel Bj welcher im ersten Qua* 
dranten unter 89^ i a^ fallen mufs 

a'=5 -^-; — 7 ^ ■" ■ — •-: und für den Winkel Aj 

welcher jetzt im zweiten Quadranten noch yor dem 
Winkel von 1 4o° — 48' fallen mufa, 



a 






Es verwandelt sich aher auch fiir diesen zweiten 
Fall obige Formel i für den Werth von M in die For- 
mel, wo 

i 11; lYI =i - ff// _ ^/ i 

ist. 

Die Gröisen ^ und B sind immer der Bogenlänge 
für den Halbmesser i gleich. 

Die Werthe für a und a^ , aus welchen die Win* 
kel ui und B bestimmt werden können, lassen sich 
aus den gegebenen Werthen von u und u^ imiäer nur 
durch schwierige Rechnungen , und blofs durch hö- 
heren Kalkül finden. Um für die Anwendung, aber in 
^ den meisten Fällen mit Sicherheit, so weit diese nur 
immer nöthig ist , die Gröfse der Masse M für irgend 
einen Grad der Geschwindigkeitsänderung angeben 
zu können, werden für die beiden Werthe von M, 
in Formel I und Formel II folgende zwei Tafeln die- 
nen ; in welchen fiir mehrere Werthe von u und u' 
die Winkel berechnet, und die Gröfsen für die For- 
meln angegeben sind. 

Die Tafel I. gilt für die Formel L also für den 
FaU , wenn das Minimum der Geschwindigkeit in den 
ersten , und das Maximum in den zweiten Quadran- 
ten fällt 



\ 



97 

Die TaW H. gili für die Formel II, wo das Maxi- 
xnuiD in den ersten, und das Minimum der Geschwin-« 
digkeit in den zweiten Quadranten fällt. — 



r. m 



Sind also die Gröfsen u und u' aus den WertKen 
p^ H^* und W gefunden, so darf man nur zu 



ihnen die der Formel oclsprechenden Werthe aus der 
dazu gehörigen Tafel nehmen , und substituiren. 



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54 
55 
56 
58 
60 
64 
70 

75 



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0,715 
0,733 
0,750 
0,768 
0,785 
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o,838 
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0,960 

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1,012 

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1,117 

1,222 
1,309 



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0,669 

0,682 

0,694 

0,707 

0,719 

0,731 

0,743 

0,754 

0,766 

0,777 
0,788 

o,7*>B 
0,809 
0,819 
0,829 
0,848 
0,866 

0,899 
o,ip9 

0,966 



0,334 
0,245 
0,2 56 
0,268 
0,280 
0,293 
0,3 12 
0,3 18 
0,33 1 

0^344 
0,357 

0,370 

0.3Ö4 

0,398 

0,4 1 2 

0,4^6 

0,441 

0,470 
0,5 

o,56i 
o,658 
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0,1 o3 
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0,167 
0,201 
0,237 
0,275 
0,3 1 5 
o353 
o,4o3 

0,451 
o,3o3 
o,i"j8 
0.619 
0,754 
0,916 
1,1 15 
1,362 
2,108 
3.610 



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2,6 »8 

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2,653 

2,670 

2,688 

2,705 

2,723 

2,757 

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2,827 

2,862 

2,932 

3,002 



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0,61 5 
0,602 

0,588 

0,573 

0,559 

0,54., 

o,53o 

0,5 1 5 

0,5 

o,485 

0,469 

0,454 

«,438 

0,4 «3 

0,407 

0,375 

0,343 

0,309 

0,275 

0,208 

o,i39 



777 
788 

798 

809 

819 

838 
8.'f8 
857 
866 

874 
883 
891 

899 
906 

913 

9137 
940 

951 

961 

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0,681 


0,629 


0,223 


0,0125 


1400 


2,443 


0,643 


»,766 




0,042 


38 


o,663 


0,61 5 


0,212 


0,039 


139 


2,426 


o,656 


1,754 




0,07 a 


37 


0,646 


0,602 


0,201 


o,ob5 


i38 


2,408 


0,669 


1,743 




' o,io3 


36 


0,628 


0,538 


0,191 


0,091 


137 


2,391 


0,682 


1,73 t 




0^1 34 


35 


0,611 


0,573 


0,181 


0,116 


i36 


2,373 


0,694 


>.7»9 




0,167 


34 


0,593 


0,559 


0,171 


0,141 


i35 


2,356 


0,707 


1,707 




0,201' 


33 


0,576 


0,544 


o,i6i 


o,i65 


134 


2,338 


0.719 


.,694 1 


0*237 


32 


o,558 


o,53o 


0,1 52 


0,190 


i33 


2,321 


0,731 


1,68« 1 


0,275 


3i 


0,541 


0,5 1 5 


0,143 


0,214 


l32 


2,3o4 


0,743 


1,669 




l o,3i5 


3o 


o,523 


0,5 


0,1 34 


o,238 


i3i 


2,286 


0,734 


1,636 




o,358 


29 


o,5o6 


o,485 


0,1 25 


0,262 


i3o 


2,269 


0,766 


1,643 




0,4öS 


28 


0,439 


0,469 


0,117 


0,286 


12(1 

ii8 


2,25l 


0.777 


i,6j9 




o,45i 


27 


0,471 


0,454 


0,109 


0,3 12 


2,234 


0-788 


i,6«S 




o,5o3 


26 


0,404 


o,438 


0,101 


0,337 


127 


2,216 


0,798 


i,(m« 




o,&58 


25 


0,436 


0,423 


0,093 


0,362 


126 


2,199 


0,809 


1,588 




0,619 


24 


0,419 


0,407 


o,o8ö 


o,388 


12:*> 


2,181 


0,819 


1,573 




0,754 


22 


6,384 


0,375 


0,073 


0,41 5 


124 


2,164 


0,829 


1,559 




0,916 


20 


0,349 


0,342 


0,060 


0,470 


122 


2,129 


0,848 


i,53o 




i,ii5 


18 


ü,3i4 


0,309 


0,049 


0,529 


120 


2,094 


o,b66 


1,5 




1,36h 


16 


0,279 


0,275 


0,039 


o,665 


116 


2,124 


0,899 


1,438 




2,108 


12 


0,209 


0,208 


0,022 


0,043 


HO 


1,920 


0,939 


1,34» 




3,610 


8 


0,139 


0,139 


0,010 


»,3i7 


io5 

L. 


1332 


0,966 


«»»59 
' i 





3i)'Zur näheren Beleuchtung des Gebrauches 
dieser Tafeln spll folgendes Beispiel dienen. 

Es sey hei einem doppelt wirkenden Druckwerke 
in jeder Sekunde eine Wassermenge von o,5 Kubik* 
füfs auf eine Höhe von 34o Fufs zu heben. Dazu sey 
ein Gefälle ftir ein oberschlächtiges Wasserrad von 
20 Fufs Durchmesser mit der zum Betriebe nöthigen 
Wassermenge vorhanden. Der Halbmesser des Kur» 
belkniees sey gleich tk Fufs. 



Die Kurbelstange sey mit der Kurbel durch ei- 
nen gleicharmigen Balanzier verbunden^ so dafs also 
der Kurbelschub 4 F^fs beträgt. 

Die mittlere Geschwindigkeit des Kolbens sey 
gleich I Fufs^ so ist die mittlere Geschwindigkeit der 
Warze im Kreise bei dem gegebenen Halbmesser von 

2 Fufs gleich -^ — - — qz: 1,57 Fiifs. Die zu dieser Ge- 

scbwindigkeit gehörige Höhe ist also gleich 

I 

= 0^08946 = Ä 



— a 

1,57 



6a 



Die gröfste Geschwindigkeitshöhe der Warze im , 
Kreise soll 0;»i gröiiser als h, die kleinste um o^i klei- 
ner als Ifseyn. Es wird daher für die Fornieln 

H" Ä 1,1 Ä = 0;o434o6; und 

' H' = 0,9 Ä' = o,o355 14. / 

Die zum Erheben nöthige Wirkung würde ohne 
alle Hindernisse gleich 34o. o,5 in Kubikfufs Wasser ~ 
ausgedriiSkt^ und in Pfunden gleich 34o. o,5. 56 =3 
9600 Pfund nahe seyn. Nehmen wir für die Wir- 
kung, welche sich durch Kolbenreibung, Röhrenwi- 
derstand, und alle durch genauere Rechnung zu be- 
uhnmenden Nebenhindernisse , erschöpft , gleich o,3 
der Gesammtwirkung, so wird das mechanische Älo- 
ment gleich .12480. Dieses mufs gleich der Kraft mul- 
tiplizirt in den Weg in einer Sekunde, oder in die 
Geschwindigkeit seyn. Die Kraft, oder die Last ei- 
gentlich, die hier widersteht, widersteht vermöge 
der vorausgesetzten Anordnung beständig gleichförmig 
nach dem Durchmesser des Kurbelkreises, und ist 
also die Kraft p* jedoch als Last. Die Geschwindig- 
Uit ist gleich i Fufs , also 

p. i =: i!248o, und daher 

p » 12480 Pfund für die Formeln. 

7 ^ 



t' 



lOO 

I 

Die auf die Geschwindigkeit des Kolbens redii- 
zirte Masse ^ sowohl des gesammlen y in den Röhren, 
durch welche das Wasser gehoben werden mufs , sich. 
befindlichen Wassers ^ als auch der Gestänge und aller 
an^dern. ähnlich mit dem Kolben sich bewegenden Ma- 
schinentheile sey gleich 19800 Pfund; so haben wir 
iiir die Berechnung der Schwungmasse, welche im 
Warzenkreise vcrtheilt angebracht seyn miifste^ um nur 
die angenommene Differenz der Geschwindigkeitea 
zuzulassen 



V 


=5 


12480 




• 


r 


= 


2 

• 


* 




m 


= 


19800- 






ff" 


's=2 


0,043406 






ff' 


^ 


o,o355 1 ; 


und hieraus. 


1 

u 


=5. 


2. m. H' 


2. 124B0 


o,o3 


f// 




n. m. H** 


a. 19800 

*• ■ ■ 1 


n.n 



o,o355i = o,o563i 
„ _ 0,043406 = 0,00884- 

r. ^ t» 17/18 

Weil hier die Last p durch ein Wasserrad bewäl- 
tigt werden soll , so ist hier , weil das Wasser in der 
Tangente des Rades als gleichförmig wirkend da ist, 
die Kraft P bewegende Kraft, und wir müssen fiir 
die Werthe u und u* uns der zweiten Tafel bedienen. 

Wir finden hier lur obigen Werth von m, dafs 
unser u zwischen u 3=1 0,0392 und u = o,o645 fallt, 
und dazu ein Winkel zwischen 1 39^ und i38^ gehö- 
ren mufs. Will man hier nun genauer rechnen, so 
darf man nur die Differenzen von u fiir den Grad su* 
eben, innerhalb welchem das berechnete u fällt, und 
wenn wir dieses hier wirkUch thun, so entsteht die 
Proportion ' 

(o,o654 — 0,0392) : (o,o654 — o,o563) =60' : jc' 
oder 



xox 

I 

sCa : 91 =^ 60' : x^\ und hieraus 

a: zz %i Minuten nahe. Der .Winkel also um 
ai Minuten gröfser als i38^ und daher für diesen 
FaU 

J = i38°3i'. — 

Sucht man auf ähnliche Art die Bogenlänge, und 
die Gröfsen a und ;z, so erhält man für A in der 
Formel, den Bogen 

ji = a,4i47 ö =» 0,664; a =* *>747* 

Für den Winkel i? erhält man ausi^' =: o,o6884; 
denselben zwischen 38 und 37 ^^ und nach einer ähn- 
lichen Rechnung wie für jiy den Winkel B in Graden 
= 37^7' und aafur die Bogenlänge, oder in der 
Formel 

B = 0,648; a' «3 o,6o3; 3' = o,3o3. 

Diese Werthe in Formel (H) substituirt, erhält 
man 

•»0078 

und reduzirt 

Jlf « i344a53 Pfund. / 

Nimmt man Statt den genaueren Winkeln, die 
nächst kleineren , oder nächst gröfseren , so wird das 
Resultat von dem wahren sehr unbedeutend al>wei- 
«^enj so wird hier bei diesem Beispiele, wenn die 
Winkel für die nächst gröfseren Wertne von u und u* 
genommen werden, wie sie in der Tafel II enthalten 
sind 

M zz 1343746 Pfund, also eine Differenz- von 
509 Pfund , welche bei dieser Masse als unbedeutend 
angesehen werden kanm 

Diese Masse von dem Warzenkreis auf den Rad- 



loa 

lireis gebracht, gibt nach den in den Abloitungem 
für die Reduktionen der Massen gefundenen Ges etzen, 
^enn wir die Masseim Radkranze, welche die Masse 
Af ersetzen soll, mit Af' bezeichnen 

;^. = :^' « :2i^ « 53770 Pfund. 

4 

Die Masse des Rades dürfte hier, sammt deai 
darin befindlichen Wasser, gegen 7000 Pfund zu 
nehmen seyn , und <}s blieben , diese von M* abgezo- 

§en, noch nahe 4^8 Zentner auf ein Schwungrad, 
essen Durchmesser ao Fufs wäre. Wie diese Masse 
, durch Vorgelege reduzirt und kleiner genucht wer- 
den kann , ist oben gezeigt worden. 

Hätte läan bei der Bestimmung dieser Schwung- 
masse auf m keine Rücksicht genommen, und dieselbe 
blofs für Winkel von 39^12' und i4o°48' bestimmt, so 
wäre, wenn man dieselben Geschwindigkeitsänderun- 
gen in Rechnung gebracht hätte 

]if -= 1— SS i3i3ooo, also eine Differenz 

0,0078 

von 3225o Pfund, die hier nicht mehr unbedeutend 
Ist, und immer bedeutender werden mufs, je gröfser 
u und u^ werden. 

3^2) Wenn es sich nur um eine ohngefahre 
Schätzung der Masse handelt , dürften folgende Ta- 
feln in vielen Fällen dienlich sevn , besonders in de- 
nen , wo die Werthe von u und u' , den neben ein- 
ander stehenden Werthen von u und u^ in den Ta- 
feln nahe kommen. Dafür verändern sich aber obige 
zwei Formelii in folgende : für die Formel (I) wird 

(ni) Jif «« -i-- — ti" ~ H' — " — ^» """ 




403 



r. ^. K + m fH". «'• — H, a V 



und 



lür Formel (II) 

es ist für Formel (III) der in Tafel III. zu K gehörige 
Werth für gegebene Werthe von u und u* zu substi- 
toiren ; zugleich sind auch die Werthe von a ^ und 
a'^ aus den Tafeln zu nehmen. 

Für den FaU^ dafs man zufrieden iväre^ wenn 
ff ' = 1,1 Ä' = ; und W = 0,9 -AT würde, so kann 
zQch der zweite Theil des Werthes für ^ noch. durch 
hlH {lyi a' * — 0,0 a ^) ^=i m. H D ausgedrückt 
jeyn, und es verwandelt sich zugleich H^^ -— IP in 
Oy2 Ifi also die Formel (III) in 

fic Formel (IV) aber in 

m die Werthe von D jedoch in^mer mit ihrem Zei- 
cheD) das sie in der Tafel III und IV haben, substituirt 
werden müssen. 



io4 



Tafel in. 

Wenn p bewegende, und P widerstehende Kraft ist. 



1 














nod 


ttf 


u' 


A. 


JJ. 


a» 


a'» 


K. 


fttr IT' =o,9A; 

D. 
















fftr Formel (V)* 


0,01 25 


0,016 


40» 


i4>? 


0,4 1 3 


0,396 


0,421 


-f- 0,064 


m 

0,039 


0,042 


41 


142 

4 


o,43o 


0,378 


0,420 


+ 0,018 


o,o65 


0,07 a 


41 


143 


Oi447 


o,362 


0,419 


— 0,004 


0,091 


0,1 o3 


43 


144 


o,465 


0,346 


o,4t8 


— 0,0337 


.0,116 


0,134 


44 


145 


0,481 


0,328 


0,416 


— 0,0716 


0,141 


0,167 


45 


146 


0,5 


0,3 16 


0,414 


— 0,106 


0,1 65 


0,201 


46 


«47 


0,517 


0,296 

• 


0,411 


— o,i38 


0^190 


0,237 


47 


148 


0,534 


0,280 


0,408 


— 0,172 


0,214 


0,275 


48 


149 


0,552 


0,263 


0,404 


— 0,207 


^238 


0,3 1 5 


49 


i5o 


0,568 


0,25 


0,399 


— o,236 


0,262 


o,358 


5o 


i5i 


o,5tj6 


0,235 


o,39|5 


— 0,270 


0,286 


o,4o3 


5i 


l52 


0,604 


0,220 


0,390 


— o,3oi 


0,3 12 


o,45i 


52 


i53 


0,621 


0,206 


0,384 


— 0,332 


0,337 


o,5q3 


53 


i54 


o,636 


0,192 0,378 


— 0,362 


0,362 


o,558 


64 


i55 


0,654 


0,178 


0,372 


— 0,393 


o,388 


0,619 


65 


i56 


0,670 


0,1 65 


o,365 


— 0,422 


0.415 


0,754 


56 


^58 


0,687 


0,140 


o,364 


— 0,464 


0,470 


0,916 


68 


160 


0,719 


0,117 


0,347 


— o,5i8 


0,529 


1,1 15 


60 


i6t 


0,748 


0,096 


0,329 


— o,568 


0,665 


1,362 


64 


164 


0,808 


0,076 0,277 


-^0,644 


0,943 


2,108 


70 


168 


0,881 


0,043 


0,199 


— 0,746 


t,3i7 


3,610 


"i 


171 


o,93i 


0,019 


"■■*' 1 


— 0,817 



10^ 



T t f c 1 IV. 

Wenn P Kraft, und p Last ist. 





tt' 


u. 


B. 


A. 


a» 


tt'» 


X. 


Fflrir''s=i,i a 

und 
fflr £r's=o,9ir. 

D. 

fflr FormaUVf). 




(M>i5 


0,01 a5 


390 


1400 


0,4 1 3 


0,396 


0,431 


— 0,064 




0,04« 


o,€»39 


38 


1390 


0,430 


0,378 . 

■ 


0,430 


— 0,018 


10,073 


o,o65 


37 


i38 


0,447 


o,363 


o,4»9 


-|- 0,004 


Io,io3 


0,091 


36 


137 


o,465 


0,345 


0,418 


o,o38 


0,1 34 


0,116 


35 


i36 


0,481 


0,328 


0^416 


0,071 • 




0,167 


o,i4i 


34 


i35 


0,5 


o3i6 

1 


o,4i4 


0,106 




0,10 1 


0,1 65 


33 


i34 


0,517 


0,396 


0,411 


o,i38 


■ Ol«^ 


0,190 


33 


i33 


0,534 


0,380 


0,408 


0,173 


B 0,175 


o,«i4 


3i 


l33 


0,553 


0,363 


0404^ 


0,307 


1 o,3>5 


o,a38 


3o 


i3i 


o,568 


0,25 


0,399 


0,336 




0.358 


0,361 


39 


i3o 


0,586 


0,335 


0,396 


0,37 




0,4 o3 


0,286 


38 


139 


0,604 


0,330 


0,390 


o,3oi 




0,45 1 


0,3 11 


37 


138 


o,6ii 


0,306 


o,384 


0,333 

1 




o,54>3 


0,337 


36 


137 


o,636 


0,193 


0,378 


0,363 




0,558 


o,36i 


35 


136 


0,654 


0,178 


0,373 


0,393 




0,619 


o,388 


»4 


135 


0,670 


o,i65 


0,365 


0433 




0,754 


0415 


33 


134 


0,687 


0,140 


o,364 


0,464 




0,916 


0,470 


30 


t 
133 


0,719 


0,117 


0,347 


o,5i8 . 




i.ii5 


0,539 


18 


I30 


0,748 


0,095 


0,339 


o,568 




i,36a 


0,665 


16 


116 


0,808 


0,076 


0,377 


0,644 




9,108 


0,943 


13 


ILO 


0,881 


0,043 


0,199 


0,746 




3,610 


1,317 


8 

1 


io5 


0,931 


0,019 


0,137 


0,817 



33) Auf diese Art wird es also immer leicht seyn, 
tat jeden gegebenen Fall die Schwungmasse wenig* 
stens so nahe zu bestimmen , dafs aus einer ^ wenn 
auch nicht ganz genau richtigen Bestimmung wenig- 
stens kein in Rechnung zu bringen nöthiger Nachtheil 
für die Bewegung entstehen wird. 

Aber selbst diese Bestimmungen und entwickel- 
ten Gesetze werden nur so lange gelten^ so lange p 
und P nach dem angenommenen Gesetz einander ent- 

Segenwirken. Obgleich die Wirkung von der Kraft p 
urch den Durchmesser des Warzenkreises ^ die Ge- 
genwirkung der Kraft P durch den Halbkreis fiir je- 
den Fall ohne A^snahme erschöpfen mufs , so ist es 
defswegen doch nicht unerläfsliche Bedingung, dafs 
die Kraft p parallel mit dem Durchmesser immer gleich 
stark sich äufsert, sondern sie kann nach einem belie- 
bigeui Gesetze , das von ihrer Natur abhängt , zwar in 
dieser' Richtung^ aber doch ungleichförmig wirken, 
und eben so kann die Kraft P nach jedem beliebigen 
Gesetze, zwar immer in der Tangente des Kreises^ 
aber doch ungleichförmig widersxehcn, wenn nur ihre 
Gesammtwirkung eben so grofs ist, als ob eine gleich- 
förmige Kraft nach obigem Gesetze der Kraft' p ent- 
gegengewirkt hätte. Man sieht also hieraus , dafs hier 
auch zugleich noch das Gesetz der Kraft , entweder 
der Kraft p oder P, oder von beiden zugleich in 
Rechnung konmien müfste. . 

Ein solcher Fall tritt bei allen Dampfmaschinen 
ein, welche entweder nach der verbesserten WaJt^^ 
sehen Ai^t mit der früheren Absperrung, ehe der 
Kolbenschub vollendet ist, oder nach der Woolf'- 
sehen mit zwei Zylindern, gebaut sind. 

Denn hier wirkt die Expansivkraft im Anfange, 
ehe noch abgesperrt ist, mit viel gröfserer Starke, 
als dann^ wenn die Konununikatlon vom Kessel her 



107 

emmaU abgesperrt, und der Dampt durch seine blofse 
£xpansivkraft , die immer kleiner wird, je gröfser 
der durchlaufene Raum des Kolbens ist, wirken 
mofs. — 

In diesem Falle nimmt also die Kraft p von der 
Stelle an, wo abgesperrt ist, ein Gesetz ihrer Wir- 
kung an, das nach dem Gesetze der Ezpansivkraft 
der Dämpfe behandelt werden mufs. 

Dieser spezielle Fall gehört nun nicht hierher, 
und ich wollte nur darauf auf merksam machen, in wie 
weit die obigen Berechnungen zu gelten haben* 



V. 

Beschreibung einer von Herrn Joseph 
Fuchs ^ kaiserl. königl. Rittmeister , er- 
fundenen Kattundruckmaschine , durch 
welche mitteist der gewöhnlichen 
Druckmodel über die ganze Breite 
des Stückes gedruckt wird. 

Von 

Mathias Reinscher . 

Assifitenten des Lebrfachs der Maschinenlehre am k*li. polyt. 



Institute« 



L/ie Maschine ist Tafel I. y Fig; A von der Seite^ 
und F^ig. B von vorn angesehen y gezeichnet. 

Der zu druckende Stoff ist hier iiber die Rolle a, 
welche mit ihrem ganzen Zapfenlager eingeschoben 



io8 

"Wird , gewunden , und wird Ton da durcli eine Zange 
b über den Drucktisch d gefuhrt, und mit dem einen 
Ende in den Kloben f, welcher über die Breite des 
ganzen Stückes reicht , eingeschraubt. Der Druck- 
tisch steht zwischeii zwei Säulen g ixnd h fest, wel- 
che üb^r ihn hinaus reichen; und zwischen diesen 
Säulen über der Mitte des Tisches ist ein Rahmen 
ik l my an dem oberen Ende desselben um eine Achse 
im beweglich, angebracht, welcher Rahmen die Vor- 
richtung für die Bewegung des 'Druckmodels trägt, 
welche Vorrichtung sich auf Art eines Sägegatters 
an dem bemerkten Rahmen auf- und abschiebt. Das 
Hinunterdrücken dieser Vorrichtung nopq, welche 
wir mit dem Nahmen Gatter bezeichnen wollen , ge- 
schieht mittelst der Handhabe r, welche an einem 
Hebel r t, um das Zentrum Y, welches fest gegen 
den Rahmen in dem an letztem befestigten Arm t u 
liegt ^ beweglich ist. 

, Drückt man. also diese Handhabe abwärts, so 
legt sich der Hebel r t^ welcher übrigens auf beiden 
Seiten des Gatters wegen gleichförmigem Aufdrücken 
des Models angebracht ist, an die Rollen ss, welche 
mit dem beweglichen Gatter verbunden sind, auf, 
und schiebt den Gatter nop q zn dem Rahmen iklm, 
welcher letztere also als Leitung für den ersteren 
dient, hinab. An diesem Gatter ist nun unten der 
Model w w eingeschoben^, und wird mittelst des 
Druckes auf die Handhabe r auf den zu drückenden 
Zeug gebracht« 

Das Aufheben des Models geschieht auf dieselbe 
Art nach der entgegengesetzten Seite , wie 4^ Hinab- 
drücken mit der Hand; damit jedoch kein Zurückfal- 
len desselben möglich ist, wenn die Hand die Hand- 
habe r verläfst , so wird der ganze bewegliche Gatter 
durch di« Feder j^ gehalten, welche, indem sie siph 




»?9 

t 

auszudehnen strebt^ den Gatter mittelst des Stabes 
xZy und der Schraubenmutter bei z^ hinauf zieht. 

An der Drehungsachse im ist 'auf der einen Seite, 
des Druckti^ches ein verzahnter Kreisbogen oc ßy mit 
dem Rahmen fest verbunden. Die Zähne dieses 
Kreisbogens greifen in einen andern verzahnten Bo- 
gen iy welcher seinen Drehungspunkt in y hat^ und 
mit der Zange b, Vfrelche sich auch um ^y drehen 
lann^ verbunden ist. Wird nun mittelst der Hand- 
habe r, der Rahmen um die Achse i nu \or oder rück- 
wärts bewegt, so bewegt sich mit ihm auch der Kreis- 
bogen xß, undnimnit den Bogen i mit. 

Dreht ^ich der Bogen cc ß von et nach ß, so wird der 
Bogen i und mit diesem die Zange b mitgenommen ; 
durch diese Zang« geht aber der zu druckende Zeug, 
md wird von ihr festgehalten, sie nimmt also bei der 
Bewegung nach der genannten Richtung den Zeug von 
der Rolle a weg, und fuhrt ihn gegen den Drucktisch 
d] damit aber der vor der Zange über den Druck- 
tisch gespannte Zeug immer gehörig angezogen , und 
die scnon gedruckten Theile weggeschafft werden^ 
so ist der Kloben y so schwer gemacht, dafs er durch 
sein Gewicht den Zeug abwärts zieht, und zugleich 
immer gehörig anspannt. Damit die Reibung des Zeu^ 
ges auf dem Tische und seiner weiteren Bevvegung 
vermindert wird, ist er vor dem Tische über eine 
Rolle geführt , welche die Zeichnung deutlich zeigt. 

Es kömmt also immer der zwischen d un^ b lie* 
gcnde Ti^il des 9Leuiie$ zum nächsten Druck auf den 
])rncktiscB^ und der schon gedruckte Theil, wird 
durch den Kloben / , welcher^ hinlänglich weit ab- 
wärts bewegt wird, mitgenommen 

Man sieht hieraus, dafs die Bewegung , des Bor- 
gens i nic}it läpger seyn d^irf, als der Model Broite^ 



yXIQ 



nach der Länge des zu druckenden Zeuges hat, und 
um diefs zu bewirken^ legt sich die Zange 6 in ;f an 
das Gestell an y und bewegt sich auch nur bis in die 
senkrechte Lage an die Säulen g h. 

^Der Bogen x ß greift nebst dem noch in ein ver- 
zahntes Rad \, dessen Drehungsachse durch den 
Farbentrog geht , und an welcher die in die Farben 
tauchenden Walzen sitzen; das Rad wird von .dem 
Kreisbogen herumgedreht, so dafs der früher einge- 
tauchte Theil der Walzen durch die Drehung oben 
kommt. Ist aber diese Drehung schon so weit fortge- 
rückt, so ist auch der Rahmten mit .dem Model schon 
über diesen Farbenwalzen , weil der Rahmen zugleich 
mit dem Kreisbogen sich bewegt; und es kann daher 
der Model durch einen Druck auf die Handhabe r mit 
Farben bestrichen werden, und zwar mit so vielerley 
Farben, als solche Walzen da sind» weil für jede 
Walze ein eigenes Favbenfach, oder eigener Farben- 
trog da ist, indem in dem gemeinschaftlichen Troge 
zwischen den Walzen Zwischenwände eingesetzt 
sind. 

Weil also die Bewegung des Kreisbogens ^ |3 so 
weit gehen mufs, dafs der Rahmen, und mit ihm der 
Model ^ie Farbenwalzen tangentirt, die Bewegung 
des Kreisbogens ^ aber nur so lang, als der auf ein- 
mahl zu druckende Theil des Stückes seyn darf, so ist 
in dem Bogen xß auf der Seite gegen ß der letzte Zahn 
. gröfser als die anderen, und eben so ist der letzte 
Zahn in dem Bogen i, welcher sich an den genann- 
ten gröfseren des Kreisbogens x ß anlegt , auch grös- 
ser als die übrigen. ^ 

Wenn also die Zange b ihren festen Punkt, wo 
sie sich anlegt erreicht hat, so verläfst der Kreisbo- 
gen ctß den Bogen i, und steht in der in Fig. .^ge- 
zeichneten ]liajge , in welcher der ^rofse Zahn des Bg« 



III 



gens X ß über den Bogen i nnd dessen Zähne weg- 
geht. — Wäre nun der letzte Zahn im Bogen i auch 
nar gleich den übrigen^ so würde beim Rückwärts* 
geben des Bogens a ß , der Bogen i nicht sicher mit- 
genommen^ was aber durch dieses Gröfserseyn des- 
selben geschieht. — 

Damit der Model immer in einer und derselben 
Stelle druckt , so nmfs der Rahmen , ehe der Model 
siedergednickt wird, einen Stand erreichen, derbe! 
jedem Druck' derselbe ist, und diefs wird hier auf 
folgende An ; erreicht. 

Mit dem Drucktische sind senkrecht unter der 
Achse im die Stifte |x, v, festgemacht, so breit und 
so dick wie die Rahmen ik und /m, und sind von 
der Innern Seite auf ein Drittel ihrer Breite abgesetzt, 
so wie das Ende der Rahmenarme von aufsen auf zwei 
Driuel ihrer Breite abgesetzt ist. Über diese Stifte 
nnfs nun der Rahmen zu stehen kommen, -und die 
genannten AJjsälze müssen, genau in einander greifen. 

Wäre der Rahmen noch nicht }}is auf die gehö- 
rige Stelle vorgerückt, so würde sich beim Hinab- 
drücken des Modelgatters der Gatter mit dem Theile 
p (f auf (X und v aufsetzen, und der Model nicht bis 
auf den Tisch gedruckt werden können. 

Ein anderes nothwendiges Erfordemifs zuva^ 
Drucke ist das mit dem Einschufs des Zeuges gleich- 
förmige Fortrücken des Stückes, welches Fortrücken, 
oder Fortziehen, wie schon bemerkt worden, durch 
eine Zange b gesehieht. Diese Zange geht über die 
ganze Breite des Stückes, und besteht aus zwei Thei- 
len a und b , Fig» C, I. , zwischen welchen der Zeug 
eingezwängt ist. 

Fig- C, IL; zeigt die Zange von d^r Seite ^ und 



vor der Einzwängung des Zeuges^ wo cc'c'* &'' die 
Lage des letztern anzeigt 

Fängt nun der Kreisbogen ctßy von ß gegen x an 
sich zu bewegen^ so hat die Zange diese letzte Lage. 
Durch die Bewegung aber wird der Theil Uy indem 
er sich um die Achse y dreht^ wie schon gesagt wor- 
den, mitgenommen. Dieser Theil a hat eine Falle 
dy die sich um eine Achse ee' dreht, aber durch eine 
an a festgeschraubte Feder /immer mit dem unteren 
Theile an a angedrückt wit>d. 

Ist die Bewegung bis zum Ende gelangt, so ist 
d in d'y und ist iiber die Spitze von b ^ welche an 
eixtev Seite dem Theile b vorragt, und in eine Veriie- 
fung von a sich einlegt, wie man in Fig. C, I. , bei/z 
sehen kann, gedrückt worden, so dals a und 6 nun 
ein Stück ausmachen, indem ^ an a durch r/ festge* 
halten wird , und dadurch der Zeug zwischen a und 
b wegen des genauen Schlusses dieser beiden Theile, 
eingezwängt ist; weil dieses Einzwängen ajier über 
die ganze Breite des Zeuges geschieht, so dürfte ein 
für den Druck nachtheiliges Verziehen der Waare 
wohl nicht leicht möglich seyn. 

Hat die Zange die höchste Stelle erreicht, so 
wird bei dem HinabdrücjLen des Models der an d 
angebrachte Hebelarm g abwärts gedrückt, dadurch 
wendet Sich die Falle dy der Theil b wird nicht 
mehr an a festgehalten, und springt, durch eine Fe- 
dergedrückt, in die Fig. C, U. , dargestellte Lage, 
zurück. 

» 

Das HinabdrückeA des Armes g geschieht durch 
einen von dem Gatter dem Rahmen auf der rechten 
Seite vorragenden Theil q' des Querstückes p q. — 

Fig. J). zeigt eine Ansicht des Farbentroges von 



I 



ji3 

oben/ X ist das erwähnte verzabnie Rad', u und 'b 
Yorrichtungen zum Abstreichen der überflüssig an die 
Walzen sieb angebängten Farbe. Die Gewichte c 
und^^ drücken diese Vorricblungen an xlie Walzen 
jF, Gj Ä" gehörig an. ' 

Das Modell dieser Druckmascbtiie wurde dem 
Herrn Rittmeister Fuchs für das Modelienkabinett des 
L. k« polytechnischen Instituts abgekauft^ und ist da- 
lelLst fär Jedermann zu sehen. 



VI. 

Ober die Methode y Druckmodel von 
jeder Gröfse nach Art der Stereotypen 
herzustellen; ein Zusatz zu dem vorher- 
gehenden Aufsatze 

Vom H e r a u 8 g e b« e r.' 



L/as im vorigen Aufsatze beschriebeiAß Modell^ 
obgleich in einem kleinen Mafsstabe ausgeführt ^ voB* 
bringt die einzefaien Bewegungen mit so viel Richtig«» 
Leitj dafs kaum zu zweifeln ist^ dafs diese Maschine 
im Grofsen und vielleicht mit einigen , in der Ausfüh- 
rung sich ergebenden Verbesserungen,' hergestellt^ 
ihrem Zwecke entsprechen werde. Die Rapportirung 
des Musters, welche hier die Hauptsache ist, ist durch 
eine sinnreiche Einrichtung hergestellt, und scheint, 
so viel sich aus der Ansicht des Mechanismus und 
der Arbeit des Modelles urtheilen läfst, genau z^ 
leyn. Mit derselben Schnelligkeit, als eine Zylin* 
derdruckmaschine, kann die vorliegende Modeldruck- 
Duschine. freilich nicht arbeiten« Dagegen hat das 

fckik« 4. polit. Intt. m, JB4. ' 8 ' 



ii4 

Drucken xhit Abdeln vor jenem ^mit gravirten oder 
punzirten Zylindern in mehreren Fallen Vorzüge, und. 
mehrere Musler können nur mit ersteren hergestellt 
iverden. - Überhaupt mufs man gesteben , dafs die 
Einführung der englischen Zylinderdruckmaschinen 
der Solidität der Kattunlabrikation Abbruch gethan 
Jiat, indem durch dieselben die meisten Muster niic 
unechten^ oder sogenannten Tafelfarben hergestellt 
werden. Die Wohlfeiiheit dieser Erzeugnisse^ bei 
welchen die Druckkosten oft kaum zwei Kreuzer per 
Elle betragen^ macht die Konkurrenz der festfarbigen 
Waaren^ deren Herstellung bedeutend mehr Kapital 
und Arbeit erfordert^ unmöglich^ und nötliigt auch 
die Hand- oder Modeldrt^ckerei zur Ausübung des un- 
echten oder Tafeldruckes. Dieser Zustand , der ei- 
,iugen Fabrikanten scheinbaren Gewinn bringt > wird 
sich jedoch für die Kattunfabrikation im Ganzen nach- 
'theillg erweisen. Denn die Konsumenten, welche 
nebst der Wohlfeilheit auch vorzüglich Solidität der 
Waare lieben, und immer mehr vorziehen, je mehr 
sie bereits unangenehme Erfahrungen mit unecht be- 
druckten Waaren gemacht haben, werden allmählich 
immer mehr sich der Baumwollendruck waaren entwöh- 
nen, und sich dafür baumwollene Zeuge mit eingeweb- 
,!ten Desieiiis anschaffen, welche, obgleich der Man- 
.'.nigfnltigkeit der Muster entbehrend, doch Dauerhaf- 
tigkeit durch den eingewebten festfärbigen Faden liir 
.sich haben. 

In der vorliegenden Maschine können auf das 
Zeug. Muster von verschiedenen Farben zugleich, vor- 
ausgesetzt, dafs diese Muster nicht in einander fallen, 
gebracht werden: es hängt dieses von der Anzahl der 
Farbenwalzon ab , welche man einlegt. Es ist übrigens, 
hei der Art der Rapportirung dieser Maschine, auch 
wahrscheinlich , dafs nian auf derselben nach ein^^n- 
der mehrere Farben und Beitzen werde in einander 



|ii5 

drucken können ; was sich jedoch mit Sicherheit nur 
in der Ausfuhrung heurth^ilen läfst. 

Die zu dieser Maschine erforderlichen Druckmo'^ 
del^ welche in den meisten Fällen die ganze Breite 
des Zeuges haben müssen (bei einigen Mustern kön- 
nen mehrere einzelne Model auf einem Brete neben 
einander befestiget werden)^ können leicht und wohl« 
fcU auf dieselbe Art hergestellt werden^ deren mau 
sich in neuerer Zeit zur Anfertigung der Stereotypen 
(statt der früher übUchen Clichir- oder Abklatschungs- 
methode) bedient. 

Diese Methode besteht darin, dafs man von dem 
Originale, welches man vervielfältigen will, eine Form 
ans einem Stoffe verfertigt, welcher nicht nur den 
getreuen Abdruck der feinsten Striche liefert, son- 
dern auch eine höhere Temperatur verträgt, ohne 
zu springen. . Von dieser Form wird sodann mit 
Schriftgiefser - oder einem leichtflüssigeren Metall auf 
eigene Art ein Abgufs genommen« 

Man läfst zu dem vorliegenden Zwecke auf die 
gewöhnliche Art einen Druckmodcl herstellen, wel- 
cher dasjenige Muster enthält, das sich auf dem Zeuge 
wiederhohlen soll. Um von diesem Model eine Form 
zu erhalten, umgibt man denselben, nachdem man 
seinen Aussenseiten die erforderliche rechtwinkelige 
Figur gegeben hat, mit einem viereckigen eisernen 
Ralimen, welcher über der Oberfläche des Models etwa 
einen Zoll hoch hervorsteht , wodurch die Dicke der 
Form gegeben ist^ auf der entgegengesetzten Seite 
aber etwas über den Grund des Musters hinausragt,! 
wodurch die Dicke des Abgusses bestimmt wird. Um 
letzteren desto sicherer und gleicher zu bestimmeil* le- 
get man den Model auf einen Tisch, so dafs dessen 
Oberfläche horizontal liegt, umgibt dessen vier Seiten 
ttiil vi8r gleich liehen eisernen Stücken , deren Höhe 

8 * 



ii6 

um so yiel geringer ist, als jene des ganzen Models^ 
als soviel die Dicke der Platte des Abgusses betragen 
soll ^ und setzt sodann auf diese vier Stücke den eisernea 
B ahmen auf. 

Man nimmt nun reinen gebrannten Kalk^ und rübrt 
denselben mit so viel Wasser gut unter einander^ dafs 
daraus «eine gleichförmige Kalkmilch entsteht^ etwa 
von der Dicke^ wie man sie gev^öhnlich zum Weissen 
der Mauern verwendet. Zu dieser Flüssigkeit setzet 
man nun so viel gebrannten und fein gepulverten Gyps 
hinzu, dafs ein dünner Brei entsteht. Nachdem man 
die Oberfläche des Models, von welchem der Abdruck 
genommen werden soll, vorher mit einer weichen 
Bürste mit öhl eingerieben hat , um das Anhängen 
der Form zu verhindern; so trägt man den Gypsbrei 
mit dem Pinsel auf den Model ^ so dafs alle Vertiefun- 
gen desselben gehörig ausgefüllt werden, und giefst 
sonach den übrigen Gyps darüber. Wenn dieser zu 
erhärten anfangt, so streicht man den überflüssigen 
Gyps mit einem metallenen Lineal ab, so dafs dio 
Rückseite der Form dadurch eben wird. Ist der Gyps 
erhärtet; so trennt man die Form von dem Model, 
und trocknet sie in einem Ofen. 

Auf dieser Form wird nun mit Metall dpr Abgufs 
gemacht. Würde man das flüssige Metall auf gewöhn- 
liche Art darauf giefsen ; so würde man nur einen sehr 
unvollständigen Abdruck erhalten, weil die Luft, 
welche in den Vertiefungen adhärirt, die Ausfüllung 
derselben hindert. Der Abgufs wird jedoch ganz voll- 
kommen, so dafs auch die feinsten Linien völlig aus- 
gedruckt erscheinen, wenn die Form in derselben 
Temperatur erhalten wird, als das Metall. Um die- 
ses, wovon der ganze Erfolg abhängt, zu bewerkstel- 
ligen , nimmt man eine eiserne , etwa zwei Zoll tiefe 
Pfanne, von der erforderlichen Länge und Breite, 
um die Form hineinbringen zu können, und leg^t dia 



^ 117 

Form dann so hinein , dafs die Oberfläche^ welche 
* den Abdruck enthält, aufwärts liegt. Da diese Form, 
wenn man das flüssige Metall in die Pfanne giefst, in 
demselben aufwärts steigen , und auf dessen Oberflä- 
che schwimmen würde ; so wird sie mittelst Tier klei- 
ner Schrauben befestigt, welche von den vier Seiten 
der Pfanne an die vier Seiten des eisernen Rahmens 
greifen, welche die Gypsform umgebon. Hierauf 

Siefst man das geschmolzene Metall in die Pfanne , so 
afs es die Oberfläche der Form bedeckt, und stellt 
sodann diese Pfanne auf einen Ofon mit Kohlcnfeuer, 
über "welchem sie, etwa eine Stunde lang, stets in 
derjenigen Hitze erhalten wird, welc^he hinreicht, um 
das MetaU im Flusse ^n erhalten. Hierauf hebt man 
die Form aus der Pfanne, wobei der über deren Ober- 
fläche hervorstehende Rahmen die zur beabsichtigten 
Dicke der Platte erforderliche Menge Metall zurück- 
hält, und trennet nach dem Festwerden des Metallcs 
den Abgufs von der Form, welchen man sonach mit 
heissem Wasser abbürstet, um ihn von] Öhl und 
Schmutz zu reinigen. 

Für jeden Abgufs vrird eine neue Form verfertigt. 
Braucht man also, wie in dem vorliegenden Falle, 
mehrere Platten , z. B. acht bis zehn ; so können von 
dem Öriginalniodel auf die beschriebene Art nach ein- 
ander die erforderlichen Formen genommen , getrock- 
net und sodann mehrere auf ein Mahl in einer gröfse- 
ren eisernen Pfanne mit dem MetaUe behandelt wer- 
den. Arbeitet man mehr im Grofsen, so kai^n ein ei- 
gener Ofen hergestellt werden, in welchem eine ei- 
serne Platte durch unten angebrachtes Feuer erhitzt 
wird ; so dafs man dann die eisernen Pfannen mit den 
Formen und dem geschmolzenen Metalle auf diese 
Platte stellt. Es veostebt sich übrigens von selbst, 
dafs der Model, welcher durch Abgufs vervielfältiget 
werden soll, so gearbeitet werde, dafs ein Gypsab- 
dmck davon möglich wird. Es ist dieses an sich bei 



ii8 

allen Holzschnitten der Fall^ da deren Erhöhungea 
nach unten breiter werden. Bei Modeln, welche aus 
Figuren yqn Messing zusammengesetzt sind, müssen 
die Stifte und Flächen, aus welchen sie bestehen^ 
eine senkrechte Stellung haben. 

Die auf diese Art erhaltenen Abgüsse werden scr 
Tollkommen, dafs die feinsten Stereotypen dadurch er- 
halten , die feinsten Holzschnitte dadurch vervielfäl* 
tigt, und jede Art von Buchdruckerornamenten ab- 
gegossen werden können. 

Das Metall, welches man zu diesem Abgüsse ver- 
wendet, ist entweder das Schriftgiefsermetall , aus 
loo Theilen Spiefsglanz und 5 bis 800 Theilen Blei, 
je nachdem das Metall mehr oder weniger hart werden 
soUj oder die leichtflüssige i?o^e'sche Metall mischung, 
aus :i Theilen Wismuth, iTheilZinn und i Theil Blei. 

Man hat es auf diese Art in seiner Gewalt, von 
einem Model so viel vollkommen gleiche Kopien her- 
zustellen, als man henöthigt. Man kann diese Ver- 
vielfältigungsweise des Druckmodels daher auch an- 
wenden, um Zy linder druckmaschinen mit erhöhe- 
nein Muster herzustellen, und dadurch die Modcl- 
druckerei mit ihren Vorzügen fiir den Mechanismus 
der Zylinderdruckerei benützen. Es ist nähmlich hier- 
zu nichts weiter nöthig, als um die Oberfläche eines 
metallenen Zylinders so viele auf die vorige Art ver- 
fertigte Modclplatten herum zu legen, und mittelst 
metallener Stifte oder Schrauben zu befestigen, als 
erforderlich sind, um dieselben ganz und nach den 
Bedingungen der Zeichnung damit zu belegen. Bei 
dieser Methode kann das Farbegeben, das in diesem 
Falle leichter ist, als bei den punzirtcn Walzen oder 
den Kupferplattendruckmaschinen, hier auf ähnliche 
Art, wie bei der im vorigen beschriebenen Maschin«- 
des Herrn Fuchs , bewerkstelliget werden. 



"9 



VII. 

Beschreibung einer hölzernen Bogen- 
brücke eigener Art , im Modelle ausge- 
führt, nach der Erfindung und Angabe 

H«raiiagtBert* 



-»^mimaitmtm 



Jtjei der Konstruktionsweise der im Nachfolgen- 
den beschriebenen hölzernen Bogeabrüeke haue ich 
' die Idee und den Zwecke auf den Bau der hölzernen 
Sräcken die Bauart des Gewölbes unmiuelbar anzu- 
wenden , um dadurch die gröfste Stacke mit der ge- 
riflgsten Masse von Holz zu erreichen. Bei dieser 
Konstruktion werden sonach die Gewölbsteine eines 
steinernen B.ogens durch, ähnlich geformte, aus hol-* 
zemen Balken zusammengesetzte hölzerne Kästen er- 
setzt; so dafs ein solcher Kasten gleichsam ein höl- 
zernes Gerippe eines grofsen Gewölbsteines vorstellet. 
Diese Konstruktionsweise hat den Vortheil , dafs zum 
Bau einer solchen Brücke nur Holz von geringer Länge 
erfordert wird , und dafs der Druck auf dasselbe nur 
nach der Richtung seiner Länge erfolgt, folglich eine 
grofse Festigkeit einer aolchen Briieke bei verhältnifs- 
mäfsig geringerem Holzaufwande erzielet wird. Ein 
Modell eines Bogens einer solchen Briieke ist in dem 
Modellenkabinette des k. k. polytechnischen Instituu 
aufgestellt, mit welchem einige Versuche angestellt 
worden sind. ' 



« 

Nachstehende Beschreibung der Anordnung und 
Konstruktion dieser Brücke ist von Herrn Mathias 
Reinxcliery Assistenten am k. k. polytechnischen In« 

stitute verfafst. ' 

• 

Beschreibung. 

Die ganze Brücke bildet^ wie schon aus denl 
JSfaUmen erheilt ^ einen Bogen , oder ein Gewölbe, 
dessen Gewölbkeile einzelne^ keilförmig nach dem 
Mittelpunkte des Bogens gearbeitete^ hölzerne Kästea 
sind, welche auf diese Art, wenn sie an einander ge- 
setzt sind, ein hölzernes Gewölbe bilden. Das ver- 
fr^rtigte Modell ist für eine Brücke, deren Spannung 
iG Klaftern beträgt, gebaut. Dafür ist die Bogen- 
ho\\e gleich einer Klafter, also der sechzehnte Theil 
der Bogenspannung zur Höhe genommen« 

Aus diesen Mafsen ergibt sich, da der Bogen 
ein Kreisbogen ist, der Halbmesser des inneren Ge- 
wölbes gleich 32^3^; und der Bogen in Graden ^8,5 
Haue, daher dessen Länge in Fufsen s; 96,954 — 

Diese Bogenlänge wird durch neunzehn Kasten 
hergestellt, so dafs siebzehn derselben, der Länge 
der Brücke nach, jeder eine Breite vQii 5 Fufs, und 
eine Länge, der Breite der Brücke nach, von 16 Fufs 
entbalten. Zwei , welche an den Widerlagern anlie« 
f;en, erhalten dieselbe Länge, jedoch eine Breite von 
5,977 Fufs. Alle diese Mafse gelten jedoch nur für 
die innere Bogenweite. 

Man sieht hieraus , dafs , da die ganze Breite 
der Brücke 16 Fufs beträgt > und in dieser Richtung 
die Kästen ihrer Lange nach liegen, die gröfste nö- 
thige Länge des Holzes, welches zum Bau der Brücke 
verwendet wevden soll, für den Fall, als man die 
Län^^nbalken aus einem Stücke nimmt, nur 16 Fufs 
betragen kann. • ^ 



nilt 

Es wird weiter unten geieeigt werden^ dafs selbst 
Lange des Bauholzes noch um vieles verringert 
und Torsüglich bei grofsen Brücken verringert werden 
lann« 

DasFig. I.y Tafel n. 9 gezeichnete Modell, wo* 
von j^ die Seitenansicht, und B der Grundrifs ist, 
ist blois für eine Brücke angeordnet, die nur auf je- 
der Seite ein Geländer erhaltei^ darf. Für den Bau 
eines Kastens sind dazu in den vier Ecken eines Pa- 
nllelogramins, dessen Abmessungen der oben angege- 
))enen Gröfse der innem Hodenfläche eines Kastens 
|leieh aind, viereckige Säulen aufgestellt, deren Höhe 
gleich ist der ganzen 'Höhe der Brücke , so^ dafs diese 
Siolen über die ganze Brücke zugleich auch das Ge* 
linder bilden, und nach oben nach dem Radius der 
Brücke aus einander gehen, so dafs vier durch sie ge^ 
legte Flächen einen Brückenkeil bilden würden. 



Säulen werden nun durch Querstücke so 
ferbnnden, dafs jene nach der Breite des genannten 
Parallelogramms zu liegen kommenden Verbindungsbal- 
ken ungeschwächt durch die beiden Säulen duifchge- 
ben, ^ so dafs sonach die Verbindungsstücke einen 
viereckigen Rahmen bilden. Diei oberen der Breite 
der Brücke nach einander entgegengesetzten Säulen« 
enden werden auch mit Querhölzern verbunden, so 
dafs eine Ansicht nach der schmalen Seite des Kastens 
ein Trapez formirt, dessen untere. Seite gleich der 
Breite des Kastens =: 5 Fufs^ und dessen c~ ere mit 
der unteren parallel laufende Seite iu dem Verhält* 
nifs gröfser wird, als der Halbmesser des Geländers 
gegen den Halbmesser des inneren Gewölbbogens 
gröfser ist. 



Nun werden nach der Länge der Brücke, also 
senkrecht auf die Richtung der längeren Seite des Ka- 
stens durch die Langenhölzer desselben von Streckip 



i2i 

XU Strecke , je i^aclideni es die Gröfse und nothige 
Stärke der Brücke erfordert, Balken von SFufs Länge 
so gezogen, dafs diese Balken, ohne geschwächt zu 
werden, in ihrer vollen gleichen Starke bleiben, iiad 
die genannten Längenbalken des Kastens, durch wel- 
che sie gehen, eigentlich nur dazu dienen, das Ver- 
schieben dieser kurzen Hölzer nach der Seite der 
Brücke zu verhindern. Der Kasten wird nun das Aus* 

sehen Fig. 2 haben. — 

> 

Über diesen ersten Rahmen wird auf dieselbe 
Weise in einer Entfernung, welche gleichfalls von 
der Stärke der Brücke abhängt, ein zweiter B^ahmen 
parallel mit dem unteren gelegt, so dafs durch die 
Entfernung der unteren Rahmen von diesem oberen 
die Stärke des Gewölbes bestimmt ist; durch die Län*- 
genbalken werden eben so , wie unten , . die kürzeren 
Querhölzer ungeschwächt durchgezogen ; zugleich 
sind zwischen die Längenbalken parallel mit den äufse- 
ren Säulen, in einer Yertikalebene mit den durchge- 
zogenen Querhölzeiii viereckige Ständer eingesetzt, 
durch welche eben solche Hölzer in einer Yertikal- 
ebene mit den vorigen durchgezogen werden können. 

Durch diese Säulen oder Ständer kann man nun 
zwischen dem oberen und unteren Rahmen (der Entfer- 
nung der Rahmen gemäis ) mehrere Reihen solcher 
Querbalken ziehen, je nachdem es die nöthige Stärke 
erfordert. 

In dem, Modelle ist noch eine Reihe durch die 
Mitte dieser Ständer gezogen, und überhaupt liegen 
in dem Modelle in jedem Rahmen sammt den äufseren 
Querverbindungsbalken sieben solche Balken nach der 
Breite, und drei nach der Höhe des Gewölbes, so, 
dafs ein solcher Kasten ein und zwanzig Balken zählt, 
die mit ihrer Richtung der Länge der Brücke nach 
liegen, ohne die Geländerverbindung mit 2a rechnen^ 



welche letztere snr Festigkeit der Brücke tucK noch 
viel beiträgt. 

Die Hölzer selbst sind im Modell , das nach dem 
zwölften Theil des natürlichen Mafses gearbeitet ist^ 
nach der hohen Kante 7^ nach der Breite 5 Zoll^ also 
jn dem VerLältnifs fiir das Maximum der Balkenstärke 
diirchgezogen. Fig. 3 zeigt einen fertigen Kasten. 

Aus dem Bau eines solchen Kastens wird man 
leicht ersehen ^ dafs^ wenn in allen nach dem Kreis- 
lM)geii geformten Kästen die Entfernungen und Lagen 
der Salken gleich und ähnlich sind^ sich die durch- 
gezogenen Querbalken Hirn an Hirn berühren^ und 
alle ähnlich liegenden immer einen Bogen über die 
ganze Brücke machen werden^ welcher eigendich aus 
Sehnen zusammengesetzt istJ 

In dem Modelle sind also ein und zwanzig solcher 
Bogen in der Brücke gespannt, wovon jeder 5 Zoll 
Breite und 7 Zoll Höhe hat. Die Entfernung des un- 
teren Rahmens von dem oberen ist hier in der Mitte 
der Breite gleich 3 Fufs, und an der Seite gleich 4Fufs, 
90 dafs die Halbmesser für die zwei oberen Bogenrei- 
hen etwas gröfser als für die unteren «ind, und dadurch 
die Brücke gegen die Widerlager hin an Stärke ge- 
winnt. Hierdurch erhält das Gewölbe in dem Schlufs 
eine Höhe von 3, und im Anlaufe eine Höhe von 4Fufs, 
welches, wie leicht begreiflich ist^ beliebig nach dem 
jedesmahligen Zwecke des Baues angeordnet und 
verändert werden kann. 

Die Kästen selbst sind mit ihren Längenhölzern 
an beiden Seiten^ wie die Zeichnung deutlich zeigte 
zusammengeschraubt^ und die an einander stofsenden 
Geländer Säulen .ebenfalls oben durch eine Schraube 
verbunden ^ so ^ dafs also zu jedem Kasten sechs Stück 
Schrauben gehören , die jedoch^ wie man sieht , nicht 



BÖthig haben ^ stark zu seyn, indem sie nnr eine ge- 
ringe Länge erhalten dürfen, welche nie, selbst bei 
der stärksten Brücke, über i5 Zoll betragen wird. — * 

Der Bau für eine Brücke von den Abmessungen 
des ModeUes kann, wie man aus dem Ganzen überse* 
hen wird , nicht schwierig seyn , und das zur Erbau- 
ung derselben nöthige Gerüste auch sehr leicht aus- 
geführt werden , weil die einzelnen Kästen Immer ein 
geringeres Gewicht haben werden , als ein gewöhnli- 
cher, aus vielen stai*ken Bäumen zusammengesetzter 
Brückenbogen; ein solcher Kasten wird sich daher 
viel leichter lals ein solcher, über die ganze Öffnung 
gespannter Bogen regieren , und an seinen Ort brin** 
gen lassen. 

fiei sehr breiten Brücken, vvelchc Abtheüungen 
für Fahr- und Gehwege haben, ist der Bau eben so 
leicht, und die Konstruktion sehr vortheUhaft für die 
Festigkeit und für die Ausbesserung schadhaft gewor* 
dener Kästen. Denn es kann hier jede einzelne Ab- 
theilung eine Brücke für sich bilden, und die Abthei- 
lungen, 80 viel deren nöthig^sind, brauchen nur durch 
eine leiehte Querverbindung mit einander vereiniget 
zu werden. 

Man könnte bei einer Brücke, welche auf beiden 
Seiten Gehwege hat, diese zuerst aufstellen, welche 
dann sehr leicht als Gerüst für die Aufstellung der inne- 
ren Kästen dienen könnten. Fig. 4- zeigt einen solchen 
drei&chen Kasten, wo die innere Breite der Brücke 
1 4S ^^6 beiden Seitenwege jeder 6' betragen ; so dafs 
das längste Holz hier nur i4 Fufs fiir eine 26 Fufs 
breite Brücke wird. 

Es leuchtet übrigens von selbst ein, dafs auch 
dieses Längenholz , zumahl bei einer breiten Brücke, 
aus mehreren, kürzeren iiber einander greifenden 



125 

nn<) zusainmengescTi raubten Stückcit hergestellt wer- 
den könne^ indem diese Längenhölzer^ yne bereits er* 
Mrähnt worden, keine Last zu tragen^ sondern nur 
die Seitenverscbiebung der Brücke zu hindern haben. 

Will man bei einer solchen Brücke einen schad- 
haft gewordenen Kasten ausbessern , so darf man nur 
seine Schrauben- und Querverbindungen auflösen^ und 
weil derselbe nur einen Keil bildet^ wird es wohl auch 
nicht sehr schwierig seyn , denselben heraus zu trei- 
ben , und ihn entweder nur ausgebessert wieder ein- 
zusetzen j oder statt desselben einen ganz neuen von 
denselben Abmessungen einzukeilen; so dafs ntan auf 
diese Art nach und nach ohne eigenes Gerüst, das die 
Schiffahrt in einem schiffbaren Flusse wenigstens durch 
einige Zeit hemmen würde, die Brücke gleichsam 
f^anz neu herstellen könnte, ohne dafs selbst die Briik- 
Venpassage gänzljich gehemmt wäre, besonders ^sam 

nicht, wenn tlie Brücke aus vier solchen Kastenab-. 

theilungen bestände. 

Übrigens lassen sich ohne alle Schwierigkeit in 
den einzelnen Kästen einzelne Balken herausnehmen 
und neue einsetzen, und dadurch die meisten nöthi^ 
gen Reparaturen herstellen. 

Will man die Längenhölzer der Kästen, wo diese 
Bosenstücke durchgehen, durch das Durchlochen 
nicht zu sehr schwächen, und auch nicht starkes Holz 
nehmen , so kann jeder solche Balken aus zwei schwa^ 
eben Balken bestehen , wovon jeder an der einander 
zugekehrten Seite an den Stellen, wo die Bogen durch<> 
gehen sollen, bis auf ein Drittel «meiner Dicke einge- 
schnitten ist; so dafs auf diese Art beide den durch- 
gehenden Bogen umfassen, welche beide Umfassungs- 
balken dann mit leichten' Schrauben verbunden wer^ 
den können» 



126 

^ * ' 

Eben so. können die senkrechten Stander, welche 
die inneren Bogenschichten umfassen, aus zwei Thei- 
len zosammengesetzt seyn. Fig. 5. zeiget diese Yer« 
hindung. 

Da diese Brücke ganz auf die Theorie der Ge-* 
wölbe gestützt ist, so gewährt sie vor einer steiner- 
nen Brücke den Vortheil , dafs sie elastischer ist, und 
vor einer hölzernen gewöhnlichen ßogenbrücke hat 
sie den Vorzug, dafs bei ihr sowohl die Schwankun- 
gen nach der Breite der Brücke^ als auch die Bogen- 
Schwingungen vermieden sind. Es hängt die Trag- 
barkeit also lediglich von der hinlänglichen Stabilität 
der Widerlager, «und von der Gröfse der rückwirken- 
den Festigkeit des Udiies ab, aus welchem die Bogen- 
theile bestehen, indem, wie schon gesagt worden, 
die Bogenschwingungen , des kurzen Holzes wegen, 
-nur in einem sehr geringen Grade Statt finden kön- 
nen, der kaum in Rechnung zu bringen ist *). 

Man wird nun aus dem Gesagten übersehen, dafs 
der Bau einer solchen Brücke , wenn er beim ersten 
Anblick, der vielen Kästen wegen, auch etwas zusam- 
mengesetzt erscheint , bei einer genaueren Ansicht 
im Vergleiche mit den bestehenden gewöhnlichen 
Bogenbrücken aus Holz, doch gegen letztere leich- 
ter ausführbar sey, und vielleicht nichts gegen sich 
haben dürfte, als das alte Vorurtheil gegen das 
Neue. 

Obgleich man aus Versuchen im Kleinen nicht 
immer mit der gröfsten Sicherheit auf die Ausführung 
im Grofsen schliefsen kann, so bestätigt doch die. 



•) Damit das FIolz der hurzen Dogcnstüclie , wo dessen En- 
don auf einander drücken , sich nicht mit der Zeit zu viel 
einpresse, können zwischen diese Enden (das Hirnholz) 
düna« Platten von Eisenblech oder von Blei gelegt werdi^* 

Der Herausgeber. 



Theorie der KonstruLtion eine bedeutende Tragbar- 
keit und Festigkeit 9 und ^ie Versuche mit dem nach 
obigen Abmessungen in ^-^ natürlicher Gröfse gear- 
beiteten IModeUc gaben ein sehr giinstiges Resukat, 
indem das Modell in der Mitte , ein Gewicht von :iGo 
Pfund bei einer Senkung von vier Linien^ imd bei 
derselben Senkung eine Last von 600 Pfund auf drei 
Punkten vertheilt (nähmlich in der Mitte ^ und im 
Millcl von Mitte und Widerlager) , ohne Gefahr eines 
Brechens ertrug. 

Als die Last das erste Mahl^ nachdem sie eine 
Viertelstunde darauf gelegen^ abgenommen war, er- 
hob sich der Bogen wieder auf die erste Höhe weni- 
ger einer Linie. Beim zweiten Versuche mit den 600 
Pfunden senkte er sich auf die vorige Tiefe, und ging 
nach demselben auf seinen alten Stand zurück; sodafs 
der ganze Bogen nach den Versuchen sich um eine 
Linie gesenkt hatte. 

Das Modell ist aus weichem Holze (Fichtenholz) 
rerfertigt, und das ganze Gewölbe wiegt ^4 Pfund, 
und würde im Grofsen, wenn alles nach diesen Ab- 
messungen gebaut wäre, gegen 40900 Pfund wägen, 
wenn man den Kubikfufs Holz mit 36 Piund in Rech- 
nung bringt, so dafs ein Kasten im Durchschnitt nahe 
21 Zentner Gewicht hätte« 

Die rückwirkende Festigkeit eines Bogenstückes 
im Modell wäre nach dem Koeffizienten in Ejtel* 
weiris Statik nahe = 194 Pund, davon ^V genommen} 
so hätte für die wirkliehe Belastung auf eiue hinläng- 
liche Dauer das ßofjeiist ück eine Last von ^-^ ^ =^- 6 f^fund, 
nahe zu traj^en. Da hier ein und zwanzig Bogen sind^ 
so könnte das Mndrll mit einer Last von :ii X 6 =^ 186 
Phind beständig belastet bleiben^ und der Versuch 
Kei(>talso, da 600 Plnnd darauf gelegt wurden ^ ohne 
dals das Modeil die uuudesten Zeichen eines Brc* 



o8 

chens gab , ein günstiges Resaltat sowoU fiir die Be** 
lastung in der Mitte als in der Yertheilung. 

Für die natürliche Gröfse in diesen Abmesscin* 
gen und derselben Belastung wäre die rückwirkende 
Festiekeit eines Bogenstückes nahe gleich ii557a 
Pfuna, davon -f^ genommen^ die darauf bestandig zu 

legende Last as — — — =3 nahe 36 12 Pfund. Dieses 

ein und zwanzig Mahl genonunen, ^ibt fär die ganze 
Brücke eine Belastung von 

36 la X 21 ^=^ 7585 2 Pfund. Zu dieser Stärke 
käme nun noch der Vortheil , welchen die Geländer 
geben , die ebenfalls als solche Bogen angesehen wer- 
den müssen , zu addiren. 

. Übrigens würde ein Versuch im Grofsen gewils 
sehr günstige Resultate für diese sinnreiche Idee der 
Konstruktion einer Bogenbrücke geben j und diese 
Bauart würde in vielen Fällen , besonders in Gegen- 
den^ wo es an starkem Bauholze mangelt, bedeutende 
Vortheile gewähren; auch, da der ganze Bau nur 
leichte Zimmermannsarbeit ist, ohne Schwierigkeit 
auszuführen seyn. 

Mathias Reinscher. 



139 



VIII. 

Von den Mitteln zur längeren Erhaltung 
des Bauholzes , im Besondern zum Schiff- 
und Brückenbau , und der Bewahrung 
desselben vor der Fäulnifs und dem früh-. 

. zeitigen Verderben, 

Vom 
llcrausgöb^r, 



JLlie kurze Dauer, welche das Bauholz bei den v 
Schiffen und Brücken unter den gewöhnlichen Um-» 
standen hat, vermehrt die Unterhaltungskosten diei« * 
ser Gebäude ungemein, ' Ein Kriegsschiff, bei welt- 
chem man in der Auswahl des Holzes sorgfältiger zu 
Werke geht, dauert gewöhnlich zwölf bis sechzehn 
Jahre ; ein Kauffahrteischiff neun bis vierzehn Jahre, 
Im Durchschnitte kann man annehmen, dafs innerhalb 
fünfzehn Jahren ein Schiff wieder völlig überbaut sey ; 
so dafs von dem Holze^ aus welchem es zuerst be-^ 
stand, nichts oder wenig mehr an demselben vorhaii-^ 
den ist. Gegen das Jahr ,1790 bestand die englandi^ 
sehe Kriegsmarine aus 4^ 3,667 Tonnen. Da man zwei 
Lasten SchiflPbauhoIz auf eine Tonne Gehalt rechnet; . 
so betrug sonach das Holz zu diesen Schiffen 627,334 
Schiffslasten: da ferner diese Schiffe, um dieselbe 
Tonnenzahl zu. behalten, in fünfzehn Jahren überbaut 
werden mufsien, so war sonach zu -deren Unierhal^« 
tung ein jähvKch er Aufwand von 55,i55 Toasten Schiff« 
baubolz erforderlich* Den jährlichen Betrag für did 

hhxh. d. fsVju Intl. in, k^H 9 






i3o ' 

ostindisclie Kompagnie rechnete man auf oooo La- 
sten^ üud jenen für die Handelsmarine (diese zu 
1^4^0^990 Tonnen 9 jede zu i| Lasten Schiffbauholz 
auf einie Dauer von «zwanzig Jahren) auf 117^879 La- 
sten ; so dafs sonach die Unterhaltung der gesammt^n 
en^Iändischen Flotten einen jährlichen Bedai*f von 
beiläufig 18^^534 Lasten Bauholz erfordert 

Mit der Dauer einer hölzernen Brücke verhält e» 
sich beinahe eben so, ja in manchen Fällen noch 
schlimmer, da die Umstände, welche auf die Zer- 
störung des Holzes einwirken , bei denselben in den 
meisten Fällen noch mehr vorhanden sind , als bei gut 
und dicht gebauten Schiffen* Das Holz der Brücken 
ist jeder Einwirkung der Witterung blofs gegeben: 
Überzüge und Bedeckungen desselben schützen nur 
theilweise und auch hier selten zureichend. Man kann 
im Durchschnitte, der Erfahrung nach, annehmen, 
dafs einer gewöhnlichen hölzernen Brücke nur eine 
. Dauer ihres Holzes von zehn bis fünfzehn Jahren zu- 
' komme, oder, dafs sie in dieser Zeit wieder ganz 
überbaut werden müsse. 

Diejenigen Brücken, welche unter Dach gesetzt 
sind (die Hängwerke ),^ wie dergleichen vormahls in 
mehreren Gegenden Deutschlands häufig ausgeführt 
worden sind, haben zwar eine bei weitem gröfsere 
Dauer : da bei denselben der gröfste Theil des Holzes 
der Einwirkung des Regens entzogen, und durch den 
freien Luftwechsel unter Umstände gesetzt ist, die 
seiner Erhaltung günstig sind. Der grofse Aufwand 

* an sehr starkem JBauhoTz , den diese Brücken erfor- 
dern , die Reparatur des Daches , so wie ihre Schwer- 
fälligkeit und Feuergefährlichkeit sind dagegen Nach- 
theile , welche hem zu Tage , wo der Holzaufwand 

* mehr Berücksichtigung verdient, wie chemalils , sich 
der Wiedereinführuag jener Konstruktionsweise im- 
mer widersetzen werden. 



i3x 

Diejenige Krankheit , welche das; Bauholz weit 
früher* seinem Verderben entgegenfahrt^ als dieses 
unter giinstigeren Umstanden der Fall seyn würde^ 
ist die Fäulnifs^ das Vermodern^ das Vermorschen. 
In derselben verUert dasjldlz allmäUich seinen festen 
^sammenhanff; es läfst sich leicht zerbröckeln ^ und 
zerfallt am Ende ganz zu Staub. Man kann diese gröfs<- 
tentheils fi^ühzeitige Veränderung nicht als ein noth* 
freudiges Übel ansehen , das die VegetabiÜen eben 
so treffen müsse ^ als. die todten animalischen Körper ; 
denn unter günstigen Umständen kann Bauholz Jahr- 
hunderte lang in Gebäuden fortbestehen^ ohne merk* 
lieh« an seiner Festigkeit und seinem Tragvermögen 
zu verUeren. Es ist daher wichtige die MittePund 
Umstände zu untersuchen und kennen zu lernen^ die 
das frühe Verderben des Bauholzes hindern oder be- 
iördem. Kann man bei Herstellung' verschiedener 
Gebäude ^ unter den vorhandenen Mitteln auch nicht 
immer, durch Umstände und Lokalitäten gehindert, 
die zweckmäfsigsten und sichersten zu seiner Erhal- 
tung anwenden ; so kann dieses doch immer mit ei- 
nem oder dem andern dieser Mittel geschehen, und 
wenigstens dasjenige vermieden werdeji, was zu der 
früheren Zerstörung des Holzes den Grund legt. 

Bei der allmählich von selbst erfolgenden Zer- 
. Störung des Holzes unterscheidet man gewöhnlich 
zwef Zustände , von denen man den einen mit dem 
Itahraen der nassen (eng\. wet rot) , den andern mit 
jenem der trockenen Fäulnifs (dry rot) belegt, oder 
ersteren auch aussehhefsend durch Fäiünifs, den letz- 
teren durch Vermorschiing oder Vermoderung be- 
zeichnet. Im ersten dieser Fälle erfolgt die Zersez- 
i^ng des Holzes bei einem Überfluß von Feuchtigkeit j 
im letzteren dagegen ist die Feuchtigkeit geringer, 
oder abwechselnd in der Menge. Beide Zustände 
«ind eigentlich dieirelben , und es lassen sich zwi- 
schen beiden keine Gränzlinicn ziehen. Die Feii^oh* 



l33 

tigleit ist eine iiveseniliche Bedingnifs der Fiulnifs, 
und eine trockene Fäulniis ist eigentlich nie vor- 
banden. 

Holz in dcF nassen Fäulnifs zeigt sich nach der 
Verdunstung seines überflüssigen Wassers demjenigen 
in der gewöhnlichen Yermorschung zersetzten völlig 
ähnlich. Das nafs- faule Holz zeigt sich gewönlich da, 
wo dessen Zersetzung in Berührung mit stark wasser^ 
haltenden Körpern^ vorzüglich der Dammerde, vor 
sich ging; das trocken -faule Holz entsteht dagegen 
in solchen Lagen desselben, v^o es zwar im Ganzen 
trocken liegt , jedoch abwechselnd der Feuchtigkeit 
ausgesetzt ist« 

Diejenige Art der Zerstörung des Holzes, welche 
am häufigsten vorkommt, und hier im Besondern be- 
rücksichtigt wird, wird durch die Fäulnifs desselben 
bei einem geringeren und abwechselnden Grade von 
Feuchtigkeit bewirkt, und durch Yerinorschung oder 
Yermoderung bezeichnet. 

Die Fäulnifs des Holzes entsteht durch die alt- 
mähliche Zersetzung der im Holze aufser dem Faser- 
stoffe und Harze enthaltenen,, im Wasser auflöslichen, 
schleimigen und gummiharzigen, exti'aktivstoSartigen 
und gerbestoffhaltigen Substanzen. Die Zersetzung, 
welche diese Stoffe erleiden , erfolgt anfänglich durch 
Binc saure Gährung, die bald in eine mehr faulige 
übergeht. Sie ist im WesentUchen dieselbe, wie sie 
allmählich bei der Fäulnifs und Verwesung thierischer 
Körper eintritt. In beiden Fällen werden endlich die 
Körper in eine zerreibliche Substanz verwandelt, wel- 
che mit dem Humus der Dammerde übereinkommt, 
und gröfstentheils aus Faserstoff besteht, noch, mit 
veränderten schleimartigen Theilen verbunden. 

* Die' Bedingungen dieser Zersetzung des Holzes 



i33 

sind jene der Gährung überhaupt , nähmlich : Feuch- 
tigkeit und mäftige Wärme. 

Das auf diese Art «ersetzte oder vermoderte Holz 
verliert^ obgleich der FaserstofF selbst der Gährung 
widersteht^ dennocI\ durch die. Gährung der aiiflös- 
liehen Substanzen allmählich seinen Zusammenhang, 
sowohl , weil jene Gährung sich durch die kleinsten 
Fibern hindtu'ch verbreitet^ und diese sonach ihren 
Zasammenhang verlieren, als auch weil die fortschrei- 
tender Gährung allmählich den Faserstoff, zumal in 
jenen Theilen, in welchen er sich der Natur des ver- 
härteten Schleimes mehr- nähert, angreift und verän- 
dert Auf ähnliche Art verändert eine gelinde Gäh- 
rung in einer aus Schleim und Siärkmehl bestehen- 
den Masse • das letztere« und macht es auflöslich* 

In jenen Perioden, wo das Vermorschen des 
Holzes schon so weit fortgeschritten ist, dafs sich 
seine Oberfläche der Natur der Dammerde nähert,' 
wird sie, zumahl beim Zutritt einer gröfseren Menge 
Ton Feuchtigkeit, ein Standort für verschiedene 
Schwämme , besonders des boletus lacrjrmans. Das 
Entstehen derselben ist dah^r wohl ein Zeichen der 
schon weit fortgeschrittenen Fäulnifsj aber keines* 
Wegs deren Ursache. 

Über diese Zersetzungsart des Holzes habe ich 
vor mehreren Jahren verschiedene Versuche ange- 
stellt. 

# 

Wenn man eine Quantität Sägespäne irgend eines 
Holzes, z.B. Eichenholz^ mit Wasser so lange abkocht, 
als letzteres noch gefärbt wird, und die erhaltene 
bräanliche Flüssigkeit an einem temperirten Orte hin- 
stellt ; so kommt sie bald in Gährung , verbreitet an- 
ßiDgs einen säuerlichen, nach längerer Zeit einen 



i34 

fauligen Geruch^ indem sie sich mit Schimmel be- 
deckt. 

Die ausgekochten Sägespäne bleiben nnverän^ 
dert 9 auch wenn sie längere Zeit in mäfsiger Wäriha 
mit Wasser befeuchtet erhalten werden. 

Übergiefst man diese ausgekochten Späne mit 
einem Theile des Plolzextraktes y den man zu diesem 
Behufe etwas mehr konzentrirt hat^ vermengt sie gut 
damit ^ und läfst sie in mäfsiger Wärme stehen: so' 
hebt bald die Gährung an. Die Holzspäne werden 
nach und nach angegriffen und verändert^ und das 
Ganze verwandelt sich allmählich in eine erdige und ^ 
zerreibliche Masse. 

Der in gelinder Wärme bis zur Trockenheit ab- 
gedampfte Holzextrakt zieht die Feuchtigkeit stark an, 
und wird bald Wieder schmierig uiid flüssige wenn 
er nicht bei einer Hitze abgedan?pft worden ist, wel- 
che ihn zürn Theil zersetzt und verkohlt hat. 

Hieraus erklaren sich von selbst die Erfahrungen 
über das Vermorschen des Holzes. 

Die Zersetzung des Holzes geht am schnellsten 

unter folgenden Umstanden vor sich. 

> ♦ 

• 
i) Wenn das Holz an sich feucht ist^ oder noch 
viel Vegetitions Wasser enthält: denn ohne Feuchtig- 
keit kann keine Gährimg Statt finden. Bauliolz ist da- 
her um so schneller dem Verderben ausgesetzt, je 
kürzere Zeit es nach seiner Fällung verbraucht wird ; 
am friihestcn verdirbt es, wenn es im Safte ste- 
hend gefället worden ist. Der äufsere Theil des Hol- 
mes, oder der Splint, enthält mehr Vegetationswasser, 
als der feste holzige Theil; er kömmt daher auch 
xuerst in die Gährung und das Verderben. Beim all- 






t35 

ciähliclien Austrocknen bekommt das gefällte Holz 
Ris5^3 ist es nnh'ohne Bedachunj; der Witiertmg aus- 
gesetzt/ so dringt das Wasser durch diese Risse bis 
in den Kem^ verdünstet hier auch bei einer mehr 
trockeneji Luft nur langsam^ und leitet um so siche- 
rer die Gährung und Zerstörung ein. Hierzu kommt 
noch^ dafs sich in diesen Rissen Staub ansanunelt^ der 
sich durch Aufiiahme von schleimigep Theilcn aus 
dem' Holze in eine Art Dammerdc verwandelt^ und 
die Gährung der Holzmasse durch stete Zuführung 
und Festhaltung von Feuchtigkeit um so mehr unter- 
hält. Das jüngere Holz enthält mehr Ycgetationswas^ 
ser als das ältere ; es ist daher auch früher dem Ver- 
derben unter gleichen Umständen unterworfen. 

a) Wenn das Holz in mäfsiger , die Gährung be- 
fördernder Wärme sich befindet. In kalten , trocke- 
nen Klimaten erhält sich das Bauholz daher länger^ 
als in wärmeren feuchten. Daher gehen solche Schiffe^ 
welche Ladungen von solchen Gütern führen , welche 
den Schiffsraum fest ausfüllen^ das Erfirischen der 
Luft hindern y .und durch eine gelinde Gährung , wel- 
che sie unterhalten^ selbst Wärme entwickeln^ frü- 
her zu Grunde^ als andere. Man hat Beispiele von 
Schiffen^ welche sich mit dem Transporte des Hanfes 
von Petersburg nach London beschäfligten , weiche 
in Zeit von drei Jahren ganz vermodert waren» 

3) Wenn das Bauholz in einer feuchten Lage ist^ 
oder mit Körpern in Berührung , welche die Feuch- 
tigkeit lang an sich halten^ oder stark anziehen. Wenn 
das Bauholz noch mit seinem Splinte versehen, in 
Haufen über einander^ gelegt wird 3 90 erleidet der 
Splint, wie gesagt, zuerst die Gährung und wird ein 
Behälter von Feuchtigkeit , aus welchem sich das Ver- 
derben nach allen Richtungen verbreitet. Wird Holz 
in Mauerwerk eingesetzt, welches Kalksalpeter ent- 
hält, oder wenn es mit Mörtel in Berührung konunt^ 



i36 

r 

welcher mit Seew^ser angemacht worden^ da der« 
selbe salzsauren > Kalk enthält^ so kann es der baldi- 
gen Vermoderung nicht entgehen ; da diese zerfliefs* 
liehen Salze ihm fortwährend Feuchtigkeit xufdhren. 
Wenn das Holz auf feuchter Erde liegt, besonders 
auf Dammerde , so wird es von der Fäulnifs bald er- 
griffen. Die Dammerde hält das Wasser stark an sich 
und verhindert das Austrocknen des Holzes; i^uch 
wirkt sie mittelst der eigenen Gährung, welche un- 
aufhörlich in derselben vor sich geht, als Ferment, 
welches den Eintritt der GSlhrung in dem Holze be- 
ichlieunigt. 

Aus eben diesem Grunde verbreitet sich leicht 
die Vermdderung von dem einen Hol^e auf ein ande- 
res noch gesundes > das mit ihm in Berührung steht. 
Das vermoderte Holz nähert sich bereits dem Humus 
der Dammerde : es nimmt gleichfalls viel Wasser auf, 
hält es stark zurück , und die gährendcn auflöslichen 
Theile desselben verbreiten die Gahrung in die auf- 
Jöslichen Theile des gesunden Holzes» . . 

4) Wenn ^das.Holz, das noch sein Wasser ent- 
hält, von dem freien Zntritt der Lufl abgeschlossen 
ist, und dadurch sein Austrocknen verhindert wird; 
Bo wird dadurch gleichfalls seine Zerstörung be- 
schleunigt. Ein Schiff oder eine Brücke, deren Bal- 
kengerippe, ohne ihm viel Z^eit zum Austrocknen zu 
lassen, sogleich mit den Planken bedeckt, oder mit 
einem Anstriche versehen wird> gehen daher früher 
lEU Grunde, als wenn sie erst längere Zeit ein^r trock- 
nenden Luft ausgesetzt waren» Wäre dagegen das 
Holz vorher vollkommen trocken gewesen, so würde 
das schnellere Bedecken vor dem späteren Vorzüge 
haben» 

* Aufser denjenigen > sich aus dem Vorigen unmit- 
telbar ergebenden I auf die vorhandenen Umstände 



'37 

und Lokalitäten zu gründenden Behandlungsarten des 
Bauholzes ^ zur besseren Erhaltung desselben^ beste- 
hen daher die vorzüglichsten Mittel zur Abhaltung der 
Fäulnifs oder Yermoderung des Bauholzes in Fol- 
gendem. 

i) In der Austrocknung des Holzes oder der Ent- 
fernung seines Wassergehaltes bis £u dem Grade , d^aifs 
dessen schleioiartige Theile die Fähigkeit verlieren^ 
die Gährung einzul<|i|ten. 

2) In der Verhinderung der Aufnahme des aus- 
getrockneten Holzes von neuer Feuchtigkeit.- 

■ 

3) In der Behandlung des Holzes^ mit solchen 
Substanzen^ welche eine Umänderung der gährungs- 
fihigen Bestandtheile bewirken könnten. 

4) In der gänzlichen Wegschafiung der gährungs- 
fiJbigen Theile des Holzes. 

I. Das gewöhnliche^ dem Ansehen nach trockene, 
Zimmerholz enthält 34 Prozent seines Gewichtes an 
Wasser. Dieser Wassergehalt steigt in einer feuch- 
ten Umgebung auf 36 Prozent und darüber. Wird. 
Holz lange Zeit in trockener, warmer Luft erhalten; 
so fällt sein Wassergehalt bis auf 10 Proz^ent. Dieses 
trockene Holz niäamt jedoch in Berührung mit feuch- 
ter Luft leicht und schnell wieder Wasser auf, bis zu 
20 Prozent und darüber. Der Grund davon liegt in 
der hygroskopischen Eigenschaft seiner extraktivstoff- 
artigen Bestandtheile, welche oben bereits nachge- 
wiesen worden ist. 

Das , wenn gleich mit Sorgfalt ausgetrocknete, 
Holz ist daher der Yermorschung eben so gut un^ 
terworfen f als weniger trockenes , wenn es wieder in 
feuchte Lagen versetzt wird. Diefs ist selbst der Fall, 



i38 

wenn es sich' in freier Loft nicht vor Nässe (z.B/ 
gen) geschützt befindet. Die Nässe dringt hier in das 
Innere ^ hält sich dort stuf, und leitet die Zersetzung 
ein , während die Oberfläche durch die freie Luft wie- 
der ausgetrocknet wird. Daher ergreift bei solchem 
Holze ( z. B. Brückengeläiidern ) die Verinorschung 
die inneren Theile, während die Oberfläche gesund 
bleibt 

I 

Ohne Zutritt von Feuchtigkeit kann die Vermo- 
derung des Holzes nicht Statt finden. Bauholz , das 
an einem vor der Witterung geschützten Orte aufbe- 
wahrt wird ^ dem Luftzuge ausgesetzt und vor der 
Nässie bewahrt ist, ist der Vermoderung daher nie 
unterworfen, und kann. Wenn es dem Wurmfrafse 
entgeht, eine sehr lange Dauer erhalten, die sich über 
mehrere Jahrhunderte erstreckt , wie die Dachstühle 
in den alten Kirchen beweisen. Das Austrocknen des 
Bauholzes an der Luft hindert seine frühere Vermo- 
derung daher nur in den Fällen, als es auch künf- 
tig nach seiner Verwendung vor Nässe geschützt 
bleibt. 

'Die Erfahrungen auf den Schiffswerften lehren, 
dafs Schiffe in der. Regel um so langer dauern, je 
länger an ihnen gebaut worden ist (je längere Zeit ihr 
Holzgerippe in freier Luft austrocknen konnte) und 
je Wasser oichter sie gebaut sind. Schifie,' in welche 
das Wasser schon in den ersten zwei Jahren ein« 
dringt, sind bald der Vermoderung unterworfen; 
Für den Brückenbau nützt daher die Verwendung 
eines vorher an der Luft ausgetrockneten liolzes 
wenig, wenn es nicht vollkommen vor der Nässe 
künflig bewahrt werden kann. Ein einziger Resen gibt 
dem Holze das Wasser wieder , das es durch ilangjäh- 
riges , trockenes Liegen verloren hatte.| 

'Kommt das Holz in Berührung mit Substanzen^ 



i39 

die sein Aastroclnen befördern; so wird dadorch aucli 
sein Verderben gehindert. Holz in trockenem Sande* 
und in trockenem Mauerschutt kann sich lange erhal- 
ten. Auch das Kochsalz, vorausgesetzt dafs es keine 
zerfliefslichen Salze enthält; ki^nn als ein solcher Kör- 
per betrachtet werden, der die Feuchtigkeit liebet 
aufnimmt, als das Hok, daher letzteres trocken erh'alt^ 
und dessen Gährung hindert, auf dieselbe Art, als 
das Einsalzen des Fleisches dessen FäulniTs aufhält. 
Die Erfahrung hat gelehrt, dafs Schiffe, in deren Ge- 
balke man die Fugen und Zwischenräume mit Koch- 
salz ausgefüllt hat , eine längere Dauer erhalten ; und 
dieses Einsalzen der Schiffe wird noch heut zu Tage 
von den AmeriRanem in Ausübung gebracht. 

Jene Schiffe , welche aus^chliefsend zum Trans- 
porte der Steinkohlen und des gebrannten Kalkes 
'verwendet werden, haben eine aasgezeichnet lange 
Dauer. Unter den Steinkohlenschiffen in England gibt 
es mehrere, welche ein Alter von achtzig bis hundert 
Jahren erreichen, und keine anderen Reparaturen 
erfordern, als die Erneuerung der äußeren Planken. 
Man mufs diesen Erfolg theils dem Austrocknen des 
Schifiholzes, durch die höhere Temperatur der Stein- 
kohlen (welche durch die lortwährende Zersetzung 
der Schwefelkiese u. s. w. in denselben hervorge- 
bracht wird), theils der eigen thümlichen , fäulnifs- 
widrigenrKraft der Kohle überhaupt zuschreiben. 
Pfähle, "Reiche man in die Erde gräbt, und mit Koh- 
lenpulver iest umgibt^ erhalten sich gleichfalls viel 
länger als gewöhnlich. 

Auch die Kalkschiffe erhalten ihr Holz sehr lange 

Sesund. Unter den Kalkschiffen ^ die an der englän- 
ischen Küste nach London gehen , sind mehrere von 
vierzig bis fünfzig Jahren, noch in ganz gutem Zu- 
stande. Diese Erhaltung erstreckt sich aber nur auf 
dasjenige Holz, was mit dem Kalk in Berührunig kommt. 



i4o 

Dieses Holz ist mit einer dünnen , festen und steinar- 
tig6n Rinde überzogen^ die es vor dem Eindringen 
der Nässe schützt. Der Kalk wird in diese Schiffe 
gewöhnlich noch etwas warm eingeladen ^ oder er er- 
h«ilt in denselben durch Zutritt von einiger Feuch- 
tigkeit eine höhere Temperatur : ' man kann daher an- 
nehmen^ dafs diese höhere Wärme das Holz des 
Schiffes zuerst stark austrocknet^ und dafs die er- 
wähnte Rinde dasselbe dann vor Nässe schützt. 

■ 

Auf ähnliche Art hält der gebrannte Kalk thieri- 
sche Körper^ z.JB. Fleisch ^ Fische etc. in der Fäul- 
nifs auf^ wenn man sie mit gepulvertem gebranntem 
Kalke fest umgibt. Der Kalk entzieht dem Fleische 
zuerst die Feuchtigkeit, und bildet dann* mit dersel- 
ben eine feste Rinde um dasselbe, welche den Zutritt 
der Luft abhält. 

Eben so wirkt der Kalkanstrich zur längeren Er- 
haltung eines vorher ausgetrockneten Holzes in freier 
Luft. Zweckmäfsiger würde dieser Anstrich noch bje- 
werkstelliget werden, wenn man zuerst einen Anstrich 
mit einem etwas dickflüssigen Kalkbrei veranstaltete, 
und dann gepulverten gebrannten Kalk darüber 
streute, und mittelst der Maurerkelle andrückte. Das 
Wasser, womit der Kalk angemacht wird, darf je- 
doch, wie schon gesagt, kein Kochsalz enthalten, 
weil sonst der Anstrich durch das zerfliefsliche Salz,, 
welches sich bildet, mehr schaden als nützen würde. 

Wirksamer, als das Austrocknen des Holzes in 
freier Luft, ist das Backen desselben in einem Ofen^ 
oder das. Rösten über dem offenen Feuer. Ist je- 
doch die Hitze, wodurch die Verflüchtigung des 
Wassers aus dem Holze auf diesem Wege bewirket 
wird, nur so grofs, um die schleimigen Thetle des 
Holzes auszutrocknen; sa ist dör Erfolg dieser Aus- 
Irocknung von jener in der freien Luft nidbtt wesent- 






i4» 

t 

Ikh verschieden; denn die eingetrockneten^ schlei* 
inigen Theile behalten immer noch ihre Aygrosko^ 
pUche Eigenschaft. 

. Wird dagegen Holz in starker Hitte, s.B. in ei- 
nem. Backofen ^ so ^eit ausgetrocknet^ dafs der 
brenzliche Geruch der Holzsäure sich bereits aus dem- 
selben zu entwickeln anfängt, in welchem Falle es auf 
der Oberfläche eine bräunliche Farbe annimmt: so 
ifvidersteht es der Vermorschung auch in feuchten 
Lagen ^ weit besser und langer; weil in diesem Falle 
ein grofser Theil der auszicnbaren Substanz > wenig- 
stens nach der Oberfläche zu, eine Zersetzung und 
anfangende Verkohlung erlitten, und sonach die hy- 
groskopische Eigenschaft und Gähnmgsfahigkeit ver-, 
loren hat. Das Holz wird jedoch durch aiese Pro- 
zedur etwas brüchig und seine Haltbarkeit geschwächt. 
Sollen Pfähle ,. welche man in die Erde setzt, vor der 
. Vermorschung bewahrt werden ; 30 ist es nicht hin- 
reichend, nur den Theil, welcher in der Erde, be- ' 
sonders in Dammerde, steckt, zu rösten otler aufsen 
zu verkohlen; denn der innere Theil erhält in diesem 
Falle seine Feuchtigkeit von den oberen Theil'en des 
Pfahles wieder, und die Vermorsdiung ergreift end- 
lich den inneren Theil des unteren Endes: sondern 
es ist wirksamer, den ganzen Pfahl bis zur braunen 
Farbe der Oberfläche stark, und den untersten Theil 
am stärksten zU rösten. 

Da überdiefs an der abgeschnittenen Fläche (dem« 
Hirnholze) durch die dort offenen Gefafse des Holzes 
das Wasser am leichtesten eindringt; so niufs diese 
Oberfläche entweder durch einen Überzug von Kupfer- 
oder Eisenblech, oder durch eine dichte Lage von 
Firnifs gut bedeckt werden. Überhaupt müssen diese 
Stellen bei ailen Holzverbindun^en am besten verwahrt 
werden , weil an . denselben das Wasser anoi leichte- 
sten in das- Innere eindiinst. 



IL Trockenes Holz ist daher der Vermorschung 
nur danh. nicht unt^rworfea/ wenn es vor Anziehung 
neuer Feuchtigkeit 'gesehütu ist. Dieses geschieht 
entweder durch seine freie , vor Regen und Feuch- 
tigl^eit geschlitzte Lage., wie hei dem Holzwerke ei* 
nes lüftigen. Bodens ; oder durch zweckmäfsige Über- 
züge. 

^ Soll das Holz durch letztere vor der Vormor- 

schung oder trockenen Fäulnifs geschützt werden , 
so mufs es yorhel* recht trocken seyn^ entweder durch 

• langjähriges Aussetzen an trockener* Luft , oder durch 
künstliches Austrocknen in einer höheren Tempera«' 

. tur. In beiden Fällen vermindert sich sein Wasser« 

.' gehalt auf i5 — lO Prozent. Wird es in diesem Zu- 
stande mit einem gut deckenden Firaifi» überzogen^ 
»o erhiilt es sich so lange, als dieser Firnifs dauert. 
Das Überziehen des nicht gehörig trockenen Holzes 
ist dagegen weniger wirksam, ja sogar schädlich, weil 
das Übel hier unter der Decke sich «ntwickelt und 

. fortschreitet, um so mehr, da der Firnifsüberzug 
das fernere Austrocknen hindert. 

Wenn diese Überzüge aufscrdcm etwas nützen, 
oder nicht vielmehr schaden sollen, so müssen sie 
dicht .und vollkommen decken, um der Feuchtigkeit 
oder feuchten Luft den Durchgang zu verwehren. 
Erhalten diese Überzüge Risse, so dafs durch die- 
selben d^s Wasser eindringen kann , welches sich so- 
dann inf Lineren schnell verbreitet, ohne dafs ^ine 
verhaltnifsmäfsige Verdunstung aus der noch gröfs- 
tentheils bedeckten Oberfläche Statt findet, so wer* 
den sie gleichfalls unnütz. 

Man hat vielerlei solche Überzüge vorgeschlagen 
und angewendet. Dergleichen sind die gewöhnlichen 
Öhlfirnisse aus Leiuöhl, mit Mennige oder Bleiweifs 
gekocht, und mit Terpentinöhl oder Steinkohlenöhl 



»^ • 



i43 

verdünnt: Steinkobl^ntheer mit TerpentinoU yer'* 
dünnt ^ und fiir sich od^r mit Eisenocher vermengt, 
beifs in mehreren Lagen aufgetragen;« Pech mit {• 
Schwefel zusammen geschmolzen , Ziegelmehl ({- des 
. ganzen) darunter gerührt , xmd heifs aufgetragen. 

Der Steinkohlentheer ist für alle Überzüge ähnli* 
eher Art das nützlichste Ingredienz. Er bildet einen 
uatürlichen Firnifs^ indem er aus Harz und flüchti- 
gem Ohle besteht. Er trocknet leicht^ imd bildet 
nach dem Austrocknen einen festto und biegsamen. 
tberzug; er dringt^ heifs aufgetragen^ tief in das 
Holz ein ^ so ^ dafs wenn dieser Anstrich so oft wie- 
derholt wird^ bis die letzte Lage auf .der Oberfläche 
sitzen bleibet^ kleine Risse und Sprünge des Holzes 
der Feuchtigkeit noch keineswegs den Weg in das 
Innere öffnen: er ist überdem ein Mittel zur Abhal- 
tung des Wurmfrafses^ gleich den fetten und fluch* 
tigeu Öiilen überhaupt. 

Wenn man dem trockenen Holzq einen Überzug 
Ton Steinkohlentheer geben will; so verfahrt man am 
zweckmäfsigsten so^ dafs man denselben siedend heifs 
gemacht (jedoch nicht anhaltend gekocht^ damit das 
flüchtige Öht nicht vor der Zeit aus demselben ent- 
weiche) zuerst ohne alle Beimischung aufträgt^ und 
erst dann^ wenn das Holz damit völlig gesättiget ist^ 
demselben^ unter Zusatz von Terpentinöhl ^ noch ei* 
nen verdickenden Beisatz gibt , z. B. Pech mit Zie- 
geimehl^ um die letzten äufseren Anstriche damit zu 
vollenden. 

Ein änderer guter Überzug des trockenen Holzes, 
besonders für frei stehende hölzerne Säulen und 
Pfähle^ wird durch den Auwurf mit Sand hergesteiii. 
Man überstreicht das Holz zuerst mit dickem Ohlfir* 
niis (aus Löinöhl und Blciglatte)^ und bewirft sonach 
die Oberfläche mi( feinem Quarzsand. . Nachdem di9<- 



i44 

ser erste Überzug trocken ist, reibt man die Ober- 
fläche ab^ um den überflüssigen^ in dem eingetrock- 
neten Fimifs nicht befestigten^ Sand zu entfernen: 
streicht hierauf die Fläche mit Fimifs von neuem an, 
bei/virft sie neuerdings mit Sand^ und wiederhohlt 
diese Operation drei bis vier Mahl. Dieser Überzug 
hält sehr fest / Schützt gegen die Beschädigung von 
Würmern und anderen Thieren> und gibt dem Holze- 
ein vollkommen steinartiges Ansehen. . 

Der Ilolztheer steht in der Brauchbarkeit für den 
Anstrich des Holzes dem Steinkohlentheer bedeutend 
nach; denn der erstere enthält aufser dem Harze 
und flüchtigen Ohie jioch eine bedeutende Menge 
Essigsäure, welche weder durch Kochen, noch durcl^ 
Verdunstung an der freien Luft entfernt wird. I)aher 
trocknet dieser Theer für sich schwer aus, und bleibt 
immer schmierig.; während bei dem Steinkohlentheer 
die ammonialische Feuchtigkeit, welche er enthält, 
in der Hitze und an der Lufl sich verflüchtiget. 

Will man den Holztheer^ Statt des Steinkohlen«- 
theeres, zum Überzuge des« Holzes verwenden imd 
brauchbar machen; so mufs man denselben in einem 
eisernen Kessel erhitzen, und gepulverte Bleigläue 
hinzusetzen. Diese sättiget die vorhandene Essigsäure, 
und macht die Mischung trocknend» 

HI. Bewahrung des Holzes durch die. Behand- 
lung desselben mit Substanzen, welche auf die Um- 
änderung der gährungsfähigen Bestandtheile dessel- 
ben wirken könnten. Es läfst sich nähmlich denken, 
dafs die schleimartigen und ausziehbaren Theile des 
Holzes durch gewisse Substanzen so verändert oder 
im Wasser unauflöslich gemacht werden können , dafs 
sie nicht mehr fähig sind, die Gährung einzuleiten 
und fortzusetzen. Auf ähnliche Ar^ wirken mehrere 
Salze ^ besonders die Metallsalze, und imter diesen 



i45 

ausgezeichnet der Qaccksilbersublimat^ als Hinderungs- 
mittel der Fäulniis thierischer Substanzen. Die Holz- 
säure hat sich neuerlich gleichfalls als ein solches an^ 
aseptisches Mittel erwiesen. 

Über die Anwendung verschiedener Salzauflösun- 
gen zur besseren Erhaltung des Holzes sind bereits 
viele Versuche angestellt worden^ unter andern auch 
von Herrn Chapman, der sie in der unten bezeich^ 
neten Schrift beschrieben hat ^). Unter allen Salz- 
auflöaungen^ die er anwendete^ fand er die Auflösungen 
des Eisenvitriols am entsprechendsten« Die Resultate 
dieser im Kleinen angestellten Versuche sind jedoch 
durch die Erfahrung nicht in sofern bewährt^ als mit 
einem auf diese Art behandelten Holze ein Versuch 
?0B gehöriger Dauer, z. B. lür den Schiffbau ange** 
stellt ^vorden ist. Üerr Chapman schlägt vor, in 
den Werften Gruben, etwa von 4 Fufs tief, anzule* 
gea, in diese das Bauholz auf eine steinerne Unter- 
lage zu bringen; die Zwischenräume der Balken mit 
Sand auszufüllen, die Oberfläche noch damit zu bc'* 
decken, und die Grube sonach mit einer gesättigten 
Aoflösung von Eisenvitriol zu füllen ; so dafs der Sand 
damit imprägnirt wird. Um die allmähliche Fällung 
des Eisenoxydes aus der Eisenvitriolauflösung zu ver- 
hindern, soll derselben metallisches Eisen zugesetzt 
werden. 

Die Theorie dieser Behandlungsart des Holzes, 
lafst sich auf folgende Grundsätze zurückführen. 

Die schleimigen , ausziehbaren , Gerbestoff und 
Gallussäure enthaltenden Substanzen des Holzes ha^* 
bm die Eigenschaft, mit dem gröfstcn Theile der er^ 

*) A Treatiae containing the r^^ults of numcroiu experiments 
OB the preserTafton of timber from premature decay. Bv 
William Ckaptnam^ Civil engincon jLpndon^ 1817« 
lahtv« 4. poi^t, Imi« nv ^4« 10 



146 

digen und metallischen Salze im Wasser unauflosliclie 
Niederschläge zu bilden^ indem sie sich mit dem 
Oxyde der metallischen 'Grundlage yerbindeu. Auf 
diesem chemischen Verhalten der vegetabilischen 
Schleime und Säfte beruht die Färberei^ in welcher 
jene Salze den Nahmen der Beitzen fuhren« Die 
Säfte aller Holzarten, welche man durch Kochen aus 
denselben auszieht, geben mit ?erschiedenen Salzen 
im Wasser unauflösliche, verschiedentlich gefärbte 
Niederschlage. Es läfst sich daher begreifen, dafs 
die auflöslrcben Theile des Holzes ihre Gährungs- 
iahigkeit , wenigstens sehr bedeutend , verlieren \ön^ 
neu, wenn sie in ihrer Verbindung mit den Grund* 
lagen der geeigneten Salze unauflöslich werden. 

Es läfst sich hiernach von selbst bestimmen, 
welche Salze fiir diese Behandlungsart sich wirksam 
und wirksamer zeigen werden ; diejenigen nähmlich, 
welchen am meisten die Eigenschaft zukommt, aus 
den Extrakten des Holzes am vollständigsten die in 
Wasser auflöslichen Theile als unauflösliche Verbin- 
dung zu fällen. Hieher gehören also als minder wirk- 
sam: der Alaun, Bleizucker und andere Salze mit 
überschüssiger Säui:iß oder alkalischer Basis ; als wirksa- 
mer: die essigsaure Thonerde, die salzsaure und 
essigsaure Zinnauflösung, die essigsaure Kupferauf- 
lösung, der Eisenvitriol, Quecksilbersublimat u. s. w. 
Gleichfalls koagulirend für die ausziehbare Substanz 
wirken die Säuren ,^ besonders Salzsäure, Schwefel- 
säure und Salpetersäure. 

Es findet, wie bereits oben bemerkt worden, 
dieselbe Wirkungsweise auch bei den thierischeu 
Substanzen Statt. Läfst man z. B. eine Abkochung 
von Kochenille iu mäfsiger Wärme einige Zeit stehen; 
so tritt bald Gähruns und endlich Fäidnifs ein. Ver- 
setzt man dagegen die Auflösung mit einem erdigen 
oder metallischen Salze^ z. B. Alaun oder Zinnsalz; 



i47 

so verbindet sich deren Grundlage mit dem 'im Was^ > 
ser aufgelösten thieriscben StofTe^ und die Verbin- 
dung fallt als unauflöslich zu Boden» Dieselbe Ver-^ 
änderung erleidet der- tbieriscbe Safl^ wenn man die 
thieriscLe Substanz^ welche denselben enthält^' z. B« 
Fleisch , auf ähnliche Art behandelt. 

Gegön dl^se Erhaltungsweisc des Holzes treten 
jedoch folgende y zum Theil durch die Erfahrung ge-* 
rechtfertigte Bedenklichkeiten ein. 

d) Es ist sehr schwer und vielleicht unmöglich^ 
Bolz von einiger Dicke mit der erforderlichen Salzauf- 
Josung gleichförmig imd durchaus zu imprägniren. ' 
WiU man das Holz so lange im Wasser lassen^ bis der 
innere Kern durchdrungen v ist ^ so wird der äufsere 
T\ieil des Holzes durch die übertriebene Wirkung 
der Flüssigkeit y besonders der frei werdenden Säure, 
in seinem Zusammenhange sehr geschwächt werden. 
£ei dem Fleische thierischer Körper geht diese Im- 
prägnirung viel leichter von Statten, weil der Zusam- 
menhang der Fasern desselben viel geringer isty und 
der Schleim zwischen denselben häufiger vorhanden * 
ist, als im Holze. So lang aber bei dem Holze nicht 
der innere Kern vor dem Verderben geschützt ist, 
ist im Ganzen wenig geholfen ^ weil gerade diese in^ 
neren Theile der gefährlichste Sitz des Übels sind« 

h) Indem die schleimigen und extraktivartigen 
Substanzen der Yegctabilien mit den geeigneten Sal- 
zen unauflösliche Niederschläge bilden/ geschieht 
die Zersetzung des Salzes in der Art^ dafs der gröfste 
Theil seiner Base in Verbindung mit etwas Säure 
(als basische» Salz) mit der veränderten vegetabili- 
schen Substanz in Verbindung tritt 3 der übrige Theil 
der Grundlage mit einem ^öfseren Antheil von Säure 
(als saures Salz) in der Auflösung zurückbleibte Diese 
^.^Hren Salze, welche »onach ;KWischen den Fasern de» 



10 



i48 

Holzes zurückbleiben^ bewirken einen zweifachen 
Nachtheil. Denn i) sind sie in der Reeel zerfliefs- 
lich^ verhindern daher das Austrocknen des auf diese 
Art behandelten Holzes , und befördern seine Fähig- 
keit^ die Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen^ wo- 
durch am Ende doch^ durch allmähliche Umänderung 
des Faserstoffs und selbst des veränderten Schleimes 
die Gahrung wieder eingeleitet wird, a) Wirken sie 
durch die vorwaltende n*eie Säure, besonders wenn 
diese Säure ^ wie in dem vorliegenden Falle bei der 
Anvvendung des Eisenvitriols^ eine mineralische Säure 
ist^ theils unmittelbar zerstörend auf den Zusammen- 
hang der Holzfaser^ theils bilden sie aus derselben 
Schleim^ in welchem dann neuerdings die Gährung 
eingeleitet wird. 

Will .man das Holz ^ statt in einer Salzauflösongy 
in einer Säure maceriren^ so dürfte^ da die^ Säure 
zu gleicher Zeit eben sowohl auf die schleimigen 
Theile als auf die Faser wirkt ^ der eben erwähnte 
^^achtheil noch mehr eintreten. 

Eine jedoch nur im Kleinen ausfuhrbare Art, mit 
fremden Stoffen die Poren des Holzes auszufiillen^ 
besonders ^ wenn dieses erst vorher im Wasser aus- 
gewaschen worden ist (wovon der folgende Artikel), und 
ihm dadurch eine Art künstlicher Versteinerung zu 
geben j besteht darin ^ dafs man das Holz in eine Auf- 
lösung von Kicseikali (Kiesclfeuchtigkeit) legt; es so- 
nach etwas abtrocknet^ sodann in verdünnte Schwe- 
felsäure bringt; es hierauf in reinem Wasser einige 
Zeit hegen ^ und endlich trocknen läfst. 

IV. ' Nach allem Bisherigen mufs das gründliche 
Mittel zur Bewahrung des Holzes vor dem frühzeiti- 
gen Verderben in der gänzlichen Wegschaffung der 
durch Wasser ausziehbaren Theile aus demselben 
gesucht werden ; weil dadurch das Eintreteu jener 



•i 



«49 

KerstSrenden Zersetzung unmöglich oder aufserordent* 
lieh erschwert Vficd. 

Diese Wegschaffung geschieht mehr oder weni- 
ger vollkomKnen : 

i) durch das allmähliche Auswaschen des 'Holzes 
in kaltem Wasser oder in andern Flüssigkeiten; 

a) durch das Auskochen desselben in Wasser: 

3) durch die Behandlung desselben mit Wasser- 
dämpfen. 

L Wenn Holz auf allen Seiten mit fliefsendem 
Wasser umgeben ist^ oder in einer Lage sich befm- 
det, wo viel Wasser zu seiner Oberflache Zutritt hat; 
so ist es der Vermoderung und Fäulnifs nicht unter- 
worfen. Das Wasser nimmt zuerst aus der Oberfläche^ 
dann allmählich aus dem Inneren die auflöslichen 
TheÜe mit sich fort^ und entfernt sonach die Uisache 
der Zerstörung. Dieser Erfolg ist um so vollständi- 
ger, je schneller das Wasser wechselt^ z.B. in einem • 
Flusse. In dem Mafse , als das Wasser die auflösli- 
eben Theile aus dem Holze fortnim.mf, setzt es an de- 
ren Stelle feine erdige Theile , die es mit sich iuhrt, 
iu demselben ab^ und bewirkt unter gewissen Um- 
standen allmählich verschiedene Gradationen von Ver- 
steinerungen. . 

Es ist bekannt 9 dafs Holzwerk, welches sich un- 
ter dem Wasser befindet, vorausgesetzt, dafs* dieses 
Wasser selbst nicht stagnirend und mit faulenden 
PflaDzentheilen überfüllt sey, eine sehr lange Dauer 
habe. So die hölzernen !Brückenp{ähle in aen Flüs- 
sen. Aus derselben Ursache ist geschwemmtes Holz 
ttnd Treibholz, welches längere Zeit im Wasser ww 



i5o 

dem Vermodern weit weniger ausgesetzt^ als aus^ 
ßerdem. 

m 

Dafs das Bauholz dadufch^ dafs inan es vorher 
längere Zeit im Wasser liegen läfst^ eine längere Dauer 
erhält^ ist eine schon ziemlich alte Erfahrung. In 
Holland, in Spanien und in Ostindien wurde schon 
vor längerer Zeit das Schiffbauholz im Wasser aufbe- 
wahrt, hevor man es verwendete. 

Wenn das Auswaschen des Holzes im Wasser 
flir dessen Erhaltung die gehörige Wirkung haben 
ßoü^ somufs dabei Folgendes beobachtet werden. 

a) Das Einlegen in das Wasser mufs, so viel mög- 
lich, bald. nach dem Fällen des Holzes geschehen; 
weil dann der Saft noch wenig verhärtet ist, daher 
von dem eindringenden Wasser desto leichter und 
ohne die Faser zu sehr zu erweichen , mit fortge- 
ponrnien wird* Diese Operation geht schwerer mit 
dem schon ziemlich eingetrockneten Holze von Statten, 
weil dessen Poren schon mehr verschlossen sind : die 
Wirkupg des Wassers mufs in diesem Falle länger 
f^nhalten, und bt dann immer mit einiger Schwächung 
des Holzes verbunden. 

6) Das strömende Wasser eines Flusses eignet 
^Ich am besten zu diesem Auswaschen des Holzes. 
Ist das Wasser stagnirend, so kommen in demselben 
die schleimigen Theile , welche es aufgenommen hat, 
hald in Gährung, welche sich dann auch dem Holze 
piittheilt. Wenn das Holz in den Flufs eini^elegt 
wird; so gibt man ihm eine solche Lage, dafs das 
untere Ende des Baumes oder Balkens stromaufwärts 
jsteht; indem nian beobachtet hat, dafs das Wasser 
das Holz nach seiner Länge leichter in der Richtung 
durchdringt , in welcher der Saft in *^em HoUe de$ 
ßwi^e$ ia die Höbe jsteigt. 



i5i 

c) Wenn das Holz Linreichcnd maccrirt ist; so 
wird es herausgenommen^ auf eine trockene Unter-« 
läge (trockenen Sand oder 'Steine) gelegt, und der 
fieicn Luft zum Austrocknen überlassen. Es ist am 
besten^ wenn man das Holz im Herbste aus dem Was- 
ser nimmt ^ um es im Winter an der Luft liegen und 
austrocknen zu lassen ; damit es bis zum Eintritte der 
Wärme schon den ge|iorigen Grad von Trockenheit 
erreicht habe. 

/■ 

In den Seehäfen verrichtet man dieses M aceriren 
oder Auswaschen des Schiffbauholzes durch Einlegung 
desselben in da3 Meerwasser. Dieses wirkt allerdings 
auf dieselbe Art ^ als das Flufswasser, und durch sei- 
nen Gehalt an Kochsalz und die Koagulirung eines 
Theiles des Schleimes durch dasselbe wird die Wir- 
kung yielieicht noch befördert. Der Gehalt des Meer- 
wassers an zerfliefslichen Salzen , besonders der Salz- 
säuren Bittererde y bewirkt jedoch durch die Vermeh- 
riuig der hygroskopischen Fähigkeit des Holzes einen 
Nachtheil 9 der heaeutend genug ist. Das Holz, wel- 
ches durch den Gehalt an zerfliefslichen Salzen immer 
mehr oder weniger in einem feuchten Zustande sich 
erhält, wird nie eine sehr lange Dauer erhalten, weil 
auch eine geringe Menge zurückgebliebener schleimi- 
ger Stoffe die Gährun geinleitet, und durch eben diese 
wieder ein Theil der Holzfaser angegriffen, in Schleim 
verwandelt (gleich dem auflöslichen Stärkmehl , wel- 
ches durch Gährung verändert und auflöslich wird), 
und so die Verderbnifs immer weiter verbreitet wird. 
Das im Seewasser macerirte Holz^ hat ferner auch den 
Nachtheil , dafs das Eisen in demselben leicht rostet 
und zerstört wird. 

Soll das Holz^ in *8tagnirendem Wasser, z. B. ih 
gröfsen Behältern, macerirt werden,, so mufs man in^ 
demselben solche Salze auflösen, welche die Gährung 
des ausgezogenen Schleimes verhindere. Hieher ge- 



i5a 

hört zum Theil das oben nach Chapman angegebene 
Verfahren, indem bei demselben auch ein Theil des 
Schleimes aus{;ezogen und durch die Salzauflösung 
koagulirt wird* Am brauchbarsten hierzu iväre das 
Kochsalz, i/velches keine zerfliefslichen Salze enthilt 
(oder auch das Meerwasser, in welchem man die zer- 
fl^fslichen Salze durch etwas Schwefelsäure zer- 
setzte) 5 weil «s in diesem Falle den Zweck erfiillr, 
ohne die oben erwähnten Nacht heile mit sich zu 
fuhren. 

Statt der Eisenvitriols^uflösung könnte fiir den 
Fall, als man die Macerirung des Holzes in Gruben 
vornehmen will, wahrscheinlich vortheilhafler und 
mit Vermeidung der oben angereglen Nachtheite die 
Holzsäure angewendet werden, in welcher man Ei« 
sen aufgelöset hat. Man miifste zu diesem Behufe 
die ungereinigte und noch mit Theer und ätherischem 
Ohle vermengte Holzsäure nehmen , wie sie unmittel- 
bar aus der Destillation oder Schweelung des Holzes 
erhalten wird. Di^ Essigsäure würde das Ausziehen 
der auflöslichen Theile aus dem Holze befordern, der 
ausgezogene Theil durch das E^isenoxyd seine Gäh- 
rungsfahigkeit verlieren; der noch im Holze zurück* 
bleibende Theil der gährungi»fähigen Stoffe durch das 
Eisenoxyd gleichfalls unauflöslich werden, und die 
Faser selbst sich zugleich mit dem entnalteqen Theere 
und Ohle verbinden. Wahrscheinlich steht jedoch 
dieser Anwendungsweise der Uolzsäure im Grofsen 
^hr Preis entgegen. 

Obgleich das Maccriren oder Auswaschen des 
Bauholzes im Wasser unter den oben angegebenen 
Bedingujigen in jedem Falle der längeren Erhaltung 
desselben sehr zuträglich ist; so sind mit diesem Ver- 
fahren doch einige Unvollkommenheiten verbunden, 
die seinen Werth veringern. i) Das ausgewaschene 
]t|olz w^r4 sne^iifisch leichtpr^ als vorher^ und erhält 



i53 

im Ganzen ein geringeres Tragvermogen ; weil die 
Holzfasern^ zwischen welchen das kalte Wasser die 
aoflöslichen Theile weggenoounen hat^ sich nach dem 
Austrocknen nicht mehr fest zusammenfügen ^ das 
Holz also eigentlich eine mehr lockere Textur erhält. 
2) Dagegen erhöht sich aus demselben Grunde seine 
Biegsamkeit und Elastizität, was in einigen Fällen zwar 
vortheilhaft y in andern aber wieder nachtheilig ist. 

3) Lafst man das Holz zu .lange in der Macer a- 
tion^ so werden die Fasern desselben so erweicht^ 
dafs der Zusammenhang des Holzes an der Aufsen- 
fliehe nicht nur verloren geht, und dadurch ein Holz- 
Teriust entsteht; sondern das Holz erweitert seine 
Poren dergestalt, dafs es, wie man zu sagen pflegt, 
wassersüchtig wird, indem es eine sehr grofse Menge 
Wasser aufzunehmen im Stande ist, die es unter 
günstigen Umständen nur langsam wieder verliert. 
4) Das Auswässern des Holzes wirkt, zumahl bei dik- 
leren Stämmen, wenn man das so eben berührte Ver- 
derben vermeiden will , nie so vollkommen , dafs die 
ausziehbaren Tlieile auch aus dem inneren Kern ganz 
oder grüfstentheils weggenommen werden , daher Mn 
diesem Theile noch der Keim des Übels zorückbleibt. 
An Stämmen, welche im Wasser ge9.chv^emmet oder 
macerirt worden sind, bemerkt man daher gewöhnlich, 
dafs die äufseren Theile gesund bleiben , die inner- ' 
ixävk aber von der Verraoderung ergriffen werden. 

Über die Zeit^ binnen welcher man das Holz im 
Wasser lassen darf, läfst sich nichts sicheres bestim- 
men, da dieses von der Natur des Wassers, von der 
Wärme der Jahrszeit, von der Beschaffenheit des Hol- 
zes und der Dicke der Stämme abhangt. Im Allge- 
meinen kann man das Holz nach dem Fällen durch 
die Sommermonate über im Wasser lassen, und es 
dann , wie obeil bereits erwähnt worden , im Herbste 
herausnehmen, um es gut austrocknen ^u lassep. 



i54 

Das auf diese Art behandelte Hok, wenn es zum 
Brücken - oder Schiffbau verwendet wird , mufs nach 
seinem völligen Austrocknen mit einem der oben be- 
schriebenen FimifsüberjKÜge vollkommen gedeckt 
werden. 

n. Wirksamer zur Entfernung der ^nflöslichcn 
Theile ist das Auskochen des Holzes in siedendem 
Wasser. Hierbei geht die Wegschaffung jener Theile 
nicht nur schneller und ohne alle eintretende Gab- 
rung der umgebenden Flüssigkeit von Statten; son- 
dern das HciJuE bleibt auch in seiner Textur fester, 
als bei dem Auswaschen im kalten Wasser. Denn 
durch die von der Wärme bewirkte Ausdehnung wer- 
den die Kanäle des Holzes erweitert, und der auflös* 
liehe Stoff dadjirch von dem heifsen Wasser und ohne 
tnechanisohe. Abspülu^g der anliegenden Fasern hin^ 
weggenommen; bei dem Erkalten und Austrocknen des 
Holzes hingegen ziehen sich die Holzfasern wieder 
zusammen; so dafs die Festigkeit des Holzes dabei 
wenig oder nicht vermindi^rt wird. 

Da diese Methode jedoch nicht im Grofsen, son- 
dern nur bei kleineren Hohstücken anwendbar ist ; so 
.erwähne ich auch hier nicht anderer Flüssigkeiten, 
Welche zu diesem Auskochen statt des Wassers ver- 
wendet werden könnten. Mur bemerke ich, dafs mir 
reines Wasser ohne allen Zusatz für diesen Zweck 
das tauglichste Mittel scheint, wenn etwa nicht die 
oben erwähnte holzsaure Eisenauflösung sich in der 
Erfahrung mit einigen Vorzügen erweisen sollte. 

9 

UI. Vollständiger, als durch alle bisherigen Mit- 
tel wird das Holz von seinen auflöslichen Theilen be- 
freit, und dadurch vor der Vermoderang und Fäul- 
nifs geschützt, durch das Auslaugen desselben mi^ 
Wasserdampien, 



i55 
Diese Behandlungsart hat wesentliche Yortheile : 

I ) Sie ist in jedem Mafsstahe aasfuhrbar und für 
den i^chifflbau ohne Schwierigkeit anzuwenden. 

3 ) Das Holz wird durch dieselbe Yon allen auflos- 
hchen Theilen befreit. 

3) Das Holz^ welches diese Operation überstandeii 
hat^ hat an seiner Haltbarkeit^ besonders wenn 
auf die weiter unten zu erwähnende Art vorge^ 
gangen wird^ nichts verloren; aus demselben 
Grunde^ welcher im Vorigen bei der Einwirkung 
des siedenden Wassers erwähnet worden ist: 
es hat vielmehr ein festeres und dichteres An- 
sehen^ und scheint an Zähigkeit der Fasern zu- 

*" genommen zu haben. 

4) Es erhalt^ wenn es nach der Operation abge- 
trocknet ist (welches in sehr kurzer Zeit an freier 
Lufl erfolgt)^ beständig seinen trockenen Zu- 
stand^ und nimmt aus der Luft keine Feuchtig- ^ 
keit mehr an. Nässe schadet ihm nicht mehr«. 

5 ) Es ist unmittelbar nach der Operation selbst in 
starken Stücken leicht biegsam ; was für den 
Schifibau vpn grofsem Yortheil ist ; da . diese 
Biegung^ weil $ie in allen Theilen gleichmäfsig 
erfolgt^ und^ da keine Fibern zerrissen oder zer- 
brochen werden^ die Stärke des Holzes nicht 
vermindert* 

Bei dem Autlaugen des Holzes vermittelst der 
Wasserd^mpfe fliefst eine bräunliche Brühe ab^ welche 
c|ie aus dem Holze entfernten schleim- und gerhe- 
stoShaltig^n Substanzen enthält. Diese Brühe eignet 
sich zur Gerbung des Leders y und vertritt die Stelle 
«ines Lobee^traktes/ E« is( wahrscheinlich ^ dafs 19 



i5(5 

dieser Operation des Auslangens der mit dem heifsen^ 
aus den kondensirten Dämpfen gebildeten, Wasser 
verbundene Gerbe- und ExtraktivstofT die Holzfa- 
ser durch eine Art von Gerbung fester macht (auf 
ähnliche Art, als die Flachs und Hanffaser durch die- 
selbe verstärkt werden kann)> und dadurch die Holz-^ 
textur befestigt. 

Seit einigen Jahren ist die Methode, das Holz 
taiit Wasserdämpfen auszulaugen, fiir das zu feineren 
Tischlerwaaren, besonders musikalischenlnstrumenten, 
bestimmte Holz zur Ausfuhrung gebracht worden, um 
das Werfen dieses Holzes nach seiner Verarbeitung 
zu hindern \ was vollkommen dadurch erreicht wird» 
weil dieses ausgelaugte Holz schneQ austrocknet , und 
dann trocken bleibt. Ein Wagner in Bregenz hat 
sein Werkholz mit Wasserdämpfen auf gleiche Art 
behandelt, nm die Radfelgen aus demselben zu biegen. 

Die Anwendung der Wasserdämpfe auf die Prä- 
servierung des Holzes vor der Fäulnifs, sowohl zum all- 
gemeinen Gebrauche als im hesondern zum Schiflfbau, 
ist indessen neu, und noch von Niemanden weder 
vorgeschlagen noch ausgeführt worden. Sie scheint 
übrigens das einzige Mittel, diesem Übel vollständig 
zuvor zu kommen, und überhaupt dem Brücken- und 
Schiffl^au ein Material zu verscaaffen , dafs das Ge- 
genwärtige an Dauerhaftigkeit in jeder Hinsicht über- 
trifft, und immer gleiche Beschaffenheit hat; das 
Holz mag übrigens 2u irgend einer Jahreszeit gefället 
worden seyn. 

Mit Wasser vermengt verflücBtigt sich der aus 
Holz oder Steinkohlen gewonnene Theer in der Sie- 
dehitze zugleich mit den Wasserdämpfen. Über die 
vereinte Wilrkung dieser beiden Subsunzen habe ich 
einige Versuche angestellt, welche beweisen, dafs in 
dieser Verbindung der Theerdampj das Holz durch- 



i57 

dringt^ und sich mit seinen Fasern verbindet^ wo- 
durch das Holz eine noch gröfsere Haltbarkeit und 
Festigkeit erhält. 

Zu diesem Behufe wurden Stücke Eichenholz zu- 
erst mittelst des Wasserdampfes behandelt^ und nach-« 
dem deren Auslaugung so weit gediehen war^ dafs der 
wässerige Elxtrakt mit heller Farbe ablief , aus einem 
Kessel^ in welchem Theer und Wasser sich befan- 
den y die Theer - und Wasserdämpfe in den Behälter 
geleitet^ in welchem die Holzstücke lagen. Es zeigte 
sich^ dafs diese Stiicke von dem Theerdampfe gehö- 
rig waren durchdrungen , und mit den Theertheilen 
imprägnirt worden. Der Theer aus Holz leistet die- 
selbe Wirkung. 

Diese Holzstiicke hatten an ihrer ursprünglichen 
Beschaffenheit siehr gewonnen. Das Holznatte^ ohne 
Risse zu echalten^ sich in einen etwas kleineren Raum 
zusammengezogen y und sein spezifisches Gewicht 
vermehru Es war bedeutend härter und dichter ge- 
\vorden; so dafs der Hobel ^ mit welchem einige 
Stücke abgezogen wurden y sich bald abstumpfte^ 
was der festen Verbindung der Theertheile mit der 
Holzfaser zuzuschreiben war. Einige Stücke^ welche 
in feuchte Dammerde gelegt worden waren y zeig* 
ten nach mehreren Monathen keine wahrnehmbare 
Veränderung. Ein solches Stück Holz wurde einige 
Zeit lang in Wasser eingeweicht. Von der Quantität 
Wasser, welche es aufgenommen hatte , Terdunstete 
bei einer Temperatur von 12^ R. der vierte Theil in 
den ersten zwei Stunden^ nach vier und zwanzig Stun-« 
den war der übrige Theil gänzlich verdünstet; so 
dafs das Stück Holz wieder eben so viel wog^ als 
vorher^. 

Um diese Dampfauslaugung des Holzes^ zu bewir- 
ken y erbaut man einen vierecki]gen hölzernen Kasten 



i58 

von^eliebiger Länge und Breite^ dessen Seiten wände 
ziemlich dampfdicht schliefsen^ und an dessen Vor- 
der - oder Hinterseite eine Thiire zum Eintragen des 
Holzes befindlich ist. Ist der Kasten damit angefüllt 
worden; so wird aus einem benachbarten Dampfkes- 
sel vermittelst einer in der Nähe des Bodens sich ein- 
mündenden Röhre der Kasten mit Dampf gefüllt. Die- 
ser Dampf durchdringt die Zwischenräume des Hol- 
zes ^ erweicht die mehr oder weniger verhärteten, 
schlcjimigen und extraktivstpfiartigen Substanzen, wel- 
che sich in dem Kondensationswasser auflösen, und 
mit diesem durch eine am Boden befindliche, mit ei- 
nem Stöpfel oder Hahne verschliefsbäre Öffnung ab- 
fliefsen. 

Für die. Auslaugung des Schiffbauholzes^ welches 
bereits die nöthige Zimmerung erhalten hat, hat die 
Ausfuhrung dieser Vorrichtung keine Schwierigkeit; 
indem der Kasten wenigstens die Lange der längsten 
Holzstücke und eine angemessene Gröfse erhält. Zur 
Herstellung dieses Kastens, welchem eine Länge von 
60 Fufs, auf i5 Fufs Breite und 18 Fufs Höhe gege- 
ben werden kann, wird ein viereckiges Gerüste aus 
Zimmerholz errichtet, und dasselbe auf allen Seiten 
mit starken, wohl an einander gefügten , und zum 
festen Zusammenhalt mit Querleisten überlegten Boh- 
len oder Bretern bekleidet, deren Fugen mit Hanf 
oder aufgetrödeltem Tauwerk ausgestopft werden. 
Die beiden schmalen Seiten an den Enaen des Ka- 
stens sind vermittelst Thürangeln beweglich , um das 
Holz ohne Hindernifs in denselben einschieben zu kön- 
nen. Nach ihrer Verschliefsung werden die Fugen 
mit altem Tauwerk versiopft. An der oberen Seite 
des Kastens kann eine Klappe befindlich seyn, um 
bei Anfang der Opert^tion der enthaltenen atmosphäri- 
schen Luft einen schnelleren Abzug zu vcrschafien. 

In der Mitte der Längendimension des Kasten» 



i5^ 

Vfird, inv einiger Entferniing von letzterem^ ein Ofen 
mit dem Dampfkessel angebracht^ aus ^/velchem sich 
eine gehörig weite Röhre in die Seitenwand des Ka- 
stens einmündet* Für die vorliegenden Dimensionen 
hätte wahrscheinlich dieser Kessel, *um die Arbeit 
gehörig zu beschleunigen^ ' Gröfse genug, wenn er 
eine Fläche von loo Quadratfufs dem Feuer aussetzt, 
oder eine I^änge von lo Fufs, 4 Fnts Breite, 5 Fufs 
höhe hat, und 3 iFufs hoch mit Wasser gefüllt ist. 
Die OjSeration wird beendigt, wenn das aus dem Ka- 
sten abfliefsende Wasser (Holzextrakt) nicht mehr be- 
deutend gefärbt ist. Ein anderer ähnlicher Kessel 
kann die Mengung ans Theer und Wasser enthalten. 

In einem solchen Kasten.können binnen wenigen 
Tagen bei 7000 Kubikfufs Holz zubereitet werden. 
Der Aufwand an den zur 'Heitzung erforderlichen 
Steinkohlen kann durch das als Gerbemittel anw^end- 
bare Holzwasser , welches bald-Anwerth finden wird, 
zum Theil ersetzt werden. Der hölzerne Kasten dient 
fiir langen Gebrauch, und bedarf nur von Zeit zu 
Zeit der Reparatur, um den Dampfverlust durch die 
Fugen zu vermeiden. Ist er einige Zeit im Gebräuche 
gewesen, und das Holzwerk desselben selbst vollstän- 
dig ausgelaugt, so hört dessen Schvnnden auf, un4 
er wird sonach immer dauerhafter. ^ 

Das aus dem Kasten genommene und der freien 
Luft ausgesetzte Holz wird bei günstiger • Witterimg 
in wenigen Wochen trocken und fest, da das Was- 
ser in demselben nicht mehr *durch die chemische An- 
ziehung der schleimigen und extraktiystoffartigen 
Theile zurückgehalten wird, und durch die Imprä<* 
gnirung mit dem Theer dasselbe schon gröfstentheils 
aus den Fasern abgesondert worden ist. 

Die Zeit, innerhalb welcher das Holz von den 
Dämpfen gehörig ausgelaugt uiid dujch<}rungei% würd^ 



i6o 

hängt bei gleicher Dampfinenge von der Dicke des- 
Holzes ab^ Stücke von 4 Zoll Dicke werden bei ge^ 
höriger Dampfinenge in' acht und vierzig Stunden fer- 
tig. Bei dicken Balken könnte die Operation dadurch 
beschleunigt werden , dafs man in einiger Entfernung 
Löcher in dieselben bohrt , die man nach der Vol- 
lendung mit demselben zubereiteten Holze wieder ver- 
keilt, nachdem man in diese Locher vorher ausge- 
kochten, und nachher mit etwas Terpentinöhl ver- 
setzten , Steinkohlentheer gefüllt hat. 

Das auf diese Art vermittelst der Wasser- und 
' Theerdämpfe zubereitete Holz zeigt sich in allen Rück- 
sichten als ein vollkommenes und edleres Material. 
Es nimmt den heifsen Steinkohlentheer sehr leicht 
und bis zu bedeutender Tiefe auf, und widersteht 
sonach eben so dem Wurmfrafs als der Fäulnifs. 



C. Berechnung 

über den Geldwerth d6r im Jahre 1819 in Böhmen^ 

Mähren und Schlesien produzirten Steinkohlen 

und Braunkohlen. 















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Zur Seite 163« 



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Ar- 
beiter. 



Scbwefel und Oleumliütte . • • . 
Schwefel , Vitriol und Vitriolöbl . . 

Kodauer Steingut 

Alineralwerk Altsattel und Oleuinliütto 

Yitriolhütte • • . • 

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Forzellanfabrik bei Scommer . . • 
\tAltsattlerM\xxeTa\yveTk^Eahogner \ 

W Porzellan fabrik •••*./ 
Dolwit^r Steingutfabrik 



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Magnesia-Laboratorium • . . • • 

SeidschÜtier Bittersalz - Laboratorium 






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Breis. 


Herrsebftft. 


Ausbeute 


Valor, 


Geldbetrag. 


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Kreis. 



Herrschaft. 



Ausbeute 



Valor. 



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Geldbetrag. 



fl. I kr. 




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Schatilar . . 

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Bischowstein 

Kumburg « 



Grafenstein 



Osslawan . . 



Bossiti^ und / 
Michhörn \ 



Boskowiti . 
Bossin • . . 

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Polinisch' 



Ostrau 



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4440 
4535»/, 
44561% 
9206 
7100 

8823 

4442 

i338 
100 



7549 

Zentner. 
26625 

Tonnen. 
1874 

Zentner. 

1440 
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i5ooo 

4lS92 

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Summa 



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40«/, 
35 

7% 



490640 



7209 

900 

S552 

36i8 

22280 

1495 

355o 

3676 

1776 

334 

100 



S774 



15087 



859 



720 
21750 

10125 

24046 

94359 
639866 



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X. 

Über die kaiserl. königl. Salinen des' 

adriatischen Meeres. 



JLlie nachfolgende Darstellung ist ein Auszug 
aus einem ämtlichen y von der hohen k. k. Kommerz- 
l)ofkommis3.ion zur Benützung fiir diese Jahrhücher 
initgetheilien^ Berichte des Herrn Albert Patzowtkjr, 
Salinenoberinspektors von Saöudr, als L k. Salinen- 
Untersuchungs-Hofkommi$sär im Kästenlande , dato 
24- März 1820, 

I. Geschichte* 

Die Safcerzeugung an den Küsten des adriati* 
sehen Meeres war schon \h den ältesten- Zeiten ein 
beträchtlicher Nahrungs- und Handelszweig. Cassio- 
dar, der Geheimschreiber Theodorichs , des Königs 
der Gotheny spricht von ihr^ als einer schon lang 
bestehenden Anstalt^ für deren 'Produkt sich die Kü- 
stenbewohner ihre übrigen Lebensbedürfnisse ein- 
tauschten. Die geschichtlich erhobene Dauer der 
adriatischen Meersalzerzeugung läfst sich also bis in 
das Jahr 538 christlicher Zeitrechnung nachweisen. 

Die Venetianer haben diesem Erwerbszweige eine 
vorzügliche Aufmerksamkeit geschenkt, ihn in der - 
ganzen Ausdehnung ihrer Seebesitzungen eingeführt 
und mit der gröfsten Eifersucht die Nachbarstaaten 
\on demselben hintanzuhalten gesucht. Sie zerstör- 
ten als Sieger fremde Salinen, und schüuten als Be- 
lagerte die ihrigen 1 durch feste Werke. Sie mafstea 



107 

5ich mit Gewalt an^ oder bedungen sich in Tracta- 
ten, nicht nar den Alleinhandel, sondern auch die 
aasschliefsliche Verführung des Salzes, auf dem adria- 
tischen Meere. Die Triester haben die Kühnheit^ 
Salinen zu begründen , mehr als ein Mahl theuer ge^. 
biifst^ ihre Aiilagen wurden in mehreren hartnäcki- 
gen Kämpfen mit dem Blute ihrer Bürger getränkt. 

Als Triest mit seinem Gebiethe an das Haus 
Osterreich überging y war die inländische Meersalzer-% 
leugung auf die zwei Etablissements von Triest 
selbst^ und von Zaule beschränkt. Durch die Erhe- 
bang dieses Platzes zum Freihafen machte auch noch 
das erstere der schönen TTieresienstadt (Vorstadt) 
Platz. Allein die Eroberung Istriens hat dem Staate 
in Muggia j Capodistria und Pirano einen sehr an- 
sehnlichen Zuwachs verschafft; die Wiedereinverlei- 
bung Dalmatiens in Arbe, Pago und Dignisca den- 
selben beträchtlich erweitert ; endlich die Acquisition 
Ragusas auch in Stagno eine, dem Staatsschatze 
eigenthümliche^ Anlage mitgebracht. ' 

2. Areale sämmtlicker Anlagen. 

Der Flächeninhalt des gesammten salzerzeugen- 
den Bodens kann für diesen Augenblick nicht mit 
Bestinuntheit angegeben werden. Erst die beabsich- 
tigte Katastrirung der istrianer und die wahrschein^ 
lieh darauf folgende der dalmatinischen Salinen wird 
hievon die wünschenswerthe Evidenz gewähren. In- 
zwischen können nachstehende Data annäherungs- 
weise angenommen werden. 

Im triester Gebiethe • 179,533 Q Kllt. 

» .istrianer dto. . 3^ 4 13,898 dto. 

In Oberdalmatien . 409^938 dto. 

» Ragusa . * • 83,9 01 dto. 

4,086,349 G Klfk. 



iG8 

Hievon sind Ararialeigenthum : 

im iriester Gebiethe . . 1 8,980 D Klft. 

» istrianer dto. . . 182,102 dto. 
in Dalmatien .... 101,997 dto. 

^98,079 G Kift! 

Alles Übrige gehört Privaten, welche die Ver- 
pflichtung auf sich haben , das erzeugte Salz , gegen 
von Zeit zu Zeit bestimmte Einlösungspreisc , in die 
k. k. Magazine zu hefem. 

3. Lage und Gestaltung einer Meersaline. 

Meersalinen sind gröfsere oder kleinere Erdflä- 
chen, geMVöhnlich in Buchten angebracht, durch stei- 
nerne Schutzdämme vor der Gewalt des Meeres ge- 
sichert , und in mehrere Besitztheile geschieden. Je- 
der solcher Besitztheil heifst ein Salzgarten , von der 
Ähnlichkeit der Abdünstungsbehälter mit Gartenbee- 
ten 3 die Gesammtheit solcher Salzgärten macht ein 

Salinenetablissement aus. 

» 

• 
. Da die Buchten gewöhnlich von zwei, auch von 
drei Seiten von Hügelketten begränzt sind , so ist die 
Lage einer Saline um so vor th eilhafter , je mehr sie 
der Mittagssonne ausgesetzt ist, und von den in der 
Gegend herrschenden Winden bestrichen werden 
kann : weil die Sonnenhitze die Erwärmung und Ver- 
dunstung des Meerwassers bewirket, die Winde aber 
die davon aufsteigenden Dünste wegführen müssen. 

Daher sind sonnenhelle Tage, mit etwas Wind^ 
der Salzerzeugung forderlich j trübe Tage derselben 
hinderlich; Regenwetter ihr verderblich, weil das 
letztere nicht nur die Verdunstung hintanhält, son- 
dern, das schon zur Soole gesättigte Meerwasser ver- 
dünnt^ die Gründe entsalst und verdirbt* 



x6g 

Zu hohes Gebirge wirfk Schatten^ und hindert 
den Zug der Winde. Aufser diesem ist beiSaliiren- 
anlagen jede Art von Flufswässern zu vermeiden, 
oder diese, da sie doch auch für die Abfuhr des er- 
zengten Salzes in die Magazine Dienste thun, mit 
haltbaren und hinlänglich hohen Dämmen zu ver- 
sehen. 

4- Eintheilung eines Salzgartens. 

Da die Zerfallung eines Salzgartens ia seine Beete 
grofstenthcils von dem herrschenden Klima des Lo- 
kals abhängt, so ist, alles vs^'ohlerwogen , ^ für die 
ganze Ausdehnung der k. k. adria tischen Meeresküste, 
die auf dem Idealgrundrisse,^Taf III., Fig. i, angege- 
bene Eintheilung die vortheilhafteste. Jedoch mufs 
dabei bemerkt werden, dafs die See gewöhnlich nur 
an einer Seite anspült, folglich auch der hier ringsum 
angebrachte Haupt^chutzdamm nur an derselben ge- 
baut wird. 

% • ' • 

Hiemach wäre also von dieser Seite 
d) das Meer; 

b) der Steindamm, welcher die Anlage vor dem 
Hochwasser des Meeres schützt; 

c) der Graben, welcher einenhinlänglichen Vor- 
rath des frischen Meerwassers aufnimmt , . um die 
übrigen Beete Wenigstens^ durch fünfzehn Tage spei- 
sen zu können. Man legt ihm in Istrien den Nahmen 
des Fosso ConsersfUtore bei. Das Meerwasser \^ird 
darin nach Umständen bei drei Schuh hoch gehalten ; 

d) der zweite Rezipient (Moraro di fosso) cr^ 
hält aus diesem Vorrathsgraben mittelst des hollänai- 
sehen Schaufelwurfes das schon etwas erwärmte See- 



170 

Wasser , und wird auf eine Höhe Ton vier Zoll damii 
gefüllt ; 

e) ist der Platz ^ wo die holländische Schaufel 
angebracht ist; 

/) der dritte Rezipient (Moraro di Mezzo) wird 
auf drei Zoll mit Wasser angelassen^ welches hier 
schon von sich selbst durch die kleinen Danunöffnun- 
gen einfliefst; 

g) der vierte Rezipient (jCorbolo) erhält zwei Zoll 
Wasser ; * 

h) der fünfte fSopra CorboloJ nur einen Zoll j 

i) der sechste f^ServitorJ mit einem halben ZoU 
Wasser. Dieses ist hier schon auf den Vorhergehen- 
den Ausdiinstungstafeln bis zu dem Grade einer voll-- 
kommenen Salzsoole gesättigt; 

Ar) die Soggungsbeete (Krystallisationsbeete, Ca- 
pedini), welche nicht mehr als einen Viertel- Zoll der 
Soole aus ihrem umnittelbareu Dienstbeete erhalten} 

Q ist ein kleiner Ableitungskanal der sülsen 
Wäsierj 

m) der grolse Graben zur Ableitung sämmtlicher 
Regenwässer j welche durch die Schleufse 

n) hinausgeleitet werden; 

o) die Schleufse des Yorraths-- oder Meerwasser- 
grabens ; 



p) die kleinen Abtheilungsdämme; 



ij) die kleinen Einlafsoflnungen in den ABthei- 
lujDgsdämnien ; 

r) eine Erderhöhung ^ auf welcher da^ Salzhäus** 
eben zu stehen kömmt : 

s) das Salzhäuschen, welches wenigstens die 
Hälfte des wahrscheinlichen Jahresproduktes fassen 

muftf; 

i) trichterförmige Gruben, in welchen die Soole 
aufbewahrt wird. 

S. Fernere Beschaffenheit 

Bei der so eben geschilderten Struktur eines 
Salzgartens mufs vorzüglich das Yerhältnifs der Beete 
gegeneinander auf das Genaueste beobachtet werden, 
weil man nur dadurch die steigende Ansättigung des 
Meerwassers bis zur krystallisationsf ähigen Soole erzie- 
len kann. 

Alle Beete , welche einen Salzgarten ausmachen, 
bestehen aus wohl zubereitetem gestampften Thone, 
sind nivellirt und haben die im Durchschnitte des 
Grundrisses, Fig. a. stufenweis angezeigten Fälle , wo- 
durch die Zirkulation der Wässer , und mit ihr die 
Abdünstung befördert wird. 

Sie sind durch kleine Dämme von eben diesem 
Thone geschieden, und haben jene Öffnungen, mit- 
telst welcher das Wasser nach seiner stufenweisen 
Abdünstung aus einem in das andere flieist. Die klei- 
nen Dämme der Setvitori oder unmittelbaren Dienst- 
beete, und die Soggungsbeete selbst, sind mitBretera 
verkleidet , um das Abbröckeln der Erde zu verhin-' 
dem, welche sich mit dem Salze vermengt, selbes 
schwarz und unrein macht. 



172 

Die Soolengruben sind ebenfalls blofs ans ^Tbon 
und mit einem kleinen Dämmeben desselben einge- 
fafst. Die hier aufbewabrte Soole dient dazu, die* 
Beete nach einem Regen, der alles übrige Wasser 
verunedelt hat, nach einiger Trocknung gleich wie- 
der mit derselben zu überziehen , und dadurch einen 
Theil der verlornen Zeit herein zu bringen. 

Die Salzhäuschen, in welche jeden Tag das an- 
geschossene Salz von den Beeten abgetragen wird, 
schützen vor dem Verluste, welchen das Material er- 
leiden würde , wenn es dem Regen ausgesetzt bliebe ; 
befördern den Äbflufs der Feuchtigkeit , und machen, 
dafs das Salz möglichst trocken in die Magazine ein- 
geliefert werden kann. 

6. Vorbereitung zur Fabrikation. 

Da jede Erde, aus welcher die Salzgründe be- 
stehen , ihrer Natur nach mehr oder weniger zerr eib- 
lich, und auflösbar ist, diese Eigenschaft aber die 
Vermengung der Erdtheilchen mit dem Salze begün- 
stigt; so mufs ihr durch eine angemessene Zuberei- 
tung die möglichste Dichtigkeit beigebracht werden. 

Frost und süfse Wässer sind die zwei Haupt- 
feinde der Salzgründe; ihrem schädlichen Einfiiifs 
wird vorzüglich durch Herbst- und Winterarbciien 
begegnet. Im Herbste werden, nachdem man den 
Beeten bei vollendeter Fabrikation einige Ruhe ge- 
gönnt hat, die mittlerweile gefallenen Regenwässer 
davon abgezogen, dieselben einige Zeit getrocknet 
und zylindrirt , dann wieder mit unvermischtem Meer* 
Wasser angelassen, damit sie sich nicht entsalzen. 
Hierauf werden die Schleufsen geschlossen und gnt 
vor dem Einbrüche der Meereswogen geschützt^ de- 
ren Gewalt die Dämme verwüsten , und die geebne- 
ten Gründe aufwühlen würde. Diese Arbeit wird 
nach jedem Regen wiederhohlt. 



173 

Im Winter setzt mfln diese Beschäftigungen fort. 
Tritt aber ein Frost ein^ so mufs insbesondere sorgfältig 
abgeeiset^ der ganze Grund wieder festgestampft^ ge- 
ebnet und wieder unter Meerwasser gesetzt werden. 

7. Salzerzeugung. 

Nachdem im Frühjahre alle Theile der Salzgär- 
ten gereinigt^ geebnet > gewalzt^ alle Abtheilungs- 
dämme gut hergestellt^ und das Ganze gehörig ge- 
troclnet worden i$t^ fängt die eigentliche Erzeugung 
mit dem Einlasse des fiischen Meerwassers in den 
Vorrathsgraben an. Wenn dieses schon einige. Tage 
erwärmt worden ist, wird es in der oben beschrie- 
benen Höhe auf den zweiten Rezipienten mit der 
Wurfschaufel eingeworfen. Hier bleibt es nach Be- 
schaffenheit der Wittertmg einen, zwe*i auch drei 
Tage der Sonne und den Winden ausgesetzt, bis es 
durch Eröffnung der kleinen Schleufsen des Abthei- 
lungsdämmchens in die dritte , von dieset auf eben 
solche Art in die vierte , fünfte und sechste Abdiin- 
stungstafel, und zwar auf Jeder |derselben schon mehr 
gesättigt, überfliefst, nachdem es überall eine ange- 
messene Zeit verdünstet hat. 

Auf der siebenten und letzten Tafel bleibt schon 
die ganz gesättigt eingeflossene Soole selten über 
einen halben Tag stehen, ohne in Kiystalle anzu- 
schiefsen. Wenn diefs geschehen ist, und die Ar- 
beiter bemerken, dafs keine weitere Soggung mehr 
Statt finden wird, so ziehen sie das niedergeschlagene 
Salz mit hölzernen Krücken an die Bänder der Beete 
heraus, .sammeln es dann in pyramidalische Haufen 
zusammen, und tragen dieselben zuletzt in die Salzhäus- 
chen ab. . 

8. Einlagerung in die Aerarialmagazine. 

Wenn die Salzhäuschen gefüllt sind, oder auch 
(da noch xiicht ali^ Salzgärten iijit denselben versehen 



werden konnten) w$nn bevorstehende Regengtis^e 
eine schnelle Einlagerung des in freier Loft anfgebäuf- 
ten Materials heischten, veranlassen die betreSenden 
Salinenämter die Einmagazinirung., 

« 

Zu diesem Ende lassen sie die nothigen Barken- 
eigenthümer von dem Tage, und oft von der Stunde 
der Einlagerung benachrichtigen , die sich dann, mit 
den Frachtscheinen versehen, einstellen, die geladenen 
Vorräthe in die Magazine abführen, und dort untef 
der gehörigen Kontrolle an eigene Magazinsbeamte 
nach dem Zentner Gewicht abgeben. 

^ Da das eingelieferte Salz im Durchschnitte doch 
noch einige Feuchtigkeit hat, so lassen die Salinen-* 
eigenthümer, je nachdem dieses von jeher nach Er^ 
iaarungssätzen auf einem oder dem andern Etablisse- 
ment stipulirt ist, acht, zehn' auch zwölf Prozent über 
das Gewicht einwägen ; welcher Nachlafs dem hoch« 
stenÄrariumzurDjeckuns des Magazinsch wandes, oder 
des sogenannten Callo dient. 

9. Versendung. 

Die betreffenden k. k. Salz-, Tabak- und Stern* 
peladministrationen ordnen die Salzmenge an, wel- 
che an die verschiedenen Yerschleifsämter in klei- 
nen, oder an die respektiven Landesbehörden in 
grofsen Partien abzusenaen sind. 

Die Fracht für jede solche Lieferung wird kon-* 
traktmäfsig bedungen, und der Unternehmer mufs 
unter hinlänglicher Bürgschaft (jedoch mit Ausnahme 
von erwiesenen ^Unglücksfällen) für das zur Verfüh- 
rung erhaltene Ar arialgut haften. 

I o. Salinen Verwaltung* 

In Istrien ist die Salinenverwaltung zweifach. 
Die unmittelbare wird auf jeder Saline von gewähl- 



I7S 

ten Prisidentscbäften des gesammten Eigenüxümer- 
Konsortiums^ die mittelbare von einer in Copodis* 
tria y dem Mittelpunkte der istrianer Salinen - Etablis* 
sementSy bis nun (18:20) nocb provisorisch aufgestell- 
ten k. k. Oberintendanz, an welche die Präsident- 
schaften als ihre unmittelbare etste Instanz mit der 
Parition angewiesen sind, ausgeübt. Sie hat nicht 
nur die ökonomisch- adipinistrativen und technischen 
tjeschäfie der Ararialsalinen , sondern auch jene der 
Privatsalz^ärten zu leiten , und stehet gegenwärtig in 
^Hinsicht der ersteren Gegenstände unter den Befeh- 
len der k. k. Salz- und Zollgeßillen- Administration in 
Laibach y in Hinsicht der letzteren unter jenen de» 
k. k. kiistenländischep Guberniums. Die definitive 
^ Organisirung der gesammten küstenländischen Sali- 
nenverwaltung ist im Werke. 

i.i. Salinenerhaltung, Sozialfond* 

Die Aufrechthaltung dieser Etablissements schei-^ 
det sich in die äufserliche und innerUche. Die äus- 
sere betrifft die gute Beschaffenheit der steinernen 
llauptschutzdämme, dann der Erddämme bei den 
Flüssen und Kanälen; die innere hingegen begreift 
blofs die baurechte Beschaffenheit eines jeden einzel- 
nen Salzgartens. Die Natur dieser Verhältnisse bringt 
also mit sich , dafs jede dieser Aufrechterhaltungsar- 
ten aus einem andern Pond bestritten werde. Daher 
die Hauptschutzdämme, die Flufs- und Kanaldämme, 
u. d. gl. als solche Gegenstände, welche die Gesammt- 
heit der Salineneigenthümer interessiren , aus einem 
gemeinschaftlichen , dem sogenannten Socialfond 
hergestellt zu werden pflegen, indefs die Bauten und 
Aufbesserungen eines jeden einzelnen Salzgartens deni 
Eigenthümer desselben obliegen. 

Der Sozialfond wird gebildet aus sechs , acht bis 
zehn Gulden vom Hundert, welche jeder Salinenei- 
gebthümer Ton dem Einlösungspreise semes 9^ dai« 



176 

Ärariutn abgegebenen Salzes sieb abziehen läfst. Ver- 
waltet und verrechnet wird er. in Istrien unter Kon- 
trolle der Präsidentschaften von der L L Oberinten- 
danz. 

12. Salinendisziplin. 

Die franzosisch - italienische Regierung hat un- 
term 19. Februar 1808 ein Dekret erlassen^ mitteist 
dessen die Disziplin für die istrianer Salinen in ge- 
wisse Grundsätze zusammen gefafst y und welches bis 
heutigen Tag zur Befolgung yorgeschrieben worden 
ist. Da indessen die im Verlaufe der Zeit eingetre^ 
tenen Veränderungen mancher Art in vielen Stücken 
auch eine ^ den jetzigen Umständen angemessene Sa- 
^ linendisziplin nothwendig machen, so ist defsjialb 
ein neues Disziplinar -Reglement im Antrage. 

1 3. Bewachung« 

Zur Salioendisziplin gehört auch die von der 
Staatsverwaltung aufgestellte Bewachungsanstalt, de- 
ren wesentlichste ObUegenheit darin besteht, alle Salz- 
verschleppungen von den Salinen hintanzuhalten, jede 
Art von Kontrebande zu entdecken, die Etablissements 
sowohl im Sommer als im Winter vor den Beschädig 
gungen'zu schützen, welche ihr durch den Fischfang, 
die Weide oder Jagd zugefügt werden könnten. 

Diese Bewachung, sowohl bei Tage als bei der 
Nacht ununterbrochen thätig, ist in Istrien auf zwei 
und fünfzig Wachtposten vertheilt, deren einer von 
dem andern nach Mafs der Gefahr von 180 bis 690 
Klaftern entfernt, und jeder mit einem runden Wacht- 
häuschen versehen ist. Bei vollzähligem Stande soll- 
ten für jeden Posten drei Mann vorhanden seyn, so 
dafs die gemeine Mannschaft auf zwei und fünfzig^ 






^77 

Posten • . • i56 Mann^ 

bei den Magazinen 8 

bei den Wachtscbiffen i4 

Zusammen in Gemeinen • 178 Mann. 

Ferner in aebt C^a^t , zehn Sotto-Capi, 18 Mann, 
ein Inspektor und drei Unter-Inspektoren .4 * 

Zusammen in aoo Mann« 

Der Inspektor ist ein verdienter k. k. Ex -Offizier, 
lind ein grofser Thcil der Mannschaft besteht aus 
Ualbinvaliden , oder verabschiedeten Militärs. 

\ 
i4- Totalsalzbedarf und ETZeugungsiähigkeit. 

Wenn die eingebobendn Erklärungen der Lan- 
desbehörden jener Provinzen^ wohin dfas adriatische 
Meersalz bestimmt ist^ mitsammen verglichen werden^ 
so g^ht im Durchschnitte folgender Jahresbedarf 
hervor. 



Für 
das Gubernium 


Weifses. 


Halbwüifs. 


Schwarzes. 


Summa. 


Wie 


ner Zent 


ner* 


Laibuch • • . 


70000 


— 


8000 


78000 1 


Triest .... 


5 1000 


37600 


12000 


100^00 


Vcftädig. . . 


176110 


72800 


118000 


308400 


Mailand : . . 


!z63ooo 


— 


_ / 


a6Sooo 


Zara 


9000 





70000 


9000 


1 Summa . 


4i>36oo 


110400 


S08000 


740000 



/•kri». iL polyt. Intt. III. Bil. 



ta 



178 

Auf den sämmtlichen , in Nro. 2. angeführten Sa- 
linen wurden jedoch bisher nach dem Durchschnitte 
der letzten zehn Jahre nicht m'ehr * erzeugt als in 
runder Zahl 354ooo Zentner. 

9 

Der Abgang mufstc von anderwärts herheige" 
schafft werden* 

i5. Verbesserungen. 

So sehr die F'enetianer diesen Finanzzweig auf 
beinahe allen ihren Seebesitzungen im Ganzen einzu^ 
fuhren und zu erweitern trachteten^ eben so sehr 
haben* sie denselben aus einer eifersüchtigen Politik, 
in den an die k. k. österr. Staaten gränzendcn Provin- 
zen, nahmentlich in Istrien und Dalmatien, be- 
schränkt. Diese« übelverstandene Vorsicht ging so 
weit^.dafs sie nicht selten grofse Partien schon er- 
zeugten Salzes zum Nachtheile der Erzeuger ins Meer 
warfen; bisweilen auch Eigenthümern für die auf 
ibren Befehl aufser Umtriebe gelassenen Salzgärten 
eine kleine Entschädigung abreichen liefsen* 

4 Aus eben diesen Gründen eiferten sie jie Sali- 
nen- Eigenthiimer zu keiner Verbesserung an. Daher 
wurde in den besagten Gränzprovinzen nur schwar- 
zes Salz erzeugt : was die Republik an besseren Gat- 
tungen hatte, war nicht die Frucht der Anstrengung, 
sondern eines heifseren Klima ihrer levantischen In- 
selsalinen. 

Die französisch -italienrsche Regierung hat zwar 
mit ihrem Disziplinargesetze vom Jahre 1808 zuerst 
zur Erzeugung einer besseren Salzgattung, durch Be- 
stimmung höherer Preise für dasselbe , aufgefordert. 

Nach den dtirch die k. k. österreichische Staats- 
verwaltung in neuerer Zeit getroffenen Mafsregeln 
wird nunmehr vorzüglich darauf hingearbeitet , nicht 



^79 

nur den vorher bemerkten ganzen Bedarf^ durch die 
Erweiterung der SaUnenaniagen^* sondern auch das 
Salz in der besten Qualität /zu erzeugen. Schon in 
den letzten Jahren wurde die Weifse Salzgattung in 
bedeutend gröfserer Menge erzeugt. Im Jahre i8i^ 
betrug die Menge desselben 59822 Zentner; im Jahre 
iSid erhöhte sie sich auf 172543 Zentner; und im 
Jahre 1819 wurde sie sogar. auf 4ooooo Zentnerxer* 
hoben ^ ein Resultat , das auf eine aufiallende Weise 
die Verbesserungen beurkundet ^ welchem gegenwärtig 
in den Betrieb dieser wichtigen Fabrikation gebracht 
worden sind. 



XL 

Über einige Verfalirungsarten ^ um daÄ 

GJaubersalz und Duplikatsalz, zum Be*- 

hufe dei* Glasfabrikalion, auf den Salinen 

als Nebenprodukt zu erzeugen* 

, Vom 
Herausgeber« 



JLIas Glaubersalz und das Duplikatsalz (schiye^ 
feisaures Natron und Kali) sind seit der Zeit, als man 
dasselbe in der Glasfabrikation, als vollständiges Er-^ 
satzmittel der, Pottasche oder Soda^ anzuwenden ge- 
lernt hat, ein im Handel gesuchtes Produkt gowor-^ 
den. Die Ausübung von Verfahrungsarten , um diese 
Salze, wohlfeil und in der erforderlichen Menge zu er- 
zeugen, ist für die Nationalindubtrie daher von mehn* 
facher Wichtigkeit. 

Die Salzsoolen itn Salzkammergute enthalien, so 
wie beinahe alle natürhchen Soolen , eine nicht unbe^ 

12 * 



i8o 

deutende Menge Bittersalz (schwefelsaure Bittererde)« 
Wenn diese Soolen im lonzentrirten Zustande in der 
Frostkälte stehen^ so krystallisirt aus denselben Glau- 
bersalz. Dieses Glaubersalz wird jedoch bei einer 
verständigen Hüttenökonomie nicht beseitiget^ son- 
dern der Salzsoole bei ihrem Versieden wieder zuge- 
setzt^ weil man aus der Erfahrung weifs^ dafs man 
nur im letzteren Falle ein festes , trockenes Salz er- 
hält^ während in dem Falle ^ wenn das Glaubersalz 
abgesondert wird , das Salz eine zerfliefsliche Beschaf- 
fenheit annimmt. 

Das Bittersalz nähmlich, welches in den Soolen 
enthalten ist , zersetzt in der Frostkälte das Kochsalz, 
und es entstehen Glaubersalz und salzsaure Bittererde^ 
von denen sich das erstere bei dem gehörigen Zu- 
stande der Konzentration und Temperatur ausscheidet« 
Wird dieses Glaubersalz entfernt^ so enthält die Mut- 
terlauge gröfstentheils salzsaure Bittererde ^ welches 
höchst zerfliefsliche Salz sich den Krystallen des Koch- 
salzes beimengt, und letzteres feucht und zerfliefslich 
macht. Wird dagegen das Glaubersalz der Salzsoole 
heim Sude wieder zugesetzt^ so zersetzt nun in der 
Hitze das Glaubersalz die Salzsäure Bittererde : es ent- 
stehen wieder Koclisalz und Bittersalz, welches letz- 
tere in der Mutterlauge bleibt, und den Salzkrystallen 
keine Zerfliefslichkeit mittheilen kann; weil es ein ver- 
witterbares, aber nicht zerfliefsliches Salz ist. 

Aus diesen Salzsoolen kann man also, ohne den 
Hüttenprozefs zu beirren, das sich unmittelbar ab- 
scheidende Glaubersalz nicht zu anderem Gebrauche 
verwenden« Ich schlage nachstehende Methoden vor, 
um das Glaubersalz im Grofsen auf den Salinen als 
Nebenprodukt zu gewinnen. 

i) DiejenigeMethode, mittelst welcher nach mei- 
ner Meinung' die rohen Salzsoolen am wohlfeilsten 




i8i 

auf Glaubersalz benutzt werden könnten y ist folgende, 
vorausgesetzt, dafs das dazu erforderliche Material 
in der Gegend in gehöriger Menge vorhanden ist. Die* 
ses Material ist Alaunerz, oder der schwefelkieshal- 
tige Thon , welcher , roh oder geröstet , auf die Dar- 
stellung der schwefelsauren Thon erde und die nach- 
herige Umwandlung derselben in Alaun durch Zusatz 
eines Alkali verwendet wird. Dieser Alaunthon ist 
gewöhnlich ein Begleiter der Braunkohlenformation, 
und in der Regel derjenigen Forpation zugehörig, in 
welcher die Salzquellen sich beßnden, so dafs in der 
That auch in der Nähe d^r meisten Salzsoolen Braun- 
kohlenflötze vorkommen. Auch die Asche , welche 
nach dem Verbrennen der Braunkohlen zurückbleibt, 
kann hierzu verwendet, und dem übrigen Alaunerze 
beigemengt werden. 

Man schichte das Alaunerz in Haufen , ganz nach 
derselben Anlage und. Weise, als zur Alaunerzeugung. 
Diese Haufen werden von Zeit zu Zeit mit roher Salz- 
soole Übergossen und der Vewitterüng überlassen. 
Die Verwitterung verwandelt das dem Thone einge- 
mengte Schwefeleisen in schwefelsaures Eisenoxydul 
(Eisenvitriol), welcher sich kaum gebildet hat, als er 
durch das Kochsalz, mit welchem der Thon imprä- 
gnirt ist, Versetzt, und aus beiden Salzen salzsaures 
Eisenoxydul und Glaubersalz gebildet wird. Das salz- 
saure Eisen setzt durch Einwirkung der Luft allmäh- 
lich einen Theil seines Oxyds ab, und geht in salz- 
saures Eisenoxyd über. 

Die Haufen werden nuu auf dieselbe Art ausge- 
laugt , wie bei der Alaunfabrikation. .Die Lauge Riefst 
in grofse, flache Sedimentirkasten ab, in denen sie 
so lange stehen bleibt, bis sich kein Eisenoxyd mehr 
absetzt. Die klare Lauge wird in grofse , flache Gru- 
ben abgelassen , in denen sie allmählidh an der freien 
Luft verdünstet, und das Glaubersalz, zumahl in der 



i8d 

Winterkältc, anschiefst. Es ist möglich , dafs für die 
Glasialuikation dieses Glaubersalz einer weiteren Rei- 
nigiin^ von Eisen nicht bedürfe, weil die Mutterlauge, 
die d.Ks höchsi«'Oxydirte Eisen in der Salzsäure aufj^e- 
4öst enthält, kein Oxyd mehr absetzt, ft)lglich die 
Kt ystalle nur noch dasjenige Eisen enthalten, w elches 
durcli die Muiterlaugc mit in dieselben eingeht. Sollte 
jfdüch eine weitere Reinigung gefordert werden; so 
kann man diese 'für den Zweck hinreichend bewir- 
ken, wenn man das Glaubersalz zerstofsen in unten 
durchlöcherte Tonnen fiillt, und sie durch aufgegos- 
senes kaltes Wasser auswäscht. Dieses Waschwasser 
kann wieder in die Verdünstungsgruben gebracht 
werden. 

Diese Fabrikation, eTnmahl im Grofsen angelegt, 
erfordert wenig Handarbeit , kein Brennmaterial , und 
mijfs daher ein wohlfeiles Produkt liefern. Ich glaube, 
daf« da, wo das Glaubersalz natürlich vorkommt, die 
JNatur es auf dieselbe Weise erzeugt habe. 

2) Beim Yersieden der natürlichen Salzsoolen 
enthält die Mutterlauge gröfstentheils Bittersalz. Wird 
<liese Lauge in Kästen abgelassen , und derselben von 
Zeit zu Zeit die erforderliche Quantität Salzsoole zu- 
gesetzt; HO krystallisirt im Winter aus derselben das 
Glaubersalz. Diese leichte Nebenbenutzung könnte 
auf den Snlinen auf jeden Fall Statt finden, wenn an- 
ders die Mutterlauge unter den vorhandenen Verhält- 
nissen nicht eine vortheilhaftcre Benützung hat. 

" «. 

3) Mittelst jener Mutterlauge könnte auf folgende 
Art durch die Salzsoole eine sehr bedeutende Ver- 
mehrung an Flufsmittel für die Glashütten erzielt 
werden. 

Man lauge Pottasche oder Holzasche mit Salz" 
soolß aus. Das. Kochsalz wird durch das kohlensaure 



i83 

Kali zersetzt^ nnd es enbteLen kohlensaures Natron 
und salzsaures Kali ^ aufser dem salzsauren und schwe-* 
feisauren Kali , welches die Asche der Pottasche be- 
reits enthält. Diese Lauge versetzt man nun mit der 
Kochsalzmutterlauge. . Es entstehen Glaubersalz und 
Duplikatsalz: ein Theil der Bittererde wird gefalle^ 
der iibrige bleibt als salzsaure Bittererde aufgelöst. 
Man lafst hierauf die sedimentirte Lauge in Kästett 
ab j zur allmähhchen Verdunstung und Ausscheidung 
des Glaubersalzes und Duplikatsalzes in der Winter«- 
kälte. 



Mengung von Glaubersalz und Duplikatsalz 
gibt einen guten Glasflufs , bei welchem auf 45 Pfund 
reines Kali ^ welches z.B. die Pottasche enthielt^ agi 
Pfand Natron gewonnen werden, folglich mehr als 
in demselben Verhältnisse an Pottasche erspart wird. 

Gesetzt, die Pottasche, welche man bei diesem 
Prozesse verwendete, enthalte im Zentner 
45 Pfund reines Kali, ; 
i5 » schwefelsaures! jr 1.. 
i5 »' saizsaures . f ' 

so werden durch dieselbe 6a ^ Pfund Kochsalz zersetzt, 
und die Lauge enthält liun : 

39.5 Pfund Natron (reines), 



^8. » salzSaures . \ 
|i5. » salzsaures . f 
der Pottasche) \i5^ > schwefelsaures; 



(schon vorher in |i 5. » salzsaures . > Kali. 



Nun erfordern gS Pfund salzsaures Kali zu ihrer 
Zersetzung 67 Pfund Bittersalz, und es entstehen 
daraus 

98 Pfund schwefelsaures Kali, 

und 62 ^ salzsaure Bittererde. 
Die obigen 29,5 Pfund Natron zersetzen 56.5 Pfund 
schwefelsaure Bittererde, und es entstehen 67 Pfund 
schwefelsaures Natron. 



i84 . 

Sonach werden an Flofsmittel durch einen Zent* 
Der jener Pottasche gewonnen : 

1 13 Pfund schwefelsaures Kali oder Düplikatsalz, 
und G7 » dto. Natron v Glaubersalz. 

Nun leisten aber die in jenem Zentner Pottasche 
enthaltenen 45 Phind reines Kali als Glasflufs eben so 
viel, als 82.5 Pfund Duplilatsalz^ folglich mit Einschlufs 
der i5 Pfund dieses Salzes , welche die Pottasche be- 
reits enthält^ so ^iel als gy.5 Duplikatsalz« Von trok- 
kenem Glaubersalz leisten 67 Pfund als Flufsmittel 
dasselbe, als 82*5 Pfund Duplikatsalz. Folglich ist das 
in dem Zentner Pottasche enthaltene Flufsmittel gleich 
97^5 Pfund; jenes aber, welches durch den genann- 
ten Prozefs vermittelst dieses Zentners dargestellt wor- 
den ist, ist gleich igS Pfund Duplikatsalz. Demnach 
ist die durch diesen Pi;ozefs ernaltene Vermehrung 
des Flufsmittels in dem Verhältnisse, wie 97.6 zu 
195, oder wie i zu ü. 

* 

Die übrigbleibende Mutterlauge enthält salzsaure 
Bittererde, aus welcher die BÜtererde durch Kalk ge- 
schieden werden kann. 

3) Für bestimmte Lokalitäten und obwaltende 
Umstände sind wohl auch noch andere Verfahrungs- 
arten möglich. Der nützlichen Kombinationen in der 
technischen Chemie sind zu viele, als dafs man sie 
a priori erschöpfen könnte. Die Kenntnifs der Um- 
stände und Lokalitäten mufs hier dasjenige angeben, 
was zu erfinden oder auszufiihren möglich ist. 

In mehreren Gegenden von Ungarn und Sieben-- 
bürgen gibt es eisenvitriolhaltige Wasser, welche 
durch Versetzung mit Salzsoolen mit wenig Kosten 
Glaubersalz liefern könnten« Ist in der Nähe eines 
Salzwerks Schwefelkies vorhanden ; so könnte dorch 
IC^lzinirep desselben mit den Salzabfällen Glaubersalz 



i85 

erzengt werden. In jenen Gegenden , , wo aus den 
Schwefelkiesen Schwefel erzeugt wird ^ können die 
rückständigen Schwefelhrände auf Gewinnung von 
Glaubersalz verwendet werden , wenn man dieselben 
mit Sand gemengt in Haufen schichtet^ und diese mit 
Kochsalzlauge benetzt. 



XII. 

* 

Über die Verfertigung des verzinnten Ei- 
senbleches in England* 

Von 

G. Altmütter y 

Professor der Technologie am li. Is. polyU Institute. 



JL/ie grofsen Vorzüge des englischen -Weifshle* 
ches.vor dem inländischen sind neuerdings hei der 
Verfertigung des sogenannten moire mdtaUique recht 
sichtbar ge^vorden^ indem man sich hisher noch im- 
mer genöthigt findet^ zu dieser Arheit sich ausschliefs- 
lich des englischen Bleches zu bedienen^ oder das 
beste inländische nochmahls mit englischem Zinn zu 
verzinnen. Da erst seit kurzem bestimmtere Nach- 
richten über die englische Verzinnungsmethode be- 
kannt geworden sind^ so glaube ich, man werde die^ 
selben auch in dieser, der Industrie gewidmeten Zeit- 
schrift ungern vermissen , und ich werde daher nicht 
nur die einzelnen Operationen beschreiben , sondern 
auch bei jeder die Gründe ihrer Vorzüglichkeit anzu^ 
geben suchen. 

Das rohe Eisenblech , dessen man sich in Eng^ 
land zur Bereitung des Wcifsbleches bedient, ist 



i86 

durchaiis gewalzt y und schon dieser Umstand ist fiir 
das Länftige Fabrikat sehr vortheilhaft. Nicht nur 
ist man dadurch gezwungen, ganz reines Eisen, ohne 
harte Adern und unganze Stellen anzuwenden, weil 
sich ein anderes nicht gut walzen läfst, sondern die 
gleiche Dicke desselben, in Vergleich mit ge^chlage« 
uem Blech, erleichtert die künftige Arbeit, weil sich, 
ungleich dickes (besonders Eisen-) Blech, auch un- 
gleich abkühlt, und daher der Zinaübcrzug an ver- 
sohiedenen Stellen früher erkaltet, und dort naturlich 
wird^ als an andern. 



Um die rohen Bleche , welche durch das öftere 
Ausglühen beim Walzen auf der Oberfiache mit Oxyd 
bedeckt sind ^ von demselben zu befreien , glüht man 
sie abermahls aus , legt sie durch vier bis hinf Mi- 
nuten in sehr verdünnte Salzsäure,, und bringt sie 
dann nochmahls zum Aothglühen; wobei man sich 
eines Handgriffes bedient , durch welchen beide Seiten 
von der Hitze gleich affizirt werden ; man biegt sie 
nähmlich in der Form eines ^ und schichtet sie dann 
^uf die hohen Kanten in einem eigens dazu gebau- 
ten Ofen über einander. 

Bei dieser Operation wird die Oiydlage auf bei- 
den Oberflächen aurch die Salzsäure noch höher oxy- 
dirt, und springt beim nachmahligen Ausrichten der 
Platten, welches auf einem eisernen Blocke mittelst 
eines hölzernen Hammers geschieht, von selbst ab, 
und die Bleche haben jetzt eine nicht mehr schwarz- 
graue, matte, sondern eine mit metallischen Farben 
blau und gelb angelaufene Oberfläche« 

Da durch die Hitze die Bleche beträchtlich ge- 
worfen und sonst verzogen worden sind , so werden 
sie jetzt nochmahls gewalzt, um sie ganz eben und 
glatt au erhalten. Die eigentliche Struktur eines sol- 
chen Wak Werkes hier zu erklären^ würde zwar zu 



187 

Veit fuhren^ jedoch werden einige Bemerkungen nicht 
am unrechten Orte stehen. Die englischen Walzwer- 
ke die&er Art sipd von Gufseisen^ werden aher kei- 
neswegs in Sand^ sondern in Formen^ ehenfalls von 
Gufseisen^ verfertigt^ wodurch sie eine grofse Härte 
erhalten^ indem diese Form das fliefsende Eisen ^ we- 
nigstens aui der Oberfläche, weit schneller abkühlt, 
und diese dadurch die gröfste Härte und Festigkeit 
eriiälu' — Die Gröfse der Walzen ist nach den eng- 
lischen .Angilben verschieden, aber jene von grofsem 
Dur«Jimess^r, z.B. 3o Zoll, werden den übrigen vor- 
gesogen. Über die Länge derselben aber erlaube 
icb mir eine Bemerkung, welche auf alle Arten von 
Blech anwendbar ist, dafs sie nähmlich jederzeit be^ 
deutend gröfser seyn mufs , als die Breite des zu ver-« 
fertigenden Bleches , weil man sich sonst der Gefahr 
aussetzt, dafs dieses an den beiden Längenkanten 
Wellen. und Falten bekömmt, die sich nicht mehr 
wegbringen lassen. . 

.Die Ursache dieser allerdings auffallenden Er- 
scheinung findet sich darin, dafs sich die Walzen durch 
den Widerstand des durchgehenden Bleches et- 
was weniges biegen, und eben dadurch an ihren En- 
den desto stärker drücken. Hier wird das Blech dün- 
ner und also auch länger, und mufs daher noth wen- 
dig Falten bekommen. Je weicher das Metall ist, de- 
sto eher tritt dieser Übelstand ein, und z> B. bei Zinn 
ist er fast unvermeidlich. Hat man aber ein anderes, 
nicht sehr dehnbares Material, wie Kattun, Pa|^ier, 
Preisspäne u d. gl., so schiebt sich dasselbe nach 
der Mitte zu zusammen, und bekommt die Falten an 
dieser Stelle. 

Übrigens sind jene Walzen rein polirt , imd nicht 
blofs gedreht (wodurch man nie eine vollkommene 
Glätte, sondern jederzeit Reifen erhält^, und also 
wahr-scheinlich mit der sogenannten Schinirgelscheibß 



i88 

der Länge nach geschliffen y wodurch man allein eine 
vollkommene Form derselben zu erhalten im Stan- 
dis ist. 

Nach diesen Arbeiten folgt eine^ ouch bei uns 
gewöhnliche, nähmlich die Kleienbeitze. Durch den 
in der Wärme erhaltenen und sauer gewordenen 
Kleien- oder Roggenmchlaufgufs hat man nähmlich 
die Absicht, die Oberfläche des Bleches ganz metal- 
lisch zu machen, indem die schwache, im Kleien Was- 
ser entstandene, Essigsäure alles noch übrige Oxyd 
auflöset. Die Bleche Werden zehn bis zwölf Stunden in 
schicklichen Gefäfsen senkrecht in dieser Beitze stehen 
gelassen, und während der Zeit ein Mahl umgekehrt. 

Um übrigens ^Ues wegzuschaffen , was in der 
Folge das Amiaften des Zinnes verhindern könnte, 
so folgt noch eine zweite Beitze aus verdünnter Schwe- 
felsäure, bei deren Anwendung ^ber grofse Vorsicht 
nöthig ist. Die Säure, deren Stärke ebenfalls mit Vor- 
sicht bestimmt werden mufs, befindet sich in bleier- 
nen Trögen , in welche die Bleche aber nicht hinein- 
gestellt, sondern nur einzeln so lange herumbewegt 
werden, bis gewisse schwarze Flecken y die beim 
Eintauchen jedesmahl entstehen , wieder verschwUnr 
den sind. Läfst man die Bleche länger in der Säure, 
so erscheinen abermahls solche Flecken, die aber nicjit 
mehr vergehen , sondern so sehr zunehmen , dafs am 
Ende das Blech ganz matt- wird , und vcm neuem aus- 
geglüht werden mufs. 

Um die Starke der Beitzen zu beschleunigen, 
pflegt man manchmahl die Gefäfse, welche sie ent- 
nahen , mäfsig zu erwärmen , oder auch , wie in ei- 
nigen von unsern Fabriken, das Anrühren der Kleien, 
oder des Roggenmehls, so wie das Beitzen selbst, iu 
einer eigenen, bis zu dem gehörigen Grade geheitz- 
ten Kammer vorzunehmen^ wodurch das Sauer wer- 



i89 

den und überhaupt die ganze Arbeit sehr beschleunigt 
werden kann. — Weniger rathsam wäre dieses Ver- 
fahren aber bei der zweiten Beitze^ und der so un- 
sicheren Wirkung der SchweieJsäure^ die man dann 
verdünnen uiüfste , wodurch wahrsch^inhch die ganze 
Operation mit Verlust an Brennmaterial auf die nähm- 
liche Dauer würde zurückgebracht werden. 

Die gebeitzten Platten werden mit reinem Was- 
ser gewaschen^ undmitHanfstängeln und sehr feinem 
Sand abgescheuert^ um alle noch übrigen Unreinig- 
keitta iortzuschaflen , dann aber nicht getrocknet^ 
.sondern zum künftigen Gebrauche unter ebenfalls mög* 
liehst reinem (durch Auskochen von aller Luft befrei- 
tem) Wasser, aufbehalten; indem man gefunden hat, 
dafs Eisen sehr lange Zeit unter Wasser weder ro- 
stet noch sogar den Glanz verliert, welohes beides 
doch an der freien Luft sehr schnell geschieht. 

• 

Alle vorigen Arbeiten waren blofs Vorbereitung 
zum Verzinnen, und haben, wie man leicht sieht, den 
doppelten Zweck,, die Platten ganz gerade und eben, 
und auf den Oberflächen rein metallisch zu machen. 

Das Blech wird zwei Mahl verzinnt , nähmlich 
zuerst mit gemeinem, dann aber mit ganz reinem 
Zion. Das erstere diept eigentlich nur dazu, dem 
Bleche einen Zinnüberzug, der sehr dünn seyn mufs, 
£u geben , auf welchem der zweite vollkommen , über- 
all ganz gleichförmig anhaften kann, ohne dafs man 
ihm durch Ausbreiten und Verreiben seine Schönheit 
wieder nehmen müfste. Nach diesen beiden folgen 
dann noch zwei Nebenoperationen, nähmlich: das 
Abschmelzen des Überflüssigen von der zweiten Ver- 
zinnung, und endlich das Abschmelzen der an der un- 
tersten Kante jeder Platte erstarrten dickeren Zinn- 
lage ; so dafs also bei dieser Reinigungsart füglich 
diese vier Hauptmomente zur leichteren Übersicht 



190 . 

des etwas komplizirten Prozesses bemerkt werden 
können. 

Die Werkstelle , in welcher verzinnt wird , ent- 
hält fünf verschiedene eiserne Kessel^ oder eigent- 
lich grofse viereckige Gefäfse^ deren jedes zu einer 
eigenthümlichen Operation hestimmt ist. Die unten 
stehende Zeichnung enthält den Grundrifs des Gan- 
zen^ und die Sternchen bezeichnen den Ort^ wo der 
Arbeiter steht ^ und zugleich jene Kea^sel, welche ge* * 
heitzt werden müssen. Das Blech wird in allen fünf 
Gefäfsen behandelt^ und die Operation fängt im mit 
I bezeichneten Kessel an. 




Man bedient sich zweier Arten von Zinn zu die- 
ser Arbeit^ nähmlich des sogenannten Block- und des 
Körnerzinnes. Das erstere wird aus dem Zinnerz* von 
'Cornwalüs gewonnen^ und ist immer mehr oder 
weniger mit Eisen^ Schwefel und andern Metallen ver- 
unreinigt^ ist etwas dick- und schwerflüssiger als das 
ganz reine , und Wird daher nur zu den gewöhnlichen 
Arbeiten verwendet. Das Körnerzinn wird aus einem 
^körnigen Zinnz, eraber nicht mit Steinkohlen^ wie das 
vorige , sondern mit Holzkohlen geschmolzen. Es ist 
selbst in England um 20 bis 3o Prozent theurer als 
das vorige , ist aber als fast ganz rein angesehen ^ und 
kann zum Verzinnen mit grofsem Yortheil angewen«- 
det werden^ weil es einen Grad von Flüssigkeit er^ 



*9^ 

reicht ^ der die leichte Verbreitung des »elbeii auf ei- 
ner grolseu Fläche sehr befördert. 

Diese beiden Sorten sind es ^ deren man sich zu 
den im Folgenden vorkommenden Arbeiten bedient, 
und zwar geschieht die erste Verzinnung mit einem 
Gemische aus beiden, die zweite aber mit Kömer'« 
zinn allein. « 

Im Kessel Nro. i wird ein Gemisch aus (gewöhn* 
lieh) gleichen Theilen beider Sorten, ui)ter einer 
4 Zoll dicken Lage von Fett oder Unschlttt zum 
Schn^el^en gebracht, und so sehr erhitzt, als es mög- 
lich ist , ohne das Fett in Brand zu setzen. Man wul 
bemerkt haben, dafs das Fett desto bessere Dienste 
thue y ^enn es schon angebrannt, 'oder emp jrematisch 
sey. Der Nutzen des Fettes an sich besteht einer- 
seits darin , dafs es^ die Oxydation des Zinnes verhin- 
dert, und anderseits soll sich das Zinn leichter an das 
Eisen anhängen , wenn dieses vorher durch das Fett 
durchgegangen ist. 

Die letztere Behauptung, die durch die Beobach- 
tung, dafs man sich beim Verzinnen des Kupfers, 
beim Löthen mit Zinn u. <1. gl. ebenfalls fetter und 
harziger Stoffe bedient, und dafs sich eine Ursache 
davon angeben läfst, nähmlich die Verhinderung der 
Oxydation beider Metalle und also die Erhahung der 
metallischen Oberfläche ^ wahrscheinUch gemacht 
wird, kann ich durch einen einfachen Versuch recht- 
fertigen, den ich bei einer andern Gelegenheit ge- 
macht habe. Wenn man Kupfer- öder Eisenblech 
mit Fett (auch nur äehr dünn) bestreicht, ein Stan- 
niolblättchen darauf legt, und die Platte yon unten 
erhitzt, so schmilzt das Zinn fast überall an die Platte 
an, was nicht geschieht, wenn das Fett weggelasten 
vird. 



19^ 

Vor dem Verziniien legt man die Blechtafeln in 
ein Gefäfs mit geschmolzenem Fett^ und läfst sie eine 
Stunde darin^so dafs dasselbe beide .Oberflächen über- 
zogen haben mufs. So eingefettet kommen die Bleche 
bis 34o an der Zahl in den Kessel IVro. i^ wo sie eine 
bis zwei Stunden bleiben^ dann herausgenommen und 
auf einen eisernen Rost gelegt werden^ damit das 
überflüssige Zinn ablaufen kann. 

Da bei dieser ersten Verzinnung^ die nach 
dem Vorigen nicht rein ist, sonddrn mehr dazu dient^ 
das Eisien vollkommen zu bedecken , uod der feinen 
Verzinnung. eine Grundlage zu geben^ auf welcher sie 
leicht haftet — der Überzug nicht gleichförmig wer- 
den kann ; so mufs das Überflüssige weggeschafft wer- 
den , ehe die vollkommene Verzinnung erfolgen kann. 

Das Abschmelzen des Überflüssigen , oder mit 
dem Kunstausdrucke, das Waschen der Bleche, ge- 
schieht, so wie die feine Verzinnung im Kessel Nro. 2 j 
und von dieser letzteren wird, auf eine einfache und 
sinnreiche Art, in Nro. 3. das Überflüssige ebenfalls 
wieder weggeschafft, und die Oberfläche rein und 
gleichförmig erhalten. 

Der Kessel Nro. 2 enthält beiläufig ipo Pfund ganz 
reines Körnerzinn, und die schon ein Mahl verzinn- 
ten Platten werden in denselben eingelegt. Durch 
die Hitze des geschmolzenen Zinnes in demselben 
wird auch der erste ZinnüLerzug flüssig, allein we- 
gen der Adhäsion desselben an das Eisen fliefst er 
nicht ganz ab , sonderi;! bleibt als Grundlage der neuen 
reinen Zinnlagc, die sich auf ihn ansetzt. Nur die 
zu dick verzinnten Stellen, Tropfen, Streifen u. d. gl. 
schmelzen ab, und vermischen sich mit dem Zinne 
im Kessel , welches dadurch natürlich etwas an Rein- 
heit verlieri. Dasselbe nimmt man während der Ar- 
beit^ wenn i3 -'— iSooo Platten bereits eingetaucht 



worden aind^ 3oo Pfand dieses gemisclitcn Zinnes^ 
welches in der Folge für den Kessel ^lro. i. verwen«* 
det wird , heraus^ ersetzt dasselbe durch eine gieicbe^ 
Quantität ganz reinen Körnerzinns, und erhält daher 
den Inhalt des Kessels 2 fortwährend von hinlängli'* 
eher Reinheit. 

Die Scheidewand im Kessel Nro 2 ist eine neq^ 
Verbesserung, welche dazu dient, die Verbreitung 
des Oxydes über die ganze Oberfläche zu verhindern^ 
wozu sonst dasselbe vor dem jedesmahligen Eintau^ 
eben der Bleche abgeschöpft > so aber nur in did 
kleinere Abtheilung des Kessels über die Wand abge^ 
streift zn werden braucht. 

J)afs kein Oxyd sich während des Eintauchens 
ftuf der Oberfläche des Kessels belinden darf, indem 
es sich sonst an die Bleche anhängen würde, bedarf 
keiner weiteren Auseinandersetzung. 

Wenn die Bleche das erste Mahl aus dem Kes« 
sei 3 g<*nommen werden, so legt der Arbeiter einigt 
wenige vor sich hin, erj^rcift eines mittelst ein^rZapgc^ 
und reibt es, mit einer eigens dazu verfertigton 
Bürste von Hanf, auf beiden Seiten ab. Diese Opera^» 
tion, welche eine grofse Fertigkeit erfordert, unge« 
achtet es Arbeiter gibt, die fägiich 56 1 5 Platten auf 
diese Art zu behandeln im Stande sind, ist wichtige 
und ganz- unerläfslich« Die Zinnlage, welche in einem 
halbgeschmolzenen Zustande ist, wird dadurch erst 
ganz gleichförmig , indenri alle dickere Stellen äbge^ 
bürstet^ und das Überflüssige zumTheil auf der gan^ 
zen Oberfläche verbreitet wird. Die SchneUigkeit« 
womit die ganze Arbeit geschehen, und der rechte Grad 
der Flüssigkeit des Zinnes getroffen werden mufs| 
indem ^ wenn das Zinn zu heifs ist,. zu viel^ ist lAs 
m kalt p wenig oder nichts von der Bürste WeggenotH^ 

h\th. 4« poljrc Imt. llf. Bil. 1 3 



V. 



»94 

men wird , macht die Schwierigkeit dieses Theiles de» 
Arbeit sehr einleuchtend. 

Da durch das Bürsten die Zinnoberfläche^ wenn 
auch gleichförmig dick^ doch durch die-Biirste sehr 
rauh wird ^ so taucht der Arbeiter jede Platte nach 
dem Abbürsten zum zweiten Mahle in den Kessel 3, 
' wodurch sie abermahl verzinnt wird^ nur mit dem 
Unierscfaiede^ dar% sich jetzt das Zinn an eine voll* 
kommen ebene Fläche' anhaften kann. Da aber des* 
scn ungeachtet^ besonders da das Blech jetzt schon nicht 
mehr sehr beifs ist^ und auch nicht seyn darf^ weil 
sonst auch die schon mit der Bürste geglättete Fläche 
in völligen Flufs kommen^ und ungleich werden würde, 
auch jetzt sich mehr' Zinn anbängt^ als zur spiegel- 
glatten Fläche nötbig ist; so folgl ein nochmahliges 
Al)schmelzen des Überflüssigen im Kessel Nro 3« 

Dieser enlhält geschmolzenes ^ und *zu einer ge- 
wissen Temperatur erhitztes Fett ^ welches beim Ein- 
tauchen der Platten die Verzinnung zum Fliefsen 
bringt^ die sich dadurch auf der ganzen Oberfläche 
gleichförmig • verbreitet , und jene blanke Oberfläche 
hervorbringt ^ die man am englischen Bleche sp sehr 
bewundert. Die grofse Kunst bei dieser Operation 
ist^ nach der Dicke des Bleches die nöthige Tempe- 
ratur des Fettes zu treffen. Da ein dickes Blech na- 
türlich (von der vorigen Operation her) länger hcifs 
bleibt^ so mufs die Temperatur des Fettes geringer 
seyn, als für ein dünneres, schneller sich abkühlen- 
des Nicht nur wird durch eine zu grofse Hitze der ' 
Überzug zu flüssig werden^ sondern er erhält auch^ 
vermuthlich durch anfangende Oxydation (welche, 
wie ich an einem andern Orte zeigen werde, bei dem 
Zinne ebenfalls mit einer Farbenabwechslung, und 
zwar in derselben Ordnung wie beim Stahl , verbun- 
den ist), goldgelbe Flecken, die seiner Scbönlieit 
cchaden. 



übrigens mufs erinnert werden^ da(s sich an den 
Wänden des Kessels mit Fett Stifte befinden^ auf 
und zwischen welche die Bleche senkrecht^ und so 
(senkrecht) gestellt werden können^ dafs sie einan-* 
der nicht berühren^ und dafs^ weil die Arbeit aus 
einer Hand in die andere geht ^ in Nro. 3. sich jeder^ 
zeit nur fiinf Platten auf ein Mahl befinden^ indem 
die zuerst hineingekommene heraus^ und dafür eine 
neue 9 in Nro* 2. zum zweiten Mahle eingetauchtcf» 
wieder hineinkommt. 

Nro. 4 ist ein leerer Kessel^ in welchem das Fett 
Ton den Blechen abtropfet^ und diese zugleich er- 
kalten. 

Im letzten Kessel^ der wieder gcheitzt wird ^ ge^ 
schiebt eine Operation , die zur völligen Vollendung 
nöthig ist. — Da im Kessel mit ' geschmolzenem Fett 
die Bleche senkrecht standen, so rinnt das überflüs- 
sige Zinn von' oben nach unten, und wegen der grös- 
seren Kohäsion desselben tropft es dort nicht all^ ab, 
soodem sammelt sich an der unterstien Kante als eine 
Wulst. Im fünften Kessel befindet sich nun am Bo- 
den, 2 bis 3Zrollh9ch, Fett, welches stark erhitzt ist. 

In dieses wird die erstgedachte Kante einge- 
taucht, und das Zinn dort nutürlich geschmolzen^ 
und dadurch , dafs man mit einem Stäbchen an die 
Platte schlägt, von derselben ganz weggeschafft. 

Die Spur dieses weggcschmolzenen Randes be- 
merkt man an jeder Platte, so wie eine Art von Wel- 
len, die eine Folge der Operation im Fettkessel ist| 
ebenfalls genau sich erkennen läfst; von den scbillern- 
den Flecken aber (welche, wie ich bei Gelegenheit 
eine? Untersuchung über den moire' metallique im. 
ersten Bande dieser Jahrbücher bemerkt habe, er- 
schgfnen, weni^ das Blech lange atmosphärischca 

i3 * 



»9Ö 

Einflüssen ausgesetzt, ist) ganz deutlich unterschie- 
den isu 

Die letzte Operation besteht darin^ dafs die Bleche 
mit Kleien abgerieben werden^ um das Fett iivegzu- 
schaffen , welches aber dessen ungeachtet noch immer 
in der Folge bemerkbar iwird^ indem eine saure Beitze 
nicht leicht angreift , wenn die Tafeln nicht noch« 
mabls genau gereinigt werden. -£bei| so erkennen die 
Spengler das englische Blech daran ^ dafs der polirte 
Glanzhammer und, der Ambofs, womit sie dasselbe 
ebnen und glätten^ fett wird, scheinbar die Politur 
Verliert, und eine mehr bläuliche Farbe annimmt. 

Aus der vorstehenden Darstellung ist zu sehen, 
dafs die 'Manipalation bei der Verfertigung des engli- 
schen Weifsbicches der Hauptsache nach sehr einfach 
ist y und sich , aufser der sorgfältigen Wahl des Ma« 
terials, besonders auf Fleifs und Genauigkeit gründet. 
Die Zusätze, die, laut früheren Nachrichten, zum Zinn 
gemacht worden sind, z. B. Kupfer oder Zink, schei- 
nen, daher blofs ^in einzelnen Fällen angewendet zu 
werden. So macht freilich das Kupfer auch in klei- 
nen Quantitäten eine bleihaltige Verzinnung fester, 
das Zink dieselbe weifser; nothwendig aber sind sie 
keineswegs, sobald reines Zinn genommen worden ist. 

, Es würde ungerecht seyn , weiin man das inlän- 
dische Blech dem englischen durchaus sehr weit nach- 
setzte, indem manches, besonders böhmisches, vor- 
züglich ist. Indessen ist nicht zu läugnen , dafs das 
englische alles übrige in Hinsicht der Reinheit und 
der Dauer des Glanzes übertrifft« 

Ganr besonders aber schadet unserm gewöhnli« 
eben Bleche der Blcizusatz bei der Verzinnung, der 
oft sehr beträchtlich ist. Solches' Blech ist schon an- 
fangs bläulich , wird aber bald grau ^ und ist zu iei- 



«97 

nen ArbeiteH, b. B. ^um MoirireH ganz nntauglicbu 
Übrigens ist es nicbt die Gewinnsucnt bei Ers(>arung 
des theuern Zinnes allein^ was diesen Zusatz verann. 
lafst , sondern man arbeitet dadurch auch viel schnei* 
1er. Da legirtes Zinn schwerer und dünnflüssiger ist, 
als reines 9 so erstarrt es einerseits später auf der aus 
dem Kessel gezogenen Tafel, andererseits aber rinnt 
es nicht so leicht ab^ oder bildet Tropfen und dickere 
Stellen, so dais eine solche Verzinnung wirklich an- 
fangs ziemlich schön erscheint, und leicht zu ma- 
chen ist. 

£in linderer, sehr gewöhnlicher Zusatz ist Zink, 
um die Verzinnung weifser zu machen. Leider aber 
ist es eine bekannte Eigenschaft der Verbindung aus 
Zinn und Zink, dafs sie sehr leicht körnig wird, 
nad Blech, auf diese Art verzinnt, erhält, wenn an- 
ders clf*r Zusatz so stark ist, dafs er wirklich eine 
heUer<; Farbe bewirkt, eine rauhe Oberfläche, und 
verliert ebenfalls sehr schnell den Glanz : wovon die 
Ursache in der schnellen Oxydation des Zinkes liegt« 

Da übrigens jetzt durch die Einführung des 
moir^ metalUque die Nothwendigkeit eines dem eng-« 
lischen gleichen Bleches erst recht fühlbar geworden 
ist, so steht zu hoffen, dafs unsere Fabriken auch 
bald diesem Mangel abhelfen werden. An Material* 
dazu fehlt es keineswegs. Gewalztes Eisenblech wird 
im Inlande von ganz vorzüglicher Güte verfertigt, und 
dafs mit böhmischem Zinne sehi* schön verzinnt werden 
kann , beweisen die eisernen Löffel aus mehreren böh^ 
mischen Fabriken, welche im aufseren Ansehen dem 
englischen Weifsbleche ganz un4 gar nichts nach« 
geben. 



mm 



I 

/ 



) 



198 



XIII. 

über die Wechselwirkung der Ackerbau- 
und Manufaktur - Industrie« 



Vom 
Herausgeber« 



i^ icht immer sifid Wahrheiten , die auf ganz nä^ 
türlichen und für sich einleuchtenden Gründen be- 
ruhen^ und daher auch schon lange erkannt sind^ auch 
in ihren einzelnen praktischen Beziehungen dergestalt 
ins Leben verbreitet^ dafs eine allgemeinere Oberzeu« 
gung ihre wohlthätigen Wirkungen sichert. Vorur- 
theile , mifsverstandene Privatrücksichten trüben sehr 
oft die Ansichten des Gegenstandes. In Zeiten end- 
lich, in denen Parieispaltungen in der Meinung sich 
ergeben, zieht man oft alles, auch das Heterogene, 
in diesen Strudel der Leidenschaft, und.beurtheilt oft 
Gegenstände der Industrie und des Handeis aus An- 
sichten , welche ihrer Natur fremd sind. 

Man hört noch immer von Zeit zu Zeit die Aus- 
aerung: > dieses Land ist ein ackerbautreibender Staat ; 
es bedarf keiner Manufakturen. Der Ackerbau ist die 
Quelle des Nationalvermögens , in welcher alle Kraft 
des Staates fest und unwandelbar Hegt. Die Hände, 
welche sich mit Gewerben beschäftigen, können dem 
Ackerbau zugewendet werden, und die "dadurch er- 
höhte Produktion kann dazu dienen, die nöthigen Manu- 
fakturerzeugnisse aus fremden Ländern zU beziehen, 
IfS'clche die Natur weniger mit einem fruchtbaren Bo-< 



«99 

den gesegnet^ und mehr auf die Rolle eUies fabriziren- 
den Staates hingewiesen hat.< Von Zeit zu Zett^ 
inrenn irgend ein Koniinentalstaat das durch die rück- 
wirkenden Verhältnisse ihm aufgedrungene Prohibi- 
tivsystem erweitert und verschärft ^ hört man in eng- 
ländischen Zeitungen ihm zurufen-: >> Warum verkennt 
ihr euer Interesse? Die Natur hat euch den Ackerbau 
zugewiesen 9 indem sie euch mit einem fruchtbaren 
* Boden gesegnet hat; und nun wollt ihr ein mantifak- 
lurirendes Land werden, und mit Verspliiierung an 
Arbeit und Kapital V^aaren erzeugen; die wir euch 
wohlfeiler und besser liefern können!« Hierbei ist, im 
Vorbeigehen gesagt, vergessen, dafs ein Land darum, 
wenn es für seine Bedürfnisse VVaaren verfertigt, noch 
kein manufakturirendes Land wird, und dafs England, 
vermöge seiner Kornbill , eben sowohl ein ackerbau- 
treibendes als manufakturirendes Land ist. 

Weniger aus allgemeinen und abstrakten Grün* 
den, als durch Vereinzelung des Gegenstandes wol- 
len wir im Nachstehenden die Natur der Wechselwir- 
kung der. Ackerbau - und Gewerbs- Industrie ^), und 
deren Resultate in der Anwendung untersuchen, in- 
dem wir uns auf die gedrängte Ausführung* beschränk» 
ken y welche der Baum dieses Aufsatzes gestattet. 

Betrachtet man den Staat sowohl rücksiohtlich 
seiner inneren BescIiafTenheit, als in seiner Wechsel- 
wirkung mit andern Staaten, nähmlich rücksichtlich 
des Reiehthums, der geistigen und der physischen 
Machtundaller jener Vorzüge, welche die wahre Rang- 
ordnung der Staaten bestimmen; so zeigt sich, dafs 
diese Macht nur allein in der Quantität und Qualität der 
Bevölkerung gegrijüidet sey. Wir sehen folgendes : 



*) unter der Manufalctur- oder Gewerbaindiistrtc wird hier 
auch cler Handel begriPTen , welcher durch diese be erzeugt 
wird. 



i) Von zwei Staaten von gleichem Flacheninhalt 
xxnä gleicher Bevölkerung ist derjenige reicher und 
nächtiger , dessen Volk 'moralisch und intellektuell 
gebildeter Ut, 

a) Bei gleicher Art u^d Gröfse der Bevölkerung 
ist jener Staat mächtiger^ * welcher die Bevölkerung 
auf einem kleineren Flächenraume unterhält. 

3) Bei gleichem Fläch:enraum und gleicher Be- 
völkerung ist derjenige Staat reicher und durch in- 
nere Ordnung glücklicher, in welchem das Volk durch 
Arbeit am sichersten und behaglichsteii sein Lehen 
^u erhalten im Stande ist« 

Unter gleichen Verhältnissen ist also die relative 
Gröfse der natürlichen Bevölkerung eines Landes ein 
Mafsstab seines V^ohlstandes. Diese Bevölkerung 
richtet sich nach der Menge der vorhandenen Er- 
werbmittel ^^ und nach der Leichtigkeit, noch uner- 
schöpfte Erwerbmittel zu benutzeir oder aufzufinden. 
Die Zunahme der Bevölkerung eipes Landes ist da- 
her ein Zeichen d^r Zunahme seines Wohlstandes, 
im Allgemeinen upd im Einzelnen, und umgekehrt 
deutet die natürliche Abnahme der Bevölkerung auf 
Verminderung dieses Wohlstandes, weil diese Ab- 
nahme nur durch die. erhöhte Schwietigkeit, mit na- 
türlicher Anstrengung seinen Unterhalt yu finden^ 
hervorgebracht werden kann« 

Es wird im Verlaufe dieses . Aufsatzes deutlich 
werden , dafs die Gröfse der Bevölkerung ein noth- 
yrendigcs Element aller höheren fi^uli(ur des Bodens, 
der Sitten und der Künste sey, - ' 

Die gröfstmöglichste Bevölkerung für einen be- 
itimmten Flächenrauni , verbunden mit der gröfsten 
^el^aghchkeit und Sicherheit jedes Einaifslnen in sei- 



SOI 

Dem Zustande^ bezeichnet daher die höchste relative 
innere und öufsere Macht eines Staates. 

Wir wollen nan untersuchen^ ob ein ähnlicher 
Zustand herbeigeführt werden köpne : 

durcli don Ackerbau allein oder hauptsachlich; 
oder durch Gewerbindustrie ; oder durch beide 
in ihrer natürlichen Wechselwirkung ; 

wobei sich uns die Natur dieser Wechselwirkung und 
deren Resultate von selbst eröflhen werden. 



• 
Wir wollen zuerst ein solches Land betrachten, 
wie naan es sich unter einem rein ackerbautreibenden 
Staate denkt, in welchem sich die gesammte Bevöl- 
kerung, selbst diejenige, welche nebenher einige 
Gewerbe beti'eibt, mit dem Ackerbau beschäftigt. 

Wir denken uns die urbare Fläche dieses Lan- 
des in kleine Güter vertheilt, deren jedes so grofs ist, 
dais ein Paar Ackerpferde volle !E|eschäftigung auf dem- 
selben finden. Ein solches Gut wird sonach beiläu,- 
fig i5o Metzen Ackerland und :ao Motzen Wiesen 
enthalten. 

Dieses Grundstück , sorgfältig bei Dreifelder, 
wirthschaft mit Bebauung der halben Brache behau-» 
^delt^ gibt folgendes rohe Erträgnifs. 

35 Metzen Gerstenfeld liefern 2l 4^o Pfund — io5 

Zentner Gerste. 
aS Metzen Haferfeld liefern ^ 5oo Pfund -«- ia5 

Zentner Hafer. 
aS Metzen Kornfeld liefern ä 56o Pfund — i68 

Zentner Korn. 
^5 Metzen Weizenfeld liefern ^ 54o Pfund-«- iq% 

. Zentner Weizen^ 



^ 30 Merzen Wiesen k 12 Zentner Heu — ^ ^40 

Zentner Wiesenheu. 
18 Metzln Brachfeld mit Klee — 2^0 Zentner 

Kleeheu; mit 
Erbsen, Wicken etc. — 72 Zentner Wicken- 

und Erbsenheu. 
7 Hetzen Brachfeld zu Kohl| Kartoffeln etc. — 34o 

Zentner Kartoffeln. 

Die Wirthschaft kann zwölf Stück Rindvieh er- 
fragen, -worunter zehn Kühe. Diese zehn Kühe liefern : 
goo.Mafs Milch (zum Verzehren), 
760 Pfund Butter, 

1 4oo » Käse, nebst Buttermilch und Molken. 
^ 10 Stück Kälber von vier Wochen. 

2wölf Stück Rindvieh verzehren jährlich : 
. 4^0 Zentner Klee r und Wiesen - , Wicken - und 
Erbsenheu (das grüne Futter auf trockenes 
reduzirt) , 
^4o Zentner Kartoffeln, 

sammt dem Futterstroh , Streustroh , Kohl- 
blättern und anderem Abfall. 

Ein Paar Ackerpferde verzehren: 
50 Zentner Heu, ^ 
65 9 Hafer» 

Das genannte Gut erfordert zu seiner Bcwirth* 
schaftung zwei Familien; nähmUch: die Familie des 
Eigenthümers zu sechs Personen, mit einem Knechte 
und zwei Mägden; dann eine Taglöhnerfamilie zu 
sechs Personen; zusammen fünfzehn Personen mit 
Einschlufs der Kinder. 

Diese beiden Familien verzehren, wohlgenährt, 
jährlich : 



»0? 

» 

ao Zentner Gerste, 
^5 » WeizcÄ, 
5o » Roggen, 
4o » Kartoffeln, 

lo 9 Fleisch (an zwei aufgezogenen KäU 
l)cni und an Borstenvieh), 
poo Mais Milch, 
ja Zentner Butter, 
3 » Käse. 

Aufser dem abfallenden Kohly Erbsen, ferner 
Hühnern und Gänsen, welche theils nebenbei und 
mit Anwendung der verschiedenen Getreideabfälle, so 
wie das erforderliche Borstenvieh, erzogen werden; 
theils mit Verwendung von i5 Zentner Gerste. 

Nach Abzug der zur Aussaat erforderlichen Ge- 
jlreidearten bleibt sonach ein Ol>erschufs an verzehr-'^ 
baren Produkten von 

55 Zentner Gerste, 
48 » Hafer, 
. 98 . » Roggen, 
6i » Weizen, 
8 SiücL Kälber \ vier Wochen, 
55o Pfund Butter, 
iioo V Käse« 

Diese Nahrungsmittel , öder deren Äquivalent, , 
reichen hin, um noch zweiihahl so viele Menschen, 
als zur Bestellung jenes Gutes erforderlich waren, 
folglich noch vier Familien zu ernähren : obgleich 
dieser Ertrag des Grund und Bodens, der hier ange- 
nommen worden, noch von dem höchsten Ertrage' 
entfernt ist, welchen die sorgfältigste Kultur hervor- 
bringen kann. In diesem Überschusse steckt die Bö- 
denrente des Eigenthümers, und ein anderer Theil 
desselben dient zur Entrichtung des Steuerhetrags, 



Da wir annehmen ^ dafs das ganze Land aus ahn- 
lichen Besitzungen bestehe^, alle Grundeigenthümer 
aich also in ähnlichen Verhältnissen befinden ; so hat 
jeder derselben diesen Überschufs y und keiner einen 
bedarf. Es gibt also nirgends einen Markt ; nirgends 
Käufer und Verkäufer. 

Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, 
dafs die Grundbesitzer eine Produktion des Oberflus- 
ses fortsetzen sollten, der ihnen nichts nutzt, dage- 
gen Arbeit und selbst haare Vorauslagen kostet« Die 
unmittelbare Folge Wird seyn, dafs derjenige Theil 
der Felder, welcher diesen Überflufs hervorbringt 
oder hervorbringen würde, nicht bebaut wird, son- 
dern in Heiden und Waldungen liefen bleibt. Die- 
ser Theil des urbaren Landes , welcner auf diese Art 
zur Wüste wird , beträgt nach der vorigen Rechnung 
twei Drittheile des Ganzen. 

In diesem Zustande verliert der Grundeigenthü- 
mer auch seine Bodenrente : denn da er'keineti Über- 
schufs verkauft, so könnte er dieselbe nur dadurch ge- 
niefsen, dafs er von seinen Produkten mehr verzehrte, 
als er nöthig hat. Da er jedoch eben dadurch bald 
in die Lage kommen wird, einzusehen, dafs zu sei- 
ner Erhaltung seine eigene Arbeit ^und die seiner Fa- 
milie unnöthig wird, indem bei dem Überflusse an 
urbarem Boden eine zweite Taglöhnerfamilie densel- 
ben Überschuß an Produkten erzeugen kann ; so wird 
er bald diese zweite Familie in seine Besitzung auf- 
nehmen , und da diese beiden Familien eben so wie 
vorher das Gut bestellen können, so wird die Boden-, 
rente des Grundeigenthümers nun in seinem ganzen 
Nahrungsbetrage bestehen, ohne dafs er selbst mi% 
seiner Familie an dem Felde zu arbeiten braucht. 

Das Gut ernährt also in diesem Falle drei Famt- 
liqtt| un4 der bestellte Flächenraum betragt etwa die 



jo5 

Hälfte des urbaren Bodens. Rechnen wir sechs Peiw 
sonen auf die Familie^ und auf die Quadratmeile 
hundert solche Güter ^ Wie dasjenige , ^reiches i/vir 
hier zum Mafse genommen haben ^ wobei beinahe die 
Hälfte des Bodens auf Waldungen und nicht urbare 
Strecken genommen ist; so ergibt sich in diesem Zu* 
Stande eine Bevölkerung von 1800 Seelen auf die 
Quadratmeile ^ von welcher ein Drittheil aus Familien 
der Grundeigenthümer und zwei Drittheile aus Tag« 
löhnerfamilien bestehen. 

Diese Bevölkerung kann nicht femer zunehmea. 
Denn^ wenn gleich noch für eine vierte und fünfte 
Tagiöhnerfamilie urbarer Baum vorhanden wäre; so 
kann, der Eigenthümer des Bodens jedoch kein In- 
teresse haben , einer neuen Familie die weitere Bear- 
beitung des Bodens zu überlassen^ weil er davon gar 
keine Renten ziehen kann, indem eine Abgabe in 
Ackerbauprodukten für ihn ein unbrauchbarer Über- 
Auf« ist, und die einzige Rente, die für ihn einen 
Werth hatte, nur in der Ersparung seiner eigenea 
Arbeit bestand. Da übrigens die. beiden Taglöhner* 
familien einen geringeren Theil des Landes bebauen, 
als sie durch ihre ganze Arbeit zu bestellen im Stande 
wären; so wird eine höhere Steuerabgabe eben so 
wenig den Eigenthümer zur Vermehrung der arbeiten- 
den Hände reitzen , weil die höhere Anstrengung der 
vorhandenen noch für dieses auswärtige Bedürfaiifs 
vollkommen ausreicht. 

Dieses ist der Zustand eines rein ackerbautreibend 
den Staates. Wir sehen denselben sowohl rücksichtlich 
der stehenden Gröfte der Bevölkerung als der übrigen 
Umstände in aUcn jenen Ländern geschichtlich nach* 
gewiesen, die sich auf einer niederen Stufe der Kul- 
tur befanden, entbleist ven dei» mojralischcn imd 



ao6 

physischen Hülfsmitteln^ welche Reichthum und Macht 
der Staaten hegründen. 



Rücksichllich der Bevölkerung ändert sich die- 
ser Zustand selbst dann nicht merklich, wenn wir 
annehmen, dafs der Überschufs, welcher durch die 
Bebauung des ganzen urbaren Bodens erzeugt wird, 
in das Ausland ausgeführt und gegen andere Produkte 
umgetauscht werden könne. Dieser' Fall ist zwar 
nur eine,, in dem gewöhnlichen Stande der Dinge 
selbst unw<ahrscheinliche Voraussetzung: weil er in 
seinem ganzen Umfange nur dann vorhanden seya 
könnte , wenn ein Land mit anderen gut bevölkerten 
Ländern umgeben wäre, welche selbst wenig oder 
keinen Ackerbau trieben , welcher Zustand in Europa 
nirgends vorhanden ist. Dennoch woUen wir kurz 
seine Folgen betrachten. In diesem Falle erhält der 
Eigenthümer des Grundes gegen seinen Überschufs 
Produkte anderer Art, die für ihn Werth haben, und 
die «r für Bedürfnisse seiner Bequemlichkeit oder 
für neue Genüsse verwendet. Da er hier seine Bo- 
denrente in Gütern von Werth erhält, und sein gan- 
zer Überschufs durch den neuen Markt einen Werth 
gefunden hat ; so ist es nun nicht mehr sein Vortheil, 
seine eigene Arbeit auf eine andere Familie zu über- 
tragen: sondern da der Unterhalt dieser Familie nun- 
mehr für ihn einen Werth hat, den er aufserdem 
nicht halte; so wird er mit seiner Familie selbst ar- 
beiten, um desto mehr Ü)>erschufs auf den Markt brin- 
gen zu können. Eine Taglöhnerfamilie wird nun also 
beim Feldhau erübriget; dagegen ist eine andere Fa- 
milie erforderlich, um den Überschufs auf den Markt 
zu bringen, und die verschiedenen Arbeiten zu ver- 
richten, welche der Handel mit diesen Landespro- 
dukten , dessen Austausch mit den fremden Gütern, 
nnd die Vertheilung eben dieser im eigenen Lande 



307 

erfordert. Eine 'weitere Bevölkerung findet auch 
hier keine Arbeit , folglich keine Ernährung mehr. 

In einem Lande^ in welchem der Überschufs der 
Ackerbaucrzeufjnisse in das Auisland abgesetzt weiden 
kann , wird die BevölkerunjL; daher auch nicht merk« 
lieh höher steigen können , als in dem vorigen Falle^ 
wenn gar kein Ubei^schufs erzeugt wird. Nur zeigen 
sich in jenem Zustande vor diesem schon bedeutende 
Vorzüge. Durch den fremden Austausch sind mehr 
Geuufsmiuel^ folglich höhere Kultur vorhanden^ mit 
deren Folgen. Die Bevölke^ng besteht nicht mehr, 
wie hier^ aus einem Drittel Grundeigenthümer * und 
zwei Drittel Taglöhnerfamilien. Sie besteht nunmehr 
aus einer Familie des Gnmdeigenthümers, einer von 
demselben abhängigen Taglöhnerfamilie , und einer 
von demselben unabhängigen Familie^ welche den 
Handel treibt. Es hat sich hier also schon ein drit- 
ter Stand gebildet. Dieser Zustand ist aus dem rei- 
nen Agrikultursystem bereits herausgetreten. Das 
Land ist um so viel reicher j^eworden, als das 
ganze Objekt des neu hinzugekommenen Handels be* 
trägt ; aber seine Bevölkerung ist immer erst noch kaum 
die Hälfte derjenigen^ welche der Boden des Landes 
verlangt und ertragen könnte. 

Der Reinertrags welcben die Ausfuhr der acker« 
bdutreibenden Bevölkerung gewährt ^ ist übrigens 
nichts weniger als gesichert , da er von ^em auswär- 
tigen Bedarf abhängt^ welcher selbst um so mehr un-* 
aufbörlichen Schwankungen ausgesetzt ist^ als kein 
bedeutendes Land ohne Ackerbau besteht , und 
die Konkurrenz mit Ackerbauerzeugnissen daber un,ter 
allen die ausgebreitetste ist. Jede Stockung in dieser 
Ausfuhr stört und vermindert nun nicht nur den bis- 
herigen Reinertrags sondern bringt auch die Subsi^ 
stenz desjenigen Theiles derBevölkerung^ welcher sich 
mit diesem auswärtigen Handel befafste; ins Gedränge. 



aoft 

Ein ackerbautreibendes Land^ dessen Reinertrag auf 
die Ausfuhr seiner Erzeugnisse gegründet wäre , wäre 
in der Tbat von dem Auslande in den versclnedcnen 
Beziehungen seines Wohlstandes abhängig. Der aus- 
wärtige Handel darf überhaupt nie die Grundlage des 
Reichthum^ eines Land es bilden^ welches seine Selbst- 
ständigkeit und seinen Wohlstand auf die Dauer be« 
wahren wilL 

Nehmen wir dagegen an « dafs der ganze oder 
bei weitem gröfste Theil des Überschusses ^ welcher 
in dem früheren Beispiele ausgewiesen worden ist, 
im Lande selbst verzehrt werden könnte, dafs nahm- 
lieh aufser den beiden Familien , welche sich mit dem 
Ackerbau beschäftigen, noch drei andere vorhanden 
wären, welche sich theils mit dem Handel dieser Er- 
zeugnisse, theils.mit andern Erwerbsarten abgeben, 
und so viel verdienen, um jenen Überschufs kaufen 
zu können; so wird die Bevölkerung dieses Landes 
auf 36oo Seelen für die Quadratmeile steigen. Diese 
Bevölkerung wird noch nicht die gröfste seyn; sondern 
sie wird noch in dem Verhältnisse wachsen können^ 
als der Agrikulturertrag durch gröfsere Anstrengung 
sich erhöht, wie wir in derFolge sehen werden. Auch 
in diesem Falle besteht die Bevölkerung immer aus 
drei Klassen: aus dem Grundeigenthümer , aus dem 
Taglöhner uud aus dem Handel« und Gewerbetrei- 
benden. Der erstere, welcher (ur seine Arbeit den 
gröfsten Überschufs hat, bei einiger Ausdehnung sei- 
ne;r Besitzung ohne Feldarbeit von seiner Bodenrente 
(eben kann, und welcher ^faien andiem Theil der Be- 
völkerung durch die Arbeit ernährt, welche er ihr auf 
seinem Boden überläfst, bildet eine natürliche Aristo- 
kratie des Grund und Bodens, und zwischen ihm 
und dem Taglöhner oder dem Eigenthümer so kleiner 
Gründe ,N deren Ertrag ihm keine, oder eine nur ver- 
• hältnifsmäfsig geringe Bodenrente meikv gewährt, steht 
als Zwischenstand der Handel- tmd Gewerbtreibend^ 



aD9 

« 

iron welchem ein anderer Theil der Taglöhnerf^milien 
abhängig ist. Auf diese Art entwickelt sich natürlich 
und nothwendig in dem Mafse, als der rohe Agrikui-^ 
tarstand aus der ersten Barbarei einer moralischen 
Gleichheit durch das Aufblühen der Handels -' und 
der Gewerbs - Industrie hervortritt , die höhere Kul-^ 
tur mit der Verschiedenheit der Stände^ der Lebens- 
weisen, der Interessen und der Arbeit. Die ungehio- 
derte Gegen- und Zusammenwirkung dieser Elemente 
befordert unaufhörlich die Produktion und den Wohl- 
•tand des Ganzen und der Einzelnen. 



Wir sind nun auf dem Punkte , zeigen zu kön- 
nen^ auf welche Art die höchste Bevölkerung eines 
Landes mit dem besten Zustande Aller sich zu bilden 

vermöge. 

# 

Das Wachslhum der Bevölkerung bis dahin ^ wo 
die Produktionsfähigkeit des Bodens ihr die Gränze 
setzt ^ ist^ wie sich schon aus dem Bisherigeja ergibt, 
auf zwei Arten möglich : entweder durch eine grofse 
Zerstückelung, des Grundbesitzes, oder durch die Bil- 
dung einer angemessenen Bevölkerung, welche an- 
dere Gewerbe betreibt als den Ackerbau. 

Wir wollen in Rücksicht auf den ersten Fall das 
Stück Land betrachten, welches uns bisher zum !ßei- 
spiel gedient hat. Wenn dasselbe unter so viele Fa- 
milien vertheilt wäre, dafs jede derselben bei ange- 
strengter Bearbeitung des Bodens im Stande wäre, 
ihren Unterhalt von dem Stücke zu gewinnen, wel- 
ches sie besitzt ; so wird ein solches Stück zu klein, 
um einem Ackerpferde darauf Arbeit zu verschaffen, 
und es sonach ernähren zu können; es ist daher keine 
Bearbeitung mit dem Pfluge und anderen Ackerma- 
schjnen möglich; sondern die Bestellung mnfs mi^t 
Hacke imd dchaufel geschehen, d.h. es niufs die ei-^ 



aii>. 



g entliehe Gartenkultar eintreten. In diesem Falle 
it daher weder Wiesen- noch Brachland^ noch Hafer- 
feld vorhanden. Man erbaut solche Gewächse, wel- 
che mit Rücksicht der Zeit ihrer Reife als Nahrungs- 
mittel den meisten Ertrag gewähren« Sowohl in die- 
ser Hinsicht, als rücksichthch der sorgfältigeren Be- 
arbeitung des Bodens kann man sonach annehmen^ 
dafs das rohe ErLrägmis in seiner Eigenschaft als Nah- 
rungsmittel sich bei gleicher Fläche wenigstens um 
ein Drittel über dasjenige erhöhe, was früher ange- 
Hommeii worden ist. Hierzu kommt noch ein Drit- 
liteil aus der Vermehrung der stets bebauten Boden- 
flache 3 so dafs al^o in diesem Falle das Erträgnifs um 
jKwei Drittheile gröfter wird. Sonach können sich auf 
der Oberfläche von i7oMetzen*mögUcher Weise zehn 
T'amilien, jede mit eiiicm Grundbesitze von 17 Met- 
zen Feldes ernähi*en ; oder die Quadratmeile kann auf 
diese Weise eine Bevölkerung von 6000 Seelen ent- 
halten *). ' 

Durch die Zerstückelung des Grundbesitzes ins 
Unendliche ist also auch nach dem reinen Agrikultur^ 
zustande jede Stufe von Bevölkerungsgröfse eireich- 
har; aber ein solches System führt so viele Nachtheile 
mit sich , dafs diese Art von Reichthum eines Landes 
mehr ab ein Übel, denn als ein wünschenswerthes 
Gut angeschen werden mufs. Ist bei dieser Zerthei- 
lung des Gmnd und Bodens jede Familie oder ein 
Theil derselben im Besitze so viel Landes, dafs des- 
sen Kultur ihr noch einigen Überschufs verschafit; so 
tritt derjenige Fall ein , der oben schon erörtert wor- 

*) In südlicberen Ländern, wo die Reife der Nahruitj^smitrel 
scbaellcr ist, ö<!er swei Ernten möglich sind, Itann diese 
Bevollterun^ noch grober vrerden. In einigen Gegenden 
des chincjiischen Mesopotamiens rechnet man 10 bis itooo 
Menschen auf die <^uadratmeilc. Auch jene Lfinder können 
eine verbäUnifsmäfsig gröfsere BevölJierung ertragen, in de- 
nen gröfscre VVald^trecken durch einen hinreichenden Vor* 
rath von Steinkohlen unnölhig Mrerden, 



d^n ; dieser Übersöhufs ist in der Regel gleich^eiiig 
iil>erall derselbe^ folglicfai kein Marktgat. Der geringe 
Werth des Überscliusses beiordert also die Aufnah- 
me neuer Familien in den Grundbesitz, woduicU 
diese Zerstückelung des Grundes in dem rein acker- 
bautreibenden Staate, wenn sie einmahl begonnea^ 
bat , auch immer fortgesetzt wird , und bald ihr Maxi- 
mum erreicht. • 

Hat dagegen , nachdem dieser Zustand eingetrc^ 
ten, jede Familie, oder der gröfste Theil derselben^ 
narso viel Land, dafs sie mit Anstrengung gerade so 
viel baut, als sie verzehrt und für die Sieuerabgabe 
erfordert wird; so ist der Zustand des ganzen Lan- 
des schwierig und mühselig , wie der jedes Einzel^ 
nen selbst. Der kleine Grundbesitzer hat keine Bo- 
denrente mehr, Weil seine Arbeit kaum^ hinreicht, ihu 
selbst zu ernähren : es bleibt ihm also auch kein vei* 
ner Ertrag, kein Erspai^nifs: er ist eben defshalb im- 
mer in Verlegenheit , seine Steuer zu entrichten , und 
der Staat kann seinerseits auf das richtige Eingehen 
derselben zu den vorhandenen Bedürlhissea nicht 
Rechnung machen. Jede aufserordentliche Anstren^ 
gung ist unmöglich^ weil sie unmittelbar das ohnehin 
ohne Zinsen liegende Kapital des kleinen Grundbe-* 
•itzers angreift, und seine ganze Zukunft verwirrt. 

Jede mifsrathene Ernte bringt in diesem Zustande ^ 
ein Übelbefmden des Volkes oder eihe Hungersnoth 
hervor. Denn da der kleine Bauer kehic Ersparnisse 
hatte, so bleibt ihm auch nichts für die Zeit der 
Noth. Geld hat er nicht , weil kein Markt von Le-* 
bensmitteln vorhanden ist , da jede Familie in der 
Regel ihr eigenes produzirt« In Jahren des Überflus^ 
les verzehrt er also diesen selbst, da er ihn nicht vcr-« 
kaufen kann« In dieser Ebbe und Fluih von Mangel 
nnd Überflufs kann die Regierung dann nichts Besser 
jres thun« als bei guten Ernten einen Theil de^ PtcH* 

j4* 



duktes aufzuspeichern^ und diesen dann in Zeiten der 
Noth umsonst oder gegen allmähliche flückzahlung zu. 
vertheilen. Es dürfte wohl hier der einzige Fall ein- 
treten, wo diese Aufspeicherungs - Mafsregel ohne 
Nachtheil, ja selbst zweckmäfsig ist, weil in dem Zu- 
staüde, welchen wir hier vor Augen haben, ohnehin 
keine Verkaufskonkurrenz Statt findet , welche durch 
die Magazinirung abgehalten oder vernichtet werden 
könnte. 

Einige südlicheren Provinzen des chinesischen 
Reichs liefern uns Erfalu*ungsbelege zu dem Gesag- 
ten. Dort in einem aufs höchste getriebenen Agri- 
«kultursjstem diese Vereinzelung des Grundbesitzes mit 
der anpassenden Bevöjkerung, diese Fluctuation von 
Nolh, diese Sorgen der Regierung, diese Mühselig- 
keiten des Volks auf dem kuliivirtesten Boden der 
Weltl 

Gewöhnlich schiebt man die Schuld ähnlicher 
Mühseligkeit auf die Gröfsc der Bevölkerung , und 
glaubt einen ähnlichen Zustand mit jenem der Über- 
i^ölkerung bezeichnen oder erklären zu können. Al- 
lein mit dieser Benennung läi'st sich kein bestimmter 
Begriff verbinden : eine Übervölkerung könnte nm* di 
vorbanden seyn, wo irgendwo mehr Volk lebt, ah 
der Boden ernähren kann. Dafs dieser Zustand je- 
doch nicht acht Tage dauern könne, und bald das 
natürliche Gleichgewicht sich herstellen müsse , leuch- 
tet von selbst in die Augen; im Gegentheile kommt 
die Bevölkerung, wie schon früher erwälmt worden, 
immer in einen Stillstand, wenn die Unterhaltungs- 
mittel einen gewissen Gra4 von Schwierigkeit errei- 
chen. Nicht die Gröfse der Bevölkerung ist es , wel- 
ciie hier das Übel begründet, sondern die Gleich- 
förmigkeit ihrer Arbeit und Produktion. Könnte 
jede der tausend Familien, welche in unserem Falle 
die QuadratmeiU bewohnen, einen kleinen . Über- 



ii3 

«chufs^ den sie in mittleren Zeiten ilireni Felde abge- 
winnt^ preiswiirdig verkanfen ; so würden sdch Märkte 
bilden^ auf denen sie in Zeiten d^r Noth ihren Be- 
darf befriedigen könnten. Setzen wir auf diese Qua- 
dratmeile nur fünfhundert Familien^ aber ganz unter 
demselben Zustande des reinen Agrikultur wesens wie 
vorher ; so finden wir auch bei dieser Menschenzahl 
ganz dieselben Verhältnisse wieder^ weil sie, aufser 
. Sunde, ihren Überschufs zu verwerthen, immer auch 
nicht mehr erzeuget, als sie braucht, folglich in 
Mifsjahren, ohne Beihülfe der Regierung, eben so 
in Nbih geräth , wie die doppelt so grofse Bevöl- 
kerang. 

Hieraus ergibt sich die dem ersten Anscheine 
nach auffallende, durch die Erfahrung bestätigte, 
Bemerkung , dafs die Gefahr der llungersnoth 
überhaupt in jenen Ländern am leichtesten eintrete, 
denen ein mehr oder wehiger reiner Agrikulturzustand 
zukommt, oder in welchem der bei weitem gröfsere 
Theil der Bevölkerung nur aus Landbauern besteht ; 
ihr Grundbesitz mag übrigens gröfser oder kleiner sejn. 
Denn da diese Eigenthümer nur dasjenige bauen, 
was sie verzehren , oder unögekehrt, weil die Hervor- 
bringung eines Überflusses, für den sie keinen Markt 
haben, unnütz wäre : so bleibt ihnen wenig oder nichts 
vom Eigenen in der Zeit der Noth; nichts kömmt 
ihnen vom Fremden ; weil alle Anderen sich in demsel* 
ben Zustande befinden. Dieses ist, in der Vorausset- 
zung des Systemes, welches wir hier vor Augen ha- 
ben, eben sowohl der Fall, es mögen viele oder we- 
nige Menschen auf der Quadratmeile leben. 

hierin liegt der Grund, warum In alleren Zeiten, 
bei einer bedeutend geringeren Bevölkerung pnd einem 
fruchtbareren Boden die meisten europäischen Län- 
der bei Mifsjahren mit Bedrängnissen in der Subsi- 
stcnz oder mit walirerHungersnoth heimgesucht worden 



9X4 

ß\nd, *— ein Wort, .dessen Sinn mdii heut zu Tage 
JuLUxn noch mehr kennt! Die Bevölkerung hat sich 
Verdoppelt y und ein Mifsjahr, seibat mehrere, verur« 
machen Jetzt hlofs gröfsere Theuning^ nicht Mangel. 
Dieses Wunder ist nicht die Folge des Kartofieibaues 
oder der höheren Kultur dps Bodens (Elemente, wel- 
che zum Widerstände gegen ähnliche Ereignisse za 
f'cringfügig sind); sondern ds ist die Folge der seit 
unfzig Jahren mächtig erhöhten Gewerbsindustrie I 
Piese hat eine neue Bevölkerung erzeugt , welche 
Geld verdient durch andere Arbeit, als beim Acker- 
l)au; welche ihre Lebensmittel, sie finden sich wo 
Bte wollen, mit diesem Geide kauft; welche daher 
Märkte geschaffen hat, auf die, des Absatzes ge- 
wifs, von Nahe und Feme die Verkäufer die Lebens- 
mittel bringen« Mifsernten erzeugen daher bei die- 
ser freien, sichergestellten und vervielfachten Kon- 
kurrenz der Verkäufer jetzt nur Theurun^. Mangel 
^ürde nur dann entstehen können, wenn in allen Lan* 
dorn gleiche Noth einträte^' was dem Gange der Na^ 

inr entgegen ist 

Der hlofte Ackerbau vermag also allerdings un-* 
ler den dargestellten Umständen eine Bevölkerung 
hervor zu «bringen, so grofs als die Kulturfahigkeit 
dos Bodens sie zu ttagen fiihig ist, — aber eine Be* 
vdlkerungsmasse , deren , Zusund man nicht ohne Mit*- 
leiden betrachten kann ; bei welcher alle Genüsse des 
Lebens dureh die immer drohende Noth verschfun- 

Sen «ind ; bei welcher die Arbeit nie den Lohn flu- 
cti der ihr gebührt, und bei weicherauch die gröls* 
ten Anstrengungen nicht vor Mangel und Verderben 
sichern. Eine solche Bevölkerung belästigt die Re«- 
gicrung mit nnabläfsiger Sorge für die Erhaltung der 
Oith*.ang, und bietet ihr für oie Bedürfnisse des Staa-r 
tos wenig HüUsmittel dar« In diesem Zustande einer 
floktuireiiden Noth kann auf die höheren Interessen 



I m5 

der Menschlieit und der fortschreitenden Kultur we» 
nig gedacht werden. 



Ganz anders, und in einem viel erfreulicheren 
Lichte erscheint der Zustand eines Landes, in wel- 
chem aufser der ackerbautreibenden Bevölkerung 
noch eine bedeutende Bevölkerungsmasse vorhanden 
ist , welche sich mit dem Ackerbau nicht beschäftigt, 
dagegen dessen Überschufs durch den Ertrag der 
Arbeit kauft, die sie auf die Hervorbringung anderer 
Produkte verwendet, d. h. wenn der ackerbautrei» 
benden Bevölkerung eine gewerbetreibende Bevölke- 
rung von bedeutender Masse gegenüber -steht. Der 
Bedarf dieser Familien, welche blofs verzehren , ohne 
Nahrungsmittel zu produziren, hat einen regelmäfsi- 
gen Markt erzeugt, auf welchem der Produzent seinen 
sicheren Absatz findet. Eine Mifsernte brin<];t keine 
Hungersnoth hervor: denn dem Grundbesitzer bleibt 
auch bei schlechter Ernte sein eigener Bedarf : der 
Gewerbtreibende aber kauft mit seinem Gelde höch- 
stens um höhere Preise auf dem Markte, auf welchem, 
wenn sonst keine Hindernisse vorhanden sind, die 
Konkurrenz der Verkäufer in einem gewissen Verhall- 
nisse mit dem Wachsen der Preise zunimmt. Unter 
diesen Umständen ist daher die Sorge der Regierung 
liir die Bedürfiiisse der Bevölkerung sehr gemindert, 
indem sie sich nur hauptsächlich auf die Nichtbeen- 
gung und die Beförderung der Privatuntemehmun^ 
gen erstreckt« Oflfentliche Speicher werden nun nicht 
nur unnöthig, sondern unzureichend und schädlich, 
weil sie die Unternehmungen der Privatkonkurrenz, 
welche jeden, auch den gröfsten, Bedarf zu decken 
im Stande is^ beirren, indem sie den Verkäufer von 
einem Markte abschrecken ^ auf welchem er mit jener 
öffentlichen Anstalt nicht Preis halten zu können furch-* 
ten mufs. 



- Im Vorigen haben wir gesehen , dafs der Acker- 
bau allein einem Lande nur in dem Falle einer grofsen 
^p.nheiluiig des Grundbesitzes eine bedeutende Be- 
völkerung zu verschaflTen vermöge. Ist eine bedeu- 
tende gewerbtreibende Bevölkerung vorbanden; so 
kann dagegen ein gröfserer Grundbesitz nicht nur ohne 
Nuchtheil der Bevölkerung bestehen., sondern er be- 
steht selbst mit überwiegenden Vortheilen vor dem 
sehr getheilten Besitie. Von einem gröfseren Wirth- 
schaftsgute bleibt dem Eigenthümer ein gröfserer Rein- 
ertrag , welcher mehr oder weniger ganz für Produkte 
der Gewerbe verwendet wird. Bei einer gewissen 
Zertheilungsgröfse des Grundbesitzes hört dagegen, 
wie wir oben gesehen haben, der Reinertrag beinahe 
ganz auf; es bleibt demnach dem Besitzer nichts oder 
wenig zum Ankaufe jener Gewerbserzeugnisse, wel- 
che einigermafsen zur Veredlung des Lebens gehören. 

Es ergibt sich hieraus der merkwürdige Satz, 
dafs die Zersplitterung des Grundbesitzes über eine* 
Gränze, der Gewerbindustrie oder dem Anwachsea 
der industriellen Bevölkerung nachtheilig sey; weil 
jene Zerlheilung eine arme Bevölkerung erzeugt, die 
immer nur mit der Noth zu kämpfen hat, und auf 
Veredlung und Verschönerung des Lebens nichts ver- 
wenden kann. In einem Lande, in welchöm die 
Zcrtheilung des Grundbesitzes kein Hindernifs flndet, 
wird daher das Anwachsen einer bedeutenden indu- 
striellen Bevölkerung durch das Wachsthum jener Be- 
völkerung gehindert und unterdrückt, welche aus je- 
ner Gütertheiluug entsteht. Denn in der Rcgelist aer\ 
Ackerbau unabhängiger, als der Betrieb irgend eines 
Gewerbes, und wenn mit einem kleinen^Kapital ein 
Grundbesitz oder ein Gewerbsbetrieb verschafft wer- 
den kann ; so wird in der Regel der erstere vorgezo- 
gen. Jeder Knecht, der eine kleine Summe erspart 
hat, sucht sich durch Ankauf irgend eines kleinen 
Grundes diese scheinbar unabhängige Lage lu ver- 



«17 

schaffen. In dem Mafse nun ^ als diese durch kleine- 
ren Gnmdbesitz gegebene Bevölkerung fortschreitet^ 
mufs die industrielle Bevölkerung zurückbleiben, und 
das Land nähert sich jenem Zustande^ welchen wir 
oben beschrieben haben. Diejenigea also^ welche 
möglichste Theilung des Grundbesitzes und die Be- 
förderung der Nationalindustrie zugleich woUen^ ver- 
wickeln sich in einen Widerspruch« 

• 
Je wohlhabender der Bauer ist , je gröfser sein 

Überschufs ; desto mehr hebt sich dieNationalindustrie 
und die ihr zukommende Bevölkerung. Je mehr man 
übrig hat, desto mehr glaubt man zu bedürfen; desto 
mehr verwendet man auf Forderungen der Bequem- 
lichkeit und des Anstaudes. Der Gewerbsmann lebt 
aber nur von demjenigen, was er von dem Landmanne 
kauft : dieser kann von dem Gewerbsmanne wieder 
nur so viel kaufen, als er selbst verkauft bat. Der 
Stand des Ackerbaues und der Stand der Gewerbsin- 
dustrie bestimmen daher wechselseitig einander. 

Die höhere Gewerbsindustrie eines Landes (ab- 
gesehen von dem auswärtigen Handel) ist daher auf 
den höheren Wohlstand derjenigen gebaut, welche 
sich unmittelbar mit dem Ackerbau beschäftigen. Die- 
ser Wohlstand wird durch die Gröfse des Beinertrags 
gebildet. Ohne Gewerbsindustrie ist im Gegentheil 
auch dieser Wohlstand des Ackerbautreibenden nicht 
möglich ; weil sie allein den Reinertrag des Ackerbaues 
möglich macht, indem, wie wir friiher gesehen ha- 
ben , ohne dieselbe auch die gröfste Ackerfläche dem 
Eigenthümer unnütz wird, da er auf derselben kei- 
nen Überfluis hervorbringen kann, weil kein Markt 
für denselben vorhanden ist. 

Wir haben in dem bisher angeführten Beispiele 
gesehen, dafs eine Ackerfläche bei mittlerer Kultur 
wenigstens doppelt so viel Produkte liefert^ als für 



ai8 

die Ernährung derjenigen hinreicht^ die sich mit der 
Bestellung derselben beschäftigen. Die Hälfte dieser 
Fläche bleibt aber so lange unbebaut, bis der Eigen- 
thümerdes Verkaufes des Überschusses nicht versichert 
ist. Sobald die Gewerbsiiydustrie neue Bedürfnisse 
einführt, die der EigeAthümer befriedigen will, wäh- 
rend die Ackererzeugnisse einen neuen Markt finden; 
so sucht er seinen Rohertrag zu vergröfsern , und be- 
haut endlich seine ganze Fläche; während welcher 
Zeit sich sein Rfsinertrag immer vermehrt. Die Ein- 
nahme verwendet er zum Ankauf der Industrieerzeug- 
nisse. Mit dem Anwachsen der industriellen Bevöl« 
kerung vermehren sich die Preise der Erzeugnisse 
des Ackerbaues : diese spornen den Landmann zu neuer 
Thätigkeit ; er sucht auf der vorhandenen Flache den- 
möglichsten Ertrag zu gewinnen, nachdem ihm kein 
unbebauter Boden mehr übrig ist. Mit dieser erhöh- 
ten Kultur seines Bodens und dem Wachsthume sei- 
nes Wohlstandes vermehrt sich auch seine Verzeh- 
rung industrieller Erzeugnisse. Diese verstärkte Kon- 
sumtion begünstigt wieder das Wachsthum der indn- 
striellen Bevölkerung, und diese vermehrt wieder die 
Produktion der Ackererzeugnisse und deren Preis. 

Dieses bestätiget sich in allen Ländern ; dort, wo 
die Gewerbsindustrie im höchsten Flor ist, ist es auch 
der Ackerbau: wo erstere darnieder liegt, fehlt es 
auch dem letzteren an Aufschwung. 

In dem Mafse, als das Land' höher kulti vir t wird, 
um die Bedürfnisse der gewer^treibenden Bevölke- 
rung zu befriedigen , braucht es auch mehr Hände 
als vorher. Mit dem Wachsthum der industriellen 
Bevölkerung vermehrt sich also auch jene Bevölke- 
rung^ vrelche sich mit dem Ackerbaue beschäftiget. 



Auf diese Art und bei dieser natiirlicIieD und nn« 
gehinderten Wechselwirkung der Ackerbau- und Ge- 
iverbindustric vermag nun die Bevölkerung eines Lan- 
des y auch bei grörscrcm Grundbesitze , ]ene Gröfse 
zu erreichen, welche sie, v\rie oben gezeigt v^orden, 
durch die gröfstmöglichste Zersplitt^erung des Grund 
und Bodens im reinen Agrikulturstande erreichen 
könnte. Aber diese Bevölkerung ist in der Qualität voil 
]cner sehr verschieden. Dort ist das Land arm, seine 
Subsistenzmittel sind gefährdet, und Stelen Schv^an- 
knngen ausgesetzt : hier ist es v^ohlhabcnd; nirgends 
Blangel, ein lebhafter Verkehr von nahe und ferne 
erzeugt überall und schnell Überflufs , viro Bedarf ist. 
Dort ist in der Gleichheit des Besitzes, des Bedürf- 
nisses, der Arbeit ein tödtender Stillstand im physi- 
schen und moralischen Vermögen : hier dagegen sind 
mannigfaltige Klassen neuen Reichthums entstanden ; 
um die ganze Produktion der Gewerbsindustrie hat 
sich dieser Reichthum vermehrt; die Ungleichheit 
des Besitzes, der Arbeit, der Kultur, der Bedürfnisse, 
Bat vielseitige Interessen er^seugt, die aich wechselsei- 
tig auf einander stützen: die Masse der Arbeit hat 
sich ins Unendliche vermehrt , und ist eine uner- 
schöpfliche Fundgrube für Jeden. Diese Bevölkerung 
bietet in ihren mannigfaltigen und unerschöpflichen 
Erwerbmitteln der Regierung regelmafsige und nie 
versiegende Hülfsquellen dar: sie bedarf wenig leiten- 
der Vorsorge ; sie hat in ihren Elementen selbst die 
sicherste Bürgschaft einer dauernden Ruhe. Diesen 
leuten wichtigen Punkt müssen wir auf einen Augen- 
blick näher betrachten. 
. » 

Jene , durch ein reines Agrikulturwesen geschaf- 
fene, gröfsere Bevölkerung bietet eine gleichförmige 
Masse dar , die durch irgend ^einen Impuls gleichmäs- 
sig in Bewegung gesetzt wird; denn cu( Alle gleiches 
Interesse , gleiche Noth und gleiche Wünsche har 
ben; so ist kein Grund vorhanden, dafs dieselbe Einr 



« 



wirkuBj^ auch nicht auf Alle gleichmäfsig Statt findeii 
soll. In dem höheren Kulturzustande hingegen^ wel- 
chen die freie Wechselwirkung der Ackerbau- und 
Gewerbindustrie hervorgebracht hat , verhält sich 
alles ganz anders. Hier sind zuvörderst drei Klassen 
der Bevölkerung durch die Verschiedenheit des Be- 
sitzes^ der Arbeit und derinteressen deutlich von ein- 
smder geschieden, nähmlich: jene der Grundbesitzer^ 
der Gewerbetreibenden und der Taglöhner. Die letz- 
teren sind theils von dem GrundeigeAthümer, theils 
von dem Gewerbetreibenden abhängig , ' theilen also 
mehr oder weniger die Interessen der beiden Haupt- 
klassen y und ihre Ansichten und Interessen sind schon 
aus diesem Grunde getheilt. Das Interesse des Grund- 
eigenthümers stützt sich auf jenes des Geworbtreiben- 
den; das Interesse des Gewerbtrcibenden ist auf jenes 
des Eigenthümers gebaut. Der Zustand , in welchem 
sich beide befinden, ist allmählich durch die freund- 
schaftliche Wechselwirkung ihrer Arbeit hervorge- 
bracht worden, und kann durch irgend eine Störung 
nur Nachtheile erleiden. Keiner kann in seinem Wohl- 
stände leiden , ohne dafs der ^andere das Übel nicht 
in gleichem Mafse mit empfände. Jener Zustand aber» 
er sey im öfientlichen oder im Privatleben, tragt in 
sich die wahreBürgschaft seiner Dauer, wo das eigene 
Interesse an das fremde so geknüpft; ist, dafs jede 
Änderung des einen oder des andern nur nachtheilig, 
auf alle zurückwirkt. Bei jeder Gelegenheit also , wo 
durch Mitwirkung der dritten Klasse, die kein oder 
wenig Eigenthum besitzt, für welche also Änderun- 
gen mehr oder weniger gleichgültiger sind, irgend 
eine Gährung entstehen sollte , werden die beiden 
übrigen mächtigeren Klassen immer fest verbunden 
seyn, um jede Unordnung zu verhüten. Bei den gros- 
sen Mitteln, welche sie in Händen haben, und bei 
der Abhängigkeit , in welcher sich diese dritte Klasse 
von beiden befindet, wird ihre Einwirkung nie frucht- 
los seyn. 



Wir sehen hrervon die Bestätigung in der Ge«^ 
schichte. Die in neuerer Zeit in England mit Hülfe 
\on sogenannten Luddisten , Radikalen etc. Statt ge- 
fundenen Unruhen haben nie einen Erfolg gehabt^ 
und I^önnen ihn nicht 'haben ^^eil diese Anstrengun- 
gen immer an dem Widerstände der natürlich und ohpe 
Verabredung yerbundenen . Grundeigenthümcr und 
Gewerbetreibenden (Kaufleute und Manufaktiu*isten^^ 
die immer über den gröfsten Theil der dritten Klasse 

febieten^ scheitern müssen. Es ist kein Beispiel yor- 
anden , dafs in einem Lande , in welchem Ack'erbau 
und Gew^rbindustrie in gleichem Flore aufeinander 
gestützt sind^ eine Revolution entstanden wärej häu- 
fig ist jedoch dieser Fall in allen Wclttheilen in Län- 
dern, in welchen das reine Ackerbauwesen vorherrschti 
Die Revolutionen der neuesten Zeit sind in Ländern 
entstanden^ in denen die Gewerbsindustrie kaum dem 
Nahmen nach bekannt, und eine gew erbtreibende 
Bevölkerung von hinreichender Gröfse, um ihr Inter- 
esse in die Wagschale legen zu können, nicht vor- 
handen ist. Eben das war in Frankreich vor 1788 
der Fall. Die hohe Gew erbsindustrie eines Landes 
mufs in dieser Hinsicht als ein wahres Palladium der 
bürgerlichen Ruhe desselben angesehen werden. 



Die gröfste, reichste, kultivirteste und ruhigste 
Bevölkerung eines Landes kann also jdur durch die volle 
und ungehinderte Wechselwirkung der Ackerbau - und 
Gewerbindustrie hervorgebracht werden. Die^c Wahiv 
heit ist bisher allseitig erwiesen worden. 

Eine hohe Ackedbaukultur, hohe Gewerbsindu- 
strie, grofse, wohlhabende und ruhige Bevölkerung, 
höhere geistige und moralische Kultur, Behaglichkeit 
des allgemeinen Zustandes, — diese Elemente des 
ßuhmes und der Macht eines Staates sind also so in- 
nig uni einander verbunden, und «so wesentlich von 



» 

einander abhängend^ dafs wenn je zwei derselben in- 
ir{;end einem Lande vorhanden sind y auch alle übri- 
gen demselben zugebören^ weil erstere ohne die letz- 
teren nicht möglich sind. 

Der Ackerbau verdankt der GewerbsiiiJustrie 
seine höhere Kultur ^ und nicht nur einen Jiöherea 
Reinertrag 9 sondern^ wie wir oben gesehen haben^ 
in dem gewöhnlichen Laufe der Dinge selbst die Mög- 
lichkeit eines Reinertrages überhaupt. Die höchste 
Kultur des Bodens wird durch sicheren Absatz seiner 
Produkte in guten Preisen belohnt; die Gewerbsiut 
dustrie weiset überdem dem Ackerbau die Kultur ro- 
l^er Produkte zu^ welche der Gewerbtreibende zur 
Umstaltung benöthigt , und die aufserdem^ eben aus 
Mangel dieser Verwendung^ nicht erzeugt werden 
würden, z.B. Wolle, Seide, Baumwolle, Hanf, Far- 
' bematerialie^i , Bauholz u. s. w. In jenen Landern, 
in welchen die Gewerbsindustrie höher steht , finden 
wir auch die höhere Kultur des Bodens und den grös- 
seren Reinertrag des Grundeigenihums. Dieser Rein« 
ertrag nimmt in dem Verhältnisse zu, in welchem Aus« 
dehnung und Qualität der Gewerbe sich vermehren. 
Die Produktionsfdhigkeit, folglich der Reichthum des 
Landes, wächst auf diese Art immer fort; denn da, 
wo die mannigfaltigste Arbeit ihren Werth findet, 
findet auch jede mögliche Anstrengung Statt. . Diese 
wachsende Erhöhung der Produktionsfähinkeit führt 
nothwendig die Erhöhung der intellektuellen Kulttur 
herbei, weil sie ohne Beförderung der nützlichen V^i»- 
senschaflen und Künste nicht möglich ist. 

In eben diesqm Mafse wächst auch die morali- 
iche Kultur ; denn die allgemeine Beschäftigung, die 
fillgemeine, verhältnifsmäfsig verbreitete, Behaglichkeit 
des Zustandes, die in der vielseitigen Verknüpfung 
der wechselseitigen Interessen gegründete Ruhe sind 
die mächtigsten Beför d^rungsmittel der Sittlichkeil. 



I 



Auf diese Art sind die ackerLautreibende Bevöl- 
lerung und die gewerbetreibendeBevölkerung in ihrer 
Subsisienz und ihren Bedürfnissen von einander ab^ 
hängig ; denn auch ein Theil der ackerbautrei- 
I>enden Bevölkerung besteht nur durch das Yoihan- 
densejn der gewerbetreibenden; wie ein Bückblick 
auf die im Früheren angegebenen Fälle zeigt. Gesetzt 
in einenr ackerbautreibenden Lande ^ das sich einet 
hohen Gewerbskultür erfreut, werde diese durch Ein- 
wirkung ungünstiger Uinstände vermindert; so wird 
aich dadurch zuerst die Konsumtion der gewcrbtrei- 
benden Bevölkerung, und dann ihre Gröfse selbst ver- 
mindern : in dem Mafse dieser Verminderung vermin- 
dert sich der Rdnertiag des Grundeigenthümers, da 
die Preise der Produkte lallen : mit dieser Wohlfeil-« 
heil vermindert sich auch die Produktionsgröfse , da 
es nicht mehr lohnend ist, auf den höheren Ertrag 
so viel Kapital oder Hände, wie vorher zu verwen- 
den. Mit der Verminderung .der gewerbtreibenden 
Bevölkerung vermindert sich also auch die ackerbau- 
treibende Bevölkerung. IVlan sieht hieraus^ wie un- 
richtig die Behauptung ist, dafs die Gewerbsindustrie 
dem Ackerbau arbeitende Hände enuiehe: im Ge- 
genlheile ist aus den bisherigen Entwicklungen zur 
Genüge ersieh tlicby dafs die höhere Gewerbsindustrie 
dem Ackerbau arbeitende Hände zuführe, und die 
Bevölkerung, die sich mit demselben besphäfUget, 
vermehre. 

Die Befriedigung der Bedürfhisse, welche eine 
höhere gesellige Kultur imd der wachsende Flor d<;r 
Industrie mit sich bringt, ist das Reizmittel, vermit- 
telst dessen die Gewerbsindustrie den Ackerbau zur 
steten Vermehrung undVeredltmg seiner Erzeugnisse 
antreibt. Würde der Landmann diese Bedürfnisse 
nicht befriedigen; würde er sich utdit besser klci* 
,den, sich Hausgeräthe kaufen, und Werkzeuge an- 
scha0en, wdch« s^in« Arbeit erleichtern |&^ würde. 



er auch nicht üasjenige hervorhringen^ für dessen 
' Preis er jene Bedürfnisse befriedigen konnte. 'Denn 
nur darum findet er für seinen Überflufs einen Markt, 
weil er dagegen Dinge kauft ^ vrelche von Gewerb- 
treibendea hervorgebracht worden sind. Ein Erspar- 
nifs des Überschusses bei möglichster Einschränkung 
dieser Bedürfnisse^ dadurch^ da(s man denselben als 
ein Geldkapital ansammelt^ kann in der allgemeinen 
Zirkulaiionsweise nur als Ausnahme gelten. Denn es 
ist den Neigungen des Menschen mehr angemessen, 
dasjenige, was er einnimmt, zu Befriedigung der Be- 
dürfnisse zu verwenden , für welche ihn sein Kultur- 
zustand empfänglich gemacht hat , als siqh diese Be- 
friedigung zu versagen. Ein allgemeines Sparungssy- 
stem^ würde sich übri|;ens selbst zerstören. Denn je 
mehr auf der einen Seite gespart wird, desto mehr 
wird auf d er andern Seite an Arbeit und Er^erbs- 
fäbigkeit vermindert. Da nun, wie wir bisher gese- 
hen haben , aller Erwerb der verschiedenen Klassen 
der Gesellschaft mit einander in so nothwendiser 
Wechselvnrbindung steht, dafs die Bedrängnifs des 
einen aucJa alle übrigen mehr und minder affizirt, so 
vermiiidert im Allgemeinen der Sparende auch in ei- 
nem gewissen Verhältnisse .die Gröfse seines eigenen 
Jleinertraio's ; die Zirkulation der Arbeit und des Ka- 
pitals wirri vermindert^ und mit ihr die allgemeine 
Wohlhabenheit; so dafs am Ende nur Wenigen et- 
was blcUrt, das sie, auch bei aller Entsagung^ erspa- 
ren könnteQ. Nur im Einzelnen wird das Sparsystem 
unschädlich 9 theils weil diese Ersparnisse gegen die 
gesammtfj Masse des Reinertrags verschwinden ; theils 
weil auf der anderen Seite immer wieder eben so viele 
vorhandüu sind, welche jenes Ersparnifs durch ihr« 
YerschN"} endung kompensiren; 

« 
Dpr äufsere Wohlstand der Bevölkerung , nähm- 
lich di«e^ anständigere und bessere Kleidung, Bewoh- 
Aung umd Lebensweise, auch der geringeren Klassen, 



2a5 



ist daher auch ein sicheres Kennzeichen des wahren 
Wohlstandes des Landes^ und des höheren Flores 
seiner Ackerbau - und Gewerbindustrie in ihrer un* 
gehinderten Wechselwirkiuig. Denn da es unmög- 
lich ist, dafs aUe zugleich mehr als ihren Reinertrag 
verzehrten j so kann dieser äufsere Wohlstand auch 
nur die Frucht dieses Reinertrages selbst scyhi 

• 

Man sieht hieraus^ wie schädlich für die Fort*« 
schritte des Wohlstandes und der Macht eines Lan«^ 
des alle Mafsregeln sind, welche direkt oder indirekt 
den sogenannten Luxus beschränken. Welche Arten 
Too Bedürfnissen unter dieser Benennung begriffen 
werden müssen, läfst sich überhaupt nicht bestim-* 
man. Bechaet man dahin die Befriedigung aller je- 
ner Bedürfnisse, welche nicht mehr noth wendig sind : 
so fangt der Luxus da an , wo der Stand der Natur und 
der Barbarei aufhört; und der Pflug, die ländliche 
Hüue, der gegerbte Schafpelz gehören dann ebenso 
gilt zum Luxus, als der vorgoldete Staatswagen, der . 
Pailast^ das galonirte Kleid. Jeder Fortschritt in der 
Kultur macht Änderung in den Bedürfnissen , und die 
Gränze dieses Fortschreitens liegt unendlich weit 
entfernt. 

Wie sehr die Hülfsquellen des Staates in det^ 
Beffiedigung seiner Bedürfnisse selbst, durch den 
Flor der Gewerbindustrie in ihrer Wirkung auf den 
Ackerbau vermehrt werden , läfst sich aus dem Bi/$'- 
herigen von selbst übersehen. Man würde irren, wenn 
man die Gröfse des Beitrags, welchen die Gewerbs- 
industrie zu den Staatskosten liefert, nach der Abgabe 
schätzen wollte, welche von den Gewerbtrcibendcn 
wirklich geleistet wird, oder auch nach der Gröfse 
des Reinertrags, den die Gewerbindustrie an und 
fdr sich liefert. Es ist bisher gezeigt worden $ dafs 
ein anderer Theil der Ackerbauindustrie gar nicht bc« 
stehen könntq, wenn derselbe durch die Oöwerbnitl« 

'•lirlk, 4* poljt. Intl. UJ« Dtl. ,l3 



aaC 

dustrie selbst nicht wäre ins Leben . gerufen worden. 
Auch dieser Theil mufs daher als ein Produkt der 
Gewerbindustrie angesehen ^ und mit ^u deren Er- 
trägdifs geschlagen werden. Es folgt aus den bereits 
oben angegebenen Agrikulturverhältnissen ^ nach wel* 
chen ein ganz angebautes Grundstück wenigstens dop- 
pelt so viel produzirt y als die Menschenzahl y die sich 
mit seiner Bestellung beschäftiget , zur Produktion 
und Verzehrung braucht, und es wird weiter unten 
durch das Beispiel eines crofsen Landes bestätiget^ 
dafs der aus der Gewerbindustrie entspringende steu- 
erbare Ertrag wenigstens eben so grols ist^ als jener, 
welchen der Ackerbau liefert. 

Die Geldmittel eines Staates^ welche die Regie« 
rung in den Stand setzen , auch in unvorgesehenen 
Fällen schnelle Hülfsquellen zu eröffnen, stehen über- 
haupt im Verhältnisse mit der Ausdehnung der Ge- 
werbsindustrie. Denn der Grund und Boden des Ge- 
werb treibenden ist das Geldkapital, ein he wegKcher 
Jleichthum , der gerne dahin geht, wo Sicherheit und 
Gewinn sich ihm darbieten. 



Wir wollen in Beziehung auf den vorliegenden 
Gesichts|[>uukt und um die Bestätigung des bisher Er- 
örterten in einem Beispiele nachzuweisen, die stati- 
stischen Angaben über die Produktions- Verhältnisse 
der Ackerbau- und Gev^erbindustrie in Frcmkreic/i 
benützen, wie sie vom Grafen Chaptal in seinem 
Werke über die französische Industrie angegeben 
sind, und welche bereits im ersten Bande der Jahr- 
bücher des k. k. polytechn. Instituts, S. 4^8, angeführt 
wurden. 

Es koD&mt hierbei nicht auf die absolute Genauig- 
keit dieser statistischen Daten hm^ sondern nur auf 



die beiläufige Richtigkeit ihres Verhältnisses gegen 
einander. 

Um hierin die erforderliche Übersicht zu erhalt 
ten , müssen 'wir zuvörderst den reinen Ertrag des 
Ackerbaues mit dem verzehrbarcn Ertrage der Ge- 
werbsindustrie vergleichen^ Der reine Ertrag des 
Ackerbaues wird durch den Überschufs über die zur 
nachhaltigen Produktion erforderliche Vcrzehrung^ 
und durch den Preis dieses Überschusses gebildet. Die- 
ser Preis hängt bei gleicher Produktion von der Kon- 
kurrenz der nicht ackerbautreibenden Verzehrer ^ oder 
vonder Gröfse der gewerbtreibenden Bevölkerung ab: 
die Möglichkeit des Überschusses selbst aber von dem 
Daseyn dieser Bevölkerung; wie bereits im Vorigen 
erörtert worden. Der verzehrbare Ertrag der Ge- 
"werbsindustrie besteht aus dem ganzen Verdienste 
der Arbeit und dem Fabrikations- und Handelsge- 
winn: er kann^ wie der reine Ertrag des Ackerbaues^ 
verzehrt werden^ ohne das Betriebskapital anzugrci' 
fen^ oder die Produktionskraft zu vermindern« 

Graf Chaptal gibt den rohen Ertrag des Acker^^ 
baues für Trankreich auf 4678.7 Millionen Fran- 
ken an. 

Dieser Werth enthält nach Chaptal: 

38 1.25 Millionen für den Sampn^ 
88.7 Millionen für die Abnützung und Sterblich- 
keit der Thierej 
862.78 Millionen für. die Nahrung der Thiere; 
1702.23 Millionen für die Nahrung der Menschen, 
die sich mit dem Ackerbau beschäftigen 
(beiläufig 17 Millionen Menschen); 
3oo Millionen für die Unferhajtuirg der Cebao- 
de, Acker werkzeug^^ Geräthschaften ßio,* 



•h.» 



3334 Millionen Franken. 

iS 



918 

Zieht man dies/e Summe von dem rohen Ertrag 
ah, so ergibt sich ein reiner Ertrag von 1 344-7 Mil- 
lionen Franken^ 

Nimmt man von dieser Summe noch 4^6 Millio- 
nen Franken weg, welche darin als Werth der in* 
ländischen Stoße enthalten sind, welche der Gewerbs- 
industrie als rohe Stoffe übergeben werden; so ver- 
bleiben 928 Millionen Franken, welche den Werth 
des Überflusses an Nahrungsmitteln darstellen, die 
an diejenige Bevölkerung verkauft werden, welche 
sich nicht mit dem Ackerbau beschäftiget. 

Der gesammte Ertrag der Gewerbindustrie isl. 
auf 1830 Millionen Franken angegeben. 

Dieser Werth besteht nach Chaptal: 

i) aas ^16 Millionen Franken für inländische 
Stoffe; 

2) aus 186 Millionen Franken für ausländische 
Stoffe; 

3) aus iQ2 Millionen Franken an allgemeinen 
Unkosten, als Abnützung der Werkzeuge, Repara- 
turen, Heitzuqg, Beleuchtung, Interessen des An- 
lagekapitals i 

4) aus 844 Millionen Arbeitslohn; 

5) aus i8a Millionen Franken als Gewinn des 
'Fabrikanten. 

Der verzehrbare Ertrag der Gewerbsindustrie 
kann daher mit Zugrundlegung dieser Daten, als 
folgender berechnet werden: 



33$ 

• 

^44 Millionen Franken Arbeitslohn; 

i8^ Millionen Franken Gewinn des Fabri- 
karten ^ 

t:a8 Millionen Franken^ welche in den 19a 
Millionen für allgemeine Unkosten als 
verzehrbar enthalten angenommen wer- 
den ^ indem diese allgemeinen Unkosten 
^röfstentheils aus Arbeit und Kapital- 
Interessen bestehen i 

3^4 Millionen als verzehrbarer Ertrag des mit 
der Gewerbsindustrie verbundenen Han- 
dels ; 



Betrag 1478 Millionen Franken. 

Der angegebene Handelsertrag begreift die Ren- 
ten der Handelskapitalien , die Transportkosten alle;r 
Art 9 die Arbeiten der Unternehmer und ihrer Hülfs- 
personen^ die Zinsen (ur die Niederlagen etc.^ und 
ist berechnet : ^ 

i) mit !2öVo von' dem halben Be- 
trage der Industrial - Produktion^ indem 
man annimmt^ dafs die andere Hälfte 
mehr oder weniger unmittelbar aus der 
Fabrikation in denVerbrauch übertrete^ 1 80 Millionen j 

3) für den Handel mit den inlän- 
dischen und ausländischen rohen Stof-« 
fen, welche für die Fabrikation ver- 
wendet werden, im Betrage von 60a 
Millionen ä i^Vo ••••••• 7^ "^^ 

3) für den Handel mit denjenigen 
Nahrungsmitteln, welche zur Ycrzeh- 
rung der gewerbHeifsigen Bevölkerung 
und was mit derselben zusammenhängt, 
gehören,^ auf 900 Mill. Fr» zu 8"/o . 7a » 

334 MUl. Fr. 



a3o 

Von dem obigen Betrage pr. 1478 Millionen Frai^- 
jven müssen jedoch abgezogen werden: 

i) Von den 3oo Millionen Franken, 
als Betrag der Unterhaltung derGebäü-^ 
de und Geräthschaften des Ackerbaues, 
derjenige Theil, welcher in industriel- 
ler Arbeit besteht , undzu^des ganzen 
Betrages angenommen werden kann, 
mit • • . . , :iooMillFr.: 

3) die eigene Verzehrung an Ge- 
werbspr odukten von denjenigen^ welche 
$ich mit den Gewerben beschäftigen, 
aufser derjenigen Verzehrung dieser Art, 
welche in den allgemeinen Fabrikations- 
Unkosten bereits enthalten ist, mit sSVo 
flör ganzen Summe von 1 480 Mi llionen 3ao » » 

520 Müh Fr. ' 

Sonach verbleiben als verzehrbarer Ertrag der 
^ Gewerbsindustrie 968 Millionen Franken. 

I Der verzehrbare 'Überschufs des Reinertrags des 

Ackerbaues betrug 928 Millionen Franken». Folglich 

wird der verzehrbare Überschufs des Ackerbaues von 

. dorn verzehrbaren Ertrage der Industrie gerade erf 

schöpft. ^ 

Dasselbe ergibt sich, wenn wir aus dem Ver- 
bältnisse dieses verzehrbaren Ertrags die Einwohner- 
^alil berechnen. Es wurde oben bemerkt, dafs die 
ackerbautreibende Bevölkerung pr. 17 Millionen Men- 
schen, jährlicbideu Werthvon 1703 Millionen Franken 
I verzehri: der verzehrbare Ertrag der Gewerbsindu- 

strie ist c)5b Ainiionen Franken; folglich 1702 :958 =3 
17:9^} oder die Bevölkerung, welche durch letztern 



Stil 

Ertrag erfährt wird^ beträgt 97 MilliQnen; die ganze^ 
Bevölkerung sonach 26^ Millionen Menschen. 

Wir sehen hiernach , was früher aus der Natur 
der Sache hergeleitet wurde, in der Erfahrung be- 
stätiget , dafs die.,Grö/se des Reinertrags des Acker^ 
baues sich genau nach der Gröjse des verzehrba-^ 
ren Ertrages det Gewerbsindustrie richte. So wie 
sich der letztere Ertrag vermehrt; so vermehrt sich 
auch der Reinertrag des Bodens, und mit des>sen Ver- 
minderung vermindert er sich verhältnifsmäfsig. . Da- 
lier finden wir in denjenigen Ländern, in welc>hen 
die Gewerbindustrie höh^r im Flore ist, auch immer 
diesen Reinertrag gröfser, und in seiner Gröfse an- 
haltender gesichert, als in jenen Ländern, wo jene In- 
dustrie noch auf einer nieaeren Stufe steht. Ein Land, 
dafs den Reinertrag seines Bodens vorzüghqh auf die 
Ausfuhr seiner Produkte gründet , ist, wie wir bereits 
oben gezeigt haben , in diesem Reinertrage unaufhör- 
lichen, oft den empfindlichsten Schwankungen aus- 
geseut« 



Nehmen wir als Gegenstand der Vergleichung 
die Gröfse der Bevölkerung an : so ergibt sich beim 
ersten Anblicke, dafs jene 9 Millionen Menschen, wel- 
che unmittelbar durch die Gewerbii^dustrie ihi^e Sub- 
sistenz erhalten, nicht der einzige Theil der Bevöl- 
kerung sind, um welchen sich diese mit der Vernich- 
tung dieser Industrie vermindern würde ; denn auch 
ein Theil der ackerbautreibenden Bevölkerung ist von 
der Existenz der Gewerbtreibenden abhängig. Ohne 
diese Industrie würde nähmlich: 

i) der Ackerbau nicht erzeugen die ^16 Millio- 
nen Franken Werth an inländischen rohen Stoffibn ^ 

2) eben so wenig den ganzen übrigen Theil des 



Reinenrags.pr. 928 Millionen Franken, weil dafür die 

Yerzehrer^ folglich die Markte fehlen; 

r 

3) ferner nicht die 3oo Millionen fiir die Un- 
terhaltung der Gehäude^ Acker Werkzeuge und Ge- 
räthschaften ; weil sie sodann der Landmann theils 
fiir die dringende Noth sich selbst verfertigt^ theils 
entbehrt. 

« 

Die genannte ackerbautreibende Bevölkerung von 
jj Millionen enthält beiläufig 5 Millionen Menschen 
an Taglölinern und Hülfspersonen.. Wird die vorste- 
hende Produktion unnöthig, so verliert diese Men- 
schenzahl ihre Arbeit , weil diese dann auch nicht 
mehr nöthig wird; indem der ansäfsige Landbauer 
nur für seine eigene Nahrung zu sorgen braucht, die 
er erhält, ohne seinen Böden ganz «anbauen zu 
müssen. 

Die Bevölkerung sinket also unter dieser Voraus- 
setzung von etwa 27 Millionen Menschen auf 12 Mil- 
lionen Herunter. Diese geringere* Anzahl ist auf dem- 
selben Flächenraume noch dazu viel ärmer und nach 
allen Yerhältnissen der Zivilisation viel elender, als 
die vorige, mehr als doppelt so grofse Bevölkerung. 
Spanien liefert hierzu ein eindringendes Beispiel — 
dieses Land, das einstens, als seine Gewerbsindustrie 
einen höheren Flor hatte, als irgendwo im ganzen 
üiu*igen Europa, eine wohlhabende Bevölkerung von 
i5 Millionen Einwohner besafs , die sich mit der all- 
mählichen Vernichtung seiner Industrie bis auf 10 
Millionen vermindert, und die Hälfte des ackerbaren 
Landes wüste gelassen hau 

Bei der nalürlichen und ungehinderten Wech- 
selwirkung der Ackerbau- und Gewerbindustrie kann 
die Bevölkerung, wie oben gezeigt worden, sich bis 
tu einer sehr entfernt liegenden Gränze vermehren, 



a33 

oBne dafs die Nalirungssicherheit gefährdet^ oder 
eine sogenannte t)l)ervölkerung erzeugt würde. Denn 
keine Wirkung ist gröfser als die Kraft ^ welche sie 
liervorbringt : die gewerbtreibende und acLerbautrei-^ 
bende ^Bevölkerung gründen sich aber wechselseitig . 
in einander^ wie Krait und Wirkung : es kann also im 
natürlichen Gange der Pinge auf keiner Seite ein 
Mifsverhältnifs eintreten , wie sich aus dem Bisheri- 
gen von selbst ergibt. Die JVahrungsverhältnisse der 
gewerbtreibenden Bevölkerung sind nur dann schwan- 
kend, wenn sie nicht auf den inländischen Ackerbau, 
sondern auf ausländische Yerzehrung gegründet sind : 
es tritt dann derselbe Fall ein , wie bei den Verhält- 
Bissen eines ackerbautreibenden Landes , das seinen 
Oberflufs nicht an die inländische gewerbtreibende 
Bevölkerung abgibt, sondern in die Fremde ausfuhrt. 
Jede Störung von aufsen bringt dann Mifsbehagen im 
limern hervor. Ein eigentlich ackerbautreibendes Land 
und ein eigentlich manufakturirendes Land befinden 
sich daher in demselben unnatürlichen Zustande und 
leiden an gleichen Übeln. Auf diesen wichtigen Un- 
terschied mufs man Rücksicht nehmen', wenn man 
über die Gröfse der Bevölkerung oder die sogenannte 
Übervölkel^ung nicht irrige Ansichten aufstellen will. 

So sehen wir aus der vorstehenden Yergleichung 
der Industrialverhältnisse Frankreichs , dafs , so gün- 
stig auch diese Yerhältnisse sind , und so sehr ein un«- 
unterbrochenes Fortschreiten in denselben erkennbar 
ist, dennoch der 'Ackerbau und sonach die Gewerbs- 
industrie noch lange nicht jenen Flor erreicht haben, 
dessen sie fähig sind. Im letzteren Falle müfste der 
reine Ertrag des Ackerbaues beinahe noch ein Mahl ' 
so 'grofs werden, als er gegenwärtig ist, und der 
verzehrbare Ertrag der Industrie in demselben Ver- 
hältnisse gewachsen seyn. Dieser Ertrag wird sich 
ei geben , wenn die Bevölkerung zu etwa 4o Millionen 
Menschen angewachsen i^t. Diese grofsc Bevölkerung 



!l34 

Mfird aber so wenig Spuren einer Übervölkeraog an 
«ich tragen; dafs vielmehr alle Subsistenzmittel durch 
den wechselseitig steigenden Bedajff nur noch mehr 
gesichert sind^ als b^i der geringeren Bevölkerung; 
und die Masse des allgemeinen Reichthums und die 
Wohlhabenheit der Einzelnen sich verhältnifsmäfsig 
vermehrt hat« 

Die Resultate der vorstehenden Erörterungen 
können wir in folgenden Hauptsätzen^ zusammen- 
fassen : 

i) Der Ackerbau kann für sich, wenn keine grofse 
Güterzertheilung besteht^ nur eine geringe Bevölke- 
rung auf einem bestimmten Flächenraume hervorbrin- 
gen : und selbst diese Bevölkerung befindet sich auf 
einer niedrigen Stufe* der gesellschaftlichen Kultur. 
Der Gnindeigenthümer erhalt keinen Reinertrag, und 
seine Bodenrente beschränkt sich^ bei einiger Aus- 
dehnung seines Besitzes ^ blofs auf die Ersparung sei- 
ner eigenen Arbeit. 

2) Gründet isich der Reinertrag des Ackerbaues 
blofs auf die Ausfuhr seiner Erzeugnisse , so kann die 
Bevölkerung dabei auch nicht merklich vermehrt wer- 
den. Dieser Zustand ist überdem schwankend und 
abhängig; .er ist denselben Übeln unterworfen, als 
der Zustand der Gewerbindustrie , welche ihren Er- 
trag auf die ausländische Yerzehrung gründet« 

3) Bei einer grofsen Zertheilung des Grundbe- 
sitzes ist allerdings eine sehr grofse Bevölkerung mög- 
lich. Aber diese Bevölkerung ist arm, mühselig und 
imruhig. In der Gleichheit des Besitzes, des Be- 
dürfnisses und der Arbeit ist ihr physisches und mo^ 
ralisches Vermögen gelähmt. 

4) Mangel und Hungersnoth treten daher aach 



a35 

am leichtesten* ein ^ in den mehr oder weniger rein 
aclerhautreihenden Ländern. Aus der Gleichförmig- 
keit der Arbeit und Prodiiktion der Bevölkerung ent- 
steht das Phänomen 9 das man Übervölkerung nennt: 
es ist nicht von der Gröfse der Volkszahl abhängige 
sondern von der Art seiner Beschäftigung und seines 
Zustandes. 

5) Diejenige Bevölkerung, w^elche durch die Ge-* 
werhsindustrie erzeugt wird, hindert das Fluktuiren 
von Mangel und Überflufs, und stellt selbst die re- 
gelmäfsige Subsistenz der ackerbautreibenden Bevölke- 
rung sicher. Sie erzeugt Märkte , die jeden Bedarf zu 
decken im Stande sind. * 

6) Bei einer bedeutenden gewerbtreibenden Be- 
völkerung ist ein gröfserer Grundbesitz nicht nur ohne 
Nachtheil, sondern er besteht selbst mit überwiegen- 
den Voriheilen vor dem sehr getheilten Besitze. Die 
Zersphtterung des Grundbesitzes ohne Ende ist den 
Fortschritten der Gewerbindustrie hindeirlich, weil 
sie das Anwachsen* einer bedeutenden industriellen 
Bevölkerung hindert und unterdrückt. 

7) Die Möglichkeit desReinertrages des Ackerbaues 
wird durch das Daseyn , und die Gröfse dieses Rein- 
ertrages durch die Gröfse der gewerbtreibenden Be- 
völkerung bestimmt. 0er Wohlstand der ackerbau- 
treibenden Bevölkerung ist wesentlich und nothwen- 
dig durch die GeWerbindustrie begründet. Die Grös- 
sen der gewerbtreibenden und der ackerbautreiben- 
den Bevölkerung bedingen sich wesentlich. 

8) Diese durch die natürliche und ungehinderte 
Wechselwirkung der Ackerbau- und Gewerbindustrie 
gebildete Bevölkerung ist von jener, welche der Acker- 
bau allein bei irgend einer Zertheilungsweise des 
Grundbesitzes hervorzubringen vermag, sehr verschifo- 



a36 

den« Sie ist wohlhabend > in ihren Subsistenzmittebi 
gesichert ; ntannigfaltige Klassen neuen - Reichthums 
sind entstanden; die Ungleichheit des Besitzes^ der 
Arbeit^ der Kultur, der Bedürfnisse, hat vielseitige 
Interessen erzeugt, die sich wechselseitig auf einan- 
der stützen: sie ist eine unerschöpfliche Hülfsquelle 
für .die Bedürfnisse der Regierung. 

9) Diese Bevölkerung gewährt die sicherste Bürg- 
schaft der Ordnung und Ruhe durch die Verschieden- 
heit des Besitzes und der Arbeit ihrer drei Hauptklas- 
sen, deren Interessen wechselseitig in einander be- 
dingt sind, so dafs, was der einen.schadet, nachthei- 
Ug auf alle zurückwirkt. Die hohe Gewerbindustrie 
eines ackerbautreibenden Landes mufs in dieser 
Hinsicht als ein ^n^res Palladium der bürgerlichen 
Ruhe desselben angesehen werden. 

10) Die gröfste, reichste , .kultivirteste und ru- 
higste Bevölkerung eines Landes kann also nur durch 
die volle und ungehinderte Wechselwirkung der Acker- 
bau- und Gewerbindustrie hervorgebracht werden. 
Eine hohe Ackerbaukultur, hohe Gewerbindustrie, 
grofse , wohlhabende und ruhise Bevölkerung, hö«- 
nere geistige und moralische Kultur, Behaglichkeit 
des allgemeinen Zustandes — ^ind wechselseitig in 
einander gerundete und von einand'er so wesentlich 
abhängende Element^, dafs je zwei derselben, die 
übrigen nothwendig bedingen. 



Viele, das wir thschaftliche Interesse eines Staates 
betrefl'ende wichtige Friagen lassen sich hiernach leicht 
beantworten — was jedoch nicht zum Vorwurfe des 
gegenwärtigen Aufsatzes gehört. Die möglichste Be- 
förderung der Ackeii)aukultur bei wohlhabender Be- 
völkerung ist in der Beförderung der Gewerbindustrie 
enthalten« Die wahren Beförderungsmittel dieses^ 



287 

Elementes selbst^ ohne welches weder Reichthum 
noch Macht eines Staates mehr dauerhaft möglich ist^ 
sind vielseitige in dasigesammie Administrations* Sy- 
stem eines Staates verflochten , und verdienen der 
Gegtastand umfassender, und entscheidender Unter- 
suchungen um so mehr zu sejn^ je wichtiger die Re* 
sultate derselben für die praktische Anwendimg sind. 



XIV. 

Darstellung der Eisenerz- Gebilde in den 

Gebirgen der österreichischen Monarchie, 

welche im Norden der Donau liegen *)• 

Von 

Franz Riepl, 

Professor der Naturgeschichte und Waarenliunde iiin 

k. ]i. polyt^ Institute» 



«^ 



w. 



enn es im AUgemeinen wahr ist, dafs a|l9 
nutzbaren Mineralien in den Gebirgen ihre bestimmte 
Lagerungs -Verhältnisse haben ^ welche nicht blofs 
in einzelnen Gebirgszügen, sondern unter allen Him- 
melsstrichen, in wie weit es die bisher gemachten 
Beobachtungen bestätigen , Statthaben, dafs also die 
Mineralschätze weder zufällig , noch unordentlich im 
Schoofse der Erde vertheilt sind; — so gilt dieses 
auch insbesondere in Hinsicht des Yorkommeus ujg|4 



") Bei der sc gen \> artigen Darstellung sind sutn Theil mehrere 
amtliche Mittheilungen benutzt worden , welche aui^ Anord« 
nun*; dt^r hohen li. h. IlofsVi'llen aus den verschiedenen Provin- 
ten der j^onarchie gemacht wurden. Den gröfsten Iheii dtr 
bezetchnefen Kreformationen beobachtete ich übrigens nn^ 
mittelbar selbst in der Nattir, im Laufe des letzten Jahn 
«ehends. 



a38 

der Verbreituttg der verschiedenen Eisenerz-Formatio- 
nen in den Gebirgen. • 

Nachfolgende Darstelluiig von denEisenerz-Gebil* 
den der österreichischen Monarchie soll diese Erfah- 
rung aus dem Gebirgsbaue bestätigen y indem sie die 
Aufgabe hat^ zu zeigen^ dafs die verschiedenen Eisen- 
erze auch in verschiedenen Gebirgsabtheilungen vor- 
konunen^ und eine durch letztere bedingte Verbreitung 
haben. ' 

A. Magneteisenstein -Formation. 

Wenn man das unbedeutende Vorkommen des 
Magneteisensteines in würflichen oder oktaedrischen 
Gestalten^ oder in kleinen derben Partien im Serpen- 
tine^ Thon-Kalk oder Chloritschiefer abrechnet, so ge- 
hörep alle in den österreichischen Gebirgen aufgedeck- 
ten Magneteisenstein - Massen dem Urschiefer auf La- 
gern an. Die Fälle dürften- wohl . sehr selten seyn^ 
wo die Hornblende nicht als Hauptbegleiter, ja selbst 
. als vorherrschendes Gebirgsgestein zugegen wäre^ so 
dafs man die Magneteisenstein -Formation als dem Ur- ' 
trappe eben so angehörig zu betrachten hätte, als es 
die Spatheisensteingebilde im Verhältnisse zu anderen 
Gebirgsmassen sind. Dtv Magneteisenstein bildet 
übrigens einzelne Lagen im Urtrappe, oder, er ist in 
selben verschieden zerstreut eingewachsen, so zwar, ^ 
dafs nach dem sehr wechselbaren quantitativen Men- 
gungsvcrhältnisse des Magneteisensteins, der Hörn-, 
blende, des gewöhnlich gewärtigen Quarzes, Grana- 
tes und Schwefelkieses, der Eisengehalt von i6 bis 
XU 80 Prozent wechselt. 

Die grofse Anzahl von Grubengebäuden, welche 
auf Magneteisenstein-Lagern in den österreichischen 
Gebirgen eröfihet sind, zeugen die Wichtigkeit dieser 
Erzformatioii , obschon selbe an wenigen Orten zu ei- 
nem bedeutenden Eisenhütten-Betriebe Veranlassung 



a39 

geben ^ "wie das mit andern Eisenerz-Gebilden der 
Fall ist. 

Da die Erzlager gleichzeitige und iot'egrirende 
Tbeile de^ Gebirges sind^ in ivelcheip sie erscheinen, 
da es zur JNatur der Lager im Allgemeinen gehört, 
fast stets so lange fortzusetzen , als das nähmlicne Ge- 
birge sich erstreckt; so ist das Erscheinen von Ma- 
/gneteisenstein- Gruben in einer und der nähmlichen 
weiten Erstreckung einer bestimmten Gebirgsabthei- 
lung zwar überraschend ^ aber doch aus den Gesetzen 
der Gebirgsstruktur leicht erklärbar, und in so fem 
auch für den praktischen Bergbau von vieler Wich- 
tigkeit, da dieser nicht blofs bekannte Erzpunkte zu 
bebauen, sondern auch neue aufzusuchen hat. 

Zu den am meisten ausgerichteten Magneteisep- 
stein- Zügen in Österreich gehören gewifs jene am 
südlichen Abhänge des Erzgebirges und des Urgebir- 
ges, das sich von der böhmischen Gränze bis zur J9b- 
nau abdacht. Ohne bei oft bedeutenden Distanzen 
der eröffneten Gruben behaupten zu können, dafs sie 
auf dem nähmlichen Lager aufsitzen; zeigt doch die 
Gleichartigkeit der Bildung und die Richtung der Ge- 
birgsschichlen auf eine nahe Yerwandschaft der be- 
bauten Lagerstätten 5 in Hinsicht des Raumes und der 
' Zeit ihrer Erzeugung. 

Solche Magneteisenstein-Lager sind zu Brenner- 
hof y Kadauny Zopons, Kuklick, Samotin, Wiech- 
now y unweit Ffermsdorf, in einer Erstreckung von 
fast zwanzig deutschen Meilen aufgedeckt. 

Zu Brennerhof y unweit Hermannschlag , im 
Kreise O. M. B., ist die Hornblende bei weitem vor- 
herrschend, der Quarz minder ^läufig, und der Ma« 
gneteisenstein mit Schwefelkies nur sparsam einge- 
sprengt, so dafs der Cisen^ehalt nur neHen über ae 



a4o 

Prozent steigt. Das Lager ist übrigens etliche Lach- 
tet mächtig. 

Das Magneteisenstein - Lager zu Zopons, auf der 
Herrschaft PuUitz , im Znaimer Kreise^ ist dagegen 
mächtiger und reichhaltiger. Aufser der vorherr* 
sehenden Hornblende ist noch Quarz und Schwefel- 
kies eingemengt. Der Gehalt steigt bis auf 29 Pro- 
Eent. DasHorublendelagcr^ dem das Erz aufhört ^ ist 
viele Lachter mächtig und scheint mit jenen von Kor 
^ae^/i^aufdet Herrschaft Geras j im K. O. M . B.^einerlei 
zu seyn^ ungeachtet letzteres auch Granaten fiihrt. 

Bei WiechnoWy auf der Herrschaft Bernstein^ 
in Mähren j ist ebenfalls ein Magnetcisensieiu« Lager 
mit Quarz und Granat aufgedeckt. 

Die Grube bei Kuklik, auf der Herrschaft New* 
stadtly fordert ebenfalls ein magnetisches Eisenerz, 
das jedoch durch die Beimengung von Granat^ vieler 
Hornblende und Schwefelkies, in Gehalt und Güto 
sehr zurücksteht. 

Der am meisten gegen Morgen aufgedeckte Punkt 
dieses Magneteisenstein - Zuges , längs der böhmisch- 
österreichischen und böhmisch -mährischen Gränze, 
dürfte wohl an der St. ^^na- Zeche auf dem Seich- 
hügel ober Ff^ermsdor/, Herrschaft Wiesenberg lie- 
Sen, wo ein zwischen i^ — 2^ mächtiges Lager mit 
er gewöhnlichen Lagerfährung im Abbaue steht, imd 
ein bei 3o Prozent reiches Erz lieferte Die Horn- 
blende ist hier eben so vorherrschend wie zu Zo- 
pöns 9 Kodaun etc. 

« 

Da nur der Urs chiefer ,^ zu welchem aufser dem 
Gneuse, Glimmer- und Thonschiefer , auch der La- 
gergranit gehört, das Gebirge bildet, in 'welchenv. 
Magneteisenstein, und zwar fast stets auf eingebettc« 



% 

34t 

ten Trapplagern vorkommt, so würde man im flachen 
Böhmen umsonst nach diesem Erze suchen ; dagegen 
zeigt sich im Urgebilde des Erzgebirges wieder ein 
bedeutender Magneteisenslein -Zug auf Lagern, wel- 
che hei Neurlej^ y bei Jonchimsthal und im Pressnit-^ 
zer Bergamts - Bezirke aufgedeckt sind. 

Wenn man den unweit Baireuth angefahrenen 
Magneteisenstein zu diesem Zuge rechnet, so zeigt sich 
diese Erzbildung von einer seltenen Erlangung; und 
es dürfte nicht schwer seyn, die weitere Ausrichtung 
in den Zwischendistanzen zu machen, wenn man nur 
auf die verschiedenen Gebirgslagen, besonders auf 
Jas Hervortreten der Hornblende und des Granates, 
gehörig aufmerksam ist. Da der Rotheisenstein in der 
ganzen Erstreckung dieser^ Erzlager sehen mangelt, 
!(0 gibt eine eisenschüssige rothe Oberfläche des Bo- 
dens auch einen naturgemäfsen Wegwei>f^r zur Ey- 
scbürfung beider Erzgattungen ab^ 

• 

Das bis 5° mächtige Magtietcisenstein-Lager, aiti 
Eibenberge , auf dem zur. Bergstadt ^eudeck gp- 
hörigen Grunde, im Ellbogtier Kreise, ist besonders 
reich an eingemengten Granaten, und liefert ein vort 
a5 — 3o Prozent haltiges Erz. 

Das unweit Joachimsthal ausbeifsende Magnet- 
eisenstein-Lager ist nicht weiter in Abbau gesetzt,* 
aber dadurch für den Geognosten wichtig, dafs es 
das Fortstreichen des Magneteisensteines zwischen 
JVeudeck und dorn Prefsnitzer Revier darthut. tjbri'- 
gens dürfte diese Eisenlagerstätte bei dein Verfalle 
der Jbachimsthaler Silberzechen bald von vieler 
Nutzbarkeit werden:- 

Die im Prefsnitzer Bergamtsbezirke im Saat: elf 
Kreise angesessenen Lager zeigen mehr Mannig«ak 
ligkeit in ihrer Zusammensetzung.- 

Ijvirrb. A, folyt. U«t. III. fld. iQ 



Die im Kupferberger und Oberhalser Gebirge 
bebauten Lager fuhren nähmlich gemeinen Rotheisen- 
atein (auch Eisenglanz) mit erdigem Braunsteine und 
aufgelösten Thonarten ^ ferner Magneteisenstein einge- 
sprengt in Hornblende. Der Rotheisenstein ist nicht sel- 
ten mit Klüften von Braun- undKalkspath^ Eisenkiesel 
und reinem Quarze durchzogen.. Oft findet sich im 
Hangenden und Liegenden auch Spatheisenstein mit 
einer mehrschuhigen Mächtigkeit ein. Diese sehr ge- 
mengten Lager sind iihrigens von !2|-^ bis i5' mächtig, 
und die Erze bis 3o Prozent hältig. 

Noch zusammengesetzter sind die bis zu 3o^ 
mächtigen Lageiry besonders bei der Dorothea -Zeche 
im Orpuser Gebirge, wo der sehr reiche Magnetei- 
senstein mit Hornblende ( Strahlstein ) , Granaten, 
Schwefel- und Arsenikkies, Gliuimer, Kalkspath und 
Kalzedon gemengt ist, und zuweilen noch dichten 
Rotheisenstein sammt Jaspis, Quarz und Hornstein 
mit sich fuhrt. Der Urkalkstein im Hangenden , und 
der Gneus im Liegenden vermehren die Mannigfaltig- 
keit der hier einbrechenden Mineralien. 

Das bis 20^ mächtige Lager im Gremfsiger und 
Auspanner Gebirge hat mit dem vorigen gleiche geo- 
gnostische Verhältnisse, aber Erze* unter 3o Prozent 
im Gehalte. 

Die sehr häufig verdrückten , minder mächtigen 
Lager im Kunstberger Gebirge nächst Sorgentnal 
sind endlich durch die Begleitung von Glimmer, Kalk- 
spath, Asbest, aufgelösten Serpentin und Schwefel- 
kies ausgezeichnet ; während die 3 bis 9' mächtigen 
Lager im Rothenfnjser Gebirge bei Sonnenberg 
sich durch ihre Rotheisenstein - Führung mit Kalk-, 
Schwer- und Flufsspath, mit Braunstein und Thon- 
arten charakterisiren. 



Es Terdient übrigens eine nähere Untersuchung^ 
ob nicht etwa mehrere der da einbrechenden Minera- 
lien viehnehr zu späteren Bildungen auf Klüften^ als 
^ zu den Lagermassen selbst gehören;, denn eine sol- 
che Mannigfaltigkeit^ und zwar von obigen Minera- 
liengattungen ^ stimmt nicht ganz mit den gewöhnli« 
eben Erfahrungen über die Struktur und Zusammen- 
setzung der Lager zusammen. Übrigens zeigt das 
Magneteisenstein - Lager auf der Herrschaft Grün- 
berg in Böhmen bei einer Mächtigkeit von .2' — 6' 
imd bei 3o — 4^ prozentigen Erzen auch Flufsspath 
in seiner Begleitung. 

Da der Urschiefer der Karpathen mit jenem der 
Sudeten zusammenhängt^ so scheint es zweckmäfsig 
zu seyn^ auch die Magneteisenstein- Gebilde^ welche 
in ersteren bereits bekannt sind^ in Kürze hier anzu- 
führen. 

.Das für den nieder- ungarischen Hochofenbetrieb 
zu Theisholz in Abbau stehende Lager zu Magne^ 
tos^a führt aufser Magneteisenstein Eisenglanz- und 
Chromerze. Es streicht mit einer Mächtigkeit von 
*u' — y zwischen Urkalk im Hangenden^ und Glim- 
merschiefer im Liegenden fort^ 

Das Erzlager bei Glovan^ im wollachi^ch- illyri- 
schen Gränzbezirke^ führt bei einer Mächtigkeit von 
150 — 20° Magneteisenstein von 5ö — 60 Prozent 
Gehalt^ mit Brauneisenstein , Granat (grünen^ reiben 
nnd braunen) 9 Schwefelkies^ seltener etwas Kupfer- 
kies. Das Hangende ist Sienit, das Liegende Granit^ 
welcher wieder auf Sienit ruht« 

Ein ähnliches Verhalten hat die Lagerstätte bei 
Ruskbergy ebenfalls im wallachisch -illyrischen Granz^ 
bezirke^ indem mit dem Braun - und Rotheisensteine, 

lÖ * 



244 

auch Spatheisensteia und Strahl^tein als Begleiter def 

Magneteisensteines auftritt. 

% 

Von der mächtigen., erst vor kurzem aufgedeck- 
ten Magneteisenstein-Niederlage am Ferdinandsberge 
hei Ohaba im Bisträer Thale unweit Karänsebes, 
im wallachisch - illyrischen Gränzreviere^ ist nichts 
weiteres hekannt. 

Das EÜsabether Lager im ürsorter ' Gehirge 
. bei Wognatschka hat aufser Magneteisenstein noch 
Roth- und Brauneisenstein, Bleiglanz, Granaten, 
Tremolit, Kupfer- und Schwefelkies etc. in seiner 
Zusammensetzung. Auf dem nähmlichen Lagerzuge 
scheint der Pogschaner Eisensteinbergbau aufzu- 
sitzen. 

Eine mit dem Glos^aner ganz gleiche Erzfuhrung 
hat das Lager zu Saldenhofen an der stciermärkisch- 
kärnthnerischen Gränze. 

Bemerkens werth ist ferner das i^ — 2 J® mäch- 
tige Magneteisenstein -Lager im Glimmerschiefer auf 
der Eretillaer St. j^ntoni - Zeche bei Jakobenjr in 
' der Bukowina , da. es als das letzte östliche Magnet- 
eisenstein-Gebilde in den österreichischen Gebirgen 
zu betrachten ist. 

Die Abweichungen, welche man in der Erzfiih- 
rung der Magneteisenstein -Lager wahrnimmt, wür- 
den noch mehr überraschend seyn, wenn man die 
Mittel zu ihrer Erklärung nicht darin fände, dafs nicht 
selten die drei verschiedenartigen Eisenstein-Formatio- 
nen , wielche dem Urschiefer auf Lagern angehören, 
in eine Auf- und Nebeneinanderlagcrung treten, und 
dann gleichsam nur eine Formation bilden, welche 
dann freilich sehr zusammengesetzt aussieht. Obige 
drei Formaiionen sind aufser der des Magneteisen- 



idcines jen^ des Spatheisensteincs und Rotheisensteines. 
Der Brauneisenstein macht keine eigene Bildung auf* 
Lagern^ sondern erscheint nur als* ein allmähliches £r-< 
seu^ifs aus dem Spatheisensteine^ und zwar meistens 
als ^Überzug, mit fasrigem Geiiige, seltener in dich* 
teil und okrigen oder zerreiblichen Varietäten. 

B. Rotheisenstein - Formation. 

a* Im Urs Chief er, 

Punkte^ wo der Rotheisenstein selbstständig auf 
Lagern im Urschiefer erscheint^ sind die Zechen am 
Schwedenberge auf der Herrschaft Neudeck y und 
im Rothfiifser Gebirge bei Sonnenberg im Erzge^ 
birge an der böhmischen Seite. Die übrigen Eisen* 
erzlager im Presnitzer Bergwerksrevicre sind als 
aus der Magnet-^ Roth- und Spatheisenstein-Forma- 
tion züsammengesetz.t zu betrachten. 

Ob der bekannte Irrgang , welcher vom Plattner 
Reviere im ElWogner Kreise nach Sachsen mit ei- 
ner Erstreckung von etlichen Stunden übersetzt, ein 
Lager oder Gang scy^^ konnte ich an Ort und Stelle 
nicht ausmitteln. Mir scheint jedoch das Erstere Statt 
zu haben^ da die Zusammensetzung aus Rotheisenstein, 
Brauneisenstein mit wenig Quarz und Schwefelkies sehr 
einfach ist, da das Liegende Granit, das Hangende 
eine Thonschieferart ist, welche letztere oft über tio 
Klafter von der Lagerstätte weg , eisenschüssig ist. 

Die Lagerstätten bei Erla, nächst Schwarzen- 
bergy und jene bei Scheibenberg dürften als gleich- * 
artig und gleichzeitig zu betrachten seyn. 

Bemerkenswerth ist ein auf dem Kreuzberge der 
Herrschaft Polna , im Czaslauer Kreise, aufgedecktes 
I — 2 schuhiges Lager von Eisenglanz, da hiedurch 
dasDaseyn dcsRotheiseusteins im südlichen Urgebilde 



346 

Böhmens dargethan ist. Das Hangende davon ist 
Chloriisciliefer, das Liegende scheint Urtrapp mit 
Quarz zu seyn. Sollte nicht auch wie im Erzgebirge 
in der Nähe des Rotheisensteines der Magneteisen- 
stein vorbeistreichen, da ohnehin nordöstlich und 
südwestlich vom Kreuzberge in der Erstreckung des 
dasigen Urschicfers reiche Magneteisenstein - Nieder- 
lagen eröffnet sind? 

Die merkwürdige Rotheisenstein - Niederlage im 
mittleren Böhmen gehört in eine viel spätere Ge- 
Lirgsbildungs- Periode, und wird weiter unten als ein 
selbstständiges grofses Erzgebilde erscheinen. 

Auch die Karpathen zeigen in ihrem Zuge die 
.Rolhcisenstein- Formation auf Lagern, als; bei /ooo- 
bery-y in der Bukowina, auf der Zeche Pfl^Ukomm 
der Kaiserin , zwischen Griinstein - Porphyr und 
schiefrigem Kalksteine, mit einer Mächtigkeit von 3' 
bis g' 3 da jedoch der meiste Porphyr ein viel jiinge- 
res Gebilde ist, so dürfte diese Rotheisenstein -Nie- 
derlage vielmehr mit jener des mittleren Böhmens 
gleichzeitig und gleichartig seyn. 

Die Moravitzaer Eisensteinlager im Krassover 
Komitate sind durch einen grofsen Gehalt der Erze 
von 45 bis 60 Prozent, und durch eine grofse Mäch- 
tigkeit der Lagerstätten ausgezeichnet. Die Lager- 
stätte Elias von 7° — 8° Mächtigkeit und das The- 
' resialager von 5® — lo^Mäcbti^jkcit, liegen zwischen 
Urkalk und Sienit, während das 30^ — 23^ mächtige 
Elisabethlager y und das 12° — i5^ mächtige Pau- 
luslager . zwischen Urkalk und Schiefer fortstreichen. 

Diese Erzformation ist ziemlich zusammengesetzt, 

denn sie führt aufserdem Eisenglanze undRotbeisen- 

, steine (Glaskopf) häufig dichten und okrigen Braun« 

leisenstein^ Magneteisenstein, gemeinen Granat,^ sei- 



ten Strahlstein^ Asbest^ Quarz ^ Kalzedon^ etwas 
Schwefel- und Kupferkies; und auf der Lagerstätte 
Elisabeth und Paulus auch Galiuay. 

Die unbebaute Lagerstätte bei Deutsch- Gladna 
liihrt aufserdem noch Spatlieisenstein ; und man kam! 
beide als aus der Roth- und Spatbeisenstein- Forma- 
tion^ zu welcher letzer en 'auch der stets regenerirte 
Brauneisenstein gehört^ zusammengesetzt betrachten. 

« 

Überhaupt zeigen alle gröfsercn banatischen Ei- 
senerz - Lager ein ziemlich gleiches gcognostisches 
Verhalten j denn das Mehr- oder Minderwerden des 
einen oder anderen Mincrales^ und selbst das Ver- 
schwinden desselben auf verschiedenen Punkten einer 
durch ihre Lagerungs - Verhältnisse und Zusammen- 
setzung übrigens gleichartigen Erz- Formation kann 
die Erkennung der geogoostischcn Verwandtschaft 
selbst sehr entfernter Erzpunkte nicht stören, da 
eine und die nähmliche Lagerstätte nicht selten in 
kurzem Erstrecken obige Veränderlichkeit zeigt. 

An den Lagerstätten im wallachisch -illyrischen 
Gränzbezirke tritt, wie schon oben gesagt wurde, 
auch der Magneteisenstein in die Zusammensetzung 
der Erzgebilde ein. 

Die Blauöfen zu Monyaskay Monyasza, Monya- 
haza im Arader Komitate verschmelzen Rothei-* 
senstein, der mit Brauneisenstein einbricht. Die wei- 
teren Lagerungs Verhältnisse hievon sind unbekannt > 
so wie von jenen, die zu den übrigen Blauöfen im 
nähmlichen Komitate das Erz liefern. 

In dem i5ropo/<rz^o/a/ier Be Werks distrikte> in Äe- 
benbürgen y tritt dichter Roiheisenstein unweit Ti^e^ 
busan im Thale Lichipatak auf einem Lager im 
Glimmerschiefer auf> und fuhrt bei einer Mächtig-» 



?48 

keit von 3^ bis 6* aufser Quarz und Kalkspaih keine 
anderen Mineralien. Auf dem ^ahoer Gebirge Prisz- 
lop kömmt er unter gleichen Verhältnissen v'or^ und 
fuhrt nur etwas Bleiglanz mit sich. 

* 
Bei dem Bergbaue zu Praehogi - Stjre , in dem 
JJatse^er Thale , in ^der Hunjrader Gespannschaft^ 
in SiebenhUrgefiy ist ein Lager von Eisenglanz mit 
okrigem Brauneisenstein im Glimmerschiefer in AJ> 
})au gesetzt; eben so charakteristisch ist das Vor^ 
konimeu des Eisenglanzes mit Quarz auf Lagern im 
Urschiefer zu Petermanovetz in Ungarn — eine 
Erzbildung y welche besonders in den Uralpen von 
Innerösterreich häufig erscheint, wo jedoch gewöhn- 
lich noch der Spatheisenstein beitritt. 

b) Im Graawacken-Gebirge. 

Zu der wichtigsten Erz - Formation der öster- 
reichischen Gebirge gehört bestimmt das mächtige 
und weitfortsetzende Rotheisenstein - Gebilde im Ra- 
kofpitzer, Berauner und Pilsner Kreise Böhmens. 

Nur wenige Niederlagen nutzbarer metallischer 
Mineralien haben im Inlande einen gleichen Eifer zu 
^hrer Aufdeckung und Benützung rege gemacht. 

Besonders die westliche Hälfte des Berauner 
Ki'eises, und auch die angränzenden Reviere der übri- 
{;en zwei Kreise beweisen den Einflufs , welchen 
dieser Mineralschatz auf die Thätigkeit der Menschen 
und auf die Physiognomie des Landes nahm. Ein zahl- 
reicher Verein von Hochöfen , Hammerwerken , Grob- 
und Kleinschmieden, weitäusgedehnte Wälder und 
verhältnifsmafsig wenig Feldbau sind das Resultat 
4es aufgeschlossenen Mineralreichthumes. 

Da der Reichthum, das Genie und der Unter- 
jEiehmungsgeist einiger dasiger Gewerkschaften mit Be- 



a49 

I 

hanlichkcit und Umsicht diese Freigebigkeit der Ge- 
Lirgsnatiir ;^u LcDÜtzen lehrte ; so wurde der Eisen- 
bullen -Haushalt dieser Gegenden^ besonders in Be- 
siehung des Gufswesens^ eine wahre Schule fiir den 
gleichen Industrialzweig des übrigen Böhmens ^ j% 
selbst für die angränzenden Länder. Wer ist im 
'Stande den Einflufs zu berechnen, den Horschowitz 
in dieser Hinsicht seit dreifsig Jahren nahm y beson- 
ders wenn man der Anforderungen der gcsammten 
Industrie an unentbehrHchen Gufsstücken gedenkt^ 
welche die.'>es Werk, und später viele andere, mit 
so vieler Vollkommenheit lieferten ! — 

Theils die Gröfse dieser Erz -Formation, theils 
ihre erlangte technische Wichtigkeit, machen es, dafs 
selbe im INachfolgenden etwas umständlicher behan- 
delt ist* 

Aller Rotheisenstein im mittleren Böhmen kömmt 
auf einem mächtigen Lagerzuge im Grauwackeli - Ge- 
birge vor , welches den gröfsten Theil des Berauner 
und Pilsner Kreises, und einen grofsen Theil des 
Rakonitzer, Kaurzimer und Klattauer Kreises be- 
deckt , und aus mannigfaltig abwechselnden Schich- 
ten der Grauwacke, des Grauwackenschiefers (Kie- 
selschieiers), Übßrgangstrappes (Grünsteines) '), Griin- 
steinschiefers *), Grünstein - Porphyres ^), Mandel- 
steines ^), Kugelf elses ^) Homblendegesteines *) und 
Porphyrs ^) besteht. 



*) Ist iiördlicli , südlich und wesrlich von Prttg sehr häufig. 
'^) Ul eben da zu treircn« 

3) Unweit RoMtock hu Moldau • Durchrisse von Prag abwärts 
KU Sehen« « 

4) Ist fast überall in der Begleitung des Rothcisenstcines , dann 
bei Zditz^ Zebrak^ Jaroup etc, im Berauner I{ reise xu^refTcn. 

*) ßei huchtlbad nächst Prag ^ auch unweit Wschettaten auf 

der U!errschai^ BUrgliti^ sehr ausgezeichnet. 
•) Wie i) und 2). 
') Uuwoit Rostock^ und bei Wewanow* 



« 
Ein ungemein lehrreiches Profil von der Struk« 
tur des höhmischen Grauwacken- Gebirges zeigt der 
Moldau - Durchrifs von Stiechowitz his Liebschitz 
hinab. 

Der Rotheisenstein geht alle Abänderungen vom 
Dichten zum Körnigen und Linsenförmig-Abgesonder- 
ten, und selbst bis zum Eisenglimmer und Eisenglanz 
durch. Durch das körnige Gefüge geht er allmählich^ 
"wie bey Zditz, in eisenschüssigen Mandelstein und 
durch das schiefrige Geiiige in eisenschüssigen Ober- 
gangs - Thonschiefer ( Grauwacken - Schiefer ) über, 
welches letzere an sehr vielen eröffneten Zechen oft 
in der Mitte der Erzlager selbst zu sehen ist. Der 
Gehalt dieser Rotheisenstein- Varietäten wechselt von 
^4 his zu 5o Prozent und darüber. Es ist übrigens 
iineigentlich^ diesen Eisenstein einen (dichten , kör- 
nigen, linsenförmigen) Thoneisenstein zu nennen, wie 
es in diesem Erzreviere so gewöhnlich Statt hat, 
da das Grauwacken - Gebirge keinen Thoneisenstein 
fuhrt, da dieser nie in Eisenglanz übergeht (wie es 
doch bei Swata^ im itaAromz^r Kreise, dann auf der 
Herrschaft Totschniky an der Kafetan-, Prokopi- und 
jilojrsia-Tjeche y ferner an der /TttrArer - Zeche , auf 
der Herrschaf t Z6/roiv etc., im Berauner Kreise, der 
F.all ist); da das mehr mechanische als krystallini^^he 
Gefüge dieses Eisenerzes mit den Eigenthümlichkei- 
ten dieses Gebirges, in welchem es eingelagert ist, zu- 
sammenstimmt. 

Übrigens läfst es sich nicht läugnen, dafs die 
rothe Farbe an einigen eröffneten Punkten mehr ins 
Braune zieht, und das äufsere Ansehen thoneisen- 
steinartig ist ; doch nach derlei nur zufälligen Erschei- 
nungen kann sich die Ansicht im Grofsen nicht 
richten. 



^5i 

Der häufig gerin<^e Gehalt der Erze entsteht 
durch das Einmengen aes Grauivacken - Schiefers. 

Anfserdem führen die Lager nebst obigen Roth- 
eisenstein -Varietäten und den nicht selten eingelager- 
ten Schichten^ Putzen und Nestern von Thonschie- 
fer auf schmalen Querklüften Kalkspath, Schwer- 
spath , Schwefelkies (häufig in sehr schönen Penta- 
gonal'Dodekaedern)y endlich auch Zinnober (Quek- 
silberleber-Erz). Letzteres Gebirgserzeugnifs wurde in 
frühern Zeiten bei Swata unweit Beraun auf Klüf- 
ten abt;ebaut^ welche ^den dasigen Rotheisenstein 
(Eisenglanz) durchsetzen^ aufserdeui findet es sich 
noch unter gleichen Verhältnissen zuweilen an der 
Giftherger Eisenstein -Zeche unweit Horschowitz, 
dann an. der JVosseker Grube im Pilsner Kreise. 

« 

Die Erzlager gehen in ihrer Mächtigkeit selten 
unter 3', und steigen bis zu 16^ empor. Es ist schwer, 
die Anzahl der hinter einander liegenden verschiede- 
nen Lager zu bestimmen ^ da der Gr^uwacken-Schie- 
fer in, diesen Gegenden das gleiche Verflachen nicht 
beibehält, sondern wellenförmige Biegungen macht, 
folglich dienähmlichen Erzlager wahrscheinlich mehr- 
mahlen d^m Streichen ins Kreuz zu Tage bringt. 

Da übrigens der südliche Rotheisensteinzug, wel- 
cher durch die Zechen von Stiach lau , Straschitz, 
Benigna, Dobrziw, Horschowitz etc. aufgedeckt ist, 
bei einem mit der gesammten Gebirgsstruktur kon** 
formen Streichen von O. N. O. nach W. S. W. ein 
Einschiefsen nach N.N.W, zeigt, wahrend die nörd- 
lich eröffneten Lager auf den Herrschaften Bürglitz, 
Totschniky Wosseck^ Zbirow, Rokitzau etc. "^in 
Falleti nach S. S. O. haben ; so scheinen beide Züge 
von Rotheisenstein - Zechen blofs auf dem doppel- 
ten Ausgehenden einer und der nähmlichen rinnenfor>- 



aSa 



mig eingelagerten OLoiheisensteinlager -Formation auf- 
zusitzen. 

Mit dieser Ansicht^ welche für das Geschäft des 
SchürfenSy uud somit für den praktischen Bergbau 
nicht unbeachtet bleiben sollte^ stimmt auch das Strei- 
chen und Verflachen der gesammten Gebirgsschichten^ 
und besonders die Oberflächen . Verhältnisse zusam- 
men. Das Gebirge macht nähmlich von Beraun über 
Zebrak , Czerhowitz , Mauth , Rokitzau bis Pilsen 
hin eine Reihe trogförmiger Vertiefungen , welche zum 
Theil mit den Gliedern der .böhmischen Schieferkoh- 
len-Formation erfüllt sind^ imd deren Grundgebirg 
nördlich und südlich davoa meistens ein entgegenge- 
setztes Verflachen der Schichten zeigt. 

Derlei Biegungen im Schichtenbaue macht übri- 
gens das böhmische Grau wackeui- Gebirge mehrere, 
woraus sich eben so viele natürliche Mulden ergaben, 
die sich dann später meistens mit dem Schieferkohlen- 
Gebirge erfüllten^ wie dieses so häufige besonders 
im Pilsner Kreise^ zu sehen ist. 

Die Erwägung dieses äufseren und inneren Ge- 
birgs- Verhältnisses gibt daher nicht blofs einen für 
den Bergbau auf Rotheisenstein fruchtbaren Finger- 
zeig, sondern auch für die Aufileckung der dasigen 
Steinkohlenscbätze und des Aiaunschiefers (eines mei- 
stens schwärzlichen Übergangs- Thonschicfers mitein^ 
gesprengtem Schwefelkiese), welcher machtige und 
weiterstreckte Lager im Grauwacken - Gebirge bil- 
det, und folglich die ^Ugeo^ieinen Lagerungs- Verhält- 
nisse des Rotheisensteines zeigen mufs und zeigt 

Die Gebirgsglieder, welche diese Erzlager theils 
im Hangenden, theils im Liegenden in gleichförmi- 
ger Ablagerung begleiten, sind mit einer bestimmten 
und sich iiberall gleich bleibenden Aufeinanderfolge 



a53 

I 

nicht anzugeben^ da theils mehrere Lager angesessen 
sind 9 theils in grofscn Erstreckungen einzelne Gebirge- 
Glieder sich zuweilen verlieren^ auskeilen ^ oft auch 
wieder aufthun; folglich nicht überall eine gleiche 
Schichtenfolge seyn kann. Im Allgemeinen gilt es je- 
doch^ dafs bei dieser Erz -Formation stets Übergangs- 
Thönschiefer (Grauwacken-Schiefcr), und Übergangs- 
trapp (mandelsteinartiger) y und in einiger Entfer- 
nung auch Grauwacke oder Kieselschiefer als Beglei- 
ter erscheinen. 

An yielen Punkten der Erlangung dieses Lager- 
zuges findet man übrigens folgende Aufeinanderfolge : 

Im Liegenden , Thonschiefer ( Grauwacken- 
Schiefer) von grofser Verbreitung ^ sowohl nach der 
Streichungs - Richtung^ als auch in die Quere der- 
selben ; 

darauf liegt ein Rotheisenstein - Lager; dar- 
über ruht Cbergangstrapp (fast stets mandelsteinar- 
tiger); . / 

dann folgt ein zweites^ schwächeres Botheisen- 
stein -* Lager, worauf Grauwacken - Schiefer y und 
endlich Grauwacke mit einer grofsen Mächtigkeit 
auflagert. 

Letzterer geht nicht selten durch das aUmähtiche 
Verschwinden der ohnehin sehr feinen Quarz -Frag- 
mente und durch das Selbstständigwcrden des quarzi- 
gen BindungsmitteU in Kieselschiefer über. 

Sowohl die Grauwacke als der Kieselschiefer bil- 
den von der Moldau im Rakonitzer Kreise an bis in 
den Pilsner Kreis eine Reihe bedeutend hervorragen^ 
der Gebirgskuppen^ ai^ deren Fufs€ viele Rotheisen- 
steinlager angesessien sind. 



a54 

■ 

Wenn es interessant und fiir den praktischen 
Bergbau wichtig ist^ zu bemerken^ dafs diese Reihe 
von Kuppen fast stets das Grundp^ebirge und die süd- 
liche Gränze des böhmischen Schieferkohlen - Gebil- 
des besonders im Rakonitzer und Pilsner Kreise 
ist^ dafs selbe auch als Wegweiser zur vollständigen 
Aufdeckung des Rotheisenstein -Zuges dieser Gegen- 
den dienen ; so wird das geognostische Interesse obi- 
Ser Schichtenfolge dadurch noch mehr gesteigert, 
afs man am Fu(se dieser Grauwacken- und Kiesel- 
schiefer - Massen so viele alte Goldwäschen - Bingen 
wahrnimmt. Diese Vertiefungen hält man fälschlich 
in den dasigen Gegenden für alte Grabstätten ; Ver- 
suche haben jedoch den Ursprung derselben unbe- 
zweifelt dargethan. 

Das Gold scheint , wie in der ungarischen Grau- 
wacke^ zerstreut eingesprengt zu seyn^ obschon ich 
auch auf einer schmalen Kluft ^ welche das Rothei- 
seiistein- Lager auf der iiiv^xXich Fürstenhergischcn 
Zeche an der Kruschna-Hora durchsetzt, Goldspü- 
rungeä in Begleitung von Schwerspath und Schwe- 
felkies fand. 

• ■ ■ 

Sollten nun die zahlreichen alten Coldwäsche- 
rei^u, welche theils dem Grauwackenzuge, theils dem 
südlicher streichenden Dbergansstrappe ihre Entste- 
hung zu verdanken hatten, und seit Jahrhunderten 
unbenutzt daliegen, je wieder in Aufnahme kommen, 
so wird die hervorragende Grauwacke eben so den 
Wegweiser zur Aufsuchung des Goldes, als des Roth- 
eisensteines und der Steinkohlen abgeben. 

Ich glaubte mir diese Abschweifung erlauben zu 
müssen , um die Anwendbarkeit geognostischer Unter- 
suchung im Allgemeinen auf den Bergbau mit einem 
wichtige.! Beispiele zu belegen, Docli derlei Erfah- 
rungen sind nie das Resultat der Erforschung der 



255 

Gcbirgsverhältnisse blofs" eines und des andern Re- 
vieres 9 sondern der aufmerksamen Bereisung eines 
Gebirges nach seiner ganzen Erstreckung in die Lange 
imd Breite. 

Zur näheren Bezeichnung dieser wichtigen Erz- 
Formation folgt die Angabe der an den verschiedenen 
Gruben in einer Erlangung von mehreren Meilen sehr 
wechselbaren Verhältnisse der Mächtigkeit^ des Han- 
genden und Liegenden , der Erzart etc. 

Die östlichsten Spiirungen des Rotheisensteines, 
die ich zu beachten Gelegenheit hatte., sind jene im 
Moldau 'Dutchtisse unter Prag. Dafs man da ohne 
bergmännische Eröflhung keine Lager eines so leicht 
verwitterbaren Erzes , sondern nur die Spuren dessel- 
ben in dem zwischen den Gliedern des Grauwacken- 
Gebirges häufig vorfindigen rothen Eisenocker finden 
könne , versteht sich von selbst. 

Von den Ufern der Moldau^ imter Prag, zieht 
sich die Grauwacke durch den Rakonitzer Kreis nach 
Westen fort, und tritt erst nach einer mehrstündigen 
Erstreckung unter dem aufgelagerten Steinkohlen-Ge- 
birge und Märgelgebilde, durch welche nur ein- 
zelne Kuppen des Grundgebirges bervorstofsen, wie-> 
der mit höhcrem Niveau auf den Herrschaften Bürg- 
litz, Totschnik, Sbirow, Horschowitz, fVossek, Mo- 
kitzan, Stiach/äu etc. hervor. 

Dieses Verhalten des ganzen Gebirges zeigen^ 
auch die zugehörigen Erzlager. 

Die Eisensteingruben an der Kruschnahora auf 
der Herrschaft Pürglitz im Rakonitzer Kreise sind 
jetzt die am meisten gegen Osten gelegenen Punkte, 
an welchen Rotheisenstein in Abbaue steht. Mau 
sieht übrigens weit«]: iistlicb; ip der Richtung »ach 



StmdonitZy Zelesnai Chiniawa, noch mehrere äl« 
tere und neuere Zeohen^ die jedoch verlassen sind. 

An der Kmschnohora zeigen sich mehrere La- 
ger hinter einander; die Folge der Gesteinarien ist 
vom Liegenden zum Hangenden folgende : als 

Grauwacken - Schiefer (Übergangs- Thonscbie- 
fer), als das Hauptglied des böhmischen Grauwackcn- 
Gebirges j 

Grauwacke (Übergangs - Sandstein) , etliche 
Lachter mächtig , wie die Steinbrüche im Liegenden 
der Ararial - Zechen zeigen; 

Grauwacken - Schiefer, etliche Lachter mäch- 
tig, mit Zwischenlagen von sandigem Thonstein, und 
Trapparten ; 

Linsenförmiger Rotheisenstein \ 3|^ — 4* 
mächtig an der fiirstl. Furstenbergischen Zeche, 3* 
— G^ machtig an der Ärarial - Zeche ; 

a 

Mandelstein , einige Lachter mächtig ; 

Linsenförmiger Rotheisenstein, i ° mächtig, nur 
an der Ärarial - Zeche aufgemacht; 

Grauwacke, fast stets sehr feinkörnig, mit vor- 
herrschendem quarzigen Bindungsmittcl , zuweilen 
in Kieselschiefer übergehend. 

Das bei Swata aufgedeckte, einige Schuh mäch- 
tige Lager dürfte endlich das aufserste Hangend- 
Glied des Rotheisensteines seyn, welcher da als fein- 
körniger, fast dichter Eisenglanz erscheint. Das 
Hangende und Liegende scheint Mandelstein und 
Grauwackenschiefer zu seyn. 



Der Gehalt der Swater Erzf! übersteigt 5o Pro^- 
z0nt , während jener der Kruschnaliorer Erjje voä 
37 bis zu 37 Prozent wechseU. 

Merkwürdig sind an der Kruschnahofvt mehrere 
Querklüfle^ .welche die Erzlager 6^ bis 3o^ weitaus 
ihrer Streichungslinie verrücken. 

Im westlichen Erlangen ist dieser Erzlagerzug au 
mehreren Orten der Herrschaft Totscimik im ßemu* 
ner Kreise aufgemacht ^ als : 

Zu Hrzeben in zwei über einander liegenden La" 
gern von linsenförmig- und körnig abgesondertem 
Rotheisensteine ^ wovon das obere 1°, das untere 2° 
— 3^ mächtig ist. Das Hangend^ und Liegend-Ge- 
stein ist wie an der Kruschnahora. 

An der Martini ^ Täeoiie , in einem i^ mächtigen 
Lager .des körnigen Rothetsensteines^ mit mandelstein» 
artigpm Trappe im Hangeaden und Liegenden, 

An der Michaeli ^Xeche, als ein 3' — 6' mäch^ 

üges Lager zwischen mandelsteinartigem Trappe. 

» 

An der j4nna ^Xeche^ als ein 3' — 6' niächtifj;e4 
Lager ^ das im Hangenden von feinkörniger Grau wacke, 
im Liegenden von IVfandelstein begleitet wird« 

Wenn man die Lagerungs ^ Verhältnisse an die- 
ser Zeche ^ und selbst ' an den vorhergehenden zwei^ 
mit jenen der Kruschnahora^ Lager vergleicht , so 
scheint bei den meisten Totscliniker Gruben nur das 
obere Lager angefahren^ folglich wahrscheinlich zu 
seyn, dafs ein bergmännischer Verstreb weiter im 
Liegenden das Daseyn des mächtigen Flötzes nach- 
weisen dürfte. Es würde interessant seyn y diese geo- 

^iihfb.^4. potyU In«t. III. Ild. I7 



a58 

gnostische Konjektur praktisch bestätiget , oder wi- 
derlegt 2U sehen* 

An der /VoX:of;i- Zeche nächst dem Dorfe J5^ 
%edl als eine Ablagerung des dicbten Kotheisenstei^ 
nes und .Eisenglanzes in Nestern und Putzen» 

An der Akyjrsia - Zeche unweit Hrzedl, als ein 
3/ — ßi mächtiges Lager zwischen mandelsteinarti- 
gern Trappe. 

All der Kajetan ^ Zeche , unweit der Stadt Ze- 
hrak^ als ein i|-^ — 3' mächtiges Lager von dichtem 
Rotheisensteia zwischen Grauwackenschiefer. 

Auf der Herrschaft Zbirow im Berauner Kreise 
sind folgende Grubcngebäude , als : 

Die Bwainer Grube mit zwei Lagern von lin- 
senförmigem Rotheisenstein^ wovon das obere 3 — 4'» 
das untere i^ mächtig ist. Das Liegende ist Grau- 
wacken- Schiefer^ das Hangende Maudelstcin in Grün- 
stein übergehend. 

Die Hurker Zeche unweit dem Dorfe Kwain, 
auf einem zweischuhisen Lager eines dichten Rothei- 
sensteines und Eisenglanzes mit Mandelstein im Han* 
genden und Liegenden. 

Die Ausker Zeche nächst dem Dorfe Hoüoub^ . 
kau mit einem t^ -^ 3^ mächtigen Lager eines 
dichten Rotheisensteines ^ der im Hangenden Grau- 
wackenschiefer^ im Liegenden Grauwacke hat. 

Auf der Herrschaft TFossek im Pilsener Kreise 
geht der Bergbau auf einem ungleich mäcbtigen, häu- 
fig verdrückten Lager eines braunen linsenförmig -ab- 
gesonderten Eisensteines um , dessen Liegendes Grau- 



ü5g 

wackenschiefer^ und dessen entfernteres Hangendes 
Übergangs • Kieselschiefer ist^ welcher überhaupt au 
mehreren Punkten im weiteren Hangenden des Roth* 
eisenstein - Zuges au sehen ist. Interessant an dieser 
Lagerstätte ist das Einbrechen kleiner Partien von 
Quecksilber - Lebererz. 

An der Christiani" Zeche ^ auf der Herrschaft 
Mokitzan, bricht der linsenförmige Rotheisenstein (zu- 
weilen bräunlich) auf vier Lagern zwischen Grau- 
wackenschiefer im Liegenden^ und Trapp (Mandel- 
Stern und tirünstein) im Hangenden ein. Das oberste 
Lager ist 6' — gS das zweite 3^^ das dritte 3' ^ — 6^^ 
das tiefste G' mächtig. 

Alle diese Rotheisenstein - Gruben liefern das er« 
beutete Erz zu den ärarialiscaen Hochöfen Ton Franr 
zensthal, Karlshütten, StraschitZj Dobrziw, Hol" 
loubkau. Nur ein Theil der Kruschnahora-läetAiea 
versieht die fürstlich Fürstenbergischen Hochöfen zu 
Neuhütten und Ifeu-Joachimsthal mit dem nöthigen 
Eisenerze. 

. Auf den fünf Privat - Zechen auf der Herrschaft 
Rokitzan , welche den Hochofe n im Orte Klahawa 
mit Erzen versehen^ gehen auf 3^ bis 4' mächtigen 
Lagern eines linsenförmig - abgesonderten Rotheisen- 
steines, der zuweilen etwas Schwefelkies und Thon- 
schiefer - Nester mit sich fuhrt, zwischen Kieselschie- 
fer im Hangenden , und Grauwacken^chiefer im Lie- 
genden ' um. 

Der Eipowitzer und Kischitzer Bergbau der 
S^adt Pilsen , welche das gewonnene Erz zum Hoch- 
ofen von Horomistitz liefern , bauen auf sehr mächti- 
gen Lagern eines linsenförmigen Eisensteines , dessen 
Farbe vom Gelben zum Bläulichen ündrchvrärzlicbeii 

17* 



a6o 

wechselt. Die Folge der Gebirgsglieder vom Hangen« 
den eum Liegenden ist : 

eine eisenschüssige Erde . . . , 3^ mächtige 

gelbe, linsenförmige Eisensteine . 5^ » 

ein eisenschüssiger Thonschiefer .4' * ' 

bläulicher^ linsenförmiger Eisenstein 2^ » 

eine weifse sandige Schieferart (fet- ' 

tig anznfühlen) ,.„... 5^ » 
schwärzlicher, linsenförmiger Eisen- 
stein 5^ ^ 

Die Mächugkeit des hiesigen^ 36^ Prozent häl- 
tigen Eisensteines beträgt also in der ganzen Abla- 
gerung bei 12^. 

Ähnliche Verhältnisse /zeigen die Lagerstätten, 
welche fiir den Hochofen zu Sedletz , auf der Herr- 
schaft Stiachlau^ an mehreren Punkten im Abbaue 
stehen. Hiehcr gehören nähmlich folgende Zechen^ 
als: 

< 

» 

die*Simon- und •/wrf^/- Grube auf dem Pilsner 
Territorio, und ^\ei Ignazi^ und >^n^o/u*- Zeche auf 
der Herrschaft Rokitzau im Pilsner Kreise. Diese 
Bergwerke gehen auf Lagern eines linsenförmigen Ei- 
sensteines von i^ bis lö^ Mächtigkeit um. Das Lie- 
gende ist Grauwackcn-Schiefer (zuweilen Kieselschie- 
fer), das Hangende ist im tieferen Niveau (höher liegt 
das Erz ganz entblöfst) Übergangs- Trapp und Grau- 
wackenschiefer. Der Übergangs-Trapp geht aus dem 
Grünstein durch den Mandelstein allmählich in linsen- 
förmigen, bläulichen Eisenstein über, welcher sehr 
viel Schwefelkies fiihrt und sehr fest ist. Bei zunehmen- 
der Teufe wird die braunrothe Farbe gegen die blaue 
und braunlichgelbe vorherrschend, und in gröfstcr 
Teufe zeigt sich ei'n dichter; eisenschwarzer, metal- 
lisch glänzender Eisenstein (dichter Eisenglanz). 



Die hier angegebenen Erscheinungen thun un- 
Vidersprechlich dar, dafs die gelben^ lichtrothen 
und bläulichen Farbennüanzen dieser merkwürdigen 
Erz - Formation nur zufällig und als das Resultat 
der Wirksamkeit der Atmosphärilien zu betrachten 
sind} dafs dieses Erz -Gebilde überall, wo man es'in 
gröfseren Teufen^erofihet, sich als eine minder kry- 
stallinische Niederlage von ursprünglich roihemEisen- 
oxjde mit Thon- und Kieselerde innig gemengt zeige. 

m 

Dieser Erzlagerzug, welcher in der Erlangung 
«iner halben Stunde aufgedeckt ist, gehört übrigens 
in Verbindung mit jenen beim Pilsner Dorfe JEipo- 
wUz zu den mächtigsten der ganzen Monarchie. 

Aufserdem wird auch noch auf der Jidalberti- 
und Josephi 'Xeche, unweit dem Dorfe Pilsettetz, 
auf der Herrschaft StiachlaUj das gleiche Erz auf i^ 
bis ermächtigen Lagern im Graawacken- Gebirge ab- . 
gebaut. 

Die Gruben Jo^e/?Äi, Barbara und j^ntoni, auf 
der Herrschaft Grünberg, sitzen gleichfalls auf mei- 
stens i' r— 2' mächtigen Lagern, und die Prokopi- 
Zeche auf einem 4' mächtigen Lager eines armen 
Rotheisensteines zwischen Gräuwacken- und Kiesel- 
schiefer auf 3 und liefern das Erz zum Hochofen von 
Gf^ünberg. 

Um die Angaben der zahlreichen Zechen, wel- 
che auf dem Rotheisenstein -Gebilde im Grauwacken- 
Gebirge Böhmens aufsitzen, zu beschliefsen, haben, 
wir nur noch jene von liorschowitz , Ginetz^ RcfZ- 
mital und Obetznitz anzuführen. 

Von dem Gt/i^Äar^cr Lager, das Rotheisenstein, Ei- 
senglanz und Spatheisenstein führt, ist übrigens auch bei 



36a 

der Betrachtung der Spatheisenstein * Formationen 
'Einiges gesagt. 

Die Zeche Ifldwd, "welche auf einem 3^ mäch- 
tigen Lager eines gelben, grauen, auch schwärzli- 
chen Eisensteines (mit Muschelabdrücken) zwischen 
Übergangs - Mandelstein aufsitzt , mufs auch hieher 
gerechnet werden, da die Farbe des Eisensteines 
nicht allein die geognostische Verwandtschaft der La- 

S erstatten festsetzt. Übrigens ist es als ein Yerbin- 
ungsglied mit dem Übergangs - Trappe zu be- 
trachten» 

Merkwürdig ist am /77au^a -Lager eine Vermt- 
schung, welche die Streichungslinie desselben um 
mehrere hundert Klafter im nähmlichen Horizonte 
verrückte. 

Sowohl die ffläwäer als Qiftberger Erze werden 
übrigens auf drei Hochöfen zu Komarau, auf der 
Herrschaft Horschowiizy Terschmolzen. 

Ztt dem Ginetzer Eisenwerke gehört die Z^che 
Wohrazenitz y welche auf einem dreischuhigen La- 
ger des linsenförmigen Rotheisensteines zwischenüber- 
gangs - Ma^delstein aufsitzt. 

Ferner gehört dilliln die Zeche Wostrajr ^ auf 
einem ü^ mächtigen Lager des gleichen Erzes, wel- 
ches häufig verdrückt zwischen Mandelstcin einlagert. 

Auch werden für den Ginetzer und Hluwoscher 
Hochofensbetrieb bei Zditz , auf der Herrschaft 
Totschmk , auf einem 3^ mächtigen Lager zwischen 
porphyrartigem Mandelsteine mandelsteinartige Ei- 
fenerzß abgebaut. 

Die Hauptmasse derselben wird nähmlich bi$ ca 



4o Prozent und darüber hältig ^ während die Blasen« 
räume mit kalkigen Kornern erfüllt sind» Dieser Ei-* 
senstein zeigt in einzelnen Lagen den merkwürdigen 
Übergang des Mandelsteines im linsenförmigen Roth« 
eisenstein. 

Auf der Herrschaft DobvT^isoh , im JBeraunet 
Kreise, werden ebenfalls linsenförmige Rotheisen- 
steine auf Lagern zwischen mandelsteinartigem Über- 
gangs -Trappe gewonnen. 

Das Lager bei Kleschtenitz ist 3' -— G' ; und je- 
nes bei Wohrazenitz unweit Ginetz i ' — 5' mäch- 
tig. Beide Zechen hefem das eroberte Erz zum Hoch- 
ofen von Obetznitz* 

Das 8' — 10^ mächtige Lager von linsenförmigem 
Rotheisenstein auf der fVenzeslai - Zeche ^ auf der 
Herrschaft Horschowitz , liefert endlich seine Erze 
zum Hochofen von RozmitaL 

Das Vorkommen des dichten Rotheisensteines 
mit Schwefelkies auf schwachen Lagern im Thon- 
schiefer- Gebilde auf der Herrschaft Reichenau^ im 
Königffrätzer Kreise y scheint ebenfalls hieher zu ge^ 
hören, und wäre dann als ein sehr interessanter Beleg 
über die Verbreitung dieser grofsen Eisenerz - Forma- 
tion in allen Abtheilungen des böhmischen Grau- 
wacken- oder Thonschiefer - Gebirges zu betrachten. 

Das auf obiger Herrschaft erbaute Erz wird übri- 
gens auf der Rosahütte verschmolzen. 

Aufser diesem ausgebreiteten Vorkommen des 
Rotheisensteines im böhmischen Übergangs - Gebirge 
findet sich diese Erz - Formation auch noch im Kalk- 
steine y welcher der nähmlichen BUduugs - Periode 
angehört. Mehrere Belege dafür Uefert der Bergbau 



/ 



f. 

in den Alpen > in Mähren^ Ungarn etc. So er^heint 
z. B. der dlcbte und f>;iasköpßgc (faserige) Rotheisen- 
srein putzen- und nesterweise in dem Übergangs-Kalk- 
. stoin an dem Bergbaue in devRuszoi^a in Nieder-Ki- 
gnnf oingelai^ertj ferner an der zum niederungari- 
sch onKisenwerke zu Po/mA: gehörigen GruJbe Hlinka, 
wo der R(»iheisenstoin putzen- und nesterweise auf 
Kalkstein auflagert etc. 

• 

C. Spatheisenstein -Formalion. 

Dafs sich der Brauneisenstein in Hinsicht seiner 
Entstehung zum Spatheisensteine verbalte, wie der 
Kalksinter zum Kalksteine^ aus welchem das Material« 
zu seiher Bildung genommen wurde, soll bei Betrach- 
tung der grofsen inner -österreichischen Späth- und 
Brauneisenstein -Niederlagen näher geognostisch dar- 
gcthan werden. 

Gegenwärtig wollen wir beide als eine einzige 
Eisenerz -ForraaMon betrachten', da der Brauneisen- 
stein ohnehin fast nioaufser mitSpatheisonstein auf La- 
gern vorkommt, die unbedeutenden Partien ausgenom- 
men , wo er als . Überzug auf Gängen wie z. B. zix 
Przybram in Böhmen erscheint. 

Man mufs sich übrigens wohl hüten, allen Braun- 
eisenstein der Bergleute für das zu nehmen, was der 
Mineralog darunter versteht; denn meistens ist er 
nichts anders als ein in der Verwitterung begriffener 
Sp<itheiseristein, wozu das meiste Braun-, Blau- und 
Schwarzerz der inner -österreichischen Bergleute ge* 
hört. — 

Da diese Erz -Formation nur an wenigen Punk- 
ten in den im Norden der Donau liegenden öster- 
reichischen Provinzen als bedeutend erscheint, so 
woUeii wir diese nur in Kürze hier angeben. 



a65 

Die wichtigste Späth- undBrauneisenstein -Nieder- 
lage ist übrigens gewifs jene, welche in den nieder- 
und ober - ungarischen Bergwerks - Revieren auftritt, 
und an vielen Punkten im Gömbrer und Zohler Ko- 
milate in Abbau gesetzt ist. 

So wird z. B. fiir die Hochöfen zu Bhonitz, im 
J^oA/er Komitat , Späth- und Brauneisenstein an den 
Grüben in Bailog , Jörgau, Ruskova imd Clementi 
gewonnen^ als: 

■ 

Zu Bcdlog und Jörgau auf Lagern, welche hei 
einer zwischen i° und n^ wechselnden Mächtigkeit 
sehr absätzig, verschoben, und zwischen Cbercrangs- 
Thonschiefer eingebettet sind. DieLagerführung besteht 
aus Spatheisenstein, braunem (auch rothem) Eisen- 
ocher> Quarz (nicht selten als Bergkrystall und Rauch- 
topas), und in tieferen Punkten auch aus Schwe- 
felkies. — 

In Buskoi^Uy auf einem 3^ bis 20^ mächtigen La- 
ger, das Brauneisenstein, Rothbraunsteinerz, und 
Braunspath fiihrt^ und im Grauwackenschiefer einla- 
gert, in welchem die Erze häufig putzen- und nester- 
weise zerstreut vorkommen, und überhaupt eine La- 
gerstätte bilden, welche sich minder scharf voa dem 
Gebirgsgesteine absondert, zum Unterschiede von ei- 
ner anderen Art der Lager, bei welcher sich die Erz- 
mittel, von den Gebirgsmassen des Hangenden und 
Liegenden genau begränzt, trennen. 

Daf$ diese Unterscheidung in der Lagerbildung 
für den praktischen Bergbau wichtig ist, soll bei et- 
iler anderen Gelegenheit näher gezeigt werden. 

Der Eisenstein-Bergbau in Clementi geht auf ei- 
nem 2' — 4' mächtigen Lager um, welches übrigens 



s6S 

mit der Ruskovaer Lagerstätte gleiche geegnostiscke 
Verhältnisse hat. 

Für den Mittelwalder und Theishoher Hoch- 
ofen werden dagegen zu Sirky Slnna und Topschau 
im Gömerer Komitate Lagerstätten von gröfserer Macl|r 
tigkeit abgebaut. 

Die Lagerstätte zu Sirk wird bis ^4^ mächtig, 
ist in eine leicht verwitterbare Varietät des Glimmer^ 
Schiefers eingebettet, und fuhrt ocherigen, dichten 
und fasrigen Brauneisenstein, in Begleitung yon 
Schwefel- und Arsenikkies, besonders in den Pe^ 
termarker Gruben. • 

Das so häufige Erscheinen des Brauneisenstei- 
nes auf Lagern , welche tursprünglich Spatheisenstein 
führten, ist* den nieder- und ober - ungarischen La- 
gerstätten mehr eigenthümlich , als den inner -öster- 
reichischen, wo der Spatheisenstein stets Torherr- 
schend bleibt. Es ist übrigens zu wünschen , dafs 
die Gesetze , nach welchen die Natur an der Umbil- 
dung der Mineralien arbeitet, näher erforscht und 
ausgemittelt werden, da so bedeutende Resultate von 
dieser zwar langsam aber stets thätigen Krafläufserung 
im Innern der Gebirge vorliegen. 
. • 

Das Lager zu Slana, welches frischen und auch 
verwitterten Spatheisenstein , grofsblättrigen Eisen- 
glimmer und Fahlerz fuhrt, kömmt im Glimmerschie- 
fer vor, von welchem einacelne Mittel in die Erzmasse 
eintreten , und so das Lager bis zu ao^ Mächtigkeit 
anwachsen machen. 

Das erst in Abbau gesetzte Lager in Ballaschova 
hat zum Liegenden Thonschiefer , zum Hangenden 
Kalkstein , und führt aufser einer Varietät des Braun- 
eisensteines i5 — 16 Prozent Eisen haltenden Kalk- 



307 

« 

Stein ^ d.i. die roheWand der inner -österreichischen 
Bergleute. 

Die Lager von Brauneisenstein, welche unweit 
Topschau aufgedeckt sind y streichen im Übergangs- 
Trappe und Thonschiefer auf beträchtliche Distan« 
zen fort. So ein Zug ist jener, welcher von Top- 
schau über Eisenbach , Igloy JPoratschj Sloyinka 
nach Gölnitz fortsetzt. 

Die Vielen Grubengebäude, welche im Gölnitzer 
Bergamts -Reviere bestehen, sind zu Slowinka, Ifeh- 
manowitz und zu Gölnitz selbst. Der dasige Berg- 
hau geht durchaus auf Lagern im Thonschiefer um, 
welche Spatheisenstein , , Kupferkies , Fahlerz ^und 
Quarz fuhren, welcher letztere gediegen Gold fein 
eingesprengt hält. Die. Mächtigkeit steigt selten 
über a®. 

Die in dem Thonschiefer - Gebirge so häufig vor- 
handenen Verrutschungen sind auch in obigen Kupfer- 
gruben eben so gewöhnliche als unangenehme Er- 
scheinungen. 

Fast ähnliche Verhältnisse zeigen die drei Lager, 
welche unweit Poratsch angesessen sind. Sie fuhren 
hei einer l^is zu a^ steigenden Mächtigkeit viel Spath- 
eisenstein, Kupferkies und quecksilberhaltiges Fahl- 
erz ; wenig Schwefelkies , Eisenglimmer , Schwer- 
spath und Quarz ; selten Zinnober. 

Fast gleiche Verhältnisse zeigt das Lager im Cle-- 
mentisfelde , welches im grauen , zuweilen schwärz- 
lichen Thonschiefer fortstreicht, welcher mit ruthlich-, 
gelblich- und grünlich * grauem Talkschiefer und häu- 
figen Quarz -^ Lagern abwechselt. 

Es soll bei einer anderen Gelegenheit an sehr 



a68 

vielen Lagerstätten nachgewiesen werden , dafs das 
Zusammentreten der Spatheisenstein - und Kupfer- 
kies-Formation auf Lagern im Thonschiefer- Gebirge 
eine eben so frequente, als fiir den Fortgang des prak- 
tischen Bergbaues sehr heachtenswerthe Erscheinung 
sey. — 

« 

Wenn bei den vorherbezeichneten Lagerstätten 
die Kupfererze der wichtigere Miaeralschatz sind; 
so ist dagegen an dem mächtigen Lager zu Eisenbach 
unweit Iglo der Brauneisenstein vorherrschend , und 
die Kupfererze mit den kleinen Büscheln von Mala- 
chiVj welcher sich zwischen die tropfsteinartigen nie- 
ren- und irohrenformigen Erzeugnisse des braunen 
Glaskopfes hineingebildet hat^ sind nur untergeord- 
nete Erscheinungen. U 

Diese Erze lagern übrigens ^ wie gewöhnlich in 
diesen Gegenden^ im Thonschiefer ein. 

Die nieder- und ober -ungarischen Erzlager im 
dortigen Schiefergebirge haben das mit einander ge- 
mein, dafs sie gewöhnlich in höheren Teufen Spatli- 
und Brauneisenstein fuhren j dagegen in tieferen Mit- 
teln sich stets mehr mit Kupferkies und Fahlerz ver- 
mengen y wodurch dann der Bergbau zu einem wirk- 
lichen Kupferbau wird. 

So ist unter andern auch das Verhalten an den 
Kupferzechen im Altgebirge , das seine späthigen 
Eisensteine an den Libethnev und Poiniker Hocho- 
fen zeitweise abliefert. 

Das Poiniker Eisenwerk baut aufserdem noch 
aufi*^ — 2° mächtigen Brauneisenstein -Lagern im 
Grauwacken- und Thonschiefer - Gebirge. 



I 

Im Alichaeli "StoWen isl er am reinsten^ doch am 
meisten, ja selbst bis zum Ocher vCrwillert, 

In Habakuk und Dubravitz (ebenfalls zu Poinik 
gehörig) trat Arsenikkies so fein und häufig einge- 
sprengt hei y und hei dem Lager zu Poinik seihst 'war 
dieses mit dem Braunsteine der Fall, so dafs beide 
Gruben verlassen werden mufsten. 

Unter den Lagern , welche zum Liebethner Ei- 
senwerk gehören , ist jenes zu Tanteschna am Berge 
yepor das bedeutendste. In der ungarischen Schie- 
ler -Formation streicht ein Ziig von 2^ bis 12^ mäch- 
tigen Lagern, welche die mannigfaltigsten Varietäten 
von Hornstein, Kalzedon , Quarz, Pechstein, Halb- 
opal etc. fähren, und bald mehr bald minder mäch- 
tige Lagen von ochrigem, dichtem und besonders 
glasköpfigem Brauneisenstein cinschliefsen. 

Das zu dem Hochofen von Drejw^ässer in üie- 
der- Ungarn gehörige, bis 5^ mächtige Lager eines 
gutartigen Eisensteines scheint ehenfalls zu der be- 
sprochenen Erz -Formation als eine mehr zerreibliche 
Varietät zu gehören, da der Gehalt bis auf 3o Pro- 
zent steigt, und die Einlagerung ebenfalls im Thon- 
schiefer Statt hat. 

Der südöstliche Abhang der Liptauer Alpen, 
heinahe durchaus der Schiefer -Formation angehörig, 
hiethet an den meisten Punkten diejenigen Erschei- 
nungen dar, welche oben bei Altgebivg erwähnt wur- 
den. So ist es in Jareba^ wo Mlina ^ Kleingapl 
und andere Gruben bestanden, so bei Malusina in 
dem nach Hradeck gehörigen Baue, so weiter fort in 
Octina und Eltsch cic^ 

Die Eisenerz- Lager im Zad^ncr, Schirokev und 
Hoschkos^er Gebirge, auf der Kameral - Herrschaft 



Hradecky im Liptauer Komitate, fuhren bei einer 
Mächtigkeit von 7' 'his 3' Spatheisenstein ^ welcher 
alle Grade der Yerwilteriing durchgeht^ und auch 
die sekundären Erzeugnisse des ochrigen ^ dichten 
und glasköpfigen Brauneisensteines liefert. Das Han- 

Send- und Liegend - Gebirge ist ein wahrscheinlich 
em Grauwackengebirge angehöriger Thonschiefer. 

Das Rufsberger Eisenerz- Lager^ im wallachisch- 
illyrischen Gränzbezirke im Banate ^ fuhrt aufser 
Späth- und Brauneisenstein auch Magneteisenstein^ 
Schwefelkies und Strahlstein. 

Auf der Zeche Rochus im Dilfaer Gebirge, und 
auf der Theresia-Gryihe im Morauitzer Gebirge des 
Dognatschker Bergre vieres im Banate ist eine ähn- 
liche Lagerführung, indem statt Magneteisenstein der 
Eisenglanz beitritt 

Charakteristisch ist das Vorkommen des Eisen- 
pecherzes (dichten Brauneisensteines) als vorzüglicher 
Begleiter des Kupferkieses auf Lagern im Benedikt 
ter Gebirge bei Molda^a im Banate. 

* « 

Der Bergbau zu Gfalar im Hunjrader Komitate 
in Siebenbürgen geht auf einem über 210^ mächti- 
gen Braunsteinlager um, welches zum Hangenden 
Kalkstein, zum Liegenden Glimmmerschiefer hat. Von 
der Gröfse dieser Erzniederlage kann man sich einen 
Begriff machen , wenn man erwägt, dafs der Lager- 
zug einerseits von Gjalar gegen Morgen über Runck 
nach Telek und Batina i| Stunden weit fortstreicht; 
anderseits auch gegen Abend von Gjralar aufgeschlos- 
sen ist. — 

Die gewonnenen Erze werden übrigens auf den 
Hochöfen zu Töplitz und Mt - Limpert ^ dann auf 
EWei Stücköfen zu Nadrah , und zwei Stücköfen in 



Sensenhammer \ dann auf den graflich Banfischen 
Stücköfen zu Guten gebracht 

Der Bergbau zu Tliorotzko geht dagegen auf d 
Bis 3 Klafter mächtigen Lagern im Thonschiefer-Ge* 
birge um. Die Lager fuhren ochrigen^ dichten und 
glasköp£gen Brauneisenstein ^ femer silberhälligen^ 
Bleiglanz und Kupferkies« 

« 

Im .Kopolapojflner Bergwerks -Distrikte in Sie- 
benbürgen bricnt der Brauneisenstein mit Quarz und 
Braunstein auf einem Lager im Glimmerschiefer des 
Rohaer Gebirges ein ^ und auf dem Zon^a6^> Gebirge 
Priszlop und Danskjr kömmt er unier gleichen Ver- 
hältnissen nur putzenweise vor« Die Hauptmächtig-* 
keit wächst bb zu a^ an. 

Zu einer der gröfsten Spatheisenstein - Ablage- 
rungen in der österreichischen Monarchie gehört jene 
im Matskamezoer Urgebirge in Siebenbürgen. Das 
bis zu 3o^ mächtige Erzlager erscheint zwischen Glim- 
merschiefer^ und ist häuug verschoben^ zertcümniert 
und durch Mittelkeile von Glimmerschiefer getrennt^ 
Charakteristisch ist die stete Begleitung des Braun- 
steines. Dieses mächtige Lager wird steinbruchmäs- 
sig für das k. k. Strimöuler und Olählaposcher Ei- 
senwerk in der inneren Szoluoker Gespannschaft in 
Siebenbürgen abgebaut^ und ist bei einem Streichen 
von Ost gegen West^ und bei einem südlichen Ein- 
schiefsen in einer Erstreckung von mehreren Stunden 
bekannt. 

Das Tergos^er Eisenwerk im Bezirke des zweiten 
j9ana/- Regiments verschmilzt ebenfalls Späth- und 
Brauneisenstein j welche im Gebirge CosnavJxA Gvos^ 
danskjr gewonnen werden. 

Auch daa Jakoben^er Eisenwerk in der Buk^, 



yina ist an mehreren Punkten auf dieser. Eni -i Forma- 
tion angesessen \ als an den Arschitzaer Lagern und 
Mitteln y welche quarzigen Brauneisenstein mit einer 
von 2' — 5' wechselnden Mächtigkeit fiihren^ und 
im Glimmerschiefer eingebettet sind^ welcher in Thon- 
schiefer übergeht. Die nächste Begleitung des £rzes 
ist ein schwärzlicher Schiefer. 






Auf dem Djralu Njegrier Lager bricht der 
Braunstein nut^Spatheisenstein 2' bis i^ mächtig m 
gleichern Gebirge ein. 

Das St. Antonie Stollner Platrile-* Arschice-- 
Lager fuhrt quarzigen , • ochrigen Brauneisenstein bis 
zu 20^ mächtig ^ in grauem Thonschiefer. 

Das Kollakaer Lager fuhrt zwischen Über- 
gangs^ Kalkstein und glimmerigem Thonschiefer Braun- 
eisenstein uad verwitterten Spatheisenstein von 4'-^ 
6' mächtig. 

Die Aurotaer Lager fuhren bei. einer .Mächtig- 
keit von 3' bis 6' quarzigen Brauneisenstein. zwischen 
Glimmerschiefer. 

Das Kirlibabaev Mariensaer Lager: aeigt den 
Spatheisenstein in Gesellschaft des silberhfiltigea 
Bleiglanzes ^ mit einer von i/bis6^ wechselnden Mäch- 
tigkeit y .ebenfalls im Schiefergebirge. 

Der Spatheisenstein im Presnltzef' Reviere in 
Böhmen kömmt in unbedeutenden Partien auf dem 
dasigen Roth- und Magneteisenstein -Lager, vor. 

■ 

Die. ^eromÄa - Zeche-, beim Dorfe Korisseky 
auf der Herrschaft ZbiroWy im Berauner Kreise, 
baut auf einem 3' bis G' mächtigen Lager eines Eisen- 
erzes , welches das Mittel zwischen gemeinem. Thon- 



eisenstein iin4 dichtem Brauneisenstem hält ^ und vom 
Galmei begleitet ist. Das Hangende ist Grauwacken- 
Schiefer, das Liegende Übergangs -Trapp. 

Die Hrbker Grube beim Dorfe Kwain zeigt 
<las nähmliche Erz, jaesterweise in einer thonigen 
GrauwacLe. ^ 

Die Jdkobj - Zeche beim Dorfe Mirbschau , auf 
der Herrschaft Miröschau \m Pilsner Kreise, baut 
eben diese Erze unter gleichen Verhältnissen ab. 

Ähnliches Verhalten haben die mehr thoneisen- 
steinartigen Erze beim Dorfe Gottsanda , auf der 
nähmlichen Herrschaft. 

Die Doubrower Eisenstein-Zeche auf der Herr- 
schaft Hradischty in der nördlichsten Spitze des 
Klattauer Kreises , geht ebenfalls auf Trümmern ei-^ 
nes theils spath^ theils braunejsensteinartigen Er" 
zes um. 

Eben so verhält sich das Giftberger Lager atii^ 
der Herrschaft j^or^c^m^z, welches mit dreischahi-^ 
ger Mächtigkeit zwischen Übergangs-Mandelstein ein- 
lagert. Doch ist das meiste Erz dichter Rotheisen- 
stein , zuweilen in Eisenglanz übergehend , mit nicht 
selten durchsetzenden Zinnober -Klüften. 

Mehrere Zechen auf dßr Herrschaft Grünberg 
liefern gleichfalls brauneisensteinartige Erze auf 
schwachen Lagern zwischen Kiesel- und Grau wacken«- 
Schiefer. Die Ferdinandi '^Xeche fuhrt selbst brau- 
nen Glaskopf. 

Ein gleiches Verhalten zeigt der Ifatier l^erg« 
bau bei Przfbram^ wo das aufgemachte Lager i' ^^ 
&' mächtig ist. 

JnJtfb« iL polyt, Iiut« III. Bd« X.S 



374 

Noch wichtiger ist das JFYore/ifmi -Lager unweit 
Przjbramy das aufser dem erdigei>, dichten und 
glasköpGgen Brauneisenstein auch Braunstein fuhrt 
und bis zu 2^ Mächtigkeit anwächst. 

Ob der zu Jesirek unweit Nischburg im Rakonit-^ 
zer Kreise Böhmens vor kurzem angeblich aufge- 
^ deckte Spatbeisenstein ein solcher scy^ und eine berg- 
männische Bedeutenheit erfahren könne \ mufs erst 
näher erhoben werden. Übrigens widerspricht das 
Vorkommen des Spaiheisensieines auf Lagern imGrau- 
wackengebirge, welches einen grofsen Theil des mitt- 
Jeren Böhmejis bedeckt, ganz und gar «nicht den Er- 
fahrungen, welche man anderswo, insbesondere in 
Innerösterreich y von dieser Eisenerz -Formation so 
häufig zu machen Gelegenheit findet. 

Auch auf der Herrschaft Posorczitz in Mähren 
wird für das altgräflich Salmische Eisenwerk zu 
Blansko ein :«' bis 5' mächtiges Lager von Braunei- 
senstein, welches auch Spatbeisenstein, Eisenglanz 
und rotheu Eisenrahm führt, abgebaut. Das Han- 
gende ist Grauwacken-Schiefer und Cbergangs-Kalk- 
stein, das Liegende Grauwacke und Sienit. 

Der ebenfalls hieher gehörige Czechower Berg- 
bau auf der Herrschaft Lijsitz geht dagegen auf i* 
— 9^ mächtigen Lagern von Spatbeisenstein, welcher 
in Braunerz und Eisenocher verwandelt ist, zvnschen 
Glimmerschiefer und Urkalk um. 

Das Vorkommen des SpatheisQUsteines und Ei- 
senglanzes mit aufgelösten ocberigen und thonarti- 
cen Erzen auf 2° mächtigen Lagern im Gneifse an 
der Hallatscher Zeche in der Grafschaft GLatz kann 
hier nicht weiter berührt werden, da die Erze zwar 
an der jRo^ß- Hütte auf der Wevrs^cXidSi Reichen au 
im Königgrützer Kreise' verschmolzen werden , aber 



docli als ;aurser . dem Zwecke dieser Abhandlung lie^ 
gend zu betrachten sind. 

Z?. Thon- tind Rasen^isenstein-Formationeil. 
Es ist wohl zum Voraus zu erwarten, dafs ein 
Land , dessen ältere Gebirge einen so grofsen Reich-' 
thuin von Eisenerzen mit sich führen, in den junge-» 
ren Gesteinsniassen häufige Spuren von Eisentheilen 
zeigen müsse, da das gesaihmte Material zur Bildung 
der neueren Gebirge aus den älteren genommen ist« 
Je mannigfaltiger nun die Bestandtheile der letzteren 
sind, und je verschiedenartiger die Kräfte zu ihrer 
Zerstörung waren 3 um desto gröfser mufs sich auch 
die Mannigfajtigkeit in den wieder zusammengesetzten 
Gesteins - Massen zeigen. Diese Verschiedenartigkeit 
findet man insbesondere an den Thon- und Raseneisen-* 
steinen, welche ihren höchst wechselnden Charakter 
nicht etwa blofs der Verschiedenheit der Erzgattun^ 
gen, aus deren zerstörten Theilen sie regenerirt wur- 
den, sondern auch den sehr mannigfaltigen Oxy- 
dations ' Graden der Eisentheile und den so zufäl^ 
ligen Beimengungen anderer Bestandtheile zu verdan-^ 
ken haben. Wie mannigfaltig sind nicht die Oxyda* 
tions- Stufen des Eisens vom Schwarzen zun; Grauen, 
Gelben , Braunen , Rothen ; wie grofs die mögliche 
Wechselbarkeit der Beimengung erdiger und metalli* 
scher Bestandtheile sowohl in quantitativer als quali« 
tativcr Hinsicht? — 

Da also so viel Zufälliges in den regenerirten Ei« 
senerzen liegt; so ist die Angabe der verschiedenen 
Varietäten bei Betrachtung der geognostischen Ver- 
hältnisse der Thon - undi Raseneisensteine minder 
wichtig, und wir wollen uns daher hier nur in Kürze 
mit der Ansicht der ungemein grofsen Verbreitung 
dieser sehr wichtigen Mij^eral *> Produkte befassen. 

Wir werden sehen ^ dafs die N^tnr, »o vereiii' 



^7Ö 

zeit und von zufälligen Umständen abhangend sie 
auch bei Hervorbringung dieser Erzgattungen gewirkt 
zu haben scheint y doch den Charakter einer gleich* 
mäfsigen Thätigkeit und Erzeugung zuweilen selbst 
über ganze Gebirgszüge verbreitet hat« 

«• In Böhmen^ Mähren^ Österreichisch ^ Schle^ 

sien, und Osterreich» 

Als ein allgemeineres Gebilde von Thoneisen- 
steinen läfst sich jenes annehmen ^ welches das böh- 
mische Schwarzkohlen - Gebirge fast aller Orts be- 
gleitet. Dieser Eisenstein gehört gewöhnlich zur gel- 
ben^ seltener zur grauen Varietät^ mit knolliger Ge- 
staltung und konzentrisch-schaliger Absonderung. Man 
trifft ihn fast überall im Hangenden der Schwarzkohr 
lenlager^ besonders im Rakonitzer Kreise an. Seine 
Mächtigkeit steigt selten über 3'; dagegen macht ihn 
seine Verbreitung wichtig ^ und die gleichförmige Ab- 
lagerung mit den Schieferkohlen -Lagern selbst zu ei- 
nem Wegweiser für die weitere Aufdeckung der letz- 
teren. Der Gehalt desselben an Eisen erreicht selten 
34 Prozent. 

Die Begleiter der Steinkohlenlager sind auch die 
des Thoneisensteines^ der sich jedoch gewöhnlich in 
die Schieferthonlagen eingebettet hat. Häufig kömmt 
er in separirten Kugeln von mehr als 12" Durchmes- 
ser vor^ und ist dann -gewöhnlich niit Schwefelkies^ 
wie zu PFottwowitz im Rakonitzer Kreise, oder 
auch mit krystalluiischcm Schwerspath^ wie zu JJiskow 
etc. durchdrungen; insbesondere erscheinen 'diese 
beiden Mineralien -Gattungen in ausgezeichneten Kry- 
stallen in den Zerklüftungen, die man im Inneren der 
kuglichen Massen meistens flndet. 

Theils solche knollige und kugüche Massen, thcils 
schwache Flölze von Thoneisenstein fmdet man sehr 
häufig in den Steinkohlen -Revieren von PFottwowitz, 



377 

MimmitZy Schlan, Baschtiehrad , HiskoWy Lis^ 
Sek y Schehrak , Radnitz etc. ; aber nur an wenigen 
Punkten werden sie abgebaut^ und zwar stets nur 
dort^ wo man für den Rotheisenstein aus dem Grau- 
wacken - Gebirge ein brauchbares Gaitirungs-Matcrial 
sucht. Übrigens dürften einige Thoneisenstein- Nie- 
derlagen am Fufse und in den Vertiefungen des böh- 
mischen Grauwacken - Gebirges als vereinzelte , von 
dem Steinkohlen - Gebirge *) unabhängige Bildun- 
gen zu betrachten seyn« 

Abgebaut werden Thoneisenstein-Flötze auf obi-» 
gern Territorio^ als: 

bei Chlum, 3' — 4' mächtig, für die fürstlich- 
Fürstenbergischen Hütten j 

am Franziska - Sch^chie , gelber Thoneisenstein 
in 2^^ mächtigen Flötzcn, deren Liegend Mandelstein, 
deren Hangend Troppsandstein ist, — für die Ifor^ 
schowitzer Eisenwerke j 

an der i^/or^/i^i/ii^'- Eisenstein - Zeche auf dem 
Stadt Przibramer Boden, eine schwarze, ins Braune 
und Gelbe übergehende Varietät mit Braunstein -Über- 
zug, 3' bis i5' mächtig, fiir die Hütte zu Rozmital; 

an der PFojrner, oder Trojaker, Daubra-- 
wer, Chlumer, Rmdoschitzer , Plischkowitzer und 
JViLdsteiner Zeche im Klattauer und Prachi- 
her Kreise, — bräunliche, rothe, gelbliche uiid 
schwärajiche Varietäten, höchstens 2' mächtig; für 
die Eisenhütte zu Sabieschin im "Prachiner Kreise ^ 



*; Zur Erlicnnung des Steinilohlen • Gebirges geliört nicht et « 
wa unerläfslich das DaseVn der Steinkohlen, sondern der 
die Steinkohlen gcwo'inlich begleitenden Gebirgsmassen.. 



SLixfdevllerTschsLdMaj'erhöfen im Pilsner Kreise 
fiir das zugehörige Hüttenwerk im Frauenthaie an 
mehreren Punkten, als an der Jolianni^ Zeche bei 
lEisendorf eine schwefelkieshältige, raseneisensteinar- 
tige Varietät, zwischen der Dammerde und einem bläu- 
lichen Sandsteine, i' — 4^ mächtig; 

an der Zirker Zeche eine ' knollige glasköpfige 
.Abänderung^ putzen- und nesterweise zwischen gel- 
ben und blauen Letten; 

an der Alexander -(^xvX^^ bei dem Dorfe TVid- 
litz y und der Meleutzer Zeche quarziger, streng- 
flüssiger Thoneisenstein, i'' — r- 3" mächtig in der 
Dammerde ; 

auf der Herrschah Brenfiporitschen im Pilsner 
Kreise an der Hutmainer, Kkelter, Koralker^ Unter- 
Kokschiner und Tschitschower Zeche, licht- und 
dunkelbraune, röthliche und gelbliche Varietäten, 
von ^' bis 4' Mächtigkeit , für den Hochofen in 
JUittrowitz ; 

auf der Herrschaft Trbist bei dem Dorfe Lomizka^ 
und auf der Herrschaft Schweising bei dem Dorfe 
ffolling y oberflächlich und nesterweise *), für den 
Tachauer Hochofen im Pilsner Kreise. 

Wie auf dem öraaivacÄre/i-Gfcbirge, so tritt auch 
in den Vertiefungen des ürgebirges, das den südwest- 
lichen Theil Böhmens y den nördlichen und westli- 

*■ ■ I II ■ » .. ■■ I I . ■ . ■ .1 .1.11 m 

*) Mer]i%Turdig ist das Vorkommen eines gelben , rotben, brau- 
nen und auch bläulich - schwarzen Opals , putzenweise in 
Übergangsschiefer, der SQ reich an Eisentfaeilen ist, dafscrmit 
Vorthell vcr^chmolsen wird. Dieses Verhalten findet an der 
Ursula '7äQc{\ü (der Stadt Tachau gehörig) Statt; ein ähnli- 
ches Vorkommen ist bei Rudelött in Mähren, wo der ge- 
wonnene Opal auf der Baron Hockbergischen ilütte zu !(»• 
deleit verschmolzen wird. 



^79 

chen Theil Mährehs und Österreichs im Norden der 
Donau besetzt^ der Thon- und Rasencisenstein als 
ein zwar minder mächtiges, aber in ungemein vielö 
grofse und kleine Mulden eingebettetes' Gebilde auf« 

Der Umstand, dafs dieses grofse Urgebilde (ei- 
nige Zentral - Granitmassen , ^ jedoch vorherrschend 
Lagergranit undGneifs, seltener Gliuimerschiefer etc.) 
zwar sehr weit verbreitet, aber dabei nur zu einer mitt- 
leren Höhe ansteigend i^t, erklärt ^ehr einfach, warum 
dieses ausgedehnte Territorium nicht wie andere 
höhere Urgebirge durch tiefe Einschnitte getrennt, 
sondern ein wahres Plateau mit grofsen und kleinen, 
fast stets sanft begränzten Mulden ist. Die Oherflä- 
chen-Verhältnisse des Ktattauery Pj'achiner , Bud- 
weiser y Taborer, Gzasläuer, Znajrmev und Ig- 
lauer Kreises bestätigten dieses. Die sanften Yer- 
tiefungen sind nun mit den Resultaten der Verwitte- 
rung des Feldspathes, Quarzes und Glimmers erfüllt, 
wozu sich noch die Eisentheile aus der an diesem Ur- 
felsgebäude so grofsen Antheil nehmenden Hornblende 
(häuGg mit Magneteisenstein) gesellen. Darnach erklären 
sich die in diesen Gegenden so allgemein vorfindip;en; 
mit Lagen von Sand, Lehm, nicht selten Porzellah- 
thon , Thon - und Raseneisenstein erfüllten Mulden. 
Je nachdem nun die Umstände zu diesen sekundären 
Bildungen einflössen, so wurde auch der regenerirte 
Eisenstein sehr verschiedenartig : sandig, sandsteinartig, 
thonig, knollig, blätterig, grau, gelb; braun, roth etc. 

Wir wollen nun einige dieser Mulden insbeson- 
ders betrachten. 

Von ungewöhnlicher Mächtigkeit bricht der Thon- 
eisenstein unweit dem Dorfe Lizomierzitz auf der 
Herrschaft Zieh im Czaslauer Kreise in dem Chwa- 
lowitzer Gebirge ein. Der sogenannte Tageisenstein, 
welcher bis 27 Prozent hält, und 8' bis 9' mächtig 



a8o 

ist, ruht auf blauem Leuen ^ und ist tod i' — 2' 
Dammerde Gedeckt; während der sogenannte Nester- 
eisenstein daselbst in 3^^ bis :x' mächtii^en Putzen in 
hläulichtem verhärteten Thone einbricht. Diese Erze 
werden zu Hedwigsthal nächst TYzemoscknUz auf 
der Herrschaft Ronow im Czaslauer Kreise ver- 
schmolzen. 

Dagegen erscheinen nur putzenweise oder in 6'^ 
bis m'^ mächtigen Lagern die Thoneisensteine an der 
Bechiner Zeche auf der Herrschaft JBechin, an der 
Drachower und Wittingauer Zeche auf der Kor 
darzetzizer Herrschaft^ an der PFitzomüller Zeche 
auf der 'Rotlohater Herrschaft^ an der Bergstadler 
Zeche auf der Cheyno^er Herrschaft^ an der Neu* 
hofer Zeche auf der Hrober Herrschaft. Der Hoch- 
ofen zu Herzmannsthal auf der Herrschaft Kamenitz 
im Taborer Kreise bringt diese Erze zu Guten. 

Besonders ausgedehnt sind die mit Sand und 
Lehm erfüllten Mulden des Budweiser Kreises ; viele 
Quadratmeilen sind damit bedeckt, dort und da durch 
hervorstofsende Massen von Granit, seltener von Gneifs 
unterbrochen. Es ist eine allgemeine Erfahrung^ dafs 
die Lagen regenerirter Erze in dem. Verhältnisse an 
Mächtigkeit Volieren ^ als die Mulden^ in welchen 
sie liegen, an Ausdehnung zunehmen. Man sieht die- 
ses an den Schieferkohlen -Lagern des Pilsner Krei- 
ses eben so, wie an den Thoneisenstein - Lagern im 
südwestlichen Böhmen. Selten steigt die Mäcntigkeit 
der Eisenstein -Lager in den weiterstreckten Mulden 
des Budweiser Kreises bis zu m'^ an. Die Gruben 
bei Neudorf y Petrowitz , Stepanowitz , Preseka und 
bei Chrachowitz auf der Herrschaft ff^ittingau, bei 
Strzebitzko auf der Herrschaft Gratzen, bei Bud- 
weis , Hammerdorf und Klikau beweisen dieses. In 
4er ganzen Erstreckung von Gmünd bis JVeseljr hin 



28l 



findet man die AusbUse solcher oberflächlicher^ 
schwacher Eisensteinflötze. 

Ein ähnliches Verhalten zeigen die Thoneisen- 
atein - Gruben an den Mulden auf der österreichischen 
Abdachung des grofsen Granit- Gneifsgebirges. So 
beifsen beim Dorfe Beinhöfen, Hirschenwies und 
Lan^eld auf der Herrschaft fVeitra , bei Hohenau 
nnd Süssenbach auf der Herrschaft Kirchberg am 
Walde ^ bei Klobnitz auf der Herrschaft Zjwettely bei 
Neuwirthshaus auf der Herrschaft Rosenau , bei 
Niedergrünbach auf der Herrschaft Rastenberg im 
K. O*. M,B. in einer grofsen^ flachen Mulde 3^' — 
4^^ starke Flötze aus. 

' Interessant^ ja selbst überraschend ist es gewifs 
fiir solche Gegenden^ wo man^ wie zJ B. in Inner- 
o5/erreicA| nur mächtige Eisenstein - Lager abzubauen 
gewohnt ist, zu hören, d%ifs solche Flölzc mit yiefem 
Nutzen, besonders in Böhmen und Fohlen, zu guten 
gebracht werden, indem die Erzeugungskosten für 
einen Karren Erzes von 4 — ^ Zentner Gewicht sich 
meistens nur auf :io bis 5o Kreutzer C. M. belaufen. 

Diese verschiedenen Erze werden auf dem Fran- 
zensthaler, Glumetzer und Gabriella - Hochofen 
im Budweiser Kreise verschmolzen. 

Die Thoneisenstein - Flötze des Eugenthaler 
Werkes im Bunzlauer Kreise zeigen an den Gefsen* 
ejrer, Kamenitzer und .Lothker Zechen eine Mäch- 
tigkeit von 3® bis 35°. 

Ob die 20 bis 3o Prozent haltigen Erze von den 
vielen Zechen des Ernestthaler Hochofens auf der 
Herrschaft Starkenbach im Bidschower Kreise durch* 
aus Thoneisensteine sind, kann hier nicht bestimmt 
angegeb en werden. 



a83 

Die Janowitzer, MalUnowitzer , Krassnef, 
Ober - Clgotter und Skallitzer Zechen gehen eben- 
falls auf i'^ — 6*' mächtigen Plötzen eines gemeinen 
Thoneisensteines um , und liefern das gewonnene Erz 
zum Hochofen von Baschka auf der Herrschaft Frie-- 
deck. 

Es würde uns zu weit fuhren^ alle Zechen zu 
schildern^ welche auf Thoneisenstein -Plötzen eröff- 
net sind^ und die mährischen und österreichisch- 
schlesischen Hochöfen mit dem nöthig^n Erze versorgen. 

Die Hochöfen zu Kadau und Millau auf der 
Herrschaft Neustadtl, zu Ludwigsthal auf der Herr- 
schaft Freudenthal, zu Blansko , zu Pelles , Rofisko, 
StiepanaUy Latzdorf, Ustron, Jloysthal, fVbUr 
kinsthaly Ädamsthal, bei 7^2 u^oreA: (Herrschaft; Eich- 
horn) verarbeiten Thoneisensteine theils allein , theils 
in Gattirung mit anderen Erzen. - 

Während der Eisenhütten - Haushalt in allen Be- 
ziehungen zu Komorau und Ginetz auf den gräflich 
Tf^rbnaischen Herrschaften in Böhmen den höchsten 
Grad der Vollkommenheit im Inlande erreichte , wäh- 
rend die fürstlich Fürstenbergischen und die Swiro- 
wer Hütten eine lobenswertbe Nacheiferung zeigen ; 
hat sich das Eisenwerk zu Blansko in Mähren, das 
einem eben so kenntnifsreichen als kraftvollen und 
vermöglichen Besitzer angehört^ unter der Leitung 
des gegenwärtigen Berg - und Hüttenverwaliers Herrn 
Teuhners zu einer hohen Stufe der Vervbllkom- 
mung emporgearbeitet. 

Es ist interessant^ von solchen Portschritten^ wie 
sie in den letzten Dezennien an obigen böhmischen 
und mährischen Eisenwerken gemacht wurden, nä- 
here öSentliche Kenntnifs zu erhalten, da sie auf so 
viele andere Zweige der gesämmten Ipdustrie einen 



a83 

wichtigen mittelbaren Einflafs neliinen. Bei einer an- 
deren uelegenheit soll daher hierüber das Wichtigste 
mitgethcilt werden, da es die Gränzen der gegenwär- 
tigen Ahhandiung zu sehr erweitern würde. — Nur 
einer eigenthümlichcn Thoneisenstein-Formation mufs 
hier noch näher . gedacht werden , welche auf der 
Herrschaft Raitz, Posoritz, zu Ifosterlitz, zu La- 
sckanko auf der Herrschaft Churein etc. aufge- 
deckt ist. 

Der Eisenstein -Berghau zu Ruditz auf der Herr- 
schaft Raitz geht auf häufig unterbrochenen Plötzen 
eines schaligen Thoneisensteines um, welcher in 
einzielnen Knollen. und Putzen häufig brauneisenstein- 
artig und giasköpfig wird. Dieses Erz ist unmittelbar 
ih Kesseln, Schluchten und Vertiefungen eingebettet, 
welche vom Übergangskalke gebildet sind, der im 
Westen ^e^en Blansko an Sienit angelagert, und unweit 
Ruditz gegen Osten mit Grauwackc und Grauwacken- 
schiefer bedeckt ist, und von S, nach N. im Brünner 
Kreise sich erstreckt. Je unebener, schroffer, zerrissener 
die sekundäre Oberfläche dieses Kalksteines durch 
die unterirdische Thätigkeit des Bergmannes befun- 
den wird, desto überraschender ist es, dafs die Ober- 
fläche am Tage ganz zugeebnet ist. Dieses Oberflä- 
chen -Verbal tnifs gründet sich auf die Ausfüllung der 
Kalkstein -Vertiefungen durch die Glieder und Schich- 
ten einer jungem Formation, welche aus Lagern von 
Thon, Sand, Feuerstein - Geschieben und Eisenstein 
besteht. Je enger, tiefer und schro^ci; nun diese 
Vertiefungen und Kessel im Übergangs - Kalksteine 
sind, desto mächtiger ist der darin eingebettete Ei- 
senstein. Das Hangende desselben sind mehr oder 
weniger mächtige Lager von Thon, welche in der Nähe 
des Eisensteines braun, in mehrerer Entfernung grau, 
weifshch und sandig sind. Dieser Sand ist oft so rein 
tind weifs, dafs er für Glashütten ein vorzügliches 
Material abgibt. Die Lager dieses Saades sind b^i 



a84 

einer yerschiedenen Mächtigkeit dadurch merkwürdig, 
dafs sich daria knollige Quarzmassen finden^ welche 
an der Oberfläche theils zerfressen, theiis gekerbt, 
inwendig meistens hohl und mit Krystallen von grü- 
nem und amethystartigen Quarze besetzt, und dann 
noch häufig mit einer Lage Kalzedon von bläulich weis- 
ser, violetter, brauner oder gelber Farbe überzo- 
Sen sind. Dieser Kalzedon ist selbst in Rhomboe- 
em auskrystalltsirt gefunden worden. 

Über diesen Sandlagen finden sich endlich Quarz- 
und Feuerstein - Geschiebe y welche die oberste, aber 
nicht überall anzutreffende Lage dieses jungen ^Ge- 
birgs - Gebildes inachen. 

So einfach die Erkennung dieser Struktur-Ver* 
hältnisse auch scheint , so wichtig wurde sie für den 
gröfseren Betrieb und den bleibenden Bestand des 
Blansker Eltsenwerkes und aller übrigen Hütten, 
welche von der nähmlichen Erz -^ Formation ihr Ma- 
terial beziehen. 

* So folgenreich die Kenntnifs der Unterbrechung 
der Erzlager durch hervorstofsende Massen des Grund- 
gebirges, oder durch Yerrutschungen der Gebirgs- 
stücke für den Bergbau ist , so sehr auch das Schick- 
sal ganzer Bergreviere davon abhängt, wie diese nach- 
theUige Erscheinung betrachtet und behandelt wird ; 
so wenig ist do6h die naturgemäfse Ansicht derselben 
unter den Bergleuten verbreitet^ welche so oft eine 
unterbrochene oder verworfene Lagerstätte als verlo- 
ren aufgeben, weil sie selbe der Gebirgs - Struktur 
gemäfs aufzosuchen nicht verstehen. 

Sehr klug und vorsorgend versteht man dagegen 
bei den Muditzer^ Laschanker etc. Bergbaue, die 
zwischen den Vertiefimgen des Kalksteines zerstreu- 
ten Erzmittel aufzusuchen und -zu Guten zu bringen. 



a85 

"Weil man die geogiiostischen Yerhältnisse der hebau- 
ten Erz -> Formation erkannte^ und wohl sah^ dafsmaii 
der Natur der Lagerstätten nach stets für neueAnhrü* 
che besorgt seyn müsse. Als Wegweiser hiezu dient 
der braungefarbte Thon y der mit Strecken - örtem 
von einem Kessel in den andern den Biegungen des 
Kalksteins nach verfolgt werden mufs^ wenn die Re- 
servbaue in das gehörige Yerhaltnifs mit den Abbauen 
kommen sollen. 

Ähnliche Erscheinungen zeigt der Bergbau bei 
Kiritein auf der Gränze aer Staatsherrschaft Obro- 
wiiz. 

6.lDGaIlizien. 

Die Ablagerung in platteniörmigen parallelen La- 
gen der Gebirgs- Gesteine zeigt sich nirgends mit we- 
niger Unterbrechung als in den sogenannten Flötzge- 
birgen^ v^enn diese weite Kesselländer ausfüllen oder 
an grofse Längen - Gebirge sich anlehnen, und wenise 
oder gar keine Massen und Kuppen älterer Gebilde 
durch selbe hervorstofsen. Die Erfahrung, — dafs 
selbst sfehr schwache Gesteinlagen ohne Unterbre- 
chung so lange fortstreichen, als das nahmliche Ge- 
birge anhält, in welchem selbe gleichförmig einla- 
gern , — hat sich nirgend in der ösierreichischen Mo- 
narchie auf eine so überraschende Art und mit solchen 
Besuliaten für den Berg- und Hütten -Haushalt nach- 
gewiesen, als iii GalUzien. 

Wenn die geognostische Untersuchung ganzer 
Gebirgszüge keinen anderen Yortheil gewähren könn- 
te, als die Ausmittelung der Verhältnisse der Ver- 
breitung. Verlheilung und Streichungs- Richtung der 
Mineral -Schätze und der darauf gegründeten natur- 
gemäfsen Aufsuchung und miantitativen Abschätzung 
zum Behufe kameraliäticher Konjekturen 3 — so wäre 
dieses Resultat schon hinreichend gcnu{|; die Staats- 



a86 

1 

Verwaltungen zu vermögen, dafs sie alles aufbiethen, 
was zur Erreichung dieses Theiles der Landeskunde 
zweckdienlich ist. 

Da die ausgezeichneten Kenntnisse und. Bemü- 
hungen desk. k. galizischen Domainen- Salinen -Ad- 
ministrations-Assessors Herrn Äior/ Ritter von Schind-- 
lers zu anerkannt sind, so lassen wir hier von seinen 
Beobachtungen über die karpathischen Gebirge etc. 
diejenigen Resultate einschalten, welche higher Be- 
zug haben. Er spricht über die Yerbfcitung der 
Thoneisensteine in Ostgalizien Folgendes: 

»Es wird in diesen Gebirgen der Kameral- Eisen- 
bergbau an mehreren Orten , und in. einer Strecke 
von beiläufig :20 deutschen Meilen getrieben; nahm- 
lich von Dusiatjn im Sanoker Kreise , bis über Aß- 
zün im Stryer Kreise. 

Es hat sich gezeigt: dafs die Eisenstein - Flötze 
sammt den sie begleitenden Nebenschichten längs 
dieser ganzen Gebirgsstrecke ununterbrochen fortlau- 
fen; denn man hat sie in der nähmlichen Qrdnung 
bei den Kameral -Eisenwerken zu Smolnay wie bei 
jenen zu Mitzün angetPoSen ; und ihr gleichförmiger 
Zug gab nicht allein die Veranlassung, zwischen 
Smolna und Skoll zu Majrdan bei Kropiwnik ein 
neues Eisenwerk darauf anzulegen, sondern auch 
mehrere Privat- Eisenwerke, als Podhorodin, Zulin 
u. s. w. haben ihr Daseyn dieser beobachteten Natur- 
erscheinung zu verdanken. 

»Alle Eisenerzlager ohne Unterschied nehmen 
die Richtung von Nordwest nach Südost, beiläufig; 
zwischen Stunde si und 2i imd verflachen bei 4^ 
bis 60 Graden von Nordosten gegen Südwesten, mit 
Ausnahme jener. kurzen Strecken, wo die Gebirge 
i;estürzt^ verschoben^ oder schwebend erscheinen.«« 



Ausgezeiclmet schwebend liegt das Gebirge zu 
Strona bei Smolna im Samborer Kreise ; fcu Mizün 
im Stryer y zu Pasieczna, Dora bei Nadworna im 
Stanislauev Kreise. 

Die in Vollzug gebrachten Schürfungen in der 
Bukowina auf den Staatsherrschaften Solka und Gura 
Jlumoray so wie auch die Eisenschürfungen zu Z>u- 
szatjrn auf der Staatsherrschaft Krosno im . Sanoker 
Kreise, haben die weitere Oberzeugung geliefert, 
dafs die Eisenerzlagerauch in jenen entfernten Ge- 
birgsiheilen gleicher Ordnung und gleichen Natur- 
geseuen gefolgt sind. 

Und die erst kürzlich zu Po^tecjZ/ia auf der Staats^ 
herr Schaft Nadworna im Stanislawower Kreise an- 
gelegte Eisenschürfung bestätigte die Richtigkeit der 
Erfahrung auch in jenen Gebirgstheilen. 

Nicht minder gab eine im Jahre 1808 veranlafste 
Besichtigung einiger Gebirgsgegenden im Sadecer 
Kreise die Versicherung^ dafs auch in jenen entfern- 
ten Gebirgstheilen zwischen Neusandec und TVisniz, 
dann zwischen Mtsandec und Zabrzez y mehrere 
Eisenerzlager unter dergleichen Gebirgsverhältnissen 
von Nordwesten nach Südosten streichen. 

Die Eisenerzlager werden y sowohl die Thäler 
als die höchsten Gebirgsspitzen durchsetzend, ange- 
troffen, und die Lagerungen, die man in den Thä- 
lern antrifft, werden eben so in den höchsten Ge- 
birgstheilen ersichtlich. 

Fast auf dem ganzen flachen Lande von OstgaUzien 
waren vor Alters Luppenfeuer verbreitet , welche 
Sumpferze verarbeiteten : noch heute trifft man häu- 
fige Rudera und Eisenschlacken auf alten Teichdära- 
m^n an ^ und die vielen Benennungen der Oruchaf- 



!i88 

ten mit den Nahmen Ruda und Demnia rühren ebea 
daher. 

Heut zu Tage bestehen nur fiinf dergleichen 
Luppenfeuer , nähmlich zu Rudarozamecka , zu 
Smolna, Podmichale^ wefche von Seiten der k. k. 
Kammer betrieben werden, sodann zu Demnia bei 
Kurzemi. und zu Lachowec. welche Private be- 
treiben. 

AnsehnUche Snmpferze liegen bei Bjrskupice im 
Samborer Kreise , dann längs dem Dniester und be- 
sonders zu Zjrdaczow im Stryer Kreise , welche letz- 
teren von besonderer Güte sind , und ein ziemUch gu- 
tes Eisen geben, nach neuerlichen Versuchen zu gu- 
tem Stahle geeignet sind , der* Galizien bisher ganz 
mangelte. 

Aufserdem sind Sumpfejrze, und besonders Ra- 
seneisensteinf , über das ganze flache Land in allen 
Niederungen verbreitet , man findet sie im Tarnower 
und Rzeszower Kreise, aber bei JVisko, Mokrzjr- 
szoWy TuszoWy Lezaisk, Zarzfce^ Dzikowec be- 
sonders häufig; ferner in dem Zolkiewer Kreise, 
auf der StaatsherrschaJ^-^z^^oczoH^, im Przemjrsler 
Kreise bei Radimrtf/y im ^ryer Kreise bei Kalusz, 
so auch an mehreren örtern im Stanislauer und Ko- 
lomeer Kreise. 

Endlich befinden sich auch in den karpathischen 
Gebirgen Sumpferze; sie werden von den sogenannten 
schwarzen Eisengängen (Thonmärgeleisen - Erzen mit 
schwarzbraunen Beschlägen) abgesetzt, und man trifll 
sie daher an den Gehängen aller Gebirge an, durch 
welche diese Lager streichen, und überhaupt längs 
dem karpatischen Gebirgszuge. 

Ingleichen kommen hier die erst kürzlich ent- 



deckten kalkarügen und ochrigen Eisenerzlager zu er- 
^ähnen^ deren bekanntlich zwölf parallel neben ein- 
ander streichen, die bis zu mehreren Schüben mäch- 
lig sind , und zwischen Osiek und fVolosate , Zopa- 
7Üe , dann zwischen dem Pruthflusse im Jablonowev 
• Territorio, und über JVama bis zur Moldauer 
Gränze, auf einer Strecke von 44 Meilen in der Pro- 
vinz ausgedehnt liegen. 

Zur näheren Kenntnifs der nur wenig bekannten 
Eisenerzlagerungen nordöstlich von den Karpaihen 
mögen folgende Mittheilungen von den gallizischen 
Eisenbergwerken beitragen, -r- Da das ganze Land 
überall mit neueren Gebirg^massen besetzt ist, mit 
Ausnahme einiger wenigen Distrikte an der südöst- 
heben Gränze , so können die eingelagerten Eisensteine 
auch nur sekundär^ Gebilde seyn ^ was auch überall 
der Fall ist. 

Wenn der Parallelismus der Gcsteinslagen an der 
nordöstlichen Abdachung der Karpaihen überrascht, 
und die Erschürfung der fast ununterbrochen fort- 
streichenden Erzlagen nach der ganzen Erlangung 
des Schichtenzuges dem Bergmanne sehr erleichtert \ 
so ist dagegen die ungemein geringe Mächtigkeit fast 
aller darin aufgedeckten Eisensteinlagen fiir denBerg- 
und Hüttenhaushalt dieser Gegenden eine gleich un- 
angenehme Erscheinung. Dadurch ist jedoch wie- 
derum bestätiget , dafs die Mächtigkeit regenerirter 
Erzlagen gewöhnlich in dem Verhältnisse abnimmt, 
als ^ die Streichungs- Distanz und Verbreitung dersel- 
ben zunimmt. 

Das Smolner und May daner Eisenwerk im Sam- 
borer Kreise baut auf 4" — 8" mächtigen Lagern ei- 
nes II — 13 Prozent hältigen Eisensteines (thonmär- 
gelartig) , welcher von Schieferthon und Sandstein 
begleitet wird. 

l«krl. 4. P0I7I. latt. UlV 114* ig' 



ago 

Auch ein i8 i — 20 prozentiges Sumpferz wird 
da gewonnen. 

Das Orower Eisenwerk im Samborer KreUe^ 
und jenes^zii Mizun im Stryer Kreise baut auf 3" bis 
7'^ mächligcn Lagern von thon- und kalkmärgelartigen 
Eisensteinen^ welche zwischen* 13 und 16 Prozent 
hältig sind, und eine Begleitung wie oben haben« 
Merkwürdig ist das nicht seltene Vorkommen von 
Bernstein in einem Sandstein- Konglomerate im Lie- 
genden der Mizuner Eisensteinzechen. Das Hangende 
fuhrt dagegen Lagen von Alaunerz. 

Das Podfiorodeczer und Z?cin^/ia - Eisenwerk 
im Stryer Kreise verschmilzt ebenfalls thon- und kalk- 
mnrgelartigc Eisensteine von 4^' kis S" mächtigen Lar 
gern, deren begleitende Gebirgsschichten Schiefer- 
thon, Sandstein, Sandstein- und Kalkstein -Konglo- 
merate, Alaunschieferund bituminösen Schieferthon . 
fuhren. Der Gehalt dieser Erze ist von t4 bis i5 
Prozent. 

Gleiche Verhältnisse zeigen die von den Ol- 
chowkePy Ludwikovker und Skoler Eisenwerken 
im Stryer Kreise abgebauten Plötze , deren Mächtig- 
keit von 3" bis 8" wechselt. 

Eben so sind die Eisensteinflötze der Eisenwerke 
Cisna und Rabbe im Sanoker Kreise beschaffen , mit 
Ausnahme der Mächtigkeit derselben^ welche ander 
Zeo/ii - Z'eche von 12" — 34"^ und an der KjczorU 
und Hjrrlati 'Gviibe von 6" bis 13" steigt. 

Das Podmichaler Eisenwerk im Stryer Ejreise 
verarbeitet ochrige, i3 prözentige Sumpf erze^ aus &* 
bis n^" mächtigen Lagern. 

Das Zahopaner Eisenwerk auf der Kameral- 



Herrschaft Netimark erbatit «u Magura braunstein- 
häkige Erze von 6'' bis 2' mächtig; zu Mientuszti 
gelbe Thoneisensteine auf 1' bis 3' machtigen Lagern, 
«nd m Bobrowett rothe schiefrige Thoneisensteine 
von 9'' bis 2' mächtigen Plötzen. Das Hangende und 
Liegende ist Kalkstein , und der Durchschniusgehak 
wechselt von i o bis zu lö Prozent. 

Weiter im südöstlichenErlängen tritt rothlichbrau- 
n^r Thoneisenstein mit einer von i' bis 3^ wechseln- 
den Mächtigkeit an dem Valye-Stjner Lager zwi- 
schen glimmrigem Schieferthon ^ welcher Quarzge^ 
schiebe fiihrt^ auf. 

Es dürfteii in der JBUkos^ina noch viele Nie- 
derlagen regenerirter Eisenerze seyn; doch der Reich- 
thum an Späth -> Bratin- und Magneteisenstein hat 
deren Aufdeckung bisher fiir d^iSiJakobenj'er Eisen- 
werk unnütz gemacht. 

Es ist iii Obigem etVi^as umständlicher von deli 
Thoneisenstein - Gebilden im Nordosten der Karpor 
then gesprochen worden, da selbe das einzige Ma- 
terial sxtiAj und der Gebirgsstruktur gemäfs wohl, 
bleiben dürften, welche die galizfschen Eisenschmelr- 
efen zu Guten bringen können. 



c. 



In Ungarn ixtiA Slebev biiTjgtn» 

Über die Thoneisenstein-Bildungen, welche sich 
dm südlichen Abhänge der Karpathen anlagerten, 
und an vielen anderen Punkten in dem grofsen ungah 
rischen Kessellande aufgedeckt wurden , wird hier nur 
Weniges in Kürze angegöb^n; denn die Verschmel- 
zung der Eisenerze aus den ungarischen Flötzgebir- 
gen ist weder in Hinsicht der Quantität, noch in Hin^ 
isicht der Qualität des daraus erzeugten Eisens ha ver- 
jgleichen mit der Zugutenbringung des Späth-, BraUii-^ 



29* 

I 

Roth- und Magneteisensieines aus den Urgebirgen 
dieses Landes. 

Noch gröfser ist jedoch der Unterschied^ welcher 
sich in dieser Beziehung bei Betrachtung des inner- 
österreichischen Eisenhütten - Haushaltes ergibt. 

Im nieder- und ober - ungarischen Bergwerks-Re- 
viere ^ wo die Eisenhütten vorzüglich Spadi- und 
Brauneisenstein verarbeiten^ dient der Thoneisenstein 
meistens nur als Gattirungs -Material« 

So verarbeiten die Hochöfen zu Rohnitz im Zb- 
lienser Komitate zum Theil einen ochrigen und thon- 
artigen Eisenstein^ während der Hochofen zu Libe^ 
then opal-^ pechstein- und hornsteinartige Eisensteine 
im Gehalte zu a6 Prozent verschmilzt^ über deren 
Yorkommen mir jedoch nichts Näheres bekannt ist. 

Das Eisenwerkt zu Diosgjor im Borsoder Komi- 
tate verarbeitet dagegen meistentheils arme regene- 
rirte Eisenerze y als : 

Aus dem Gebirge Kifs latro Hegj einen sehr 
armen verhärteten eisenschüssigen Thon ; 

aus dem Gebirge Szinge kalk- und sandartige Ra^ 
seneisensteine , von ao — aS Prozent Gehalt ; 

von Hoszaber€Qr thonartige dunkelbraune Eisen- 
steine; 

von yincepäl eine Breccia von Quarz , verwitter- 
ten Feldspath und Brauneisenstein etc. 

In dem Bistrikte des ersten Szekler Gränz-Infan- 
terie - Regiments sind im Laufe des letzten Jahrzehen- 
des an mehreren Orten Thoneisensteine aufgedeckt 



T^orden^ die wegen ihres geringen Gehaltes Ton 4 bis i4 
Prozent eine minder yortheilhafte Benutzung gestatten. 

* 
Unter diesen Fundgruben sind übrigens bemer- 

kenswerth die Csoroszaer, Kistsereer, Rompatra^ 
Sorkoer, Kenderesmajr , Pf^artgater, Vasfus^oer 
nad CsigahomlokerFloize, wovon letztere die brauch- 
barsten Erze liefern. , 

Ini Bistrikte desiJo^^/iaerBergamtes in Siebenbür-- 
gen sind ebenfalls , und zwar in P^alje Vinului Thon- 
^eisensteine erschürft; aber nicht weiter benützt worden. 

Für das siebenbüi^che {Eisenwerk zu Strimbul 
und Olahlaposch sind dagegen bedeutende Niederla- 
gen von Raseneisenstein (Sumpferze) zu Stipprislop, 
Szermetjres ^ Pleska und Ruszinosza wirklich' in Ab- 
bau gesetzt, daher auch naher bekannt. Die ober- 
flächlichen Flötze dieses von no bis f\o Prozent hälti- 
gen Erzes sind 4' mächtige und blofs mit einer schwa- 
chen Lage von Torf und Rasen bedeckt. 

Im Erze zeige^ sich^ nicht selten Partien von 
Steinmark, Quarz- Geschiebe , und Abdrücke von 
Sumpfpflanzen als Belege über die Art und das Fort- 
schreiten der Bildung dieser Erze^ 

Im Distrikte des Seles2tber Eisenwerkes in Sie-- 
befibürgen sind ebenfalb mehrere Thonelsenstein- 
Zedien eröfihet als : 

im BujcUiner Thale zwischen Kustanfalva und 
Podhering ein gemeiner, zuweilen ochriger Thonei- 
senstein, welcher im Liegenden Thonporphyr, im 
Hangenden verhärteten Thon hat ; 

zwischen dem Ivanjrer Weingebirge und dem 
Dorfe Lauka ochriger und dichter brauner Thonei- 



^4 - 

sen stein, zwischen gelben Thonlageo^ die ancL 
ferkohlen fuhren^ 

unter dem Dorfe Unter - Flznitze gememen nnd 
ochrigenThoueisensteinzwiscIienroiLem und grauem 
Sandstein, weleber ein Lager im Porphyr zu bilden 
scheint (imPorphjre trifitmandaauGhSpauieiseDSlein)^ 

im Dorfe Beredeke ein roihlicher quarziger Ei- 
senstein , znm Theit mit denttiöhen Quaragescbieben, 
zwischen Lag^n von Thon und Sand; 

zu Muzsaly, wo rother Eiscnocher und ein dich- 
ter rother Eisenstein auf Alaunstein in oft aehr Be- 
trächtlichen Massen von mehreren Kubikklaftern auP* 
lagert» Dieses Erz ist aufserdem bis zu 3a Pro7.eat 
hakige während ohige vier Abänderungen zwischen 
17 und 125 Prozent im Gebalte wechseln^ und in den 
Gruben nur eine Mächtigkeil von 6^' bis t^ zeigen« 

Dagegen scheint der sogenannte Tboneisenst^^ 
welcher am Berge Danskjr zu Kopolapojana putzen- 
yreise 1' bis 1° mächtig einbricht, nur eine verwit- 
terte Varietät des Brauneisensteines zu seyn^ da die 
Begleitung von silberbältigem Bleiglanz, AntiaM>nium, 
Schwefelkies und Quarz den Thoneisenstein -Lagern 
nicht ergenthümlich ist, und ohnedem die Braunei- 
senstein - Formutiott zwischen Glinunerschieier im 
uahmlichen Gebirge auftritt. 

So wenig bedeutend nun in Folge des Angeführ- 
ten die ungarischen Thon- und Raseneisenstein -Bil- 
dungen gegenwärtig, erscheinen^ so sieht man doch, 
dafs selbe blofs nach den vereinzelt aufgeschlossenen 
Zechen zu urHieilen, ein am südlichen Abbange der 
Karpatheji allgemein verbreitetes Erzgebilde seyen, 
welches zwar in der Nähe und in den Vertiefungen 
der höheren und älteren Gebirge, worin, wie wir sa- 



• 

ben^ die Fundgruben reicherer Eisensteine sind^ nie 
jene Wichtigkeit erhahexr kann, welche es in den 
waldreichen Ebenen der ungarischen Militairgränz- 
Distrikte früh oder spät bekommen mufs/^da diese 
weit ausgeaehnten Gegenden fast ganz mit regenerir- 
ten Gebirgen bedeckt sind, zu Welchen die Thon- 
und Rasensteiidager als integrirende GUeder charak- 
teristisch gehören. 



Beiliegende Tabellen zeigen di.e Roheisen -Pro- 
duktion in Böhmen , Mähten , Österreichisch-Schle- 
Sien, Gallizien uüd einem Theile C^^ar/2^ während 
den Jahren 1811 bis inclusive 18 19. 

Von einigen Hochöfen ist freiUch nur die durch- 
schnitüiche jährliche Erzeugung, von anderen meist 
minder bedeutenden oder im Stillstand begriffeneu 
Hütten gar nichts beigebracht. 

Gegenwärtige Tabellen werden dem aufmerk- 
samen Beobachter zeigen, dafs die oben entwickelten 
und dargestellten verschiedenen Erz -Formationen ei- 
nen höchst un«:leichen Einflufs auf die Gröfse des Ei- 
senhütten - Haushaltes verschiedener Gegenden haben* 

Es wurde eine mehrjährige Produktion angefugt, 
um darin die Schicksäle des Hütten - Betriebes , das 
Steigen und Fallen desselben zu verschiedenen Zeiten 

besser zu erk*ennen. 

« 

Es mufs übrigens . hier zum Voraus angemerkt 
werden, dafs die Erzeugung»- Resultate des letzten 
Decenniums keine wahre und bleibend richtige Durch- 
schnitts - Ansicht der österreichischen Roheisen-Pro- 
duktion gewähren, da bekanntermafsen mehrere Jahre 
sehr nachtheilig fiirdenEisehabsatz waren, welcher sich 
jedoch wieder hebt, wie man aus denTabcllcn siebt. 



^96 . . . 

Tabellarische 

der 

Roheisenerzeugung vom Jahre 1809 bis inclusive 

nördlich von der 



Ort des {lisenwerkes. 



Erschmolzenes 



1809. 



1810/ 1811. 



1813. 



Ztr> t Ztr. I Ztr. j ZtrT 



In Böhmen. 
Unter dem Joachimsihaler k. 
k. Berggerichts -Distrikte. 

Zu SehmUdeberg . « . • » 

9 Rothau 

Nächst Heudeck .',..• 
Zu Rotkäu und *! Roheisen Z' 
PtrUberg . . . ./Gufsciscn\ 
Zu Perlsberg (dem Baron /bi*-V 

Äriri gchörify . / 
Detto (dem Hrn. »r/Är\ 



gehörig; 



• k • • 



/ 



Unter dem Przibramer k. k. 
Bergamts - Distrikte. 



Drei Hochöfen ih\^ • .^ 1 
Komorau und einl?^*!^'?«^ l 



Aomarau una ein y^y i* • ?* 
Hochof. in C*>e/»/ ^^'*'"^" j 
*Zwei Hochöfen zu Neu - Jö'\ 
achimsthal und ein Hochofen V 
ktf Neuhatten ..... j 
Zu Sabieschin . 
» Rounital 
9 Obetmts^, 
j» KarlshÜtte^ • 
1» Straschit% 
» Holloubkau . 
» JDobrtiuf . 
» Franzensthttl 



a^B 



a367 
194 



3i365 
i3io5 

636a 



4468 



3377 



2435 
173 



T 



18421 

15375 

7530 



4044 

7644 
4750 

4834 
4583 
5431 



ii5o 



1817 
169 



«7575 
15403 

624<> 



4724 
5519 
556 1 
35o5 

5127 
4966 



»999 



344B 
285 



27849 
10875 

6256 



45 13 
6838 
5465 
3o66 

4l53 

7i56 



mm 



^97 



Darstellung 



1819, in den österreichischen Provinzen ^ welche 
Donau hegen. 



Roheisen 'in den Jahren 



i8i3* 



i8i4- 



i8i5. 



816. 



817. 



818. 



1819. 



Ztr- I Ztr I Ztr. | Ztn \ Ztr. 1 Ztr. | JÄr. 



Also im 

Dureh- 

schnitte. 



Zentner. 



38 



3376 
393 



23930 
8937 

5585 



9678 

"77 
4«97 

445« 
ii38 
9914 



370« 



i559 



48i3 
995 



96215 

ioo3o 

* 

6777 



3935 
6378 
4696 

4759 
8914 



4040 
766 



9080 



97151 
14540 

8379 



4079 
549 



i654 



4609 
735 



3o48 



98073 
V3733 



6697 
959 

ii58 



39959 
i3649 



8704 11I90 



54^4 
6383 

6553 

4896 

1896 

iio58 



6960 
6908 

4787 
5484 
4956 

4o5i 



5584 
6698 
4798 

«447 

3i37 
8098 



99875 

1925l 



11797 

1966 

6888 
5299 

7579 

7100 



I 



958o 



6010 
897 

767 



I 



36958 

Il9l5 

i6856 

3443 

8969 
8959 
6101 
6i37 
6971 
4107 



9194 
4800 
8900 
4069 
548 

957 
3oo 



Fürtrag 



99035 
19583 

8691 

9704 ' 

1^000 

5959 

6523 . 

5ii6 

4708 

3870 

7009 

108459 



ag» 



Ort. des Eisenwerkes. 



5Sy 



Erschmolzenes 



8o9< 



i8io. 



1811. 1812. 



Ztr. [ Ztr. t Ztr. t ^^^' 



Unter dem Mieser k. k. Berg- 
gerichts - Distrikte. 

Zu Grünberg 

y Klabawa (Herrschaft RoA 

kit%an / 

9 HoromiestitE \ Roheisen V 
(Herrschaft P/üftf/i; /Gur8eisen\l 
» Frauenthai^(H.AfBX^rhfffenj\ 

V MittrowiU (H. ^Roheisen \ 
Brennt poriUehenJ / Gurseisen/ 
» SedUH (Herrs. StiaeklauJ 
» Taehau ••*•... 

Unter dem Kutienberger k. k. 

Berggerichts- Distrikte. 

Zu Ernstthai {Vk.StarkenbaekJ 
» Rosahütte (H. Reichenau) 
» Fran%ensthal{ H. WittingauJ 
» JosephithaliH, Chlummeti) 

V Heäwigsthal (H RonawJ . 

» Mugenthal (Bun%lauer V 
Kreis) . / 

» HartmannsthalfVLeTTSchdi f t ^ 
Kameniti) / 

» Theresienthal{H,NeuBistriti) 

Gabriellahütte 

Zu Baschka (H. Firiedek) . 

9 Kadau und Aiillau (Herr- 
schaft NeustadtlJ . . . 

» Fip^/ (Herrschaft Wogno'\ 
wenniestetz) •..../ 

» Ranzko (Herr* \ Roheisen 
Schaft Polna) . /Gufseiaen 



> 
} 
{ 



8709 

3o6i 

«75 
7389 
3385 

11a 

3240 



3460 

9188 

4754 



3396 



6778 

io3oo 

1737 

7i5i 

3671 

180 

416a 



3645 

1934 
5198 



3414 






6095 

3435 

411 

6004 

4^07 

118 

5osi 



3167 
1907 

4449 



4ii3 



6931 

619a 
661 
7«ao 
66^7 
J64 

4954 



371« 

4345 
3987 



3368 



Anmerkung. Von folgenden bukinischen Eisenhütten man* 
Ma/ (Herrschaft Cser;zour//'s;, ru P/>//«/f (Herrschaft Ä^- 
schafk Mischau) , zu Bromenhaf (Herrschaft KuttenplanJ^ 
RadnitiJ , xu Bradkowitz ( Herrschaft Hluhosch) , bei 
Ofen scheinen jedoch aufser Detriub gekommen su seyn. 



^99 



Roheisen in den Jahren 


Also im 
Durch- 
schnitte. 


i8i3. 


&8t4. 


• 


i8i6. iÖ>7. 


1&18. 


i&iq. 


IAw \ isir. 1 


Ztr. Ztr. \ Ztr. | Ztr. f 


Ztr. 1 Zentner. | 






^^^ 
^^v 


""^ 


47^ 


Übertrag;. 


108453 


»633 


«>56 


173& 


— 


5o7S 


6265 


5598 


7568 


8383 


7999 


6734 


44i5 

»994 
49 

3091 


&166 

6432 

y66 

4434 


4853 

459 

7604 

3353 

99 
38^1 

: 
1 


841 

45 
7616 

4974 

^— 
3554 

> 


7078 

45Ö9 

170 

. 68oa 

3o5o 


. 7369 

, 4168 

102 

8068 

4330 


8483 
5998 


478<v 

5i5 

/ 6900 

4406 
i36 

745o 
3874 


36>o 

480 
3-167 


39» 1 

1870 

6fi64 


33o8 

4307 
3339 


3687 

3i5o 

5918 


3710 

,894 

2867 
4989 


1 

3573 
i5o3 
»607 
8119 
6i3 


3535 
2897 
3965 

6284 
718 


3338 
3o3o 

301 I 

476, 
665 





\ — ^ 


• 


— 


■■^ 


1 
^^_ 


— 


3365 





— 


— 


— 


— 


■ 


— 


35oo ' 


4975 


465Ö 


3352 


* 

3834 


3(.4i 


5030 

5129 


3820 
4540 


4430 

2687 

• 4o3o 


■ 


" — 


r 

1 


^**^ 


— 


5ioo 


6160 


&i3o 


— 


— 


— 


'• 


' 




1 


5300 





— 


4697 
523 

1 


3660 
614 


330 
89 


4653 
»795 


3693 
4459 


320p 

896 




Fürtrag . 


191705 1 

) 


1 - • - ■ II 1 

geln die' betreffenden Angäbet), als: vom Hochofen \m Bienen '^ 
sierU) \ TM Kaüick (nerrsebaO Bothknham») , eu Wossek (Herr- } 
zn UntergramKng (Herrschaft TöplJ , zu Darowa (Herrschaft 
Hohenelbe y zu Benetchau (Herrschaft GratienJ^ Einige dieser 
>vahrend andere neue, entstanden» 



3oo 



Ort des Eisenwerkes. 



In Mähren. 

Zu Stiepanau (H. PernsUin) . 
» Lat%dorf ...••• 

V Ustron 

» Alox'thal (H. kUenberg) . 
» WöOfingsthal ( Herrschaft 1^ 
Bßhmiseh-Rudolett) . • / 

» Zffptau und Wiesenberg \ 

(Herrschaft Wietenberg) . */ 
Auf fiwei Hochofen zu .^/^it/Ao^ 

(Herrschaft Raitt) . . • / 
Zu Adamsthal (H. Fosoritt) . 
» Jaworeek (H. XichkormJ . 
» Karlsdoff {M. IGufseiscnr 

Janoufit%) . • /Roheisen \ 
y Ludwigsthal AutKYrei Hoch-\ 

Öfen im TVo/y^atttfr Kreise • / 

V JSndersdorf . # . . • 
9 FriedlanaunA Cwladna . 
» Buchbergstkal ..... 



Im Königreich Oaliziem 

Im Samborer Kreise. 



Zn MajrdoH 
» Smolna 
» Orow . 



Im Stryer Kreise. 

Zu Podmichale . • • 

9 Ludwikovka . . • 

9 Olchoufka . • • • 

9 .Tito/;; ..,.,. 

9 Sapot (Podhoroete) • 

9 Dembyna • . • • 

9 Miwfi 



Erschmolzenes 



1809. 1810. 



i»ii. 



1812. 



Ztr. I Ztr. I Ztr. | Ztr. 



4349 



3194 



20(K> 
590 

7i«7 






1000 
9481 



iS3o 
665 

448 
789 



s84^ 



3119 

5560 

283o 
a58i 
1069 

6777 



io35 
1969 
ioi3 



1911 

611 

1086 

i35i 



4811 



4ai8 

6443 
35oo 

3719 

911 
6o3o 



1^79 



1600 
1067 
io63 



i348 
759 
982 

9i36 



4758 



i568 

8335 

1600 
i3o5 

64^ 
399a 



3375 
806 



988 
9to5 
io36 



5o8 



1148 
611 
891 

i«4> 



3oi 



Roheisen 


in den Ja! 


liren 




Also im 
Durch- 
schnitte. 

Zentnpr 


i8i3. 


1814. 


i8i5. 


i8i6. 


1817. 


1818. 


• 

1819. 


Ztr. 1 Ztr. 


1 /if . 1 « tr. 


"ZlrT" 


Ztr. 


Ztr. 


* 

3187 


3187 


3a39 


• 

iai5 


3719 


1 
Übertrag • 


191705 


3931 


3483 


3950 
io8u 
3439 
3 300 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


5466 


5466 


a5i7 


•44 1 


i8aa 


3iai 


3777 


1044 


3806 


3495 


58io 


7719 


9862 


11378 


13175 


13708 


14444 


• 9543 


366 1 

i6ä5 

261 

6477 


1998 

ia89 

63a 

6547 


1935 

a6a'i 

609 

6730 


ai37 
ai67 

574 
7396 


1784 

a4ii 

687 

8a4a 


3703 

3094 

98 

3098 


344a 
ii35 

503 

8338 


3417 

1995 

590 

6349 


— 


— 


— 


— 


«-- 


— 


— 


8746 


4500 
39a 


535o 
iiai 


5700 
638 


5700 
4363 

• 


5785 

a4 


5460 
35 18 


^85 
1878 


1000 
5319 
1557 


2047 

ao48 
ioa5 


iia3 

ia5 

103 1 


974 
1998 
1016 


1703 

1374 
ioo5 


1417 
1686 
1009 


1341 
1769 
io56 


1170 
i835 
1044 


1398 
1687 
1038 


63 

i3i6 

6Ö7 

1086 

1094 


5oa 
ioi5. 

i4a3 
968 

iiaa 
535 


4i6 
119a 

i4oo 
916 

1644 
1483 


• 

8i5 
Qa8 
800 
ii5i 
6ao 

i5o4 
1715 

• 


604 
911 

1001 

669 

i54i 

1343 


509 
786 

838 
338 

1748 
1783 


569 

571 
443 

831 

479 
1195 

1451 


498 
903 
031 

1343 

654 
1195 
1357 


•' 


Fürtrag • 


3564 1 5 



So^ 



Ort d^ Eisenwerkes.. 



£r8chmol:z«nes 




H Ztr. \ Ztr. I Ztr. | Ztr. 



Im Sanoker Rreise« 






• "^v 



Zu Ce//za und Robbe 

> Zaiidfpane (H. Ntumark) ^ 



In der Bukowina. 

Zu Jakobenjr. • • • « . 



f 



In Siebenbürgen. 

Zu Strimbul und \ HoUelsen / 

» Olahläposch*) /GulÄciscnX 
» Kopolapojana «... 

/Gurscisen\ 
1^ T^plitta und AH^Limpert 
Vier SiueVö f emu Afad'rab undX 

im Sentenhammer . . . / 
Zwei Stücköfen (fjräfl.^ÄW^/rÄ; 
An mehreren StücliSrcn (zur 

Grube ThoroHko gehörig) 

Im.uSana^e. 



> 



Im Kraschower Komitate« 

Zu Bogfchau ••«..« 

» Reschitia 

» Ruskberg (im wallachisch-^ 
allyriscben Gränebezirlie . / 



y%\ 



6089 



65i4 

1437 
43o 



6961 



5o3i 
1062 



5oo 
1919 



7509 



7S3i 

»649 
973 



6370 



165^3 
18398 

1945 



49t 
1908 



883i 



5888 

446 
1129 



6656 



471 
t659 



7665 



5<|i6 
1591 

ai55 
356 






4*84 



l38q8 

16755 
2470 



«459 
23407 

1:335 



11 
Anmerl&nng. Von folf^enden ungarischen und slebenbürgi- 
öfcn der Murapuer Union, der Rima Ärtfxor« - Coalition, 
Dreiwasssr, Marienthal, Diotgyor, Jakabiany Rothemtein^ 
Stjrcy etc. . . 

Die Schmelzofen ron Kroatien bommcn hier, als im Sfiden 



I 



*) Dar Hodbolaa sa Oldhiäpoteh Ut «ait ^em Jahr« 1811 aar^er Betriftb. 



3o3 



Roheisen in den Jahren 


Also im 


i8i3. 


1814. 


i8i5. 


1816. 

» 


1817. 


1818. 


1819. 


Durch- 
schnitte* 


Ztr. 1 Ztr. 1 Ztr* Ztr. | Zlr. \ /tr. | Ztr 


Zentner. . 


525 
2o53 


1095 

t502 


2142 
9335 


i652 
2o5o 


1175 
3799 


Übertrag . 


2564i5 


1663 
3989 


1483 
35o8 


1092 

312^ 


6254 


565 1 


8975 


« 

7698 


11264 


10067 


12616 


8419 


i337 

236 

i3o5 

834 
i8fi 


llOl 

1807 
85o 


63 1 

341 

2448 

8:^8 


3963 

2614 
299 

1819 
746 


5767 
1584 

1048 
820 


5o6i 

907 

316 

2014 
1090 


'38ii 

728 
3493 
2982 

492 


4^01 
1049 

1255 
i853 
595 . 
16157 

3526 

767 


4o32 


3400 


4020 


6570 


7830 


8850 




6897 


22219 


18683 


s34a4 


22821 


10468 
23291 


12071 
12448 


18459 


i3o79 
20192 




• 




< 


— 


— 




1704 




Fürtrag . 


338717 

• 


• • - • • II 
sehen Eisenhütten mangeln die Angaben , als : von den ScbmelsH 
und der Grafen jindratsy und jener su Poinick^ lAbethen^ 
Fohorella^ Monyaska^ Valye Restiruta^ Zugo, Rafna^ O Derna^ 


der Donau liegend, nichl^in Betrachtung. 





3o4 



Ort des Eisenwerkes. 


Erschmolzenes 


1809. 


1810. 


i8ii. 


1812. 


Ztr. 1 Ztr. 


Ztr. 1 Ztr. 1 


Im Liptaaer Komitate. 




/ 






Zu Hradeck 


9496 


8291 

• 


lOoaS 


56o6 


Im ZohUr Komitate. 


/ 


1 






Zu Roknitx ...'•«.• 
» TheiihoU 


— 


— • 




— 


! 

Im Bezirke des zweiten ! 
Banal - Regiments . 










Zu Tergov9 •••.*•. 




aa88 


^^^v 


1 


3099 



Wenn man nun die nichi beigebrachte Produk- 
tion der angeführten böhmischen Hütten auf 18000 
Zentner^ und jene der ungarischen und siebenbür- 
gischen Schmelzöfen zu 55ooo Zentner anschlägt ; so 
beträgt die Gesammterzeugung aller Eisenhochöfen 
in den Provinzen der österreichischen Monarchie^ 
welche nördlich von der Donau liegen, beinahe 
45o,ooo Zentner Roheisen, wovon beiläufig 49000 
Zentner aus dem Magneteisensteine , i3o,ooo Zentner 
aus dem Braun - und Spatheisensteine ^), 36ooo Zent- 
ner aus dem Rotheisensteine des Urgebirges , 1 39,000 
Zentner aus dem Rotheisensteine des böhmischen 



*) Hiesu ist die Eisen -Produktion aus den weitverbreiteten 
nieder- und ober - ungarischen Späth- und Brauneisenstein-' 
Niederlagen in Ermanglung amtlicher Angaben beiläufig ge-' 
rechnet* 



m 



Roheisen in den Jahren 



i8i3. l 1814. 



i8i5. 



1816. 



1817. 



1818. 



819. 



^tr. \ itr> I Ztr. | Ztr. | Ztr. | Ztr. | Ztr. 



3o5 



Also im 
Durch- I 
schnitte. 



Zentner. 



5143 



9,44 



9119 



i363 



B716 



6B06 



Ühertrag • 



8456 



1596 



4547 



338717 



7740 



101 3() 
10235 
i3i7o 



3086 



8 u m m d • 



38a587 



Grauwacken- Gebirges^ und 98000 Zentner aus den 
Thon* und Raseneisensteinen. 



Man sieht also^ dafs für den böhmischen Hut-« 
tenhaushalt die Rotheisenstein ^ Formation ^ — für den 
mährischen und gailizischen die Thon- und Rasenstein- 
Gebilde ; — und fiir den ungarischen, banatischen, sie- 
benbürgischen und bukovinischen Eisenhüitenbetrieb 
die Späth- und Brauneisenstein -Formation der vor^ 
züglichste Mineralschatz ist ^ welchen die bergmänni- 
sche Thätigkeit in den angegebenen Lagerungs - Ver- 
hältnissen aufschlofs. 

* 

Es ist Schade^ dafs Ton allen angeführten Ki- 
senBtein - Bildungen die Lagerungs - Verhältnisse nicht 
genau und vollständig beigebracht werden konnten^ 

J«li^h, 4. pol^t. ImU 111« )M* aQ 



3o6 

und dafs sich der Verfasser grofsten Theils auf das be- 
arlirnnken zu müssen glaubte, was er in den öster- 
reichischen Gcitirgen selbst, sah , um dadurch vielea 
Irrthümern möglichst vorzubeugen, welche aus der 
Aufnahme fremder Ansichten so leicht hervorgehen. 

Obiges Roheisen t Quantum wird übrigens aaa 
vier und neunzig Schmelzöfen ausgebracht, wov/^n 
die zwei neuen Hochöfen zu NeujoachimstlidL 4o^ 
Wiener Mafses vom Bodenstein bis zur Gicht hoch 
sind , während die Höhe des Ustronery Stiepanauer 
und Karlsdorf er Ofens sammt 2 Öfen zu Komorau 
und Ginetz 36' ; — eines zu Jakob eny und Strimbul 
35 ; und des Franzensthaler Hochofens 34' beträgt. 
Aufserdem smd drei Öfen 32'; ein Ofen 3i'j vierzehn 
Öfen 3o ; zwei Öfen* 29'; dreizehn Öfen 28' j drei- 
zehn Öfen 27' ; sieben Öfen 26' ; fünf Öfen 25'} sech- 
zehn Öfen 24s ^^^ Öfen 23 ; ein Ofen 23'; 
zwei Öfen 21'; ein Ofen 20 ; und ein Ofen 18' 
hoch. 

Zu diesen Vorrichtungen für die Ausschmelzung 
der Eisenerze kommen endlich auch einige Blaufeuer, 

welche in Ungarn und GalLizien noch bestehen. 

/ • < 

( 

Zu der Berggerichts - Substitution von Rosenau 
in Ungarn gehören aufserdem noch sieben Hochöfen 
und acht und fünfzig Eisenhämmer, welche in obi- 
gen Angaben nicht begriffen sind, da hierüber nichts 
I^äheres bekannt iist. 

Das auf diesen Schmelzöfen erzeugte Roheisen 
ist gewöhnlich eine mehr oder weniger graue Varie- 
tät, und wird auf 390 — 4^0 Frischfeuern zu Stabei- 
sen verarbeitet. Die Frischungsart ist mit wenigen 
Ausnahmen die Anlaufs- Manipulation ^ der Eisenab- 
brand steigt dabei fast immer über 20 , ja selbst bi» 
218 Prozent hinauf. 



3o'* 



Bei dem grofsten Theile der angeführten Hoch^ 
ofen ^ird y besonders in Böhmen und Mähren , auch 
nebenher^ und zwar unmittelbar aus dem Hochofen 
gegossen^ so zwar^ dafs die Menge des erzeugten' 
Cufseisens im Durchschnitte wohl meht als 6oooa 
Zentner betragen dürfte. 

In dem Bedürfnisse nach Gufswaaren^ welche 
die Hochöfen zu Komorau, Ginetz, Neuhütten , New 
Joachimsthal , Franzensthat j Ransko , Blansko, 
RhonitZy Bogschau y Reschitza etc. ipit vieler Voll- 
kommenheit liefern y liegt zum Theil die Ursache des 
fast überall eingeführten Gäarganges der Hochöfen. 
Aufserdem werden bei diesem Ofenergange die so 
häufig gegenwärtigen Unarten der böhmischen y mäh- 
rischen y gallizischen und ungarischen Erze auch bes^ 
ffer ausgeschieden^ wie jedem Hüttenmanne be-* 
kannt ist. 

In dem in den südlicheren Provinzen noch nicht 
allgemein genug angeregten Bedürfnisse nach Gufs- 
waaren^ ^och mehr aber in der Yerschiedenartigkeit 
der Hauptmassen von Erzen ^ welche in die öster- 
reichischen Gebirge südlich von der Donau einge-« 
lagert sind^ dürfte nun der Grund zu suchen seyn> 
warum die Hochöfnerei und der jFV-i^c^ - Prozefs in 
diesen Gegenden so ganz abweichend von jenem def 
oben bezeichneten Hütten ist. 

Ich finde es am rechten Platze ^ wenn ich hiei* 
von einem Versuche Erwähnung mache ^ welcher im 
Laufe dieses Sommers in Böhmen gemacht und glück^^ 
lieh durchgeführt wurde« Es ist nähmlich die erste 
in Österreich vollkommen gelungene Schmelzung dei" 
Eisenerze durch alleinige Anwendung der Koak#. 

Es ist bekannt > dafs schon in früheren^ Zeiten zu 

MlanshOy Iflubosch, Horschowitz, Darob a und aA 

# 



3o8 

mehreren benachbarten Hütten Schmelzversuche mit 
Steinkohlen unternommen wurden, welche jedoch 
aus verschiedenen Ursachen keinen fruchtbaren Er- 
folg gaben. 

r 

Schon seit mehreren Jahren Wurden mehrere 
minder gelungenen Probeschmelzungen zu Daroba 
vollbracht. Die Beharrlichkeit, mit v^elcher an die- 
•er gräflich Stembergischen Hütte auf diesen gemein- 
nützigen Zweck hingearbeitet wurde^ steht mit der 
bekannten Konsequenz und Liberalitat des Besitzers, 
und mit der Wichtigkeit des Vorhabens im Ein«- 
klange. 

Es mufste jedem aufmerksamen Beobachter ein- 
leuchten y dafs das Gelingen des Eisenhochofea- 
Betriebes mit Koaks in einer Gegend, welche gleich 
reiche Niederlagen an Eisenerzen und Steinkohlen 
besitzt, kaum berechenbare Folgen fiir den dasigen 
Eisenhütten - Haushah haben müsse. 

Die Erfolge der englischen, zumTheil auch der 
preufsisch-schlesischen Eisenhochöfherei liefern dafür 
JBelege, wie sie die Eisenschmelzung mit Holzkohlen 
niemahls gab, noch geben konnte. 

Wenn man nun die oben dargestellte mächtige 
und weitverbreitete Rotheisenstein-Formation im böh- 
mischen Grau wacken- Gebirge zusammenhält mit der 
noch reichereu Niederlage von Schieferkohlen, wel- 
che die Vertiefungen eben dieses Gebirges ausfüllt *)\ 
•o mufs die diefsjährige, durch Herrn Alojs Ober^ 
Steiner zu Doroba eingeleitete , und durch acht Wo- 
chen glücklich fortgeführte Eisenschmelzung mit Koaks 
als ein für das böhmische Eisenhüttenwesen sehr 



*) S, hierüber die Darstellung der Steinlioblen - Formationen 
im II, Bande der Jahrbücher de« polytechnischen Inatitutes. 



399 

wichtiges Resultat angesehen werden^ da hiednrch 
erwiesen wurde ^ dafs selbst die unreineren Kohien- 
lagen aus der dortigen weitverbreiteten Schieferkoh- 
len-Formation einen zu obigem Zwecke brauchba- 
ren Brennstoff liefern ^ und dafs also dem höchsten 
Aufschwünge des ohnehin sehr lebhaften Hüttenbe- 
triebes in diesen Gegenden von Seite der Gebirgs- 
natur nicht3 mehr entgegen stehe. 

Da den Einleitungen zu einer beabsichteten grös- 
seren Schmelz-Kampagne fiir das Jahr iSsa die Erfah- 
rungen der diefsjährigen Schmelze zum Grunde die- 
nen , und überhaupt mit Umsicht und Ausdauer zu 
Werk gegangen wird; so sieht jeder österreichische 
Hüttenmann mit steigender Theilnahme den nächsten 
Schmelz -Resultaten an der Darobaeer Hütte ent- 
gegen. 



XV. 

Beschreibung einer Maschine*, um Hok- 
Foumiere nach einer neuen Methode' 

zu schneiden. 



Im ersten Bande dieser Jahrbücher, Seite 4^79 
habe ich Nachricht von einer Maschine gegeben, durch 
welche das Holz in feine Blätter von beliebiger Länge 
geschnitten wird. Seine kaiserl. Hoheit der Herr 
Erzherzog Johann hatten späterhin die Güte y mir 
die nachstehende Beschreibung und Zeichnung dicr 
ser Maschine mitzutheilen. Nach derselben wurde ein 
Modell in der Werkstatte des Instituts angefertigt, 
welches in der Modellen - Samndung aufgestellt ist. 

Der Herausgeber. 



3io 

Durch diese Maschine werden die Holzfoumiiere 
ans jedem gegebenen Holzstücke in einer viel gröfse- 
ren Länge als bisher geschnitten^ und zwar mit gros- 
sen Yortheiien^ sowohl in Hinsicht der Schönheit in 
dem buntscheckigen Ansehen der Fourniere ^ der 
auf Verlangen aufserordentlichen Dünne derselben^ 
und ihrer immer gleichförmigen Dicke ^ als auch in 
Bezug auf die hieraus in den yerschiedenen Anwen- 
dungen dieses Erzeugnisses entspringende Erleich- 
terung. 

Der dem Erfinder eigenthümitche Gedanke, in 
welchem auch in der That der gröfste Werth seiner 
Erfindung zu liegen scheint, besteht in folgendem: 
dem Holzblocke, aus welchem die Fourniere geschnit- 
ten werden sollen, wird eine zylindrische Gestalt ge- 
geben, und derselbe an einer Achse befestigt, um 
welche man ihm eine gleichförmige langsame Bewe- 
gung ertheilt. Ein Messer , oder schneidendes Werk- 
zeug von derselben Länge wie der Zylinder, wird an 
seiner Oberfläche längs einer Seite derselben so an- 
gebracht, dafs es während der Umdrehung des Zy- 
linders einen immer gleichen Druck gegen denselben 
ausübt, und dadurch von dem Zylinder einen unun- 
terbrochenen dünnen Schnitt abschälet, der eine an 
seiner Oberfläche anfangende und an seiner Achse 
sich endigende Spirallinie bildet. 

Der erste Vortheil dieser Fourniere wird durch 
folgende Betrachtung jedermann einleuchten. Wenn 
man nach der alten Art aus einem gegebenen Holz- 
blocke eine Fournier schneidet, so kann die Länge 
der Fournier nicht gröfser als die Länge des Blocks, 
und ihre Breite nicht gröfser als sein Durchmesser 
seyn. Durch die neue Methode hingegen kann die 
Breite der Fournier der Länge des Blocks , und ihre 
Länge dem Umfange des Zylinders, multiplizirt mit 
der Anzahl der Umdrehungen , welche die verlangte 



I 

\ 



Sit 

Dicke der Fournier dem Zylinder zu mochen gestat- 
tet , bevor das Messer bis zur Acbse ^elan<>ty (gleich 
seyn. — Es versteht sich^ dafs die so be^tiuuiite 
Länge, v^egeii^des stets abnehmenden Durcbnnes^er^ 
des Zylinders noch um das Erforderliche vermindert 
werden mufs *). 

Der zweite Vortheil, das heifst die gröfsere 
Schönheit der Figuren, entsteht dadurch, dafs das 
Holz nach einer ganz andern Richtung in Hinsicht 
seiner Adern geschnitten wird , als bisher ; dadurch 
werden die mannigfaltigsten Figuren und Farben, und 
.die veränderlichwSten Nuancen immerwährend in der 
gröfsten und unerwartetsten Menge hervorgebracht, 
womit sich das Ansehen einer durch den gewöhnli- 
chen Querschnitt aus demselben Holze erhaltenen 
Fournier keineswegs vergleichen läfst. Die vollkom- 
mene Gleichförmigkeit ihrer Dicke, vereint mit 
den Vortheilen grÖf*erer Schönheit und Ausmafse, 
und ihre aufserord entliche Dünne, wenn diese ver-, 
langt wird, setzen den Arbeiter in Stand, sie mit 
Erfolg da anzuwenden, wo man bisher glaubte, dafs 
Holz - Fourniere nicht anwendbar seyen. 

Die Organisation der Yerfahrungsart des Erfin- 
ders, und die Konstruktion der Maschine, mittelst 
welcher er seine ^Erfindung auszufiihren gedenkt , ist 
wie folgt : 

Taf. ni.) Fig. I stellt eine Seitenansicht der 
Maschine vor, jiji ist ein rechtwinklichtes Gestell, 
welches das Ganze trägt, quer durch dasselbe ist die 
Achse befestigt/ welche das Schwungrad BB und das 



*) Die Länge der Fjournier ist :rz — i . 1 wo A der 

Halbmesser des Zylfnders, a die Entfernung des Messers 
' von der Achse , wenn derselbe eu schnefden aufhören mufs» 



and d die Diclie der^Fournler bedeutet. 



3ia 

gezähnte Rad C trägt. Letzteres greift in ein gröfse* 
res Rad D ein^ an dessen Achse der hölzerne Zylin- 
der befestigt wird^ aus welchem die Fourniet ge* 
schnitten werden soll^ F Fisi ein längliches Gestell, 
welches an einem Ende von dem rückwärtigen oder 
hinteren Ende des Gestelles ^^unterstützt wird, an 
seinem andern oder vordem Ende aber das Messer, 
pder schneidende Werkzeug G/T trägt, und den be- 
ständigen und gleichförmigen Druck desselben auf die 
Oberfläche des hölzernen Zylinders JE hervorbringt. 
F ist eine kleine, an der Umdrehungsach se des Zy- 
linders 'F befestigte Rolle , welche mittelst des Rie- 
mens K eine gleiche , am Ende der Walze Y befe- 
stigte Rolle dreht. Die Walze JT ist bestimmt die 
Fournier aufzunehmen und aufzurollen ^ so wie diese 
von der Schneidevorrichtung bei G CH erzeugt wird. 
An der Figur ist der Fournier zwischen dieser Vor- 
richtung und die Walze durch die Linie 2V N darge- 
stellt. Die Walze wird vpn zwei aufrechten Sungen 
getragen. 

9 

Die Schneidevorrichtung G H wird durch die 
schiefe Stange S gezwungen,, sich an den Zylinder E 
anzulegen, und während des Schneidens sich regel- 
mäfsig nach dessen alhnählich abnehmenden Durch- 
messer zu richten. Die Stange iS ist an ihrem Ende 
s mit dem Ende der gezähnten Stange R so verbun- 
den, dafs sie um das Gelenk beweglich ist, und mit- 
telst des Rogens und der Flügelschraube T* unter ver- 
schiedenen Neigungswinkeln erhöht werden kann. 
Das Gestell FFy welches vorne das Messer trägt, 
wird hinten von der schiefen Stange S unterstützt; 
eine kleine , an dem Gestelle F F befestigte Platte 
trägt eine Rolle N, welche auf der Stange S aufliegt. 
Wenn daher die Stange R - sammt ihrer schiefen 
Stange iS* gegen den Vordertheil der Maschine gerückt 
wird, so mufs das Gestell TT ui;id sein Messer GH 
sich niedriger stellen als zuvor, und wird die Stange 



3i3 

«$* genothigt^ langsam und regelmäfsig yorzorücLen ^ so 
wird auch das Messer durch eine gehörig regulirte 
Bewegung sich nach dem stets ahnehmenden Durch- 
messer des Zylinders \C richten. — Diese Bewegung 
wird^ wie folgt ^ hervorgehracht : an der inneren Seite 
des oheru Balkens des Gestelles AAA ist zwischen 
der Achse des Rades J) und der gezahnten Stange R 
eine (in Fig. 3. nach einem gröfseren Mafsstahe er- 
sichtliche) Stange angebracht, welche an einem Ende 
in Gestalt einer Gabel AB die Welle des Rades D ge- 
nau einfafst, ohne jedoch die freie Umdrehung der- 
selben zwischen ihren Armen A und B zu hindern. 
Der auf diese Weise von der Gabel AB umfafste Theil 
der Welle des Rades D ist nicht konzentrisch mit dem 
Rade^ d. h. der Mittelpunkt seines in der Figur mit 
XX bezeichneten kreisförmigen Durchschnittes ist 
nicht die Achse des Rades D. Die wahre Umdre- 
hungsachse dieses Rades ist der kleine , in der Zeich- 
nimg zur Rechten sichtbare Kreis , dessen Mittelpunkt 
mit Y bezeichnet ist. Die bei jeder Umdrehung des 
Rades um seine wahre Achse Y hervorgebrachte ex^ 
zentrische Bewegung des Theiles xx^ wird mittelst 
der Gabel AB die Stange PP nöthigen^ sich wech- 
selweise horizontal vor - und rückwärts zu bewegen. 
Am andern Ende der Stange PP befindet sich ein 
Arm, welcher von einer hinter ihr liegenden kleinen 
Feder immerwährend an die innere Seite der gezähn^ 
ten Stange R angedrückt wird. Es mufs demnach bei 
jeder Bewegung vorwärts, das Ende der Stange P nach 
und nach über die schräge Seite eines jeden Zahnes 
der Stange R gleiten, von der Fedör zum Eingreifen 
genöthigt werden, und jede folgende und entspre- 
chende rückwärtige Bewegung der Stange B wird die 
andere R uin die Lange eines Zahnes gegen er-p 
stere ziehen. Die von R setragehe schiefe Stange S 
wird mit ü zugleich vorrücken, und dadurch das Ge* 
stell FF und sein Messer G H sich um das Erforder-i 
liehe senken« 



3i4 

Aus Fig. lo. wird die Wirl^ung des exzentrischen 
Zylinders an der*Welle des Rades D noch «deutlicher 
werden. In dieser Figur ist x x der exzentrische 
Theii der Welle ^^^^ die wahre Achse des Rades und 
die punktirte Dupplikate von jedem Theile der Figur 
zeigen ihre Lage hei jeder Umdrehung der Achse und 
des Rades Dy und auch die Gröfse ihrer vor- und 
rückwärts abwechselnden Bewegung an. 

.Fig. II. stellt den exzentrischen Theil der Achse 
des Raoßs D perspektivisch dar ; in dieser Figur ist x 
der exzentrische Theil der Welle jr des Rades Z>. 

Fig. 13. ist eine geometrische Seitenansicht der 
nähmlichen Figur ^ in welcher der exzentrische Zy- 
linder und die wahre Welle durch die nähmlichen 
Buchsiahen x und^ bezeichnet sind. 

Fig* Dl. ist eine geometrische gerade Ansicht der 
ganzen Maschine^ in welcher die nähmlichen Theile 
beziehungsweise mit den nähmlichen Buchstaben be- 
zeichnet sind. 

Fig. 4 ist ein geometrischer Grundrifs der gan- 
zen Maschine, in welcher auch jeder Theil mit den- 
selben Buchstaben wie in der geraden und Seiten- 
ansicht bezeichnet ist. 

Fig. 3. 6. 7. 8. und 9. zeigen, wie die Schnei- 
devorrichtung befestigt und zi^recht gestellt werden 
mufs. 

Fig. 5 ist eine Seitenansicht von einem Theile des 
Gestelles F F^ aus welcher die Breite des Messers 
H ersichtlidi wird, und Fig 6. ist eine gerade An- 
sicht von dem Ende des Gestelles F F, in welcher 
die Länge des Messers sichtbar ist. Fig. 7. ist ein 
Grundrifs von dem Ende des Gestelles PF^ in welchem 



3i5r 

notli Wendig dieselben Theile wie in Fig.^. und 3. vor- 
kommen müssen. 

Das Messer ist an dem Gestelle mittelst der 
Schrauben i. a. 3. ^5. befestigt. Die Metallstange 
If wird in einer kleinen Entfernung gerade vor dem 
Messer durch die Schrauben und Mutter xx erhal- 
ten^ und ihr unterer Rand kann entweder in gleicher 
Höhe^ oder höher als die Schneide des Messers mit- 
telst der Schrauben und Mutter /^Zugerichtet werden. 

Fig. 8. stellt die schmale und horizontale Seite 
der Stange If und Fig. 9. ihre innere vertikale Seite 
dar. In letzterer ist an jedem Ende eine hervorra- 

Sende Zunge und eine länglichte Öffnung sichtbar ; 
ie in. die Löcher Ff^ FF, Fig. 3. gesteckten Zungen 
passen mitteist ihrer Einschnitte genau in die an dem 
untern Ende der Schrauben P^ F gedachten Rinnen^ 
und die unter den Löchern FF FV sichtbaren hervor- 
ragenden Schrauben gehen durch die länglichten 
Öffnungen der Stange H. Ist die Dicke der Four- 
nier bestimmt, so wird mittelst der Schrauben VF 
der untere Rand der Stange ti um eben so viel als 
jene Dicke beträgt, über den Horizont der Schneide 
des Messers erhoben \ zieht man sodann die Mutter 
der Schrauben FFwcA xx fest an, so ist die Ma- 
schine zu wirken bereit. 

Fig. \i. ist eine perspektivische Ansicht der gan- 
zen Maschine, in welcher jeder Theil mit den nähm- 
lichen Buchstaben bezeichnet ist, wie in allen andern 
• Figuren. 

Fig. i4 ist eine geometrische Seitenansicht eines 
Werkzeugs, womit ein viereckiges Loch längs der 
Achse des zur Foumier zu schneidenden Holzblockes 
gemacht wird, damit derselbe gehörig an die vier- 
eckige Spindel des Rades D befestiget werden köime, 



5iß 

(d) ist ein Stab nebst Haken^ der mit dem Werk- 
seug durch das Gelenk {b) verbunden ist; (c) ist ein 
zylindrischer Theil; (d) ist ein viereckiges Schneid- 
messer ^ welches an aas Werkzeug angesteckt wird, 
und {e) ist ein viereckiges Stück , welches an das 
Werkzeug nach dem Schneideisen angesteckt und mit 
kleinen Schrauben befestiget wird^ damit das Schneid- 
eisen unverrückt in seiner Lage erhalten wird. 

Fig. i5* ist eine Ansicht des Werkzeuges nach 
eipem gröfseren Mafsstabe , bei welcher die bewegli- 
chen Theile d, e hin weggenommen sind^ damit man 
die innere Konstruktion dieses Werkzeuges^ oder den 
Theil desselben^ an welchem das Schneideisen be- 
festigt wird^ um so deutlicher sehen könne. 

Fig. i6/ist ein Durchschnitt dieses Theiles. 

Fig. 17, und 18. sind die hinweggenommenea 
Theile d und e. 

Fig. 19. ist eine gerade Ansicht des Schneidei- 
sens, dessen Schneide die äufsere Linie des Qua- 
drats ist. 

Fig. 210. ist eine perspektivische Ansicht des 
Schneideisens, woraus seine besondere Beschaffenheit 
deutlich zu ersehen ist. 

Fig. ai. zeigt, dafs das Schneideisen an seinen 
Ecken über den zylindrischen Theil des Werkzeu- 
ges vorspringt. 

Um sich dieses Werkzeuges zu bedienen, mufsf 
zuerst mit einem Zimmersmannsbohrer durch den 
Holzblock ein Loch gebohrt werden, dessen Durch- 
messer dem des zylindrischen Theilsdes Werkzeu- 
ges gleich iH) dann wird das Werkzeug in jenes zy-r 



3i7 

lindrische Loch bis an das Ende von c gesteckt^ der 
Haken des Stabes (a) mittelst eines Seiles oder einer 
Kette mit der Welle des Schwungrades BB der Ma- 
schine verbunden , und die vordere Grundfläche des 
Blockes entweder an das Hintergestell der Maschine^ 
oder an irgend einen andern Gegenstand von hinläng- 
lichem Widerstände sehr fest gestützt. Wird nun das 
BB umgedreht^ so wickelt sich das an dem Werk- 
zeuge befestigte Seil um seine Welle auf^ und das 
Schneideisen {d) wird mit Gewall durch den Block 
gezogen. Die Späne gehen von den an den Ecken 
des Schneideisens bleibenden öffiiuneen durch die 
in Fie. 16. sichtbaren^ in dem Kern des Werkzeugs 
befinolichen hohlen Rinnen ab. 



XVI. 

über die Form der Zähne bei verzahn- 
tem Räderwerke, und die zweckmäfsigst« 
Ausföhningsweise derselben. 

Von 

Mathias Reinscher, 

^saistonteu de^|[<elirfach8 der Maschinenlehre am k.li, polyt. 

Institute. 



1) 13 ei allen nur etwas zusammengesetzten Mar 
schinen bedient man sich zur Fortpflanzung der Be- 
wegung und zur Übertragung der Bewegung irgend 
eines Punktes um einen Dr'ehtmgspunkt^ oder einf 
Drehungsachse^ auf einen andern Punkt um ei^e an- 
dere Achse ^ des verzahnten Räderwerkes. 



3i8 

4 

Es ist aus dynamischen Grundsätzen erwiesen^ 
dafs das bei einer Maschine ^ie auch immer angeord- 
nete Räderwerk nur dazu dient y die Geschwindigkei- 
ten j welche zwei oder mehrere Punkte gegen einan- 
der haben müssen y um den Zweck der Maschine zd 
erfüllen^ hervorzubringen. Diese Räder hätten ako 
auf die Wirkung der Kraft und die Gegenwirkung 
der Last keinen Einflufs^ wenn dieselben nur mit 
ihren Massen nach den Gesetzen der Trägheit der Be- 
wegung widerstehen würden^ und es würde vieles 
Räaerwerk^ wenn übrigens nur das verlangte Verhal- 
ten der Geschwindigkeiten bestimmter Punkte gegen- 
seitig dadurch erreidit ist, einer Maschine weder Vor- 
noch Nachtheil ^ rücksichtlich der gegenseitigen Wir- 
kung von Kraft und. Last, bringen^ vorzüglich dann^ 
wenn man den Vortheil der mehreren Gleichförmig- 
keit der drehenden Bewegung aufser Acht lassen 
dürfte, welcher immer durch Räder mit vielen 
Massen erzweckt werden kann, und bei vielen Ma- 
schinen nicht vernachläfsiget werden darf. 

Wenn wir aber den Gang des Räderwerkes bei 
einer Maschine naiver betrachten , so sehen wir , dafs, 
wenn zwei verzahnte Räder in einander greifen, und 
eines durch das andere fortgenommen werden soll, 
an den Punkten wo sie sich berühren, ein Druck Statt 
findet, der durch den Druck der Kraft und den Ge- 
gendruck der Last nach den Gesetzen der Statik zu 
bestimmen ist, und mit diesem entweder gleich blei- 
benden oder veränderlichen Drucke gleiten die einan- 
der J>erührenden Flächen über einander hin, und ver- 
ursachen Reibung, welche nur durch die Kraft, dt 
der Maschine im Ganzen eingedrückt wird , überv 
den werden kann, daher immer als Nachthe^' 
Nutzwirkung der Kraft in Rechnung komme 

Eben so verursachen viele und sc? 
bei einer Maschine Reibung in ihren ^ 



3i9 

gern , und man mnfs daher alles überflüssige Rader« 
"werk bei Maschinen zu vermeiden snchen^ und nur 
das höchst Nothwendige anlegen. 

V 
N 

!2) Bei der Bewegung zweier in einander greifen- 
den Räder ist hauptsächlich dar auf RücLncht zu neh- 
men j dafs sich gleiche Bogenlängen des einen Rades 
mit gleich grofsen Bogenlängen des anderen fortbewe- 
gen; so zwar , dafs die Peripheriepunkte zweier 
mittelst Verzahnung in einander greifenden Räder 
bei beiden Rädern gleiche Geschwindigkeiten haben. 
Diese Bedingung würde sehr vollkommen erreicht 
werden, wenn die Reibung der sich berührenden 
Kreise, so grofswäre, dafs durch die Bewegung des 
einen der andere so mitgenommen würde , dafs kein 
Vorlaufen des einen vor dem andern Statt finden 
könnte 9 sondern die Drehung beider Kreise um ihre 
Drehungsachsen so vor sich ginge , als ob sich beide 
Kreise nur über einander so, wie ein Wagenrad auf 
dem Boden, wälzten. , 

W^eil diefs aber durch die Kreise selbst vieler 
Ursachen wegen nicht geschehen kann, so verzahnt 
man die Räder, d.h. man bringt an dem einen Kreise 
Erhöhungen in gleich weiten Entfernungen an, welche 
in Vertiehmgen des andern Kreises eingreifen^* und 
auf diese Art sich ein Kreis ohne den andern nicht 
drehen kann. 

Diese Erhöhungen oder Xähne mit ihren korre- 
spohdirenden Vertiefungen auf dem andern Kreise 
werden also geformt seyn müssen, dafs durch sie die 
bedingte Bewegung erreicht wird , und k^ia Vorläu- 
fen des einen Rades vor dem andern Statt finden kann, 
sich also gleiche Bogen des einen immer mit gleichen 
Bogen des andern Kreises oder Rades fortbewegen. 

Auch wird zur Erreichung dieser Art Bewegung 



320 

nöthig sejn , dafs während ein Zahn im Eingriff Ist^ 
der erhöhte Theil des einen Rades in bestandiger Be* ' 
riihrungmit dem ihm zugehörigen vertieften Theil des 
andern Hades bleibe , also die beiden Kreise niemahls 
aufser Berührnng kommen dürfen^ wenn sie sich auch 
vermöge der Trägheit nach dem angenommenen Ge- 
seu bewegten. 

Eben so wird , ehe noch ein im Eingriff befind- 
licher Zahn austritt^ oder ausstreicht^ wenigstens ein 
anderer schon wieder 4m Eingriff* sich befinden müs- 
sen; und beim Ein- und Ausstreichen der Zähne 
wird ein Drängen der Zähne selbst nicht Statt haben 
dürfen, sich also wohl die Zähne des einen Rades 
an die Zähne des andern beständig anlegen inüssen^ 
ohne einander jedoch zn pressen. 

Diefs wjiren also die Bedingungen, welche durch 
die Verzahnung zweier in einander greifenden Räder 
erreicht werden sollen. Die zur Erreichung dieser 
Bedingungen nöthige Form der Zähne, ihre Verzeich- , 
nung in allen vorkommenden Fällen wird der -Gegen- 
stand folgender Blätter seyn. 

Es seyen die Kreise (Räder) ^ und B, Fig. I , 
Tafel IV., gegeben, und zwar in einer Lage, dafs 
ihre Achsen Jdf und B mit einander parallel laufen, 
und die Kreise selbst in einer und derselben Ebene 
liegen und einander berühren, so dafs also die Ent- 
fernung der Drehungsachsen gleich der Summe der 
Halbmesser beider Räder ist. 

Der Berührungspunkt beider Kreise, oder a^ 
liegt also in der geraden Linie j^B. Die beiden Kreise 
ji und B sollen sich nun nach den gemachten Bedin- 
gungen bewegen, und zwar soll eine aus a' auf dem 
Kreise j^ angebrachte Erhöhung a' b' c^ d' .. .f* den 
Punkt , welcher von dem Kreise M den Punkt a* ge* 



32» 

rade berührt^ so mittiehindn ^ dafs diese Erhöhung 
diesen Punkt immer berührt. Soll diefs Slait haben^ 
so wird die Linie a* b* & ^. .f' eine durch die Art der 
Bewegung bestimmte Form haben müssen. 

Die Bewegung gehe in dem Kreise A von )ti' ge* 
gen a hin^ so wird sie in dem Kreise B von a^ nach 
k gehen müssen. Trägt man auf dem Kreise A von 
a* gegen a hin gleich grofse Theile a' i ; 12; 23 ; 34) 
4 a auf^ und auf dem Kreise ^ebenfalls gleiche Theile 
^'S'y S^> ^^7 ^^> und nimmt die ThcUe auf -ff übri- 
gens der Bogenlänge nach gemessen noch gleich den 
Theilen auf dem Kreise A, so mufs der Punkt des 
Kreises Bp welcher beim Anfange den Pun)it a' be^ 
rührt^ nach g gekommen seyn^ während a* nach t 
gekommen ist ; rückt a' in ü ^ so ist der mitzuneh-* 
mende Punkt des Kreises B in ky und wird in i und 
k seyn müssen^ wenn a* in 3 und 4 kommt« Ist aber 
if' in I gerückt, sq hat sich der mitzunehmend^ 
Punkt im Kreise B von dem Punkte a' im Kreise A 
um die Oröfse i ^entfernt, uild weil die Erhöhung 
auf ^ diesen Punkt berühren mufs ^ so mufs die Rieh-' 
tung dieser Erhöbung durch i und g gehen. Ist a' 
in a, so ist die Enifernung der beiden Berührungs-* 
punkte gleich 2h ^ und es mufs die Richtung des Zah'- 
nes auch durch h gehen, wenn die Kreise in .der letz- 
ten Richtung sind, u»s. w. 

Zieht man aus den Punkten g, h, i, k kon^eü« 
irische Kreise aus dem Mittelpunkte des Kreises A^ 
verzeichnet die Winkel lAg; 2 Ah', ZAi\ ^Ak..*^ 
und trägt diese Wiukel aus dem Pimkte a der Reihe 
nach auf^ so ' dafs a A b ±=i 1 A gi a A c ^^ 11 Ah'f 
aAd = 3 Ai werden, so erhält man durch die 
Punkte ad c^e/ Punkte in der Richtung des Zahns^ 
xxni sind die Theilpunkte g, h, i, k so nahe an 
einander^ dafs man ihre Entfernungen dem Bogen nach 
doch als in gerader Linie J annehmen kand, so wird 

iahtbt Ä, pol^t. laat. Ul. Bd. ^ ( 



3aa 

« 

auch die Linie des Zahnes durch die Punkte abcdef 
völlie bestimmt seyn. 



Diese Form der Erhöhung oder des Zahnes er- 
halten wir aber auch , wenn wir den Kreis B aus der 
Lage B^ , wo die Berührungspunkte beider Kreise in* 
a fallen, in die Lagen jB*, j5% j5*, B' und B so 
bringen, dafs jede Lage durch die Wälzung von ^ 
auf ^ erzeugt wird , und die Stelle des anfänglichen 
Berührungspunktes in jeder dieser Lagen bemerken. 
Diese duren den beschreibenden Punkt entstehende 
krumme Linie ist, wie bekannt, eine Epyzykloide 
von dem Kreise B auf dem Kreise A beschrieben; 
und soll also ein Punkt im Umfange des Kreises B^ 
durch einen über dem Kreise J vorragenden Zahn 
bis an irgend eine SicUe mitgedreht werden, und 
zwar nach der festgesetzten Bedingung, so mufs die- 
ser Zahn nach jener Seite, nach welcher die Bewe- 
gung erfolgen soll, nach einer EpyzykloVde gekrümmt« 
werden, welche zum Grundkreis den Kreis A, und 
zum beschreibenden den Kreis B hat. 

Es ist willkürlich, und hängt von anderen Um- 
ständen ab, wie weit dieser Punkt im zweiten Rade 
mitgenommen werden soll. Es hängt jedoch von die- 
sem Mitnehmen die Länge des Zahns über dem Kreise 
A ab; sollte z.B. der Berührungspunkt a' bis k 
gedreht werden , so müfste der Zahn bis an den aus 
A durch h gefiihrlcn Kreis reichen; und weil die 
Berührungen beider Kreise dann aufhörten, so 
müfste,. damit die Bewegung fortgeht,, in a^ schon 
wieder ein zweiter Zahn ongegriflTen haben; damit 
aber die Bewegung auch nach der entgegengesetzten 
Richtung, als hier angenommen wurde, erfolgen kann, 
so ist der Zahn auf der entgegengesetzten Seite ^ben 
so in formen , weil gleiche Gesetze für die Bewegung 
nach beiden Richtungen gelten; ist also a' h* & die 
Form auf der einen Seite, c- a /3 die Form auf der an» 



3a3 

dem , so mufs c^ xß dieselbe Linie wie a' h^ c', nur 
nach umgekehrter Lage seyn. 

4) Auf- diese Art würde aber der Zahn immer 
erst da zum Eingriff kommen^ wo sich die Kreise bc" 
rühren^ und der angegriffene Punkt müfste genau in 
der Peripherie des Kreises B liegen, und wäre B mas- 
siv^ so dürfte der freien Bewegung des Zahnes doch 
kein anderes Hindcrnifs als dieser Punkt entgegenge- 
setzt werden. In der Anwendung läfst man jedoch 
gegenseitig Zähne des einen Bades in Vertiefungen 
des andern greifen^ und es berühren sich die Zahne 
aucii früher ^ ehe noch die sich berührenden Zahn- 
punkte zugleich die Berührungspunkte der beiden 
Kreise sind. Zu bemerkea kommt auch hier, dals, 
wenn von den Halbmessern zweier Räder, die durch 
Verzahnung in einander greifen, die Rede ist, immer 
die Halbmesser zweier sich so wie //und B berüh- 
renden Kreise verstanden sind; also dürfen nur diese 
das nothwendige Verhalten für ein gegebenes Vor-« 
häitnifs der Umdrehungen beider Räder gegen einan- 
der haben', und es haben die Halbmesser der massi- 
ven Radkränze, worin die Zähne befestiget sind, auf 
die Verzahnung selbst keinen !^influfs, nur werden 
sich die Halbmesser derselben, wie weiter unten noch 
gezeigt werden wird, aus der Figur und Gröfse der 
Zähne ergeben. 

5) Um also eine allgemein gültige Form für die 
Zähne zweier in einander greifenden Räder zu be^ 
stimmen , si^yen Fig. H. die Kreise Aj B und C ge- 
geben, ihre Mittelpunkte A, B, C seyen in einer 
geraden Linie, und alle drei Kreise sollen in einer 
uiid derselben Ebene so liegen, dafs sie sich in einem 
Punkte berühren, und C kleiner als B^ innerhalb 
B zu liegen komme. 

, Es trifft also der ^emeinschafdiche Berührungs« 



ai * 



3a4 

punkt a in die gerade Linie ACB. Nun sollen sicli 
alle drei Kreise um ihre Mittelpunkte nach einerlei 
Richtung so drehen ^ dafs ihre Peripheriepunkte 

Sleiche Geschwindigkeiten hahen^ also gleiche Bogen 
es einen mit gleichen Bogen iL^^ andern sich he- 
wegen. 

♦ 
Wir wollen den Berührungspunkt a im Kreise A 
mit a^ den im Kreise J^'mit h^ und denselhen im 
Kreise C mit c hezeichnen. Die Punkte a ; i ; a : 3 } 
4>... im Kreise A seyen gleich weit von einander, 
dem Bogen nach gemessen^ entfernt^ und eben so 
weit sollen die Punkte b\ \*\ %*\ 3*^; 4'... im Kreise 
B\ und c; i"j a"; 3"; 4"i*" ina Kreise C dem 
Bogen nach , aus einander liegen: Rückt also a nach 
I ; so wird b\xk i', und c in i '^ sich befinden. Der 
Berührungspunkt c ^ird auf dem Kreise A nach §. 3. 
die Linie i i'^, und innerhalb des Kreises JB die Li- 
nie i' i'^ beschrieben haben, indem sich der KJreis C 
zu gleicher Zeit auf A und innerhalb B wälzt. Wie 
also der Punkt a nach und nach in i; 2; 3; /^ ,...']; 
tritt, so treten die Punkte b und c nach und nach, 
und zwar in eben solchen gleichen Perioden wie a, 
im'; 2'; 3'; 4'; 5'. ..7'; und i"; a"j 3";*,.7"; 
Ist a in 7 gekommen, so ist durch den Weg, welchen 
c genommen ^ , auf dem Kreise A die Epyzykloide 
7; i"; ü''; 3";... 7": und innerhalb des Kreises Jf 
die Hypozyklo'ide 7 ' j i"; 2"; 3';... 7" 3 entstanden. 

Während sich die Kreise von ^ aus auf diese Art 
um ihre Mittelpunkte drehten , berührten sich der 
Keihe nach die Punkte i"; 2"; 3''... 7" der Epyzy- 
kloide , mit den Punkten i''; i'j 3"j 7" der 

Hypozykloide, und weil wir uns solche Punkte so 
viele wir wollen und so nahe an einander liegend als* 
nötbig denken können, so wird ein bestandiges Berüh- 
ren beider Kreise A und B Statt finden , wenn der 
Zahn auf dem Kreise.^ nach der Linie 7, i " 2" 3'' . . . 7''j 



325 

und die ihm körre9pondirende Vertiefung im Kreise 
B nach der Linie 7' j" a" 3"..,7" aasgearbeitet 
wird* 

Dieses gibt uns also ein Gesetz an die Hand^ 
-welches wir hei der Form der Zähne in dem verzahn- 
ten Räderwerk beobachten müssen j wenn die Bewe- 
gung nach den geforderten Bedingungen erfolgen 
«oll. 

Um also die Form des erhabenen Theils eines 
Zahnes auf was immer für einem Rade zu erhalten, 
wälze man auf diesem Rade einen Kreis y der kleiner 
ist als jener ^ in welchen die Zähne greifen sollen^ 
und zeichne die von . einem Punkte des sich wälzen- 
den Kreises beschriebene Linie als die Form des Zah- 
nes an ; und eben diesen Kreis wälze man innerhalb 
des zweiten Rads^ und bezeichne auch hier die Spur 
eines Punktes von dem beschreibenden Kreise fiir die 
Form der Vertiefung j in welche der Zahn tritt* 

Wir sehen hier zugleich, dafs es gleichgültig seyn 
kann, welches Verhalten die Kreise A^ B und C un- 
ter einander haben , wenn nur C kleiner als B bleibt^ 
indem es nur darauf ankommt , dals beide Linien zu 
gleicher Zeit durch einen und denselbe|i Punkt be- 
schrieben entstanden gedacht werden können. 

Wir wollen der Kürze wegen in der Folge den 
Kreis A immer das Rady nnA, den Kreis B das Ce- 
triebe nennen ; so wie der Kreis C inlmer unter dem 

* * _ 

beschreibenden Kreise verstanden werden soll. Für 
den vollständigen Zahn , dafs* nähmlich die Bewegung 
nach beiden Seiten erfolgen kann, gilt auch hier, 
was zuvor gegolten , indem man nur bestimmen darf, 
wie breit ein Zah^i seyn soH , odef wie tief er eingrei- 
fen mufs, um die verlangte Wirkung hervorzubrin- 
gen 'y man, wird die Form des Zahnes seyn. Bie^ 



Saß' 

ßes Verfahren gibt uns wohl qln Mittel^ die Zähne auf 
dem Rade zu ßnden und zu verzeichnen, aber auf 
dem Getriebe sitzen eben so Zähne , die in das Rad 
eingreifen sollen , wie schon bemerkt worden ist. 

Weil aber fdi* den Eingriff der Zähne auf dem 
Getriebe in das Rad dieselben Gesetze der Bewegunec 
Statt haben, so sind wir berechtigt, die Form dieser 
Zähne mit denen ihnen zugehörigen Vertiefungen im 
Rade auf eine gleiche Art wie die vorigen zu ver- 
zeichnen, und wir können ims dazu eines beliebig 
grofsen beschreibenden Kreises (welcher jedoch auch 
wieder kleiner als das Rad wird seyn müssen) bedie- 
nen, welchen wir in j4 so wälzen fassen, wie sich C 
in ß gewälzt hat; und es wird dadurch die Form des 
Wahnes auf j9 entstehen. 

G) Um aber fiir die Anwendung leichte,, ausführ- 
bare Regehl ableiten zu können , müssen wir suchen, 
diese krummen Linien auf eine leichte Weise zu zeich- 
nen, und auch jene wählen, welche sich leicht Zeich- 
nen lassen ; daher weiden wir uns genöthigt sehen^ * 
zu beschreibenden Kreisen solche Kreise zu wählen, 
welche bequeme und leicht auszuführende Formen 
für die Zähne geben. 

Wir wissen nun aber aus der Theorie der Zy- 
\loiden, dafs, wenn wir in einem Kreise sich einen 
anderen Kreis wälzen lassen, dessen Halbmesser nur 
halb so grofs ist, als der Halbmesser jenes Kreises, 
in dem er sich wälzen soll , ein Punkt des beschrei- 
benden Kreises in diesem Falle eine gerade Linie be- 
scbreiben wird, welche durch den Mittelpunkt des 
Gfundkreises geht. Es würde daher die obige Hypo- 
zykloide im Getriebe B'y wenn C das hier bedingxte 
Verhalten gegen B hätte , dafs nähmUch der Halbmes- 
f(er von C gleich der Hälfte des Halbmessers von B 



wäre , eine gerade Linie durch den Mittelpunkt von B 
sejn y und »ich also sehr leicht verzeichnen lassen; 

Der Zahn auf dem Rade, oder eigentUch dessen 
Form^ müfste sodann durch die Wälzung eben die- 
ses Kreises^ der die gerade Linie im Getriehe be- 
schrieben^ verzeichnet Mrerden, und zwar auf die 
schon bekannte Weise. 

Für den inneren Theil des Zahnes im Rade kön- 
nen wir uns wie im Getriebe einen beschreibenden 
Kreis wählen, dessen Durchmesser gleich ist dem 
Halbmesser des Rades, so würde auch hier der innere 
Theil des Zahnes nach dem Mittelpunkte des Rades 
hin gef6r.mt seyn müssen, und mit eben diesem be- 
schreibenden Kreise wäre der erhabene Theil des 
Zahnes auf dem Getriebe zu formen. 

Hieraus erhalten wir nun eine leichte und allge- 
mein gültige Regel fiir die Verzahnung des Räder- 
werkes im Allgemeinen, welche in Folgendem be- 
ziehet: 

Man verzeichne den über den Radkreis nach 
obigem Sinne erhabenen Theil des Zahnes durqh 
die ffßlznng eines Kreises auf dem Radkreise, 
dessen Durchmesser gleich ist dem Halbmesser des 
zum Rade gehörigen Getriebes , und ziehe sodann 
den inneren Theil des Zahnes von dem Peripherie- 
punkte, wo der gekrümmte Theil desselben an^ 
fängt, gegen den Mittelpunkt des Rades hin. 

Eben so beschreibe man die Form des erha- 
beneii Theils des Zahnes im Getriebe durch die 
PFalzung eines Kreises auf dem Getriebe , dessen 
Durchmesser gleich ist dem .Halbmesser des zum 
Getriebe gehörigen Rades ^ und ziehe sodann wie 



3:j8 

beim Rade den inneren Theil des . Zahnes gegen 
den Mittelpunkt des Getriebes hin. 

Was in (3) von der Form des Zahns für eine 
der hier angenommenen Bewegung entgegengesetzte 
Bewegung gegohen hat^ gilt auch hier^ und ist die 
Breite des Zahnes im Radkreise ^ oder Getriebkreise^ 
je nachdem es ein Rad- oder ein Getriebzahn ist, ge- 
geben^ so mufs der Zahn auf beiden Seiten gleiche 
Form haben. Diese dadurch entstehende Form der 
Zähne gih aber^ wie wohl aus dem Gesagten schon 
hervorgeht, nur in einer Ebene, welche in der Ebene 
dieser Kieise liegt, und laufen die Radachsen mit ejin- 
ander parallel , so gibt diese Form die Grundfläche 
fiir ein Prisma, dessen Hohe gleich der Lange des 
Zahnes in der Richtung der Drehungsachse des Ra- 
des ist, welche zu bestimmen von andern Umständen 
abhängt. 

7) Um fiir die Ausübung diese Formen zu erhal- 
ten , verfährt man auf folgende Art. 

Es sey Fig. II. ^ das Rad, B das Getriebe, C 
ein Kreis , dessen Purchmesser gleich dem Halbmes- 
ser des Getriebes, D der Kreis, dessen Durchmesser 
gleich ist dem Halbmesser des Rades. 

Von jedem dieser Kreise mache man sich einen 
Kreisabschnitt aus einem nicht gar zu staiken, etwii 
einen Viertel -Zoll dicken Bretchen, welchen Kreis- 
abschnitt wir unter dem Nahmen Schablone verste- 
hen wollen; so dafs «eine solche Schablone des Rad- 
kreises ^; ß eine des Kreises B'^ y eine des Krei- 
ses C, und $ eine solche Schablone von dem Kreise 
D darstellt. 

Hat man diese Schablonen, so nehme man ein 
Bret von einer Länge, die wenigstens gleich« ist der 



Sag 

Länge des Halbmessers von Ay oder überhaupt von 
der Länge des Radhalbmessers ^ auf v^elchem man 
den Zahn haben vnll^ mehr dem Halbmesser des be- 
schreibenden Kreises ; Fig. lU. zeigt ein solches Bret. 

Mit einem Stangeuzirkel reifse man sich einen 
Theil des Kreises ^so auf, dafs der Mittelpunkt des«- 
selhen noch auf das Bret zu liegen komme j und marr 
kire sich zugleich diesen Mittelpunkt ; es sey hier A 
dieser Mittelpunkt^ und uh ein Bogenstück des Ra- 
des A in Fig. UL Auf dieses Bogenstück lege man 
die Schablone fi so auf , dafs sich die Bögen decken^ 
welches sie immer können ^ weil sie Bogen&tücke von 
einem Kreise sind. Damit die Schablone u sich nicht 
verrücke j kAnn man sie mit ein Paar Stiftchen an das 
unterUegende Bret annageln. 

Ist diefs geschehen^ so bemerke man sich in dem 
Bogen ab einen Punkt Cy welcher jedoch an einer 
Stelle liegen mufs, den die Schablone u, noch deckt^ 
und an aie Schablone « legje man sodann die Scha- 
blone 'y so an ^ dafs diese die *erstere gerade in dem 
Punkte c mit* einem Kreispunkte berühre, also beide 
Schablonen mit ihren Bögen, auf demBrete auf, ge- 
gen einander liegen. Den Berührungspunkt von der 
Schablone y kann man durch einen eisernen Stiften, 
welcher durch den Rand der Schablone so gesteckt 
ist, dafs dessen Spitze gerade diesen Funkt markirt, 
also in c steht, bewaffnen, damit diese Spitze von c 
aus die Bahn des Punktes von ^y, welcher c berührt^ 
auf dem untergelegten Brete zeichnet, wenn man die 
Schablone y auf der it von a nach /3 fortwälzt^ Da- 
mit übrigens während dieser Wälzung keine Verrut- 
schung beider Schablonen auf einander möglich ist, 
kann man beide Schablonen durch eine über beide 
gekreuzt gezogene Schnur mit einander verbinden, 
und damit diese Schnur der genauen Berührung der 
Bögen nicht hinderlich werde, kann sie in Nu den, 



33o 

-welche in die Schablonen gemacht werden können^ 
ohne den unteren y auf dem Brete liegenden Rand zu 
beschädigen^ eingelassen werden. Die Zeichnung 
zeigt übrigens diese Art Verbindung deutUch genug. 

Es habe sich die Schablone y auf diese Art ia 
der Richtung von a nach b so weit fortgewälzt > dafs 
der anfänglicae Berührungspunkt' derselben von c in. 
der Richtung c^e bis e gekommen sey ; so wird cde 
die Form des Zahnes auf der einen Seite geben* Um 
auch die andere Seite desselben zu erhalten, trägt 
man von c gegen b hin die aus andern Umständen be- 
stimmte Stärke des Zahnes auf^ sie sey hier c fd^ 
un4 wälzt sodann von y* gegen a hin die Schablone y 
auf dieselbe Art , wie zuvor von c nach b , indem man 
den mit/ zusammenfallenden Punkt des Bogens y wie 
zuvor bewaffnet. Die nun entstehende Linie fe wird 
die erste cde in irgend einem Punkte schneiden^ 
der hier in e fallen kann, und wir werden auf diese 
Art den ganzen Zahn et f erhalten. 

Hat man diese Krümmungen gezeichnet, sq nimmt 

man die Schablonen beide weg, und zieht aus c und 

f gisrade Linien gegen den Mittelpunkt A^ wodurch 

man die vollständige Grundfläche eines Prisma für 

den Zahn nach dem vorigen Paragraph erhält. 

8) Hat man nun auf diese Art die Form des gan- 
zen Zahnes gefunden, so macht man sich darnach 
eine Regel von Blech , welche Regel man in dem 
Mittelpunkte des Rades anstecken , und um den gan- 
zen Radkreis herum führen kann. 

Fig. IV. zeigt eine solche Regel, a ist darin der 
Radmittelpunkt, h c d der gekrümmte Thcil des Zah- 
nes, und b f und dg die gegca den Mittelpunkt ge- 
zogenen geradlinigen Seiten desselben. Die Ab- 
biegung der Regel dient zum besseren Auflegen der 



53i 

Form auf die in den Radkranz getheiltcn Zähne ^ in- 
dem diese ftüher m den Kranz gesetzt werden^ Le- 
vbr ihnen noch der gekrümmte Thei] der ganzen 
Form gegeben ist, und. weil der Badkranz nach der 
Richtung der Radachse auf beiden Seiten den Zäh- 
nen immer etwas vorstehen mufs, um letztere siche- 
rer in demRadkranz zu befestigen; und um die Gröfse 
. dieses Yorsprunges ist die Regel auch abgekröpft. 

In Fig.V. ist ein Rad mit bearbeiteten und un- 
bearbeiteten Zähnen, seiner Fläche nach anzusehen, 
gezeichnet; dabei ist ^^Z^J? der massive Radkranz, 
der aufser diesem gezogene erste punktirte Kieis der 
eigentliche Radkreis nach dem hier festgestellten 
Sinne, und der vom Mittelpunkte entferntere punk» 
tirte Kreis zeigt den Kreis der Endpunkte der Zähne 
an , wenn sie bis zu jener ' Gröfse reichen', wo sich 
die beiden Epizyklo'iden , welche den gekrümmten 
Theil des Zahnes bilden*, schneiden. 

Die in den Kranz gekeilten Zähne a, 6, Cyfy ^, A, 
sind so bearbeitet, dais sie von dem eigentlichen Rad- 
kreis aus schon nach ihrer gehörigen Gröfse mit ihren 
Seitenhnien gegen den Mittelpunkt laufen ; es sind 
daher die Seiten a d' und a* d*' des Zahnes a von 
dem ersten punktirten Kreise aus gegen den Mittel- 
punkt zu schon richtig geformt; diefs gilt iiir aUe 
übrigen Zähne , und es bleibt also , nachdem der ^ 
Kranz mit den Zähnen auf diese Art besetzt ist, nichts 
mehr übrig, als den gekrümmten Theil des Zahns 
nach obiger Regel zu bearbeiten. Dazu laufen die 
Seitenlinien der Zähne auch noch aufserhalb >des Rad- 
kreises in gerader Linie fort , wie die Zeichnung 
zeigt ; und man darf nur die genannte Regel so auf 
jeden noch unbearbeiteten Zann der Reihe nach auf- 
legen, wie dieselbe in der ^Zeichnung auf/ liegt, die 
Krümmung der Regel b f d auf dem Zahne einreis- 
sen, und nach dem Einrifs denselben bearbeite)). 



33a 

Die Zähne gxmd^h sind in ihrer vollendeten Gestalt 
gezeichnet. 

9) Aus der Art der Verseichnung der Zähne er- 
sieht man^ dafs von der Gröfse des Zahnes in der 
Richtung des Bogens^ die Gröfse desselben in der 
Richtung des Radhalbmessers , bei übrigens gleichen 
Grund- und beschreibenden Kreisen^ abhängt; und 
dafs mit dem Wachsen einer dieser beiden Abmes- 
sungen auch die andere nach irgend einem , hier 
nicht nöthig zu bestimmenden Gesetze wächst. 

Nennen wir die Gröfse des Zahns in der Rich- 
tung des Bogens die Breite^ und die Gröfse nach der 
Richtung des Halbmessers seine Länge ; so sehen wir, 
dafs zwar mit der Breite die Stärke des Zahnes wächst, 
aber wir sehen auch' zugleich, dafs, je länger der 
Zahn wird , derselbe in das Getriebe um so tiefer ein- 
greifen mufs , und je tiefer dieser Eingriff ist , um so 
mehr mufs der massive Hadkranz jenes Kreises , der 
mitgedreht werden soll , gegen seinen Drehnngspankt 
zurück gelegt werden , wenn anders auf diesem Rade 
oder Getriebe , die Zähne auch durch den Kranz ge- 
keilt sind , wie wir in (8) angenommen haben. 

Eben so müfste der massive Radkranz AB DE 
von dem eigentlichen- Radkreise so viel zurück gegen 
seinen Mittelpunkt gelegt werden, als die Zähne 
auf dem Kreise GHI diesem vorragten. 

Auf diese Art würden die Zähne oft sehr lang, 
und dadurch an ihrer Festigkeit verlieren. Um also 
diese durch lange Zähne entstehenden Nachtheile im 
vermeiden , und dabei doch den Vortheil der gröfse- 
ren Zahnbreite für die Stärke und Festigkeit des Zah- 
nes nicht zu verlieren , hängt es von uns ab , den ge- 
krümmten Theil des Zahnes nach dem jedesmahligeo 
Bedürfhifs an einer beliebigen Stelle parallel mit dem 



333 

Radkreis abzuschneiden. Es wird der Zahn alsdann 
keine spitzige^ sondern eine abgestumpfte Fonn^ wie 
der Zahn h erhalten^ welcher bis mn abgenommen 
ist , und er wird also die Gestalt mnop haben. Der 
Eingriff wird dann bis m und n Statt finden . die da- 
durch entstehenden Kanten m, n, kann man etwas 
abnmden^ ohne der Krümmung jedoch zuviel zu scha- 
den^ und es wird ein leichtes Ausstreidien des Zah-^ 
nes erfolgen. 

In Fig. Ym. sind zWei so in einander greifende 
Räder mit ihrer vollständigen Yerzahntmg gezeichnet^ 
die Zahnlänge abgekürzt^ und die ganze Länge der- 
selben nur auspunktirt ; die Zahne sind dabei in bei- 
den Rädern durch den Kranz gekeilt > also beide Stirn«^ 
räder. Es ist jedoch selten^ dafs zwei solche Räder^ 
auf diese Art gebaut^ einander mitnehmen > und es 
hat das kleinere von beiden, welches man auch im- 
mer mit dem allgemeinen Nahmen Getriebe bezeich- 
net-, gewöhnlich eine andere Gestalt, und selbst diese 
ist wieder fur^ verschiedene Zwecke der Anordnung 
verschieden > und es haben daher die Getriebe auch 
noch viel andere Nahmen, die alle anzufiihren und 
zu beschreiben nicht hiehergehört; nur ist inFig.VIL 
ein solches Getriebe unter der gewöhnlichsten Form 

Sezeichnet. Wie die Zähne daselbst eingesetzt wer- 
en, ist aus den beiden Zeichnungen deutlich genug 
zu ersehen« 

Die Breite der Zähne in dem besagten Sinne ist. 
bei dem verzahnten Räderwerke sehr verschieden, 
und man nennt die Entfernung einer Zahnmitte bis 
zur' nächsten die Schrift^ kennt man daher den Durch- 
messer eines Rades und die Schrift für die Verzah- 
nung, so theilt man nur den Radumiang mit dersel-^ 
ben, um durch den Quotienten die Anzahl der Zähne 
zu erhalten ^ welche im ganzen Radki ci&e angebracht 
werden müssen. 



334 

IMacht man die Zähne im Rade mit den Zähnen 
im Getriebe gleich breit ^ so ist Zwischen weite tmd 
Zahn einander gleich ; sollte diefs aber nicht der Fall 
seyn^ und wollte man die Zähne im Getriebe nicht 
gleich breit mit den Zähnen im Rade machen , was 
jedoch der schwierigeren Theilnnc wegen selten an- 
zurathcn seyn dürfte, so mufs die Zwischönweite 
zweier Zähne natürlich immer gleich der Breite des 
in dieselbe greifenden Zahnes seyn. Die Arbeit ist 
jedoch selten so eenau als sie gefordert wird^ und 
man läCu daher ^ oamit bei der Bewegung kein Drän- 
gen der Verzahnung wegen ungenauer Arbeit entste- 
hen kann , die Zwischenweite um ein Geringes grös- 
ser als den eingreifenden Zahn ; welches aber immer 
von der mehreren oder wenigeren Geschicklichkeit 
und Nettigkeit des Arbeiters abhängt, also nur darnach 
beurthcilt werden kann. 

Diese Verzahnnngsart zweier Räder wird also 
allgemein gültig seyn, und überall angewendet werden 
können, wenn die Radkreise sich in einer und der- 
selben Ebene bewegen, oder wenn die Drehungsach'- 
sen mit einander par-allel laufen. Die Bewegung ist 
dadurch sanft und gleichförmig , und es werden keine 
Stöise in der Bewegung erfolgen können, welche bei 
einer ungeregelten^, willkürlichen, nach Gutdünken 
gefoitnten Verzahnung niemahls vermieden werden kön- 
nen , wodurch nicht nur oft die Festigkeit der Maschi- 
Ji6rid leidet, und die Zähne schnell zu Grunde gehen, 
sondern auch oft ein bedeutender Kraftverlust ent^ 
steht. Vorzüglich nachtheilig ist eine unregelmäfsige 
Verzahnung bei Maschinen, welche einen so vielmög-* 
licheji ruhig gleichförmigen Gang haben sollen , und 
durch Thiere getrieben werden. Ich habe bei ineh-' 
reren Anlagen gesehen, dafs die Stöfse, woran nichts 
als die Verzahnung schuld war, so stark waren, da& 
das Thicr in seinem Gange zurückgestofsen wurde* 
Wie nachtheilig dieses für die Wirkung der Kraft ist/ 



335 

wrd jeder einseben, der nur einigermafsen weifs, 
was Kraft ^ und Wirkung einer Kraft ist. -Es ist da- 
her sehr zu wünschen^ dafs eine reg^elmäfsige Ver- 
zahnung bei unseren Maschinisten mehr als bisher 
angewendet werden dürfte. 

lo) Ist die Bewegung eines Rades aber auf ein 
anderes über zu tragen^ welches mit ersterem ni<;ht 
in einerlei Ebene lauft ^ oder liegen die Drehungs- 
achsen beider Bäder zwar in eineilei Ebene; aber- 
mit einander nicht pai*allel^ so dafs sie sich^ auf diese 
oder jene Seite verlängert^ schneiden müssen: 30 
wird wohl im Allgemeinen für die Verzahnung zweier 
so gegen einander liegenden Räder dasselbe Gesetz^ 
wie bei mit einander parallelen Radachsen Statt fin- 
den^ aber die . Verzeichnung wird doch nicht gleich 
unmittelbar sich aus den Halbmessern der zu verzah- 
nenden Kreise wie* vorhin ergeben, und zuvor erst 
einige andere Verzeichnungen erfordern, wie wir aus 
dem Folgenden ergehen werden. 

ri) Es seyen die beiden Drehungsachsen der 
Räder ihrer Richtung nach gegeben, also der Winkel 
bekannt, den sie in ihrem Durcbschnittspunkte mit ein- 
ander machen, und zwar sey in Fig. VIII. j4C die 
eine, B C die andere Achse, ihr Durchschnittspunkt 
in Cf und der Winkel ji CB heifse t. Zugleich soll 
das Verhältnifs der Umdrehungen beider Achsen ge- 

Sen einander gegeben seyn , und zwar soll sich hier 
ie Achse BCyii mahl umdrehen, während sich die 
Achse A C einmahl umdreht. 

Die Halbmesser der beiden Räder , welche an 
diese Achsen eingebracht werden sollen, müssen also 
zur Erreichung der geforderten Bedingung das Ver- 
halten wie /i:i gegen einander haben, so dafs also 
hier der Halbmesser des Rades an der Achse AC sich 
zum Halbmesser des Rades an der Acl^s^ BC verhält 



336 

^ie li : I ; oder vAe die Umdrehungen der Achse B C 
zu den Umdrehungen der Achse ji C in gleichen 
Zeiten. 

Die Kreisflächen der BSder müssen auf ihren 
zugehörigen Achsen senkrecht seyn^ und die Um- 
kreise heider Räder sich keriihren. Es sey DE senk- 
recht auf j4 C und gleich dem Halbmesser des Rades 
auf dieser Achse ^ so mufs das auf der Achse ^C an- 
gebrachte Rad mit seinem Umfange ebenfaUs den Punkt 
JS berühren^ und dessen Halbmesser senkrecht auf 
B C stehen. Dieser Halbmesses sey EF. 

Vermöge obiger Voraussetzung soll sich die Achse 
BC aber n mahl umdrehen, während die Achse ^£^ 
sich einmahl umdreht, also wird auch BjFXnsaDE 
seyn müssen. 

Ziehen wir die gerade Linie CE, so werden 
alle aus jedem beliebigen Punkte dieser Linie auf AC^ 
und aus demselben Punkte auf ^C senkrecht gezoge- 
nen Linien dasselbe Verhalten, wie DE und'^F, 
gegen einander haben; wir hätten also, wenn ein^ 
mahl das Verhalten der Umdrehungen beider Achsen 
gegeben ist, nichts weiter als die Winkel EC^uni 
ECB zu bestimmen. 

Zur Bestimmung dieser Winkel ziehen wir uns 
aus c mit dem Halbmesser C E einen Kreis , und 
heifsen den Winkel BCE^ji den Winkel ACE.x. 

Der Halbmesser C E, der zw^r unbekannt ist^ 
sey gleich ' . 4 R- 

Der Halbmesser des Rades an der Achse 
AC, oder DE =s r. 

Der Halbmesser des Rades an dsr Achse 
BC, oder EF = r'; 



. 33j 

SO ist 

r = /? X Sin. X ; und 

r' = \ß X Sin. ^; es, ist aber 

r = » X r' ; nach der Voraussetzung der Um* 

drehungen; also auch 

R X Sin. Jt = ü X Sin. ^ X /i } oder • 

Sin. jc = /» X Sin. y ; 

es ist aber auch ^ + o: =a ^ ; und 

Sin. X =5 Sin* (^ — ^ j-) =: Sih* ^ Cos. ^ — • 
Cos. <p Sin. j" j 

und nun. statt Sin« x seinen Werth durch n X Sin. j* 
ausgedrückt^ 

so ist 

n X Sin. y i=s Sin. (p. Cos. j* — Cos. ^. Sin.^j 

UQd hieraus wird nach vorgenommener Reduktion des 
Ausdruckes 

Tang, r = ^'''' ^ ; 

■ 

Wäre nun der Halbmesser von einem der bei« 
den Räder gegeben^ so ergibt sich natürlich de^ran« 
dere sehr leicht^ und der Halbmesser /{^ in dessen 
Kreise sich die Peripherien berühren solieii ^ ist durch 
die Winkel dann auch bekannt > und es ist immer 

R =3 — ; oder auch 

Sin. /•' 

Ä =a ^: } je nachdem r oder r' gegeben ist* 

Beschreibt man mit dem Halbmesser r' einea 
Kreis um die Drehungsachse B C \xi der erwähnten 
Lage^ und mit dem Halbmesser r einen Kreis um die 
Achse ACy und ninunt diese Kreise als .Grundkreise 
zweier Kegel an^ deren Spitze gemeinschaftlich ifl 
deih Durchschnittspunkt0 der beiden Drehungsäch-" 
iaiwi». i, poi|^t« lait, ni. 114. aa 



338 

scn, also hier in C liegen , so werden sich die heiden 
Kegel in der geraden Linie JS^C heruhiccn , und wir 
können uns die beiden Kegel als aus unendlich vielen 
Kreisflächen zusammengesetzt denken , die alle ähnli- 
che Lagen wie die Grundkveise der Kegel gegen ein- 
ander haben. 

Läfst man nun die heiden Grundkreise sich so 
wälzen^ wie wir zuvor immer . eingenommen haben, 
so wird sich der Grundkreis auf dem Kegel F'C, n 
mahl umdrehen, wenn sich der Grundkreis auf dem 
Kegel DC einmahl umdreht. Dieses gilt nun aber 
für alif*, in den Kegeln mit den beiden Grundkreisen 
ähnlich liegenden Kreise bis in die Kegelspitze, und 
es wird sich also der Kegel FC^ n mahl umdrehen, 
während sich der Kegel DC einmahl umdreht^ und 
Zugleich wird bldfs eine Wälzung der Oberfläche des 
einen, über die Oberfläche des anderen Kegels Stait 
haben.' 

12) Man hätte also })ci der bedingten Umdrehung 
zweier Achsen gegen einander, welche unter was im- 
mer für einem Neigungswinkel in einer Ebene liegen, 
nur nöihig, aus dem Verhalten ihrer Umdrehungen 
auf die gezeigte Weise die Winkel x und^ zu bestim- 
men, und nach diesen Winkeln zwei Kegel JSGC, 
und EZCzn formen, welche sich so berühren, dafs 
durch die Bewegung des einen, der andere mitge- 
dreht wird. Diefs kann jedoch auch wieder nur durch 
die Verzahnung beider Kegel erfolgen, und wir wol- 
len daher untersuchen, welche Form und Lage die 
Zähne hier erhalten müssen^ um eine richtige und 
sanfte Bewegung, zu erzielen. 

i3) Aus dem bisher Gesagten über die beiden 
Kegel werden wir wohl ersehen, daf^ wir nur nöthig 
haben, die Bewegung der beiden Grundkreise näher 
z\x betrachten, weil für alle übrigen mit diesen ahn'* 



33f> 

lieh Hegenden Kreise dieselben Bewegungsgesetze gel^ 
ten werden. 

Die beiden Grundkreise sollen sich, wie zwei 
Kreise, deren Achsen parallel laufen, mit gleicher 
Peripherie - Geschwindigkeit drehen. Nun können 
wir dieses wohl annehmen, allein diese beiden Kreise 
bewegen sich nicht in einer und derselben Ebene, 
wie diefs zuvor geschah; und es wird ein be&chrei- 
bender Kreis , welcher ( wie der Kreis C in dem 
Kreise B) in der Ebene des Kreises EFG liegt, und 
nebstdem, dafs er kleiner ist, als EFG%y den Punkt 
JE* auch (wie zuvor C den .Punkt a) berührt, jetzt die 
Form des Zahnes auf dem Kreise ED Z nicht in glei- 
cher Ebene mit EDZ beschreiben,^ weil er sich in 
der Ebene des erstem Kreises bewegt. 

Ziehen wir uns aber in der Ebene beider Achsen 
eine Verlängerung des Halbmessers EF y bis diese 
die Achse jiC in M schneidet, so dafs FEM eine 
gerade. Liniei wird, so können wir uns mit dem Halb- 
messer EM aus M einen Kreis beschrieben denken, 
welcher sich um die Achse A C, unter dem Winkel 
EMC geneigt, dreht. Mit diesem Kreise wird sich 
alsdann der Kreis EFG in einer und derselben Ebene 
bewegen, und in dieaer Ebene wird ein beschreiben- 
der Punkt des beschreibenden Kreises in der erwähn- 
ten Lage die Form. des Zahnes beschreiben. 

Es sey ba der Zahn, und zwar Ea der ge- 
krümmte und Eb der gerade , gegen den Mittelpunkt 
M hin geformte Theil des Zahnes, so mufs En auf 
den Kreis EDZ unter dem Winkel FED aufgesetzt 
werden j weil aber die Vertiefung in dem Kegel bis 
6 gehet, so mufs auch der massive Theil desselbea 
bis b zurückgezogen werden. 

Eine ähnliche Figur des Zahns gilt nun für jedea 



:ii * 



34o 

Kreis im Kegel FC^ und wir können uns bis in die 
Spitze C^ mit jedem einen mit f'ilf parallel liegenden 
Grundkreis denken ; aber natürlich werden diese in C 
in Null übergehen^ daher in C auch keine Verzah- 
nung mehr Statt finden können. 



•• 



fiagtc also der Zahn auf dem Kreise ME bis a^ 
so werden die E^ndpunkte auf allen mit ME ahnlich 
hegenden Kreisen in der geraden Linie a C liegen^ 
eben so die Endpunkte wi^ by in der geraden 
Linie bC. 

/• 

Soll daher de^ ganze Kegel verzahnt werden, so 
dürfen nur aus b und a gerade Linien gegen .{? gezo^ 
gen werden ; und es entsteht überhaupt die Rece), 
dafs y wenn einmahl die Form des Zahnes auf aem 
Grundkreis in der gehörigen Lage gefunden isi^ so. 
wird derselbe nur von allen Seiten gegen den Achsen- 
durchschnitt gearbeitet. Diefs gilt für beide Kegel. 

Um aber'^fiir jede Neigung der Achsen den Halb- 
messer M E zu besimmen, ist aus dem Umdrehungs- 
Yerhällnifs der Halbmesser EE, der Ijalbmcsser £D, 
und die dazu gehöiigen Winkel bekannt. Eben so 
ist der Winkel 

MFC =: go^. Es ist daher 

FMC = 90° — <p; und 

ED ^ r ^ ME X Sin. FMGi also 

ED 

ME «= ~ - ^ - ^ . Es ist aber auch 

Sin. FJHC 

Sin. FMC = Sin. (90 — ip) = Cos. ^. 
und daher 

ME =i -^ =s • wird hier 

Cos. ^ Cos. ^ ' 

<p ^^ 90^ so; erhalten wir 



r 



ME^»"^ oc. 



34i 

• 

Der Winkel 9 wird aber gleich 90 Grad, wenn 
die beiden Drehungsachsen senkrecht auf einander 
stehen^ und wir erhahen für diesen in dem Maschi- 
nenbau sehr häufig vorkommenden Fall für die Ver- 
zeichnung der Zahnform wieder sehr leichte Regeln^ 
indem wir nur den beschreibenden Kreis, statt auf 
einem Kr^isie, dessen Halbmesser .MJS' war, auf einer 
geraden Linie wälzen dürfen, weil fiir ME gleich 
unendlich grofs , der Kreis eine gerade Linie wird. 

Wäre also Fig. IX. BE der Durciimesser eines 
Kammrades, BD der Durchmesser des zu ihm gehö- 
rigen Getriebes, und AC senkrecht auf /f' C, C der 
Durchschnittspunkt b^ide^ Achsen, so darf man nur 
auf einer geraden Linie j4 By einen Kreis , dessen 
Durchmesser FD ist, auf obige Art mittelst Schablo- 
nen wälzen. Es sey durch diese Wälzung die Form 
des gekrümmten Theils des Zahns cdii, so sind so- 
dann ca und db parallel und senkrecht auf ^i?, weil 
sie gegen den Mittelpunkt des Kreises AB , der 
unendüch grofs ist, gehen müssen. Es ist also acedb 
die Form des ganzen Zahnes. In der Lage b e^ am 
Kammrade B E, mnfs er gegen den Mittelpunkt C, so 
gearbeitet seyn, dafs er, von der Seite angesehen, die 
Form beC erhält, bCQ ist alsdann der massive Ke- 
gel, auf dem die Zäbne sitzen. « 

Für die Verzahnung des Getriebes erhalten wir 
einen beschreibenden Kreis für die Krümmung , des- 
sen Halbmesser gleich dem halben Halbmesser der 
geraden Linie , also einen Kreis, der auch eine gerade 
Linie yri^d; man müfste daher auf dem Getriebkreise 
eine gerade Linie wälzen, oder was einerlei ist, eine 
]im diesen Kreis geschlungene Schnur abwickeln, 
und die Bahn bezeichnen, welche der abgewickelte 
Endpunkt derselben beschreibt. 

Der geradlinige Theil des Zahnes geht gegen 
den Mittelpunkt des Getriebes , und der ganze Zahn 



34^ 

mufs eben «o wie zuvor gegen den Achsen-DurcL- 
schnitlipunkt gearbeitet sejn. 

Dafs es nicht nothig ist^ auf diese Art immer 
ganze Kegel zu verzahnen^ sondern man nur nothig« 
haben wird , zusammen gehörige Theile von zwei sol- 
chen Kegeln richtig zu bearbeiten, wird wohl kaum 
bemerkt werden dürfen; und weil es auTserhalb den 
Gränzen dieser Abhauldlung liegt, den Bau des ver- 
zahnten Räderwerks zu behandeln, so will ich nur 
noch einer Verzahnung mit runden Triebsiöcken er- 
wähnen, weil sie sehr häu^g im Praktischen vor- 
kommt, ob sie gleich nur bei Stirnrädern zu empfeh- 
len ist, und bei Kan^mrädern, wenn sie richtig sejn 
soU, mit der andern Art gleiche Arbeit machü 

iS) Wenn wir hier auf Fig. I. zuriick gehen, und 
die Bewegung eines einzelnen , in der Peripherie des 
Kreises i? liegenden Punktes betrachten, so wird die 
Form des Zahnes auf dem Rade nach der dort be- 
stimmten Epizykloi'de geformt. Für die wirkliche 
Anwendung können wir jedoch einen solchen mathe- 
matischen Punkt nicht in Rechnung bringen, und 
wenn wir in einem Getriebe, dessen Halbmesser gleich 
ist dem Halbmesser des Rades By runde Triebstöcke 
(Zahne) anbringen , so werden die Mittelpunkte die- 
ser Triebstöcke alle in der Peripherie des Getriebes 
liegen. 

Es sey also hierzu Fig. X. das Rad ji zu verzah- 
nen , und die Zähüc dieses Rades sollen in das Ge- 
triebe B eingreifen, welches mit den zylindrischen 
Triebstöcken a, 6, c, d . . . . in der Richtung der 
Drehungsachsen beider Räder , welche übrigens noch 
als in einer Ebene sich drehend angenommen wer- 
den^ versehen ist. 

Wäre der Triebstock b von a bis 6' vorgerückt, 
«o wurde dessen Mittelpunkt eine Epizykloide bcd, 



345. 

auf dem Grundkreise kescbrieben haben ^ und die 
Form des Zahnes dadurch für den Punkt d gegeben 
seyn» 

Der \?irkHch angegriffene Pimkt des Triebstockes 
liegt aber immer um den Halbmesser des Triebstockes 
von diesem entfernt, es mufs daher jeder Punkt des 
angreifenden Zahnes , wenn er im Eingriff steht, um 
den Halbmesser des Triebsiockes von dem Mittel- 
punkte des Triebstockes entfernt seyn. Zeichnen veir 
uns also die Epizykloi'de b cd^ und nihren eine zweite 
Linie y^Ä, weiche an allen Punkten um den Halb- 
messer des Triebstockes von ersterer absteht, so wird 
diese der Forderung Genüge leisten. Die Vertiefung 
im Rade wird dann nur dem Halbkreise des Trieb- 
stockes gleich gemächt werden dürfen ; also der in- 
nere Theil des Zahnes auf deu massiven Radkranz 
senkrecht gestellt werden können, und der massive 
Badkranz selbst, nur wenigstens um den Halbmesser 
des Triebstockes gegen das Zentrum des Rades, zu- 
rückgesetzt werde'iv dürfen, 

Auch würde man durch die Verzeichnung eines 
Halbkreises innerhalb des Radkreises, wie ./bc, die 
Form für den inneren Theil des Zahnes erhalten, weil 
es nicht nöthig ist^ dafs gerade dieser innere Theil 
mit seinen Seitenlinien parallel laufe, indem er nur 
dazu dient , dem runden Triebestock Platz zu machen« 

Die Verzeichnung geschieht übrigens ganz auf 
die vorige Weise. 

Für konische Räder und Getriebe müfsten für 
einen vollkommenen Eingriff die Triebsjtöcke nach 
Kegeln gearbeitet seyn , deren Spitze im Durch- 
schnittspunkte der Räderachsen, und deren Kreis- 
grundflächen in der Ebene des oben erst gesuchten 
Grundkreises liegen, und daher schief auf ihren Ke- 
gelachsen stünden; es würden also diese Kegel viel 



i 



344 

' flchwieriger zu bearbottcn seyn als die Zähn6 nach 
der vorhin gegebenen Erklärung. 

■ 

Liefse man aber das Getriebe selbst gans zylin- 
drisch , so sieht man nach einer kleinen näheren Be- 
trachtung f dafs der Zahn immer nur mit einem ein- 
Eigen Punkte den Triebstock berühren kann , und die 
Zähne oder die .Triebstöcke^ je nachdem diese oder 
jene härter^ oder weicher sind^ sehr bald abge- 
arbeitet seyn werden , wodurch dann der Eingriflf 
schlecht wird , und die Bewegung nicht mehr nach 
den gegebenen Bedingungen erfolgt. 

? i6) Sind^ wie es z. B. bei Sägemühlen der Fall 

ist, gerade Stangen zu verzahnen, so geschieht diefa 
ganz nach den bisher aufgestellten Gesetzen und ge* 
gebenen Regeln für die Anwendung, indem man die 
gerade zu verzahnende Stange als einen Kreis von 
einem unendlich grofsen Halbmesser beschrieben an- 
sieht, und für die Form des Zahns auf der Stange 
tmd im Getriebe, welches dieselbe mitnehmen soll, 
ganz nach (i 4) verfahrt ^ nur mit dem Unterschiede, 
dafs hier die Zähne ganz prismatisch ausgearbeitet 
werden können, was dort nicht der Fall war. 

Diese Arten der Verzahnungen werden immer, wie 
schon bemerkt' worden, eine sanfte und sichere Be- 
wegung hervorbringen , und nicht nur für eigentliche 
• verzahnte Räder angewendet werden können; son* 
dem es müssen nach diesen Formen auch alle jene 
Theile bei Maschinen, die nur auf was immer für 
eine Art einander in drehender Bevvegung mit drehen, 
oder blofs weiter schieben sollen, geformt seyn; so 
mufs z.B. bei einem Stampfwerke der Hebekopf nach 
einer Linie geformt werden, die entsteht, wenn man 
eine Schnur von .einem Kreise abwickelt , dessen 
Halbmesser gleich ist dem mechanischen Halbmesser 
der Hebekopfwelle, wenn anders der Stampf mit ei- 
ner gleichförmigen Geschwindigkeit gehoben werden 



345 

<oll; und zwar defswegen^ weil wir den Stampf als 
eine verzahnte Stange ansehen könneü^ deren Zahn 
die Heblatte ist^ welche von dem Hebekopfe mitge- 
nommen wird. 

Bei Hämmern^ welche sich um Drehungspunkte 
bewegen, gilt ganz das, was von zwei Rädern gilt. 



XVII. 
Garntafeln. 

Von ' * 

Karl Karmarsch y 

Assistenten des Lehrfaches der Technologie am ]i.](. poljt. 

Institute. 



l^er Verkauf der Baumwoilengarne geschieht 
bekanntlich Pfundweise in Packe ten von fünf oder 
zehn Pfund^ und der Grad der Feinheit wird durch 
Nummern angezeigt. 

Diese Nummern werden aul gleiche Art bei ^en 
zwei HauptsorCön^ JVater- unA Mulegarn, gebraucht, 
und bezeichnen den Grad der Feinheit nicht, wie 
dieses bei anderen Fabrikaten, als Blech, Draht u.d. gl, 
der 'Fall ist, nach einer willkürlichen Übereinkunft 
zwischen den Fabrikanten und ihren Abnehmern, son-j 
dem nach einem unabänderlichen , durchaus sich 
gleich bleibenden Prinzipe. Eigentlich zeigt die Num- 
mer einer Garnsorte unmittelbar nichts weiter an, als 
die Zahl der Strehnchen oder Schneller , die auf 
ein Pfund gehen, und welche man daher. auch i\itm- 
mern nennt. 

Wie aber eben dadiorch auch die Feinheit des 
Garns bestimmt werden könne, sieht man erst dann 



340 

ein^ wenn man den Umstand weiß, dals der Faden 
aller Schneller (Nnmmem) gleich lang ist. 

Der Haspel oder die Weife ^ worauf die Strehne 
gebildet werden ^ hat nähmlich einen gewissen Urn- 
ing, der sich immer gleich bleibt, und welchen 
man beim Garn einen Faden nennu 

Eine bestimmte Anzahl solcher Fäden, welche 
entsteht, wenn das Garn sich eben so oft um den 
Haspel herumwickelt, nennt man ein Unterbandy 
und eine bestimmte Zahl von Unterbändern bildet 
den Schneller j der also, wie man sieht, bei allen 
Gamsorten gleich lang ausfallt. 

Es erhellet hieraus, dafs von feinerem Garn mehr 
Schneller auf ein Pfund gehen , als von grobem. Die 
Zahl dieser Schneller nun wird durch die Nummer 
angezeigt. N^* 60 wird demnach noch einmahl so 
fein als N'"** 3o, und dreimahl so fein als N""* so sejn. 

Das Mulegarn wird in England von der niedrig- 
sten Nummer bis N~- aSo , oder 3oo , Watergarn nur 
bis höchstens N*^""* 80 gesponnen, da die feineren Sor- 
ten wegen der Kürze aer Baumwollfasern keine starke 
Drehung vertragen. Was im Handel als Walergarn 
von gröfserer Feinheit verkauft wird, ist eigentlich 
kein solches, sondern blofs oin fester gedrehtes Mu- 
legarn. 

In den österreichischen Spinnfabriken erzeugt 
man Mulegarn, dessen Nummer höher als i5o geht, 
nur sehr selten , woran die minder gute Beschaflfen- 
heit der daselbst am häufigsten verarbeiteten mact' 
donischen Wolle die Ursadtie ist. 

Ein Umsund, der hier bemerkt werden muTsi 
ist, dafs vom Mulegarn sowohl als vom Watergara 



. 347 

nur die geraden Nummern (z.B. lo, I3,i4^ i6u.8.W9 
nicht aber ti^ i3, i5; 17 u. s.w.) vorkommen. 

Der Grund davon ist Lein anderer ^ als Mreil sonst, 
besonders bei feineren Sorten, der Unterschied zwi- 
schen zwei nach einander folgenden Nummern so ge- 
ring seyn würde, dafs man oft nicht wissen könnte, 
ob ein vorliegender einzelner Schneller zu dem einen 
oder zu dem anderen (z. B. 199 oder 200) gehört. 

In den österreichischen Spinnfabriken geschieht 
die Eiutheilung der Packete entweder nach engli- 
schem oder nach Wiener Mafs und Gewicht. 

Im ersten Falle, der am häufigsten ist, zeigt die 
Nummer des Garns die Zahl^ der Schneller an, wel- 
che auf ein englisches Pfund gehen; der Umfang des 
Haspels (also die Länge eines Fadens) beträgt 54 eng- 
lische Zoll (oder i^ Wiener Ellen), ,80 Fäden ma- 
chen ein Unterband, oder Gebünde , deren 7 auf 
den Schneller gehen j der letztere ist demnach 980 
Wiener Ellen lang. 

Im zweiten Falle hat der Schneller zwar eben- 
falls 7 Gebünde, aber das Gebünde besitzt 100 Fä- 
den. Der Haspel hat im Umfange :aj- Wiener Ellen; 
der Faden eines ganzen Schnellers ist demnach 1487 
Wiener Ellen lang. Die Nummer zeigt hier die Zahl 
von Schnellern an, welche zusanunen ein Wiener 
Pfund wiegen. 

Um zum Behufe der Verpackung genau zu wis- 
sen, zu weicher Nummer ein Schneller gehöre, hat 
man eigene Garnsortirwagen, auf welcher man nach 
dem Auflegen eines Schnellers sogleich an einer Skale 
sieht, von welcher Nummer derselbe ist. 

Da die Konstruktion einer solchen Sortirwage, 
die in längerer Zeit an Genauigkeit nichts yerlierei^ 



348 

soll^ eiue Aufgabe ist, die man bis jetzt woU nodi 
nicht vollständig hat lösen können^ so hat man darauf 
gedacht , eigene Garntafeln fBomhjrkometerJ *) zu 
berechnen^ auf denen das Gewicht eines Schnellers 
von jeder Feinheitstnummer verzeichnet ist. Mau 
braucht daher nur einen Schneller su wiegen^ und 
auf der Gärntafel nachzusehen^ welcher Nummer sein 
Gewicht entspricht, um zu wissen /von welcher Num- 
mer derselbe^ und jede Qcfantität Garn von dersel- 
ben Feinheit , sey.* 

Da^ so viel ich weifs, bis jetzt in 'Deutschland 
noch keine s^olche Garntafel gedruckt erschienen bt, 
so war dieser Umstand ein Beweggrund^ der mich 
bestimmte^ zwei derselben fiir englische und öster- 
reichische Schneller y und zwar jede nach Wiener 
Gewicht (da qian^ aufser etwa in den Spinnnfabriken^ 
wohl nirgends in Österreich englisches Gewicht be- 
sitzt) zu berechnen und hier bekannt zu machen. 
Ich habe über dieselben voraus nur noch Folgendes 
zu bemerken« 

Die daselbst in Gmnen angegebenen Gewichte 
der Schneller sind nach dem Wiener Apothekerge- 
wichte zu 'verstehen y wovon 60 Gran auf ein Quent- 
chen gemeinen Wiener Handlungsgewichtes ge- 
hen. Das 'englische Pfund ist j5 -f^^ Loth dieses 
Gewichtes. Zu mehrerer Genauigkeit sind den Gran- 
nen durchaus zwei Dezimalstellen angehängt^ und von 
den Ganzen durch einen Punkt gesondert. Die dem 
Punkte zunälchst stehende Ziffer bedeutet Zehntel^ 
die andere HunderteL 

Dafs man sich übrigens eine sehr genaue Wage 
nebst sorgfaltig adjustirten Gewichten verschaffen 
müsse y wean man sich dieser Tafeln mit Nutzen be- 
dienen wiü^ braticht wohl kaum erinnert zu werden. 



") Von B9a|iu^ und MiTpoy. 



I. T A F E L. 349 

Bombjrkometer 

oder Übersicbutafel derGeifichte eines jeden, 56o Fäden 

(von 54 englischen Zollen), oder in der ganzen Länge 980 

Wiener Ellen haltenden BaumMrollengarn* Schnellers, 

Ton Nro . 10 bis 3oo>. ' 



Garn 


Gewicht. 


Garn 


Ge>vicht|Gam 
1 Grane. fNro. 


Gewicht. 


[Garn 1 


Gewicht. 11 


Nro. 


Grane. 


Nro. 


Grane. |Nro. | Grane. 11 


10 


622.08 


84 


74.05 


i58 


39.37 


232 


26.81 


12 


51840 


86 


72i33 


160 


38.88 


234 


26.58 


14 


444.34 


88 


9 

70.69 


162 


38.40 


236 


26.35 


16 


388.80 


90 


69.12 


164 


37.93 


238 


26.13 


•d 


345.60 


92 


67.61 


166 


37.47 


240 


25.92 


ao 


3ii.o4 


94 


66.18 


168 


37.02 


242 


25.70 


sa 


282.76 


96 


64.80 


170 


36.59 
36. 16 


244 


25.49 


34 


259.20 


98 


63.47 


172 


246 


25.28 


36 


239.26 


»00 


62.21 


»74 


35.75 


248 


25.08 


38 


222,17 


102 


60.08 
59.81 


176 


35.34 


25o 


1x4.88 


3o 


207.36 


104 


178 


34.94 


252 


24,68 


3a 


194.40 


106 


58.68 


180 


34.56 


254 


24.49 


34 


182.96 


108 


57.60 


182 


34.18 


256 


24.3o 


36 


172.80 


110 


56.55 


184 


33.80 


258 


24.11 


38 


163.70 


112 


55.54 


186 


33.44 


260 


23.92 


40 


1 55.52 


ii4 


54.56 


188 


33.09 


262 


23.74 


43 


148.11 


ii6 


53.62 


190 


32.74 


264 


23.56 


44 


141.38 


118 


52.71 


192 


32.40 


266 


23.38 


46 


1 35.23 


120 


51.84 


194 


32.06 


268 


23.21 


48 


129.60 


122 


50.99 


196 


3 1 .73 


270 


23.04 


5o 


124.41 


124 


5o.i6 


198 


?i.4i 


272 


22,87 


Sa 


119.63 


126 


49-37 


200 


3i.io 


274 


• 

22.70 


64 


11 5.20 


128 


48.60 


202 


30.79 


276 


22.53 


56 


111.08 


i3o 


47-85 


204 


3o«49 


278 


22.37 


58 


107.25 


l32 


47.12 


206 


3o.iQ 


280 


22.21 


60 


103.68 


134 


46.42 


208 


29.91 


282 


22.o5 


63 


100.33 


i36 


45.74 


210 


29.62 


284 


21.90 


64 


97.20 


i38 


45.07 


212 


29.34 


286 


21,75 


66 


94*25 


140 


44.43 


!2l4 


29.06 


288 


w 

21.60 


68 


91*48 


142 


43.80 


216 


2880 


200 


21.45 


70 


88.87 


»44 


43.20 


218 


28.53 


292 


2i.3o 


73 


86.40 


146 


42.60 


220. 


28.27 


294 


2l.l5 


74 


84.06 


148 


42.03 


222 


213.02 


296 


21.01 


•76 

0^ 


8 1.85 


i5o 


41.47 


224 


27.77 


298 


20*87 


78 


79.75 


l52 


40.92 


226 


27.52 


3oo 


20.73 


80 


77.76 


i54 


40.39 


228 


27,28 




8s 


75.86 


i56 


39.87 


23o 


«7.04 










^^^^m 






■^^^••■SB 


w^li^mmtm 





35o n. T A F E L. 

Bombjrkometer 

oder Übersichtstafel der Gewichte eines jeden, 700 Fäden 

(Ton 2^3 Wiener Eilen), oder in der ganzen Länge 148^ 

Wiener Ellen haltenden Baumwollengarn- Schnellers, 

Ton Nro. 10 bis 3oo. 



iGarn 


Gcnricbt. 


IGarn 
|Nro. 


Gewicht IGarn [GewichtJGara 


OcvTichl« 
Grane. 


1 \ro. 


ürane. 


Grane. |Nro« 


1 Grane. |Nro. 


10 


768.00 


84 


91.43 


i58 


48.60 


232 


33. iO 


la 


640.00 


86 


89.30 


160 


48.00 


234 


32.82 


14 


548.57 


88 


87.27' 


162. 


4740 


236 


32.54 


16 


480.00 


90 


85.33 


164 


46.82 


238 


32.27 


18 


426.66 


93 


83.47 


166 


46.26 


240 


32.0O 


20 


384.00 


94 


81.70 


168 


45.71 


342 


31.73 


32 


349.09 


96 


80.00 


170 


45.17 


244 


31.47 


24 


320.00 


98 


78.37 


172 


44.65 


246 


3l.2l 


36 


295.46 


100 


76.80 


174 


44.13 


248 


30.96 


28 


274.28 


102 


75.29 
73.Ö6 


176 


43,63 


25o 


30.72 


3o 


ad6.oo 


104 


178 


43.14 


2d2 


. 3o,47 


32 


240.00 


106 


72.45 


180 


42.66 


254 


3o.23 


34 


225.88 


108 


71.11 


182 


43.19 


256 


3o.oo 


36 


ai3.33 


110 


69.82 


184 


41.73 


258 


2976 


38 


202.10 


1I2 


68.57 


186 


41.29 


260 


29.53 j 


40 


192.00 


114 


67.37 


188 


40.85 


262 

■ 


29.31 


42 


182.86 


n6 


66.20 


190 


40.42 


264 


20.09 
28.87 


44 


174.54 


118 


65.08 


192 


40.00 


266 


46 


166.95 . 


120 


64.00 


194 


39.58 


268 


28.65 


48 


160.00 


122 


62.95 


196 


39.18 


270 


28.44 i 


5o 


i 53.60 


124 


61.93 


198 


38.78 


272 


28.23 


52 


147.73 


126 


60.95 


200 


38.40 


274 


28.02 


54 


142.23 


128 


6o,oo 


202 


38.02 


276 


27.82 


56 


137.14 


i3o 


59.07 


204 


37.64 


278 


27.62 


58 


132.41 


l32 


58. 18 


206 


37.28 


280 


27.43 


60 


1 28.00 


i34 


57.31 


208 


36.93 


282 


27.23 


6a 


128.87 


i36 


56.47 


210 


36.57 


284 


27.04 


64 


120.00 


i38 


65.65 


212 


36.22 


286 


26.85 


66 


1 16.36 


140 


54.86 


214 


35.88 


288 


26.66 


68 


112.94 


142 


54.08 


216 


35.55 


290 


26.48 i 


70 


109.71 
106.66 


144 


53 33 


218 


35.23 


292 


26.30 


7« 


146 


52,60 


220 


34.91 


294 


26.12 


74 


103.78 


148 


51.89 


222 


34.S9 


296 


25.94 


76 


lOi.oS 


i5o 


5l.20 


224 


34.28 


298 


25.77 


78 


98.46 


l52 


5o.52 


226 


33.98 


3oo 


25.60 


80 


96.00 


i54 


49-87 


228 


33.68 






8a 


93.65 


i56 


49.23 


23o 


33.39 










s 35i 

Wie man aus den beiden vorstehenden Tafeln 
sieht, sind die englischen und österreichischen Schnel- 
ler nicht nur in der Länge des Fadens , sondern auch 
an Gewicht sehr bedeutend von einander unterschie- 
den , und es ist demnach leicht voraus zu sehen , dafs 
irgend eine Gamsorte, nach eBjglischer Art gev^eift^ 
nicht von gleicher Feinheit se^pi kann^ als eine mit 
der nähmlichen Nummer bezeichnete^ nach öster- 
reichischer Art gcv^eifte. Um nun die vergleichungs- 
v^eise Feinheit zweier solchen Sorten übersehen zu 
können^ ist die nachfolgende dritte Tafel berechnet 
worden , deren Einrichtung durch ein Paar Worte so* 
gleich v^ird deutlich gemacht werden. Man sieht 
auf derselben das Gewicht eines looo Wiener Ellen 
langen Fadens von N'""* lo bis 3oo englischer und 
österreichischer Weifung neben einander gesteUt. 

Die erste Rubrik enthalt die Nummern in fort- 
laufender Ordnung; in der zweiten und dritten Ru- 
brik findet man das Gewicht eines looo Ellen langen 
Fadens von jenen Nummern in Wiener Apotheker- 
Granen angegeben^ und zwar in dieser nach öster** 
reichischer ^ in jener nach englischer Weifung. 

Je gröfser das Gewicht eines gleich lansen Fa- 
dens ist, desto gröber mufs dersislbe natürlich seyn^ 
und man sieht demnach^ dafs ein nach österreichischer 
Art geweiftes Garn immer feiner ist , als ein nach 
englischer Art geweiftes von derselben Nunamer. 



35ä 

in. T A F E L. 

Zur Yergleichung der Feinheit der Ganinunimeru nach 
der englischen und österreichischen Weifung» 



1 

Ein looo 


Wiegt nach der 


Ein 1000 

»»T «All _ 


Wiegt nach der 1 


Wr.Ellen 
UngerFa- 

den. 
TOD Nro. 


englischen 
Weitung. 


österr. 
Waiiung. 


Wr.Ellen 
langerFa- 

den, 
▼on Nro. 


englischen 
Weifung. 


österr. 
Weifong. 


G r a 


L n e. 


G r a 


i n e. 


lO 


634.77 


516.47 


80 


79-34 


64.55 


13 


528.97 


430.39 


8a 


, 7740 


62.97 


«4 


453.40 


368.90 


84 


75.56 


61.48 


i6 


396.73 


322,79 


86 


73.80 


^ 6o.o5 


i8 


352.05 


286.92 


88 


72.13 


58.69 


20 


317.38 


258.23 


90 


70.53 


57.38 


23 


288.52 


234.76 


9a 


68.99 


56.1 3 


24 


26448 


215.19 


94 


67.53 


54.94 


26 


244.14 


198.69 


96 


66.12 

• 


53.79 


28 


226.70 


184.45 


98 


64.76 


52.70 


3o 


211.59 


172.15 


100 


63.47 


01.64 


32 


19&.36 


161.39 


102 


. 62.23 


5o63 


34 


186*69 


151.90 


104 


6i.o3 


49.67 


36 


176.32 


143.46 


106 


59.87 


48.72 


38 


1 67.04 


135.91 


108 


58.77 


47,82 


40 


158.69 


129.11 


1 10 


57.70 


46.95 


4a 


i5i.i3 


122,96 


112 


5667 


46.11 


44 


144.26 


117.38 


114 


55.68 


4530 


46 


137.99 


1 1 2.27 


116 


54,71 


44.52 


48 


1 32.24 


107.59 


118 


53.78 


43.76 


5o ' 


126.95 


103.29 


120 


52.89 


43.03 


52 


122.07 


99.34 


122 


52.o3 


42.33 


54 


117.55 


' 95.64 


124 


.54.19 


41 65 


56 


ii3.35 


92.32 


126 


50.37 


40.98 


58 


109.43 


89.04 


128 


49.59 


40.34 


60 - 


1 05.79 


86,07 ! 


i3o 


48.82 


39.73 


6a 


102.38 " 


83.3o i 


l32 


4808 


39.12 


64 


90.18 
90.17 


80.69 


i34 


47-36 


38.53 


66 


7825 


i36 


46,67 


37,97 


68 


93.3/f 


75.95 


i38 


45.99 


37.42 1 


70 


90.68 


73.78 


140 


45.34 


36.88 


73 


88.16 


71.73 


142 


44.69 


36.36 


74 


85.77 


69.79 


144 


44.08 


35.86 


1 76 


83.52 


67.95 


146 


4347 


35.37 . 


7» 


81.38 


66.23 


148 


42.88 


34.89 



353 



11 Ein 1000 


Wiegt n 


ach der 


£in 1000 


1 1 

Wiegt nach der W 


W VV r.Eilen 
ll lange rFa- 

von Nro. 


englischen 
Weifung. 


österr. 
W^eifung. 


Wr.Ellen 
langerFa- 

den, 
von Kro. 


englischen 
Weifung. 


1 österr. 
j Weifung. 


G r a 


n e. 


G r 1 


ine. j 


i5o 


42,31 


34.43 


226 


28.0B 


2Ä.Ö5 


i5a 


.41.76 


33.97 


228 


27,84 


22,05 i 


id4 


4l*2l 


33.53 


23o 


27.59 


22.45 ; 


i56 


40.69 


33.11 


232 


27.3Ö 


22.26 


i58 


40.17 


32,68 


234 


27.12 


22 07. 


160 


39.67 


32,28 


236 


26.89 


21.88 

1 


^ 162 


39.18 


3 1.88 


238 


26.66 


21.70 ' 


164 


38.70 


31.48 


240 


26.44 


21.5l ' 


166 ' 


38.23 


3i.ii 


242 


26.22 


21 33 • 


168 


37.78 , 


30.74 


244 


26.01 


21 16 


170 


37.33 


30.38 


246 


25.80 


20.99 


172 


36.90 


3o.o2 


248 


25.59 


20.b2 


174 


36.47 


29.68 


25o 


25.39 


20.65 . 


176 


36. 06 


29.34 


252 


25.18 


20.49 


1 178 


35.65 


29.01 


254 


24.99 


29 33 

•• 


L 180 


35.26 


2B.69 


256 


24.79 


ao.17 


182 


34.87 


28 37 


258 


24.60 


ao.oi 


184 


34.49 


28.06 


260 


24.41 


19.86 1 


186 


34.12 


27.76 


262 


24.23 


l.,?! i 


188 


33.76 


27.47 


264 


24.04 


19.56 ' 


190 


33.40 


27.18 


266 


23.85 


19.41 j 


193 


33.06 


26.89 


268 


23.68 


19^26 : 


194 


32.71 


26.61 


270 


23.5 1 


19.12 ! 


196 


32.38 


26.35 


272 


23.33 


lb.98 i 


198 


32.o5 


26.08 


274 


23.16 


1884 i 


200 


31.73 


25.82 


276 


22.99 


18.71 


202 


31.41 


25.56 


278 


22.82 


1857 ' 


204 


3i.ii 


25.3 1 


280 


22.67 


18.44' 


206 


3o.8o 


25.07 


282 


22.5l 


18 3i i 


208 


3o.5i 


24.83 


284 


22.34 


18.18 i 

1 


210 


3o.22 


24.59 


286 


22.19 


i8.o5 


212 


29.93 
29.65 


ü4.36 


288 


22.04 


1793 


214 


24.13 


290 


21.88 


17.81 


216 


29.38 


23.91 


292 


21 73 


17.68 


218 


29.11 


23.69 


«94 


21.58 


17.56 j 


220 . 


28.85 


2347 


296 


21 44 


17.44. 


222 * 


28.59 
28.33 


23.26 


298 


21.29 


17.32 


224 


23.o5 


3oo 


21. i5 


1 i7.2ri 



^akrb« 4, pol/«. Intl. IIJ. lfd. 



a3 



354 • 

Der ^uüen dieser Tafel besieht in der Mög- 
lichkeit^ mittelst derselben die Nununeni zu finden^ 
welche nach beiden Weifungsarten eine gleiche Fein- 
heit des Gau'nes ausdrücLen. Man hätte z. B. öster- 
reichisches (nach österreichischer Art geweiftes) Garn 
N'** u6 , wovon ein l ooo Ellen langer Faden der Ta- 
* fei zu Folge iq8^ Gran wiegt, und man wollte wis- 
sen , welche Nummer von englisch geweiftem Garn 
man sich verschaffen müsse, um es von gleicher Fein- 
heit zu erhalten. In diesem Falle därfte man nur in 
der zweiten Rubrik eine Zahl suchen, die der Zahl 
198^ ganz gleich, oder doch so nahe als möglich 
kommt. Diese Zahl ist iq&.^, und sie entspricht 
der Niunmer 3a (englischer Weifung) , welche dem- 
nach bis auf einen sehr geringen Unterschied, mit 
N'*"* a6 (östeireichischer Weifung) von gleicher Fein- 
heit ist. Ganz auf ähnhchje Weise Würde man auch 
verfahren, wenn man zu einer ge^^ebenen Nummer 
englischer Weifung, die entsprechende Nummer nach 
östeireichischer Weifimg zu suchen hätte. 

Um das Gesagte noch deutlicher zu machen, 
will ich hier zum Schlufs noch einise an Feinheit 
sich gleich kommende Nummern nach beiden Wei- 
fungsarten b ersetzen* 



nach 1. ^ • i_ -n • i • • f N"""' nach 

r.Wcif.r* ""^ 6^"'^*>«'^FT*'"*""lengL Weif. 



N'""* nach 
österr« 

5^ 9 « -» 9 9 64 

no » » » 9 9 86 

06 9 .9 » - 9 9 . 118 

1143^9 9 9 9 1 40 

1^0 99 9 9 9 i^a 

j58 99 9 99 iq4 ' 

538, 99 '9 9 » aoo 

a44 99 9 9 ^9 3oo 



, \ 



355 



xvni, 

über die Theorie des Krommnapfens^ 

• Von 

Johann Arzberg^ry 

Professor der Maschineulehre am k. lt. polyt* Institute. 



it^ur Verwandlung einer drehenden Bewegung 
in eine geradlinigt^ hin- ujfd hergehende^ wie dieses 
hei der Bewegung einer Sagemühle^ eines Pumpwerks 
u. s. w.^ durch ein Wasserrad^ einen Pferdegöpel 
u. s. w. der Fall ist, dürfte wohl der sogenannte 
Krummzapfen die einfachste Vorrichtung seyn y weis- 
halb er auch sehr häufig in der Anwendung zu diesem 
Zwecke yorkömmt. 

Da aber bei der Anwendung desselben , wenn die 
in gerader Richtung hin- und herzuschiebende Last 
unveränderlich ist, die hieraus abgeleitete^ in der 
Tangente des Kurbelkreises widerstehende Last ver- 
änderlich, hingegen die von dem Wasserrade oder von 
dem* Pferdegöpel u. s. w. auf die Tangente des Kur* 
belkreises reduzirte Kraft, wenigstens nicht sehr be- 
deutend veränderlich ist; so folgt aus* dieser Verbin- 
dung eine Uhgleichförmigkeit in der drehenden Be- 
wegung, welche um so kleiner oder gröfser ist, je 
gröfser pder kleiner die mit der Kurbeiwelle in Ver- 
bindung gebrachte, auf den Umfang des Kurbelkrei- 
ses reduzirte Masse ist. Da aber in der Regel, für das 
Maximum der Wirkung irgend einer Krafl, diese 
mit einer nicht sehr veränderlichen Geschwindigkeit 

23 * 



356 

forucbreiten mafs^ so Lann man verlangeB, die Grofse 
dieser Masse der Art zu best^men^ dals die Vnr 
gleicl^förmigLeit der drehenden Bewegung innerhalb 
bestinimter Gränzen bleibt; zugleich aber auch das 
Verhalten der Kraft zur Last für den Beharrungsstand 
des Ganges der Maschine anzugeben. 

Die Auflösung dieser Aufgabe wurde von mehre* 
ren unter der Benennung der Theorie des Krumm" 
zapjen versucht y jedoch von Eitelwein (Archiv 
für Baukunst^ Berlin ^ 1818) nach meiner Ansicht ans 
dem richtigsten Gesichtspunkte behandelt^ obgleich 
nicht so weil ausgeführt^ als zur genauen Bestimmung 
der Stellen der Kurbelwarze y fiir welche die gröfste 
und kleinste Geschwindigkeit in der drehenden Be- 
wegung Statt findet y nöthig isi 'y was doch zur Bestim- 
mung der Masse erfordert wird. . 

» 

Frühere Anwendungen der Kurbel bei dem Ma- 
schinenbau haben mich veranlafst^ diesen Gegenstand 
ebenfalls zu bearbeiten y und hieraus ist folgende Ent- 
wicklung dieser Aufgabe entstanden^ welche ich das 
erste Mahl im Jahre 1816 auf 1817^ und seitdem in 
den jährlichen Lehrkursen über Maschinenlehre an 
dem k« k. polytechnischen Institut allhier wiederhohlt 
vorgetragen habe. 

Um das Nachfolgende besser übersehen zu kön- 
nen^ sind die zunächst aufgestellten Sätze vorange- 
schickt, 

I. Ueber Wirkung der Kräfte. 

1) Wenn irgend eine Kraft P eine Masse Af zu 
bewegen strebt^ und diese 'Masse in der Richtung der 
Kraft frei beweglich ist^ so erhält die Masse A/in der 
erwähnten Uichiung eine beschleunigte Bewegung. 
Schreitet mit dieser Bewegung die Masse M aurch 
den Raum S fort^ so ist, die am Ende dieses Raumes 



357 

vermöge dieser Bewegung erlängte Geschwindigkeit 
der Masse gleich c> und den Failranm eine» freifal- 
lenden Körpers von der Ruhe aus in der ersten Se- 
kunde gleich gy gesetzt , nach den bekannten Geset- 
zen der Beschleunigung^ 

SP 



c 



=5 3\/^ V 



Ist die zu c gehörige Geschwindigkeitshöhe 
(das ist die Höhe, um welche ein Körper von der Ruhe ' 
aus frei fallen müfste^ um die Geschwindigkeit c zu 
erhalten), gleich h^ so wird 

oder auch 

hM = SP. 

Hier können nun S und P fiir einen unveränder- 
liehen Werth von S. P sehr; verschieden seyn , ohne 
dafs dadurch bei unveränderter Masse die Geschwin- 
digkeitshöhe geändert wird. 

3) Der Ausdruck S. P soll die Wirkung der Kraft 
P durch den Weg Sy genannt werden, sie sey gleich 
W, so wird 

welchen Werth auch M liaben mag. 

Nachdem die Masse M obige Geschwindigkeit 
gleich c erlangt hat, wirke auf sie die Kraft ^P durch 
den Weg 'S\ die erlangte Endgeschwindigkeit sey 
gleich 'c ; die durch die Kraft 'P, auf dem Weg 'S er- 
haltene Vermehrung der Geschwindigkeitshöhe gleich 
^A, und die durch eben diese Kraft hervorgebrachte 
Wirkung gleich w^, so wird 



358 



ä 



Ä= 



'w =» 'S. 'P = 'h. M. 

Bezeichnet Wy die Wirkung beider Kräfte P und 'P, 
so bt 

PF t:i w ^ 'w ^ PS -^t 'P' '^^ 

Ist ferner AT die Höhe, welche der Geschwindig- 
keit der Masse .4/ nach der Wirkung ])eider Kräfte zu- 
köount, so wird: 

Diese Foln[ernngett kann man beliebig auf mehrere 
Kräfte, welche durch ihnen zugehörige Wege wir- 
ken, ausdehnen. 

3^ Wenn eine veränderliche Kraft von einer be- 
istHndi£j;en p so abhängt, dafs, nachdem diese den Weg 
a9 7urüc|kgelegt hat, die veränderliche Kraft ein Pro- 
dukt aus der beständigen ^, multiplizirt in eine Funk- 
tion des zurückgelegten Weges ist, wo i* {S) diese 
Funktion von *V, und P die veränderliche Kraft nach 
zurückgelegtem Wege »? bezeichnet, so ist 

p ^ p F iß). 

Schreitet der Punkt . Welcher mit dieser Kraft 
in Verlijndiuig ist, durch ein Differentiale des Weges 
fort , und nennt das- hierdurch erhaltene Differentiale 
der Wirkung gleich d fV^ so ist 

(I.) dW^^pF {S) dS 
und allgemein 

{\v) rv^pjF{S)dS, 

WO alsdann Af^ auf die Überwindung einer Last, oder 
auf die Beschleunigung einer Masse , oder auf beide 
zugleich wirken kann. 



35s 

II. Theorie des Krummzapfen. 

4) Es sey , 

die Höhö der Kurbel oder der Halbmesser des 
Kurbelkreises Cu4 tssa CD i=a r; 

die Krafty welche in dem Umfange des Kur- 
helkreises die Kürheiwarze oder den Punkt D 
yon ji über D nach B n. s. w. "zu bewegen 
strebt 5=s .••../ P; 

die Last, welche an der Kurbelwarze paral- 
lel mit AB widersteht =9 ....... . p. 

(Diese Kr^fl widersteht während der Bewegung 
der Warze von A über D nach B in der Richtung von 
B nach Ay aber während der Bewegung der Warze 
*von B über D' nach Ay in der Richtung von A nach 
B. Sie wird in beiden Fällen gleich grofs angenom- 
men^ weU, wenn dieses nicht Statt finden sollte , es 
leicht durch Gegengewichte erlangt werden kann,, 
und für diese Voraussetzring die auf den Kurbelkreis 
reduzirte Masse an der Kurbelwelle fiir gleiche Wir- 
kungen nnd gleiche Umdrehnngszeiten ein Kiemstes 
wird.) 

Der Winkel, welchen die Kurbel mit dem Durch- 
messer ^i? bildet, wenn die Warze von A bis D vor- 
gerückt ist, oder ACD in Theilen eines Bogens fiir 
den Halbmesser i n= . . ^ ; 

die mit der Kturbelwelle in Verbindung ste^ 
Hende Masse auf den Korbelkreis reduztrt =;: . üf ; 

die mit der Last in Verbindung stehende 
Masse so reduzirt, als wenn sie mit dem Pimkte 
Gf welcher durch die Kurbelstange GD an den 
Punkt D angeschlossen ist, gleiche Geschwindig- 
keit hatten: . » . W; 

die Geschwindigkeit der Kurbelwarze, wenn 
selbige durch den Scheitel in A geht ss • . . c 



36o 

die hierzu gehörige Höhe ■=? . . ; • . A : 
die Geschwindigkeit der Warze in /7 :=: . ^c; 
die hierzu gehörige Höhe =:: ^h. 

(c wird hier so grofs vorausgesetzt^ dafs keine 
Stockungen im GKinge der Maschine entstehen^ ^as 
alsdann Statt hahen würde^ wenn *h für irgend einen 
Werth von ^ , =s o werden könnte). 

5) Ist die Warze hereits von A \ns Z7. in ihrer 
Bewegung fortgeschritten ^ oder hat sich die Kurbel 
von CA um den Winkel p gedreht^ und rückt von 
hier aus die Bewegung durch ein Dißerenüale . ihires 
Bogens weiter fort^ so verwandeh sich () in p -f ^ 9> 
das hierdurch während der Bewegung der Kurbel 
durch d ^ erhaltene Differentiale der Wirkung der 
Kraft wird gleich 

Pr dg, 

und das zugleich erhaltene Diffei*entiale der Wirkung 
der Last 

= pr Sin. Q do 

(weil nähmlich p Sin. q die in der Tangente des Kur- 
Lelkreises widerstehende Last ist) , al^o das Differen- 
tiale der Wirkung, weiche auf Beschleuinigung der 
Massen AT und 'it/ wirkt , gleich 

dw gesetzt 

(HL) dw «= {Pr — pr Sin. j) d^i 
da aber 

/Sin., ^^^ sss Sin. vers. j + C? 
ist> SQ folgt 

tv =3 Pr j — pr Sin. vers. j + C 
(wo C ein^ Konstante bedeutet). 

Da hier die Wirkung auf Beschleunigung der 
Mass.en M und 'M von A an gerechnet wird , so wird 



36i 

w =i o für g ssz o^ also auch 
C =3 o^'^und daher vollständig 

(IV.) w == Prg — pr Sin. vers. j. 

6) Txk ^ ist die Geschwindigkeit der Warze^ 
«ind die ihr gleicheGesch windigkeit der Masse Mz=. c ; 

die zugehörige . Höhe es * ,.•«,. A- 

fiir die hierzu gehörige Lage der. Kurbel ist 
die Geschwindigkeit des Punkte« G , und . ]:nit 
diesem also auch die Geschwindigkeit der Ma.sse 

also auch die Geschwindigkeitshöhe =? . . 03 

nach der Bewegung durch den Winkel g, 
ist die Geschwindigkeit der Warze = , . /^-j 

f und die hierzu gehörige Höhe = • . , « ^/r. 

Die Geschwindigkeit des Punktes G aber 

= 'c Sin. g, 

und die hierzu gehörige Höhe 

= 'Ä Sin*, q^ 

also die Wirkung^ welche beide Massen^ während der 
Bewegung der Warze von j4 bis D beschleunigt (da 
sie in obigem, N'^'^-S, vorkommenden Ausdruck aer 
Wirkung begriffen ist) , oder 

(V). w^M{^h~k) + 'M'h Sin^ q. 
Aus dieser Gleichung erhält man 

M + 'M Sin».p ' 

und hierin nach N'^^'S 

tv =s Prp — pr Sin. vers. ^ 
gesetzt^ gibt 

rVJ\ hl -^ Prp ^ pr Sin, vers. p + ^^ 
"^^^'^ ^ •- jlf + 'ilf Sin«, p • 



36a 

^) Für den Beharriingsstand werde aageaom- 
tnen^ dafs alle einzelne Umdrehan^en der Kurbel in 
gleichen Zeiten erfolgen^ da Htm die Bewegung der 
Karbeiwarze ton ß über D^ nach ji demselben Ge^ 
seue folgt , nach welchem die Bewegung von A über 
I> nach' ^ Statt gefun4ßn hat^ so müssen die Bewe- 
gungen in allen Halbkreisen in gleichen Zeiten g^ 
schehen, und hierzu wird erforoert^ dafs für q'^s^Tf 
^h^ h werde > und dann ist, weil 

Sin, ir c3 o. abo aueh Sin*, r r= o 

ist 

- - . Frn '^ pr Sin-- vcrs. ic 

hr^h'jr- ji , 

es ist aber Sin. vers. ^ ssa, also 

*f*^ + - — w—^ 

folglich 

Pr^ — 2 pr 9s o^ 
also fiir den Beharrungsstand 

• 

8) Wenn die Kurbel warze Ton j4 ausgeht, ist 
das statische Moment der Krafl dem der Last über- 
wiegend^ es mufs daher Beschleunigung entstehen, 
welche , wenn man auf die Masse W keine Rücksicht 
nehmen wollte , so lange dauern würde , bis das sta- 
tische Moment der Last dem statischen Moment der 
Kraft gleich kömmt ^ und dieses findet für den Werth 



von P ZI ^ p alsdann Statt, wenn in dem ersten 
Quadranten Sin. j = — 



2 

wird. 



Üher diese Stelle hinaus ist das statische Mo- 
ment der Last dem der Kraft überwiegend^ und es 



363 

würde dafa^r ^ da an derselben hier die Beschlenni- 
gan^ in Verzögerung übergehen würde ^ an dieser 
Stelle die Geschwindigkeit der Warne ein Gräfstes 
«eyn. Von der eben erwähnten Stelle der Warze an 
würde die Überwncht des statischen Moments der 
Last über das statische Moment der Kraft fortdanern^ 
l>is in dem zweiten Quadranten «ebenfalla wieder 

Sin. j a= — würde, an welcher Stelle die Verzpge- 

l^ng wieder in Beschleiinigung übergehen , «nnd also 
ein Kleinstes seyn würde'; so dafs also för 'M e= o 
die Stellen der Warze, an welcher^das Maximum oder 
Minimum der Geschwindigkeit derselben Statt findet, 
hierdurch bestimmt wären. Allein wenn ^M einen 
Ledeiitenden Werth hat, der besonders durch/ Fort- 
leitung der Kraft auf bedeutende Strecken mittels 
Gestänge sehr grofs werden kann, so findet in dem 
ersten Quadranten an der Stelle wo aufser dem Ein- 
üufs dieser Masse die Beschleunigung der Masse ^Af =: o 

seyn würde (nähmlich für Sin. j«— ), für die gleich- 

förmige Bewegung der Warze eilte Beacbleunigung in 
der Masse 'Az Statt, welche, da hie - keine Cfaerwucht 
an Kraft ist, eine Verzögerung der Masse M zur Folge 
haben würde, und deüshalb >7Ürde mit Bücksicht auf 
die Masse ^M die Verzögerung scHon friihcr anfan*- 
gen, als dieses aufser dem Einflüsse der Masse M ge- 
schehen würde. 

Aus einer ähnlichen Ursache wird auch in dem 
zweiten Quadranten die Verzögerung früher wieder 
in Beschleunigung übergehen , als die statischen Mo- 
mente der Last und Kraft gleich werden, weil an die- 
ser Stelle der Warze , vermöge der Kreisbewcgmig 
derselben , die allda Statt findende Verzögerung von 
^M eine Beschleunigung von M bewirken müfste. Da 
jedoch die Stellen, an wekhen das Mazimunf urid 



364 

Minimam der Geschwindigkeit Statt h^t, an jenen 
Orten der Warze eintreten müssen, an welchen das 
Differentiale der Geschwindigkeit^ oder aneh das Dif- 
ferentiale der Geschwindigkeitshöhe, gegen das Dif- 
ferentiale des Winkek ^ verschwindet ; so mu(a för 
diese Steilen 



~ « o seyn. 

9) Führt man den Werth 

P aa 1 ;, (^us Formcl Vn), 

in obigem Ausdruck (N'""- 5) der Wirkung in dem Dif^ 
ferentiale derselben ein , so wird 

(Vni) dw t=:z(± pr ^ pr Sin. q) dg, 

smpr (j — Sin. j) dq, 
also 

(IX.) tv » f^r (— j — Sin. vers. q). 

IC 

Es ist aber auch nach (N'^'ö, Formel V.) 
w =3 'Ä (ilf + Sin=. g 'M) — hM, 
und daher 

dw = rf'A (^f+SinV p '^ + rf. Sin», q 'M % 

« d 'Ä (ilf-f ;i/Sin \ p) + a 'Ä '3f Sin- p Cos. p rff, 

fblglich durch Vergleichung mit obigem Werthc von d w, 

d'h{M + Sin«. pM") + 9 'h*M Sin. p Cos. pdp=prf^^ Sin. p) «/p, 

also 

tf 'A ( Jf + '^Sin. 3 p) = ^ p [ ^ r ^-^ — Sin. p) — a 'A'ilf Sin. p Cos. p], 

oder 

— — Sin. p ) — » 'Ä 'ßl Sin. p , Cos. p 
**? i»f + ' Ji Sin. « p 



3C5 

10. Der Erörterung in N'*- 8 «n Folge -wird die- 
Ber Ausdruck in dem ersten Quadranten =: o ^ wenn 
die Geschwindigkeit ein Gröfstes wird; es werde för 
diese Voraussetzung % &=a H^ und ^ c=3 ^ ^ so wird 



o SS r/7 ( Sin. tt) — a ^ff^MSin. «. Cos. u, 

oder 

— c= Sin. a + • Sin.«. Cos.«; 

man setze 

, a HAT 

$0 wird 

(XI.) = Sin. u (i -{- u Cos. a). 

IC 

Wenn man diese Gleichung quadrirt^ so erhält 
man Cos. cc^s. x gesetzt^ 

— s=s Sin«. Ä ( 1 + TV a:y , 

= (i — X*) (i + 3 i^ x + M* or«), 

=5 1 1^ 3 tt a: + w* or* — a w jc' — m* «^ 

(xn.) „=.:. +1*' +(J-f*)_ix.+(^:) 

Leichter als die Auflösung dieser Gleichung vom 
vierten Grade ^ dürfte jedoch eine weiter unten vor- 
kommende Berechnung von x durch Näherung seyn. 

1 1) Der Ausdruck für — - wird im zweiten Qua- 

dranten für das Minimum der Geschwindigkeit ehen- 
falls =3 0, setzt man hier vojp 'ä = 'If, gas ^ '^ß (wo 



366 • 

alsdamx ß den WixiLel der Kurbel mit CB bedeutet), 
so wird 

o^pr (- - Sin.^) + a'-ff'ilfSin.^, Cos.ß, 
oder 

~ « Sin, |3 -^.1^ Sin. /S, Cos. ß, 

und wenn bier , 

a 'HM' , 

SÄ '«t 

gesetzt wird^ ist 

(XUI.) ^=: Sin. /3(i -i'iaCos./2), 

IC 

so dafs also der Winkel q für das Maximum der Ge- 
scbv^indigkeit a» ^ — |3 wird, wenn ß nach dieser 
Formel aufgefunden ist. 

12) Um die Masse üf zu bestimmen, wenn Hy^Hi 
Uy ßy p und ^M bekannt sind , darf nur die Wirkung 
auf jßescbleunigung bis zu p ca a^ yoxk der Wirkung 
auf Beschleunigung bis zu q =^7r -^ ß abgezogen, und 
diese Differenz der- Wirkungen in Yergleichung mit 
den Beschleunigungen, welche während^ der Zwi- 
schenzeit die Massen ilf und 'ilf erhtten haben, gesetzt 
werden. Bezeichnet man bierzu die Wirkung auf 
Beschleunigung von ^ =: o bis qzz x mit ^tv, und die 
Wirkung auf Beschleunigung von ^saobb^=ssir*-*j3 
mit "w , so wii'd die von p =» ^ bis j = t — ^ er- 
haltene Wirkung auf Beschleunigung 

Man erhält aber die Werthe für "iv und 'tv aus 
der Gleichung für tv (N"**- 9 , Formel XI) , wenn man 
für erstere ^ durch t -- ß, und für den zweiten f 
durch u substituirt; also 

'Mf — * =zp r [— »(« — ß> — 8in. ver». (ic — ß) a + Sin. vcrs. «J. 



367 
Es ist aber 

(ir — /3) =- 3 — f , 

Sin. vers. (r — iS) sap i + Cos. ]3, 
Sip. vers. « = i — Cos. «, 
aTso 

"TV— '^=5/?r(2 — — ^ — Ä^i-'Cos,j3+i— Cös.ä), 

= pr[a -^^Jli^ _ (Cos. ß + Cos. a)], 
also auch 
^ //tv-'w==pr.[^(« + ß) + Cos.« + Cos. j5 — a?. 

Dieser Wcrdi von *'v/ — '^bringt in iW die Ge* 
schv^indiglLeitahöhe H auf die 'Ä", und in 'ilf die Ge- 
sch^yindigkeitshöhe M Sin^. le al^^ die Geschwindig- 
LeitshöJbie ^ffSin'^. ß, also ist auch 

"w- 'w = ( 'Ä^-i/) ilf + 'iSr Sin^. ^-. Ä Sin* . «, 
und daLer 

„ "w — 'wr — ff Sin«. P + Ä' Sin«, a 

H'^ff 

oder auch 

-_ 'w — ''«r + ifir Sin«» p — HSin^. a 

und v^enn hier tv' — w'^ durch seinen Werth aw 
Formel ^ ausgedrückt wdj ist 

A' /"C -^a + ß) +Co«, a +C. ß — «) + ^' Sin.» — iSr S.« « 

(XIV.)ilf«~^J S^^-^r • 

i3) Die Werthe von H und ^^ sind durch die 
mittlere Geschwindigkeit und die Gränzen bestixnini^ 
bis zu vtrelchen die gröfste Geschwindigkeit von der 
kleinsten verschieden seyn darf; gehört zu H die Ge-* 
schwindigkeit (7^ und zu '.ifif die Geschwindigkeit ^€} 



368 

und i^t ferner die mittlere Geschwindigkeit Q , die zu- 
gehörige Höhe ^, und C — C = e (? (wo e den Brueh 
angibt, mit we^lchem die mittlere Geschwindigkeit 
multiplizirt werden mufs^ um die Differenz der Grö- 

fiten und Kleinsten zu erhalten) ^ so ist^ weil ^ss 

und (7 — C' =5 e g ist, 

e =s 6 ( I + j. c) und 'C— g ( I - } e). 

Da nun 

^ : Ä : iP «» 6 « : C^ : C • ist, 

so ist 

Ä = $ ( 1 + J e)« und 'jy« ^ (i - i e)«} 

damit die Verminderung der Wirkung der Kraft durch 
die Veränderung der Geschwindigkeit, mit welcher 
sie fortschreitet^ nicht zu grofs werde, so darf die 
Differenz der Gröfsten und Kleinsten nicht zu be- 
trachtlich ausfallen (etwa höchst C -— O zz-^ Q, so 
dafs also e höchstens =:y^^ werden), wo dann 

(1+4^)^ = 1+^ '^d 

( I •^3'^)* = 1^ e 
gesetzt werden kann, und man hat 

H = § ( I + e) und 

'Är:^ (i -O 
und daher wird 
(XV.) 

I 

^[JL(a+ß) + C.« + C.ß-»]+ilf' r(i.e)8.»ß-(i-»)8.»a3. 

Mzz^-l ■— 

a e 

i4) Zur Berechnung von x durch Näherung, 
nehme man irgend einen Winkel -^ = a + A » ^ ^^^ 
setze den hierzu gehörigen Sinus aus der Tafel = z, 
den hierzu gehörigen Cosinus ss c , und den hierzu 
gehörigen Sinus nach Formel XI. =2;^^ so wird 



36a 



. -. = [i 4. a Cos. (« + A «)] 
und 






« 1 + Ä Cos. (d 4. A a)* 



Je naher der angenommene Winkel dem wahren 
ist, deito mehr nähert sich das Yerhältnifs 

A ^z : Az dem d^z : dz, 

man kann daher A 'z von A » dadurch ableiten, dafa 
man obige Formel fiir 'z differenzirt, also 

o=:[i + ttCos. («+Aä)J A ^z^^z u A »Sin^ecg 
folglich 

tt 's A 1; Sin. et 



A 'z = 'A Sin. X = 



I +ttGos. (a-f Aa/ 



In dieser Formel ist es erlaubt 
'jg = js =5 Sin. tc 
zu setzen,, und dann wird 

A a u z"' 



^A Sin. X =z 



\'\'UC 



Eben so kann A ^^ von A » durch Differenzi- 
ruog abgeleitet werden; und es ist daher 

Az s A Sin. X =i A cc* C0S4 « =: A » c, 
also 

A'ä-Aä = A « (-V— - <^)- 

Es ist aber 

2' =2 Sin* « + A' Sin. ä, * 
und 

2 =: Sin. X -i^ A Sin« «, 
idso 



379 

^z -^ z zz ^A Sin. « -* A Sin. ec , 



A « ( — ; — — C) == 'ä — Ä , 



mithin 
lind hieraus 

Aä «= --, 

|£ SS — C tt c* ' 

oder 



A tf 



r -^ IT e- MS 



Es bt aber 

2^ = 1 C% 

folglich 

- (S — 's) ( I -j- K ff » 

£\ X tass 

Für die Auffindung des Winkels ß hat man 

^ =5 Sin. ^ (i — 'm Cos. ß). 

Es darf daher nur in der Gleichung für A x statt 
^ Uf ^ ^u gesetzt werden^ um Aß zu erhalten; 

es ist daher 



Aß 



'I? — 2 'K 'ri. -f '« 



Die erhaltenen Differenzen Aec, A ß müssen von 
den anfangUch vorausgesetzten Winkeln u, ß, abgezo- 
gen oder dazu addirt werden^ je nachdem sie positiv 
oder negativ sind« 



m. Die Verbindung einer Dampfmaschine mit 
dem Krummzapfen, um durch erstere drehend; 

Bewegung zu erzeugen, 

i5) Wenn durch eine Dampfmaschine drehende 
Bewegung hervorgebracht werden soll^ so wird ent- 



37. 

weder die Kolbenstange des Dampfzylindera unmit-. 
telbar mit einer Knrbelstange in Verbindung gebracbt, 
welche mit ihrem einen Ende in die Warze d<;r Kur*^ 
bei eingehängt ist> oder die Kolbenstange ist mit ei- 
nem Balanzier verbunden , welcher erst duich eine 
Kurbelstange mit der Kurbel zusammenhängt, wo als* 
dann der . Balanzier sowohl ein- als zweiarmig seyn 
kann 3 wie aber auch« die Verbindung zwischen «der 
Kolbenstange und der Kurbelwarze seyn mag, so läfst 
sich für folgende Darstellung allemahl annehmen, dals 
der Weg, welchen der Kdlben auf einen Schub zu- 
rücklagt, dem Durchmesser des Kurbelkreises gleich 
ist, und dafs die Kurbelwarze die eine Hälfte des Kur-" 
belkreises bei' d^r aufwärts gehenden Bewegung, dm 
midere Hälfte aber bei der niedergehenden Bewegung 
des Kolbens beschreibt. Ist die Maschine doppelt 
wirkend^ und der. Druck desk Dampfes auf den Kol-> 
ben durch den ganzen Weg des letzteren gleich grofs 
(was alsdann Statt findet, wenn die öfiiuing, durch 
welche der Dampf aus dem Dampfapparate ' in den 
Dampfzylinder geht> während des ganzen Schubes 
offen bleibt); so ergibt sich das hier zu Suchende 
leicht nach vorhergehender Theorie des einfachen 
Krummzapfens, nur mufs alsdann das dortige /? als 
die von dem Kolben der Dampfmaschine her wirkende 
Kraft, und das dortige Pals die in der Tangente des 
Kurbelkreises widerstehende Last angesehen werden, 
so dafs also die Bewegung der Kurbel dem als Last 
wirkenden P entgegen geschieht. 

Wenn aber zur yörthcilhafteren Wirkung des 
Dampfes der Zuflufs aus dem Dampfapparate in 
dem Zylinder vor der Vollendung eines Kolben* 
Schubes abgeschlossen wird , so ist nie Kraft, welche 
hier in der geraden Linie wirkt , ebenfalls verän-* 
derlich, wodurch ein bedeutender Einflufs, sowohl 
auf die Winkel der Kurbel mit den der Kraft 
parallelen Durchmesser des Kurbelkrei^es für da» 

a4* 



37a ■ 

Maximum und Minimum der Geschwindigkeit der Kur- 
Lelwarze j als auf die Gröfse der Masse M^ zur Her- 
Stellung eines bestimmten Grades der Gleichförmig- 
leit^ entstehet, und defshalb erfordert diese Anord- 
nung eine eigene Behs^ndlung. 

Es sey hierzii 

die Länge eines ganzen Kolbenschiibes :zr . l^ 

die Länge jenes Theils hiervon, den der Kol- 
ben bei geötTncter Röhre aus dem Dampfapparat 
zurücklegt = 'Zj 

die Kraft, mit welcher der Kolben bei geöff- 
netem Dampl'apparat von letzterem her gedrückt 
wird 3=3 p\ 

^ die der Bewegung des Kolbens entgegen 
wirkende Kraft (welche aus dem Gegendruck vom , 
Kondensator, wenn der Dampf kondensirt wird,, 
oder aus dem Drucke der Atmosphäre, wenn 
er nicht kondensirt wird, und der Reibung be- 
steht) = ...,...... ';?; 

die Höhe der Kurbel , oder der Halbmesser 
des Kurbelkreises r=-|./=: r\ 

die auf die Kurbelwarze reduzirte Masse des 
Schwungrades c= . ., il/; 

die Masse des Kolbens , aller damit ver- 
bundenen Gestänge und des Balanzicr, letztere 
auf den EingrifTspunkt der Kolbenstange redu- 
zirt SS ^Mf 

der Weg, welchen der Kolben bis zu irgend 
einer willkürlichen Stelle seines Weges durchlau- 
fen haben mag = . X) 

für diese Stelle des Kolbens habe sich die 
Kurbel von dem der Kraft parallelen Durchmes- 
ser entfernt , um den Winkel = ^ ; 

die Wirkung, welche vom Dampfzylinder 
aus, sowohl auf Überwindung der Last als auf 



373 

BescUeunigung der Masse wirkte sey fiir ein za- 
gehöriges X ^ ^l ^=i .... . • . . • w; 

und für ar > /^ == 'tvj 

ferner »ey 

und 

p 

60 ist 

^ (XVI.) rftv = (p — 'p). dx 

«a p*. — -— . aar, 
folglich ^ , ^ 

(XVn.) W =5 I?. ^^-;p^. X 

Fiir or ^ '/ ist der Druck auf den Kolben in 
dem Verhältnisse kleiner als ;i , in welchem x grös- 
ser als //ist, es ist also dieser Druck 

und daher 

(XVm.) dw* « p^ -, dx ^p'. dx, ' 

'^ p i'l -^ — ^. d x), 
folgKcIi 

'w zssp ('/. log. nat. X . x) -{" K. 

» 

Es wird fiir x.sa'/ 

und dieser Werth gilt auch fiir 'w (Formel XVIII), 
wenn x zzU gesetzt wird^ und man hat also 



374 

^. /;.(,_ 1) = ;,.(//. log. nat. '/ -r -^ '0 i-K, 

= p. '/ (Ipgi nat. '/.- — ; + K, 

und hieraus folgt 

K = p. V. ( i — log. nat. '/). 

Dieser Werth statt K in Formel XIX. gesetzt^ 

^' . . . 

(XIX.) '«»=/» '/(i+Iog.nat. or-Iog. wat. 'l^-.-^.pjc. 

Für jc ^= l, drückt diese Formel die Wirkung auf 
flen ganzen Schub aus ^ bezeichnet man diese mit FF, 

An ist 



SO ist 



L 

/r=;^'/(i + log-nat.y) — ^, t/^ 

und wenn m^n hier statt '/, — , . 

und anstatt -- , m setzt, 
fo folgt 

(XX.) ^r = /7./.^(i +log. m)^-^/.;i, 

durch das Zeichen log. imni^er der natürliche loga- 
rithmus ausgedrückt ist.) 

i6) Der.Wirkun;; der Dampfmaschine wirkt die 
Last P im Umfange des Kurbelkreises entgegen , und 
wenn m<in für irgend einen Winkel q diese Wirkung 
in der Richtung der Bewegung mit i^ bezeichnet, so 
wird 

(XXL) dv ^^ P. rdq, 

^nd 

(; = — P. 7\ 4- Const. 



I 





375 

also V "sea g für q^^o, daher aach Const. =3 o onct 
daher Tollstandig 

<xxn.) P « - P. r. j. 

Diese Wirkung werde ■» p^ 

• fiir Q 9m r'f so wird 
(XXin.) V ^ ^P.r.r. 

Diese Wirkung mit der nach Formel XXI. susam* 
mengenommen, gibt die Wirkung^ welche während 
^ines ganzen Kolbenschuhes auf Beschleunigung wirkt ; 
es soU aber die Warze nach Durchlaufung des ersten 
Halbkreises am Ende von diesen mit derselben Ge* 
schwindigkeit ankommen^ mit der sie am Anfange des- 
selben ausging ^ damit sie im zweiten Halbkreise mit 
eben dieser Geschwindigkeit anfangt^ also mufs 

oder 

V'l' ("•(» + log- 1») — T^) •- jP- '•• « == • 
seyn , und hieraus erlialt man 

Es ist aber /es 2 r^ also 

und wenn man den Faktor 

--- ( I + log. m) =: ^* setzt, so wird 

(XXIV.) P =ä -i, ;?. », 

^so dafs dieser Ausdruck nur durch den Faktor i von 
]enem Formel X verschieden ist). 

17) Um nun die Wirkung auf Beschleunigung^ 



376 

fiir jeden Werth von f ausdrücken zu können , m\a(s 
für irgend einen Werih von , der von w oder 'w 
fXVM. und XX,) XU i^ (Formel XXll.) genommen wer- 
den j hierzu v^ird aber erfor4ert jc durch r und ^ aus- 
zudrücken^ da aber • 

X =a r. Sin. vers, q 

istj so wird 

dwtsa-p. . r, <f . Sin. vers. j, 

oder 

(XXV.) dw^ss^p.r. • . Sin. j. dq, 

und 

(XX VI.) w :=: p.r. . Sin. vers. p, 

ferner 

d^w^p ('/. — - — '. s- r.d. Sm. vers. A 

' ^ r. SiJi. vers. p ä '^' 

oder weil 'Z =: — ist. 



,1 r Sin. A. ^ a 



^ ^ '^ ^m Sm. Vitra, p n ^ ^* 

^p.r (— . ■ . '^ — — Sin. 0) rfö, 

'^ ^/n Sin. t».p n s ^ sf 

und 

'TV:±= /7 '/ ( 1 + log, -J) -- A p.X, 

ir . ' r. Sin. V. p. /n i _. 

=/'•—(' + ^^e- TT^ 7 '^ ^- Sm. V. j, 

(XXVni.) 'iv=:;i. r. (^ (i + log. :!lÜpP) «. 1 Sin.v. q) 

Setzt man nun die Wirkung auf Beschleunigung 
iiir or < '/ = "w, 

und für • . . , o: ^ '/ = '"iV, 

so ist 

, , "w = tv + t'^ 



377 
oder 

"tv === p.r. . Sm. V. j — Pr. p, 

und hier den Wcrth P aus XX *V. gesetzt^ 
so vrird 

(XXIX.) "tv = p. r. . Siii. y. q . p. L r. j 

SS3 p. r. ( . Sin. V. j . L j}. 

Das Diflferenziale von "tv wird 
e= dtv + £it^, 

wxs p.r. . Sin. q. d\j ^ p.r.-^ . Ldq, 

oder 

(XXX.) d "w 8= ;? r ( . Sin. p —--•*") 4 f. 

Für^c=io sey die der (ieschwjndigkcit der Warze* 
zugehörige Höhe gleich h, und für jeden anderen 
Werth von f, gleich 'Ä, so ist die Wirkung auf Be- 
schleunigung der Massen , während der Bewegung 
durch q, durch M, 'My h und % ausgedrückt^ oder 

"tvs=«'Ä(3/+'ArSin\5)^ hM, 
und 

(XXXI.) 
£i"tv=d'Ä(yI/+'ilf.Sin^ p)+ a 'Ä. 'iJf. Sin. f, Cos. f, rf f . 

Dieser Ausdruck mit Formel XXX. verglichen, 
giht 

p.ri .Sin. Q«-^. *)^2'Ä'^f,Sin. otlos- o 
(JUULU,>-p^=:-- Af + ^M Sin», p 

■^ « 

i8) Für p BS o ist das statische Moment der Kraft 
rr o ; da nun das statische Moment der Last unverän- 
derlich ist^ so wird im Anfange eines Kolbenschubes 



37» 

•die auf Beschleunigung wirkende Kraft negativ , alsa 
die Bewegung vera^ögemd ; für irgend einen Werth 
von p :r tt genet die Verzögerung in Beschleunigung 
iiber, hier ist also die Geschwindigkeit der Warze 
ein Kleinstes. Bei fernerer Bewegung geht die Ver- 
zögerung wieder in Beschleunigung iiber^ und da die- 
ses in dem zweiten Quadranten geschieht, so setze 
man hier vor g =a ^ — ß. 

Wenn die Zahl m, wie für die Ausübung ange- 
nommen werden kann , nicht über lo wird^ so fällt ^^ 
noch innerhalb der Gränze von q^ in welche x^*l 

d'h 

ist. und innerhalb dieser Gränze eilt für -r- der 

Werth in Formel XXXII; setzt man, dafs für das 
Minimum der Geschwindigkeit« der, Warze dieser 
Werth ess o für ^ sa «, und ^A csr JT* werde , so ist 

If— - I 3 __ 

o=:/?.r. ( . Sin.«——, i) ^aHJMSuuuyCosBL^ 

also 

-y. ^ asa , Qm.«— ' . om.xs. Los. ff. 

oder 

— . l. ' = Sm. Ä ( I — ; tiOi. (€• ) 

Setzt man hier 

SO wird 

— . *. =* Sin. Ä ( I — u Cos. ä) • 



oder 



(XXXm.) Sin. « 



% n 

— • I. 

« H — 1 



— • 



1 — U» Cos.« 



379 

Sucht man hier u wieder durch Näherung, indem 
man für einen angenommenen Winkel A= x*); l^ x 
den Sinus nach den Tafehi sa ...... z) 

den Sinus nach obiger Formel =:.... ^jz ^ 

und den Cosinus nach den Tafeln ss . . c ; 

jietzt; so wird 

(XXXIV.) A« = ^'-^'^^\7^\ 

19) Wenn m nicht unter a wird, was ebenfalls 
für die Ausübung angenommen werden kann , so fällt 
der Werth von j «= ^ — ß, da dieser im zweitea 
Quadranten ist, nothwendig innerhalb der Grunzen 
der Bewegung, innerhalb welcher x '^ Ü ist, und 
es ist die Wirkung auf Beschleunigung der Massen M 
und 'Mf während der Winkel t ^ ß voü der Kurbel 
durchlaufen wird, gleich ^^^w gesetzt, 

und wenn man die Werthe von ^w und (^ aus Formel 
XXVIII. und XXII. nimmt, so wird 

(XXXV.) 

- (i + log. — _ i.)_-Sinv. Q--. i: i), 

femer ist 

und wenn man die Werthe von d ^w und d y au3 For- 
mel XXVII. und XXI. setzt , so ist 

d '"tv = p.r (-r . ' ' - ^ r Sin.p) d -^ P. r. d g, 

und statt P seinen Werth aus Formel XXV gese^t 
d '"wsssn. r. (-^. ~-^ — — Sin. p . i) dp, 

* ^ m Sin. V. p n ' ic ^ 

Dieser Ausdruck ist aber auch gleich 
d^h (M+^M^\n\ g) + 2. 'A. 'Af. Sin.f , Cos.p, df. 



38o 
also 

(1 Sin.« t 0. ii A 
— . C ^ Sin. f «) 
^_^ fn Sin. ▼« p n ' it / 

57 ~ ilf + ' jlf Sin*, p 

Dieser Ausdruck wird s5 o für das Maximum der 
Geschwindigkeit der Kurbelwarze; setzt mau unter 
dieser Bedingung j »= t — ß, und *h =» 'Ä^^ sa 
wird 9 da 

Sin^i> (t-/3)=ii +Cos. ß 

iSty 

C* gl 

I 

Es ist aber 

daher 

*wg' * /3 =7- (7^+ -^ Sin. ^~ '-;;f7-- Sin. ß, Cos. ß). 

Setzt man. hier 



p.r 

SO 'Wird 



SB 'a 



(XXXVI.) 

tang. |. j3 =« — (— . f + — Sin. j3 — ^u. Sia.ß, Cos. j2). 



« « 



:io) Es bezeichne hier z, fz, A, ^A.das fiir die 
Tangente^ was diese Zeichen früher für die Sinusse 
anzeigten^ so erhalt man 

'A tang. iß=sAß. 7 . Qf, Cos. ß + u (1 - a Cos*. ß)\ 
«Aß.— ^a — (3 u Cos, ß — 7) Cos. ßV 






» 



38i 

Es ist aber auch 

Atang.iß=A. ^"-'^ ^^ Co,.g(. + co..p)+Sin..p 

<"**"g-af "', + Cos.ß "'^ (i+Cos.p)« 

^ Cos. ß 4 Cos«, p + Sin«, ß 

"■ ^' (i+Cos.^)» 

~^^- T+cäTß' 
und 

'A tang. ^ ^ — 4 **"S- -tf iS s=a 'ä — a 

=.A^(^[«-.(a«Co8.^-^) Cos. ^]-_j-2--^), 

also 

(XXXVn.)Ai3 



^ i.l. 



ai. Sind u und /3 aufgefunden^ so berechnet 
man die Wirkung auf Beschleunigung yon ^ «=; o bis 
g s=: X nach Formel XXIX. ^ diese gibt aber für ^ zsre 

//tv =p. r. ( . Sin. v. a — — . £. x), 

((ä I) (l— Cos. «) 2 ^ X 

— — 7- H''' *> 

Ferner wird die Wirkung auf Beschleunigung 
berechnet von j =; o bis ^ = (t — ^) nach Formel 
XXXV , und nach dieser erhält man für ^ = ^ *-, ^ 

-(I +log.— — -i— Si), 
-^.Sin. V. (T-J3) - ^. i'{r^ß)y 

Die Differenz dieser Wirkungen bewirkt in den 
Massen M und 'AT von ^ = ä bis g 5= -r — ß eine sol- 
che Beschletmigung^ dafs durch die derselben zugehö- 
rige Änderung der Geschwindi^keitr der Warze die 



38a 

hierzu gehörige Höhe von H in *H übergeht \ es ist 
daher 

i/'tv-."w=Jlf CÄ-.^ + 'i»f('Ä^Sin^ /3-Ä^Sin»j4 
also 

/vwXTTTr N TUT '''«»—/> — 'i>/ (ÄSin^. ß — JlSin«. a) 
(AAAVlliO ilf 5=8 ,^ _ ,y . 



verbesserter Stofslieber oder hydrauli- 

scher Widder- 



i^r 



JLlie Zelchniung dieses SiofsheI)erSy \^elche sich 
auf TafeM.^ Fig.jE" befindet ^ ist nach einer Maschine^ 
von Mr. Anton Boyer in London erbaut^ nach den 
durch Ml". MilUngton angegebenen Verbesserungen. 

A ist eine mit anderen in Verbindung stehende 
Röhre ^ von Holz öder £isen^ Von i8 bis 3o öder 
4o FuTs Länge ^ nach dem Verhaltnifs ihres Durch- 
ihessers. Diese Röhren liegen in einer geneigten 
Richtung von dem V^asserbenälter ; so dafs sie bei B 
die grüfste Tiefe erreichen. ' Das Ende c der letzten 
Röbxe ist verschlossen , und der ■ Austritt des Wassers 
blofs durch eine in der Platte befindliche runde 
Öffnung D jgestattet. ^ 

Diese Öffnung .ist mit einer sich nach innen öfiT- 
netiden Klappe d verschliefsbar^ welche so eingerich- 
XMi ist j dafs sie durch ibr eigenes Gewicht im Was- 
ser niedersinkt^ wenn dieses Wasser obne Bewegun;; 



383 

ist^ oder nur eine geringe Bewegung hat Setzen wir 
nun y die Röhre j^B erhalte Wasser aus dem Behäl- 
ter 3 so wird dieses Wasser zuerst um die Klappe durch 
die Öffnung D ausströmen : , aher sobald es durch die 
Bewegung eine gey^se Kraft erlangt hat^ so wird es 
durch den Druck auf die Klappe diese aufwärts drük-^ 
ken und schliefsen ; so dafs der Ausflufs des Wassers 
augenblicklich gehemmt ist. DasMoment der Bewegung 
äufsert nun seine Wirkung aufwärts durch die öfinung 
£ in den Windkessel^ xmd treibt das Wasser in die 
Steigröhre G^ » 

Da die Wirkung des Stofses , welchen das Was« 
ser hervorbringt , augenblicklich ist , so ist eine zweite 
Klappe (^ angebracht 9 zwischen dem Luftkessel und 
der Kammer JE, unterhalb der Steigröhre Gy so dafs 
das Wasser^ welches durch den Rückstofs in den 
Raum i^ getreten ist^ nicht mehr zurücktreten kann. 

Der Stofs des Wassers bei der unterhrochenen Be- 
wegung ist so plötzlich Und heftige dafs er in der Röhre B 
eine Ausdehnung herrorbringt ^ auf welche plötzlich 
wieder eine Zusammenziehung und ein relativ leerer 
Raum in B erfolgt^ vermöge der Tendenz des Was- 
sers nach ji zurückzukehren : dadurch fallt nun die 
Klappe d nieder^ und das Wasser fliefst wieder durch 
die Öffnung J) aus, bis es die Klappe wieder schliefst, 
dadurch der Rückstofs wieder eintritt, und eine neu« 
Quantität Wasser in die Röhre G gehoben wird. 

Es ist klar, dafs die Klappen d und (^ in ihrem 
Gewichte einigermafsen adjustirt seyn müssen« Frü- 
her bewerkstelligte man dieses, indem man diese Yen* 
tile aus hohlen messingenen Kugeln verfertigte, mit 
einer öfihung an einer Seite, durch die man Blei- 
stücke einlegen konnte. Die Öffnung wurde mit einer 
Schraube verschlossen, deren Verlängerung zugleich 
den Stiel zur Leitung der Klappe bilaate, Ol^ei^halb 



•384' 

V war gleichfalls eine Schraube angebracht^ .um die 
Hubhöhe des Ventils zu reguliren^ und es festzu- 
halten. 

Bei der neuen Einrichtung ist jedoch bei 9 eine 
Klappe mit Charuier angebracht^ wodurch die Maschine 
vereinfacht, und die Reparatur erleichtert wird. Das 
Gewicht des Ventils D wird regulirt , indem auf dem 
Griff w kleine Gewichte von Gufseisen angebracht 
werden. / 

Man hatte die Erfahrung bei der alten Einrich- 
tung gemacht^ dafs nach einigem Gange des Stolshe* 
bers die Luft in F allmählich absorbirt wurde und 
endlich ganz verschwand; und das Wasser, indem 
so der Windkessel seine Wirkung verlor, in G zu 
keiner bedeutenden Höhe s^icg- ' 

Diesem Fehler begegnet nun die Kammer J?^ 
welche zwischen dem Windkessel und der unteren 
' Röhre jB liegt. Die Luft, die in diese Kammer tritt, 
häuft sich in dem Räume ff ff an, und gleicht nicht 
nur die Wirkung auf die Klappe 9 aus, sondern macht 
auch die ganze Bewegung weniger plötzlich. 

In kleineren Maschinen erhält ffff den Ersatz 
der Luft durch' das Fallen des Ventils /?, wodurch 
eine kleine Quantität Luft mit nieder gebracht wird. 

Bei gröfseren ist es nothwendig, ein kleineres 
Saugventil anzubringen , .an der äufseren Seite von E 
bei K^ mit einer Feder, um sich nach innen zu öJP 
nen* t)ie von Zeit zu Zeit eindringende Luft häuft 
sich in f{ff, öder geht endlich durch 9 nach F* 

Die Röhren Jj B haben von t J bis 6 Zoll Durch- 
messer , und die Steigröhre G i i Zoll oder weniger. 
rtie Klappe D macht 5o bis 70 Schläge in der Minute } 






385 

mit 6 Fufs Fall von dem Was;6erbeliälter \7t1rde Bei 
ledern Stofseietwa $ Pini« Wasser auf die Höhe voa 
3o Fufs ausgegossen. 

Bei einer andern Maschine wurden 100* Hogs-* 
heads Wasser in '2^ Stunden auf eine senkrechte 
Höhe von i34 Fufs, bei einem Fall von nur 4^ Fufs 
gehob^i. * X 

Peter NonaiUe, Esq. zu Kent^ errichtete eine sol- 
che Maschine nach den in der Zeichnung angegebe- 
nen Dimensionen, mit welcher er Wasser von einem 
niedrigeren in einen höheren Teich hebt, die Goo 
Fufs von einander liegen , in der Minute ein Gallon 
Wasser, bei einer Höhe von a4 Fufs, mit einem Fall 
von 4 oder 5 Fufs. 



Das Torfwesen im Königreiche Böhmen, 
in geognostischer und technischer 

Hinsicht. 

Von 

•/. ^» S r e ffiy . 

fftrsth Cari von Auertperg'aehen Bergamts- Adjanliten« 



W eichen Yorrath an Brennmateriale für ki^nß. 
tige Generationen die Natur in denKohlenflötzenmeh* 
rerer Kreise J9dÄme/i^ auf bewahret, und welcher wich- 
tige Ersatz fiir Brennholz aus der Benutzung dersel- 
ben jenen Gegenden zufliefst, wo der Mangel des er-% 
steren bereits fühlbar i^t, i^ciget die gehaltvolle par>- 
Stellung dieses Zweiges von Öerm Professor Biepel, 

^Ahrb. i, poljt. lapt. UI« B^ ^5 



380 

in dem zwcitei^i Bande der Jahrbüclier des k. k. poljt 
Instituts. 

Diesen so reichen BrennstofTaiederlagen können 
füglich die Torfmoore, deren Böhmen in allen 
Kreisen von der Gröfse mehrerer hundert Quadi'at« 
. Klaftern, bis zu jener von mehreren tausend Zechen 
in auffallender Menge einschliefst, an die Seite gesetzt 
werden; wovon jedoch die wenigsten weder gekannt, 
noch benutzt wurden. Die hohe Hofkaromer imMunz- 
und Bergwesen hat daher auch in Böhmen diesem 
Industriezweige eine würdigende Aufmerksamkeit 
geschenkt, und durch Eröffnung eines Torfstiches 
und damit verbundene Ziegel - und Kalkbrennerei in 
den Goftesgaber Mooren aes Joachimsthaler Berg- 
revieres den ersten Fingerzeig zu ähnlichen Unterneh* 
mungen in den nächsten Ebenen und den weitem 
Umgebungen gegeben« 

Der Wunsch, zum allgem^nen Besten mitzuwir- 
ken, die Gelegenheit, meine auf Reisen gemachten 
Erfahrungen während der Leitung eines bedeuten- 
den Torfstiches durch die vielseitigsten Versuche im 
Grofsen berichtiget 2u haben, unterstützt durch die 
lehrreiche Mittheilung des Herrn Guberniai - und Kom- 
merzienrathes Neumann,, aller hierauf Bezug nehmen- 
den kommerziellen Ansichten und ^taatswirthschaft- 
lichen Rücksichten^ veranlassen mich zur Öffentlich- 
keit dieser Bemerkungen, die zugleich als Vorarbeit 
für Männer dienen mögen , welche bei weniger 
beschränktem Mafs an Zeit und Hülfsmitteln ihre Ein- 
sichten der weitern Bearbeitung dieses Gegenstandes 
widmen wollen. 

Die ausgedehntesten Torfmoore sind unstreitig 
jene in dem Rücken und der südlichen Abdachung des 
Erzgebirges^ in der Richtung von Katharinenberg 
über Schmiedeberg, fFiesenthal, Gottesgab, Grajs- 



387 ' 



lUz y bis in diä Ebene zwischen Seebach und Fran^ 
zetisbrunn bei Eger^ worunter sich j^nes bei Kalichf 
durch die von dein Herrn Grafen von Bouquoi mit 
gewohnter Sachkenntnifs ausgeführte Benutzung zum 
Betriebe der Rothenhauser Glashütte^ dann jener von 
Gottesgab durch zweckmäfsigen Abbau besfonderd 
auszeichnen. 

V 

Mehr vereinzelt, doch nicht miridcr ergiebige 
sind die Torflager an den Hochebenen des Zinngebir-; 
ges, zwischen Schlaggenwald y Königswart und 
l^pl, deren einzelne Lager, wie jenes zum Behufe 
des Schlaggenwalder Bergwerkes eröffnete zu Schön^ 
feldy eine Mächtigkeit von drei bis fünf Klafter haben. 
Die Moore um Schlaggenwald und Königswart ha- 
ben einen bläulichen, unmittelbar auf Gneifs auflie- 
genden Letten zur Unterlage , während die Moore 
von Topeltheüi an dieFüfse der Basalt- und Serpen- 
tinkuppen hingegossen, oder über das Granitplateau, 
aus dessen Lmerem die unzählbaren kohlensauren Luft- 
und Sauerbrunnen -Quellen zu Tage treten, verbrei- 
tet, theils auf aufgelösten Talk, theils eisenschüssi- 
gen Thon gebettet sind. 

in der Nähe Aqs PrämonstratenSer-Siihes liefi* 
der verstorbene Herr Abt, Rerymund Hubel, eined 
Torfstich zum Betriebe des obrigkeitlichen Hochofenfll 
eröffnen, wegen mehreren Waldunfällen durch Raü- 
penfrafs und Dürre aber wieder eingehen. 

Der klattaitery Prachiner undBudweiser Kreii 
schliefsen die gröfsten Moore ii;i den Östlichen Sen- 
kungen des Böhmer-WMes, deren eines die Gebrü-^ 
der Hafenbrödel benutzen , als Hochmoore ein. 

Die Moore des. Czaslauer, Chrudimer, Bidscho* 
wer und Bunzlauer Kreises, mehr den Niederungeit 
des flachen JLandes angehörig, bilden Lager von miiii^' 

s5 * 



3Ö8 

derer Quadralfläche , und der gewöhnlichen 4* hU 9- 
schlihigen Teufe; eignen sich aber um so mehr zu 
einem vortheilhaften Abbaue^ da selbe meistens in 
den holzärmsten Gegenden vorkommen^ und durch 
ihre Lage in den fruchtbarsten Qegenden, z.B. das 
Lager von Libischen, auf der Kameral - Herrschaft 
Pardubitz^ von 1000 Metzen Area und 6 bis 8 Schuh 
Mächtigkeit , dem Ackerbau beträchtliche Ländereien 
v^egnehnien^ die nach der Austorfung und Abzapfung 
des unteren Grundes zu den reichsten Wiesenerxräg- 
nissen gebracht werden könüten. 

* * 

In Beziehung dieser zweifachen Benutzung auf 
Torfund Kultur des Untergrundes^ verdient das Wie- 
senmoor in der Nähe der Kreisstadt Chrudim , auf 
der Herrschaft Nassaberg, welches von dem thätigen 
und geschickten Ol^ergärtner , Herrn Ochsenhauser, 
entdeckt^ und von dem um die böhmische Industrie 
hoch verdienten Fürsten Karl von jiuersperg dem 
iLukawitzer Bergwerke zur Benutzung angewiesen 
wurde ^ um so mehr eine nähere Erwähnung^ als 
selbes. mit den Lagerndes Chrudimer und Bunzlauer 
Kreises y und nahmentlich deni auf Veranlassung des 
Chrudimer Herrn Kreishauptmannes und Gubernial- 
rathes Jahn von mir untersuchten Lager zu LibU 
sehen y eine in geognostischer Hinsicht merkwürdige 
Ähnlichkeit hat« 

Dieses Moor liegt 2000 Klafter südlich von Chru- 
dim entfernt^ auf einem über das Flufsbett der Chru* 
di*vka kaum 4 Klafter erhabenen ^ von Märgelschiefer 
koDstituirten^ in Süden und Westen von Granit- und 
Sienitgebirgen begränzten^ in Norden und Osten sich 
an die Ebenen des Kreises anschliefsenden Sinken 
ff^orlina, dessen gröfste Niederung einstens Seegrund 
und mit dem Flusse vereinigt gewesen seyn mag^ 
nach dem Durchbruch der Märgelschiefer-Rücken im 



589 

Norden von Chrudim erst austrocknete , und^ick in 
Beiuer jetzigen Form darstellte. 

Das Niveau des^ stichwiirdicen Laders beträgt 
i^ Klafter gegen das Flufsbett^ oer Fläcn<minhalt et-' 
was über hunderttausend Quadratklafler^ die Mäch« 
tigkeit in der Mitte 4 y ^^ ^^^ Ausbissen n Schub : 
die Bruckerde bildet eine fast durchaus gleich lo — m 
Zoll starke^ mit Gras benarbte Decke, vrorauf ge- 
v^öbnlich Erophor. poljrstach. und yagiratum, ge- 
gen die Ausbisse auch Plantago und Leontodon tara- 
xacon vegetiren. Zunächst der Bruckerde folgen die 
Torfarten, und zwar* 

I ) Stimpftorfy gewöhnlich nelkenbrann, mit wenig 
Spuren von vegetabilischen Resten der Urform, 
dem Äufseren einer verwitterten Braunkohle 
ähnlich, nur in Ausbissen und unvermischt mit 
dem Folgenden vorkommend , theils auf blauen 
Letten^ mitunter mit Märgelschie£ergerölle^ am 
häuGgsten auf Kalkmulm aufliegend. 

^) Heidetorf y schwarzbraun, aus wagrecht über 
einander liegenden Schichten von theils pLitt* 
gedruckten Schilfstängeln , theils verworren 
fasrig gewebten moofs- und farrenkrautähnli- 
chen Pflanzen, auf derselben Unterlage .wie 
N'""' is, und immer in der Mitte des Lagers. 

Rein abgeschnitten vom Torfe formirt auf zwei 
^ Drittheile des Lagers ein graulich - weifser Kalkmulm 
(Aggregat von ganzen, halb zertrümmerten und in 
Staub aufgelösten Muscheln, mit TorfTasern vermengt), 
von 3 Schuh Mächtigkeit, als erstes Glied, dann, 
wo dieser fehlt, ein blauer Letten als zweites, und 
in Ermanglung desselben, ein MärgelschiefergeröUe, 
das unmittelbar auf dem Ganzen aufliegt, die Un<r 
terlage. 



300 

Für den Ökonomen mag das Vorkommen des 
obigen Kalkmnlms eine interessante Erscheinung seyn, 
da dessen Quantität und lose Form eine kostenlose, 
und so ausgedehnte Anwendung gestatten, dafs tau- 
sende von Jochen saurer Moor- und Wiesengründe 
EU den reichsten Erträgnissen gebracht werden 
köxmen. * 

Die Gewinnung geschieht auf die gewöhnliche 
Art mittelst Abraumspathen und winkelhakigeh 
Stechmessern , durch einmahligen Abbau in 4 Klafter 
breiten , und mehreren himdert Klafter langen Auf- 
ischnitten. Die Ziegeln werden, da der Bedarf blofs 
zum Werkskonsummo bestimmt ist, etwas gröfser, 
und 9war zu iioo Kubikzoll gemacht. Übrigens wird 
blöfs die Bruckerde zur Kultur im Untergrund ge- 
stürzt, das TorfUein, aber gleich vom Stich weg in 
hölzernen Kästen getreten , und in den Handformen 
SU Ziegeln geschlagen, niit dem Stichtorf in Hohlhau- 
ien geschichtet, und in langen Reihen mit Luft- und 
Fahrgassen zum Trocknen gebracht , aus welchen 
dann Abfuhren, theils in die Yorrathsschupfcn , theils 
in die mansardischen Haufen nach den Witterungs- 
Umständen eingeleitet werden. 

Die in meinem Probesudapparate zur komparati- 
ven Ausmittelung des Wäirmeeffektes verschiedener 
Torfarten zum weichen Brennholze angestellten Ver- 
suche gaben folgende Resultate. 

Zum Verdampfen von »4o Pfund Flüssigkeit waren 
erforderlich: , 

vom Fichtenholze . . . . i5 Pfund 
' » Gottesgaber Sumpftorf .11^ » 

» » Heidetorf . i3^ » 

» Kalicher » • i4t * 

» Marienhader Sumpftorf i3^ » 
» » Heiaetorf |ia| » 



t 



vom Schlaggenwalder Heidetorf i4 Pfund j 
.» Heiligenkreutzer 
aus dem ß'öhmerwalde • • • • x6 » 



Da die durchschnittliche spezifische Schwere 
ohiger Torfarien sich zum Fichtenholze wie 35 : !\o 
verhielt^ so wäre der Wärme - Effekt von 73 Kubikfufs 
in Haufen mit \ Zwischenraum aufgeschichteten Tor- 
fes einer Klafter Fichtenholz von' zweischühiger 
Scheiterlänge gleich zu achten. 

Ein Kuhikfufs des lern trockenen Torfes vom 
Chrudimer Lager wiegt ohne Zwischenräume von 18 
bis 32 Pfund. 

.Nach den im Grofsen damit angestellten Versu- 
chen, sowohl bei Siedeanstalten als Destillationen des 
rauchenden Vitriolöhls auf den chemisch - technischen 
Anlagen zu Gv6k^ Lukawitz^ welche durch die Man- 
nigfaltigkeit ihrer Erzeugnisse und die unermüdete 
und zweckmäfsigste Leitung des Herrn Bergrathes 
Schrottenbach . zu den ersten Anstalten der Monar- 
chie sich empor gehoben haben , waren zur Equiva- 
]irung einer Klafter Fichten- und Tannenholz von 
zweischühiger Scheiterlänge ^ erforderlich: 

von Sumpftorf ... 60 Kuhikfufs^, 
T^ Heidetorf ... 100 ^ 
mit ^ Zwischenraum^ daher im Durschschnitte beider 
80 Kubikfufsy weiches auch^ da die Zählung nach 
Stücken ^ oder die Vermessung nach Körben bei gros- 
sen Werken nur schwankende Berechnungen Veran- 
lafsty zur Norm fiir die Aufschlichtüng und Verwen- 
dung angenommen wurde. ' 

Den ökonomischen Nutzen der Torfasche bewäh- 
ren die in England zur Gewinnung derselben eigens 
abzWeckende Vorrichtungen^ und die von dem furstl. 
Oberamtmanne^ Herrn Ki^eybig y auf allen Höfen de$ 



^92 

Domioiuma angestellten Versuche haben aucli hier 
alle Erwartungen gerechifeirtiget. 

Die Bestandtheile derselben , wie sie das Berg- 
"werk dem Wirthscbaftsamte überläfst ^ sind in i oo : 
Eisenoxyd .4 .««•*.. 5 
Tbon - und Kieselerde . .* . • 46 
kohlensaurer Kalk ....•• 6 

ätzender Kalk 4 

schwefelsaurer Kalk 38 

Verlust ♦ • I 

Ein über alle Anpreisung erhabenes/ günstiges, 
Mischungsverhältnifs zur Beförderung des natürlichen 
tind künstlichen Wieswachses ! ' 

100 Tfaeile des erwähnten Kalkmulms, aus no 
in die Vierung genommenen Schürfen^ ergaben: 
an kohlensaurem Kalk . * . . 78, 
» Kieselerde ....... 19^ 

» Torffasern . . . . . . . , 3. 

« 

Nach dem Stichbetriebe des Jahres 18^1 entfal- 
len bei einer Durchschnittsmächtigkeit von 3 Schuh 
auf einer Quadratklafter Moorland^ mit Benützung des 
TorfUeins auf Streichtorf an kerntrocknem > Brenn- 
luateriale 90 Kubikfufs^ welche für obige Fläche des 
Ganzen, neun Millionen Kubikfufs Torf, und sonach 
einen Ersatz von hundert zwölftausend Klafter 
izweischuhigen weichen Brennholzes ergeben. 

Nach dieser Berechnung läfst sich der Werth ei- 
nes Moors , dessen Teufe in ider Mitte und den Rän- 
dern erschöpfl ist, mitVerläfslichkeit schätzen, wenn 
bei einem Torf, der in irocknem Zustande tmter ^5 
Prozent Asche ipach dem Verbrennen zurückläfst, auf 
jede Kubikklafter nasser l^orfmasse, mit fiinf Sechstheil 
Wassergehalt, zwei Klafter gut geschlichteten, zwei- 



t 



« 



393 

6chuhigen weichen Brexmholzes angenommen wer- 
den. 

Obige Berechnung zum tjrundei gelegt^ enthal- 
ten die Moore 

hei Gottesgab , . i^äoo^oöo Klafter^ 

> Schmiedeberg, PFeigerth und 

'^ Prefsnitz 600^000 » 

€. Schlaggenwald nnA Schönfeld i^aoo^ooo » 
» Topel, Königswarth und Ma- 

rienbad 'a,ooo,ooo » 

w Libischen y Pardubitzer Herr- 
schaft . ........ Soo^ooo » 

9 Chrudim, wie oben .... iia^ooo » 

' In Einem sechs der beträchtliche- 
ren Moore • 6^3 1 2^000 Klafter. 

Wie sich dieses Quantum xur LoLahnasse aller 
Moorsirecken des Landes verhalte , wage ich aus 
Mangel verläfslicher Daten nicht anzugeben ; indessen 
dürfte es kaum den zehnten Theil betragen^ indem 
die nicht einbezogenen Moore in der Nähe der /{o- 
thenhauser Glashütte bei 8 Ibis i :i Schuh Mächtigkeit 
an 3 000 Metzen Area^ die Moore bei ^emnc^^änf!, 
GraJsUtz und Franzensbrunn , über 6000 Metzen 
einnehmen sollen. 

Bringt man die Hochmoore des J9d/iiiterwaldes^ 
und die sämmtlichen Wiesenmoore der übrigen Kreise 
in Anschlags so gibt die Totalberechnung nach der 
allermäfsigsten Schätzung einen Vorrath an Torf^ des- 
sen nähere Untersuchung durch die k^ k. Geometer 
bei der allgemeinen Dominien - Yermiassung eben so 
wünschenswerth ^ als u(i Beziehung einer nach den 
Lokalumständen modifizirten Benutzung för das All- 
gemeine sowohl^ als^den Grundbesitzer nützlich und 
nothwendig wiire« 



«WMHIBl^KHIi 



394 



XXI. 

Beschreibung des serbischen Spinnrades. 

Von 

Karl Karmarsch j 

AMistcnten des Lehrfaches der Technologie am k.h. polyt. 

Institute. 



Jn der ungarischen Militargränze bedient man 
sich eines Flachsspinnrades ^ welches vor wenigen 
Jahren durch geflüchtete Serbier daselbst eingeführt 
wurde ^ und welches wegen der Schnelligkeit, mit 
welcher man auf demselben spinnen kann y merkwür- 
dig ist. Da seine Erklärung eine vollkommene Be- 
kanntschaft mit der Einrichtung eines gewöhnlichen 
Spinnrades voraussetzt^ und eine richtige Würdigting 
der Art^ wie das zu beschreibende serbische Spinn- 
rad seinen Zweck erfüllt , nur durch Vergleichung 
desselben mit dem gemeinen Rade erreicht werden 
kanUji so wird eine kurze aber deutliche Beschreibung 
des letzteren hier nicht am unrechten Orte seyn. 

I 

Das gewöhnliche Flachsspinnrad (Taf. V. Fig. 1 1.) 
besteht, wie bekannt, aus einem grofsen Rade, gy 
imd einer kleinen RoUe, f, die nebst der (mit ihr 
aus einem Stück bestehenden) Spule e (s. Fig. lo) 
lose auf der eisernen Spindel a b (s. Fig. 9.) steckt 

Diese letztere ist mit zwei Flügeln (der Gabel) 
d d versehen , auf denen sich mehrere kleine Draht- 
häkchen befinden. 

Bei a'ist sie schief durchbohrt, und an beiden 
Enden läuft sie auf zwei vorragenden Sprossen des Gc- 
stellesj^ welches in der Zeichnung nicht angegeben ist 



Das Bad ^ uud die Rolle f (die sich neben oder 
unter einander befinden können) ^ sind durch eine 
Schnur ohne Ende verbunden^ welche die dem er- 
stören mittelst einer Kurbel und eines Fufstrittes er- 
thcilte Bewegung auf die letztere fortpflanzt. 

Durch eine eigene einfache Vorrichtung (nahm- 
lieh mit einer Schraube)^ die in der Zeichnung eben- 
falls nicht zu sehen ist^ kann die Spindel nöthigen 
Falls vom Rade entfernt^ und die scnlafr gewordene 
Schnur auf diese Art wieder gespannt weraen. 

Wenn man unter den bis jetzt angegebenen Um- 
ständen das Rad durch den Tritt in Bewegung setzt, 
so wird zwar die Rolle /* und die an derselben be- 
findliche Spule e sich drehen ; allein die ganze Spin- 
del ahy nebst der an ihr befestigten Gabel, bleibt in 
diesem Falle ruhig. Beim Spinnen bringt paan den 
aus dem Rocken ausgezogenen Faden durch die Durch- 
bohrung a i der Spindel über ein Häkchen der Gabel 
auf die Spule , an der man ihn befestigt. (Man er- 
leichtert sich diese Arbeit , wenn man einen Zwirn- 
faden auf diese Art an der Spule befestigt, durch das 
Loch der Spindel zieht, und durch das Spinnen mit 
dem aus dem Rocken ausgezogenen Faden vereinigt.) 
Unter beständigem Treten wird dann der Faden mit 
beiden Händen ausgezogen, und mit dem Speichel oder 
einer andern klebrigenFlüssigkeit geschmeidig erhalten. 

So lange man den Faden stark anzieht, nimmt die 
umlaufende Spule mittelst desselben die Gabel mit 
sich ; dier Faden kann sich also nicht aufwickeln , und 
wird blofs gedreht ; sobald man aber etwas nachläfst, 
dreht sich zwar die Spule mit gleicher Schnelligkeit 
fort, die Gabel aber läuft etwas langsamer, der ge- 
sponnene Faden wird also aufgewickelt. 

Dadurch, dafs man ihn längere oder kürzere Zeil 
ansieht;^ bevor man ihn einlaufen läfst, hat man dai; 



396 

Mittel in Händen ^ dem Faden jeden beliebigen Grad 
von Drehung zu ertheilen. 

Wenn eine Stelle der Spule mit Garn voll gewickelt 
ist^ 80 hängt man den Faden über ein folgendes Häk- 
chen der Gabel^ um auch die übrigen Stellen anzufdUea. 

Es ist begreiflich , data , wenn es nicht auf beson- 
dere Feinheit des Garns ankommt^ das Spinnen lim so 
schneller geht ^ je. schneller sich die Spule drehu 

Diesen Endzweck sucht man bei den schlesischen 
Spinnrädern durch eine (vielen Raum wegnehmende) 
Yergröfserung des Rades ^zu erreichen^ erhält ihn 
aber doch nie in dem Mafse^ als dieses bei dem so- 
gleich zu beschreibenden serbischen Rade der Fall ist 

* 

Dieses letztere findet man auf Taf. V, in Fig. 12 
abgebildet. Die Spindel desselben^ nebst allen mren 
Theilen^ hat ganz dieselbe Einrichtung^ wie bei dem 
gemeinen Rade. Eben so ist der Rocken d auf die 
gewöhnliche Art angebracht« ^ 

Das Rad a, von dem die Bewegimg des Ganzen 
ausgeht^ ist durch eine Schnur ohne Ende mit der 
Rolle c verbunden« Sowohl das Rad als die Rolle haben 
auf der Stirn zwei Rinnen neben einander, und die 
Schnur, welche nur einfach ist, ist so geschlagen, dafs 
sie über beide Rinnen läuft ; eine Einrichtimg, welche 
eine gröfsere Reibung bezweckt, die hier, wegen den 
gröfsern Widerstandes, unumgänglich notb wendig ist 

Mit der Rolle c an derselben Achse, befindet 
sich ein grofses Rad b , welches mit der an der Spule 
befestigten Rolle / durch eine andere , einfach ge- 
schlagene Schnur verbunden ist. 

Durch hölzerne Schrauben (g, e) kann die Ent- 
fernung zwischen dem Rade a und der Rolle cj ^0 



397 

yvie jene zwischen dem Rade b und der Spindel ef 
nach der benöthigten gröfser^^i oder geringern Span- 
nung beider Schnüre regulirt werden. 

Es leuchtet ein^ dafs sich die Spule ^ selbst wenn 
das Rad a auch nur langsam gedreht wird, mit einer 
sehr beträchtlichen Schneliigkeit umlaufen mufs. 
Setzt man z.B. die Durchmesser der Rollen und Rä-* 
der in folgendem Verhaltnisse : 

Ä =s= i8, a =a i4 

so wird die Spule, während das Rad a einen einzigen 

Umgang macht, sich ( — -^- j 126 mahl umdrehen^ 

eine Schnelligkeit, die bei eipem gewöhnlichen Radq 
nicht zu erreichen ist, weni\ nicht das Rad eine sehr 
beträchtliche Gröfse bekommen soU, welche ihrer- 
seits wijsder grofse Unbequemlichkeit machen würde. 

Da nun die Menge des in gleicher Zeit erzeugten 
Gespinnstes mit der Schnelligkeit des Spinnens im 
geraden Verhältnisse steht, so ist die Nützlichkeit 
dieses Rades für gewisse Zwecke, nähmlich dort, wo 
es auf Feinheit des Garns so sehr eben nicht ankommt, 
ganz unbestreitbar j dagegen es auch nicht zu läugnen 
ist, dafs eines Theils die Kosten eines solchen Rades 
die eines gev/öhnlichen übersteigen werden, und daf$ 
zur Bewegung desselben auch etwas mehr Kraftaufwand 
erforderlich seyn wird, als bei dem gemeiueu Spinnräder 



Die Manchesterfabrik des Franz fVorm,.^ 

in Neuforstwalde. 



X^er nördliche und nordöstliche TheABohmens 
ist bekanntUch der Siti «iiier «ehr ausgebreiteten In- 



3d8 

dustrie^ vorzüglich in Hinsicht -^anf Verfertigung voa 
Leinwand und baumwoUnen Zeugen. Eine ausge- 
zeichnete Anstalt dieser Art ist die M^nchesterfabrik 
des Herrn Ft'anz JVorm^ von der hier einige Noüzcd 
mitgetheilt v^erden. 

Diese Fabrik befindet sich in dem Dorfc Neuforst* 
Walde y im Leitmeritzer Kreise^ und erzeugt jährlich 
ungefähr 3ooo Stück schwarzen^ grünen und blauen Ka- 
permanchester. £s sind zu diesem Zwecke gegenwärtig 
vierzig Stühle im Gange , die zur Hälfte in der Fabrik 
selbst^ zur Hälfte aber von eigenen ^ auf den umliegen« 
den Herrschaften Kamnitz^ Rumburg und Schlucke- 
nail zerstreuten Lohnarbeitern betrieben werden. Die 
verfertigte rohe Waare wird in der Fabrik gefärbt ; das 
Sengen und Schneiden verrichten besondere Arbeiter, 
die theils in dem Dorfe Teuchstatt, tbeils in der Ge- 
send um Schönlinde ansäfsig sind. Zur Appretur^ die 
bis jetzt aufser der Fabrik geschehen mufste , ist vom 
Unternehmer bereits eine Maschine angeschaßt wor- 
den^ mittelst der er sein Fabrikat noch auf einen be- 
deutend höheren Grad der Vollkommenheit zu brin« 
gea hoSt. Die zu seiner Fabrikation nöthigen Ge- 
spinnste bezieht ff^orni zum Theil aus Wien, zum 
Theil von Schönlinde, zum Theil endlich von Zwickau 
und aus der fVernstädtler Fabrik. 

Die Anstalt des Franz Wor*m gibt fast hundert 
Menschen Nahrung, wobei die mit dem Appretiren be- 
schäftigten Personen noch nicht mitgerechnet sind. 
Über die Qualität der Erzeugnisse ist nur eine Stimme 
unter den Abnehmern der Fabrik, und diese gereicht 
der Industrie desUnternehmers zur gröfstenEhre, indem 
derselbe seine Fabrikate in allen Rücksichten den engli^ 
liehen Produkten dieser Art gleich zu stellen ge wufst hat. 

Der Vertrieb der Waare geht hauptsächlich nach 
Prag, Brunn, Wien, Grätz,Lin^, Pesth u. Prefsburg. 



399 



XXIII. 

Die Spitzenfabrik zu HirschenHand^ im 
Eübegner Kreise Böhmens. 



JLIiese Fabrik besteht schon über dreifsig Jahre^ 
und i/vird seit acht Jahren von 'den gegeni/^äriig^n Ei- 
genthümem^ den Herren Anton Karl Korby und Jq^ 
seph Kunzmanuy unter der torigen Firma: Gott-- 
Schalk und Comp, fortgeführt 

Von der Ausdehnung dieser Anstalt kann man 
sich einen Begriff machen ^ wenn man weifs , dafs för 
Rechnung^ derselben sich über 8000 Personen mit 
Klöppeln beschäftigen. Nach dem im Jahre läao 
ämtlich aufgenommenen Stande der Fabrik betrug die 
Anzahl der Klöppler in den Orten : 



Sauersack 
Fribus • . • 
Hirschenstand 
Neuhaus • .. 
Trinkseifen . 
Neuhammer . 
Neüdeck . • 
£ibenberg • 



Grajslitz u. der Umgegend 1000 

45a 

12^5 

^5o 
182 
184 
i36 
206 

454 



Rohling 
Joachimsthal 
jiberdam • . 
Platten . . . 
Sebastiansberg 
Schönlinde 
Heinrichsgrün 
Gottesgab 



826 Personen^ 
243 

710 ^ 

245 » 

820 ^ 

554 * 

920 * 

i56 ^ 



Summe « 856 1 Personen. 



\ 



t 



4oo 

Der Wertli aller von diesen Arbeitern Yerfertig- 
ten, und von der Fabrik angekauften Spitzen betrug: 

imJahrei8i7 ...... • a42,6o5 fl. W. W. 

» 9 1818 290^480 » » » 

* V i8ig •••..•« 301^8^6 * » » 
» 9 1 820 bis ZOT Mitte August» 274^962 » * t 

Die Erzeugnisse^ sowohl leinene als seidene Spit- 
zen^ sind^ den vorgelegten Mustern nacb zu urthei- 
}en, von sehr guter Qualität^ und finden ihren Ab- 
satz hauptsächlich nach Wieriy Pesth und Grätz, 
aber aucn nach andern Orten in Österreich^ Ungarn 
und Steyermark. Sogar nach. iSac^e/i ist in der 
letzten Zeit ein Theil der erzeugten Spitzen abgesetzt 
"worden. 

Merkwürdige und eine offenbare Folge von dem 
industriösen Geiste und der ungemeinen Thätigkeit 
der Fabrikseigenthümer ist die^ selbst bei den ungiin- 
atigsten Zeitverhältnissen immer fortwährende Zu- 
nahme des Verschleifses. Die Summe desselben be- 
trug nähmlich: 

im Jahre 1817 189^592 fl. W.W. 

» » 1818 25ti,45o » », » 

» » 1919 267,934 ^ » * 

» » 1820 bis z. Hälfted. August 249y5o4 » » » 

Was das zum Betriebe der Fabrik erforderlicbe 
Material betrifft, so wird der benöthigte Zwirn gröfs- 
tentheils in Böhmen selbst angekauft; nur die feinsten 
Sorten desselben müssen aus Sachsen eingefiihn 
werden. 



mmt^i^ 



XXIV. 

Wissenschaftliche und technologische! 

Notizen, 

ausgezogen aus den englischen und fraü' 

KÖsiachen Zeitschriften, 



Nr. I — Sä. von Joh. PeL Kretz^ 

Assistenten des Lehrfaches der Physik am k. h. polytechnischen 



Institute. 



ifeättai 



X. Betten^ um die Ansteckung ^u verhüten oder 
zu heschränken« Von Herrn De Hemptine ^ Apo-* 

theker zvl Brüssel* 

JJiese Betten können y/ffie immer eingerichtet seyft^ 
%enn sie nur nach demselben Prinzipe gebaut werden^ 
Dieses aber besteht darin , dafs man ein gewöhnliches 
Bett nimmt 9 welches an den vier Ecken mit 8äa1en odei* 
Pfeilern, vier bis fünf Fufs hoch, yersehen ist, worauf 
eine abgeplattete yiereckige Pyramide ruht, deren Spitzt 
in einen Kanal von der Gestalt eiiier RöRre ausgeht. Man 
spannt über dieses Gerippe geprefste, öder noch besser^ 
gemahlte Leinwand , werin das Bett fär ein Öpital dient. 
Man mag aber für diese Behleidurtg was immer wählen, 
so mufs sie so gerichtet werden , dafs derjenige Theil da- 
von « der die Hauptseite des fettes bildet ^ nach Belieben 
ganz oder zum Theil geöffnet werden kanfl Gewöhnliche 
Himmelbetten können auch zu diesem Zwecke tem^endet 
werden ; nur mfifste man die Vorhänge sd einrichten nnd 
befestigen, dafa die Luft nur von der Torderseite zum 
Bett dringen könnte u* s. 1f. 



403 

Die Bohre, worin die Pyramide ausgehe, endigt sich 
in einem andern Kanäle, welcher mit dem Brennorte eines 
Ofens oder eines Kamins in Verbindung steht, wo das 
Feuer nur durch die Luft aus dieser Röhre genährt wird. 
Ist das Feuer angezündet, so kann man versichert seyn, 
dafs keine Gefahr der Ansteckung mehr vorhanden ist. 
Die äüfsere Luft wird in das Bett gezogen , durclislreicht 
es, und reifst alle krankhaften Ausüässe mit sich nach dem 
Brennorte. 

In den .Spitälern wird- man diese Betten, wiege» 
wohnlich, in eine Reihe stellen, die Röhre aber, in welche 
jede Pyramide ausgeht, wird sich in einen gemeinschaft- 
lichen Kanal münden, welcher horizontal über der Betten- 
reihe angebracht, ist. Hier wird die Wirkung ganz die- 
selbe seyn, wie bei einem einzelnen Bette; d^nn bei al- 
len wird die Luft zugleich sich erneuern, vermöge der gros- 
sen horizontalen Röhre, welche mit dem Brennorte in 
Verbindung steht. 

Um die Wirkung zu zeigen , welche Betten machen 
müfsten, die nach diesem Prinzipe geordnet wären, liefs 
TcLßrv De Hemptine Modelle im Kleinen anfertigen, in welche 
er angezündete Räucherkerzchen, oder Gefäfse stellte, 
woraus geschwefeltes Wasserstoflgas oder ein anderes übel- 
riechendes Gas sich entwickelte ; der Lufu^g, welcher, mit- 
telst des Feuers, durch das Bett bewirkt w^rde, rifs 
diese riechbaren Theile nach dem Brennorte mit sich fort, 
so dafs man nicht den mindesten Geruch im Zimmer ver- 
spürte. — Ein näheres Detail hievon findet man/ in den 
Annales generales des sciences ph^sigues^ Tome. IL p. as4*«^* 



a. Verbesserung saurer Weine. 

Man hat ein Mittel gefunden, die w^cifsen Weine zu 
verbessern, wenn die Qualität der Trauben befürchten 
liifst, dafs selbe sauer oder herb werden. Man nimmt 
!25o Gramm ( elvira 14V4 Lolh) verwitterten Kalk, über- 
schüttet ihn mit ungefähr einem Demi - Litre ( gegen 1 Vi 
Seitel ) Wasser, rührt es um und gief^t dieses weifsc Was- 
ser in ein Fafs , bevor man ^en weifsen Wein ans der 
Kufe dort einfüllt. Der Wein wird unverzüglich entsäuert, 



4o3 

der kohlensaure und weinsteinsaure Kalk schlagen »ich nie-* 
der, i^nd die klar gewordene Flüssigkeit wird in eine aA- 
«lere Tonne überfülU, wo sie ihre stille Gährung rollen-' 
der. Der durch dieses Mittet erhaltene weifse Wein ist 
immer ^eit besser als einer aus derselben 'Gegend und ron' 
demselben Jahre , der aber nicht auf diese Art behandeU 
worden. 



3i Ein Wirthschaflliches gegohrenes Getränk. 

Herr Bajretj^ Apotheker in Paris ^ hat den Landleutert 
ein Getränk vorgeschlagen , welches gesund , wirthschaft^ 
lieh und leicht zu machen ist^ und den Most oder das 
leichte Biet iehr gut ersetist. Zur Fruchtzeit, sagt er, 
dörrt man in einem Backofen die herabgefallenen und ge- 
reinigten Apfel und Qirnen entlreder ganz oder zerstückelt« 
Wenn sie gedörrt sind, yerfertigt man das Getränk auf fol- 
gende Weise. Man nimmt: 

Äpfel . . I) Kilogranfiti (etwas über 16 Pfd.) 
Birnen • 1 - » (gegen 2 » )f 

Hopfen . aV^Hektogr. ( » aaV^Lth.), 

darüber giefst man So Litre (etwas übet 56- Vi Mafs) Was^ 
ser i und zwar die Hälfte davon siedend , den Rest aber/ 
wenn das Erste abgekühlt ist. Diese Mischung stellt man 
an einen Ort, dessen Temperatur Zwischen iB und 20 
Grad ist. Die Gähi^ung wird bald beginnen. Wenn sie 
vorüber ist, und die Flüssigkeit ruhig geworden, und sich 
gesetzt hat, so läfst man sie al) und gibt sie in Böuteillen. 
Einige Tage darauf moussirt dieses Getränk und erhält ei- 
nen sehr angenehmen Geschmack. ]f)er Hopfen gibt ihüi 
die Eigenschaft, dafs es, ohne yerändert zu worden, meh- 
rere Monathe aufbewahrt werdet kann. 



4- Verb^s^ertes^ Yerfahrenr^ lim Rafsirmessefr und dbi^ 
rurgi^cbe rnslrümente abzuziehen: Yoil Herrn, 

Merime'e. 

ff 

Zu diesem Zwecke sind schon allerlei Substanzen una 
MiVchnnMn rorgescklagen uläd Versucht worden, di^Aeitt^ 



4o4 

selben aber nur tüeilweise entsprachen; Herrn Metimee, 
Mitgliede der Gesellschaft zur Aufmunterung der National- 
Industrie in Paris j verdanken wir ein neueres Mittel , vrel« 
ches, als vollkommen entsprechend, von allen angefühmt 
wird, die Versuche damit angestellt haben« . Es ist das 
Tritoxjrd des Eisens 9 und wird auf folgende Art bereitet: 

Man nimmt grünen Vitriol und Kochsalz zu gleichen 
Theilen , mischt sie in einem Mörser und gibt sie dann in 
eineti Tiegel , den man bis zum Rothglühen erhitzt Man 
läfst nun die Materie erkalten und giefst eine hinlängliche 
Menge Wasser daiiüber , um sie auszulaugen ; das Wasser 
löst die schwefelsaure Soda , die sich gebildet hat, auf, und 
man findet auf dem Boden des Gefafses ein graues, irie 
Glimmer glänzendes Pulver , das sanft zum Anfühlen, aber 
doch noch hart genug ist , um durch Reibung auf das Ei« 
sen und den polirten £ftahl zu wirken. Man kann nun die« 
ses Pulver auf eine Lederfeile streuen, nachdem man selbe 
vorher entweder mit etwas Öhl bestrichen, oder mit ein 
wenig Wasser befeuchtet hat* 



T- 



5. Eine einfache Art Yon Mikroskopen. 

Herr Sirright hat eine sehr einfache Art angegeben, 
Mikroskope zu verfertigen. Sie besteht darin, dafs man 
in ein Platinbiättchen , von der Dicke der gewöhnlichen 
Zinnblätter, zwei oder drei runde Öffnungen, Vio bis Vto 
Zoll im Durchmesser, und ungefähr einen halben Zoll von 
einander abstehend, macht, und an diese Öffnungen Glas- 
stückchen von der Gröfse bringt , dafs sie nicht durchfal« 
len können. Schmilzt man nun diese Stückchen an der 
Flamme des Löthrohres, so nehmen sie die Gestalt einer 
Linse an und haften fest an das Metall, so zwar, dads die 
Linse zugleich befestigt und gefafst ist. Um sie plan-con- 
vex zu erhalten, nimmt man ein Blättchen polirten Topai» 
legt ein Stückchen Glas darauf und setzt es der Schmela- 
hitze aus , die Linse wird dann auf der einen Seite plaoi 
und auf der andern convex. 



4o5 
^ 6. Ein sehr gutes FlafsmitteL 

Der Zufall hat die flafsbefördernden Ei^enscliaften 
des schwefelsauren Strontian' entdechen gebolfeiv; ein eng- 
lischer Schmidt hat sich dieses Minerals , im Pulver , als 
eines Fiufsmittels bedient, um den atrengflüssigsten Stahl 
zu löthen und blau anlaufen zu lassen ; er hat es für besser 
erkannt als den Borax , weil es bei einec weit höbera 
Temperatur noch feuerbeständig bleibt. 



7* Scheidung des Goldes aus dem Silber. 

Einige Metallreiniger fajjfineurs) zu Paris weAdem 
nun einen neuen Scheidungsprozefs an, welcher viele Yor- 
theile gewährt. Er ist einfach, leicht, wirthschaftlich 
und weit weniger der Gesundheit nachtheilig, als die 
Scheidung durch Salpetersäure. Er b^teht in sechs Ope- 
rationen: 

i) In mehreren Öfen , einen Fufs im Durchmesser« 
werden Platingefafse von eirunder Form eingesetzt , in de- 
ren jedes ungefähr lo Mark gekörntes Silber gethan wird. 
Man giefst dann in jedes, dem Gewichte nach, ungefähr das 
Doppelte konzentnrte Schwefelsäure. 

Jedes Gefafs wird mit einem hohlen Flatinkegel* be- 
deckt , der an seiner Spitze eine Öffnung von ungefähr 
vier Linien hat , um den Dämpfen , die sich bilden , einen 
Ausweg zu verschaffen. Man kann an diese Öffnung eine 
Platinröhre anbringen , welche das Gas in den Rauchfang 
'fühlet, oder eine gläserne, welche es in Pf^ouysche Fla- 
schen leitet« 

Dieser Apparat wird durch f&nfzehn Stunden erhitzt. 
Die Entwicklung des schwefeligsauren Gases hat nur 
durch zwei Stunden Statt; man mufs aber Sorge tragen, 
dafs dieses Gas in den Bauchfang gezogen werde , sonst 
könnte es durch Verbreitung im Laboratorium den Arbei- 
tern Uabequemlichkeiten verursachen. 

a) Man verdünnt die schwefelsaure Auflösung in den 
Flatingefafsen mit Wasser, bis sie i5 bis so Grade zeigtj 



4o6 

dann macht man durch Htneingeben Ton Kupferplatlen den 
Niederschlag* 

3) Da« Silber , -^vclches sich durch die Torige Opc- 
l*ation nieder geschlagen hat, wird in einem Tiegel ge- 
achmolzep und zu Bpn^en ( Stangen ) gegossen. 

4) Man dampft die mit Hupfer gesättigte Auflösung 
bis zur Krystallisation ab. 

5) Man laugt das schwefelsaure Kupfer mit sieden- 
jiem Wasser aus, und sqnd^ftt so die schönen Brjstalle 
Ton den kleinen « welche wieder aufgelöst werden , und 
aufs Neue zu Krystallen anschiefsen. 

6) Das Metall^ welches in den Platingefafsen der 
Einwirkung der Schwefelsaure widerstanden hat, ist (zold. 
Man schmilzt es mit etwas Flufs in einem Tiegel. 

Es ist ein verlafslicber Satz der Metallurgie, dafs 
das^Terarbeitete und gehaltvolle Silber Viooo seines Ge- 
wichtes feines Gold enthält. Dieses Gold war sonst ye^ 
loren. Gegenwärtig aber geben tausend Mark Silber durch 
dieses Verfahren eine Mark feines Gold , also einen Vor- 
theil Ton beinahe 900 Franken. Berechnet man ferner wie 
viele tausend Mark Silber jährlich in den Münzen , in den 
Künsten ,. im Handel verschmolzen werden, so wird man 
von dem ungeheuren . Vortheile wohl leicht überzeugt, 
welchen die Anwendung dieses neuen Yerfkhrens dem 
Staate gewährt, das wir den Herren Darcet und Lpbel ver- 
danken (Annalet generaUt des sciences phjr$ique9m T. VI» 
pag. 187), 



8. Yeiryfeiidung d^s Berlinerbls^ues zur Färberei. 

Es sind vielleicht schon sechs und vierzig Jahre, 
dafs es dem Herrn/. M. Hausmann gelungen ist, das. Ber- 
lin crblau an baum'v^ollenen Stoffen zu befestigen , und die 
Olivenfarbe, welche die Alaunerde und das Eisenoxjd zur 
Grundlage hat , in ein sehr schönes Grün zu verwandeln« 
durch die E)intauc)iung in eine Kufi^ Wasser , welches mit 
blausaurer Pottasche ganz leicht gesäuert ist. Beide Bor« 



4o7 

ten TOH gefärbten Stoffen waren im Handel sehr gesucht. 
Durch ein ähnliches Verfahren , wie bei der Baumwolle, 
bat er auch an der Seide dieselben Nuancen und Farben 
beryor gebracht; und gegenwärtig ist er auch darauf ge* 
kommen, das Berlinerbiau an der Schafwolle zu befesti- 
gen, und am Tuche dieselben Nuancen hervor 2a bringen, 
wie an der Baumwolle und der Seide. 



9. Verwendung des chromsauren Bleies zur 

Färberei. 

Die Anwendung des chromsauren Bleies auf die Seidet 
die Schafwolle , den Flachs und die Baumwolle , die Herr 
Laissaigne gemacht hat, ist ein neuer Beweis von der Mög- 
lichkeit, auch unter den Mineralkörpern Färbemittel zu 
finden. Er taucht die Strähne der in Seifenwasser ge- 
kochten Seide (soie decreujtee) durch eine Yiertelstunde 
in eine schwache Auflösung von essigsäurichtem {sous -' aee' 
täte) Blei, und wäscht sie in fliefsendcm Wasser. Die 
Seide, welche auf diese Art von einer gewissen Menge 
Ton essigsäurichtem Blei dar.chdrungen ist, wird dann in 
eine schwache Auflösung von neutraler chromsaurer Pott- 
asche getaucht; sie nimmt sogleich eine schöne gelbe 
Farbe an,, deren Intensität nach sfehn Minuten ihr Maxi-» 
mum erreicht. Dann wäscht er sie und läfst sie trocknen« 
Diese Farbe bleibt ander Luft unverändert, aber sie erfor- 
dert beim Laugen {Lesswage) des Stoffes viele Sorgfalt. 



I o. Mahaleb - Maraschino. 

Man hat bisher von der Frucht des Luzienbaumes 
•der 'des sogenannten schwarzen Yogelkirschenbaumes 
(Prunus Mahaleb , Lin.) keinen Gebrauch gemacht; diese 
Frucht ist klein und schwarz, und von einem ziemlich 
unangenehmen Geschmacke, man kann aber doch einen 
guten Liquen r daraus bekommen. Herr Cadet-de-Vaux^ 
welcher in dieser kleinen Kirsche einen aromatischen Ge- 
schmack verspürte, verfiel darauf, dafs sie auf eine Art 
Hirschenwasser verwendbar seyn müfste. Wirklich gährte 
sie und gab durch Destillation einen Alkohol j macht man 



4o8 

^ber zuerst darch einige Zeit einen Aufgufs darauf mit 
einen) Branntweine (eau^de^tne) und destillirt dann aus 
dem Waöserbade, so erhält n^an einen Geist von einem 
'sehr angenehmen Aroma, welcher, gehörig gezuckert, ei- 
nen Liqueur gibt, der dem besten italienischen Maraschino 
zur Seite steht« Man muig die Früchte sammt deren Kernen 
zerquetschen/ bevor man den Branntwein aufgiel'st; auch 
rnuis man cjen Geist auf ai Grad zurückbringen, ehe 
inan ihn zuckert. Man gibt dann ungefähr zwölf Unzen 
ßucker auf d|*ei Seitel Liqueur. 



II. Neues Email för Porzellan. 

Herrn Jphn Ro^e verdanken wii> die Zusammensetzung 
eines neuen Emails fiir Porzellan und feine Fajence , de- 
l*en Hauptbestandtheil der Feldspath ausmacht; sie be- 
steht in einer Mischung ron 27 Theilen gepülrerten Feld« 
spath, 18 Th. Borax. 4 Th. Sand, 1 Th. Soda, 1 Tk. 
Salpeter und 1 Th. Thon. Man schmilzt diese Mischung 
zu einer FVitte, gibt 5 Th. Borax hinzu und pulvert sie. 
Nach Versuchen, welche die Aufmunterungs- Gesellschaft 
zu London mit diesem Email hat anstellen* lassen^ hat man 
es für besser befunden , als jedes andere bisher bekannte* 
Es läf'st sich leicht und gleichförmig auftragen, ohne dafs 
das Porzellan braucht geschmolzen, oder auch nur er- 
weicht zu werden. Es verbreitet sich gleichförmig, ohne 
Blasen oder Unebenheiten zu machen ; es verdeckt oder 
▼erändert selbst die zartesten Farben nicht, wie z. Bt das 
Grün und Roth vom Chrom : es vereinigt sich auf das in- 
nigste mit demselben, und ein Porzellan , welches damit 
bedeckt ist , kann ein zweites Mahl durch das Feuer ge- 
hen, ohne dafs dieses Email springt oder sich nur ritzt. 



|3. YorBÜge Ae% vor seiner vollkommenen Reife ge^ 

achnittenen Getreides. 

Zu VadonQiüe « aujc - Forges im Arrondissement von 
Commercjr in Frankreich hat man Getreide zehn bis zwölf 
Tage vor seiner Reife geschnitten, und vergleichende Yer? 
suche öffentlich angestellt zwischen e'mev gewissen Menge 



4o9 

« 

solcher Körner und einer dem Volumen nach gleichen 
llenge anderer« welche zur gewöhnlichen Zeit geernte't 
worden waren. Beide Ernten wurden zu einer günstigen 
Zeit gemacht. Das erste Getreide gab von acht <Garben 
im Mais nicht mehr, als das zweite von sechs Garben. 
Der doppelte Dekalitre (etwas über zwei Achtel) des nicht 
reifen Getreides wog 16 Kilogramm (28 '/z Pfd.), der des ' 
reifen nur 14 ( a5 Pfd.). Beide zu Mehl gemahlen und 
zu gleichen Gewichten verglichen , zeigten , da(s das erste 
mehr Wasser zum Kneten brauchte , als das zweite. Das 
nicht reife Getreide gab mehr Brot, sowohl dem Volu- 
men, als dem Gewichte nach: der Unterschied betrug 
ungefähr 7io am Gewichte; es war auch besser und weis- 
ser. Man hat den Versuch noch weiter fottgesetzt ; man 
hat ein Stück Landes in zwei Theile abgesondert, und mit 
beide^ Körnergattungen besäet , den ganzen Hergang aber 
gerichtlich bemerken lassen. Im Monathe Dezember i8ao 
standen beide Partien gleich gut« - Von der kommenden 
Ernte stand der Ausgang dieses Versuches zu erwarten, 
der mit vieler Umsicht angestellt wurde. 



1 3« Zur Gasbeleucktung, 

Die Beleuchtung mit Wasserstoffgas ist in Paris im 
Hospital iS^ Louis mit vieleni Erfolg eingeführt worden. 
Aus einer Übersicht , welche Herr Peligotj Administrator 
des Hospitals, gegeben bat,, und worin alle, selbst die 
^llerunbedeutendsten Ausgaben einbegriffen sind, geht her- 
Tor, daf^ durch diese Belenchtungsart , abgesehen yon 
dem gröfseren und schöneren Lichte, im Hospital A« Louis 
noch jährlich 1 6,3 11 Franken erspart werden (Annales ge* 
ntrales des sücnces p}yrs. Atfril 1821^, 



i4 Glasmahlerei und gefärbte Gläser, 

England ist das einzige Land in Europa^ wo in der 
Glasmahlerei mit Erfolg gearbeitet worden, weil sich 
dort der Gesehmach an der gothischen Bauart in einem 
solchen Grade erhalten hat, dals es dort Priratleute gibt, 
welche ungeheure Summen darauf verwenden, Gebäude 
aufzuführen, .die des fieraehnten Jahrhunderts würdig wäv 



4x0 

reii. Herr Becl^ord lafst ^in waitUofiges Schlofs nach Art 
der gothischeix Abteien und nach der Angabe des Herrn 
Tf^ratt aufbauen , 'und hat schon mehrere Millionen Gul- 
den auf die Aufführung dieses Denkmahls verwendet« Wir 
können hier das Schlöfs des Chevalier IT. WalpoU zu 
Sirawberry "HaU auch nicht unerwähnt lassen^ berühmt 
durch die grofsen Fensterwerke, die sich dort befinden, 
aber mehr . noch durch den gelehrten Eigenthümer , dem 
man mehrere Werke von seltenem Werthe verdankt. Er 
hat auch die Geschichte der Kunst auf Glas zu mahlen ge- 
schrieben und herausgegeben. 

Um Kupferstiche auf Gl äs zu übertragen, bedient 
man sich folgenden Verfahrens. Die mit fettem Öhle be- 
reiteten und abgeriebenen metallischen Farben werden 
trocken auf das gestochene Kupfer aufgetragen* Dieses 
trocknet man, wie es die Drucker mit gefärbten Platten zu 
machen pflegen, an der Hand, und gibt den Abdruck auf 
ein Blatt Schlangenpapicr (««rp^n/«), welches man so- 
gleich auf die Glastafel , die gemahlt werden soll , über- 
trägt, doch so, dafs die gefärbte Seite gegen das Glas 
gekehrt ist: hier klebt es sich nan an, und sobald das 
Exemplar ganz trocken ist^ nimmt man das Papier weg, 
nachdem man es zuvor zum Überflusse mit einem nassen 
Schfiramme überfahren hat* Auf dem Gla^e bleibt nur die 
übertragene Farbe zurück , welche man noch dadurch be- 
festiget, dafs man das Glas in einen Backofen gibt. 

Die Grundlagen von all den Farben , welche für die 
Glasmahlerei verwendet werden, sind oxydirte metallische 
Substanzen , und können nur Materien von grofser Durch- 
sichtigkeit seyn. 

Für Roth, Die rothen Farben , welche man darck 
das Goldoxjd, den sogenannten Kassiuspurpur , erhält, 
sind schwer zu bereiten, und machen selten die Wirkung, 
die man sich von ihnen verspricht. Die schönsten fleisch- 
rothen und rothen Farben bekommt man aus einer Mi- 
schung von zwei Theilen Spiefsglanzoxjd , drei Theilen 
Bleioxyd und einem Theile Eisenoxyd ; dieses letztere ist 
aus dem schwefelsauren oder salpetersauren Eisen berei- 
tet, und man wendet auch das Kupferoxyd an. 

Gett». iVU® alten Mahler bereiteten diese Farbe durch 



4ii 

KrliitKOng ron feinem Silber mit Schwefel, wozu sie et« 
was Spieisglanz thateiu Man kann sie aus drei Theilen 
salpetersa'urem Silber und zwei Theilen gelbeii Eisenoxyd 
erhalten. Herr Brongniart macht Meldung von einer Mi« 
schung ans salzsaurem Silber, Zinhoxyd, gelben Eisen- 
oxyd und weifser Thonerde, welche er mit Erfolg ztf 
Setnres angewendet hat. Das Gelb aus Silber muis an der 
entgegengesetzten Seite des Glases angebracht werden^ 
sonst yeriliefst diese Farbe unvermeidlich mit den be- 
iiachi>arten Farben. Man kann Orange von sehr grofser 
Schönheit erhalten, wenn man dieses Gelb auf Roth auf- 
tragt. 

Blau. Das Blau, welches man gröfstentheils aus dem 
Hobaltoxyde erhält, erfordert eine Mischung von Bleioxyd 
und Alkali , um es flüssig zu mächen. Um wirthschafUi- 
cher zu seyn , macht man diese Mischung mit Schmälte, 
welche nichts anders, als ein mit Kobaltoxyd gefärbtes 
Glas ist. Man gibt die Hälfte Bleiglas und beiläufig eben 
so viel kaustisches Kali hinzu. Der Borax kann mit Vor- 
theil statt des Kali genommen werden ; dann nimmt man 
aber blos beiläufig den vierten Theil vom Gewichte dei^ 
Schmälte« 

Violett« Man erhält dieses durch Hinzusetzung von 
Braunstein und Anwendung einer salpetersauren Pottasche 
als Flufsmittel. 

Purpur. Der aus dem Goldoxyde erhaltene Purpur 
ist schön , aber theuer. Man bereitet diesen Miederschlag 
nach dem schon angegebenen Verfahren. Man gibt ;Blei- 
glas mit eineiii Achtel Borax als F^ofsmittel hinzu* 

Grön. JfjffrUi mfichte.ein schönes Grün, indem er 
von d^r einen Seite Gelb und von der andern Blau auftrug; 
aber diese Methode braucht viel Geschicklichkeit. Zwei 
Theile grünes Kupferoxyd, gemischt mit eben so viel 
gelbem Bleiglas und einem Theile Borax geben eine grüne 
Farbe. Nach den Erfahrungen des Herrn Brongniart gibt ' 
das Chromoxyd und das chroiusaure Blei eine sehr schöne 
grüne Farbe; aber es wird nicht angeführt, ob sie durch- 
sichtig genug ist, um für die Glasmahlerei angewendet 
werden zu können. 



4is 

Schwärs. Diese Farbe ist (He einstge Aasnahm^ Yoa 
der allgemeinen Regel ; denn je undurchsichtiger sie ist, 
desto besser taugt sie , weil die Zeichnung desto schar- 
fer wird , je ' weniger die Materie das Licht durchlälst. 
J)ie Glasmahler bereiteten sonst ihr Schwarz aus Hammer- 
schlag (baUUures de fer Jf wozu sie etwas rothes Kupfer- 
oxjd, ein wenig Braunsteinoxyd und etwas Hobaltoxjd 
thaten; man erhält daraus ein sehr schönes Schwarz. 

Da man das Weifs ohnehin durch die Durchsichtig- 
keit des Glases erhalt, so braucht man nur noch Nuancen 
oder das Matt, welche man durch ein Flufsmittel . oder 
mittelst feinen, gestolsenen und geriebenen Glases be- 
IlLommt. 



i5. Über die Eigenschaft ea des Splints von Bäumen, 
welche im Friihlinge , im Herbst und im Winter ge- 
fällt werden. Von Th. Knight Esq. 

Man hat lange angenommen , dafs eine im Winter 
geßlUe Eiche einer solchen , welche im Frühltnge umge« 
bauen wird , vorzuziehen sey ; aber man hat der Ursachs 
dieser Verschiedenheit nicht nachgespürt, und hat aufge- 
hört, das Holz im Winter zu fallen, wegen dergrofseren 
Güte der Rinde im Frühjahre. Der Autor führt nun meh- 
rere Erfahrungen auf, die^r über diesen Gegenstand ge- 
macht hat. Er wählte zwei sehr ahnliche, unweit von 
einander stehende Eichen, beide, bei hundert Jahre alt, 
und liefs die eine im Winter, die andere im Frühjahre 
fallen. Man fand das spezifische Gewicht der letztern 
0,666 , und das der erstem o,565. Man hieb zwei gleiche 
Blöcke aus dem Splinte einer jeden, und hing, nachdem 
man sie gut und gleichmäfsig ausgetrocknet hatte , beide 
an einen feuchten Ort durch zehn Tage auf. Nach dieser 
Zeit fand man, dafs 1000 Gran des im Frühjahre gefällten 
Holzes um i6q Gr. zugenommen hatten, wahrend 1000 Gr« 
desjenigen Yom Winter nur 145 Gr. gewonnen hatten; diese 
Verschiedenheit ist auffallend. Herr Knight ist überzeugt, 
dafs die Eiche um ein Bedeutendes noch brauchbarer 
wäre, wenn man sie im Früh|ahre abrinden würde, und 
aie dann bis zifm fpige'nden Winter am Fufse liofse. 



4i3 

i6. Über die Mischungen ^ welche der Stahl mit 
"verschiedenen Metallen eingeht. Von Faraday. 

Der indische Stahl; unter dem Nahmen ff^ooiz be- 
kannt, besitzt treuliche Eigenschaften; er besteht aus £i^ 
sen> Hohle und einer geringen Me«ge metallischer Basen. 
Dem Autor ist es gelungen , dieie Mischung zu bereiten, 
indem er zerhacktes £isen mit Kohlenpulver schmelzen 
liefs; wenn die dann erhaltene Masse hämmerbar ist, so, 
mufs man sie zerstückeln , und von Neuem mit der Kohle 
schmelzen 5 man erhalt auf diese Art ein gekohltes £is€;n, 
welches schmelzbar ist , Ton dunkelgrauer Farbe und sehr 
krjstallinisch ; es ist so spröde, dafs man es in einem 
Mörser zu Pulrer stofsen kann. Dieses Pulver mischt man 
mit reiner Alaunerde , und erhitzt es stark. Ein Theil der 
Alaunerde wird da durch die Kohle reduzirt, und man er- 
hält eine Verbindung von Eisen, Alaunerde und Kohle. 
Wenn man zehn Prozent von dieser Mischung mit ge- 
schmolzenem englischen Stahle mischt, und das Ganze in 
Schmelzung bringt, so hat man den künstlichen fVooiz. 

Herr Faraday hat durch Verbindung eines halben 
Prozent Rhodium mit dem Stahle eine sehr hämmerbare 
Legirung bekommen , welche härter ist als der gewöhn- 
liche Stahl und vortreffliche Inktrumente gibt, Torsüglich 
Basirmesser, welche ungemein gut schneidto. 

Das Silber verbindet sich ungern und nur in einem 
sehr geringen Verhältnisse mit dem Stahle. Nach meh- 
reren Versuchen brachte es der Autor auf das Verbal tnifs 
▼on Vsoo» dablieb das Silber mit dem Stahle verbunden. 
Diese Legirung ivar aber vortreflPlich \ alle Instrumente« 
die daraus verfertigt wurden , waren von der besten Qua* 
lität; das Metall konnte gearbeitet vrerden, ohne nui; 
im Geringsten Bisse zu zeigen , und besafs eine ausneh« 
mende Dichtigkeit tnd Bämmerbarkeit* 

Die Legirung von Stahl und Platin schien ror der to« 
rigen keine Vorzüge zu besitzen ; die von Eisen und Ni* 
ekel , Ton letzterem drei bis zehn Prozent , ist dem Beste 
nicht so sehr unterworfen als da^ Eisen ; aber die Verbin* 
düng des Nickels mit Stahl oxydirt sich leichter als der 
reihe Stahl. 



4i4 

Da es sehr schwer war, Tiegel zu linden, welche 
eiiie Hilze, wie man sie bei diesen Versuchen nöthighat, 
ertragen konnten ; so war der' Autor genöthigt , zwei oder 
drei Tiegel sich in einander zubauen, so dafs das Ganze 
nicht eher schmelzen konnte 9 bis die Legirung Zeit ge- 
funden hatte , sich in der Mitte zu bilden. — Ein grös- 
seres Detail Ton diesen Versuchen findet man in dem Quar- 
terl^ Journal, Jufy 1830, S. 819 u.Jf*, 



i^. Neues goldähnliches MetalL 

Herr WHil in London hat ein neues Metall entdeckt, 
welches er Millgold (aurummilUum) nennt, und das die 
Eigenschaften des remen Goldes an sich tragt, ohne den 
zahlreichen Unfällen des Pinschbecks und dergleichen un- 
terworfen zu seyn « wenn es der Luft ausgesetzt ist. Seine 
Farbe gleicht der des Goldes von sechzig Schillingen, and 
sein spezifisches Gewicht ist beinahe dem des Bijouterie- 
goldes gleich. Es ist hämmerbar und hat die gute Eigen-' 
Schaft, schwer schmelzbar zu sejn^ und, was seine Benen- 
nung rechtfertigt, es kann zu allen Gebilden , deren das 
Gold fähig Ist, verwendet werden. E^s ist sehr hart und 
Wohlklingend. Die Unze davon kostet vier Schillinge 
(etwa fünf Zwanziger). Es nimmt eine schöne Politur an, 
und erhält lange Zeit seinen Glanz. 



18. Eine Anwendung des Stickgases. 

Man bedient sich in London einer neuen Methode, 
die Thiere zu tödten , ohne sie viel leiden zu lassen : msn 
läfst sie nähmlich durch Stickgas sterben. Das Fleisch be- 
kommt auf diese Art mehr Frische , schmeckt angenehmer 
und hält sich langer. Ein grofser Theil der Metzger von 
London hat dieses Verfahren in Anwendung gesetzL 



»I 



19. Über die Schmelzung verschiedener strengfiü^- 
siger Körper mittelst der .ffore'schen Flamme. 

Die Hare'sche Flamme wird durch zwei Ströme, ei- 
nen von Wasserstoffgas und einen von Sanerstoffgas, ge-^ 



4i5 

nährt, welche sich aber nicht frühet* als bei ihrer Ver- 
brennung Termischen, und daher gar keine Gefahr dro- 
hen. Ht. Silliman hat mittelst dieser Flamme Alaunerde xtk 
einem milchweifsen , den Barjt und Stroiitian zu einem 
graulich weifsen , Gljzih- und Zirkonerde und durch Kai-- 
zination von kararischem Marmor erhaltenen Kalk zu ei- 
nem weifsen Email , und Kieselerde zu einem ungefiirbteft 
Ghse geschmolzen. Das Platin, das Gold, das Silber 
und mehrere andere Metalle wurden nicht nur mit Schnei- 
ligkeit in Dampf verwandelt , sondern gewährten zugleich 
den- Anblick einer sehr schönen und lebhaften Verbren- 
nung. Eine giofse Menge anderer Mineralien, wie der 
Kalzedctiii der Berjll, der Peridot, der Korindon, der 
Spinell schmolzen mit der gröfsten Leichtigkeit« 



20» Über d,en Palmenwein ^ von Herrn Faraday* 

Dieser Wein ist, frisch, an Farbe und Konsistenz wie 
Milch; er ist sehr süfs und^ berauscht nicht ; der Luft aus- 
gesetzt wird er schwach sauer, und ist dann ein heftig 
wirkendes Gift. Das Probesttlck, welches der Autor ana« 
lysirte, enthielt Kohlensaure, Essigsäure und eine Mi- 
schung Ton Eiweifsstoff, Gummi und Zuckerstoff. 



•II. ' Neuer Yoltaischer Apparat. 

Dr. Straub , Arzt zu Hofuy-l^, hat einen solchen sehr 
einfachen und ganz eigenen Apparat zusammengesetzt; er 
besteht in einer Säule, zu welcher aufser den Zinkplatten 
kein Metall genommen wird; die Kupferplatten sind durch 
künstliche Kohle in Form von Platten ersetzt, welche 
kaum drei Zoll im Durchmesser haben. Vier solche Plat- 
tenpaare von Zink und Kohle geben Fanken, und fünf 
Paare zersetzen da« Wasser. 



22. Verbesserung an den Okulargläsern der tragba- 
ren achromatischen Fernrohre^ von Herrn Kitchener 

in London. 

Man weifs seit längerer Zeit schon , dafs bei Okula- 
ren von vier Gläsern, durch Vergröfserung der Entfer- 



4i6 

nung isuHachen den beiden, dem Auge zunächst stehendem 
Gläsern und denen , die gegen das Objekt zu stehen« man 
die Yergröfserungskraft ' der Fernröhre beinahe verdop- 
peln kann. Der Autor kündigt nun an, dai's es ihm nach 
mehreren Versuchen, aus dieser optischen Wirkung Nutzen 
zu ziehen , endlich gelungen sej , auf eine ganz entspre- 
chende Methode zu kommen, bei der die Gegenstände 
nicht nur sehr vergröfsert, sondern auch bis an den Rand 
des Gesichtsfeldes deutlich und klar werden* Er gibt an, 
dafs sein verbessertes Okular, an ein Objectiv von dreis- 
sig Zoll Brennweite und 2,7 Zoll Öffnung angebracht, 
jede verlangte Vergröfserung zwischen 70 und^270 auf die 
vollkommenste Art gewähre, und dafs man bei einem Ob- 
jektive von 44 Zoll Brennweite jede beliebige Yergrösse- 
rung von 90 bis 36o erhalten könne Er gesteht ein , dafs 
das Licht durch die Anwendung des Okulares mit vier 
Gläsern bei astronomischen Fernröhren vermindert werde ; 
aber dafür seyen die Bilder der Fixsterne besser begränzt 
und deutlicher, als mit gewöhnlichen astronomischen 
Okularen. 



!k3. Camera obscüfa mit einem convexen Prisma> von 

Herrn Chevallier dem Altern. 

Der Autor ersetzt die Linse und den Planipiegel der 
alten Camera obscura blofs durch ein conve^es Prisma. 
Die Grundfläche dieses Prisma unterscheidet sich von ei- 
nem rechtwinkligen gleichschenkligen Dreiecke nur da- 
aurch , dafs eine von den Seiten des rechten Winkels von 
einem Kreisbogen gebildet wird, welcher diese Seite tu 
seiner Sehne hat. Dieser Bogen ist der Durchschnitt ei- 
ner sphärischen Oberfläche vom Prisma^ welche an die 
kleine ^bene Fläche anliegt , die die Gestalt eines Paralle- 
logramms hat. Die Ebene der gröfsten Fläche, welche 
dieselbe F*orm hat , geht durch die Hjpof henusen der bei- 
den Dreiecke, der Grundflächen nähmlich des Prisma. 
Von den fünf Oberflächen des Prisma sind vier eben, und 
jede hat den Kreisbogen« als eine Seite und als Durch- 
schnitt der fünften Seite, welche sphärisch ist. Wenn 
dieses Prisma auf die Camera obscura gestellt irird, so sind 
die Ebenen der beiden Grundflächen vertikal; di« klein« 



XU diesen Flflchen perpendiktilär^ Oberfläche ist homon- 
tal, und die grofse Oberfläche ist in einem Winkel von 
45 Graden gegen den Horizont geneigt. 

Die Dienste dieses Prisma sind folgende« Wenn eiii 
Lichtstrahl auf die Mitte der conrexen Oberfläche aufftllt^ 
durch das Prisma geht , und an die unter einem Winkel 
Ton 45 Graden geneigte Oberfläche kommt, so wird ei' 
dort zurückgeworfen, fällt auf die ebene horizontale Ober- 
fläche und geht durch das Prisma in die Luft. Man fängt 
dann das Bild des Gegenstandes ^ woher der Lichtstrahl 
kam i auf einem Blatt Papier auf. 

Das konvexe Prisnia des Herrn Chet^aüier gewähr! 
mehrere Yortheile* Das Bild des Gegi^nstandes ist 
lebhafter und schöner, als in der andern Camera ob^ 
scuraß man vermeidet durch di^ Zorückwerfdng des 
Lichtes an der Oberfläche des Prisma die Unbequemlich- 
keit der doppelten Zurückwerfung von einem ebenen Glas* 
Spiegel , von einiger Dicke y und endlich ist ein Prisma 
wegen seiner Dauerhaftigkeit dem Spiegel vorzuzieheui 
dessen Belegung sehr häutig duröh die Feuchtigkeit oder 
durch andere zufallige Ursachen gestört wird. 



a4* Kruometei:; neues Instrument > um die Slärkci 
des Frostes und der Kälte zu messen , von Herrn 

FlaugergueSi 

Dieses Instrument besteht in einem konisclien gleich' 
förmigen Gefäfse, acht Zoll hoch, aus Eisenblech oder 
Kupfer , und wird an zwei kleinen Handhaben aufgehängt^ 
oder auf einen eisernen Reif gestellt. Wenn der Frost sich 
einmahl eingefunden hat, so giefst man nach dem Untergang^ 
der Sonne hundert Kubikzoll Wasser , welches man von 
der Temperatur des schmelzetiden Eises nimmt, iit das 
Gefäfs hinein; man übcrläfst dieses Wasser durch die 
ganze Nacht der Einwirkung der Kälte, und wenn diese 
ihr Maximum erreicht hat. Was gewöhnlich bei Sonnen- 
aufgang Statt hat, so durchbohrt maii das an der Öffnung 
des KruoRieters gebildete Eis mit einem Windelbohrer^ 
leert durch dieses Loch das Wasser , welches nicht ge- 
froren ist, aus, und mifst es mittelst eines graduirten Ge- 
fäfses. Die Stärke des Frostes oder die Kälte kann maift 

Jalttb. a« ^\yU lait m« M ^^ 



4i8 . • 

nun atts der Menge des gefrorenen Wassers abnehmen. 
Herr Flaugergues gibt noch die Mittel an , sich über die 
Anzeigen des Krüometers auszudrücken', und findet es 
weit genauer und verläfslicher als alle Thermographe, die 
bisher angewendet worden {Journal de Phy^ique^ fef^rier 
1820). 

a5. Neues lithographisches Verfahren. 

Dr. Annibal Palrelli^ ein Neapolitaner, hat eine Me- 
thode aufgefunden , nicht nur alle Arten yon dichten und 
polirbaren Steinen für die Lithographie zu Tcrwenden, son- 
dern er hat noch neue Yerfahrungsarten entdeckt , um die 
lithographischen Abdrücke, insbesondere jene Ton Bö- 
chern, mit sehr grofser Schnelligkeit zu yer vielfältigen. 
Hier nur Einiges von den Mitteln,- durch die er die sel- 
tensten und ältesten Bücher so kopiren will , dafs die Ko- 
pien eine vollkommene Ähnlichheit mit ihren Originalen 
haben sollen. Man befeuchtet die Blätter der Bücher, 
welche kopirt werden sollen , mit einer chemischen Mi- 
schung , und breitet sie , noch feucht , über die lithogra- 
phischen. Steine. Durch diese ganz einfache Operation 
befestigen sich die Buchstaben dieser Bücher , wenn sie 
auch in den ältesten Zeiten der Buchdruckerkunst gedruckt 
worden sind, an die Steine, und können dann zum Ab- 
drucke einer gewissen Anzahl von Exemplaren dienen. 
Man frischt hernach die Charaktere mit einer Rolle auf, 
welche eine eigene Tinte enthält, und welche man über 
die Lettern zieht, denen sie ihre Schwärze mittheilt, wäh- 
rend sie den übrigen Theil des Steines unberührt läfst 



\ 



' u6. Siderographie , ein neues Verfahren im 

Graviren. 

Herr Perkins hat das Geheimnifs entdeckt, dem Stahle 
einen solchen Grad von Weichheit zu geben, dafs nian 
darauf mit dem Grabstichel graviren kann, und das noch 
leichter als selbst auf dem Hupfer. Wenn der Stich auf 
einer solchen Platte ausgeführt worden ist, so gibt ihr 
Herr Perkins^ durch -ein Verfahren , das gleichfalls seine 
Erfindung ist, wieder die Härte des här|:esten Stahles, 
ohne die feinsten Züge des radirten Stiches nur im Ge* 



4^9 

ringst^n zn rerändern. Man macht sich ilan einen Zylin« 
der Fon weichem Stahle, dessen Umfang der Länge der ge* 
stocheoen Stahlplatte gleich ist, und überträgt von dieser 
auf jenen den Eindruck erhaben mittelst einer, wirksameni 
auf diesen Zweck berechneten Presse« Dieser Zylinder, 
welcher jetzt den genauen Abdruck des Originalsiiches 
hat, wird darauf jener Behandlung unterworfen , vermit« 
telst welcher der Verf. den Stahl härtet, und er ist dann 
für die Verwendung, zu der er dient, fertig ; denn mittelst 
der Presse läfstman ihn nun nur über eine Kupferplatte rol* 
len , worein er durch den blofis'bn Druck genau das Ge- 
genstück zu dem Originalstich .rertieft eindrückt; und so 
kann man sich so* riele Kopien , die unter sich und dem 
Originale vollkommen gleich sind, rerschaßen^ als man 
Kupferplatten unter dem Zylinder durchgehen lassen wilL 
Statt dieser Kupferplatten kann man auch welche Ton 
weichem Stahle nehmen, welche dann wieder gehärtet 
würden, wodurch man in Stand gesetzt wäre, eine gröfsere 
Menge yon Abdrücken zu machen. -^ Was den Werth 
dieser Erfindung noch bedeutender Inacht, ist die Anwend- 
barkeit derselben auf Verhütung, der Papiergeld «VerfäU 
schung« 

Derselbe Künstler ist auch der Erfinder einer Ma^ 
schine , Abdrücke im radirten Stiche zu machen. Mittelst 
seiner Erfindung kann er mit sechs und dreilsig PlaUeii 
und durch '.Tier Menschen binnen eiiier Minute 188, und 
binnen einer Stunde 6000 Abdrücke verfertigen. Die Ma-* 
schine besteht in einem Rade, vier Fufs im Durchmesser^ 
an dessen Umkreise die sechs und dreifsig Platten befestigt 
sich befinden ; die Schwärze wird nach dem Verfahren des 
Herrn Cowper auf die Platten aufgetragen^ und eine HOU0 
Papier von beliebiger Länge geht zwischen den Plattet 
lind denn Rade durch. 



^'j. Maschine , um Musikalien umzublättern ''^)^ 

Man verfertigt in England eine Maschine , um Musika-* 
iicfif mit dem Fufse umzublättern « ohne von der Hand da-^ 

im . ». ■■ I i I ■ , ,. I ... I I 11 ^ < 

*) Herr Bshm , Instrumentenmacher in Wien , »verfertigt gc*, 
genwärtig schon eine ähnliche , und bat darauf ein Privileg 
giuitt genommeS; 

^'7 * ■ 



430 . 

hei Gebrauch zu maclien. Sie, wirkt in fcinf rerschiede- 
nen Bewegungen. Die erste kehrt das Blatt uni| die zweite 
blättert zurück beim Dacapo, die dritte hält das zweite 
Blatt, während das erste umgewendet wird, die vierte 
bringt den zweiten Hebe} an die Stelle des ersten, und 
bei der fünften kommt der Hebel wieder an seinen Platz, 
um das zweite Blatt umzuwenden. Die ganze Maschine 
befindet sich im Innern des Portepiano, und wird nur dann 
aichtbar , wenn man sich ihrer bedient. 



nS. Nene Saiten. 



Herr F, Fischer zu Frohburg schlägt in der musikali* 
sehen Zeitung von Leipzig vor, statt der Saiten aus Stahl 
oder Kupfer, Saiten aus Platin anzuwenden. Da dieses 
Metall Fiel elastischer und dehnbarer ist, so würden die 
daraus verfertigten Saiten einen viel reineren und ange- 
nehmeren Ton geben ; und da die Luft und die Feuchtig- 
keit keinen Eiiiflufs daVauf hat, so würden sie weder dem 
Boston noch dem Springen unterworfen sejn. Man könnte 
auch , ds^ das Platin mit dem Eisen sich legiren läfst , Sai- 
ten aus Legirungen von diesen Metallen machen, welche 
sicher in gewissen Fällen grofsen Vorzug besitzen müfsten. 



29. Verfahren^ die Achate zu färben« 

Dieses Yerfahren besteht darin, dafs man die Achate 
in Schwefelsäure sieden läfst: sogleich werden einige 
von den Blättern, woraus sie gebildet sind, schwarz, wäh- 
rend andere ihre natürliche Farbe behalten, oder noch 
in eine Weit auffallendere Weifse übergehen , woraus die 
Kontraste entstehen , die den Werth dieses Gesteins %o 
sehr erhöhen. Diese Wirkung tritt aber blofs bei jenen 
Achaten ein , welche von einem Steinschneider schön ge- 
schliffen worden ; denn sie ist eine Folge der Einwirkung 
der Schwefelsäure auf das Öhl , welches von dem Steine 
während des Schliffes eingesogen worden. Man kann in- 
dessen auch des guten Erfolges dieses Verfahrens ver- 
sichert seyn , wenn man den Achat in Öhl sieden läfst, 
bevor man ihn der Einwirkung der Säure unterwirft. 

Die Indier haben geheime Mittel, die Oberfläche 



4at 

der Achate weift zu machen. So z. B* kommen ans jenen 
Ltändern Harniole zu uns, worauf man sehr feine, weifse» sich 
dnrchschKngende Linien bemerkt, die eine überraschende 
Wirkung machen. Man erhält diese, wenn man den Stein 
mit kohlensaurer Soda bedeckt, und dann das Ganze der 
Hitze eines Ofens aussetzt. 



3o. Neuer hydraulischer Widder. 

' Herr Godia in Paru , rue^ PoU^eau Nro* 21, hat einen , 
hydraulischen Widder von solcher Einfachheit erfanden« 
dafs es keinen Landwagner gibt, der nicht im Stande wäret 
einen solchen anzufertigen. Der ZwAck dieser Erfindung 
ist , ein leichtes Mittel an die Hand zu geben , um Wiesen 
Süßwassern, Moräste auszutrocknen und Wasser aus dem 
Schoofse der Erde auf die höchsten Abhänge zu heben. 
Herr Godia rerschafft solchen , die selbst diese Maschine 
sich einrichten wollen , eine Anweisung dazu, nebst einem 
Kupferstiche, wozu er noch, wenn man es wünscht, ein 
Modell «71 rtfU^ beischliefst. 



3i. Instrument^ um BUnden lesen zu lernen. 

Eine sehr geistreiche mechanische Erfindung, welche 
solchen, die des Augenlichtes beraubt sind, ein neues 
Mittel, sich zu unterrichten, darbiethet, ist unlängst Ter« 
Toll kommt worden. Man nennt es den doppelten Tjpo- 
graphen (un double typographe)^ und es setzt die Blinden 
in Stand, mittelst Lettern, auf den Tastsinn berechnet, 
Ideen aufzufassen und mitzutheilen« Dieser Apparat ist 
klein und tragbar , und die Art, sich dessen zu bedienen» 
ist so einfach und leicht, dafs ein Blinder sie in sehr kor* 
zer Zeit erlernen kann (^Archü^ei des decotu^erieM de iSso 
p. 3oo). 

32. Lithogljptische Maschine des Herrn Fallin. 



Diese Maschine dient dazu, Blocke ron Jfarmor, 
Granit, Porphjr und Serpentin in jeder Dimen»on zu sä* 
gen und zu spalten ; ans einem und demselben Cjlinder 
zwei, drei und rier Säulen zn schneiden und zn durch- 
bohren; und mehrere Yasen Ton verschiedenen Dimensio- 



4^3 

nen und verschiedener Härte , von der des Marmors und 
Alabasters an bis zu jener des Granites, des Jaspis und 
selbst des Bergkrystalls , gleichförmig auszuhöhlen. Die 
Soeiete d'encouragement hat dem geistreichen 'Erfinder für 
diese Maschine eine Medaille zuerkannt. 



33. Tabakdosen zum Rechnen. 

Ein jedes Geschäft beinahe erfordert mehr oder we« 
niger vernickelte Rechnungen, welche oft viel Zeit rau- 
ben, und manche arithmetische Kenntnisse voraussetzen. 

Herr Hojau ist darauf gekommen , diese Operationen 
dadurch zu vereinfachen und abzukürzen , dafs er an den 
Umkreis seiner Dosen die Bechnungsarten anzeichnet; und 
ihr Gebrauch ist wirklich in Enßland und Amerika schon 
i^hr verbreitet« 

Mittelst dieser Dosen kann man mit jeder erforderli« 
eben Genauigkeit die Multiplikationen , die Divisionen, 
die Regeln der Proportionen , die Ausziehung der Qua- 
drat- und Kubikwurzeln u. s. w. bewerkstelligen. Hierbei 
braucht man nur den Deckel mit der einen Hand zu dre- 
hen, Während man die Dose selbst mit der andern festhält. 

Dieses so bequeme Instrument, welches einer Menge 
»ützlicher Anwendungen noch föhig ist , ist vorzüglich für 
alle jene geeignet, die sehr beeilt sind, in solchen Ver- 
hältnissen ein Resultat zu geben, Wo der Gebrauch der 
IFeder oder des Bleistiftes entweder nicht anwendbar oder 
2u langsam wäre. 



34« * Neue Anwendung des leichtflüssigen Metalles. 

Man weifs, dafs das leichtflüssige Metallgemisch, wel- 
ches aus acht Theilen Wismuth , fünf Theilen Blei und 
drei Theilen Zinn zusammengesetzt ist^ schon bei der Tem- 
peratur von 8o® ßeaum. flüssig wird, und dafs esimsie- 
. denden Wasser schmilzt. 

Herr Ca dei- Gassicourt hatte nun in Erfahrung ge- 

bracbt, dafs dieses Metall alle, selbst die feinsten Züge 

V eines vertieften* oder erhabenen Stiches annimmt, und 

suchte hieraus eine Anwendung zu ziehen. Er leimte da- 



4^3 

her auf den Boden einer Tasse ein Stück weifses Papier, 
schrieb etwas darauf mit gewöhnlicher Tinte, und be- 
deckte die Schrift mit fein gepulvertem arabischen Gummi ; 
dieses Pulver gab der Schrift einige Erhabenheit. Nach- 
dem das Ganze getrocknet war , blies er darüber , um das 
Pulver, welches sich nicht angehlebt hatte, wegzubrin- 
gen, und gols leichtflüssiges Gemisch auf die Tasse, wel- 
ches er dann sehr schnell abkühlte, um das Krjstallisiren 
desselben zu verhindern. So erhielt er einen Abdruck 
seiner Schrift, die sich im Metalle vertieft darstellte. Er 
tauchte hernach diese Metallplatte einige Zeit in. laues 
Wasser, um das wenige Gummi, welches etwa noch daran 
hätte haften können, aufzulösen. Wenn man sie vor ei- 
nen Spiegel hielt, so konnte man die eingegrabene Schrift 
vollkommen lesen. Herr Cadet - Gassicourt machte dann 
mittelst einer Presse und der Druckerschwärze mehrere 
sehr hübsche Abdrücke \on dieser Schrift, und sie wa- 
ren ein wahres fac simile. 

Wird das leichtflüssige Gemisch daher auf eine solche 
Art behandelt, so kann es dazu dienen, um Schriften, Mu- 
sikalien, Zeichnungen u. s. w. zu vervielfältigen, und be- 
rechtigt zu allerlei Erwartungen. 



35. Beleuchtung durch öhlgas. 

Zwei Engländer, die Herren Taylor^ haben schon 
vor mehreren Jahren die Anwendbarkeit des flammenden 
Gases , welches man aus Ohl erhält, auf Beleuchtung ent- 
deckt. Herr de la Fille, in London ansäfsig, ha^sich seit- 
dem bemüht, die Apparate , welche hierzu bestimmt sind, 
zu vervollkommnen und zu vereinfachen. Sein ganzer Ap- 
parat besteht in einem Ofen , wo die Entwicklung des Ga- 
ses vor sich geht , einer kleinen Reihe von Gefafsen, wo 
es gereinigt und abgekühlt wird, und einem Gasometer, 
um es aufzunehmen. 

Um das Ohl zu zersetzen und daraus das brenn1)are 
Gas zu erhalten , gibt man Schlacken von Steinkohlen 
(Koaks), Ziegeln oder was immer für eine schwammige 
und unverbrennliche Substanz in -eiserne Retorten ; man 
schliefst dann die Öffnungen der Retorten durch die Kom- 
munikatio'nsröhren und lutirt alle Fugen sorgfaltig. Man 



4^4 

füllt nun ein seitwärts stehendes Behältnifs mit Ohl, naiiit 
das Feuer unter den Retorten, bi^ diese roth glühen; 
dann öffnet man den Hahn yom Öhlbehältnisse so, daft 
das Öhl nur tropfenweise herausdringen kann. Dieses 
{aUt nun auf die roth glühenden Schlacken, theilt, yer- 
ilüchtigt und zersetzt sich, und entweicht wie -ein empyreu- 
matisches Gas» 

Kommt es nun in das erste Reinig^ngsgefiLTs, so setzt 
es das empjreum^tisohe Ohl, welches es enthielt, ab; 
geht dann in das zweite , kühlt sich beim Durchgange ab, 
und jene heterogenen Theile , welche es etwa noch ent- 
hält, sammeln sich gegen den Boden der Serpentine und 
fallen in die untere Höhlung. Zuletzt wird das Gas in ei- 
nem dritten Gefafse noch gewasc)ien, aus welchem es in 
den Gasometer geleitet wird, den es unmerklich nach und 
nach hebt. Ist der Gasometer voll , so stellt man das Feuer 
ein , schliefst den Hahn der Zuführungsröhre und läfst das 
letzte Gas noch durch die Ausführungsröhre entweichen. 

Die Pflanz^nöhle geben im 4-Ugem^inen mehr Gas als 
die thierischen. Wenn das Feuer gut geleitet wird, so 
kann man in einer Minute ungefähr i y, Kubikfufs Gas be* 
kommen , so , dafs man einen Gasometer , welcher etwa 
33o Kubikfufs enthält, binnen vier Stunden leicht fallen 
kann. 

Eine gewöhnliche Gaslampe mit einem Ausf&hrun^- 
schnabel verbrennt einen halben Kubikfufs Gas durch eine 
Stunde; eine Argand'sche Lampe mit sechs und dreifsig 
solchen Schnäbeln verbraucht zwei Kubikfufs während der- 
selben Zeit. 

Die Intensität des Lichtes durch Verbrennung des . 
fius Steinkohlen erhaltenen Gases verhält sich zu der des 
Lichtes eines aus Fisch thran erzeugten Gases wie 5:9; 
zu dem Lichte des aus Kokosöhl gezogenen Gases aber wie 
5 : 1 2 ; und zu 9iner Mischung aus diesen beiden Gasen 
wie 1 : 2. Wenn man also berechnet, dafs das Licht einer 
gewöhnlichen Lampe sich zu dem des Kohlengases ver- 
hält wie 1:27,, so .wird sich jenes Licht zu dem des 
Ohlgases wie 1 : 5 verhalten. 

Herr Professor Brande hat i|n MonUily Magaw^ von^ 



4a5 

M^ärz 1831 mehrere schätzbare Tersache über die relative 
erwärmende and beleuchtende Kraft des Kohlen- und 
ÖhlgaseSf so wie über die yermuthlichen Bestandtheile 
derselben bekannt gemacht, und sich in jener Hinsicht 
für das Ohlgas ausgesprochen. Auch Herr Ricardo stellt 
eine Yergleichung derselben in Hinsicht auf die Yortheile 
des einen oder des andern bei seiner Anwendung in den 
Annais of PhilosophjTy neue Folge, Nr. 3, S. «09, an, 
welche ganz zu Gunsten des Öhlgases ausfallt. Was Herr 
Lowe im Phäoiophical Magazine vom April 1 82 1 gegen diese 
Yergleichung sagt, beruht theil weise auf Mifsverständnissen, 
wiewohl es auch theil weise als Berichtigung jener Yer«^ 
gleichung noch dienen kann. • 

Dafs das Öhlgas wirklich viele Yorzüge besitzen 
müsse, dafür spricht die häufige £infuht*ung desselben 
bei neuen Unternehmungen in Englands So ward kürzlich 
zu Hall eine förmliche Yer Sammlung gehalten , um die 
Yorzüge beider Gase zu prüfen, und das vorzüglichere ' 
zur Stadtbeleuchtung zu verwenden. Das Resultat war, 
dafs man fand , dafs das Öhlgas ein besseres Licht gebe, 
als das Kohlengas , däfs man für jenes kleinere Apparate 
brauche , dafs es frei von dem durchdringenden Gerüche 
des Kohlengases sey, welcher die Luft so verdirbt und 
der Gesundheit so schädlich ist; dafs es die Leitungsröh- 
ren nicht angreife , polirte Metalle nicht trübe « nicht Sei* 
denwaaren entfärbe u.s.w. wie das Kohlengas; dafs es 
endlich neuerlich im Coi^entgarden - Theater ^ in AeviVhiU 
6read«- Brauerei und an so vielen andern Orten mit Yor- 
theil wäre eingeführt worden. Die Yersammlung fafste 
einstimipig den Entschlufs zu Gunsten des Öhlgases« 



36, Papier « Dachungen. 

Herr Asiü Henik, Besitzer einer Strohpapierfabrik 
zu Okonioit^ hei Pf^arschßu, soll nach seiner eigenen Erfin- 
dung ein ^u Dachungen iaugliches Papp • Papier verferti« 
gen , das dem Regen wie dem Feuer widersteht. Diese 
Erfindung müfste allerlei nützlicher Anwendungen fähig 
seyn , wenn irgend Jemand sich näher damit bekannt ma- 
chen und sie auf vaterländischen Boden verpflanzen möchte. 



4a6 

37, Zoogene* 

Herr Carlo di Gimbemat hat in dem Badewasser von 
Bälden und.ron lichia eine besondere Substanz entdeckt, 

• wovon er im Giornale di Fisica folgende Beschreibung gibt: 
»Diese Substanz bedeckt wie ein Überzug riele Felsen in 
den Thälern Ton Senagalla und Negroponte, um ^en Fufs 
des berühmten Epomeo, Es ist merkwürdig , dafs an dem- 
selben Orte eine Substanz gefunden werden soll , welche 
der Haut und dem Fleische des Menschen sehr ähnlich ist. 

. Ein Theil dieses Berges , den man mit dieser Substanz be- 
deckt fand, mafs 4^ Fufs in der Länge und 24 in der 
Höhe. Sie gab durch Destillation ein empyreumatisches 
Öhl, und durch Sieden eine Gallerte, welche Papier ge- 
kleistert haben würde. Ich bekam zu Baden dieselben Re- 
sultate. Man kann es daher als ausgemacht betrachten, 
dafs in diesen Badequellen ein thierischer Stoff zugegen 
ist, welcher in ihrer Nachbarschaft durch Abdampfen 
sich Terdichjtet. Diesem Stoffe habe ich den Nahmen Zo<h 
gene gegeben.« 

Die Herausgeber des Giom, di Fis» setzen bei« dafi 
sie die von Herrn Gimbernat erhaltene Substanz gesehen, 
und dafs sie äufserlich ganz das Aussehen yon Fleisch hat, 
welches mit Haut bedeckt ist. 



* 38. Neue Pigmente. 

DieÖrn. Colin, und Tai7/e/orf haben beobachtet, dafs dai 
blaue oder das grüne kohlensaure Kupfer, wenn es bis 
auf die Temperatur von a\2^ F, erhitzt wird, sein Wasser 
rerliert und braun wird. In diesem wasserfreien Zn- 
stande 'besitzt es eine so gute Farbe, dafs es, als Mahler- 
farbe yerwendet , sehr fiel Brauchbarkeit verspricht. 

Graf de Maiatre brachte eine Zechine mit der einen 
Seite mit Quecksilber in Berührung, und erhielt, als er sie 
nach 24 Stunden mit einer an Gewicht gleichen Menge 
Zinn schmolz, eine Legirung, welche schon in siedendem 
Harze schmelzbar war. Wurde diese Legirung mit reinem 
Ammoniuin in einem Mörser abgerieben , so gab sie em 
Pulver von feiner Purpurfatbe. . 



42? 

39« Knallgold» 

Graf de Maisire hat ein Knallgold dadurch bereitet, 
dafs er eine geringe Menge von Goldauflösung in rothen 
(Bordeaux) Wein gois. £« bildete sich ein Niederschlag, 
welcher explodirte , nachdem er getrocknet und in einer 
eisernen Kapsel der Hitze eines Kohlenfeuers ausgesetzt 
-worden war« 



4o. Neue elektrische Batterie. 

Dn Dana^ an der'Haryarder Universität in Amerika^ 
hat eine elektrische Batterie aus Platten verfertigt, welche 
sehr tragbar und fest ist, und nach seinen Versuchen auch 
sehr wirksam seyn mufs. Sie besteht aus abwechselnden 
Platten von flachem Glase und YX>n Zinnfolie, nur sind jene 
nach allen Seiten um zwei Zoll gröfser als diese. Auf der 
einen Seite hinunter ist die erste, dritte, fünfte, sie- 
bente u. s. w« Platte der Zinnfolieo. verbunden, und auf der 
andern die zweite , vierte , sechste , achte u. s. w. , indem 
zu diesem Ende ein Streifen Zinnfolie von der Zinnplatte bis 
an den {\and d?r Glasplatte geht. Diese YerbinduAgen 
vereinen alle die Oberflächen mitsammen, welche, wenn 
die Batterie geladen wird , denselben elektrischen Zustand 
annehmen. Eine so eingerichtete Batterie gibt in einem 
kleinern Volumen einen sehr kraftvollen Apparat, welcher 
dadurch, däfs man die Enden der Glasplatten gut firnifst, 
in einer beständigen trockenen Isolation erhalte ^ wer- 
den kann. 



4i» Besondere Art von Kupferdrucke rei. 

Herr Gonord hat eine Erfindung gemacht, bei deren 
Ankündigung das Publikum sehr überrascht worden ist. 
Wenn man ihm eine gestochene Kupferplatte gibt, so kann 
er pach jedem beliebigen Mafsstabe Abdrücke davon neh- 
men« ^r kann sie nach Belieben gröfser oder kleiner ma- 
chen als die Plätte, und das ohne eme andere Kupferplatte 
zu bedürfen, oder mehr als zwei bis drei Stunden zu brau- 
chen. Würden ihm also Plätten von einem grofsen At- 
lasformate, wie gegenwärtig jene, die zur Deacripiion dö 
VEgjrpte gehören , in die Hände gegeben,' so wollte er da- 
von eine Ausgabe in Oktav machen, ohne die Platten ra 



4a8 

yerändern. Er hat auch bei dei" letzten Au88tellang der 
Prodokte der National - Industrie in Paru Stücke Porzellan 
gelieferti als Abdrücke nach diesem seinem neuta Verfahren. 

Die Gewifsheit der Sache ist durch Mitglieder der 
Zentral - Jury bekräftigt worden , welche durch Herrn Go^ 
nord in seine, Werke zugelassen wurden. In Folge ihrei 
Berichtes ertheilte die Jury dem Herrn Gonord eine gol* 
dene Medaille (Annaies de Chimie^ XIIL p. 94)^ 

4a. Aufbewahrung frischer Friichte, 

Man wählt, wenn di^ Früchte reif sind, solche 
Sträufse , welche gegen Süden stehen , und die am schön- 
sten aussehen und am reichlichsten mit Früchten P>eladen 
sind. Diese umgibt man mit dichten Strohmatten, so daCi 
sie gegen kalte Luft und andere Einflüsse vollkommen ge* 
schützt sind« So behandelt kann die Frucht bis im Januar 
oder Februar hinaus ganz frisch erhalten werden. 



43« Leslie*% Hygrometer^ zur Priifung der Stärke 
geistiger Fldssigkeiten angewendet 

Herr Pf^^ RUciie zu Perth hat kürzlich durch mehrere 
Versuche gefunden, dafs zwischen der Kälte, welche durch 
die Verdampfung (an der Kugel des LesUe'schen Hygro- 
meters ) erzeugt wird, und der Starke der verdampfenden 
geistigen Flüssigkeit ein gleichförmiges Verbal tnifs bestehe. 

* Die Kugeln yon drei sehr empfindlichen Hygrome- 
tern wurden, und zwar eine mit sehr starkem Weingeiste, die 
andere mit einer Mischung yon demselben Weingeiste und 
Wasser zu gleichen Theilen, und die dritte mit Wasser 
befeuchtet Mit Sorgfalt wurde der niedrigste, durch die 
Verdampfung erzeugte Hältegrad beobachtet: der yom 
Wasser war 40 , der yom yerdün'nten Weingeiste war 64f 
und der yom starken 88. Daraus ergibt sich folgende Pro* 
portion: die Stärke des yerdüi^nten Weingeistes zo der 
des starken wie 24 zu 48. 

Diefs yersuchte er mit Mischungen yon geistigen Flüs- 
sigkeiten und Wasser zu yerschiedenen Verhältn lasen, und 



4^9 

bei Terschiedenen Zustanden der Atmosphäre, und fand 
dieselbe Eigenschaft gleichförmig bleibend. . 



44* Doppelte Strahlenbrecliimg. 

Herr Soret hat im Journal de Phjrsique ( XC. p 353) 
swei einfache Methoden, sich die doppelte Strahlenbre- 
chung mineralischer Substanzen zu vergewissern, angege- 
ben. Der Apparat fär die erste Methode besteht bloi's in 
Twei Platten yon Tnrmalin, welche parallel mit der Achse 
des Kristalls geschnitten nnd kreuzweise über einander 
gelegt sind , so dafs sie alles Licht absorbiren. Die Sub*» 
stanz, welche untersucht werden soll, wird zwischen diese 
Platten gebracht : wenn sie doppelt brechend ist , so er* 
scheint Licht durch den Turmalin : wo nicht , so bleibt es 
dunkel. Die zweite Methode besteht darin , dafs man das 
zu untersuchende Mineral über ein Lückchen in einer 
Spielkarte legt, und das durch gelassene Licht durch ein 
achromatisches Prisma yon isländischem Spathe untersucht. 
Wenn die beiden erzeugten Bilder verschieden gefärbt 
sind , so deutet diefs auf doppelte Strahlenbrechung. 



45. Wiederherstellung des Weifs an Gexnählden» 

Herr Thenard hat sein oxjgenirtes Wasser zu diesem 
Zwecke mit sehr gutem Erfolge angewendet. * Das Weifs 
wird braun oder auch schwarz , wenn Gemähide Schwe* 
feidämpfen oder geschwefeltem Wasser stofigas, welches an 
manchen Orten sehr häufig ist, ausgesetzt sind. In Anbe- 
tracht nun , dafs das oxygenirte Wasser das schwarze ge- 
schwefelte Blei in einen weifsen Bleivitriol verwandelt, 
theilte er diefs einem Künstler mit, welcher ein Gemähide 
von Raphael wieder herzustellen wünschte. Als es danii 
mittelst eines Pinsels angewendet wurde, verschwanden 
sogleich die Flecken. 



■<p" 



46. Mauerobst. 

Herr H. Dau^i in Slough hat die Erfahrung gemacht» 
dafs das Reifen von Mauerobst beschleunigt und das Obst 
noch besser werde , wenn man die Wand , an welcher es 
Wachst, schwarc mahh. Er stellte dea Yersuch an einem 



43<> 

Weinstoclie an. Der geschwärzte Theil der Wand 'hatte 
zwanzig Pfund und zehn Unzen feine Trauben , während 
die andere Hälfte der Wand nur sieben Pfund und eine 
Unze gab, welche auch nicht so grofs und so reif waren. 
Das Holz war auch an der geschwärzten Seite stärker und 
viel mehr mit Laub bedeckt« 



47. Aufbewahrung von Eiern« 

Die beste Methode^ Eier aufzubewahren , es sej nun 
cu zoologischen oder zu ökonomischen Zwecken , ist die, 
dafs man sie mit arabischem Gummi überstreicht und dann 
unter Kohlenpul Fcr packt. Das Gummi wird hernach 
leicht durch Abwaschen mit Wasser entfernt. Die Kohle 
schützt sie yor plötzlichen Abwechselungen der Temperatur. 



i. 48- Neuer Elrdglobus. 

■ 

Herr Carl P, Khummer in Berlin hat vor einiger Zeit 
einen Globus angekündigt, worauf die Berge erhaben dar- 
gestellt sind. Die Idee ist recht gut, und eine gute Auf- 
nahme wäre davon schon darum zu wünschen, weil sie für 
geographischen Unterricht sehr erspriefslich wäre. 



'*49« Gemeinnütziges astronomisches Instrument. 

Herr Theodor Carezzinii ein Piemonteser, hat zwei 
Arten von runden Tafeln erfunden, welche er geozentri- 
sche und heliozentrische Tafeln nennt, uiid vermittelst de- 
rett jemand ohne mathematische Kenntnisse in kurzer Zeit 
den Lauf der Gestirne genau beobachten und die Erschei- 
nungen am Himmel sich erklären kann. Damen und junge 
Leute , welche der Erfinder in seiner Methode unterrich- 
tet hat, haben ohne vorläufige astronomische Kenntnisse ver- 
schiedene Aufgaben hinsichtlich der Sonne, des Mondes, Act 
Planeten, der Fixsterne, der Finsternisse u. s. w. gelöst. Mit- 
telst dieser Instrumente kann man im Freien in wenigen Minu- 
ten den Meridian sich finden, und bei einer Landreise nie 
die Bichtung nach Norden verfehlen. Man kann auch wäh- 
rend der Nacht die Stunde ohne T^aschenuhr erfahren. ¥j^ 
ist zu wünschen , dafs der Erfinder dieser neuen Methodei 



43« 

wovon wir diese nur nnTolIstandige Nachricht geben kön- 
nen, die Schwierigkeiten überwinden möge, womit oft 
dergleichen nützliche Ertindungen zu kämpfen haben. 



5o. Der eigentliche Erfinder der Dampfmaschine« 

Im Jahre 1699 hat Kapitän Satfary auf diese Erfindung 
ein Patent erhalten , und seitdem all die Ehre genossen, 
die dieser Erfindung gebührt« In der ansehnlichen Samm- 
lung Yon Manuscripten aber, ihe Rarleian ColUciion ge- 
nannt , die jetzt im brittischen Museum zu London sich be- 
findet, liegt ein sehr triftiger Beweis aufbewahrt, dafs 
der wahre Erfinder Samuel Morland war , welcher Meister 
der Gewerke Karls IL Ton England war, und yermuthlich 
Von ihm in den Ritterstand erhoben wurde ; denn er wird 
häufig Sir Samuel und » Le Chei>alier « genannt. Dafs den 
ersten Fingerzeig zu der Sache der Marquis von H^orcester 
in seinem Ceniurjr of intfentions gegeben habe, ist wohl 
ausgemacht; aber nur ganis dunkel, wie es die meisten 
seiner Andeutungen sind. Morland aber schrieb ein Buch 
über den Gegenstand , worin er nicht nur die Ausführbar- 
keit seiner Ansichten zeigte, sondern auch die Kraft yer- 
schiedener Zylinder berechnete. Dieses Buch befindet 
sich noch in der obigen Sammlung im Manuscript. Es 
wurde im Jahr i683 dem Könige ron Frankreich überreicht, 
und in demselben Jahre wurden wirklich zu St. Geimain 
Versuche angestellt« Der Autor datirt seine Erfindung 
Yom J. i 682 ; sie ist also um siebenzehn Jahre älter als iSa- 
f^arfr's Patent. Da Morland unter Karl JL lebte , so mufs 
man yermuthen, dafs er schwerlich nach Frankreich 
gegangen seyn würde , um seine Erfindung Luda^ig XIV, 
anzubiethen , hätte er sie m der Heimath nicht gering 
geschätzt gesehen« Indessen scheint sie doch ^eiden 
laändern dunkel geblieben zfi ^ejn bis ;^um Jahr 1 699 , wo 
Sat^arjr ^ der rermuthlich mehr von Morland'^ Erfindung 
wnfste, als dieser dachte, sein Patent erhielt ; und in dem- 
selben Jahre legte sie M. Amonions der Akademie yon 
Frankreich, auch yermuthlich als seine eigene, yor. -*■' Ist 
Tkun Morland ^ wie alle diese. Umstände es aufser Zweifel 
zu setzenscheinen,der wahre Erfinder, so Ist es wohl höchst 
billig) seinem Nahmen jene Aufmerksamkeit zu schenken« 
worauf ihm der ansgebreifete Nutzen seiner Erfindung eu- 
nen so gerechten Anspruch gibt« 



432 

5i. Unverbrennliches Yorrathshaas zu Pljrmouth. 

Das unverbrenn liehe Yorrathshaus , welche» zu Pi/- 
jnouth im J. 1818 yotlendet worden ist, besteht in allen 
seinen Theilen durchgängig ans Stein oder Eisen. Die 
Gurten ^ die Querbalken , die Thüren / Bänder and Rah- 
in en sind sämmtlich niedlich aus Gufseisen Tcrfertigt« Das 
Dach ist toiI Gufseisen, der Fufsboden von Torkshire- 
Stein und die Treppe von Moorstein. Man schäUst die 
Baukosten davon auf i5,ooo Pfund« 



52. Reduction des Silberchlorids durch Wasser^ 

stoffgas. 

Folgende Methode, das Silberchlorid zu reduziren, ist 
Tielleicht nicht allgemein bekannt. Herr Arfwedson hat 
sie in Erfahrung gebracht. Man entwickle Wasserstoflgas 
in Berührung mit Silberchlorid , indem man das Chlorid, 
Zink, Schwefelsäure und Wasser mitsammen mischt, so 
wird 4as Silber sich metallisch darstellen; der Zink kann 
leicht durch einen Überschufs an Säure ausgeschieden^ 
und das Metall dann durch Filtriren oder Abgiefsen erhal- 
ten werden. 



53. Chinesische Ärt^ Bleiplatten zu machen. 

Zwei gi*ofse yollkommen ebene Ziegeln werden jeder 
auf einer Seite mit sehr dickem Papiere bedeckt, und wag- 
recht, mit der Papieroberfläche gegeneinander, eine über 
die andere gelegt. Der Arbeiter hebt dann den obern in 
einem Winkel auf, gibt eine für die Platte hinlängliche 
Menge geschmolzenen Bleies dazlirischen , und läfst den 
Ziegel wieder nieder , springt darauf und prefst ihn mit 
den Füfsen fest an den andern ; so wird nun das Metall 
in eine unregelmäfsige Platte/ausgedehnt. — Um die 
Oxydation des Bleies zu verhüten , wendet man ein Ilai*z 
an y welches Dummer genannt wird. 

Herr IVdddeü^ der sich während seines Aufenthaltes 
in China viel mit den Künsten dieses Landes bekannt ge- 
macht hat , und dem wir diese Nachricht rerdanken, hat 
die^e Methode mit vielem Erfolge zur Yerfertigung von 



433 

dfinneii ^nkplatten en galvanischen Zwecken angewendet. 
Eine solche Platte ist etwa 7^.5 Zoll dick, und nicht nul* 
an ihrer Oberfläche sehr glatt, sondern hat auch eine ganz 
gieiehförmig» Dicke. 



Nr. 54 — 73; Yon Karl Karmarsch^ 

ilsiistenten des Lehrfaches der Technologie am k. k. polytech« 

iiischen Institute. 

• 

54« Über die Yerfertigung der dainaszirten Säbel-^ 
klingen. Vom Professor Anton Crwelli in 

Mailand '); 

Die nöthigeif Eigenschaften der Säbelklingen, vnd ei** 
ner jeden guten Klinge überhaupt, sind eine gehörige 
Härte ^. vereinigt mit ^nein gewissen Grade ron Elastizi- 
tät. Yermdgje der erstem Eigenschaft wird die Klinge fä- 
hig, Körper Ton bedeutender Härte eben so wie die weich- 
sten Substanzen durchzuschneiden, und durch die zweite 
wird das Ausspringen der Schneide yerhindert, wenn die- 
selbe auf einen harteil Widerstai^d trifft ^). 

Zur Verfertigung {der schneidenden Werkzeuge über- 
haupt gibt es mehrere Methoden* Kleine Gegenstände 
der Art macht man ganz aus Stahl , dem man den erfor- 
derlichen Grad der Härte gibt. Da aber die Elastizität des 
Stahls mit seiner Härte immer im umgekehrten Verhält- 
nisse steht, so erleidet die Anwendbarkeit dieser Methode 



<) Nach : Suit Arte di fabbricare te Sciabole di Daniased, 
Memoria di Ant. Crivelli^ eiCs JMilano^ iB^i. 

*) Die gewohnliche Probe, der man die Säbelklingen un- 
terwirft v besteht darin, dafs man sie um einen grof^etf 
aus Hols gedrehten Zyliader biegt , und mit der flachen 
Seite heftig gegen denselben schlägt. Nach dem Erfolge 
dieses Versucnes ISfst sich swar der Grad d(»r Elastiei« 
tat der Klinge bcurtheilen , aber keineswegs die Härte 
der Schneide ; im Oeg«ntheil wird eine sehr weiche Klingt' 
diese Probe am besten aushalten. 

9«Wlk d, f oljt. last, in.- R4v ^O 



» 



434 

eine Betchränkuiig, welche durch den hohen Pirei» det 
Stahls aech vermehrt wird *)• 

« 

In der Regel werden daher alle schneidenden Werl« 
zeuge ans Eisen verfertigt , welches man an der Stelle, wo 
die Schneide hinkommen soll, durch Schweifsen mit ei- 
nem Stahlstücke von angemessener Form vereinigt. Bei 
diesem Verfahren gewinnen die Schneiden aufserordent- 
lieh ; denn ungeachtet sie eine sehr grofse Härte anzuoeli« 
men fähig sind, wird doch das Ausspringen derselben 
durch das weiche, zu Grunde liegende Eisen erschwert. 
Man sieht aber leicht die VnvoUkommenheit dieser Yer- 
fertigungsart ein: diese nähmlich, dafs das ganze Werk- 
zeug nur so lange gebraucht werden kann, bis der die 
Schneide bildende Stahl abgenutzt ist. 

Gewisse grSfsere Werkzeuge, welche keiner bedeu« 
tenden Härte, dagegeii aber einer beträchtlichen Zähig- 
lieit bedürfen , verfertigt nian wohl auch aus einer Mittel* 
gattung zwischen Eisen und Stahl , die eigens zu diesem 
Zwecke erzeugt wird. Von solcher Art sind die steier« 
märkischen Sensen und Sicheln. 

Endlich lehrt die Erfahrung, dafs^ durch ein inniges 
Gemenge von Eisen und Stahl die besten Klingen för 
schneidende Instrumente hervorgebracht werden können. 
Dieses innige Gemenge findet sich in den sogenannten Da- 
maszener • KUngen y die 9eit längerer Zeit ein Gegenstand 
der Bewunderung für die Europäer gewesen fAnd^ und die 
auch hier mit einiger Ausführlichkeit besprochen werden 
sollen. 

Das vorzüglichste äufsere Merkmahl der Damasze« 
ner-älingen besteht darin, dafs ihre ganze Oberfläche 
(der Rücken und die Schneide nicht ausgenommen) mit 
rerschiedeneri angenehm in die Augen fallenden, mehr 
oder weniger regelraäfsigen und hervorspringenden Zeich* 
nnngen geädert ist. Di^se Zeichnunjgen , welche aus Isu- 



*) Die so gerühmten englischen Schneidwerlnseuge sind meist 
gans aus Stahl , und besitzen fast ohne Ausnalime eiot 
vortretniche Härte, sugleich aber den davon unsertrenn« 
liehen Nachtheil , dafs ihre Sohneiden sehr leicht' aossprim 
gen und Scharten beliommesi. 



455 

ter feinen , abwechselnd fhell nnd dunkler gefärbten , nid 
sich darchkreozenden Linien zusammen gesetzt sind^ yer« 
Ranken ihre Entstehung dem rerschiedenen Verhalten des 
Stahla und Eisens gegen ^wisse chemische Agentien. Man 
lasse einen Tropfen Säure ( z. B. starken Essig oder Tet« 
dttnnles Scheidewasser) auf eine polirte Stahlfläche, und 
einen andern Tropfen derselben Säure auf blankes Eisen 
fallen 9 so wird sich ein merklicher Unterschii»d in der 
Wirkudg zu erkennen geben: der StiJil wird nicht nur 
sehne) 1er ängc^griSen als das Eisen, sondern nachdem 
beide Metalle mit tVasser abgewaschen worden sind , be- 
merkt man , dafs die Säure auf dem Eisen einen matten 
lichtgranen^ auf dem Stahle abe^ einen dunkleren schwärz- 
lichen Fleek zurückgelassen hüat. Die Erklärung dieser 
Erscheinung ergibt sich Ton selbst ^ wenn man #eifs, däfs 
der Stahl Ton dem Eisen sich hauptsächlich dnrch eilten nicht 
unbedeutenden Gehalt an Kohlenstoff untersoheidet, der, 
als in den Säuren unauflöslich , bei obigem Versnche un* 
verändert curOekbleiben inulste* Setzt man demnach die 
Damaszener - Klingen als eine Mengung ydn Eisen und 
Stahl toraus *) , so zeigt sich gleich die Nothwendigkeit 
des Henrorkommens der Zeichnungen, wenn eine solche 
blank geschliffene Klinge mit irgend einer Säure behan« 
delt wird. Die Zeichnungen erseheinen zwar schon durch 
die längere Einwirkung der feuchten Luft , werden aber 
schneller durch eigene künstliche Beizmittel heryorgeru- 
fen. Man bedient sich zu diesem Zwecke entweder des* 
reinen terdünnten Scheidewassers , -^ oder mäii termischt 
dasselbe mit anderen Substanzen ')• Die Türken if endeit 
häufig eine Mischnng yen Alaun und Wasser {Zdmk ge* 
nannt) an, womit sie die Klingen bedecken, und sie dann 
einer stark erhöhten Temperatur aussetzen ; die ans denf 
Alaun in der Hitze frei werdende Schwefelsäure wirke 

» 

I 

* • ■• ^ 

•) Dafs kein anderes Metall in. die Zntanunensetsttng der Ba- 
roaszener • Klingen mit eingehe, dayoa kann man uch leicbt' 
überceugen, wenn man versucht, ein Stück davon mit 
Goldaraalgan^- im Feuer zu vergolden; Die Operation ge- 
lingt nicht, was doch wenigstens an einaelnen Funkteii der 
f'all 9tfa mülste « wenn em anderes Metall sugegen wärA. 

^) Dergleichen Ätswasser erhält man aus a) i ^2 Pfd. Was« 
ser , s Lolh Scheidewasser, i Loth Salmiak , f/^ Löth Kup- 
fervitriol; öder b)r «o Loth Wasser, i y^ Ldth AUan/ 
Vi Loth Kttpfeiryitrtdl V 4 L:eth Schwefelsäure. 



bier auf dieselbe Art^ wie in anderen Fällen die Salpeter» 

säure. i 

X 

* 

Man mag gich cnr RerTOrbrhignng der Zeicfannngen 
des einen odek* des andern Yerfahrens bedienen , so yer* 
liert die ganze Klinge ihren metallitchen Glanz, nnder« 
balt) indem sie sich mit Rost bedeckt, eine braune Ferbe, 
die ihr durch Nachfolgendes Poliren wieder genommen 
werden mufs. Will man übrigens, dafs die Zeichnungen 
sichtbar werden 9 unddai's dessen ungeachtet die Klinge 
eine dunkle Farbe beibehalten soll, so ist nothig, dafs 
dieselbe nach dem Herausnehnten aus der Beize wohl ge* 
trocknet, und dann polirt werde« Das Eisen,- da es wei* 
eher ist, polirt sich zuerst, und erscheint in Gcj^talt weifs- 
lieber Linien , die über den Stahlgrund (der mehr ange- 
griffen wurde» und daher eine bräunliche Farbe behält) 
heryorspringen. Um den Rost von dem Grunde ganz zu 
entfernen, mufs das Poiiren lange fortgesetzt werden ; die- 
ses kann' aber auch ohne Gefahr die Zeichnung zu verder- 
ben geschehen , denn diese erscheint intmer mit weifsen, 
silberartig glänzenden Linien, während der Grund eine 
bleigraue Farbe hat. — Die Zeichnungen der Damaszener- 
Säbel sind nicht nur eine noth wendige Folge derMengnng 
Ton Eisen upd Stahl : sie zeigen zugleich die Art der Ver- 
bindung, in welcher sich beide Metalle mit einander be- 
finden; und so wird das äufsere Ansehen ein Kriterium 
zur Beurtheilung der Festigkeit und Güte der Klingen. 
Wirklich entspricht auch jede Verschiedenheit in der2^ich- 
nung einer Verschiedenheit in der tnnern Beschaffenheit 
der echten Damaszener -Klingen. Die Chara^Choroisan 
und die Tkaban, als die vorzüglichsten Sorten , erschei- 
nen ganz mit sehr feinen Linien bedeckt, und gleichsam 
kraus, wie das feine Haar der angorischen Ziegen 1 die 
Kakmerduen und die flankaoi, die etwas weniger geschätzt 
werden, sind ganz mit nach der Länge laufenden Linien 
durchzogen, welche bei den erstem sich an vierzig Stel- 
len der ganzen Lange der Klingen berühren^ endlich eine 
dritte, mindere Sorte, die Ter2 • majmurU und die Chare, 
sind ebenfalls kraus , aber mit gröberer Zeichnung als die 
zuvor angezeigten. Was die inneren Eigenschaften der 
Damaszener - Klingen betrifft, so sind sie durchaus spezi- 
fisch schwerer als die gemeinen europäischen Klingeot 
and ungeachtet sie 'beim Anschlagen an harte Körper ei- 



43? 

Aen ailberarligen Klang Ton sich geben, so nehmen sie 
doch nach dem Biegen nie ganz ihre vorige Forni wieder 
an. Dieser Mangel an Elastizität wird jedoch durch ihre 
grofse Festigkeit, und durch die Fähigkeit, jeden belie* 
bigen Grad der Härte anzunehmen , aufgewogen. Eine 
Klinge nähmlioh, die Eisen und -Stahl in einer gewissen 
Art und Menge mit einander gemischt enthält, wird einen 
gewissen Grad Ton Härte annehmen. Ist dieselbe nun zu 
einem gewissen Zwecke vorzugsweise tauglich , so dürfen 
nur alle zu demselben Gebrauche bestimmten Klingen. aaf 
dieselbe Art verfertigt werden , um dafs man von ihrer 
Qualität versichert sejn' könne*). 

Die guten türkischen Säbel schneiden , fast mit glei- 
cher Leichtigkeit, sehr. weiche und sehr harte Körper: 
wie nassen und mehrmahl zusammen gelegten Filz» 
Knochen und Eisen, ohne im letztern Falle einen ' merkli^ 
chen Schaden zu erleiden. Ihre Verfertigungsart wird 
von den türkischen Arbeitern sehr geheim gehalten , und 
ist daher in Euiopa schon lange der Gegenstand oft wie- 
derhohlter, und meist mifslungener Versuche gewesen« 

Nicholson glaubte den echten Damast nachahmen zu 
können, wenn er 'aus Feilspänen von schwedischem Eisen 
und deutschem Stahl , die sorgfaltig gemengt , und bis zur 
Schweifsbitze erwärmt wurden , eine Masse bildete* Dafs 
man aber dadurch den heabsichtigten Zweck nicht errei- 
chen, und höchstens eine aus weifsen und grauen zer- 
streuten Punkten bestehende Zeichnung erhalten könne, 
ist leicl^t einzusehen. 

Nicht viel besser ist eine von (PRUIIy vorgeschlagene 
Methode. Man soll Stangen von sehr weichem Eiseuj und 



*) Da« siemlieh verbreitete Vorurtheil, dafs der DamasaenA- 
Stahl gleich dem en^^lischen Oursstahl unschwoifsbar seyt 
wird von Herrn Crivelli widerlegt.' Derselbe versichert 
nicht nur, dafs man in dei^ Levante die alten Säbelklingen, 
so wie Stücke u. dgl* wieder durch Seh weifsen verarbel« 
tet; sondern ersählt selbst*, dafs er in JUaUandj ohne>son* 
derliche Schwierigkeit durch Zusammensch weifsen von Lec- 
cer - Eisen mit einem Stücke eines türkischen Fistolenlau- 
fe»^ und einem Fragment einer Daroassener - Klinge , ein 
herrliches Stilet habe verfertigen lassen. 



/ % 



43a - 

sehr dünne Stücke Stahl tu )3üachel vereinigen , «osam* 
menschweifsen 9 dann fnehrinahl umbiegen, und neuer- 
dings snsammensohweifsen , wobei in Acht su nehmen iit, 
dais das Ausachmieden jetzt nach* einer Richtung geachehe, 
welche die vorige unter einem rechten Winkel durch- 
Hreogt,. Man sieht leicht, dafs auf diese Art sich kein 
schöner, am allerwenigsten aber ein dem eckten gleich 
kommender Damast werde herrorbringen lassen; nicht 
zu erwähnen, dafs Klingen, welche auf diese Art verfer« 
tigt worden sfind, unmöglich' eine gute' und gleichförmige 
Schneide erhalten können. 

Der Engländer WUde'^ von Sh^ieldj schlug vor, 
Zemenistahi in einem Tiegel zu schmelzen , ihn "dann in 
eine Form, in welcher .Stücke Eisen (die man Torherroth« 
glühend gemacht hat) nach Belieben angebracht sind, zv 
giefsen, und endlich mehrmahl auszusehmieden« Die^ 
ses Verfahren kann , begreiflicher VVeise , keinen Damast, 
sondern nur zerstreute Flecken geben , deren Gestalt von 
der ursprünglichen Fjucm der eingelegten Eisenstücke, tind 
von der Art des Ausschmiedens abhängig ist; es steht also 
dem vorigen nach. 

Mehrere andere Methoden sind später von Qoiui 
(Professor der Chemie «n Me%iered) angegeben wprden *). 

Zwei davon gründen sich auf das Znsammenschweis« 
^en von Eisen- und Stahlblechen. Es leuchtet aber ein, 
dals sich dfirch dieaes Yerfahren kein Dessein werde her- 
ausbringen lassen ; denn man mag die zusammengeschweifs« 
ten Bleche nach der freite oder nach der Dicke ausschmie- 
den , so wird man im' ersten Falle Ijar keine Z'eichnnng, 
im zweiten aber npr lauter nach der Länge laufende, pa- 
rallele Linien erhalten, und die Klinge kann in diesem 
Falle auch keine Festigkeit besitzen , da sie aus lauter ge* 
r;^e neben einander liegenden, durch das SqhweilseQ 
verbundenen Streifen besteht. Gouei schlägt auch vor, 
zur Uervorbringiing der Zeichi^ungen sich des Grabstichels 
iu bedienen ; allein dieses Verfahren ist ein wahrer Be- 
trug, und also gt^nz verwerflich, da die innere Beschaffen- 
heit der Klingen dadurch nicht geändert wird» 



*} Art d0 f^riquer Us l^^mei ßgur^ei^ dites fitmts ds Dam$s. 



• ' 439 

Nach einer andern Angabe Clouei'9 boH man dünne 
Stangen oder«Drähie yon Eisen und Slahl zusamnen- 
ftohweifsen, und dann zusammendrehen. Die Wirkung 
dieses Verfahrens lafst sich auf folgende Art deutlich ma« 
chen. lllan denke sich eine Schraube mit sehr tiefen Gän- 
gen, welche bis nahe an die. Achse reichen; man denke 
sich die Zwischenräume der Gänge mit einer yon der Ma- 
terie der Schraube selbst rcrschiedenen Substanz a|ige« 
füllt; man denke sich endlich, dafs eine der Achse pa* 
rallele Ebene die Schraube nach der Länge durchschneide: 
so ist klar , dafs auf dieser Fläche die einzelnen Durch- 
schnitte jeden Ganges sammt der Substanz,« womit der- 
selbe angefiallt ist, zum Vorscheine kommen werden, dafs 
ferner diese Durchschnitte immer parallel , und um desto 
häufiger un4 weniger schief seyn iirerden, je fetner die 
Schraube war. Es ist gleichfalls offenbar^ dafs die Ge- 
stalt dieser Durchschnitte verschieden ausfallen wird, wenn 
die Gestalt der Schraubengänge selbst yerschieden war. 
So würde eine flachgängige Schraube länglich parallele- 
grammatische, eine rundgängige ellyptische geben; und 
wenn endlich die Seiten der Schraubeugänge auf verschie* 
dene Art eingeschnitten sind, so müssen ihre Durchschnitte 
gezahnt erscheinen* 

Setze man jetzt den Fall % dafs sowohl die Substanz 
der Gänge , als jene , welche die Zwischenräume dersel- 
ben ausföllt, weich und dehnbar sejen, so, dafs sie von ' 
der eingebildeten Achse abgewickelt werden konnten.. Man 
kann sich leicht überzeugen , dafs, wenn dieses Abwickeln 
wirklich rorgenommen würde , man zwei Stangen erhal- 
ten müfste, deren eine die Form des Schraubengangest 
die andere aber die Form des dazwischen liegenden Rau- 
mes hätte. Man wird daher eben so rückwärts durch das 
Znsammenschweifsei\ zweier Stängelchen , die man dann 
mit einiger Vorsicht schraubenförmig windet, und in -senk- 
rechter Richtung (d. i. parallel mit der Achse) durchschnei- 
det, eine Fläche bekommen, welche solche parallelogram^ 
matische oder elljptische, oder wellenförmig begränzte 
( gezahnte ) Figuren zeigt , je nachdem die Stangen paral- 
lelepipedisch oder prismatisch, oder ihre Vereinigangs- 
kanten krumm, oder auf irgend eine Art ausgehöhlt wa- 
ren. Im Falle , dafs jede Stange die halbe Dicke des zu 
bildenden Zjlinders hat, wird man zu diesem Endzweke 



44q . • . 

l&pminen^ mrenn man sie an eiiiem En4^. (etwa im Sehpaab- 
atock) ^befestigt» und am andern zusammendreht. Alles, 
was von zwei solchen Sjmngen gesagt werden kann, gilt 
auch yon mehreren ; nur wird es in diesem Falle gösche- 
bcm , dafs die einzelnen Flecken der auf der Ourchschnitt- 
ilache erscheinenden Zeichnung ' iron mehreren nach der 
Länge laufenden parallelen Linien durchkreuzt sejn werden. 

Bei der Ausführung fallen die Figuren begreiflicher 
Weise nie so ganz genau gleich aus, wie wir bisher immer 
angenommen haben ; wovon die Haüptursache wohl darin 
liegt, dafs die Drehung doch nie ganz gleichförmig vorge- 
nommen Werden kann« 

Ans dem Gesagten ergeben sich nachstehende Folge« 
rungen : 

i) Die durch das Zusammendrehen n\ehrcrer Stan- 
gen (oder Drähte) aus Eisen und Stahl erhaltenen Zeich- 
nungen gleichen sich sämmtlicb 9 sowohl in der Form als 
in der Lage 3 d. h« alle gehen schief nach der Breite der 
Biinge, und all^ sind parallelogrammatisch oder ellyptisch. 

a) Die Höhlung und die Krümmung der Oberflächen^ 
wo die Eisen- und Stahlstäbe einander berühre^, ändern 
die Zeichnungen nicht ^ sondern machen nur die Bänder 
derselben zackig und ungewifs. Diese geringe Abwei- 
chung belohnt also nicht die Mühe , welche auf die beson- 
dere Gestaltung eines jeden Stängelchens zu verwenden 
wäre. 

r 

3) Der geringere oder gröfsere Grad, des Zusammen- 
drehens macht nur, dafs die Zeichnungen gröfser oder 
kleiner, oder mehr oder weniger schief auf der Oberfläclie 
zum Vorschein kommen, ändert aber il^re Form( im We- 
sentlichen nicht. 

4) Um eine Klinge zu erhalten , deren Fig\ire.n auf 
beiden Seiten gleich sind, mufs mai\ die bearbeitete« aus 
zusammengesphweifsten und zusammengedrehten Eisen- 
und Stahlstäben bestehende, Stange der Länge nach in 
drei genau^ gleich dicke Theile schneiden : die beiden äus- 
seren geben jeder eine Klinge, die auf einer Seite scbone) 
auf der andern schlechte Zeichnungen hat; blofs das Itfit« 



44i . 

telsiüok liefert eine auf beiden Selten sehöne und gleiche 
Klinge. Man sieht, mit welchen Schwierigkeiten diese 
Hethode verknüpft isL 

5) Die unvermeidlichen Un Vollkommenheiten des Zu- 
aammendrehens sind Ursache« dafs die Figuren hie weder 
gleich, noch gleichförmig aof der Klinge vertheilt sind. 

6) Die durch Zusammendrehen bereiteten Klingen 
werden sich von den echten immer dadurch unterschei- 
den , dafs sich die Linien ihrer Figuren durchkreuzen. 

Bei einer vierten von ihm angegebenen Methode zur 
Erzeugung der Damaszener - Klingen schreibt Clouet vor, 
auf die Oberflache der Klingen Eisen -und Stab llheile auf 
eine gewisse Art anzuschweifsen. Dieses Verfahren wäre 
demnach jenem, welches bei den Verfertigung der. söge- . 
nannten Drahtläftfe befolgt wird , analog , ist aber au^ dem 
Grunde verwerflich, weil es Huf die innere Güte des Stahls 
keinen Einflufs hat. 

Die eigenen Versuche des Herrn Professors Cri*- 
v^ sind das Neueste und Gelungenste, was über die Ver- 
fertigung der damaszirten Klingen bekannt wurde. 

Weniger in der HofiTnung zu dem gevrünschten Ziele 
zu gelangen, als mit der Absicht, sich über die Wirksam- 
keit der besten bis dahin bekannten Verfahrungsarten zu 
I^elehren, verfahr Herr CnVeZ/i auf folgende Art: 

Um den Einflufs des von Clouet rorgeschlagenen Zu- 
aammendrehens auf das äufsere Ansehen der Klingen zu 
erüshren , wurden achthundert Stricknadeln ( 7i Linie in 
der Dicke ) vom besten Stahl , wie sie im Handel vorkom- 
men^ Paar und Paar mit einem Eisendrakt von gleicher 
Dieke umwunden. Die dadurch gebildeten vierhundert 
Stangelchen vereinigte man in acht Bündel von zylindri- 
scher Gestalt, deren jedes demnach hundert und fünfzig 
Elemente *) enthielt. Alle diese Bündel wurden einzeln 
geschweifst, indem man sie dabei bald mit der Finne, bald 



*} So werden von Herrn .Criveüi die einsclnen Theile , aus 
denen das Ganze zusammengesetzt war, {genannt. — Die 
erwähnten Bündel enthielten jedes gleichviel, nfiknlich 
f\infzig , Staneelchen $ jedes dieser letztem bestand bbtv 
üus swei Stahl drahten und einem Eisendrahte. 



44ä 

* 

mit der breiten Seite de« Hammers bearbeitete; man er- 
liielt ao acht Stangen yon zehn Zoll Länge jede « die hier- 
auf in der Hälfte zerschnitten wurden« Durch das Znsam- 
menschweifsen Ton je rier nnd vier dieser Stücke bilMe 
man .18 Zoll lange ^ 11 Linien breite und 4 Linien dicke 
Stangen , deren jede aus sechshundert Elementen zusam- 
men gesetzt war. Jede Stange wurde neuerdings in drei 
Theile getrennt , nnd diese vereinigte man wieder in ein 
Ganzes Ton i(k>o Elementen, welches auf die oben ange- 
gebene Art geschweifst,, gehämmert I und endlich unmit- 
telbar zur Klinge ausgebildet wurde. 

Ungeachtet nach dem beschriebenen YeHahren , wo- 
bei die Operation des Drehens mit sehr kleinen Theilen 
Torgenommen worden war, auf einen günstigen Erfolg ge- 
hofft werden konnte , so war dieser doch keineswegs der 
Erwartung angemessen. IKe fertigen Klingen hatten nähm- 
lich durchaus «schlechte Schneiden; und ihre ganze Obe^ 
fläche war wohl mit Längen - Linien durchzogen , die aber 
weder regelmofsige Figuren bildeten, noch überhaupt 
einige Ähnlichkeit mit dem echten Damast zeigten. 

Herr CrU^elU fand es in der Folge fftr besser , Strei- 
fen Ton Stahlblech anzuwenden , die schief mit Eisendrabt 
umwunden sind. Es ist aber nothwendig, dafs dhr letz- 
tere in die Blechdicke etwas vertieft sej; man gelangt zu 
diesem- Zwecke, wenn man die vorbereiteten Bleche in 
der kirschrothen Glühhitze mit dem Hammer schlägt. 
Blech und Draht können V4 Linie dick seyn. 

Herr CrioelU nahm 11 Pfund Stahl (von der Sorte, 
welche unter der Benennung Bildhaaerstakl ^ Aodafo da 
ScuUore , aus dem Brescianischen kommt ), schmiedete ihn 
beim dunkeln Rothglühen, und bereitete daraus sechzehn 
Blätter von i5 Zoll Länge, 9 Linien Breite und Y4 Linie 
Dicke. Diese wogen 10 Pfund. Sie wurden mit eben so 
dickem Eisendraht dergestalt umwickelt; dafs die Win- 
dungen um die doppelte Dicke von einander entfernt blie- 
ben , und die ganze Oberfläche demnach zu ^3 aus Stahl, 
und zu V3 ^^^ Eisen bestand. Auf die oben angegebene 
Art in 4unkler Glühhitze gehämmert erlangten diese Blät- 
ter eine Dicke von 1 Linie, eine Breite von 10 Linien, 
und eine Läam ron 18 Zoll« Man zerschnitt sie hierauf 



443 

jedes in drei Theile , l>i]detei darauB zvrei Bündel (jedes 
Yon fi4 Elementen) / welche mit Eisendraht vereinigt, und 
in dreimahligem Glühen zusammengeschweifst wurden* 
Die Bleche waren hierbei so auf einander gelegt worden, 
dafs wechselseitig das Eisen des einen den Stahl des an- 
dern berührte. Endlich wurde die ganze Masse längere 
Zeit geschmiedet , und , unter immerwährendem Bearbei- 
ten nach der Breite der Blattei^, zu einer i3 ZolMangen, 
11 Linien breiten und 6 Linien dicken Stange ausgebil- 
det, die durch Befeilen (um die an den schmälern Seiten 
stehen gebliebenen Biegungen des Eisendrahtes' wegzuneh- 
men) noch um 7t Linie yerschmälert wurden. 

Um zu erfahren , ob eine auf die bescliriebene Art 
bereitete Stange, mehrmuhl nach rerschiedenen Rich- 
tungen gestrecht , Zeichnungen erhalten könne , schritt 
Herr CrwetU zu nachstehendem Versuche. 

Vier solche Stangen wurden, bestimmt, jede eine 
lUinge zugeben, 

Di« enU erlitt keine andere Bearbeitung, als zunv 
Aussohmieden der Klinge ndthig war. Sie 'erschien mit 
einiger BegelmalsigMitBtit verschieden geformten Flecken 
gezeichnet, und glich unter allen am meisten dem echten 
Damast» 

Die xipmi^ wurde nach verschijedenen Hichtungcn ge- 
bogen und gewunden, dann ausgeschn|ic|4tt ; lieferte keine 
ordentliche Zeichnung* 

Die drUu wurde, wie die porige, gewunden , dann 
bis zur doppelten Dicke , und zur Hälfte der übrigen Di- 
mensionen der Klinge ausgesehmiedet , hierauf mit einem 
Meifsel der Breite nach auf jeder Seite zwanzig Mahl ein- 
gehauen , so , dafs s Liiiien breite und 4 Linien tiefe Fur- 
chen entstanden , und endlich fertig gearbeitet* Nitoh dem 
Beizen erschien an drei Stellen der einen , und an zwei 
der andern Seite ein Geilecht «ron wohlgestellten Linien, 
welche fftnfen ron den gemachten Furchen entsprachen ; 
die übrigen gaben nichts« 

Die UUU Klinge erhielt Herr Crlt^elU aus tine^ 



444 

SUngCf die, eben so behandelt ilnd eingebanea wordei 
war, Mrie die Torige, mit dem Zusatz, dafi die Furchen 
noch aehr erweitert wurden, indem man die Stange nack 
der entgegengesetzten Seite etwas umbo^ Sie zeigte nach 
der Vollendung auf jeder Seite sechs wohl ausgedrückte, 
eben so vielen -Furchen entsprechende Zeichnungen. 

Aus den Besultaten dieser , gewifs mit vielem Scharf- 
sinne angestellten , Versuche zog Herr CnW/Zc den richti- 
gen Schlufs,' dafs die Zeichnungen der Damaszener -Klin- 
gen nicht sowohl durch ein Anssch mieden nach verschie- 
denen Richtungen hervorgebracht werden , sondern viel- 
mehr schon im Voraus durch eine zweckmäfsige Anord- 
nung der Theile in der ganzen Masse vorbereitet sejn wol- 
len. Zu dieser Anordnung gelaugte er aber auf folgendem 
Wege : r 

Er nahm eine durch den vorerwähnten Prozefs be- 
reitete, au9 'Si^ Klementen bestehende Stange, und. machte 
mittelst einer runden Feile auf jeder Seite .derselben nach 
der Breite sS halbrunde Einstriche , 2 Linien ( Va der 
Dicke der Stange) in der Tiefe; so, -dafs jeder Einschnitt 
auf einer Seite zwischen zwei derselben auf der anden 
Seite traf. Mit der breiten Fläche eined Hammers wur^ 
die Stange hierauf in der kirschrothen Glühhitze regel- 
mäfsig in die Breite ausgedehnt. Dadurch wurden die 
acht zur Hälfte stehen gebliebenen Blätter ganz niederge- 
drückt y SO , dafs die Stange wieder vollkommen eben er- 
schien , ungeacbt^ die acht mittlem , von der Feile nicht 
getroffenen Blätter derselben in ihrem Innern schlangen- 
förmig gekrümmt waren. Diese Masse enthielt demnach 
acht ganze Blätter , und 416 Stücke, welche den sechzehn 
übrigen Blättern (deren jedes durch die mit der Feile ge- 
machten Einstriche in so Theile getheilt worden war) ih- 
ren Ursprung verdankten; sie wog nur naiehr 43 Unzen. 
Man trennte dieselbe in drei Theile , vereinigte diese wie- 
der durch Schweifsen, und erhielt so eine neue Stange, 
welche aus 24 ganzen Blättern und 1248 Stücken zusam- 
mengesetzt war. Diese wurde zu der Form, doppeltea 
Dicke , und Hälfte der sonstigen- Dimensionen der zu ve^ 
fertigenden ^Klinge ausgeschmiedet, und noch,' auf jeder 
Seite mit 25 etwas schief angebrachten rinnenformigea 
Einstrichen auf die oben beschriebene Art versehen. In 



445 

diesem Zustande entlifelt di^ Ilasse acht ganee Blatter, die 
sich Ewischen 3496. Stücken*) darchschlängeUen. Sie wog 
3o Unzen 9 und gab beim endlichen .Ausschmieden eine 
schöne Säbelhiinge 9 die nach dem Beitzen auf jeder Seite 
mit- 1 10 kleinen, sefar^schoneri Zeichnungen (jede aus 46 
bis 60 Linien bestehend) bedeckt erschien. Zur Terfer- 
tignng derselben wAren ursprünglich 5 Pfd. Stahl und 
a^/^Ffi. Eisen nöthig gewesen, und ungeachtet des be« 
deutenden ^68 bis 69 Prozent betragenden) Abfalles an 
Material, kam sie nicht höher als auf 17 Lire, 19 Gentes, 
zu stehen. Ihre übrigen Eigenschaften betreflTcnd , besafs 
sie eine rortreff liehe Schneide, und (was sich leicht be- 
greifen läfst) eine aufserordentliche Festigkeit; ihr spezi- 
fisches Gewicht wurde dem der persischen Säbelklingen 
gleich, und um Y^ gröfser gefiinden, als das der Säbel 
aus der Fabrik zu Klingenikal (bei Strafsburg ). Klingen, 
welche auf diese zuletzt beschriebene Art verfertigt wer- 
den , sind, gleich den türkischen , aller Grade yon Härte 
fähig; die blaue Härte ist fiir die gewöhnlichen Zwecke hin- 
reichend« Mit einer härteren Klinge konnte Herr Crii>eUi 
ein zwei Linien dickes Eisen - Zylinderchen auf einen 
Streich ohne Nachtheil durchhauen« 

Die Figuren des Damastes ändern sich , begreiflicher 
Weise, nach der Lage und Gestalt der oben erwähnten 
Einstriche. Herr Crit^eüi gibt eine allgemeine Methode 
an , durch welche die Zeichnungen zwar yerschiedentlich 
abgeändert werden , bei deren Anwendung difeselben aber 
immer eine gewisse Regelmäfsigkeit behalten. Man nehme, 
sagt er , eine aus 34 Blättern gebildete , auf die beschrie- 
bene Art mit der Feile eingestrichene und wieder flach 
gehämmerte Stange, schmiede dieselbe immer nach der 
Breite bis zur Dicke ron 72 Linie aus ; und vereinige sech- 
zehn durch dieses Verfahren erhaltene Blätter mittelst 
Zusammenschweifsen. Dafs diese Methode neuerdings, 
und zwar noch mehrere Mahle wiederhohlt werden 
könne, und dafs. dadurch die Zeichnungen immer mehr 

*) Diese grofse Zahl von ^Stucken .. resultirte aus swei und 
dreifsia Blättern, die Eweimahl in ?6 Tbei'e, und aus 
3s andern, die nur einniah) in s6 Theile geschnitten 
Worden waren. 



geändert und femer gemac&t werden- müsieii, ut ein- 
leuchtend ♦). . . 



55* Verfahren^ Leder wasserdiohtsa machen. 

4 

Nach der Angabe des Franzosen Henojjr bann mau 
Leder anf folgende Art wasserdicht machen : 

Uan nimmt 200 Pfund LBinöHl und 1 2 7i Pfd. Blei- 
glätte 9 und ' läfst diese Materialien hei mäfsigem Fener 
mehrere Stunden lang kochen , bis dieselben ungefähr «uf 
awei Drittel des anfanglichen Rauminhaltes redusirt sind. 

Ferner macht man eine Mischung aus' 7 7» Pfd. al- 
tem Leinöhl , 1 Pfd« weifsem Wachs , S V^ Pfd. Tischler- 
leim , V4 Pfd. Grünspan , und !4 Pfd. Brunnenwasser, wel- 
ches alles man über einem gelinden Feuer ganz gleichför- 
mig zusammenschmilzt« 

Nun nimmt man von der zuerst angegebenen Hi- 
chung 100 Pfd., von der zweiten Mischung 3 Pfdi ; {e^ 
tier: gelbes Wachs 10 Pfd., Terpentinohl i3 Pfd., perua- 
nischen Balsam 2 Pfd. 9 Tbymianöhl 2 Pfd. , 'und weifaei 
Pech 6 Pfd. ' » 

Diese Üaterialien Ififst man über Köhlenfeuer zusam- 
menschmelzen, dafs sie sich genau mit einander Tecml- 
schen, und giefst sie dann in die Gefafse« worin man sie 
aufbewahren will. 

Beim Gebrauche diisser liischung wird dieselbe ans 
j^euer gebracht , um ihr den gehörigen Grad ron Dünn- 
flüssigkeit zu geben , und dann .bestreicht man damit das 
Leder, welches früher ebenfalls etwas erwirmt worden 
ist , entweder mittelst eines Schwammes oder eines weich- 
haarigen Pinsels. Was nach dem Trocknen von der Mi« 
scbnng auf der Oberfläche des Leders zurückbleiben solltet 

*) Herr Criveüi nennt einen geschickten Eisenarbeiter, ^Carlo 
Pontl^.fgbbro'firrafo ^ aüa Croct di' Pofia Tosa in Mi' 
ianoy al Civifio\ JNro, 464* der itolche damaszirte )Uhigen 
auf Bestellung verfenige. 



44? 

wird 'mittelst eines rauhen wollenen Lappen^ weg^e- 
rieben. 



56. Die gegenwärtig mfyankreick übliche Methode^ 

den Salpeter zu reinigen^ verglichen mit detjenigen^ 

deren man sich Tor der Revolution daseibat 

bedient hat. 

Die DaTstellung des Salpeters nach der alten Art wurde 
dorch dreimahliges Sieden he wer1i stelliget. Der erste 
Sud lieferte den rohen Salpeter, wie er gewähnlich toa 
den Fabrikanten an die Regierung abgeliefert wird. Durch 
Auflösen in Vs seines eigenen Gewichtes helfsen Wassert 
und nachmahliges Krjstallisiren erhielt man daraus ein 
schon weit reineres Produkt , welches endlich noch in 
74 seines eigenen Gewichtes Wasser durch Kochen aufge- 
löst, mittelst thierischen Leimes 'geklärt wurde, und beim 
Abkühlen Krjstalle von ganz gereinigtem Salpeter gab. 

ff 

Die ^eit der Betolution in Frankreich eingefßhrte Me* 
thode besteht in Folgendem : 

Den rohen (durch daS erste Sieden erhaltenen) Sal* 

?eter löst man in der Siedehitze in 7s seines Gewichtes 
i^asser auf, wobei das schwerer auflösliche Kochsalz fast 
ganz am Boden des Kessels zurückbleibt, und herausge* 
nommen wird: zugleich wird die Flüssigkeit abgeschäumt, 
durch zugesetzten Tischlerleim geklärt , zuletzt, noch sie- 
dend , in einen weiten kupfernen Behälter abgelassen, und 
bis zum gänzlichen Erkalten in demselben umgerührt. Da« 
durch .wird die Bildung grofser Kristalle, welche eine 
ziemliche Menge der mit fremden Salzen geschwängerten 
Mutterlauge in ihre Poren aufnehmen würden, yerhindert, 
und man erhält den Salpeter in lauter kleinen Körnern, 
l¥e1che man endlich in hölzernen Gefafsen mit Wasser so 
lange wäscht, bis das Abfliefsende/ eine ganz reine Salpe- 
terlauge darstellt» 

Um den' Grad der Wirksamkeit' beider angeführten 
Heinigungsmelhoden vergl eichen zu können, stallte der 
Franzose Longchamp folgende Versuche an. 

i) Achtzehn Theil^ roken Salpeters wui'den in 5 Vt 



» 



44Ä .« 

Theilen kochendem W««8ei' aufgelöst ; die Lange frarie 
abgenchättnit, mit Tischlerleim auf die gev^öhnliche Art 
geklärt, 48 Stunden mim Auskuhlen hingesetzt, und der 
angeschlossene Salpeter dureh 24 Stunden getrocknet 
£sbetr^g 

das Geliebt der Hrjstalle ». « • • ^^fi 
» . » . der. Mutterlauge -, « • • 7fS23 

100 Theile des Salpeters gaben mit salpeter- 
saurem Silber einen Niederschlag von Hörn* 
Silber, dessen Gewicht • . • • . 6,08 

100 l'heile der Mutterlauge gäben durch die- 
selbe Behandlung einen Niederschlag Ton. • 51,76 

2) Der Prozefs des Klätens undKrjstallisirens wurde 
mit 1494' Theilen des im.Torigen Yersuche erhaltenen Sal- 
peters, welche in 4 Thln. heifsen Wassers aufgelöst worden 
waren, wiederhohlt« Die dureh acht und vierzigstündiges 
Abkühlen der Lauge erhaltenen Krjstalle wogen, nachdem 
sie durch '^2 Stunden waren getrocknet worden i3}5 

Die Mutterlauge • 4*^9 

100 Theile des Salpeters lieferten Hornsilber • i,36 
£.^ ioo Theile der Mutterlauge • • • . i'jy'ji 

3) In etwas mehr als 3 Theilen Wasser wurden 
k3,i Theile des auf die eben beschriebene Art zum zwei- 
ten Mahle gereinigten Salpeters aufgelöst. Ein klein we^ 
nig Schaufld wurde abgenommen, die Lauge 48 Stunden 
xum Krjstallisiren hingesetzt, und das angeschossene 
Salz durch 120 Stunden getrocknet. 

Es wog alsdann . • ' « • • • i2,3 

Dat Gewicht der Mutterlauge war . * . 3,5 

100 Theile des Salpeters gaben Hornsilber • o,35 

100 Theile der Mutterlauge . • « • 3,84 

Es scheint demnach , dafs der drei Mahl gereinigte Salpe- 
ter noch ungefähr 0,1 3 p. C. gemeines Kochsalz enthält*). 

Der folgende Versuch -wurde auf eine Art angestellt, 
welche mit der i^tzt gewöhnlichen Methode, den Salpeter 
2U reinigen, übereükstimmt. . 



*) 0,35 Hornsilber enthalten 0,06 Salzsäure, welche 0,07 Na« 
tron erfordern, um in Kochsais Terwandelt zu werden. 



449 

4) Er übergofs 34 lo Theile rohen Salpeter in einem 
grofsen' kupfernen Gefafse mit i5i2 Theilen einer Flüssig- 
keit, welche durch Auslaugen von Salpetererde erhalten 
worden war. Nach drei oder vier Stunden wurde diese 
^ Lauge wieder abgegossen und das GeVicht de^ asurückge- 
'bliebenen Salpeters^ gleich 2880 Theilen gefunden. 

Diese 2880 Thle. Salpeter wurden in kochendem! 
Wasser aulgelöst, abgeschäumt, mit Leim geklärt, zu- 
letxt in ein kupfernes Gefals abgelassen, und darin bis 
zum Erkalten, stark umgerührt. Hierauf brachte man die 
gebildeten kleinen körnigen Kry stalle in hölzerne Gefiiise 
mit doppelten Böden, worin sie mit Brunnenwasser über* 
goss(;n wurden. Nach Yerlauf vo^ acht bis zehn Tagen 
wurde der auf diese Art hinlähglich gewaschene Salpeter 
getrocknet und gewogen. Es waren jetzt noch 2248 Theile, 
* und zwar von einer, solchen Reinheit , dafs eine mit destiU 
lirtem Wasser bereitete Auflösung davon mit salpetersan« 
rem Silber kaum ein leichtes Wölkchen bildete« 

Man mittel te aus, däfs der Gehalt an Kochsalz nur 
V5 000 betrug, wovon noch überdiefs sicherlich die Hälfte 
Ton dem zum Waschen angewandten Wasser herrührte. 
Man kann also ganz füglich annehmen, däfs der Salpeter 
durch das zuletzt beschriebene , jetzt eingeführte Verfah- 
ren bis auf Vi 0000 ganz von Salzsäuren Salzen befreit wird, 
während man die Quantität dieser Salze durch drei Mahl 
-v^ederhohltes Krjstallisiren des Salpeters nur bis auf 
"/loobo verringern konnte. 

Diese Versuche liefern den Beweis , dafs die vor der 
Revolution übliche. Reinigungs - Methode , nach welcher 
der Rohsalpeter gar nur zwei Mahl krjstallisirt wardeV 
der jetzt eingeführten weit nachsteht« 



57. Über die Fabrikation des Strafs und der künst-^ 

liehen gefärbten Steine. 

Obgleich im Allgemeiinen die Bedingungen zur Ver- 
fertigung der sogenannten unechten Edelsteine ziemlich 
bekannt sind, so hatte , JPranArr^ic^ dessen ungeachtet bif 
jetzt noch keine Fabrik aufzuweisen, in welcher diesef- 



45o 

ben von jener Vollkommenheit erzeugt worden wären^ wie 
sie aus manchen deutschen Manufakturen hervorgehen. 

Dieser Umstand reranlafste die Gesellschaft zur Auf- 
munterung der National - Industrie zu faris^ die Verferti- 
gung der feineren gefärbten Glaser zum Gegenstand einer* 
Preisaufgabe zu machen. 

Den Preis erhielt ein ron dem Pariser Juwelier 
Herrn Douault - PVieland eingegebener Aufsatz , welcher 
im Bulletin der Gesellschaft yom J. 1819 abgedruckt, und 
Ton dem das Folgende eine etwas abgekürzte Übersetzung ist. 



Die Grundlage aller künstlichen gefärbten Steine ist 
ein ganz farbenloses 9 höchst durchsichtiges Glas , welches 
für sich den künstlichen Diamant darstellt, und unier dem 
Nahmen Sirajs bekannt ist. Zur Bereitung desselben gibt 
Douaull vier yerschiedene Vorschriften , wovon zwei hier 
mitgetheilt werden. 



Nr. 1. Strafs *). 



Bergkrjstall . 
Mennige • 
Beine Pottasche 
Borax • • 
Arsenik • 



4o56 Gewichtstheile, 
63oo » 

2i54 » 

276 » 

•12 » 



Der Bergkrystall wird vor dem Gebrauchte glühend 
in kaltes Wasser geworfen , dann gepulvert und gesiebt. 
Die Mennige mufs von. allen fremden Metalloxyden rein 
%eyn. Von der Pottasche wählt m.an die feinste Sorte, 
die man durch Auflösen von bejgemengten erdigen Thei- 
len reinigt. . Eben so müssen- auch der Borax und Arsenik 
so rein als möglich sejn. Statt des ersteren kann man 



*) Zum Schmcisen des Strafs fand Douautt die hessischen Tie- 
gel am vorsü^lichsten , indem diese weniger dem /zer- 
springen ausgesetzt sind, als Porzellaniiegel. Sie haben 
dagegen den Naclitheil , dafs die weiPse Oasmasse {e xu- 
weilen eine geringe Färbung in ilinen erleidet. Die Schmels- 
Keit dauert ungeHUir vier und zwanzig Stunden; je langer 
dieselbe aber fortgesetzt wird, desto scbOner und burter 
wird das Glas 



45i 

sich mit besserem Erfolge auch der krjstaljisirten Borax- 
säure ( Sedatirsals ) bedienen. 



N r. Ä. S t r afs. 



Sand . 
BLeiweifs 
Pottasche 
Borax • 
Arsenik 



36oo Theile^ 

6750 » 

1260 y 

36o » 

12 y 



Den hier vorgeschriebenen Sand nimmt man so weifs 
und durchscheinend, als man ihn nur erbalten kann. Aus- 
serdem wascht man ihn , um, so viel möglich alles beige- 
mischte Eisenoxjd zu entfernen , erst mit Salxsäure, dann 
mit Wasser« Das BleiweilS) wenn es, "wie man voraus- 
setzt/ völJig rein ist, gibt zwar ein eben so schönes Glas 
als Mennige , allein die in der Hitze daraus e,itweichende 
Kohlensäure bringt gern Blasen hervor. Bleiglätte ist, we- 
gen ihres Gehaltes an metallischem Blei, nicht im Stande^ 
4iie Mennige^und das Bleiweils zu ersetzen. 

Der mit Bergkrj^tall bereitete Straft ist in der Re- 
ge) härter, alsder durch Sand erhaltene ; allein er ist in 
manchen Fällen gar zu weifs , ein Uipstand, der für klei- 
nere Steine minder yortheilhaft ist, weil sie dann weni- 
ger Feuer zeigen , als wenn sie einen leisen Stich inr 
Gelbliche haben. 

N r. 3. T o p a s. 

$trafs . « 1008 Theile/ 

Spiesglanzglas • • . « . 4^ » 

Goldpurpur ♦ • ^- • . • *' » 

* 

Es hält schwer, diese Zusammensetzung von einer' 
bestimmlen Farbe zu erhalten, denn sie variirt nicht nur' 
zwischen den verschiedenen Nuancen von Gelby sondern 
manchmahl ist sie fast ungefärbt, oder fallt ins Violette 
und Purpurrothe. Nicht nur die mehr oder minder lange 
Dauer, und die Intensität der Schmelzhilze , sondern 
wahrscheinlich auch mehrere andere, bis jetzt nicht ge- 
nau bestimmte Umstände haben auf diese Farbenverände- 
rung Einflufs, Der zu fai-bende Strafs raufs sehr weilfff 



45a 

also etwa nach der Vorschrift Nr» i . bereitet sejii« Das Spiet« 
glanzglas -*)• mufs man , so viel möglich , durchscheinend^ 
und Ton einem schönen Oran^engelb wählen. Man kann 
auch blofs mit Hülfe des Eisens einen ziemlich schönen 
Topas bereiten y \^enn man sich folgender Mischung be« 
dient: 

Strafs 576 Theilej 

Rothes Eisenoxyd (Eisensafran, Crocus martir) 6 > 

N r. 4. Rubin. 

• 

pie Nachahmung dieses sehr theuren nnd seltenen 
Edelsteines hat bedeutende Schwierigkeiten. Nachstehende 
Vorschrift liefert ein Glas, dessen Farbe nicht sehr schön 
aasfallt, und sich yerschieuen nüancirt. * 

Strafs ••••..* 4^ Tbeile, 
Kanganoxyd (Rraunstein) • • . 1 » 

Nr. 5. Smaragd. 

Ein dem natürlichen Smaragd ähnliches Glas erhalt 
man durch das blofse Zusammenschmelzen des Strafs mit 
grünem ( kohlensaurem ) Hupferoxyd , welchem man noch 
etwas Hobaltoxyd zusetzen kann. Am täuschendsten je- 
doch wird derselbe durch folgende Zusammensetzung nach* 
geahmt. 

Strafs • • « •' • • 33o4 Theile, 

Reines grünes Hupferoxyd . • . 31 » - 

Chromoxyd , « . • • ' 1 » 

Dadurch, . dafs man die Menge eines der beiden 
Oxyde -yermehrt, oder indem man eine geringe Menge 



*) Diese Substane ist ein mit ftwas Schwefelspiesglane ver- 
bundenes Spiesglanzoxydul , welches man erhält , wenn 
Schwefelspiest^tanss bei schwacher llitse, Luftsutritl. und 
unter Umrühren geröstet, dann durch Eintragen in einei 
glühenden Tiegel geschmolzen wird. Die Veränderungen, 
vrelrhe diese Verbindung im Fciicr bei verschiedenen Tem» 
pcraturen erleidet, s\i\d der Aufmerhsamkeit der Cbemilier 
werth. Die Farbe derselben seht vom Gelben ins Botbet 
vom Reihen ins^Weifse, una wieder vom Weifsen m 
Rothe und Geibe über, je nachdem man mit oder ohne 
Zutritt der Luft operirt. 



453 

Eisenoxjd zasetst« läfst sich die Farbe des Smaragdes ver- 
achieden nüanciren. 

Nr« 6. S a p p h i r« 

Strafs • • « • • . • iiSs Theile, 
Kobaltoxyd . • . . . « 17 » 

Wenn die Farbe des Sapphirs sehr tauschend werden 
soll, so mafs der daza verwendete ^trafs sehr weifs, und 
das Kobaltoxyd von der gröfsten Reinheit sejn. Das 
Schmelzen geschieht in einem wohl lutirten hessischen. 
Tiegel , und dauert dr^ifsig Stunden. Das erhaltene Giaa 
ist, wenn die Schmelzung vollständig wfr« sehr hartf 
ohne Blasen , und nimmt leicht Politur an« 



Nr. 7. Amethyst. 



Strafs • • • . 
Braunstein (Manganoxjd) 
Kobaltoxyd • 
Goldpurpur 



4608 Theile, 
36 » 
24 )» 



Die nach dieser Vorschrift bereiteten Amethyste ha- 
ben eine ziemlich dunkle Farbe. 

Nr. 8. Aquamarin. 

Dieser Stein wird, selbst wenn er echt ist^ nicht 
sehr gesucht. Seine Farbe ist fast die eines blassen Sma-' 
ragdes, undziehtsich mefir ins Blaue als ins Grüne, gleicht 
daher ziemlich der Farbe des Meerwassers. Man erhält 
den künstlichen Aquamarin durch folgende Mischung. 

Strafs 33o4 Theile, 

Spiesglanzglas « • ' . • . • 16 » 

Kobaltoxyd. I » 

Nr. 9. Orientalischer Granat (Karfunkel). 

Der echte Granat hat eine sehr lebhafte « dunkel 
feuerrothe Farbe , die ihn zu kleinerem Schmuck sehr 
beliebt macht. Durch Kunst erhält man denselben mit« 
telst folgender Mischung : 



454 

Strafft • • » p ^ * • s66 Theile, 

Spiesglanzglas • • . . . 128 » 

Coldpurpur ...... i f 

Manganoxjd «•..,.• 1 » 

Zum Schiasse folgen noch einige Bemerhangen über 
das Verfahren bei der Fabrikation der künstlichen Edel- 
steine im Allgemeinen. Die Bestand theile der vorgeschrie- 
benen Mischungen müssen sorgfaltig gepulvert oder gerie- 
hen 9 und durch wiederhohltes Sieben genau mit einander 
vermischt werden. Man hüthe sich, ein und dasselbe Sieb 
für mehrere Mischungen zu brauchen. Endlich mufs man, 
damit die Schmelzung ein vollkommenes Produkt liefern 
mögei, vorzüglich auf gute Tiegel, eine hinlängliche 
Dauer , Intensität und Gleichförmigkeit der Schmelzhitze, 
)ind langsames Erkalten des Geschmolzenen sein Augen- 
- merk richten« 



58.- Über die Zusammensetzung der Emailfarben. 

DieEraailmahlerei ist bekanntlich ein Industriezweig, 
der nur in wenigen Ländern in seiner Vollkommenheit be- 
steht, ein Umstand, der vorzüglich durch die Schwierig- 
keiten begründet wird, die es hat, die Farben von der 
höchsten Schönheit zu bereiten, und ihnen den möglich- 
sten Grad von Dauerhaftigkeit zu ertheilen« Gewöhnlich 
behandeln die Fabriken, deren Geschäft die Emailmah- 
lerei ganz oder zum Theil ausmacht , die Zubereitung ih- 
rer Farben als ein Geheimnifs: um desto willkommener 
mufs demnach jeder Beitrag zur Aufhellung dieses Thei« 
les der angeiifandten Chemie seyn. 

Der Engländer TVynn hat der Aufmunterungs - Ge* 
Seilschaft (Society for EncouragemerU of arU^ Manujactures 
and Commerce) in London ein Memoire übergeben , worin 
er mehrere von ihm durch zwanzigjährige Erfahrung be- 
gründete Vorschriften zur Bereitung der Emailfarben be- 
kannt niacht, und welches allerdings merkwürdig genug 
ist, um hier in einer, dem Sinncf nach, und wenige Ab- 
küi^zungen ausgenommen,, ganz getreuen Übersetzung wie- 
^er gegeben zu werden. 

JD0r Yf rfass^r bemerkt zuerst , dafs die gröfsere oder 



455 

j[^eringere Beinheit der IngrecUcnzien wohl einige geringe 
Yerschiedenheiten in den Resultaten hervorbringe, yer« 
sprichtaher, dafs dieselben immer ganz befriedigend aus- 
fallen sollen, wenn man auf die Bereitung der Farben die 
gehörige Sorgfalt verwendet , und sich genau an die yon 
ihm gegebenen Vorschriften hält. 

Folgende allgemeine Begeln werden nun dem eigent« 
liehen Detail vor aasgeschickt. 

Beim Auflösen der in Anwendun^;^ homm enden Me^ 
taue muis man darauf sehen, die Solutionen so viel mög- 
lich gesättigt zu erhalten ; 'eine vollkommene Sättigung kann 
freilich in den wenigsten Fällen erreicht werden. 

Die Flüsse^ womit man beim Gebranch die Farben 
versetzt , müssen durchaus so vorbereitet M'^erden , dafs sie 
im Tiegel in eine vollkommene Schmelzung übergehen, 
und beim Ausgiefsen nicht zu dickflüssig sind. 

Die Natur des Porzellans und der übrigen Materien, 
worauf man mit Emailfarben mahlt , erfordert es , dafs 
diese letzteren einen gewissen Grad von Hitze müssen er- 
tragen können. Darnach richtet sich die Leichtflüssigk^it 
der Farbenmischungen, mit welcher ihre Härte und Dauer- 
haftigkeit in umgekehrtem Verhältnisse stehen. Beide Ei- 
genschaften können durch eine Verschiedenheit in dem 
Mischungs- Verhältnisse der Farben regulirt werden: Eine 
gröl^ere Quantität Flufs vermehrt die Schmelzbarkeit und 
den Glenz des Emails, dagegen man demselben durch Zu- 
satz von mehr färbenden Metalloxyden eine beträchtlichere 
Härte (neb^t der davon abhängenden längeren Dauer) mit- 
theilen kann. Es ist rathsam , von jeder Farbe wenigstens 
einige Unzen auf ein Mahl zu bereiten, sie auf einer Glas- 
platte fein zu reiben, nach dem Trocknen wieder abzu- 
schaben, und in kleinen Flaschen aufzubewahren. Zum 
Gebrauche reibt man die Farben mit Terpentinöhl ab, und 
gibt ihnen durch Vermischung mit altem Terpentinöhl 
(welches sich durch drei- bis vierjähriges Stehen yerdickt 
hat) die nöthige Konsistenz. 

Folgendes ist die Bereitungsart der einzelnen anzu- 
wendenden Ingredienzien : 






450 

i) Quarzpulifer, Man nimmt Stuckeben toti weifftge* 
branntem Quarze, reinigt sie mit heifsem Wasser und mit 
Hülfe einer Bürste, und wirft sie glühend in kaltes Was- 
ser. Wenn diese Operation zwei bis drei Mahl mit ihnea 
Torgenommen worden ist, lassen sie sich in einem por- 
zellanenen Mprser mit einem Pistill aus derselben Materie 
leicht in Pulver verwandeln , welches man endlich auf ei- 
ner Glastafcl ganz fein reibt. 

Könnte man sich keinen bereits kalzinirten Quarz 
verschaffen , so würde man die Operation des HaLzinirens 
selbst vornehmen müssen« Um aber hierbei das Zersprin- 
gen und Yerknistern des Quarzes zu verhindern , ist es 
nothwendig,' die einzelnen Stücke, bevor man sie in den 
Söhmelztiegel einlegt , in kochendem Wasser zu erwär- 
men. Yerfährt man dann im Übrigen wie es oben vorge- 
schrieben wurde, so erhält man auch aus sehr stark ge- 
färbtem Quarze ein schön wcifses Pulver, 

2) Rothes schw^ehaures Eisen, Käuflicher grüner 
Eisenvitriol wird unter einer Muffel , um die Feuchtigkeit 
zu entfernen , • so lange erhitzt , bis ein graues Pulver zu- 
rückbleibt, welches man in einen zwischen Kohlen stehen- 
den Tiegel füllt, und darin mit einem Stahlstängelchen so 
lange umrührt, bis es eine schön rothe Farbe aagenommen 
bat. Man hebt jetzt den Tiegel aus dem Feuer, und wirft 
den Inhalt desselben in ein mit kaltem Wasser gefülltes 
Gefafs, welches unter einem gut ziehenden Rauchfange 
stehen mufs , 'damit die aufsteigenden Dämpfe keine Un- 
bequemlichkeit verursachen. Wenn da« Pulver (welches 
um so dunkler ist, je länger das Halziniren ge^au^rt bat) 
sich gesetzt hat, wird es w^ederhohlt mit warmem Was- 
ser gewaschen ^ dann getrocknet und zum Gebrauche ai^f- 
i)ewahrt. 

3) Braunes scht^efelsaures Eisen* Man kalzinirt den 
käuflichen Eisenvitriol in gepulvertem Zustande bei einem 
lebhaften Kohlenfeuer so lange, bis er eine dunkelbrünne 
Farbe angenommen hat, läfst ihn hierauf im Tiegel erkal- 
ten, und wäscht ihn zuletzt einige Mahle mit heifsem 
Wasser. 

4) Schwarzes Kuf^erox^d: Man löst metallisches Kup- 
fer in Salpetersäure auf, verdünnt die ganz gesättigte Auf- 



45? 

ä 

losung mit Wasser, und vermischt dieselbe mit einer Auf- 
lösung Ton reinem kohlensauren Kali (Weinsteinsalz). Der 
entstehende grüne Niederschlag wird erst einige Mahle mit 
heiisem Wasser gewaschen , und dann auf ein mit unge-^ 
leimten Papier bedecktes Leinwand-Filtrum zum Abtropfen 
gebracht. Das Trocknen wird durch Ausbreiten des Fil- 
trums über einer Unterlage von Kreide , welche einen 
groFsen Theil des Wassers einsaugt, beschleunigt, und in 
der Warme vollendet. Den wohl getrockneten Nieder- 
schlag kalzinirt man in einem Tiegel , wirft ihn noch roth- 
glühend in kaltes Wasser, wäscht ihn endlich mit sieden- 
dem Wasser und trocknet ihn am Feuer. Was man auf 
diese Art erhält , ist ein sehr schönes schwarzes Kupfer- . 
oxjd. 

5) Grünes (kohlensaures) Kupferox^d erhält man durch 
Fällung einer gesättigten salpetersauren Kupferauilösung 
mittelst kohlensaurem Kali (reiner Pottasche). H an darf 
nicht vergessen , den durch Filtriren abgesonderten Nie- 
derschlag mit siedendem Wasser sorgfältig zu waschen. 

6) ff^eifses Zinnoayd. Zur Bereitung desselben wird 
das Zinn vorerst granulirt. lUan bedient sich dazu einer 
gewöhnlichen Granulirbückse y die zylindrisch, aus Holz 
verfertigt, fund innen mit Kreide ausgestrichen ist, in 
welche man das geschmolzene Zinn giefst, die man dann 
schnell mit einem Deckel verschliefst, und bis zum gänz- 
lichen Erkalten des Metalles heftig schüttelt, wodurch sich 
dieses letztere in lauter kleine Körner verwandelt, die 
man mit Wasser ein Paar Mahl wäscht , und an der Luft 
trocknen läfst. Diese Zinnkörner werden in einem gros- 
sen gläsernen Kolben mit einer beträchtlichen Menge kon- 
zentrirter Salpetersäure übergössen , welche sie * sehr 
schnell im ein weifses Pulver verwandelt , das man durch 
Filtriren abstondert, zu wiederhohlten Mahlen mit kochen- 
dem Wasser aüssüfst und am Feuer trocknet. 

I 

7) ScTmfarzes Kobalioxjrd. Begulinisches Kobalt wird 
in mit etwas Wasser verdünnter Salpetersäure bis zur Sät- 
tigung aufgelöst ; die Auflösung giefst man , nachdem man 
sie in einem im Sandbade stehendeti Holben erwärmt bat« 
in ein gröfseres Geföfs , und setzt ihr zuerst eine gewisse 
Quantität Wasser, dann aber eine Auflösung von kohlen-^ 



458 

saurer Soda« und* zwar die letztere so lange zn, bis sich 
kein Niederschlag mehr bildet. Man giefst femer die 
Flüssigkeit Yom Bodensatze ab« wäscht diesen wiederhohlt 
mit siedendem Wasser aus , trocknet , und reibt ihn in ei- 
nem Mörder von Porzellan mit dem dreifachen Gewichte 
an trockenem Salpeter zusammen. Diese Mischung wird 
in einen heifsen Tiegel geschüttet, und durch eine hinein- 
getauchte glühende Hohle zum Verpuffen gebracht. Wenn 
auch diese Operation beendiget ist, so wird der Inhalt des 
Tiegels bis zum Bothglühen erhitzt , dann mit Wasser ge- 
waschen , und zuletzt getrocknet , in welchem Zustande 
er das Kobaltoxyd in jenem Zustande darstellt, wie es zur 
Emailmahlerei am tauglichsten ist. 

Vorstehendes ist eine gedrängte Auseinandersetzung 
desjenigen, was über die Bereitung der vorzüglichsten, 
zu den Emailfarben nöthigen Bestandtheile bemerkenswerth 
ist. Es folgt nun die Angabe der Mischungen zu den ein- 
zelnen Farben ins Besondere. Zuvor aber müssen noch 
Vorschriften zur Bereitung der den Farben zuzusetzenden 
Flüsse gegeben werden. Die dazu bestimmten Ingredien- 
zien werden in einem porzellanenen Mörser fein gerieben, 
in einen erwärmten Tiegel eingetragen und in eineni Wind- 
ofen geschmolzen , wobei man sie mit einem Stahlstängel- 
chen öfter umrührt. Zur Feuerung bedient man sich ei- 
nes Gemenges aus Holz- und abgeschwefelten Steinkoh- 
len (Cokes) , oder auch blof^ der Holzkohlen. Wenn die 
Schmelzung vollendet ist« giefst man die Masse auf einen 
glatten , vorläufig etwas feucht gemachten Stein , dder in 
ein mit reinem Wasser gefülltes Geiafs , trocknet und pul- 
vert sie in einem Mörser von Porzellan. In diesem Zo- 
stande hebt man sie zum Gebrauch^ auf. Nun die Mi« 
schupgen selbst: 

Flt^s Nr. 1. Mennige • • 8 Gewichtstheile, 

Kalzinirter Borax • 1 7^ » 

Quarzpulver . • a » 

Weifses Glas oder FlinU 

glas • « • 6 



» 



9 



Nr. 3. Flintgas ., . . lo 

Weifser Arsenik . i » 

Salpeter • . « i » 



4% 



Fl^fs Nr. S. Mennige • 

Flintglas 


• 
• 


1 

3 


Gewiehtstheile; 

9 


» Nr« 4« Mennige ^ 

Nicht kalzinirter Borax 


9V. 

SV» 




Flintglas 


• 


f ^ 

8 


» 


w Nr. 5. Flintglas 

Flufs Nr. 2. . 


« 
• 


6 

1 

4 




Mennige 


i 


8 


» 


» Nr. 6. Flufs Nr. fl. . 


• 


lO 


» 


. Mennige 
Quarzpulrer • 


• 


4 

»v* 


9 



» Nr. 7. Flufs Nr. 4. . . 6 » 

Kolkothar oder kalzinir- 
ter Eisenritriol . 1 « 

9 Nr,. 8. Mennige ... 6 v 

Nicht kalzinirter Borax 4 » 

Quarzpulrer .3 ». 

Gelbe Email färbe* 

Mennige 8 Theile ; Spiesglanzoxjd 1 Thl. ; weifses 
Ztnnoxjd i Th. 

Diese Ingredienzien werden in einem porzellanenen 
Morser genau yermischt, und unter einer Muffel allmäh- 
lich bis zum Rothglühen erhitzt, worauf man sie erkalten 
läfst. Zum Gebrauche werden 3 Theile dieses Pulvers 
und 3 Theile des Flusses Nr. 4. mit Hülfe des Wassers zu- 
sammen gerieben; Indem man die Mengenrerhältnisse 
der Mennige ui\d des Spiesglanzoxjdes gegen einander än- 
dert 9 kann man die Farbe rerschieden nüanciren. 

Ein anderes Gelb. 

3 Theile Blei und 1 Theil reines Zinn schmilzt man 
zusammen in einem eisernen Löffel ; zugleich wird die auf 
der Oberfläche sich bildende Oxydhaut so lange auf die 
Seite geschoben, ^is eine hinlängliche Menge derselben 
erzeugt ist, die man sodann unter derMufie) bei mäfsigein 



460 

Feuer noch eine Weile kalzinirt, damit ^Ile darin befind« 
liehen Metalltheile gänzlich oxjdirt werden. 

Ein Gemenge aus 77% Theilen dieses Ozjdes mit 
1 Theile Spiesglanzoxyd und 1 Theil« ^Bleiglätte erhitzt 
man einige Zeit unter der Muffel , ohne dafs sie jedoch in 
Schmelzung ttberp;eheTk dürfen. Man wjendet zu diesem 
Gelb den nähmliohen Fltifs an, der bei dem Vorigen ange- 
zeigt wurde. 

Orange.' 

Man yermischt in einem Mörser i9 Theile Mennige, 
1 Theil rothes schwefelsaures Eisen, 4 Theile Antimon- 
oxjd und 3 Theile Quarzpulver , und erhitzt das Gemenge 
zu einem solchen Grade , dafs dje einzelnen Bestandtheüe 
sich verbinden, ohne in eine vollkommene Schmelzung 2a 
gerathen«. 

Zwei Theile dieser Farbe werden beim Gebtaacbe 
mit 5 Theilen vom Flusse Nr. 7. versetzt. 

Dunlrelrothe Farbe* 

Eine solche erhält man durch Versetzung ron 1 Theile 
dnnkelroth kalzinirtem Eisenvitriol und 3 Theilen dei 
Flusses Nr. 7. 

Hellrothe Farbe« 

I Theil rothes schwefelsaures Eisen; 3 Theile dei 
Flusses Nr. i.und 1 7» Theil Bleioxjd. 

Braanrothe Farbe. 

■> 

1 Theil braun kalzinirtes schwefelsaures Eisen; 
3 Theile des Flusses Nr. 1. 

Braune Farbe (Brande Fandjrk). 

Man schmilzt in einem Tiegel 1 Theil Eise^feilspäne 
mit 3 Theilen des Flusses Nr. 4. , und setzt auf 5 Theile 
dieser Mischung 1 Theil schwarzes Kobaltoxyd zu. 



46i 

Ein anderes Braun. 

2 V4 Theile Braunstein ; Ö 7^ Theile Mennige ; 4 Thle. 
Quarzpulver werden zusammen kalzinirt, und i^i Theile 
von diesem Gemi&che mit einer gleichen Menge der zuvor 
angeführten Farbe und 1 Theile des Flusses Nr. 4. Ter- 
setzt. 

Schwarz zum Mahlen für sich, und zur Ter- 
mischung mit anderen Farben.. 

m 

Klein zerbröckelte Umher - Erde wird in einem Tie- 
gel bis zur Erscheinung der schwarzen Farbe kalzinirt, 
dann mit kochendem Wasser gewaschen und getrocknet« 

Zehn Theile dieser Erde werden ferner in Yerm en- 
gung mit loTheilen schwarzem fiobaltoxyd , loVi Theilen 
Flintglas, 77, Theilen Borax, und 12 1 heilen Mennige 
von Neuem kalzinirt, und zuletzt reibt man von dieser 
Mischung 2 Theile, und 1 Theil von dem Flusse Nr. 4. 
unter Begiefsen mit Wasser zusammen. Man kann durch 
Änderung der Terhältnisse , oder indem man statt der 
Umbra Braunstein anwendet, verschiedene Nuancen von 
Schwarz hervorbringen. ' 

' Anderes Schwarii. 

N 

Mit Beihülfe des Wassers werden 1 Theil kalzinirte . 
Umbra, i »/i Theile schwarzes Hobaltoxjd, V^ Theil 
schwarzes Kupferoxyd und 3 Theile des Flusses Nr. 4. zu- 
sammengerieben. Wenn dieses Pulver trocken geworden 
ist , kalzinirt man es auf einem mit Quarzpulver eingerie- 
benen Ziegelsteine unter einer durch Holzkohlen geheizt 
ten Muffel eine gewisse , durch die Erfahrung bestimmte 
Zeit lang , und setzt nach dem Erkalten noch 1 7s Theitcr 
Flufs Nr. 4. zu. 

Schwarz zum Schattiren.- 

Ein solches wird erhalten, indem man 5 Theile Braun-» * 
stein und 1 Theil Zaffer zuerst nafs miteinander zusammen« 
reibt, und dann unter der Muffel einer sehr st&l>ken Hitat 
aussetzt. 



46a 

Eine sebr schöne schwarxe Farbe 

f 

jssum Anlegen des Grundes, die sich jedoch schwer mit 
anderen Farben mischt, gibt schwarzes Kupferoxjd, 
wenn es mit dem doppelten seines Gewichtes an Fluüt 
Nn 4* nafs ssusammen gerieben wird. 

Fritte für durchscheinende grüne Farben. 

Man schmilzt in einem Tiegel 

3 Theile QaarzpulvePi 
3 V Flufs Nr. 2. 

1 Yt V schwarzes Glas» 
7 */a » Mennige, 

2 Yj j» Borax, 

* */♦ • grünes (kohlensaures) Kupferoxyd, 

und reibt das erhaltene Glas in einem Porzellan - Mörser 
zu Pulyer. 

Grüne Fitrbe. 

Nafs reibt man 3 Theile der obigen Fritte mit i V» Thei- 
len der früher angegebenen gelben Farbe zusiimmen. Man 
hann dieser Mischung auch Neapelgelb zusetzen. 

Anderes Grün. 

5 Theile grüne Fritte^ 
3 7» » Flufs Nr. 6 , und 

■ % . » V Nr. 2. 

werden nafs mit einander gerieben« 

Verschiedene andere Nuancen von Grün erhält man 
durch Vermischung der gelben und Orange -Farbe mit 
Blau in abweichenden Verhältnissen. 

Blaue Farbe. 

In einem P.orzelljan - Mörser werden 4 Theile schwar- 
zes Kobaltoxyd mit 9 Theilen Quarzpulyer und i3 Theilen 
Salpeter zusammen gerieben ; man schmilzt diese Mischung 
in einem Tiegel bei einem sehr lebhaften Feuer Ton Holz- 
kohlen oder Cokes , läfst sie hierauf erkalten *) , pulvert 

^*— ■ » ■ ■ I . I I I II I .1 I !■ 

*) Wenn die geschmoleene Mischung nicht hinreichend dünn- 
flüssig seyn sollte, um sich leicht aosgtefscn eu lassen, &• 



463 

sie« worauf sie endlich mit heifsem Wasser gewaschen 
und getrocknet wird. Zum Gebrauch wird diese Farbe 
mit gleich viel Flufs von Nr. 5« nafs abgerieben^ 

Ein anderes Blau. 

Zu zwei Th eilen einer aus gleichen Mengen Kobalt- 
oxyd und Borax geschmolzenen Mischung setzt man i o Thle. 
blaues Glas und Vi Theil Mennige 9 erhitzt das Ganze bei 
einem lebhaften Feuer. 

Purpur« 

» 

Um diese. Farbe zu erhalten, bereitet man in einer 
gläsernen Retorte und unter Anwendung der Wärme eine 
gesättigte Auflösung von feinem Gold in einem aus 1 Raum- 
theile höchst konzentrirter Salpetersäure , 3 Raumtheilen 
Salzsäure und eben so viel dtstillirtem W asser zusam- 
mcengesetzten Königswasser, Man löst ferner 1 Theil rei- 
nes granulirtes Zinn bei mäfsiger Wärme in 4 Theil en 
desselben Königswassers auf. Sobald die Auflösung ror 
sich gegangen ist, setzt man noch gleiche Tb eile Zinn und 
rauchende Salpetersäure zu , wobei man durch Zudecken 
des Gelafses das Entweichen der Dämpfe zu rerhindern 
sucht. Nach Verlauf von 24 Stunden giefst man* ein we- 
nig destilHrtes Wasser in die Auflösung, die man für den 
Gebrauch in einer reinen gläsernen Phiole, auf deren Bo- 
den sich einige ZinnJ&örner befinden , aufhebt. Wenn die- 
selbe mit hinlänglicher Sorgfalt und Geschicklichkeit be- 
reitet worden ist, 59 ist sie nach vier bis fünf Tagen ganx 
klar , Ton einer dunkeln Farbe j und kann in diesem Zu- 
stande zur Bereitung des Purpurs gut angewendet werden^ 
welche man auf folgende Weise bewerkstelliget : 

Von der Goldauflösung schüttet man so yiel in de- 
stillirtes Wasser, dafs das letztere eben blafs gelb daTOn 
gefärbt wird, und nun setzt man tropfenweise die Zinn- 
solution zu , bis kein Niederschlag mehr erfolgt. Dieser 
letztere ist von einer schönen Purpurfarbe ; er wird wie- 
derhohlt mit heifsem Wasser ausgewaschen, und durch 
ein mit ungeleimtem Papier belegtes leinenes Filtrnm ge* 



¥> ■■■» 'II ■ I I ■ ■ ■ W l 



taucht man eine erwärmte Stahlstange hinein y. an welch^ 
»if sich anhängt« 



464 

seiht. Noch nafs wir4 er hierauf mit einer genrissctt 
Quantität Flufs von Nr. 4., der sehr fein gepulvert seyn 
mufs , Termischt , und auf einer Glastafel fein gerieben. 

34 Gran Gold auf diese Axt präeipitirt erfordern un- 
gefähr 2 Unzen Flufs. 

Rosenroth. 

tean bereitet sich diese Farbe auf folgende Weise; 

Zu einer (24 Gran Gold enthaltenden) gesättigten 
Goldauilösung , die mit dem Hundertfachen ihres Baumes 
warmem destillirten Wasser (worhi man 20. Gran Alaun 
aufgelöst hat) verdünnt ist, setzt man tropfenweise so lange 
haustisches Ammoniak*), bis keine "Trübung weiter ent- 
steht. Der entstandene Niederschlag wird mehrmahl 
mit heitsem Wasser ausgewaschen^ mit 2 Unzen Flufi 
Nr« 3. und eben so viel von Nr. 4. vermischt, noch nafs 
auf einer Glastafel fein gerieben, wobei man nach und 
nach sechzehn Blätter gechlagenes Silber hinzufügt. Wenn 
die Farbe hinlänglich gerieben ist , läfst man sie auf dem 
Glase trocknen und hebt sie in gläsernen Fläschchen zum 
Gebrauche auf. 

Beim Reiben nimmt diese Mischung eine schiefer- 
graue Farbe an ; sie wird aber roth , wenn man sie unter 
einer Muffel gelinde erhitzt. 

Man kann sie nichts desto weniger in beiden Zustan- 
den anwenden ; wenn sie zu sehr ins Gelbe fallt, setzt man 
ein wenig Goldpurpur , ' wenn sie zu dunkel ist , Blatuil- 
her zu. 

Ein anderes Rosenroth 

c/rhält man durch nasses Zusammenreiben von 1 Unze 
Goldpurpur, 3. Unzen Flufs von Nr. 3. und 1 o Gran (oder 
auch mehr) salzsaurem Silber (Uornsilber)« * 



•) Bei diesem Verfahren mochte %yolil einiee Vorsicht anxu- 
rathen scyxi, da sich durch die Fällung der Goldauflosun^ 
mittelst Ammoniak Hnallgold erzeugen , lind dieses eine 
Explosion veranlassen könnte. 



^^ 



4ß5 

Eine undurchsidhtige weifse Farbe 

Jiefert geraspeltes Hirschhorn , welches in einem Tiegel 
bis izur weii'sen Farbe kalztnirt, uüd mit dem gleiciien 
Gewichte Fiiiiis Nr* i, nals .isusammengerieben wird. 

Man erhält eine solche anch^ indem man 4 Theile 
weifses Yenelianer Schmelzglas und 1 Theil Flufs Nr. 8. 
zusammenreibt und unter der Muffel kalzinirt» 

Nach den in diesem Aufsatze gegebenen Vorschriften 
kann man durch Yermischung der verschiedenen Farben 
unter einander eine Menge von Nfiancen hervorbringen,' 
und dem praktischen Künstler wird es leicht seju, dieje- 
nigen darunter auszuwählen ,' die er zu seinem Zwecke 
am tauglichsten iihdet ; der Terfasscr hat sich darauf be- 
schränkt, jene derselben hier bekannt zu machen, die ihm* 
am meisten einer Anwendung empfänglich schienen« 



59. Messilig mit Zinkblende bereitet: 

Dem Messingfabrikanten Boucher zu L'Aigle , Orne^ 
DepartenienC , in Frankreich^ ist es nach vielen Versuchen 
gelungen, Zinkblende statt des Galmey zur Messing-Fabri- 
kation zu verwenden. Er verfahrt dabei folgender Mafsen : 
Die rohe Blende wird zuerst kalzinirt, dann in ein feines 
Pulver verwandelt, durch ein Drahtsieb geschlagen, und 
abermahls durch zwei Stunden bei einem starken Feuer 
geröstet) um den Schwefel so viel möglich zu entfernen. 
Dur^h diese Operationen verwandelt sich die anlänglich' 
gtaue Farbe des Minerals ini eine röthliche* 

Zufolge einer chemischen Analyse besteben loo Thli« 
der auf die vorgeschriebene Art gerösteten Blende, aus 

ünzersetzter Blende • • 3,o 

Zinkoxyd , . ' • . 89,6 

Eisenoxyd « 6,0 

£rdige Substanz t ; % 1,4 

■ ■ I . ■ ■ » 

100,0 *). 

^ \ : ; — — ^ ■ ■* ' 

*) Zar Vergleichung mag hier die Analyse des Ga'mcy aus 
lAWb. d. pol^'t. iB»t. III. Bdi; ^P 



466 

Mit Rof eitenkupfer und Kohlenpulyer in den gewöhn- 
lichen Verhältnissen versetzt lieferte dieselbe «inen wohl- 
geflossenen» schön gefärbten Messing, der so geschmei- 
dig war, dafs er sich bo leicht wie jeder andere gute Mei. 
sing zu Blech schlagen und in Draht yerwandeln liefs. 

Die Idee , die Blende dem Galmey zu aabstituiren, ist 
zwar nicht nbu , und schon früher sind ahnliche Versuche 
mit Erfolg vorgenommen worden ; dessen ungeachtet aber 
ist es von grofs'em Interesse , die Brauchbarkeit jenen bis 
jetzt wenig benützten Materiales zu einöm so wichtigen In- 
dustriezweige durch neue Erfahrungen aufser allen Zwei- 
fel gesetzt zu sehen« 



6o« Somer/orits verbessertes Thürschlofs. 

(Fig. 1 — 8. Taf. V.) , 

Dieses Schlpfs unterscheidet sich von einem gewöhn- 
lichen Thürschlosse hauptsächlich durch die Zuhaltung 
welche hier im Biegel selbst liegt , während sie sonst fast 
immer von oben in denselben einzufallen bestimmt ist, 
Fig. 1. zeigt die innere Einrichtung des Schlosses bei hin- 
weggenommener Deckplatte, a a ist der Biegel, den man 
in Fig. 4* besonders gezeichnet sieht ; er besitzt der Länge 
nach einen Einschnitt , der auf jeder Seite mit vier einan- 
der gegenüber stehenden kleineren Einschnitten oder Ker- 
ben versehen ist« 

hb eine messingene Platte, welche auf dem Riegel 
so angebracht ist, dafs sie sich frei um einen Stift c bewe- 
gen kann. Diese Platte , welche auch in Fig. 4- abgeson* 
dert zu sehen ist, hat einen ähnlichen Längeneinschnitt 
wie der^Biegel, allein derselbe besitzt blofs auf der oberen 
Seite 4 Kerben \ an der unteren hat er deren nur drei. 



dem Liniburgischen einen Platz' finden. Derselbe b^ 
•teht aus : 

Kiesel- und Thonerd.c ... io,$ 
Ei^enoxyd • . • • o,3 

Ziukoxyd ' . . . • 64,7 

Wasser iiiicl KohlenHÜiire , . 7,5 

» ■ ■ ■ ■ ■ 

ioo,o 



übrigens koi^respoadii'aif diese Herben mit jenen des Rie^ 
gels, sind aber etwas tiefer. 

dd eine Feder, welche auf dem Vorsprung b der 
Platte bb aufliegt, and dieselbe abwärts drückt. 

Unter dem Hiegel liegen zwei andere messiiigend 
Platten, die in Fig. 5. gezeichnet sind.. Die. Platte & 
liegt auf der Platte /, und über dlesei* ist der Cie^ 
gel a ä4 Jede dieser Platten ist mit einem runden' 
Loche versehen , mittelst deren sie beide an einem Stifte 
g des unteren Schlofsbleches (Fig. 6.) gesteckt werden« 
In Fig, 4.. ist ihre Lage mit punktirten Linien - angezeigt. 
Durch eine doppeltheilige Feder k (Fig. 5.) wird die Platte^ 
^ autVärts, die andere, e, aber niederwärts gedruckt. 
Jede dieser beiden Platten hat ferner einen viereckigen 
eisernen Stift ( h und i Fig< 5 und 6 ) , welcher durch di^ 
Einschnitte des Hiegels nnd der Platte b durchgehen, un<!, 
wenn sie iif^ den Kerben derselben liegen, das Schieben 
des Hiegels verhindern. In Fig. 3. ist der Hiegel so ge* 
zeichnet, wie er liegt, weiin jdas Schlois gesperrt ist. 
Durch die Feder k wird der Stift i in einer dei* obercnv 
der Stift h aber in einer der unteren Kerben des Riegel» 
nnd der Platte b fest gehalten. Wenn nuii das Schlois ge- 
öffnet werden soll , so mufs 1) die Platte/ so weit herab* 
' gezogen werden , dafs ihr Slift i genau in den Langenein • 
schnitt des Riegels zu stehen kommt. Eben so mufs ^) die 
Platte e so weit gehoben werden , .s der Srift h in dert 
Längeneinschnitt des Hiegels and der Pfatte b kommtv 
Würde die Platte/ zu weit herab gezogen, oder die e zu 
weit gehoben werden , so wurden sie in die gegenüber 
stehenden Kerben des -Riegels einfallen, und aaf diesd 
J\ri das Schlofs neuerdings sperren. 

Zugleich mit den beiden Platten e , /, mufs 3) auch 
die Platte b bewegt, und zwar mufs dieselbe so weit ge- 
hoben werden , dafs ihre Einschnitte genau über jene dee 
Riegels zu stehen kommen^ Dafs auch das Heben dieser 
Platte genau bis zu einer gewissen Höhe geschehen müssen 
und dafs ein zu viel oder saa wenig das Schlofs ebenfalls 
wieder sperren würde , ist leicht einzusehen« 

Wenn die jetzt angegebenen drei Bedingungen ein- 
getreten sind, so steht der Bewegung des Riegels kein 
Hindeniifs im Wege, nnd i^% Schlofs kann geoflhet wetdeili^ 

3o* 



468 

Die grofte Sicberbeit dieses Schlosses wird jetzt kei- 
nem Zweifel mehr unterworfen sejn, da man einsieht, dsfg 
das Schieben des Biegeis ron drei einzelnen Platten (f, 
f* 6,) abhängt) die alle zugleich ^ mittelst eines und des- 
selben Schlüssels auf eine gewisse Art bewegt weiden 
müssen. 

Nein zur Beschreibung der Art, wie diese Bewegung 
vor sich geht : Das Heben der Platten b und e geschieht 
ganz auf dieselbe Art, durch den Bari des Schlüssels, wie 
das Ausheben der Zuhaltung bei einem gewöhnlichen 
Schlosse, und die dabei Statt findende Sicherheit beruht 
also blofs darauf, daüs beide Platten genau nur bis zu 
einer gewissen Höhe gehoben werden müssen, während 
es bei einer gewöhnlichen Zuhaltung nur. darauf ankommt« 
dqfs sie aufgehoben werde , gleichTiel wie hoch. 

Das Niederziehen der Platte /geschieht mittelst einer 
Art Ton beweglichem Eingerichte , nähmlich einem erha- 
benen eisernen Beifen mm ( Fig. 5. ) , der auf die untere 
Seite der Platte/ angeschraubt ist (Fig. 8. ). JDieser Reif 
ist jedoch kein Kreisbogen, sondern er mufs etwas starker 
gekrümmt seyn, damit ihn der vordere, hakenartig ge- 
bogene Theil l des Schlüsselbartes ( Fig. 7. ) beim Umdre- 
hen ^des Schlüssels niederziehen könne. — Dals man 
übrigens dieses Schlofs durch eine Schwei(ung des Schlüs- 
sclbartes , / uiid durch ein Eingericbt noch mehr sichern 
kann , yersteht sich von selbst. 

Dieses yerbesserte Thürschlofs , für welches der Er- 
finder in England im Jahre 1O18 von der Gesellschaft zur 
Aufmunterung der Künste, Manufakturen und des Han- 
dels eine Gcldbclohn'ung erhalten hat , befindet sich auch 
im National -Fabriksprodukten - Kabinette des k. k. poi)- 
technischen Institutes. 



Gl. Ein von dem Engländer Strutt erfundenes 

' Sicberheitsschlofs. 

(Fig. 17. Taf. V.) 

Dieses Schlofs unterscheidet sich von einem gewöbn- 
liehen Thür - oder Kastenschlofs wesentlich, zwar nicht 



4ö< 

in der Bauart dea Biegeis und der Zuhaltung, sondern le- 
diglich in der Art, nvie das unbefugte Offnen, nähmlich 
das Schieben des BiegeU ohne Hülfe des dazu gehörigen 
Schlüssels verhindert wird. Der Schlüssel dient hier aber 
nicht, wie bei den gemeinen Schlössern, zum Ausheben 
der Zuhaltung, und zum Schieben des Biegels, sondern 
blofs dazu, beide diese Operationen, die durch das Um- 
drehen öiner Oliye bewirkt werden , durch Ordnung ge- 
wisser im Schlofskasten befindlichen Tbeile möglich zu 
machen. Fig. 17. iat ein eintouriges solches Schlofs, von 
welchem man die Deckplatte abgenommen hat. 

F ist der Biegel, welcher ganz die gemeine Form 
hat. £r besitzt zwei Einschnitte , m und n für den Stift 
X der ebenfalls wie gewöhnlieh gebildeten Zuhaltung 6. 
Diese Zuhaltung dreht sich um einen Stift p, der zugleich 
in einem Einschnitte u des Riegels liegt, und so dem letz- 
teren zur Leitung dient. Sie hat einen Ansatz /f , der zu 
einem besondern, noch anzugebenden Zwecke bestimmt ist, 

Das Offnen oder Sperren des Schlosses geschieht 
durch den nach Art eines Schlüsselbartes geformten Lap- 
pen L , der von aufsen durch eine kleine Olive umgedreht 
wird. Er wirkt dabei wie der Bart des sonst gewöhnli- 
chen Schlüssels , indem er die Zuhaltung aushebt, und den 
Biegel zugleich schiebt« Die Feder / ist bestimmt, das 
Ein&llen des Stiftes x der Zuhaltung zu bewirken. 

Befanden sich aufser den genannten keine anderen 
Theile mehr im Schlofskasten, so würde auch das Öfihen 
des Schlosses keiner Schwierigkeit unterliegen , weil es 
von Jedermann durch blofses Umdrehen der Olive bewirkt 
werden könnte. 

Das Eigenthümliche dieses Schlosses besteht aber ge- 
rade darin , dafs es gewisse Theile besitzt , die erst mit- 
telst des Schlüssels in eine bestimmte. Lage gebracht wer- 
den müssen, bevor man durch das Umdrehen der Olive 
den Riegel zu schieben im Stande ist. Diese Einrichtung 
besteht in Fol gen dt^m. Über dem Riegel F liegen auf ei - 
ander mehrere eiserne oder messingene Platten Aj die alle 
einerlei Form haben, und um einen Stift B beweglich sind. 
Sie decken sieb einander gänzlich, und mau kann' daher 



47P 

nur die obere sehen, Sie besitzen alle an der untern Seite 
solche Zähne V vrie man sie an Bädern findet. Die Zwi* 
schenräume, welche diese Zähne lassen, sind sämmtlicK 
nichL von beträchtlicher Tiefe, bis auf einen an jeder Platte, 
der bei der sichtbaren oberen mit K bezeichnet ist. Blofs 
dieser einzige Einschnitt ist von Wirksamkeit, die übrigen 
sind blofs zur Täuschung desjenigen vorhanden , der eia 
solches Schleis ohne den rechten Schlüssel zu öffnen rer- 
suchen würde. Der tiefe Einschnitt aber befindet sich bei 
jeder Platte an einer andern Stelle , ein Umstand, der ei* 
gentlich die Sichecheit des Schlosses begründet. 

Die Zeichnung stellt das Schlofs Tor , wie der Lap* 
pen L eben im Begriffe ist, die Zuhaltung auszuheben. 
Wollte man den Biegel jetzt blofs durch das Umdrehen 
der mit dem Lappen L Tcrbundenen Olive vorwärts bewe- 
gen, so gfti^e das nicht an, weil der Ansatz if der ZuhaK 
tnng zwischen die Zähne der Platten A eingefallen ist, und 
so das Ausheben des Stiftes x aus dem Einschnitte desBie* 
gels vef*hindert. 

Um daher den Biegel mit Gewalt zu bewegen, müfste 
der Stift x abgesprengt werden , wozu doch eine beträcht- 
liche Kraft erforderlich seyn dürfte* 

Wenn aber das Schieben des Biegeis ohne Anstand 
soll geschehen können , so mufs vorher der ScJiIüssel auf 
eine eigene Art gebraucht werden. Bei 'C sieht man die- 
sen Schlüsse] in das Schlofs gesteckt ; in E hat man ihn be- 
sonders gezeichnet« i , 2, 3, 4, 5 sind eine Art Slufen 
an dem Barte, deren Bestimmung sogleich deutlich wer- 
den wird. Steckt man nähmlich den Schlüssel durch das 
Schlüsselloch in das Innere des Schlofskastens , und dreht 
man ihn dann so lang um, 'bis er bei 2 an den Platten v/ 
ansteht, so wird jede diese!* Platten durch eine Staffeides 
, Schlüsselbartes (E) auf eine gewisse Entfernung zurück 
gedrückt. Yon allen kommen dabei die tiefen Einschnitte 
genau über einander , und dem Ansätze H der Zuhaltung 
gegenüber. (Die obere , in der Zeichnung sichtbare Platte 
liimmt also die Lage au , welche durch punktirte Linien 
begränzt ist. Ihr Einschnitt K kommt nach J zu stehen.) — 
'Tersucht man nun durch Umdrehung der Olive den Biegel 
^ schieben, so .geht das aehr leicht an, wei} blofs der 



47' 

Druck der Zuhaltungsfeder / zu überwinden ist, und der 
Ansatz A an der Zuhaltung ungehindert inj die tiefen Ker- 
ben K der Platten einfallen kann, wodurch dad Ausheben 
des Stiftes X möglich gemacht wird. 

Nach dem Absf^erren des Schlosses liegt .r in dem Ein- 
schnitte /i, und der Riegel ist vorjgeschoben. Sobald man nun 
den Schlüssel wieder herauszieht, gehen die sämmtlichen 
Platienyi wieder in ihr^ alte Lage zurück ^),*und d^sSchlofs 
isl so lang nicht zu offnen , bis durch den Schlüssel neuer- 
dings die Platten in die gehörige Stellung gebracht wer- 
den. Die SicSherheit des gegenwärtigen Schlosses »beruht, 
wie man aus der Beschreibung desselben ersieht , blofs 
auf dem Umstände, dafs jede der Platten A auf eine an* 
dtre Entfernung zurück gedrückt werden mufs , um in die 
zum Offnen de« Schlosses erforderliche Lage zu kommen; 
denn würde auch nur eine einzige solche Platte zu wenig 
oder zu viel bewegt, so würde sie allein' das 'Einfallen des 
Stückes H in die Einschnitte K , und mithin das Ausheben 
der Zuhaltunü" rerhindern. 

Begreiflicher Weise kann diese Verschiedenheit zwi- 
schen den einzelnen Platteii' ins Unendliche abgeändert 
werden (D, E, Af, i^ sind vier verschiedene Formen von 
Schlüsseln)^ ohne dafs das Wesentliche des Schlosses da«- 
bei verloren ginge. Selbst. in dem Fall^ , dafs der Schlüs^ 
sei in Verlust geräth , darf man nur zwei Platten mit ein- 
ander verwechseln, nnd^ sich einen neuen Schlüssel ver« 
fertigen lassen , um das Offen mit dem alten Schlüssel un-^ 
möglich zu machen. Endlich wird man leicht die Mög- 
lichkeit einsehen, dieses Schlofs auch z^ei <o£/rt^ , und von 
beiden Seiten zum Sperren einzurichten. Um den letz- 
tern Zweck zu erreichen , müfsten jedoch die einander 
entgegen gesetzten Platten ( also wenn z. B. fünf wären; 
die erste und fünfte, so wie die zweite und vierte) sich 
voHkomraen gleich sejti. Ein Paar Schlüssel dazu wären 
etwa D und M, Das Prinzip des beschriebenen Schlosses 
hat der Erfinder auf verschiedene Art modifizirt , und zu 



*) Dieses Zurückgehen Tvird am besten durch kleine Feder* 
eben bewirlit, die in der • Zeichnung weggelassen sind, die 
aber jeder Arbeiter leicht auf eine acbickliche Art wird 
anzubringen wissen. 



c> 



47> 

mancherlei Zwecben angewendet. Auf alle diese Anwen- 
dungen hat er im Jahre i8i<) (unter dem tS^**' Oktober) 
ein ausschliefseDdea Patent, erhalten. 

Jm Fabriksproduhten - Kabinette des^polTt^chniscben 

Institutes ist ein Schlofs yon der vorbeschriebenen Kon« 

•• • • 

«truktion aufgestellt. 



6i. Vorrichtaiig zum Trocknen der Kette für 

ViToUenWeber« 

(Taf. V. Fig. i4 — i6.) 

# 

Der Engländer Georg Rhodes von Saddleworth bei 
ManchenUr hat eine Vorrichtung erfunden, die das Trecks 
nen der Kette für Tuch- und andere Wollenzeugweber 
aufser ordentlich erleichtert. Fig. 16 ist eine perspekti- 
tische Ansicht davon» Eine dicke Welle da liegt in ei- 
nem Gestelle so, dafs sie sich um ihre Achse drehen läfst, 
zu welchem Zwecke sie mit einer Kurbel b versehen ist. 
An jedem Ende dieser Welle sind vier Arme b, c, c, Cy 
kreuzweise durch dieselbe gesteckt, »und jeder dieser Arme 
ist auf seiner innern Seite mit einer Nuth versehen, deren 
Bestimmung darin besteht, die Leisten ddd aufzunehmen, 
über welche die Kette *gespannt wird. 

In Fig. 14 sind ein Paar solcher Leisten besonders 
abgebildet, und Fig. i3 zeigt die Art, wie sie z^wischea 
die Arme cc eingelegt werden. Da diese Leisten an bei- 
den Enden etwas breiter sind , so lassen je zw«i von ik- 
nen , die auf einander gelegt werden , eine Öffnung zwi- 
schen sich (s.Fig^ t^.), welche dazu dient, die Zeug- 
kette aufzunehmen. 

Die Methode , diese letztere auf die Maschine zu 
bringen , ist sehr einfach. Man nimmt nähmlich alle Lei- 
sten d heraus, bis auf eine zunächst an der Welle; an 
dieser befestigt man das Ende der Kette, dreht hierauf die 
Welle et^vas weniges um , legt die nächste Leiste ein, lei- 
tet Aber diese die Kette , und fahrt auf diese Art fort, bis 
die ganze Kette aufgewickelt ist, welche zuletzt mit ihrem 
anderen Ende an der äufsersten Leiste festgemacht wird..— 
Fig. i5 zeigt die ganze Vorrichtung mit der aufgewickel* 
ten Kette im Quer durchschnitt. 



473 

Wenn das Ganze iin diesem Stande ist, so wird die 
Vorrichtung , die in der Nätie eines Ofens steht , oder 
ayf andere An erwärmt werden kann, mit Hülfe der Kur* 
bei 6 umgedreht ; und das Trocknen der Kette geht auf 
diese Art so schnell , dafs nur ungefähr drei Stunden dasu 
erfordert werden , dagegen man sonst wohl funfze«hn bis 
zwanzig Stunden darauf verwenden miifste. 



63. Notiz über eine Verbesserung in der Färberei. 

Es ist eine bekannte Erfahrung, dafs, wenn Tuch 
im Stücke gefärbt wird , die Farbe nicht in dasselbe ein- 
dringt, sondern blofs auf den beiden Oberflachen haftet, 
so , dafs dieses Tuch dann auf dem Schnitt einen weii'sen 
Streif zeigt, der mehr oder wei^igei: bemerkbar ist. Um 
diesem Fehler zuvor zu kommen , verfertigt man die 
Tücher in der Regel aus solcher Wolle t die schon vor 
dem Spinnen gefärbt worden ist. Jedoch gibt es gewisse 
Farben , die dem Tuche erst, wenn es ganz fertig ist« ge- 
geben werden können, weil sie durch die voraus gehen- 
den Operationen des Krämpelns und Spinnens, vorzüglich 
aber durch das Walken, an Schönheit bedeutend verlie- 
ren würden. Darunter gehört z« B. die aus Kochenil le be- 
reitete Scharlachfarbe, welche die Eigenschaft , das Tuch 
in der Mitte ungefärbt za lassen, eben in sehr hohem 
Grade besitzt, wie denn auch in den meisten Fällen die 
weifse Farbe auf dem Schnift für ein Kennzeichen des echt 
gefärbten Scharlachtuches gehalten wird *)• 

Wie man leicht einsieht , bat dieser Umstand aof die 
Daner des Tuchs einen beträchtlichen Einflnfs ; denn wenn 
dasselbe einmahl etwas abgetragen ist, so verliert sich na- 
türlich auch die Schönheit der Farbe. Dieter Grund hat 
den Direktor an der Schule der Gobelins^ Grafen de la 
Boulajre^MarMSkic, bewogen, ein Mittel auszudenken, dnrcli 
welches das Eindringen der Farbe bis ins Innere des Tu- 
ches möglich gemacht würde. 



*) Bri so tbearen Farben., wie s. B. der ecbfe Srbarlacb ist, 
lictsrn sich wohl Crfinde für dieses oberfläcblicbe FärfccA 
ani^ebm. Einnsabl braveble aun melir Farbematerial , nas 
das Tflcb diirchaBS zu farbea« «sd daan %enitmt aaeb die 
rocke Farbe darch die wci6a üolerlage an Feuer* 



474" 

. Er nimmt an , dafs eigentlich^ das Wasser , in weichet 
das Tuch yor dem Färben eingeweicht wird , die Ursache 
von dem schlechten Eindringen der Farbe in dasselbe sey. 
Doch aber* ist dieses Einweichen nöthig, um eine gleich« 
förmige .Yertheilnng der Farbe zu bewirken; und obwohl 
man das nasse Tuch vOr dem Färben sehr stark auswindet, 
'so bleibt , seiner Meinung nach j doch noch Wasser genug 
darin, jene Wirkung hervor zu bringen. 

Das von dem Erfinder angegebene Mittel ha^ daher 
zum Zwecke , das Tuch im Farbekessel selbst noch ganz 
von Wasser zu befreien, und zugleich durch einen ange- 
messenen Druck das Eindringen der Farbe zu befördern« 
Es besteht in Folgendem ; 

• 

Am Boden des FärbekesseU, ganz unter der Farbe- 
brühe , wird ein^ Art Presse angebracht , welche aus zwei 
parallel über einander liegenden Walzen besteht, die et- 
was länger sind, als das zu färbende Tuch breit ist, und 
die einander so nahe gestellt sind, dafs das Tuch beim 
Durchgehen emen Druck erleidet. Über dem Kessel sind 
an zwei entgegengesetzten Seiten zwei mit dem erwähnten 
Walzenpaare parallel liegende Haspel oder Winden ange« 
bracht« Auf eine solche Winde wird das Tfich gewickelt; 
man leitet dasselbe zwischen den im Kessel befindlichen 
Walzen durch , und auf den andern Haspel , an welchen 
man es ebenfalls befestigt. Nun wird das Tuch wechsel- 
weise von der einen auf die andere Winde gewickelt, und 
zwar so. lang, bis die Farbe die verlangte Intensität erhal- 
ten hat. 

Die Wirkung dieser Vorrichtung ist augenscheinlich: 
durch den Druck der Walzen wird das Wasser aus dem 
Tuch entfernt, und das Letztere kann also ganz von der 
Farbe durchdrungen werden. 

Man hat bemerkt, dafs der auf diese Art gefärbte 

Scharlach wenig^r Feuer besitzt *) , als der nach der allen 

Methode verfertigte; wahrscheinlich aber kommt diefs 

nur daher , dafs der erstere zu sehr mit Farbestoff über« 

. laden war« Man würde vermuthlich diesem Umstände be- 



*) S. die vori^ Aumerkung. 



4t5 

gegnen können ^ wenn, man der Farbenbrühe noch einen 
Zusatz von Gelbholz gäbe« 



64« Verbesserung des Unschlitts zur KerzeiH 

fabrikation« 

Der Engländer Edu^ard Heard yon Brighton in der 
Grafschaft Sussex^ hat anter dem 12*«" Februar i8i<) ein 
Patent auf eine Methode erhalten, das Unschliltso zu «ver- 
bessern , dafs man daraus Kerzen TOn vorzüglicherer Qua- 
lität als die gewöhnlichen Talgkerzen verfertigen könne. 
Das Verfahsen, welches er dabei beobachtet, besteht darin^ 
dafs er dem schmelzenden Unschlitt entweder Salpeter- 
säure, oder salpetrige Saure (rothe Salpetersäure) oder 
Königswasser in gewissem Verhältnisse zusetzt, und es 
damit stark erhitzt« Die Quantität der Säuren kann ver- 
schieden seyn, je nachdem sie stärker oder ^ schwächer 
sind« Da es doch immer nur die Salpetersäure ist, welche 
wirkt, so braucht man von .ihr, wenn sie im reinen Zu- 
stande ist, weniger als von salpetriger Säure oder von 
Königswasser* 

Wenn das Unschlitt nach einiger Zeit eine orangen- 
gelbe Farbe angenommen hat, wird es stark ausgepreist, 
wobei eine öhiige Flüssigkeit sich absondert« Die gelbe 
Farbe benimmt man ihm durch Aussetzen an Luft und 
Sonne. Es ist in diesem Zustande härter und schwerflüs- 
siger als.es vorher w<^r, und die daraus verfertigten Ker- 
zen besitzen mehrere Vorzüge vor den gern einen Talg- 
lichterp. 



65. Beschreibung einer Spieldose aus einer Schwei- 
zer Manufaktur« 

. . ( Taf. VI. Fig. 1 bis 9. ) 

Die hier beschriebene Dose ist aus Wurzelholz vom 
Buxbaume, 3 ^ Vi 00 ^oH lang, 2^10 Zoll breit, und 1 Vi« 
Zoll hoch , und wurde in Paris im Jahre 1816 für ungefähr 
8 Pfd. Sterling erkautt« Der Preis solcher Dosen variirt, 
nach der Schönheit der Arbeit und naeh der Verschieden- 
heit des Materials, woraus sie verfertigt sind, von 3 Pfd« 
bis 4e Pfd. Sterling und darüber« 



4l^ 

Die Zeichnungen anf 'faf. VI. sind alle in natOrliclieT 
GrÖf&e. Fig. i. zeigt die Ansicht des Spielwerkes Ton 
oben, Fig 4* ^^^ ein Qnerdnrchschnitt demselben, und 
Fig. 7« die Ansicht der ganzen Dose ?on der Seite, welche 
in Fig.^ 1 mit j<^. bezeichnet ist. * 

Die Dose hat ron anfsen die Gestalt einer gewöhnli- 
ehen , etwas hohen Tabatiere , in deren unterem Theile 
sich das von dem Tabahbehältnifs durch eine Wand*) ge- 
trennte Spielwerk befindet. Der Boden der Dose wird 
durch einige kleine Schrauben fest gehalten , und ist her- 
aus zu nehmen , wenn man zum Werke gelangen will, weU 
ches letztere von einer , etwas über eine Linie dicken 
Hessin gplatte F gelragen wird. Voraus ist zu bemerken, 
dafs die verschiedenen Töne durch Vibrationen kleiner 
Stahlfedern, JB, hervorgebracht werden, die an einem 
Ende fest , am andern frei , und von verschiedener Längt 

sind. ' / 

f 

Diese Federn werden in Bewegung gesetzt durch zy- 
lindrische Stahlstifte von der Dicke feiner Nähnaideln, die 
auf den Umfang einer messingenen Walze in eigene für 
sie gebohrte Löcher so eingetrieben sind, dafs sie VstZ<>U 
hervorstehen. 

Diese \Valze ist hohl y 7^4 "Zoll in der. Wand dick, 
und beiläufig Vz Zoll im Durchmesser. Sie läfst sich an 
ihrer Achse verschieben , und wird durch ein , mit einem 
Windfang versehenes Räderwerk, regelmäfsig umgedreht. 
Die bewegende Kraft hierbei ist eine Spiralfeder , die, wie 
bei jeder Sackuhr , in einem Federhause liegt , welches 
in der Zeichnung den Buchstaben £ führt, und auf der Platte 
jP fest geschraubt ist. Die Feder ist mit einem Ende an 
der innem Seite dieses Federhauses befestigt, das andere 
ist mit der Federwelle r (Fig. 3.) verbunden. Wenn da- 
her beim Aufziehen jene Welle nach der in Fig. i. mit 
dem Pfeile bezeichneten Richtung umgedreht wird, so 
wickelt sich die Feder auf, und wird dadurch zusammen- 



*) Bei manchen Dosen ist diese Wand von durcbsiehrif^em 
englischen Ilorn, und gestattet auf diese Art eine Einsiebt 
in den Mechanismus des Spielvrerks , ohne dafs die Dost 
xerlegt zu werden braucht. 



477 

gedrückt* Das Anfsiehei» geschiebt ron der untern Seite 
de^ Dose^ durch deren Boden die Federwelle durchgeht, 
mittelst des Schlüssels, der ganz die Form eines gewöhn- 
lichen Uhrschlüssels hat. Um das Üherziehen der Feder 
2u verhindern 9 trägt die Federwelle oben einen Zeiger» 
der in eine mit zwei Zahnen TCrsehene Scheibe eingreift) 
und dieselbe nur so oft weiter zu schileben im Stande ist, 
als sich, ein Zahn an derselben findet , dann^«ber an dem 
ungezähnten Theile ansteht ^). Eine Feder 7 hält hierbei 
die gezahnte Scheibe in ihrer jedesmahligen Stellung fest« 
Auf die Federwelle ist ein messingenes Hronrad iS(Fig.3«) 
gesteckt , doch so , dafs es nicht fest daran ist , sondern 
sich herumdrehen lafst« In den Boden dieses Hronrades 
ist ein acht und yierzigzähniges Sperr ^Bad R (Fig. a.) 
versenkt , welches zugleich . mit der Federw'elle fest ver- 
bunden ist. Die zwei dazu gehörigen, mit Federn telr- 
sehenen Sperrhaken sind an dem Hronrade angebracht. 
Die Zähne des Sperr-Bades sind so gestellt, düifs beim 
Ablaufen der Spiralfeder das Kronrad mit bewegt wird» 
während beim Aufziehen die Federwelle allein sich dreht ^). 

Das Rronrad S dreht ein zwölfzähniges kleines Bad 
oder Getriebe von Stahl, G, um, welches an der ebenfalls 
stählernen Achse der Stiftchenwalze C sitzt. Die Öffnung 
bei D(Fig. 3.) in der Seite des Federhauses dient^ die- 
ses Getriebe , welches V4 ^^^^ ^ Diameter hat , durch zu 
lassen. Das Werk, welches bestimmt ist, die Umdrehun* 
gen der Walze C zu reguliren , besteht in vier messinge- 
nen Bädern, drei stählernen Getrieben, und einem Wind- 
fang mit einer Schraube ohne Ende. ' Das gröfste Bad, H^ 
welches an der Achse der Walze C sitzt, hat 54 Zähne» 
das nächste, J, 40, das folgende iC, 38 Zähne; die Ge* 
triebe haben , jedes , acht Triebstöcke. Der aus zwei mes«- 
singenen Flügeln bestehende Windfang M wiegt, sammt 
der stählernen endlosen Schraube , nur 1 */^ Gran. Das 
messingene Bad L^ welches den Windfang dreht, hat 
achtzehn Zähne, und einen Durchmesser von Y4 2SolL 



A) Dieselbe, oder eine Sbnliclie Vorrichtung findet man aucli 
an den meisten besseren Taschenuhren. 

*) Beiläufig wird hier erinnert, dafs diese Einrichtung gants 
dieselbe ist, die sich bei den Schnecken der Taschenuhren, 
und jedem Laufwerke, das aufgesogen werden mufs, findet. 



• » 



4:8 

Zwei Zähne desselben sind immer im Eingriff mit der 
Schraube. / 

Etwas aofser dem Mittelpunkte des Bades K ist ein 
Stahlstift befestigt i der 4larch das Loch einer im Innern 
der Walze C betindlichen Scheibe durehgeht, und daher 
die Walze mit dem Rade zugleich herum führt. Das an- 
dere Ende .der Walze C geht in eine Messingscheibe ausj 
die im Durbhmesser etwas gröfser ist, als ^ie WaUe 
selbst. Der Vorsprung dieser Scheibe liegt in einem 
Ausschnitt des stählernen Hebels iV, der so der VYalze zur 
Leitung beim Umdrehen, und auch «m dieselbe der Länge 
ihrer Achse nach zu verschieben dient, wenn anderb Stifte 
den Federchen JB gegenüber kommen, sollen, um ein ande- 
res Stück zu spielen«^ 

In diesem Falle wird das andere Ende des Hebels ^^ 
Ton aufsen der Dose Ä^ mittelst eines bei O angebrachten 
Drückers verschoben« 

Ein anderer Hebel, Q, der an dem Stifte P steckt, 
Hknd um denselben beweglich ist, hat die Bestimmung, die 
JBewegung der Walze auf eine beliebige Zeit zu hemmen, 
und, auch wennrdie Spiralfeder aufgezogen ist; das Werk 
so lange«in Ruhe zu erhalten, bis man es spielen lassen 
will. ' Dieser Endzweck wird durch folgende Eanrichtung 
erreicht. 

Ein kleiner Stift Z (Fig. 5^ nahe im Mittel von Q, 
ätemmt sich gegen die äufsere Fläche des Rades IT, wäh- 
b:*end sich dasselbe umdreht. Zu Ende des Musikstuckes 
Svird er durch eine Feder F in ein Loch des Rades R hin- 
lein gedrückt , und zu gleicher Zeit fafst das dünnere Ende. 
17, des Hebels einen Flügel des Windfanges M, und liiit 
so die Bewegung der Räder auf. Mittelst eines Drückers, 
der durch die Wand der Dose. Ä geht , un^ auf das Ende 
Q des Hebels wirkt « kann derselbe beliebig wieder ausge- 
hoben werden , wenn man der Spiralfeder in dem äause 
E ihre Wirksamkeit wieder geben will. In Fig. i. ist der 
Hebel Q nicht gezeichnet worden , weil er mehrere an- 
dere Theile verdeckt haben würde; dagegen sieht man 
ihn in Fig. 5. für sich allein abgebildet. Fig. 6. stellt ihn 
tor, wie er eingefallen ist, und die punktirte Linie i« 



479 

derBelben Zeichnung zeigt die Lage 5 welche er hat| wenn 
das Werk im Gange ist. 

Alle Rader sowohl, als die Waise Csind, um Baum 
^a sparen, so yiel möglich in die messingene Platte Fein* 
gelass en. 

Die tönenden Federn sind gerad , und zwar sind de- 
ren 9t6 Paare« Jedes Paar ist auf der Platte F mit einer 
stählernen Schraube befestigt. Die Schrauben scheinen 
dort, wo sie die Federn berühren , mit einem dunhel ge- 
färbten Kitt umgeben zu sejn , wahrscheinlich um das 
Schnarren zu vermeiden« Die obere Seite der Schrauben 
und Federn scheint nachher erst polirt worden zu sejn. 
Die Seiten der Federn sin4 dunkel gefärbt , ausgenommen 
Um freien; Ende, wo sie, % Zoll TOn der Walze entferot^ 
schmäler zuzulaufen anfangen. Auch sind diese schmalen 
Enden gegen aufwärts abgeschrägt, so, dafs sie einen 
Winkel von beiläufig ^o Grad bilden. Die kürzesten " 
Federn (die höchsten Töne) in der Nähe der Bäder schei* 
nen yon gleicher Dicke zu sejn , und zwar etwas dicker 
als eine Taschen ahrfed er. Die längeren sind an ihren, der 
Walze C zugekehrten Enden dicker , gegen hinten zu aber 
etwa eben so dünn als die kurzem. Die gröfste Dicke zu^ 
nächst an der Walze beträgt 732 ZoH. Unter den Schraur 
ben sind sie alle beträchtlich dicker , nähmlich V16 Zoll. 
Jedes Paar der Federn ist aus einem einzigen Stahlstück 
durch einen Einschnitt gebildet. Die Länge dieses Schnit«> 
tes bestimmt die Länge der vibrirendenTheile. Die Fläche, 
in welcher die Federn liegen , ist etwas schief gegen die 
Platte F, und die Walze dreht sich in einer solchen Bich<% 
tung , dala ihre Stifte von unten nach oben auf die Federn, 
wirken. 

Die letzte Feder ober dem Hebel iV ist vorsätzlich 
abgebrochen. Die übrigen 5i bilden nur 22 verschiedene 
Töne , die in nachstehender Ordnung auf einander folgen : 
G, 2 ^, 2 5, 2 C, C scharf, 3 D, 2 £, 2 F scharf, 3 G, 
3 ><, 3 B, 3 C, 3 D, 3 £, 3 F scharf, 3 G, 3 A^ 9 B^ 
fi C9 2 C scharf, D^ E % Die Ziffer vor manchen Buch- 



■*• 



*) Leider sind im ( englisclien ) Originale, die TojDarttn nicht 
angegeben 7 aus welcben die Studie Spielen» 



48o 

Stäben i>edentet die Zahl , wie oft ein und der&elbe Ton 
vorhanden ist. Die Ursache aber , warum gewisse Tone, 
die häufig vprkommen, mehrmahl vorhanden sind, ist keine 
andere « aU damit das Schnarren vermieden werde , wel- 
ches nothwendig entsteheil müisto, wenn die nähmiiche 
Feder zu schnell hinter einander von den Stiften der Walze 
C getroffen würde« Die Wahl dieser Tone, die mehr* 
mahl vorkommen sollen, wird also durch die Verschieden* 
heit der verlangten Musikstücke bestimmt. Die gegen- 
wärtige Dose sxHcIt ieinen Marsch von vier and zwanzig 
ganzen Takten in der Dauer, und einen Walzer, der vier- 
zig punktirte Halbtakte ( Vi Takte ) oder 240 Achtelukte 
^ährt. 1 . 

I^ie kleinsten Noten in dem Marsch sind Sechzebn- 
tel , folglich mufs 1 nachdem man einen Theil der Walze 
C für eine Pause am Ende des Stückes *) leer gelassen 
hat, der Rest des Umfanges derselben in (16 X '^4) 
384 Theile ^etheilt werden, um den Standort der Stifte 
bestimmen zu können. Bei einem Umgange d^s Kronri* 
des S ( Fig. 3. ) dreht sich die Walze dreimahl um ; jedes 
Stück wird also eben so oft durchgespielt« Wenn die Fe- 
der halb aufgewunden ist, spielt sie das Stück in 44^^ 
künden einmahl ans ( die Walze macht also in derselben 
Zeit eine Umdrehung^). 

Die vorstehende Beschreibung findet sich im Septem- 
ber* Hefte von iSaodes Repertorjr of Arts etc. und hat 
Herrn Arnold Merrick zum Verfasser. Sie ist mit einer, 
ebenfalls in der Schweiz verfertigten Spieldose verglicbeä 
worden, welche Herr Professor G. AUmiUier zu diesem 
Ende mitzutheilen die Gefälligkeit hatte. Es fanden sich 
bei dieser Yergleichung mehrere Verschiedenheiten, von 
denen die vorzüglichsten hier angeführt werden. 



<) Eine solche Pause ist notliig, um dem Stifte Z,dc8 Hebels 
Q Zäit sum Einfallen, und wieder zum Ausheben sii §e< 
statten. 

^) *Wie offc ein Stüdk bei einem Aufsage der Spiralfeder aus- 

Sespielt werden kann, liängt ab von der. Starke und von 
er. Länge dieser Feder, so wie von dem Umfan^^e der 
WaUe, und von der Schnelligkeit, mit welcher sich di^ 
selbe dreht. 



43t 

i) Die t6Benden Feder chen sind nicht paarweise zu-* 
sammengesetzt, sondern alle aus eiher einzigen Stahlplatte 
durch Einschnitte gebildet, und mit drei Schrauben auf 
der Bodenplatte befestigt. Auch sind ihrer mehr, ais in 
der englischeli Beschreibung angegeben werden, n&hm« 
lieh 61.' 

2) Die längeren Federn (ungefähr die Hälfte der 
ganzen Zahl)^ haben vorn einen heilförmigen Ansatz^ 
(Pig, H. ), der vielleicht bestimmt war, mehr oder weni-* 
ger abgeschliffen zu werdet!^ und so das Stimmen äu er- 
leichtern. 

3) Die Einrichtung des Hebels , der die Bewegung 
der Walze C bis zu einer gewissen Zeit , und dann nach 
dem Ende eines jeden Musikstückes aufhalten soll, weicht 
ganz Ton der in der obigen Beschreibung angegebenen, 
und in Fig. 6* gezeichneten, ab. Eine Vorstellung davon 
-sieht man in Fig. 9. E ist das Federhaus , C die Stiftchen** 
walze und M der Windfang. Der Hebel hat seinren Um-« 
drehangspunkt bei F; der Stift X desselben ist bestimmt 
in das Rad H einzufallen , zu gleicher Zeit fafst dann der 
Ansatz ^ desselben den Windfang, und hält ihn auf« 
a ist eine Feder 9 die mit dem Hebel aus einem Stück he-* 
steht, und sich gegen einen Stift K stammt. Das Aushe«* 
ben des Stiftes X geschieht durch einen Drücker , der bei 
c (in der Richtung des Pfeils) auf den Hebel wirkt. 



66^ Streichmafs zum Halbiren. 

Dieses Streichmafs,* welches sich auch in der mit dem 
t'abriksprodukten -Kabinette des k. k. polytechnischen In- 
atitutes vereinigten Werkzeugsammlung beiindet, hat ei- 
nen Engländer , Palmer^ zum Erfinder , der dafür von de;:* 
Auf munterungs - Gesellschaft in London die silberne Me« 
daille erhielt. 

Fig 10. (Taf. VI.) ist die obere, und Pig. 11. eine 
perspektivische Ansicht dieses Werkzeuges. Es besteht 
aus dem vierkantigen hölzernen Riegel Ayi, an welchem 
ein Backen D verschiebbar , und mit der Schraube C fest 
zu stellen ist« Diese beiden Theile nebst einem bei b 
angebrachten Stift' zum Reifsien bilden ein gemeines 

|iiite>» 4. poiyt.intt. in» na« ii 



48a 

Streichmafst als welches man das- Instrninent auf die ge- 
wöhnliche Art in Anwendung setzen kann. 

Die von Palmer angebrachte Verbesserung besteht ia 
Folgendem : Aufser dem beweglichen Backen D trägt der 
Riegel AA noch einen zweiten fest stehenden, £, dessen 
Zweck bald einleuchtend werden wird. Zwei genau gleich 
lange messingene, oder besser eiserne, Arme £, F, sind 
bei a, a, an beiden Backen B und D in Gewinden beweg- 
lich , mit ihren andern Enden aber durch eine Schraube 
G , an der sich die Reifsspitze befindet , yereinigt. Jeder 
TOn den beiden Backen B und D enthält in seinem untern 
Theile auf der innern Seite eine schmale Nu th, die be- 
stimmt ist , den betreffenden Arm E oder F aufzunehmeD, 
wenn die Backen ganz einander genähert werden. 

Begreiflicher Weise mufs die Spitze G immer im Mit- 
tel zwischen beiden Backen bleiben, man mag dieselben 
auf was imitier für eine Entfernung stellen* Indem man 
nun die Backen B und D an beide Kanten des in Arbeit be- 
findlichen Stückes anlegt (s. Fig. ii.), ist es nicht nnr 
möglich, die Breite eines solchen Stückes zu halbireo, son- 
dern man kann auch , indem das Streichmafs weiter g& 
fuhrt wird, eine Linie auf demselben anreifsen, welche 
Ton beiden Kanten gleich weit- entfernt ist *). 

Mit nur wenig veränderten Handgriffen kann man 
ferner auch den Mittelpunkt eines Kreises, eines Vier 
und regelmäßigen Vieleckes finden, wie sich das von 
selbst ergibt. 

Wäre die Aufgabe , ein Stück dnrch eine Linie zu 
halbiren , dessen Seitenkanten nicht parallel sind, so kann 
diefs ebenfalls geschehen , indem man die Stellschraobe 
C nicht anzieht , und das Streichmafs der Länge der Ar- 



*) Das Verfahren, dessen man sieb gewohnlich bedient, un 
mit dem cemeinen Streichmafs zu halbiren , ist viel luüb- 
samer und mincLer genau. Man hemerlit nähmlich auf die 
behannte Art einen runlit in der Nähe des Mittels, scMigt 
hierauf das Streichmafs mit der nähmlichcn Öffnung von 
der entgegengesetzten Seite an, un^ bestimmt die halbe 
Entfernung ewischcn beiden Punkten nach dam Augernnafsf' 



483r 

beit nach fort bewegt^ wahrend man zugleich beide Backen 
beständig fest gegen dieselbe andrückt. 



1 

67. Einige Angaben zur* Bereitung des Maroquin-^ 

Papiers. 

Bekanntlich unterliegt die Verfertigung des von Buch« 
bindern und ähnlichen Arbeitern so häufig verbrauchten 
Maroquin - Papiers bedeutenden Schwierigkeiten, und die 
Engländer und Franzosen lassen** die Deutschen in der' 
Voll kommen heit dieses Fabrik- Artikels noch weit hinter 
sich. Es schien daher der Mühe nicht unwerth, hier ei* 
nige Vorschriften zur Bereitung solchen Papiers bekannt 
zu machen , auf deren Benützung der Papierfabrikant Karl 
Forget zu Paris ein Patent erhalten hatte. £s^ ist dabei 
nichts weiter zu bemerken nöthig, als dafs die im Origi-« 
nal- Texte angegebenen Mengen auf Wiener Mafs und 
Gewicht redncirt worden sind. 

/ 

a) Bereitung des rothen Mar o quin -Pap iers^ 
1) Zusammensetzung des ro^th cn Lackes. 

8V4 Pfand gemahlnes Brasilienholz der besten Sorte 
und 17 7a. Lolh gestofsene Ittchenille*) werden in einem 
Kessel mit 38 Ma£» Flufswasser abgekocht. Beim ersten 
Aufwallen setzt man der Flüssigkeit 6 Vi Loth römischen 
Alaun zu 9 und läfst sie endlich noch so lang sieden, bis 
sie nur mehr die Hälfte des anfanglichen Baumes einnimmt« 
•Nachdem dieses erste Dekokt abgegossen und zur Seite 
gestellt worden ist, giefst man auf den Bückstand des 
Brasilienholzes und der Kochenille neuerdings 25 7^ Mafs 
Wasser , setzt beim ersten Aufwallen wieder 6 Vi^ Loth 
Alaun zu , kocht die Flüssigkeit bis auf die Hälfte ein, und 
giefst sie zum ersten Absud. Die Abkochung wird hierauf, 
ganz nach der. zuletzt beschriebenen Art, zum dritten* 
und yiertcTimahl rorgenommen. Blofs bei der vierten Ab- 
kochung sei>zt man statt des Alauns 5 74 Loth Weinstein- 



*) Wenn man statt der Kochenille 7 Loth Brasilicnhols nimmt^ 
erhalt man einen weniger in das Violette ziehenden Lack. 
Durch Zusats , von drei grofsen gestofaenen Galläpfäln gibt 
*ipan demselben einen ^tvras bräunüehen Stich» 

3i* 



484 

rahm zu. Nachdem alle vier Dekokte bereitet und kUr 
abgegossen worden sind, schüttet man die Zinnauflösung, 
deren Bereitung sogleich gelehrt werden wird, langsam 
dazu , während zugleich eine Person die Farbebrühe stark 
umrührt. 

a* Bereitung der Zinn Solution. 

Zu 7 Pfund des besten Scheidewassers setzt man 
14 Loth Salmiak, und achtmahl so viel Kochsalz, als man 
ihit den Fingern fassen kann , und lafst dasselbe durch 
fünf Stunden in einem gläsernen Geialse ruhig stehen. In 
diesem Königswasser werden in der Folge 1 Pfund, 14 Loth 
Zinnspäne aufgelöst , die man nach und nach einträgt. 
Man mufs übrigens die Zinnauflösung zum jedesmahligen 
Gebrauche erst frisch bereiten , weil sie sich nicht wohl 
aufbewahren läfst, ohne durch die Einwirkung der Luft 
zersetzt zu werden. 

' Zwölf Stunden nachdem die Zinnsolution der Farbe- 
brühe zugesetzt worden ist, niuls ntan die über dem Nie- 
derschlag stehende Flüssigkeit abziehen, und durch gleich 
viel Flulswasser ersetzen. Von zwölf zu zwölf Stunden 
wird diese Operation , welche nichts anderes beabsichtigtf 
als alle dem Lack anhängende Säure zu entfernen, noch 
sechsmahl wiederhohlt. Endlich wird der Lack auf Lein- 
wand getrocknet, wobei man ihn vor Staub und vor der 
Einwirkung der Sonne sorgfältig schützen mufs. Er wird 
gebraucht wie folgt. 

3) Zubereitung des Lackes zum Anstrich. 

28 Loth Stärke und 28 liOth des vorigen Lackes läfst 
man mit 7 Vi Mafs Wasser eine Stunde hindurch langsam 
kochen» Mit fieser Brühe förbt man das Papier *) \oa 
beiden Seiten. 

4) Zweiter Anstrich, der sweimah^l auf der nahm- 
liehen Seite wiederhohlt wird. 

3 Vi Pfund Lack, 21 Loth Zinnober, 7 Loth Starke» 



*) Man verwendet ku dem in Hede stehenden Zwecke durrb- 
aus Velinpapier, weil nur dieses die nötbigc Glätte ulcI 
Gleichförmigkeit besitzt, ohne \^ eiche man dem FabrihaU' 
unmöglich die grüfste Schönheit ssu geben im Stande ist« 



485 

I 

5 Mafs schwaches Tragantliwasser (14 Loth Traganth- 
gammi gegen i5 Mafs Flufswasser). Alles läist mair 
1 o Minuten lang kochen , und bestreicht damit im' lauwar- 
men Zustande das vorher schon mit Nr. 3. grundirte Pa- 
pier auf einer Seite. Nach dem Trocknen des ersten An- 
striches wird derselbe wiedi^rhohlt. Man kann die Brühe 
auch kalt anwenden, aber das Pdpier nimmt dann nicht 
fo yiel Farbe an» 

5) Vierter und letzter Anstrich. 

a Pfund, 19 Va Loth Lack, 7 Loth Stärke mit.ioMaff 
Traganthwasser auf die unter Nr. 4. angegebene Art ge- 
kocht. Man gibt damit den letzten Anstrich. Endlich 
wird das Papier gehrnifst j wovon nachher die Rede sejn 
wird. 

b) Ein anderes Verfahren zur Bereitung de» 

rothen Maroquin -Papiers. 

Nach vorhergegangenem erstell Anstrich (Nr. 3.) 
macht man sich eine Brühe aus 1 Pfund, 14 Loth Zinno- 
ber , 3 Vi Pfund rothem Lack und 7 Loth Stärke, die man 
mit 10 Mafs Traganthwasser 10 Minuten lang kochen läfst. 
Diese Farbe wird ( kalt oder lauwarm) auf eine Seite des 
Papiers aufgetragen. -~ Zum letzten Anstrich wählt man 
die unter Nr. 5. angegebene Mischung. 

Das Maroquin - Papier mag nun entweder auf die eine 
oder auf die andere Art geförbt worden seyn , so ist zur 
gänzlichen Yoltendung desselben ein Firnifs nöthig, der 
ihm Glanz und äufseres Ansehen geben mufs. > Die Berei- 
tung dieses Firnisses ist daher für die Fabrikation von 
nicht geringer Bedeutung. Forget gibt nachstehende An- 
leitung dazu. Man lasse sechs Dutzend Hammelfüfse mit 
3o 7i Mafs Flufswasseri durch zwölf Stunden bei gelindem 
Feuer kochen , seihe die gebildete starke Gallerte durch 
Flanell , löse darin 7 Lolh Tra;janthgummi und 3 7» Pfund 
schönen Tischlerleim auf, und filtrire endlich noch ein- 
mahl. Dieser Firnifs wird , im warmen Zustande , mit ei- 
nem Schwämme aufgestrichen. 

Man kann sich auch des folgenden Firnisses bedie- 
nen. 14 Loth arabisches Gummi und 1 ^4 Loth K^uidisr 



480 

wacker werden, jedes liir sich, in einem Glas Flufswas- 
ser aufgelöst Man rermischt beide Auflösungen, und setzt 
noch 7z5 ^afft Branntwein von 2a Grad (spccif!. Gew. 
0,919), und das zu Schaum geschlagene Weifse yon einem 
Ei dazu. Endlich wird damit das von Farbe schon be- 
deckte Papier überzogen *). 

Nach dem Firnissen schreitet man zum Pressen des 
Papiers, welches mit einer gravirten Kupferplatte zwi- 
schen zwei Wiilzen geschieht. Da dieses Verfahren oh- 
nedem hinlänglich bekannt ist, so braucht nichts weiter 
mehr dasüber erinnert zu werden. 

« 

c) Verfertigung des violetten Maroquin- 

Papiers. 

Zu violett wird das auf beiden Seiten mit Stärkeklei« 
ster bestrichene Papier mit folgender Farbebrühe behao« 
delt. ' Man kocht nähmlich a8 Loth Brasilienholz mit 
3^/4 Mafs Wasser, setzt beim ersten Aufwallen 3 Vi ^^^^ 
römischen Alaun zu , und läfst die Flüssigkeit wenigstens 
'bis zur Hälfte des ursprünglichen Raumes einsieden. Die 
durchgeseihte Abkochung wird hierauf mit dem dritten 
Theile Traganthwasser versetzt. Man trägt diese Brühe 
in zwei Lagen über eine Seite des Papiers auf, und gibt 
dann noch eine dritte Lage mit derselben , wobei jedoch 
das Traganthwasser weggelassen wird. Das Überziehen 
mit Firnifs und daa Pressen geschieht ganz wie beim ro- 
. then Papier. ^^ Um die Farbe des violetten Papiers hel- 
ler zu erhalten, braucht man nur einen der mit Traganth- 
wasser bereiteten Farbeanstriche zu beseitigen« 
» 

d) Verfertigung des gelben. Maroquin- 

Papiers. 

9 Mafs Milch werden kochend auf 26 Loth zerstfichel- 
f^r oder grob gepulverter Kurkume gegossen , damit stark 

*) Weder die eine noch die andere dieser beiden Vorschrif- 
ten kann einen Firnifs liefern, der dep Feuchtigkeit wide^ 
steht; und doch bemerkt man an dem guten englisches 
Maroquin - Papier , dafs die Oberfläche beim wiederhohlteii 
Berühren mit dem nassen Finger nicht im Mindesten lileb- 
rig tvjrd. Der^ Firnifs scheint ^Iso bei demselben von an« 
derer Natur su seyn* 



48? 

umgerfihrt, ^/^ Stande in Ruhe gelassen und zuletzt filtrirt. 
Mit dieser Brühe gibt man dem mit Starkekleister bereits 
grandirten Papier auf einer Seite einen zweimahligen An- 
strich. Endlich wird dasselbe gefirnifst und der Presse 
überliefert. 

e) Verfertigung des blauen- Maroquin- 

Papiers. 

Nach dem ersten Anstrich mit Starkekleister erhält 
das Papier* noch drei andere, die aus folgenden Materia^ 
Hen bereitet werden. Man nimmt nähmlich zum ersten 
4 Pfund, ia Loth Berlinerblau , 5 7« Loth Bergblau und 
2 Mals Wasser; zum zweitpn 4 Pf^* i3 Lath Berlinerblau 
auf zwei Mafs Wasser; zum dritten endlich 4 Pfund, 
12 Lath Berlinerblau, 5 V4 l^oth Bergblau , 2 Mafs Flufs- 
wasser und ^/^ Mafs Traganthwasser. Nachdem sammtliche 
Anstriche aufgetragen worden sind, wird das Papier ge« 
firmfst und zuletzt geprefst, welche beide Operationen 
ganz in der Art verrichtet werden, wie es bei der Verfer- 
tigung des rothen Papiers angegeben wurde. 

r 

f) Verfertigung des grünen Maroquin- 

« 

Papiers. 

Man lasse 2 Pfund, 20 Loth Avignonkorner (franzö- 
sische Kreuzbeeren ) mit 7 7i Mafs Wasser bis auf die 
Hälfte des letjstern einkochen. Beim ersten Aufwallen der 
Flüssigkeit müssen 7 Loth Alaun zugesetzt werden. Das 
Dekokt filtrire man, und nach dem Erkalten desselben 
setze man 2 Pfund, 20 Loth Berlinerblau, nebst 7 Loth 
Bergblau zu* Mit' dieser Farbebrühe erhält das vorher 
schon mit Starkekleister grundirte Papier auf einer Seite 
2wei Anstriche. Um die grüne Farbe heller zu erhalten, 
gibt man einen einzigen Anstrich. Hierauf folgt das Fir- 
nissen und endlich das Pressen des Papiers. 



* 68. öhl zum Gebrauch fiir Uhrmacher. V 

In Frankreich geht man bei der Bereitung dieses Oh- 
les auf folgende Art vor. Die Oliven werden, wenn sie 
einen gewissen Grad der Heife erlangt haben , eingesam- 
melt, von der Haut und den Kernen, befreit , und auf einer 



488 

citwas geneigten Fläche durch einen ganz gelinden Druck 
ausgeprerst, sO| dafs der grörste Theil des Öhles freiwil- 
lig abflieffit. , 

Das spezifische Gewicht dieses Öhles ist wenig ge- 
ringer, als das. des gemeinen Baumöhles^ es stockt in 
der Kälte schwerer als dieses ) und taugt überhaupt acum 
hinschmieren der Zapfen vortrefflich. 

In H^en wird ein ähnliches , hell gefärbtes , klares 
Ohl verkauft, welches in kleine Fläschchen gefüllt ist, 
und, so viel man weifs, aus Frankreich hierher gebracht 
wird. Wahrscheinlich ist dasselbe auf die angegebene 
Art bereitet. 



69* MiUcI zur Yerminderung der Reibung Lei 

Maschinen. 

Man lasse 5 Pfund Schweinschmalz über einem gelin- 
den Feuer zerfliefsen , utid vermische damit 1 Pfund sehr 
fein gepulvertes ReiCsbiei. Beim Gebrauch werden die 
der Reibung unterworfenen Theile mit einer dünnen Lage 
dieser Mischung bestrichen. Bei Wägen und gröfserea 
Maschinen ist dieses Mittel von ausnehmendem Nutzen. 



70. Pottasche aus verschiedenen Pflanzen. 

Ein Landeigenthümer , Nahmens Boichozy zu Brans 
im JuT^a - Departement, hat den Anbau und die Verwendung 
verschiedener zur Pottasche -Erzeugung tauglichen Pflan- 
zen versucht , und dabei die in der folgenden Tabelle zu- 
sammengestellten Resultate erhallen. 



489 



Jabr 
des 
Versu- 
ches 


Nähme der Pflanze 

• 


100 Pfd. trockene 
Pflanse haben ge- 
geben 


1816 
i8t6 
1817 
1B1.8 
1817 

1B16 

1816 

1816 

1816 

1816 . 

1816 

1817 

i8«6 

1818 

1816 
1816 
1816 
1816 


Angelilia . ' • 

Bamfarrn (Tanacetum vulgart) 

Zebnfädiee Kermesbeere ( Phyto* 

lacca aecündra) • 
Hundsliohl (Apocjrnum) 
Mohnpflanse • . . • 
Gpldruthe fSoüdügo wirgß aurea) 
Beifufs (Artemisia vulgarisj . 
Grofse Aster • . • • 
Attich (Samhucus ebulus) 
Schwarzer HoUunder ( Samhucut 

nigra) . * . . . 
Knollige Sonnenblume (HtÜanthus 

tuberoiui) . • » . 
Betto . • • . . 
Wilde Cichorie (Cichorium inty' 

biu) ..... 
Farrenliraut . • • 
Gemein# Nessel (Urtica dioioa) 
Jährige Sonnenblume (Helianthus 

annuus) . « 


AselM 


PottMche 


Pfd. L<Hh- 

10 6 

7 Ö 

8 la 

9 — 

i3 — 

11 — 
7 38 

7 -7 
6 if> 

6 — 

10 — 

6 — 

7 4 

8 10 

7 "7 
6 16 

11 ao 

8 — 


Pfd. Loth. 

9 ao 

4 4 
4 6 
4 ao 

4 18 
4 3o 
3 ao 
3 10 
3 8 
a 3o 
a a6 

a a4 

a 8 

a 14 

a 8 
a 10 

« 4 

1 3o 



1 

71. Elfenbeinpapier. 

Die Eigenschafiien , welche das Elfenbein für. Mahler 
90 nützlich machen , sind hauptsächlich die Weichheit und 
Feinheit seines Korns , und die Leichtigkeit , mit welcher 
die aufgetragenen Wasserfarben mittelst eines feuchten Pin- 
sels wieder abgewaschen , oder mit dem Federmesser wie-« 
der weggeschabt werden können. 

Unglücklicherweise steht aber das Elfenbein in sehr 
hohem Preise , und man kann sich davoA nur Platten toh 
sehr beschränkten Dimensionen yerschaffen. Dazu kommt, 
dafs das Korn um so gröber istj je gröfser die Platten sind, 
und dafs es sich in dünnen Blättern bei Veränderungen in 



490 

der Atmosphäre sehr leicht wirft, so wie endlich, dafs «i 
mit der Zeit durch die Einwirkung des Lichtes eine unan» 
genehme gelbe Farbe annimmt 

Der Engländer Einsle hat der Aufmuntemngsgesell- . 
Schaft in London mehrere Proben eines ron ihm erfundenen 
Elfenbeinpapiers yor gelegt, die Vs ^oM in der Dicke hatten, ' 
und an Fläche die gröfsten Elfenbeinplatten weit übertra« 
ien. Die Oberfläche war hart, und ganz eben and gleich- 
förrnfg* Die Farben hafteten sehr leicht darauf, liefsen 
sich aber fast noch besser wieder wegwaschen , *als selbst 
Tom Elfenbein. Auch das Abschaben mit dem Federmes- 
ser konnte, wenn man vorsichtig umging, einigemahl an 
derselben Stelle , ohne Nachiheil der Oberfläche, wieder- 
hohlt werden. Miniaturmahler sollen sogar dem Elfen- 
beinpapier Vorzüge vor dem Elfenbein zugestanden haben, 
und zwar nahmentlich defswegen , weil es sehr weifs ist, 
und diese Farbe gar nie. rerändert ; weil es die Farben 
leichter annimmt; und weil es dieselben nicht j^wie das 
beim Elfenbein, wegen des ihm inharirenden Ohles oft 
geschieht ) auf eine unangenehme Art nüancirt. Das Ter* 
fahren zur Verfertigung dieses Elfenbeinpapiers ist vom 
Erfin der auf nachfolgende Art angegeben worden. 

Man läfst V4 Pfund Pergamentschnitzel mit 1 V, Mafs 
Wasser langsam kochen, und ei^etzt dabei von Zeit zn 
Zeit das verdampfte Wasser. Nach Verlauf von' vier oder 
fünf Stunden seiht man die Abkochung durch Leinwand ; 
sie wird nach dem Erkalten eine starke Gallerte bilden« 
und soll Nr. l, beifsen. 

Den im Seihe tuch gebliebenen Bfiokstand übergiefst 
man neuerdings mit 1 '/^ Mafs Wasser, und läfst ihn vrie- 
der f&nf Stünden damit kochen. Auf diese Art erhalr . 
man einen schwächern Leim, den wir Nr. 2. nennen 
wollen. 

. Hierauf werden drei Bogen Schreibpapier von beiden 
Seiten mtt einem in Wasser getauchten Schwamm benetzt, 
und mittelst des Leimes Nr. 2. auf einander geklebt. Wah- 
rend sie noch feucht sind , breitet man sie auf einem fla- 
chen Tische aus , legt eine ebene , etwas kleinere Schie- 
fertaf<^l darauf» leimt die umgebogeneii Ränder des Papiers 



49* 

auf die hintere Seite der letzteren fest, nnd läfst das Ganze 
sehr langsam trocknen ^). 

Dann benetzt man auf die zuTor angegebene Art drei 
andere Bogen Schreibpapier, und leimt sie einzeln auf 
die ersteren ; die über die Schieferplatte herrorstehenden 
Ränder derselben werden mit einem Federmesser wegge- 
schnitten. Wenn auch diese yollkommen getrocknet sind« 
glättet man ihre Oberfläche durch Beiben mit einem in 
grobes Papier gdiyickelten Stück einer Schieferplatte. Ist 
dieses geschehen, so wird noch ein Bogen Papier, der 
aber ganz glatt und ohne Fehler (als Knoten, Runzeln, 
Löcher U.S. w. ) sejn muis , aufgeleimt , und auf die vo« 
rige Art geglättet, mit dem einzigen Unterschiede, dafs 
man dieses Mahl {eines ßatinirtes Papier ') anwendet, wel- 
ches eine vollkommene Glätte der Oberfläche herrorbringt« 

Man läfst hierauf '/^^ Mafs (^^ Seitel) des Leimes 
Nr. 1 . in mafsiger Wärme zergehen , und vermischt drei 
EfslöfFel voll gebrannten Gyps damit; dieses Gemenge 
breitet man über die ganze Oberfläche des Papiers so 
gleichförmig als möglich aus , wozu man sich eines wei- 
chen , feucht gemachten Schwammes bedienen kann» Nach 
dem Trocknen wird dieser Gjpsaufgufs durch Reiben mit 
feinem Papier geglättet. Zuletzt bekommt er noch einen 
Firnifs, den man aus etlichen Efslöffeln voll von dem 
Leime Nr. i.; und ^4 *o ^®1 Wasser mit Hülfe einer mas- 
sigen Wärme zuammens6tzt. Diöse Flüssigkeit wird nach 
dem Erkalten in drei Portionen nach einander aufgetragen, 
dnd mittelst eines feuchten Schwammes ausgebreitet, wo- 
bei man Acht haben mufs , dafs die vorhergehende Lage 
schon ganz trocken geworden sej, ehe man eine neue 
aufträgt Zum Beschlufs der Operation glättet man die 
Oberfläche mit sehr feinem Papier ^ und schneidet das 
Ganze von der Schieferplatte ab. 



>) Schiefer ist eu diesem Zwecke aus der Ursache vorgesckrier 
heu, weil er, seiner Porosität wegen, das Verdunsten des 
Wassers nicht bedeutend erschwert, und weil er ohne 
Schwierigkeit in dünnen Platten .erhalten werden kann. 

*) Papier, welches durch Einreiben yon gepulvertem Feder- 
weifs einen atlasartigen Glana , und eine grolle Glätte an- 
genommen hat. 



49« 

Durch das beschriebene Verfahren erhält man ein 
ToUkommen weifses Elfenbeinpapier ; ein Gemenge Ton 
3 Theilen Gjps und 4 Theilen Zinkoxyd (Ziokblumen), 
bringt eine der natürlichen Farbe des Elfenbeins ganz ahn- 
lichß Nuance hervor. Eine Mittelfarbe erhält man bei 
der Anwendung von kohlensaurem Barjt *). 



'J2. Seidene Hüte. 

Der Pariser Hutmacher Louiteau hat im Jahre 1817 
fin Patent auf die Verfertigung dieser Hute erhalten^). 
Sein Verfahren bei der Verfertigung derselben ist in Kürzo 
Folgendes. 

Über einer gewöhnlichen Hutmacherforin wird der 
Hnthopf aus leichter , gut geleimter Pappe rerfertigtr Der 
Bahd wird besonders angesetzt, und ist aus Leder. Das 
Ganze wird dann mit einem elastischen Pirnifs überzogen, 
dessen Zusammensetzung man geheim hält, und der den 
Hut wassevdicht macht« ' 

Der so weit yorbereitete Hut wird ' nun mit schwar- 
zem Seiden -Felbel überzogen, uod erhalt so ganz das 
Ansehf^n eines feinen Filzhutes. Das Einfassen und Füt- 
tern geschieht wie. gewöhnlich. 

Der Ton Louiteau Terwendete Fell^el ist blofs aus 
Seidenabfallen, die sonst wenig gebraucht werden könnten, 
verfertigt; zum Theil ist auch das Grundgewebe desselbeA 
mit Baumwolle gemischt» 

Beim Gebranch erleiden diese Seidenhüte keine Än- 
derung ihrer Farbe und ihres Glanzes. Sie besitzen aber 
nicht die Weichheit der Filzhüte, und nehmen nur schwer 
die Form des Kopfes an ; und sind sie unglücklicherweise 

— — • — * I j — —~ 

4) Man bekommt denselben als Niederschlag bei der- Vermi- 
schung der Auflösungen von salzsaurem oder salpeter&au* 
rem Baryt und gereinigter Pottasche. 

s) Auch in Wien ist das Tragen solcbpr Hüte seit Kuncm 
Mode geworden; sie werden jedoch, so viel man weifs, 
noch nicht daselbst' verfertigt , sondern kommen aus M- 



493 

einmahl yerdrückt worden, so lassen sie sich schwer wie- 
der in ihre alte Form bringen. Im Aufsern fehlt dem Fel- 
bel das wellenförmige Ansehen* die Art ron Moire,' welche 
inan am feinen Filz bemerkt ; sein Glanz hat etwas Trocke* 
nes. Ungeachtet dieser geringen Unyollkommenheiten'sind 
diese Hüic eine glückliche Erfindung; denn sie behalten 
(gewaltsame Eindrücke abgerechnet) immer ihre Form, 
sind vollkommen wasserdicht , und um mäfsigen Preis 
herzustellen. Ihre Verfertigung hat vor der der Filzhüte 
Torzüge ; sie erspart nähmlich die Arbeiten des Beizens, 
Fachens und Walkens, erfordert keine lange Lehrzeit, und 
geht in «liem Anbetracht yiel schneller von Statten* 



73. Über die Verfertigung der Nägel durch 

Maschinen. 

Die Idee , Nagel durch Maschinen yerfertigen zu las* 
sen, ist nicht neu. Schön im Jahre 1796 hatte ein gewis« 
ser Jakob Perkins in den nordamerikanischen vereinigten 
Staaten ein Patent über diesen Gegenstand erhalten ; des- 
gleichen ein anderer Amerikaner, Joseph Read^ im Jahr 
181 1. Die Maschine des letztern sollte zugleich die 
Köpfe der Nägel bilden. Seit dem Jahre 1809 existiren 
um Birmingham in England viele Fabriken , in denen alle 
Gattungen Nägel kalt (d. h. ohne Beihtilfe von Hitze) ver- 
fertigt werden. Vor ungefähr ei)f Jahren versuchte ein 
gewisser ff^hiie^ in Frankreich^ Nägel auf diese Art zu 
erzeugen ; aber die Maschine , die er dazu bestimmt hatte,, 
war mehr sinnreich als dauerhaft konstruirt, und konnte 
daher die bei einem längern Gebrauche unvermeidliche 
Anstrengung nicht ertragen. Die Fabrikation wurde aus 
dieser Ursache aufgegeben , und nie wieder angefangen. * 

« 

Gegenwärtig verfertigt der Franzose Lemire zu Clair- 
tfeaux'lei" Faux-d'Ain im Jura - Departement schon vier* 
zig verschiedene Sorten von Nägeln mit Maschinen , und 
ohne Anwendung von Hitze *). Das Verfahren , welches in 
seiner Fabrik befolgt wird , ist kurz folgendes. 

*— *»^—— ^ I I I ■ I ■ I ■ I I I ■ I I I I I ■ ■ I ■ n lap^pil» 

*) Im österreicliischen Kaiserstaate erhielten Front SehtfuJil 
unter dem 9t«n Mai 181 5, und die Gebrüder Leppieh un* 
ter dem ii**'» Julius 181 B aussckliefsende PriviJe^ien auf 



494 

* 

Die Eisenstangen werden, mittelst Walscen , in Blecbe 
•von 6 — 7 Zoll Breite, und 3*/» Fufs Länge verwandelt. 
Die Dicke dieser Platten entspricht der Dicke der zu Ter- 
fertigenden Nägele und die Ffisern des Metalles laufen in 
'der Richtung der Lange , ein Umstand , der bemerkt wer- 
den mul's , weil nur dadurch möglich wird , dals nicht in 
der Folge die Nägel nach der Quere der Fasern geschnit- 
ten werden. 

Durch Scheren, mittelst Wasserkraft bewegl, wer- 
den die Bleche, perpendikulär auf ihre Längen - Direktion, 
in Streifen zerschnitten , welche etwas länger sind , ali 
die zu erzeugenden Nägel ausfallen sollen. Aus diesen 
Streifen werden, mittelst einer zweiten Schere , die (noch 
kopflosen) Nägel in Gestalt sehr langer Keile geschnitten; 
der hierbei angestellte Arbeiter bicthet zu dem Zwecke 
die Blechstreifen der Schere wechselweise von der rech- 
ten und linken Seite dar, und zwar unter einem Winkel, 
der immer derselbe bleibt ,. so , dafs demnach der dickere 



die Verfertigung von Nageln mittelst Maschinen , beide für 
eine Dauer von s^chs Jahren. SchafuM verfertigte seine 
Nagel aus eisernen Schienen, die auf beiden Seiten in der 
Mjtte Kwei parallele, nach der Lange gehende, erhabene 
Leisten besitzen, und von diesen weg, gegen die Hanteo 
KU, dünner werden. Durch eine eigene Maschine wurden 
diese Schienen der Quere nach in lauter schmale Streifen 
serschnitten , deren ^eder schön beiläufig die Form sweier 
an den Köpfen verbundenen Nägel zeigte (siehe Fig. ii. 
auf Taf. VL, wo die Form dieses Durchschnitts gescicfanet 
ist). Diese durften nun nur mehr getrennt, und ihre 
Köpfe völlig ausgebildet werden, um sie gans fertig xu er- 
halten. Proben von diesen Näseln , welche das National- 
Fabrilisproduktcn - Kabinett am k. k. polytechnischen Insti- 
tute besitzt , «eigen mehl*ere wichtige Fehler, die sich naeA 
der beschriebenen Verfertigungsart leicht erwarten Ibissen. 
Da man nähmlich ein sehr geschmeidiges Eisen anzuwenden 
gezwungen ist, wenn anders die Maschine nicht zu viel 
vViderstand leiden soll , so sind die Nagel ohne Ausnahnne 
sehr weich, dergestalt, dafs sie beim Einschlagen in Ho)f 
sidi leicht lirümmen. Man bemerlit ferner, dafs die 
Spitzen stumpf, und die Seitenflächen unter einander pa- 
rallel sind. Dieser letztere Umstand hat seinen Grund in 
der Unmöglichkeit, die Eiaenschiencn ganz gerade durch* 
zuschneiden ; die Spitzen hat man zwar in der Folge schar- 
fer gemacht, allein sie sind doch viel zu kolbig, indem 
die Nagel erst in einer kleinen Entfernung vom Ende t^cr- 
jungt zuzulaufen anfangen. 



495 

Theil der Nägel , woraus spater der Kopf gebildet werden 
Boll, abwechselnd von der linhen und rechten Seite ge- 
nommen wird. 

t 

Eine jede, Ton einem Arbeiter bediente, Schere 
liefert ungefähr dreitausend fünfhundert Nägel in der. 
Stunde 9 und diese Zahl hönnte noch gröfser seyn (bis 
viertausend achthundert), wenn nicht das Aufnehmen neuer 
Blechstreifen so yiel Zeit wegnähme. 

Die durch das beschriebene Terfahren erhaltenen 
Nägel werden in einem Ofen ausgeglüht , um sie voll- 
homroen weijch zu machen , worauf man sie mit den Hö* 
pfen versieht- Diese letzte Operation wird auf verschie- 
dene Arten verrichtet: die Nägel werden nähmlich einzeln ' 
in Schraubstöche eingeklemmt , und die Kopfe werden ent- 
weder aus freier Hand mit dem Hammer, oder mittelst 
eines von oben darauf fallenden Stämpels gebildet. So- 
wohl das Öffnen und Schliefsen der Schraubstöcke 9 als 
das Heben der Stämpel wird im letztern Falle durch eine 
Maschinerie, deren Haupttheil ein horizontal angebrachtes 
Bad ist , bewirkt. ' • 

Um die fertigen Nägel von dein auf ihrer Oberfläche 
befindlichen Oxyd zu befreien, werden sie mit Sägespä- 
nen von Tannenholz gemengt in Fässer gegeben, die 
durch ein Wasserrad um ihre Achse gedreht werden. 
Diese Operation beseitigt auch zum Theil die Bauhigkeit 
der Kanten, die beim Zerschneiden der Bleche entstan« 
den ist. In diesem Zustande werden die Nägel verpackt} 
und zum Handel gebracht. 

Die Fabrik des Lemire^ die bereits acht Jahre be- 
steht, liefert jährlich 4000 Ztr. Nägel jeder Art, die, nach 
mehrseitigen Versicherungen, von guter Qualität seyn 
sollen^ 



74* Notiz für Schriftgiefser. 

Beiläufig zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts 
wurde von dem geschickten Schriftschneider fVUhelm Haa9 
in Basel eine wichtige Verbesserung der sogenannten 
Stücklioien und Zwischenspäne angekündigt* Mit diesem 



496 

Nahmen bezeichnet man nähmlich jeiie aus gewdhnlkhem 
Sch'riftmetaU gegossenen Linien, welche bei dem gewöhn- 
lichen Büchersatze zar Absonderung der Kolumnen (z. B. 
in Zeitungen , Wörterbüchern u. s. w. ) und der einzelnen 
Zeilen angewendet werden« Nach der Gröfse des Formats 
niuts sich , begreiflicher Weise , die Länge dieser Linien 
richten. Die am Eingange erwähnte Verbesserung tollte 
in der Möglichkeit bestehen, durch die Zusammensetzung 
Ton sechs yerschiedenen GrÖfsen jede beliebige Länge je- 
ner Linien hervor. zu bringen. Ungeachtet diese EHin- 
düng sehr häufig angeführt wird, so ist doch seither nichts 
Ausführlicheres darüber bekannt geworden ; xind es scheint 
daher nicht unzweckmäisig , hier mit ein Paar Worten das 
Wesen derselben anzudeuten. Man wi^d nähmlich zudem 
oben angegebenen Zwecke am Besten dadurch gelangen, 
dafs man solche Linien von den sechs nachfolgenden Grös- 
sen: V^/', 7j", 1'/, 2/', 4// und 8'/ giefst, weil durch 
deren Znsammensetzung, wie man leicht finden kann, alle 
möglichen Dimensionen hervorgebracht werden können« 



XXV. 

Verzeichnifs 

der 

in der österreichischen Monarchie im Jahr 1 8n i auf 

Erfindungen^ Entdeckungen und Verbesserungen er- 

theilten Privilegien oder Patente. 



1. Johanna Kifsliag^M Wien, auf ilire-Entdecliungy aus ge« 
flochtener Seide Hüte cu verfertigen, welche die £*lorentiner 
Hüte an Schönheit, Dauer, Feinheit und Wohlfeilheit übertref- 
f<^n, mit der Dauer Leichtigkeit vereinigen, i^nd, ohne der Schön- 
heit des Geflechtes zu schaden , Tollhonimen geputzt werden kön- 
nen 5 auf fünf Jahre, vom 5* März 1891. 

2. Paul S%aho und seine Söhne , Paul Mathias ,und Johann 
jinaitaiius Sta^Of in Wien, auf ihre Erfindung und Verbesse- 
rung ,, Pumpenbrunnen und sonstige hydraulische Maschinen her- 
zustellen, welche mittelst eines aoppelt wirkenden Stiefels, bei 
gleicher Proportion und in dem nähnuichen Zeiträume, nochein- 
mahl so viel Wasser liefern , als diejenigen Pumpenbrunnen und 
sonstigen hydraulischen Maschinen, welche mit einem Stiefel nach 
der gewöhnlichen Bauart eingerichtet sind } auf fünf Jahre, ddo. 
5. luärs 18a 1^ 

3. Julius Griffiih, in Wien, auf seine. Erfindung : dafs durch 
^Zusammensetzung eines Mechanismus v eine Dampfmaschine Fuhr- 
werke aller Art, sowohl grofse Lastwagen, als leichtes Fuhr- 
iwerk zum schnellen Reisen fUr Menschen, auf )eder mit anderem 
Fuhrwerk zu befahrenden Strafse in Bewegung setxe; auf iunf- 
sehn Jahre, vom 5. März 1824. , 

4f Franz Hueber , Handelsmann in Wien , auf . seine Erfin- 
dung , dafs er das, bisher in Dampf- Branntweinbrennereien un- 
benutzte Innere der Dampfkessel oenutze , und . hierdurch mit- 
telst seiner Vorrichtung in derselben Zeit und mit dem nähmli- 
eben Brennmateriale das doppelte Quantum Erdäpfel oder Gdf 
treide auf Branntwein , und den Nachlauf auf Essig zu vearbei- 
ten im Stande sey , hierdurch also in den wichtigen Zweigen der 
Branntweinbre^erei und Essigsiederei nach seiner Angabe we* 

JüMkI»« 4« polyt. Ipti. UI« 114. , . 3^ ^ 



49» 

sentliche VortbciW CBtotelieii, er aueh seinen DempflieMel auf 
eine zweclimärsigere Art fülle ; auf fünf Jahre, vom ]4.Män)Bii. 

5. Ludwig von Hdnigsherg^ in WUn^ auf seine £rfindoB| 
einer Wein-, Branntwein und. Essig- ZufiUl - und Monserrstioi» 
Itfascbine. Diese Enfindune besteht im Wesentlichen darin: a) da6 
man nicht, wie bisher, alle acht Tage sufullen müsse, aonden 
dafii diefs nur alle vier Monathe, und wohl auch in noch läa^ 
ren Fristen geschehen dürfe, ohne der Gefahr einer Verschlecb< 
terung des Weines ausgesetzt su seyn ; b) dafs ungemein ?iel 
an der Zufälle des Weines erspart werde $ c) dafs heine Ver* 
flilschun^ noch Entwendung isn Keller, oder bei dem Transport 
des Weines vom Lande nach der Stadt, Plata greifen könne, 
ohne sogleich , und noch vor Eröffnung des Fasses , entdeckt lo 
werden; d) dafs sowohl bei den Ic. h. Wein-, Branntwein* usd 
Essig -Mngasinen, Spit&lem oder Gtiterbesitsungen und Fabräea, 
als auch für Händler und Wirthe cur Hintanhaltung jeder Ver- 
schleuderung oder Verschleppung eine Kontrolle der ZuHlllusg» 
Schwendung au ersieleii sey , welche sich seiner Zeit sof^ar aif 
eine Vorausbestimmung des monathlichen und folglich aucb jib 
liehen Bedarfes an Zutulle erstrcclien werde > e) dafs es dem Ei- 
^entfaüraer ehies Kellers möglich werde, gleich hei dem Eis- 
Iritte in denselben sich £u überzeugen , ob der Wein im FaM 
trübe oder rein sey, ohile, wie bisher, erat den Beul herausn- 
schlagen ,' wodurch das Fafs bald su Grunde gerichtet , und der 
Wein wegen der Erschütterung noch trüber gemacht wurde, uo^ 
f), dafs der Wein, den chemischen Grundsätisen gemafa, aack 
an der Qualität gewinnen müsse , weil gegen den Eirfolg des b» 
bcrigen Verfahrens die Berührung des Weines mit der atraosph» 
Tischen - Lui), und sohin die saure Schichte desselben sehr vrr 
mindert , }a dieselbe ganz aufgefangen und weggeschafft werdet 
honne ^ wenn man etwas Weniges in der Maschine surficklaist, 
bevor man neuerdings auffüllt, und es zum Essig verwendet, 
wobei der Wein alsdann nur seinen Geist ohne vermengte Säure 
erhalte 5 auf fünf Jahre, vom ii« Mars d. J. 

6. Rudolph Bieter j Mechanikus von Winterthur^ auf seine 
Erfindung, dafs mittelst fünf, ein einziges System bildender (tu- 
aammen gehörender) und nach eigener Idee verfertigter lla»ciu* 
nen , eiserne Holzschrauben , d. h. eiserne Schraul^rn , die ver- 
mög eines Sehraubenziehers in Hol« eingetrieben werden, auf 
eine durchaus voUKommcne Weise erzeugt w^crden; auf fuif 
Jahre » vom i8, Mars d» J. 



7. Andreas Töpper^ Werkhihaber zu Scheibbs^ auf sea« 
Entdeckung, dafs mittelst einer neuen Streck- und Waklb' 
6ebine,*dann Schneid- und Druck - Maschine , durch eine gMi<^ 
gene, cleichfalls neue Manipulation, sowohl Eisen- als Stahlblech 
auf englische Art erzeugt werde; auf zehn Jahre, vom i8.MSrtd.J' 

8. Aloys Munding , Materialien - Muller und Fournier 
Sehnoider in Wien , auf seine Erfindung , da& mittelst euer )R^ 



499 

cbanisclieii Schere Foümier* Hölzer 9 sie mögen gemtsert, astig 
oder sonst wie immer venvaehsen seyn, ohne Verlust von Sapc^ . 
spKnen oder ' sonstigen AbiSllen 2u Foumiren geschnitten, und 
diese von beliebiger, gleicher Dicke, ohne Brüche und Einrisse 
erhalten werden; aiif funfeehn Jahre, vom 18. Mara d. J. 

9. Joseph Bauer ^ magtstratischer K5mermesser in IVien^ 
auf seilte" Erfindung, dafs er wachsplatirte Unschlitthensen von 
besonderer Schönheilr erzeugen, und das hierzu erforderliche 
Unschlitt auf eine neue zwechmäfsige Art reinicen könne , wo- 
durch diese Wachskerzen den gewöhnlichen 'Wacnskerzen gleich 
kommen , und eine ErspamlTs erzweckt werde ', auf fünf Jahre, 
vom 1. April d. J. 

* 

10. GottUeh SchüMtedt^ Optiker in W^en^ auf seine Erfin- 
dung, dafs man mittelst eines nach verschiedenen beliebigen äus- 
seren Formen und Dimensionen längeren oder kürzeren mit op- 
tischen Gläsern und Spiegeln versehenen Rohres über verscbie« 
dcnc Gegenstande, als Planken, Wagen, ganze militärische Ko- 
lonnen , bei einem sehr grofsen Gesichtsfelde hinwegsehen kann, 
auf fünf Jahre , vom 1 . April d. J. 

11. Mathias Lueger^ Brunneiimeister in Wien^ auf seine 
Erfindung , mit zwei Brunnen - Schöpf- Doppelwerken , mit dem • 
näbmlicben Hraftaufwande noch einmahl so viel Wasser, als mit 
den gewöhnlichen Brunnenwerken zu schöpfen 5 auf fünf Jabve 
vom 1. April d. J. 

11. Jonathan Lauar Ujffenheimer^ in Wien ^ £igenthümcr 
eines ausschliefsenden Privilegiums zur Erzeugung einer konzcn- 
trirten Garbe- und Gal los -Substanz, auf seine Erfindung, dafs 
bei seiner Maschine, die er den Jonathan Lauar Uffsrüieimer* • 
sehen chemisch - technischen Sud- nnd Trocken - Apparat nennt, 
daa Feuer nicht wie gewöhnlich aufserhalb des Kessels, sondern 
in demselben sey; auf fünfzehn Jahre vom 1. April d. J. 

i3. Anton Lichtenauer^ in Wien , auf seine Entdeckung, 
dafs man auf eine bisher in der österreichischen Monarchie noch 
nicht bekannte Art , aus Rothbuchen - und Fichtenholz zum Vor* 
iheile der inländischen Industrie Holzspäne zum Gebrauche für 
Buchbinder, Spiegelmacher, Schwertfeger , Schuhmacher u.s.w. 
verfertigen kann; auf acbt Jahre vom 5, März d. J. 

i4* Gehrüder jfnton und Aloys Burka^ dann Johann Ti» 
kaaeh^ auf ibre Erfindung und Verbesserung , dafs sie ein sehr 
;utes feines Tafelöhl, weiches dem aus Provence- ^ Aijt und über- 
launt allen ausländischen öhleattungen nichts nachgibt, aus in- 
änaischen 'Früchten und Gewachsen zu erzeugen, ferner das . 
bestehende. Rübs- oder Brennöhl viel zu verbessern im Stande 
ind 3 auf zehn Jahre, vom 5' April d. J« 

i5. Justin fltVenherjfer und Qomp,^ ans Horsehaeh in der 

3?» 



Soo 

■ 

Sehweil f auf ihre Erfindung, durch Anwendung eines neuen 
Prinisips, und ohne Gebrauch von Mühlsteinen, Mahlmühlen in 
jeder Dimension sowohl , als Ilandmuhlen im grÖ&eren Mafssttbe 
cur MaUunc des Getreides und ahnlicher Substanzen herzustelleo; 
auf sehn Jahre , vom 7. Jänner d* J, 

i6. Anten Häckl^ Klavier - Instrumentenmacher in WUn^ 
auf seine Entdeckung , dafs durch den Wind aus messingenen und 
stählernen Federn , die in messingenen Körpern befestiget sind, 
verschiedenartige Töne hervorgebracht und auch nicht leicht 
verstimmt werden können, und dafs das diefsfallige von HäM 
Ph^i •Harmonika genai^ite Instrument , wegen seines sehr kleinen 
Umfanges mit jedem Klavier -»Instrumente in Verbindung gesetzt 
werden kann % auf fünf Jahre, vom 8* Apf il d* J* 

17. Anton Tedeieki^ Besitzer eines Steinkohlen- und Alans- 
werlies au Wartherg im' MtirUhale , auf seine Entdeckung, dafi 
Abfälle von allen Gattungen Leder zu einem Fabrikate bearbeitet 
•werden , welche nach den verschiedenen Sorten dieser Abfalle 
und nach der verschiedenen Bearbeituxig, theils Pappe, theils eis 
lederartiges, zu verschiedenem Gebrauche geeignetes Papier bilde *, 
auf ein Jahr, vom i5. April d. J. 

i8» Tran^ Weickmann^ chemischer Waaren • Fabrikant ii 
Wien , auf seine Erfindung , dafs er ohne allen Holzbedarf aus 
einem Krdstoffe eine vortrefiliche Schwarzfarbe erzeuge, welche 
Farbe nicht nur alle Eigenschaften des Kien- und Flammruftes 
besitze, sondern auch Statt desselben von Künstlern und Profes- 
aionisten zu allen wie immer gearteten Maihlereien in Wasser und 
öhl, dann zum Lackiren, Drucken .und Färben, mit gröfsten 
Vortheile gebraucht werden kann, und welche de&wegen sowohlf 
als wegen aer verhältnifsmäfsig bedeutend gröfseren vvohlf eilheil 
in der Fol^e» einen fruchtbaren Zweig des Aktiv- Handels an bil- 
den verspricht; auf fünf Jahre, vom i5. April d, J. 

19. Kajetan Frohst^ Spenglermeister in Wien^ auf seine 
Entdeckung einer Wagenlateme mit einer Drucklampe^ und zwsi*. 
dais er bei der Wagenlateme eine Drucklampe anzubringen wei/s, 
welche nicht nur eme bedeutende Kostenersparung, sondern saeh 
ein sicheres, grofees und immer gleiches Licht gewahrt, welche 
Lampe zur Ualhe am äufseren, und zur Hälfte 'am inneren TbeÜc 
des Wagens angebracht, und jeder Thdil mit einem halben Pfundf 
Öhl gefullet wird, wobei, wenn der Vorrath des obem Tbeile» 
aufgezehrt ist, ohne alle Mühe vom Kutscher auf seinem Sitit 
der untere Theil hinauf gedrückt worden kann , die Lampe se\hA 
aber auf diese Art siebzig Schritte vorwärts, seitwärts und in die 
Höhe leuchtet , und mit einem Pfunde Öhl für eine Fahrt roi 
swfuizig Stunden ausdauert; ai^* fünf Jahre, vom i|». April d I 

^o. Wilhelm Beer ^ Associö des' Christoph Hartatann^ In- 
habere einer Zucker - Raffinerie in G<Sri , auf seine Batdeckun^, 
«lafii nach einer in England aufgekommenen MeUiodt bei der %t' 



5oi 

hörigen Anwendung von Spe^ien aus robem Zncicer sueleicli vei> 
schiedene Terfeinerte Raffinaden erseugt werden , die miher nur 
erscugt« werden konnten , wenn der näkmliclie rolie Zucker £wei 
Mahl raffinirt wurde; auf zehn Jahre, vom i5. April d. J. 

ai. Joh. JHawelkammerj auf sf ine Verbesserung, feuerfeste 
Öfen und Kocbgescnirre su verfertigen f welche ohne Zusatz von 
Graphit den Wechsel der Temperatur leichter zu ertragen geejg- 
net , und daher dem Springen nicht so sehr ausgesetzt sind } auf 
fünf Jahre , vom aa. April d. J. 

ai. Johann Front RUfs , Doktor der Arzneikunde in WUn^ 
auf seine Erfindung , dafs die Bückstande , welche bei Bereitung 
der oiygenirten Salzsäure in Baum woU -Bleichanstalten zurück- 
bleiben, zur Erzeugung von verschiedenen Säuren ^ des Glau- 
bersalzes und anderer 'Salze, und zur Bereitung der Gallerte 
Von verschiedener Gattung, aus Knochen und anderen thierischen 
Ab/allen benutzt werden; auf 5 Jahre, vom as. April i8ai. 

23. Jmhmnn Bausemnur^ Maschinist in Wien, auf seine Ver« 
besserung der sogenannten Jaquart- Maschine, dafs i) das ganze 
Nadelwerk eine neue Form und Einrichtung erhalten hat, wo- 
durch )edes einzelne Stück desselben für sicn ausgenommen und 
«ingesetzt werden kann , der bisherige Federkasten entbehrlich 
und die Maschine vereinfacht worden ist ; 2) dafs die Presse auf 
eine ganz neue Art geformt und angebracht ist;, wodurch erst 
dann auf das Nadelwerk und die Feaer gewirkr wird , wenn die 
Maschine arbeitet; 3) dafs. der Zylinder sehr erweitert worden 
ist, und mittelst eines gebrochenen Zylinders bald. glatt ^ bald 
foncirt, wie auch auf beide Arten zugleich gearbeitet werden 
kann , und 4) ^^^ ^^^ Maschine eine solche Einrichtung erhalten 
bat , wodurch den grdfsten Forderungen rücksichtlich des Umfan- 
gcs derselben gänzlich entsprochen wird | auf fünf Jahre f vom 
99. April d. J. 

a4. Joseph jRttpprechty in Wien-^ auf seine ErfiAduns, dafs 
man mittelst derseloen in einer hdlzeme!n Badwanne oder im 
Grofsen in einer hölzernen Wfirmeanstalt kaum den vierten Theil 
des zu gewöhnlichen Badheitzungen nothigen Brennstoffes bedarf; 
auf zwei Jahre , vom aa« April d. J. 

« 

a5. Sebastian Hanensekild, Thierarzt und Hufschmiedmei- 
ster zu Ober^Hoüabrunn V. U. M. B. , auf seine Erfindyne und 
Verbesserung, dafs er mittelst zweier wohlfeiler und einuichcr 
Instrumente , deren eines die Form eines Doppelmessers , das an- 
dere *Jcne einer Schere hat , das Weinreben-Bingelschnittgeschäft 
sehr zu erleichtem im Stande ist; auf &J Jahre , vom 6. Mai d. J« 

• 

a6. Jgnat% DeH, Uhrmachermeistei* und Johann Sirehle^ 
Frätiosenhändler , auf ihre Erfindung , dafs ein- einziger Mensch 
einen Wagen sowohl mit drei als auch mit vier Bädern durch 
Mitwirkung der an demselben angehrachten sehr einfachen 
piechaaischen Einrichtungen mit geringer Mühe, selbst mit einer 



502 

Belastung von »we^bis drei Personen, in »olinelle Bcwegun» 
«einen, und darin erknlten , alle Haupt- und Fei dstratsen damit 
passiren, alle beliebigen Wendungen nehmen,^ umkebren, rück- 
wärts 9 auch bergan und abfahren kann ; auf fiinf Jahre, vom 
6. Mai d. J« 

97. Franz Twnfort^ Bandmacher in Wien^ auf seine Erfin. 
düng, dafs auf Bandmacher - Mühlstühlen harrasseno HaUflore ve^ 
fertigt werden können ; auf fünf Jahre , vom 6. Mai d. J.*). 

i8. Justin Melfenberger und Comp*^ Mechaniker , auf ihre 
Erfindung, daf^ mittelst der Kr^ft eines Mannes und der Beihü^fe ei- 
nes Knaben oder Mädchens , des Tages bei sechs Zentner Dinkel 
oder Spelt, von 4er Hand und ohne Stein ausgcgärbt werden ; auf 
fünf Janre, vom 6. Mai d. J. 

«KQ. Leopold Wenger^ Lederermeister in AltbrÜnn^ auf 
seine Verbesserung, dafs er zur Vollendung der Gare, oder zu 
dem ünerläfslichen dritten Satse des Sohlen - oder Pfundleden 
l^cine Knoppem , sondern ein anderes, bisher nicht gebrauchtet 
Garbe - Materiale mit Vortheil anwendet, wodurch eine grofeere 
Ökonomie ensiclt, und dennoch eine vorzüglich gute und dauer- 
hafte Waare erzeugt wird; auf acht Jahre, vom i5. Mai 1. J. 

3o. Gabriel von Ctyllffay^ Edelmann und Beisitzer der 
Agramer Komitats - GerichtstafeU in Wien^ auf seine Erfindung; 
dafi er auf eine von den bisherigen durchaus verschiedene Art 
Stuben - Sparöfen «u verfertigen im Stande sey, welche bei einer 
gefälligen Form bedeutend Holx ersparen , eine geschwinde, 
gleichförmige und angenehme Wärnie verbreiten, die Feuchtig. 
keit aus den Wohnungen ableiten , und die Luft {n einem hohes 
Grade reinigen; auf fiinf Jahre, vom i3. Mai d. J. 

3i. Johann Jäge^ Doktor der MediKin und StadtphrsiVu» 
in Nikolsburgn auf seine Erfindung, dafs man bei den Weinpre»- 
sen durch eine gane einfache Maschine , ohne Prefsriegel , &cile 
und Winde, auf den gewöhnlichen oder auch kleineren Wein- 

f pressen, ohne die geringste Gefahr, mehr, geschwinder und 
eichter den Maisch abpressen, dabei das schwere Hols au den 
Pressen , den Baum in den PrefshäuSem , und die Kraft mehre* 
rer Menschen Kum Umdrehen ersparen , und weit besseren Moit 
in die Fässer bringen kann; auf fünf Jahre, vom 4« «^tini d« J« 



, 3a. Karl Kühle , Tischler in Wien , auf 'seine Erfindung 
dafs er eine Pedal - Harfe von gans neuer Bauart verfertigt, die 
sich durch besonders angebrachte Vorrichtungen und Verbess^ 
rungen, vorzüglich dadurch auszeichnet , dafs sie sich in Rück- 
sicht auf Dauerhaftigkeit, Festigkeit, Stärke des Tones, des Ren- 
forcements und der leichleren Behandlung von allen bis Jetzt he- 

*) Die»«t PriTtUgiiiRi ist Ton der k« k« Kommen - Hofkommie«i«a » •ofolf« 
der Mfflaektea £rh«1»unf{ea, wegeo Vaiigel der Nevkeit und wdf*» ▼o** 
•ehrinewidriger Abfatsang der eingelegten Betehreibvng fftr erloeckee *** 
klSrt worden ( Unt ErSffnuag der k. k, Tereint«» Hefkaaslei vnm 1 P«" 



5o» 

kannten analandiaebeB wesentlich umterscb^iAet ; «u( fünf Jabre, 
Yom 4« Juni d. J. 

33. Niiolaui A'cheiffUr^ Wa^ecmeiBter in fVien^ auf senie 
Erfindung djer Wagenlaterncn nach Jirgand'scher Ari^ welche mit Öhl 
beleuchtet werden, ein sehr starkes und anhaltendes Licht merbrei« 
' ten, welches keiner Hülfe und keines Druckes (so wie bei den Later« 
nen dos Spengl emieis ters Frohst bedürfe, um fortsubrennen, und 
aowohl beim starken als schwachen Fahren, bei einem starken 
Winde , so wie bei einer schiefen Richtung des Wagens , sich - 
immer gleich bleibt , und dafs die grofse Hitne des jirganttBchen 
Lichts, wodurch sonst das Öhl dünn und flüssig gemacht wird, 
bei seiner Erfindung nicht Statt findet, indem dieselbe nicht mehr 
öbl suläfst, als das Licht benöthiget, uro ordentlich fort su 
brennen, wefshalb die Verlöscbung, durch Ilerabrinnen des ob« 
les, wie es bei jtrgaHd'schen Lampen geschieht, vermieden wird«, 
und diese Erfindung für alle Gattungen öhl - und Spiritus - Lam- 
pen anwendbar ist; auf fUnf Jahre, vom 4* Juni d. J« 

# 

34> Jüitter Marino Longo^ pensionirter Hapitain in Venedigs 
auf seine Erfindung , dafs er nach einer, von der bisherigen ver- 
schiedenen Methode und mit einem verschiedenen MateriaJe Glas- 
perlen abrundet und .ihnen Farbenglana gibt; auf zehn Jahre« 
vom 4* Juni 1. J« 

35« Ludwig Abeking^ Kattunfabrikant und Mechanikus im 
S^rUn , auf seine Verbesserung , dafs anstatt des bisher angewen- 
deten Punzterstuhles cum Punaieren der Muster auf Metallw(|l« 
zen cum Kattundruck und aum Randein derselben , durch An« 
bringung eines Rändel • Rädchens am Support eine Verbesserung^ 
aufgefunden worden ist, vermöge welcher solche Muster auf 
Metall walzen , und mit noch besserem Erfolge auf hohle Kupfer« 
walzen, wie solche durcheehends in England in der Anwendung 
sind , in vierzehn bis achtzig Minuten, nach Bescbaifenheit der 
Grofse des Musters, eingesenkt oder gravirt werden; auf fünf 
Jahr«, vom 4* Juni d. J. 

« 

36« Front Fmrkai BdL v. FarkaS''Fmlvm^ Administrator und 
Fiskal der gräfl. ßruHswik'%ti\ken äerrschaften Futak und Cier9^ 
witZy auf seine Erfindung, dafs man gegen den Druck und das 
Eindringen des Wassers in i einem metiHlenen Anzüge vom Kopf 
bis zum Fufse eingeschlossen sich ins Wasser tauchen, und un- 
ter dem Wasser ohne Beklemmung^ und Unterbrechung Tage lang 
fast jede Arbeit, selbst in grölseren Tiefen vornehmen kann;^ 
auf fünf Jahre, vom ii. Juni d, J. 

37. Johann Rcsler^ Posamentirer • Meister in' WUn^ auf 
seine Verbesserung, dafs er zwanzig Tapezierer -Bortelgänge in 
«ehn verschiedenen Desseins auf einem Mühlstuhl verfertigt« 
welche den auf Handstühlen gemachten Tapezierer - 9^rteln an 
Qualität gleich kommen, und solehe an Biiligkeit ^e% ProUea 
Boch ilbertreffen ; auf fünf Jahre« vom i8* Juni d. J. 



5o4 

38« Johmnn Jagt y Doktor der Medizin und Sudt • Phyailiu« 
EU Nikolsburg , aaf seine Erfindung , einen guten Essig ans Erd< 
äpfeln 7.U erzeugen, wodurch wogen der gröfseren Wohlfeilheit 
desselben 9 im Vergleiche mit dem Preise jedes anderen Wein- 
und Frucht -Essigs« und wegen des steten Gedeihens der Erd- 
apfel auch in sonstigen Mifsjahren, besonders (ur* die ärmere 
Klasse ein gro(ser Vortheil ersielt wird 5 auf fünf Jahre , Tom 
i5. Juni d. J« 

39. Christian Ritter von Leitner ^ gewesener Herrschaft»* 
Inhaber , und Seraphin Sartory , Handelsmann in G?ät% , auf die 
von dem ersteren erfundenen Verbesserungen der Schafiaht- 
sehen Methode , Nägel durch M&Schinen zu erzeugen. Die Ver^ 
besserungen bestehen: 1) in einer kunstsinnigen mechanischen 
Aufstellung sämmtlicher Maschinen auf Wasser zum Betriebe^ 
' und zwar , statt der bisherigen Spindeln , mit Hobeln , durch 
welche Aufstellung die Geschwindigkeit in der Erzeugung so 
sehr gesteigert wird, dafs die neuen Maschinen, mit Erspamng 
von zwei bis drei Personen bei jeder Maschine , um drei Fünf 
theile mehr als die Sehafxahtschen erzeugen; i) in einer ver- 
besserten Stellung und Zurichtung der Schneiden , durch, welche 
die Sekaf sohl sehe Spitz -Maschine entbehrlich gemacht , 'und [da- 
bei wieder eine Person und ein zwölfperzentiger EisenabfaJl er- 
spart wird; 3) in einer hierzu wesentlich erforderlichen, gliick- 
lich erfundenen Zubereitung doppelschneidiger Nägel schienen, 
wodurch bei Schindelnägel - Erzeugung aller Eisenabfall' vermie- 
den -wird; 4) in einer neuen Vorrichtung mit Schiebern, und mit 
einem Pedale, durch welches zwei Schindelnägel zugleich, imd 
viel dauerhafter angekopft werden; 5) in einer neuen Doppel- 
schneid-Maschine, durch welche die bisher bei der Bopfnagel* 
Erzeugung unvermeidlichen zwanzig- bis fünf und zwanzigper- 
zentigen Eisetiabfaile vermieden und benutzt werden, indem sie 
zuerst in zweckmaf^ig geformte Zwickel , sofort aber 6) durch 
eine neue Schneid - Maschine vu Schiifsklammem geschnitten wer- 
den , . wodurch aller Cällo erspart wird ; 7) in einer Druckma- 
schine, durch, welche die Schiffsklammem die zweckmafsige Rich- 
tung erhalten; 8) endlich in einer verbesserten Maschine cur 
Vollendung der Köpfe bei den Kopfnägeln nach allen Formen; 
auf neun Jahre , vom 4* Jtini d. J. 

40» Joseph AteMaUreek, in Wien^ auf seine Erfindung, daÜk 
darch eine mechanische Vorrichtung Schiffe mittelst elastischer 
Flofse mit geringer Kraft, selbst gegen die reifsendste Strömung, 
fortgetrieben werden \ auf fünf järe , vom aS. Juni d« J, 

4i« Johann Andreas Scheuer^ Petinctm acher in Wien^ auf 
seine Erfindung, auf gewöhnlichen Kettensttihlen , durch eine ei- 
gens erfundene Maschine , Petinet und Entoilage mit eingearbei- 
teten Desseins zu verfertigen, welche ni^it nur den Blondspeti- 
' nets, sondern auch den 'gedruckten ganz ähnlich, dabei aber, wie 
die glatten, zum Putzen geeignet , mitbin wegen ihrer Dauerhaf- 
tigkeit SU empfehlen sind ; auf fiinf Jahre , vom 25. Juni d. J. 



5o5 

4i. JutÜH Hüftnlftrgvr und Comp. , auf ihre Erfindung ei- 
ner Handschäl - oder- Gärhmülile , die nach einem gans andern 
Onmdsatse, als {enem, der früher am 6« Mai d. J. privile- 
girten ahnlichen Maschine honstruirt ist, und welche darin be- 
steht : dafii mit einer Mannskraft und der Beihülfe eines Knaben 
oder Mädchens, in einer StuAde ohne Säuberungs- und Siebeseit, 
ein Zentner Dinkel oder Spelt auf 60 Pfund reiner Homer von 
der Hand und ohne Stein ausgeschält oder ausgegärbt werden 
kann} auf fünf Jahre, vom a5. Juni d. J. 

43. Gottfried Idehelt , Sattlermeister in Wien , ' hat auf die 
Verfertigung von Wagenbüchsen mit gesctilossenen Schmierge- 
faT^n und von- beweglichen KutschenbBcken , bereits unterm 
39. Oktober i8ao ein ausschließendes Privilegium noch nach den 
ehemahligen Direktiven erhalten^ Da jedoch Liebelt erklärt hat, 
sich in ^sehunff dieses Privilegiums nach dem neuen Systeme be- 
nehmen zu wollen , * tind da derselbe auch wirklich den* im aller- 
höchsten Patente vom 8. Dezember 1820 festgesetzten Formalitä* 
ten und Bedingungen vollkommen Genüge geleistet hat , so wur- * 
den demselben die Privilegien - Urkunden nach dem neuen Sy- 
steme ausgefertiget. Die Erfindung Liehelt ^ besteht in Büchsen 
mit geschlossenen Schmiergefafsen , und in mechanischen oder be« 
weglichen Kutschböcken, von welchen erstere wegen der leichte« 
ren Bewegung des Wagens, wegen der längeren Erhaltung der ' 
Räde^ und Achsen, wie auch wegen der nicht unbedeutenden . 
Ersparung an Schmier - Materiale selbst, auf längeren Reisen, 
letztere aber deCshalb vortheilhaft sind , weil der Fahrende , um 
sich eine freie Aussicht zu verschaffen , und um ungehindert 
selbst zu kutschiren, den Bock während des Fahrens s<^ell be- 
seitigen, und nöthigen Falls wieder eben so schnell herstellen 
kannl / 

44* Johann Baptist Beealetto , auf seine Ehtdecltiing der zu 

Paris in Ausübung gebrachten letzten Methode , den Zucker am 

besten zu raißniren. Diese Entdeckung besteht darin, da(s 

mittelst einer eigenen Auswahl und Verwendungsart der zur 

Raifinirung erforoerlichen Ingredienzien, durch einen leichteren, 

schnelleren und wohlfeileren Prozefs die gemeineren Gatti^ngen 

des Zuckers dergestalt raffinirt werden , dafs sie dadurch an 

Weifse , Unschädlichkeit , Geschmack und Zuträglichkeit für die 

Gesundheit , so wie überhaupt an der Güte ihrer Beschaffenheit, 

die auf dem gewöhnlichen , bis jetzt bekannten Wege rafilnirten 

Zuckergattungen übertreffen. - Durch die gedachte Methode wird 

überdiefs ein zweiter Sud erhalten, der ohne Rafßnirung, und 

ohne eine neue vorzunehmende Klärung , eine hinlänglich gute 

und schöne Gattung gibt; aufser dem wird aber noch der vor- 

theil erreicht , dafs , nachdem nach Gewinnung der erstem vor- 

zügKchem Produkte« der Syrup als Rückstand verbleibt, der 

Zucker fortwährfind einen angenehmen Geschmack behält, wobei 

sieb fiir den Erzeuger der Vortheil darstellt , dafs die erhaltene 

Zuckerraasse nicht jene Farbe annimmt, die sich derselben nach * 

den bis jetzt üblichen RaiTinirungs • Methode» mittheilt; auf fünf 

Jahre , vom «« Juli d. J. ' 



5o6 

iß, Aniön Bevilae^ftfm, gewesener HandeUnajui in Vntdig^ 
«uf seine Entdeclciing , die Fische eben so , wie im AusUmde n 
mariniren , dieselben demnach so tu braten , su backen , und lie 
ferner so ku bereiten und surecht su machen , daPs sie durch 
längere i^eit aufbewahret werden können ; auf eehn Jahre, vom 
9. Juli d. J. 

46« BrUder ^ Nani aus Bergamo , auf iltre Erfinduag einer 
dergestalt eingerichteten Seidenspinn «Maschine y dab durch ei* 
nen einxigen Ofen das Wasser in swei Kesseln zugleich erwärmt 
wird, wodurch sich eine bedeutende Ersparimg an Brenottoff 
ergibt 5 auf fünf Jahre , vom 3. Juli d. J. 

47. Heinrich Spring und Kmrl Emanuel Sekaffkr^ Maschi. 
nisten aus der Schweift , gegenwärtig in Mailand , Auf ihre Ent- 
deckung einer Drehmaschine asur Erzeugung von Holsschrauben. 
Diese Entdeckung besteht darin , dafs mittelst der gedachte^ Ma- 
schine Holzschrauben von Jeder Gattune in einer Länge von fusf 
bis hundert Millimeter, und auch noch darüber dergestalt er- 
zeugt werden können , daCs der obere Theil derselben nach dem 
VerTangen der Besteller eine flache , runde oder auch länf^lich 
erhobene Gestalt erhält; überdieCi die gedachte Maschine Hol»* 
achrauben fordert, die weit genauer als die in unsem Staates 
passen, indem diese Entdeckung das Resultat gibt, dafs die 
Schraubengänge weit schärfer ausfallen , und der naum swiscbea 
denselben überall in der ganzen Windung um die Schraube eine 

51 eich breite Fläche erhält , wodurch das Holz desto besser ge- 
unden, und frei, aber doch fest geboten wird, ohne dafs die 
zwei zusammengeschraubten Gegenstände angebrochen werden, 
und ohne dais bei dem Zusamfnen- oder Ajiseinanderschrauhen, 
welches ohne Unterschied am Holze , am Leder oder an euen 
Felle besser und leichter Jiewerkstelliget werden kann , der lu 
irgend einem Kunsts wecke verwendete Gegenstand gebrochen 
toder aus einander getrieben wird , wozu vorzüglich der Umstand 
beiträgt, dafs die Schrauben ^durch die Maschine glatt; und überall 
von gleicher Dicke erzeugt werden , da im Gegentheile die sonst 
gewöhnlichen ,. in der Mitte der- Windung eine grofsere Diele, 
als in der glatten Rundung in der Näh^ des oberen Sehrauben- 
theiles haben. Endlich i^eichnet sich die fragliche Entdeckung 
vorzüglich dadui^ch aus, dafs der obere Theil der Schraube, er 
mag nun eine flache , runde , oder länglich i^rhabene Gestalt an- 
nehmen , er mag aus Eisen oder Messing bestehen , sich gleich ge- 
eignet zur Drenung darstellt, und dafs die Spalte an dieaem 
Tbeile, mittelst welcher die Drehung bewerkstelliget wird, mit 
Genauigkeit ausgehöhlt , und richtig in der Mitte desselben gear 
beitet ist , während diese Spalte bei den SchirAuben , vrie solche 
cewöhnlich im Gebrauche sind , beinahe imme'r seitwärts sich 1k* 
findet. Übrigens beträgt der A^nschaiFungspreis der durch dii 
Maschine verfertigten Holzschrauben nicht mehr als der Preis 
der bis jetzt üblichen , und ist vielleicht nicht %o hoeh , als der 
Preis derjenigen , die im Auslände vorkauft werden, Auf fuaf 
Jahr« 9 vom t« Juli d^ J. 



5o7 

48» FrtedrM lafltt9^ Cbemilier und Destillateur, und Karl 
KSnigihoftr ^ Eigenthümer der Herrschaft Grabenhofen^ aus 
GräUt auf ihre Erfindung, dafs sie aus Weinlager (Gcläger), 
ohne Beimischung fremdartiger StofTe« den scliaristen Weinessig 
▼on vorxüglicher Klarheit durch Destillation fabrisiren ; auf fünf 
lahre. vom 4* «^^^^ d. J« 

49* Joteph Bdhm^ Klavier- tind Instrumentenmacher in 
WUhj auf seine Erfindung, dafs mittelst einer im Klavier ange- 
brachten , Künstlichen Vorrichtung die Blätter eines darauf einge- 
legten Musikstückes ohne Beihülfo eines anderen, und ohne Zu- 
thun der Bände , blofs durch die Bewegung der Ftifse , nach Be- 
lieben vorwärts schnell umgewendet werden ; auf fUnf Jahre, vom 
9. Juli d. J. 

Bo* Christoph Eintel ^ ^* k« Lehrer an der Hauptmuster- 
sefanle su Prag^ auf seine Erfindung, dafs durch ein Mobile in- 
terpaüatum mit sechs Mutationen jede einzeln stehende Mahlmühle, 
ohne an ihrem innern Bau etwas zu ändern , und überhaupt jede 
dergleichen Maschine, ohne Wasser, Wind, Zugvieh u. d. gl • 
blo& durch einen Taglohner in Bewegung gesetzt, und ohne Er- 
müdung darin erhalten werden könne , und daf» auch befrachtete 
Schiffe auf dieselbe Art, jedoch nur auf nicht zu heftig reifsenden 
Strömen, stromaufwärts gebracht werden können; auf zwei 
Jahre, vom i5. Juli 1. J« 
» 

5i. Michael SpSrlin und Heinrich Rahn^ k. k. privil^girte 
Hof- Papier -Tapeten -Fabrikanten, und Georg Ben füg ^ k.k. pri- 
vilesirter Maschinist in Wien , auf ihre Entdeckung , ökonomische 
kupferne oder eiserne verzinnte Dampfkochgefafse mit verbesser- 
tem Schlufs zu verfertigen, wodurcn dieselben zum häuslichen 
Gebrauche mit Sicherheit und BecruemlichUeit anwendbar sind, 
und dabei alle Vortheile des in Laboratorien gebräuchlichen JP«- 
/»iVschen Topfes, ohne die bei dem letzteren Statt findenden 
Nachtheile, vereinigen, aulser dem aber eine reine Ersparnifs 
von wenigstens drei Viertheilen an Zeit und Brennmateriale be- 
swecken; aiif fünf Jahre, vom i5. Juli d. J;' 

5a. Mathias Schwarz, Schlossermeister zu Villaeh^ auf 
seine Erfindung, dafs er mittelst einer Maschine, welche durch 
eine grofse Spindel in Bewegung gesetzt, und nur auf einen Vier- 
tel - Zirkel in der Bundung gedreht wird , innerhalb zehn Minu- 
ten acht und achtzig Stücke doppelte Striegelzeilen mit grofser 
Blechersparung durchschneidet, und diese Gattung Blechgeschneid 
auf eine Art erzeugt, durch welche sie an Beinbeit, Schärfe, 
Vollkommenheit, Dauer und Billigkeit des Preises die gewöhn- 
lichen Striegelgattungen übertrilFt; auf fünf Jahre, vom i5. Julid; J. 

53. Friedrieh l^fitte^ Chemiker und Destillateur, und JBCarl 
KSnigshofer , Eigenthümer der Herrschaft Grahehhofen^ auf ihre 
Erfindung,, dafs sie eine Pumpe ohne Ventil mit gewöhnlichem 
Stiefel verfertigen, welche, bei gleicher Proportion mit einer 



5o8 

Pumpe von gewöhnlicher Bauart , in dem nahmlichen Zeitraune, 
aber init genngerem Hraftaufwande als» diese letstere , noch ehu 
mahl so viel Flüssisheit in Jedem Zustande derselben, sie mögs 
nun halt oder siedend, rein, oder mit dichen, festen, harten 
Substanzen vermengt seyn , schöpft , und wegen der Einfachheit 
ihrer Konstruhtion im Gebrauche un verderblich, daher für Bere- 
werhe und Fabrihen , und vorz.üglich für Brauereien zur DicL 
Maisch -Schöpfung von vorzüglicher Anwendung ist;, auf föaf 
Jahre, vom i5. Juli d. J. 

B^, Joseph DuBois in ^/^n, auf seine Erfindung , daCi er 
einen vollkommen guten, angenehmen, und von aller schädlichen 
Beimischung freien Weinessig aus Wein oder Spiritus, in sechi 
Tagen , mit Anwendung eines einzigen Mannes , welober in ei- 
nem Jahre gegen zwölftausend Eimer allein bereiten könne, ra 
«rzeugen im Stande ist; auf fünf Jahre, vom i6. Juli d« J* 

BB* Frans Till ^ Handelsmann in Pra^^ auf seine Verbei- 
aerung der schwarzen englischen Glanzwichse, dafs er nahmlich 
nach vielen gemachten Versuchen , durch die Anwendung einiger 
neuen Zuthaten und Mittel, die bei anderweitigen ökonomischen 
Manipulationen als unerheblich nicht beachtet und verworfen 
werden , dann durch ein aufgefundenes eigenes Verhältnifs der 
Qualität imd Quantität der erforderlichen Materialien, so wie 
auch durch das bei Verfertigung der Wichse beobachtete Verfah- 
ren^ die gewünschten Eigenschaften derselben, insbesondere aber 
die Schwärze , den Glanz, die Haltbarkeit und vortheilhafte Wir- 
kung auf die Konservirung des Leders, auf einen viel höheren 
Grad, als bei der jetzt gewöhnlich üblichen Wichse gebracht 
hat; auf sechs Jalire f vom 1B4 Juli d. J. 

66. Brüder Johann und Aagustin Bruni, Maschinisten in 
Como^ auf ihre Verbesserung der Getuul ^chen Seiden - Spinn- 
maschine , welche darin besteht , dals sie 1) bei dem neuen Ver- 
fahren in den Stand gesetzt werden, mittelst der gedachten Ma- 
schine ^mit vier Capi^ sowie es in dem lombardisch - venetiani* 
sehen Königreiche gebräuchlich ist , zu spinnen , 9) dafs dadurch 
der Verbrauch des in diesem Königreiche bereits sehr vertheuer- 
ten Brennstoffes eben so wie der Bedarf an arbeitenden Händen 
vermindert, 3) dafs die Maschine von jenen UnvoUkommenheiten 
und den beständigen Gefahren , zerbrochen zu werden , denen sie 
nach der Methode Geniuli unterliege, bewahret, und endlich 
4) dafs die erste Errichtimg dieser Maschine mit weit weniger 
Hosten als bisher bewerksteUigt wird ; auf fünfzehn Jahre , vom 
i5. Juli löst« y 

Bj» Joseph y,,Saurimont y landesbefugter Fabrikant des was- 
serdichten Leders, TafFets und der wasserdichten Leinwand, in 
Wieny auf seine Entdeckung, jede Gattung Leder zu Stiefeln und 
Schuhen , sowohl fiir Männer als für Frauenzimmer, dergestalt zu- 
zubereiten, diits. 1) in derlei verfertigte Stiefel und Schuhe kein 
Wasser eindringen kann; a) daCs das so zubereitete Leder nach 



Sog 

Verhaltnifs der verschiedenen Stärke and Dicke dennocli eelindo 
bleibt , ohne durch häufigen Gebrauch die Wasserdichtigheit zu 
verlieren , und ein Paar Stiefeln von dem .auf die gedachte Art 
subereiteten Leder zwei Paar von gewöhnlichem Leder an Dauer 
übertreffen, und 3) dafs das auf diese Art wasserdicht eemacbte 
Leder die englische Wichse, so wie jedes andere Schuhieder an- 
nimmt; wobei derselbe auch noch Leinwand und TafTete von 
gröbster bis feinster Gattung wasserdicht macht , wodurch diese 
Gegenstande nicht nur der ungestümen und wechselnden Witte- 
rung Jeder Jahrsseit widerstehen , sondern auch noch in der Rück- 
sicht bedeutende Vortheile gewähren i dafs sie äufserst biegsam 
sind, und dennoch durch verschiedenes . Falten und Biegen nicht 
brechen; anfacht Jahre, vom 2a« Juli d«.J. 

. 58* Frtuut Sehuhmann ^ Scblossermeister von Lemh^rg^hzt 
bereits unterm ai. November v. J« auf seine Häcksel - Schneid- 
maschine ein ausschliefsendes Privilegium auf acht Jahre erhalten« 
Da er jedoch in Ansehung dieses Privilegiums nach dem neuen 
Systeme behandelt tsu werden angesucht und erklärt hat, sich 
ein9twe]len mit einer Dauerxeit von fiinf Jahren zu begnügen , ho 
wurde demselben, nachdem er allen im allerhöchsten Patente vom 
8. Dezember i8ao vorgeschriebenen Bedingungei^ und Formalitä- 
ten entsprochen hat, nach den Bestimmungen des höchsten Paten- 
tes die Privilegiums - Urkunde auf seine Erfindung : dafs mittelst 
seiner Maschine drei Menschen in einem Tage leicht dreihundert 
Metzen Häckerling von Jeder Gattung , sogar auch Grünfutter 
schneiden können, ausgefertiget. 

59. Andrew Spitsbarih , k. k. Banko • Hofbuchhai tungs- 
Bcchnungs - Offizia] }n Wien^ auf seine Erfindung einer Räder* 
werks- , Preis- , Heb - und Zugmaschine , auch Triebwerk zu al- 
len Gattmigen Mühlen, mit Anwendung der von ihm entdecktea 
höchsten Bäderkraft im Maschinenwesen, wodurch diese Ma- 
schine auf eine von den bisher bekannten Schrauben-, hydrauli« 
sehen Pressen und Dampfmaschinen wesentlich verschiedene Art, 
nach rein mechanischen Grundsätzen durch einen , einzigen Men- 
schen in Bewegung gesetzt wird , in höchster Wirkung einen 
Druck von menreren tausend Zentnern ausübt, keinen grolsen 
Baum einnimoit, leicht zerlegbar, nicht kostspielig, dauerhaft 
und von aulserordentlichem Nutzen ist, insbesondere aber 1) ala 
Fresse in vielen technischen und Ökonomischen Gewerbszweigent 
%) als Heb - und Zug - Maschine , um als Vorspann Lastwagen zu 
ziehen , Schiffe stromaufwärts zu ziehen , und die gröfsten belie«> 
bigen Lasten von mehreren tausend Zentnern zu heben , und 
3) als bewegende Kraft und Triebwerk , um alle Gattungen Müh- 
len zu treiben, verwendet werden kann; auf fünf Jahre, vom 
3o. Juli d. J. 

60. Bruder Kmrl^ AntoH und Joh* Burka^ Bürger in Fr€^ 
und Landgüter -Besitzer, auf ihre Erfindung, dafs aus einem' und 
demselben inländischen Produkte gleichzeitig viererlei Fabriha^e, 
und zmrari Jääfenteig (ein Gäli^ungsvi^ttt] ), 9ranfttwei;ay Färbe 



5io 

essig und Eisenbeize , in derselben Menge und Güte erseugt wer- 
den , wie solche aus einem gleichen Quanto desselben Produktes 
bei der gciwöhnlichen Behandlung dieser Fabrikate , bei welcher 
jeder für sich einsein gefährdet wird, gewonnen werden, wo« 
durch nebst der , die Bestimmung des Preises so wesentlich be- 
günstigenden Vereinfachung der Erzeugungskosten , wenigstens 
noch zwei Drittel des rohen Produktes lum anderweitigen Ge. 
brauche verwendet, und insbesondere die Abfalle nach vorher. 
. gegangener Absonderung als Mastungsfutter für Schaf-, Uors- 
üna Borstenvieh benutzt werden ; auf fünf Jahre , vom & Au- 
gust' d. J. 

61. Johann Smania^ Seifien - Fabrikant in f^grona^ auf seine 
Verbesserung der Reverberir • Öfen zum Gebraucne der Seifen- 
siedereien: dafs durch dieselbe mit einer aufserordentlichen, drei 
Viertheile des bisherigen Aufwandes betragenden Ersparung an 
Brennmateriale , die Sudkossel dergestalt in Thatigkeit gesetzt 
werden, dafs zur Vollendung eines Sudes fünfzig Stunden hin- 
reichen, während bei der seit Jahrhunderten in yenedig übli- 
lihen Art von Öfen acht bis fünfzehn Tage dazu erforderli<msind; 
auf: fünf Jahre , vom ii. August d. J. 

6a. Karl Demuthy Spenglermeister in WUn , auf seine Er* 
Ündung, Lusterlampen zu verfertigen, welche ein sebr angeneh- 
mes und hellet Licht und ein schönes Aussehen darbiethen , und 
welche man in jedem Saale in beliebiger Grofse und Form an- 
bringen kann. Die Zylinder dieser Lampen sind kerzenartig dar- 
gestellt , mit verborgenen , dauerhaften , sehr einfachen , und 
<um Herautsnehmen geeigneten Winden versehen , sehr leicht zu 
reinigen und von dem besondern Vortheile, dats man keiner 
Tropfgläser oder Kapsel bedarf, wie bei den sonst gebräuchli- 
eben Lampen , weil meselben nicht im mindesten tropfen. Übri- 
gens sind die Lampen sehr leicht und ökonomisch zu bebandeln, 
weil acht Zylinder der gedachten Gattung nicht so viel öhl ver- 
sehren , als gewöhnlich zwei , und weil die Ventile , Winden 
und Zylinder zu jeder andern Lai^pci anwendbscr sind}, auf (uhf 
Jahre , vom 19. August d. J. 

63. Leonhmrd Spamann , Bürstenbinder in Wien , auf seine 
. Erfindung, dafs mittebt seiner Bohr- und Schneid - Maschine för 

Bürstenbinder, Bein, Perlenmutter und alle zu Bürstenappara- 
ton verwendbaren Metallgattungen, ohne dafs man, wie bisher, 
die Löcher abzuzirkeln und abzumessen braucht, viel genauer 
und geschwinder gebohrt, dann die Löcherfugen auf der Rückr 
Seite der Bürsten viel schöner und schneller , als früher mit den 
Handinstrumenten , gezogen' werden; auf zehn Jahre, vom 19. Au- 
gust d. J.\ 

64. Ge0rg QriÜer^ Seideiizeug - Fabrikant in Whn^ auf 
seine Erfindung, auf dem gewöhnlichen Hand-, Schub- und 
Mühlbandstuhle « mittelst einer besondern Einrichtung desselben, 
und mittelst Antchnürung der Litzen, 'elastische Bänder ans Seide 



Sit 

tnid Baumwolle , Schafwolle öder Leinengarn £u erseugen , di6 

Sans so aussehen, als wenn sie mit dem Nadelstiche gesteppt wor- 
en wären « ^und die nach BeHeben mit einer der Häckchenstiche« 
rei ähnlichen Bandversierung , d^ren Dessein und Arbeitsme- 
thode gleichfalls eine Erfindung Gtiiler'» ist , versehen werden» 
Durch diese Erfindung -wird das mühsame Ausnähen ( Steppen > 
ijdit der Nadel« und oei den gestickten Bändern die münsam« 
Stickerei ndt der Hand erspart« Übrigens ist das gedachte Fabri« 
kat, welches im Gänsen um swei Dritte] wohlfeiler su stehen 
kommt ^ vorsüglich su Hosenträgern ^ Bandagen und allen soge- 
nannten elastischen Arbeiten anwendbar. Auf fiinf Jahre , vom 
194 August d. J« 



65. Gottfried LUhelt, Sattlermeister in Wien, auf seine 
^Erfindung , daft Beisende bei Nacht und in was immer fiir einer 

Sefabrlichen Lage , selbst wenn die Sperrketten -brechen , sitsead 
en Wagen überall und augenblicklicn aufsufaalten^ sugleich die 
Pferde, ohne deren Verwickelung in die Stränge besorgen su 
müssen , absulösen , und sie dennoch am Ausreilsen su hmdem, 
und sohin ihre Beise ohne Zeitverlust und Schaden fort su setsen 
im Stande sind , was auch bei einer Bespannung von vier Pfer- 
den ^angeht; auf fiinf Jahre, vom a6. August d. J, 

66« GottUeh Sockel^ Tischlermeister in Wien, auf seine 
Er^dung und Verbesserung einer Foumier -Messer -Schneide- 
maschine ; dafs man mittelst Vorrichtung eines Messers mit einer 
gans einfachen Maschine Foumier - Hölser , glatte oder verwach- 
sene , ohne dafs sie Brüche oder sonst Schaden bekommen « so- 
wohl von runden Baumstämmen , als von Pfosten , so stark und 
breit selbe sind, schneiden kann, und swar ohne im geringsten 
das Messer oder die Maschine su verstellen. Hiermit ist der 
Vortheil verbunden, dafs gar kein Hols durch das Schneiden ver^ 
loren geht, und das Fournier in der gansen Pfostenbreite £&» 
schnitten werden kann , so dafs man bei breiten Pfosten wohl ' 
swei Schuh breite Flächen , und noch darüber, mit einem Stücke 
foumier su belegen, und da von Baumstämmen das Foumier 
rund herum , und dadurch natürlich nach beliebiger Breite von 
. mehreren Klaftern geschnitten werden kann, auch grofse Flächen^ 
ohne sie aus Stücken susammen su setsen , mit einem Stücke su 
fouruiren im Stande ist; auf fünf Jahre, vom a. Oktober d« J. 

67. Caspar Heinrieh p. Stiboliy königlich- dänische^- Oberst*« 
Lieutenant in Wien, auf seine Erfindung, dafs er sowohl ein* 
fache als Doppel - Schiffe mit Inwendig parallel laufenden Seiten* 
wänden baut, welche mit der nähmlichen Last, als ein hier ge- 
bräuchliches Schiff, beladen, mit einer weit geringeren Kraft 
und mit gleicher Geschwindigkeit stromaufwärts gesogea werden 
können, welches sich hauptsächlich darauf gründet, daf^ das 
Plus des Widerstandes des Wassers einsig von den beiden Sei- 
tenwänden des Schiffes getheilt, so wie das Minus dieses Wider* 
Standes einsig auf den Boden oder Unter(heil des Schiffes abgOf^ 
leitet wird, wobqi solche $chi^ sugUsich mit eineni^ inwendig 



5ia 

angebrachten doppelten Hangwerke veraehen ttnd ^ «o dab ti« 
nIcDt kielbrochen werden können ^ auf 5 Jakre» vom 8. Okt<^ 
bcr d. J. 

68. Johann Adam KrÖgner^ Magister der Philosopkie, und 
JBesitser eines Steinkohlen - Oewerkes und einer Kalkbrennerei 
in Kali^nUutgehen am Rösaelberge , auf seine Erfindung , neos 
Qeneral - Volalilisations • und Fixations - Öfen au erbauen , in den- 
selben mit Steinkohlen am ' aweckmäCiigsten Kalk eu brennen, 
2u verkohlen f Erse absuschwefeln oder au rösten, und cwar 
mit Ersp^ruag der Hälfte an Zeit und Brennstoff , dann in die* 
sen Öfen alle sowohl -flüchtigen als fixen Produkte und Ediikts 
au Nutsen au bringen, hieraus insbesondere Borax cu enengea« 
endlich mit diesen erfundenen Öfen auch ein natürliches, immer 
gleiches Gebläse au verbinden, welches auch eine stete Bewe- 
gung bewirken kann; und in Verbindung mit diesem Geblase in 
den erwähnten Öfen so genannten englischen Gufsstahl aus 
Stahl und Eisen au schmelaen, wie auch andere verfeinerte Me- 
talle und Vitrifikations - Produkte su gewinnen; auf fünf Jahre, 
vom 8. September d. J. 

69. Freiherren Johann Baptist und JCarl v. Puthon , Inha- 
ber der k. k. priv« Spinnfabrik in Teesdorf ^ auf ihre Verbesse- 
rung der Maschinen - Spinnerei : dafs auf der Vorspinn -Maschine 
eine neue Art Aufsteckspindel angebracht wird, welche auch 
eugleich auf der Aufspinn - Maschine verwendet werden ksnn, 
und deren Endeweck bessere Qualität de$ Garns und Ökonomie 
in der Eraeugung desselben ist ; auf fünf Jahre , vom 8. Septem- 
ber d. J. 

70. Jakob Jauernigy Rothgarber von Ober ' Zajrhaeh ^ und 
Gesellschafter des Zsudwig Legrain ^ englischen Lederauricbten, 
auf seine Erfindung und Verbesserung, dafs er die Lohrinde 
(Gärb - Materiale) in ganzen Stücken vor der nachtheiligen Ein- 
wirkung der atmosphärischen Luft aufbewahrt, und solche un- 
mittelbar vor der Anwendung mit einer Handmaschine verklei- 
nere oder aerfaserc , wodurch Ersparnifs an Gärb -Materiale 
und K9Sten eraweckt, und die Lohrinde für die Gärbung besser 
qualifisirt wird; ferner mittelst Dampfkessel eine die Gärbung 
befordernde Temperatur in Mer Gärbflüssiekeit, mit Hole, Zeit- 
und Arbeit - Ersparnifs , hervorgebracht wird; auf fünf Jahre, 
vom 16. September d/J. • 

71. Franz Rauch ^ chirurgischer Instrumentenmaeher In 
Wien , ,auf seine Verbesserung der Hasirmesser , dafs man mit- 
telst derselben die Vertiefungen reiner und leichter heraus ra- 

* sieren , und den Bart durcb die ganxe Länge des Schnittes auf 
ein Mahl geschwinder und viel reiner abnehmen kann; auf fünf 
Jahre , vom 24* September d. J. 

2^. Adrian Ludwig Ritter v* Cochelet^ Gutsbesitaer und 
■Manufakturant in Frankreich ^ auf seine Erfindung, die mecha- 



5i3 

ajach - sylindriscke Bewegung oder die lielilioidlscfaeii Kräfte auf 
eine neue Maschine, die heliltoidische Quer" Tuchschermaschine 

fenannt, cum Scheren von Tdchern, Hasimirn und jedem belie- 
igen wollenen Stoffe aneuwenden, und dadurch den Zweok lu 
erreichen, dafs der Gebrauch seiner bereits unterm 14. April 
1818 privilesirten Tuchscher -Maschine allgemeiner gemacht, und 
die Anwendung des Scberens nach der Quere unter den Tuch- 
machern und Tuch - Fabrikanten der österreichischen Monarchie 
so viel als möglich verbreitet wird; auf fGLnfaehn Jahre» vom 
16, Semptember d. J. 

'ß. Wenul Kubittcki Mechaniker, und KmrlLooSy bürgerlicher 
Graveur, in Wien^ haben unterm 10. Oktober i8ao ein Privile« 
gjum auf ihre Wapjpendruckmaschine auf sechs Jahre erhalten. 
Nachdem dieselben die Erklärung, abgegeben haben, dafs sie sich ^ 
in Ansehung dieses Privilegiums dem allerhöchsten Patente vom 
8. Desember iBso gemafs benehmen , und sich vor der Hand mi:t 
einer Daiierseit von fünf Jahren begnügen wollen , so wird den- 
selben die Privilegiums • Urkunde auf die Dauer von* fQiif Jahren 
ausgefertiget. Ihre Erfindung besteht darin, dafs sie mit ihrer, 
von allen übrigen bestehenden Druckpressen oder Maschinen ganx 
verschiedenen Wappenschilder • Druckmaschine in einer Minute 
sechsig Bogen Wappenschilder £u den Tabaksorten, oder auch 
SU einem anderen Gebraucho absudrucken im Stande sind, wor- 
nach diese Wappens<jhilder um einen durch eine andere bisher 
bekannte Manipulation unmöglich eu erzielenden verhälniifsmäs« 
*ig geringen Preis geliefert werdeü können. 

74. Thaddeui Ehrerrfjeld^ Rochnungs - Offisial der k. k. Hof^ 
kriegs - Buchhaltung in Wien^ auf seine Erfindung, dafs durch 
eine von ihm sogenannte Getreide-Setzmaschine auf einem hierzu 
vorbereiteten Boden, ohne BeifaüK'e des Zugviehes, nicht nur 
ein vielfacher Ertrag geerntet, sondern nebst dem eine reine, 
grofskömige Frucht gewonnen iFifird; auf swei Jahre, vom 
3o. September d« J. 

75. Dom. Carpani und Peter Zappa^ Handelsleute' in Como^ 
auf ihre Erfindung , dafs sie bei der Abspinnung der Seiden-Ko 
kons, statt cles sogenannten Kreuzes oaer Drehers (Croco o 
torta) einen neuen Mechanismus anwenden. mitteUt dessen sie 
folgende gunstige Resultate erbalten: 1) jiafs ^ie eine Seide 
von besserer Beschaffenheit erzeugen, die sich leicht drehen läfst, 
und um die Hälfte weniger Abfalle« als sonst gewöhnlich gibt^ 
s) dafs die Seide jede erforderliche Vorbereitung zur Drehung 
erhält $ 3) dafs sie gleich gedreht erscheint, und 4) dafs die Sei- 
denabspinnerinn an der nöthigen Arbeitsieit erspart; auf fünf 
Jahre, vom 3o. September d. J. 

76. Ftan%Bernareggi\txA Heinrich Wilhelm. Charantotuu^^ 
Lederlackirer aus Paris (in Mailand)^ auf ihre» aus trankretc'i 
in das lombardisch - yenetianische KöniAreich eingeftlhrte Enti 
deckung, dafs mittelst derselben alle Gattungen Ledtr in wid 



5iA 

i 

immer für einer Farbe dergestalt laclurt werden, dafs das Leder 
liinlänglicii . glänzend erscheint , Biegsamkeit und von jeder Seite 
ein gleich ficfalliges Aussehen erhalt, ohne .dafs der Lack seil«! 
Schaden leiuet^ auf JTünf Jahre, vom 3o. September d« J. 

77. Anna JÜaSart, Ehegattinn des Beairks - Hollektantn 
der jüdischen Vers ehrungss teuer in Nikolsburg ^ auf ihre Erfii- 
düng, den AVeineinschlag ohne Leinwand auf fönf versckieden» 
Arten SU bereiten, und durch den Gebrauch eines andern, bis- 
her £u diesem Zwecke nicht angewendeten Artikels , sowohl den 
Geruch, den die Leinwand verursacht, gans su besciüeenf ali 
auch den Einschlag selbst , um den vierten Theil wohlfeiler und 
besser su. bereiten; auf ein Jahr, vom 3. Oktober d« J. 

78. Aloys Cattaneo aus Mailand^ auf seine Erfindung, bei 
Wägen und Kutschen aller Art , sowohl mit zwei als vier Bä- 
dern , einen Mechanismus anzuwenden , mittelst dessen eine 
bedeutende Ersparung der zur Beförderung der einen und der 
anderen in Bewegung gesetzten Thierkräftc im Vergleiche mit 
der bis jetzt üblicnen Art des Zuges ersielt wird; auf funfJabre, 
vom i4- Oktober dL J« 

79. SUgfried Morteke^ Dolitor der Medisin in IFmü, auf 
Steine Verbesserung der Seiden - Plüsch (Felber) durch cinebloCK 

^Unterlage von feinem Tuche und eigene chemische Zubereitnsj, 
mit Hinweglastung von Papp -Papier, Stroh, IIols oder Lein, 
in Hüte zu formen, welche nicht nur vom Wasser gar keinen 
Sehaden leiden, sondern auch einen hohen Grad von Elastisitat 
besitzen , und daher den Kopf durch den Druck- nicht beschw^ 
ren; auf fünf Jahre, vom 14* Oktober d. J. 

80. Johann Anton Giuriato ^ Zucker •RaiTinejor. in. Ventdig, 
auf. die Verbesserung der bisher im Venetianischen üblichen Me* 
thodo, den Zucker su ralfiniren,* mittelst welcher Verbessemn«, 
durch Anwendung einiger neuen Mittel und VerfahrungsarteOf 
die von der bisher üblichen Methode verschieden sind, so wie 

• durch angemessene Verwendung' der erforderlichen AfateriaHen, 
und einer einsigon und weniger kostspieligen Haupt - Operation, 
.aus dem Rohzucker ein so feiner Raffinat erzeugt wird, dafs die- 
aer letztere jedem . ausländiechen feinen Baflinate an die Seite 
gesetst werden kann; auf sehn Jahre, vom i5. Oktober d. J. 

81« Johann Fron* Sunicl in JKaniU^ auf die Erfindung ei- 
ner pneumatischen Maschine in Gestalt einer Windmühle mit bo* 
risontal bcLweglichen» Segeln , welche , Maschine den Vorzug hat, 
. dab sie bei jeder. Richtung des Windes gleich anwendbar iat, Mii 
d.'ifs durch das darin angebrachte SpeiTwerk der AVind selbst 
noderirt wird; auf fünf Jahre, vcm i5. Ol^tober d. J. 

' * • ■ ■ . • 

. ' 8a« 'Front Tettamanzi^ Ingenieur in FaiatUma im ssrdinl* 

•eben Staate, auf die. Verbesserung der Seidenraühlen , wodiircb 

' 4ie gedachten Maschinen leichter und wohlfeiles erbaut, mit w^ 



5i5 

niger Kosten ef halten werden , dem Zweclie « zu welchem sie ho» 
stimmt sind, bcsfier entsprechen, und mit einem geringern Ver- 
brauche der Seide bei dem Aufspulen verbunden smd ; auf fünf 
Jahre, vomii. Olhtober d. J. 

83. Joseph Thärmer^ Schmiedmeister in TVien^ auf die Ver- 
besserung der Querfedern und Verbindung der Querfedern mit 
Druckfedern an den Stadt - und Beisewagcn , welche i) in der 
Haltbarkeit der damit Versehenen Wagen besieht, indem diesel- 
ben der Beschädigung auf schlechten Strafsen weit weniger aus- 
gesetist sind; i) in der £rspariing an Zugkraft ,- weil die Vtrfex*- 
tigung der. auf gedachte Art erbauten Wägen, durch die sparsa- 
mere Verwendung des Eisens ein viel leichteres Gewicht der- 
selben veranlafst; 3). in grüfscrer Sicherheit vor dem Umwerfen, 
und 4) ^^ leichterer ÄnschafTung. von derlei Wägen, indem solche 
im gleichen Verhältnisse mit den gewöhnlichen Wägen wohlfeiler 
zu stehen kommen , und vurzüglich dadurch , dafs bei einer Be- 
schädigung derselben auf Bciscn , ohne beträcJidichen Zeitverlust 
und ohne Beiziehung eines Schmiedes, leichter Hülfejverschafil wer- 
den kann, auch die Unterhaltung der Wägen erleichtert; auf 
fünf Jahre, vom 2a. Oktober d. J. 

,84. Leonhard MapeÜi^ aus Bergamo^ auf die Verbesserung 
der Seidenspinnerei^ mittelst einer Maschine, und durch den Ge- 
brauch eines einzigen Ofens ganz neuer Art , zwei Wärmekesscl 
ebenfalls von neuer Einrichtung ru erwärmen : indem diese Kes- 
sel durch eine neue ZusamnieusteTlung mittelst zweier mit^einan- 
der kommunizirender Bohren 1 die aus einer dritten mittleren 
Bohre oder einem Bezipienten gleichfalls von neuer Struktur aus- 
gehen , an ihi*em äufsersten \ jenen Bohren zunächst liegenden 
Ende in Verbindung stehen , uAd so das nöthige Wasser yon glei- 
cher Wärme - Temperatur erhatten, wodurch sich der Vortheil 
darstellet , dafs bei diesel* Einrichtung Steinkohlen mit einer Er- 
sparung von 35 bis 4<> Perzent , im Vergleiche zu dem sonst übli- 
chen Aufwände an Hotz, und fünfzig ifnd noch mehr Perzent, 
im Vergleiche zu dem gewöhnlichen Verbrauche der Steinkohlen, 
ohne irgend eine Beschwerde durch Verbreitung des Kohlengeru- 
ches zu verursachen , verwendet werden ; auf fünf Jahrö , vom 
a8. Oktober i8tii. 

85. ]ßHat\ Klein , Amtsdiener bei dem Oubemium von 7V- 
rol und Forarlbergy jn Innsbruck , auf die Erfindung einer Putz«- 
seife« welche 1) keinen scharfen, schädlichen Stoff enthält; 
a) vorzüglich bei Frauenkleidem auch von der zartesten Farbe, 
sie mögen gestickt , verziert , oder bunt gefärbt seyn , sehr gute 
Dienste leistet, indem sie, hur in kaltem Wasser gebraucht (ob- 
wohl auch das warme Wasser , besonders im Winter nicht nach- 
theilig ist , sondern die Wirkung sogar befc^rdert ) , allen Schmutz 
und alle Flecken wegnimmt, und die Schönheil der Farbe erhöht ; 
3) die weifse Putz wasche undeich besser, als Jede andere Seife 
reinigt; 4) besonders für Gold- und Silberstiekereien und Tres« 
ten sii empfehlen istf 5) auch aus Tuth und Seidenkleidern dStf 

• 33*. 



Tlecken wegnimmt f und Jenen das Ansebe* einer vdllii^ Nc» 
beit Teracbaffl $ 6) die Ochsengalle , den Branntwein , das Uec- 
-aalz und dergleichen Mittel gana überflüssig nnd entbebrlicbnscfat, 
und endlicb 7) als Handseite benntat, durch den ditem Gebraucli 
derselben die Haut sehr fein erhSlt; auf swei Jahre,, vom 18. OL 
tober d. J« 

86. Johann CaiÜneftij Mechaniher in ßlailand^ bat auf 
seine Flachs -und Uanf- Brechmaschine unterm 9. Februar i8«o 
ein flinfjähriges Privilegium erhalten. Da er Jedoch die Erkla« 
rung abgegeben hat, sich hinsichtlich dieses Privileglkims nach 
dem allernöcbsten Patente Tom 8.Desember 1810 benehmen sa 
wollen, so wurden demselben die Privilegien - Urkunden nach dem 
neuen Systeme ausgefertigt. Seine Ernndung besteht in einer 
Haschine aum Brechen und Bereiten des Flachses und Hanfci 
ohne Rdstung , aum Dreschen des Getreides und au andem aia- 
Jichen Verrichtungen. • 

.87. Georg Origons^ Handelsmann aus Genua ^ ^nf di^E^ 
findung, Papier blou aus Stroh* oder Blattern, ohne Beihülfe des 
3>imes dergestalt au erzeugen, dafs dasselbe sowohl xuinSchreih> 
als Druckpapier geeignet, und dem Wurmfrafso nicht unterwor« 
f en ist, und da(s es, indem es nach den vorgenommenen Versuchen 
SU der gehörigen Weifse gebracht wird , voraüglich in den A^ 
chiven, msbesondere aber wegen seiner Undurch£inglichfceit vom 
Wasser als Packpapier , hauptsächlich cum Verpacken der Seide, 
aofort aber auch cUr Verfertigung des Pappenaeckels ▼erwendet 
werden kann; auf fänfaehn Jahre, vom 5.. November iBai, 

88. Adrian Ludwig Ritter von Coehelet^ Gutsbesitaer und 
Hanufakturist in Frankreieh , auf seine Erfindung , das mecha- 
nisch - aylindrische Prinaip oder die helikoidischen HrSfte auf eine 
neue Maschine, hclikoiaische Diagonal -Tuchscher -Maschine ge- 
nannt, aum Scheren von Tuch, Kasimir und aller anderen Wot- 
lenaeuge anauwenden, welche Maschine ihren Gang der Lange 
der Zeuge nach nimmt, womach dieselbe als eine von den, un- 
term i4* April 1818 und 16. September iSar privilegirten beides 
Maschinen, nähmlich der Longitudinal - und Transversal - Maschine 
entlehnte Einrichtung erscheint, und mit diesen beiden Mashiuen in 
der, einem oder mehreren Zylindern gegebenen Bewegung überein- 
kommt, doch aber das Besondere für sich hat, da(s sie das System der 
Anwendung des helikoidischen Prinzips auf die yerschiedenen Arten 
des Scherens, welche die Wollseuge anzunehmen fähig sind , ent 
vollendet; auf fünfzehn Jahre, vom 5. November 18a i. 

89. Johann Joseph Faehner Ritter 9. Eggensdorf^ in Knh 
muu , auf seine Erfindung , mittelst einer Maschine «ule Gattun- 
gen von Papieren, ohne Beihülfe von Menschenhänden, dergestalt 
SU erzeugen, dafs in zehn Sekunden ein Bogen vom gewöhnli- 
chen Grolskanalei>Format zum Druck, halb zum Schreibgebranche, 
aber gana trocken, geprefst, geglättet und geleimt erhaiteu wird; 
auf fünf Jahre, vom i3. Novemiber i8ai. 



5i7 

90. Hfiy^ und SekUek , ](• k. privilegirte Grorshtncller tend 
Inludier der k. k. privilegirten Zucker - Raffinerie in JVieHerUeh^ 
N^mttüdi 9 auf ihre Entdeckung , de n rohen Zucker nach einer in 
Awn^vr^ erfundenen Methode dergestalt su laifiniren, daCi da- 
durch eine höhere Ergiebigkeit desselben ersweckt , und der Zu» 
cker in den verschiedenen Abstufungen der RafPinirung mehr ala 
es bis jetst der Fall ist, veredelt irvird) auf fünf Jahre ^ vom 
19, November i8si. 

91. ^roifs Viande^ Maroquin • Fabrikant in Mailand^ auf 
seine Entdeckung, aus inländischen Widder- und Ziegenhau^en^ 
ao wie i dieselben von dem Metsger besogen werden, Maroquin 
von jeder Farbe , auf die in Ottnfy Frankreich und England üb- 
liche Art Bu.ersengen; auf .acht Jahre, vom 19. November 1811. 

94. G#or^ Adam Sommer ^ Saffian - Lederfabrikant in WUn^ 
auf seine Erfindung, aus gemeinem gegärbten türkipchen Leder 
Maroquin von vertshiedenen dunkeln und liebten unvertilgbaren 
Farben, und awar besonders vorsüglich in rother Holafarbe, ohne 
alle Beimischung von Cochenille su eraeugen , und ncbstbei hier« 
auf alle Gattungen von Desseins, so wie sie nur immer auf Per^ 
kalcfi und anderen bisher gedruckten Zeugen gefunden werden kön« 
nen, an drucken; auf Ittnf Jahre , vom 35. November 1821. 

93. Johann Gtarg Sehuiter^ Werkmeister im k. k. polytech- 
nischen Institute in Wien^ auf die Erfindung eines Gewehr - Feuer- 
seuges ( Flintenschlosaes ) , welches von dem gewöhnlichen Flin- 
tenschlosse gans verschieden , dauerhafter und leichter ausaufuh- 
ren ist, una folgende Vortheile gewahrt: 9) dafs man beim La- 
den kein Zündpulver aufauschütten braucht, indem das Pulver 
durch den hinlSnclich weiten Zündkanal bis au der geschlossenen 
Zündöffnnng lauft, und das Gewehr also in kürxerer Zeit gela- 
den werden kann; 3) dafs das Zündpulver dergestalt gegen^ die 
Nisse geschütat ist t dals man Jbeim Gufsregen «ben so gut laden 
und scoiefsen kann , als beim trockenen Wetter ; 3) dafs die Mög- 
lichkeit des aufalliaen Losgehens beim Laden oder Transportieren 
gana vermieden wird ; 4) data dieses Gewehr - Feueracug sicherer 
losgeht , weil das cufSllige Abbrennen von der Pfanne nicht Statt 
findet, der Stein beim Schlagen nicht so viel leidet, und Stahl 
und Stein durch das Pulver nicht so verunreiniget werden können, 
wie bei den gewöhnlichen Flintenschlössem , und endlich 5) dafSf 
um die nähmliche Kraft hervor au bringen , viel weniger Pulver 
erfordert wird , weil das Zündpulver auch aum Triebe verwendet, 
und die Zündöffhung ao achn^ll wieder geschlossen wird, dafa 
nurj einige Körner Zeit haben, leer au verbrennen; auf fünf Jahre, 
vom a5. November i8ai« 

94* Karl JSSrMuUrer , Bildhauer in Wien , auf seine (Erfin- 
dung einer Waschmangel oder Rolle, welche 4 Schuh lang, 
« Scnmh und 3 Zoll breit, 3 Schuh, oder um 6 Zoll weniger, hqcli 
Ist, und fol^nde Vortheile gewährt: 1) dafs sich die Wasche 
darauf, sp wie auf den gewöhnlichen Mangeln oder Rollen , undl 



5i8 

7!\var blofs: mit Beihülfe eines Knibcn, mangeln läfst, vnd dieser 
eben so viel , als bei den gegcnwürfig gehrätielilichen Rollen iwei 
Mensehen, leistet, weil die Rolle in sicn Iceine Schwere hat, and 
doch einen Druck von xehn bis fünfzehn Zentner bewirkt*; t) dafi 
diese Rollo den Gebäuden in keiner Hinsicht schadet , und auch 
keinen gröfsercn als einen 4 Schuh langen Raum einnimmt, wo- 
bei die Bequemlichkeit eintritt, dafs dieselbe in jedem Zimmer 
statt eines Meubels , besonders aber als Jisch verwendet werden 
kann; ^3) dafs bei ilir keine Quetschung oder Verletzung der Kin- 
der, wie bei den gegenwärtig üblichen Rollen xu befurchten ist, 
und endlich 4) daCs sie nicht hoher als 9uf lo fl. H. Af. zu sie- 
ben kömmt; auf fünf Jahre, vom aS. November i8it. 

95. Anton Bernhard^ DampfschtfTahrts -^Untemebmer und 
königlicher Esseggcr Kameral- Brücken -und Dammbau -Pächter in 
PßSth^ auf die Erfindung einer Art voh unt^rschlachtigen Wasser- 
rädern (StromkrafUrädern) mit beweglichen Taufein zur Anwen- 
dung auf gröfscren Flüssen und Strömen , welche Räder den Vorv 
theil vor allen bisher bekannfen besitzen , dafs dieselben auck 
die vorhandene Tiefe des Stromes nach Willkür und Erfordcr* 
nifs zu benutzen gestatten, dergestalt, dafs ein Stromkraftsrad 
dieser Erfindung von gleicher Grofse mit einem 'gewöhnli<:hen be- 
kannten unterschlächtigen Wasserrade mit feststehenden Taufein 
(welches nur auf einen sehr kleinen Theil tfeinos Durchmessers 
eingetaucht werden darf, wenn das Hinterwasser nicht seine Be- 
wegung hemmen soll ) drei bis vier Mahl u. s» w. tiefer in das 
W^asser eingelassen werden kann, und dann auch eine drei bis 
vierfache u. i. w. Kraft gegen ein gewöhnliches von gleicher Di- 
mension hervorbringt, so wi^ einen, ein bis vier Miahl So grofsen 
3tützpunkt gibt, wenn es von einer andern Kraft, wie z. B. die 
Bnder Räder am PampfächifFe von der Dampfltraft, bewegt wird; 
auf fünfzehn Jahre, vom 25. November iSti. 

96. Ludufig Bitter v. Ptsehier ^ Eigenthümcr der landes- 
bclHigten Papierfabrik in Frantensthal ^ und Vtnieru Sterz ^ Di- 
rektor derselben Fabrik , auf die Verbesserung ihrer bereits mit 
allerhöchster EntschlieCsung vom 12. Dezember 1819 auf die Dauer 
von zehn Jahren privilegirten Papier - Erzeugungs - Maschine, 
welche in der gröfsercn Dauerhaftigkeit , in den minderen Unter- 
haltungskosten , und in der Ztveckmäfsigkeit der Papierform und 
der übrigen mechanischen Vorrichtungen besteht; auf zehn Jahre, 
vom '35* November 1821. 

97. Johann Biehard tf/ro3tf/, 'MarSch -Deputirler in Tiro!j 
auf seine Erfindung, mit' Ersparung der bisher üblichen theurea 
Ingredienzien und mit Anwendung inländischer Surrogate ein 
chemisches Tintenpulver zu verfertigen , mittelst dessen naa 
ohnQ allen weitern Zusatz, im blofsen Wasser überall und auf der 
Stelle ohne Anstand eine gute, wohlfeile und haltbare Tinte be- 
reiten kann; auf fünf Jahre, vom 25. November i8si* 

98. Jßieph Vaühr , befugter Schlosser , und Johann Bvp' 



5i9^ 

tiif MUsiUmr , bürgerliclicr Büchaienmaelier in Wi§H , auf ilira 
Erfindung einer Mascltine, mittelst welcher Bleiplatten in verschie* 
dener Streckung und Dicke mit einer solchen ochneHigkeit gegos- 
sen und gehärtet werden ^ dafs deren in einer Stunde bei tausend 
.Pftind SU erseugen sind. Diese Platten gewahren den Vortheil^ 
dafs sie cur Ausnitterung der Schlauche saramt Gängen oder Sei- 
tenarmen , und der Sitze bei Rctiraden durchaus mit Blei , theils 
auf die cewShuIiche, theils auf die jetzt in England vhWche Art^ 
aammt der dazu gehörigen Maschinerie, die ihrer langen Dauer, 
wie auch des dadurch xu vermeidenden Geruches wegen anxuem« 
pfehlen ist, dann aber auch zur Deckung dei* DäcITer, zur Üben 
siehung der Lamberien und Mauerwände zu ebener £rde, so wie 
auch anderer Gegenstände unter der £rde , in jeder Hinsicht mit 
entsprechendem Nutzen verwendet werden können ; auf fUiif Jahreg 
vom 1. /Dezember iSi i . ^ • 

99« Nikolaus Werner:^ bürgerlicher Hut mächer in Wiem^ 
aur die Verbesserung der Seidenfelberhüte , dafs er nähmlich Sei- 
denfelberhüte mit Hinweglassung von Pap|iehdeckel , Holz , Strod 
und Tuch verfertigt, deren Unterlage in wasserdicht gemachtem 
Filze nach einer von ihm erfVindenen Art bestehen, welche -die 
Vortheile haben , dafs sie sehr leicht und elastisch sind , Aen 
Hopf nicht drftcken , und wie die gewöhnlichen Filzhüte 9 wenn sie 
verdrückt sind , wieder ausgerichtet werden , und aucli i^aoh Be* 
lieben eine andere Form bekommen können ; dafs sie femer auch 
im stärksten Hegen in ihrer Form unverändert bleiben , und dats 
sie wohlfeiler zu stehen kommen, als alle bisherigen Seidenfei« 
berhüte; auf fünf Jahre , vom 1. Dezember i8ai. 

100. Karl^Nowoiny^ Holahändler in Kreubach bei Wiihelms» 
hmrg V. U. W. W, , auf die Erfindung , dafs er mittelst einer 
neuen, selbst auf dem kleinsten Wasser zu errichtenden Dreh- 
maschine, auf eine ganz einfache und leichte Art ohne viele Vor- 
richtung mit einem wenig kostspieligen neu erfundenen Schneide^ 
zeug durch eine einzige Person, selbst durch einen Knaben von 
zehn bis *^wo1f Jahren , alle Holsgattüngen 9 auch die sehr ästi- 
gen, die der Zimmermann wenig oder gar nicht brauchen will, 
mit grofser Ersparung des Holzes selbst, welches der Zimmer- 
mann ins Gevierte haut, welches aber hier, dem Wachsthume 
des Holzes angemessener, gleichfalls rund abgedreht wird, im 
Durchmesser von a ^/^ Schuh und in einer Länge von 3 >- 4 
Klafter , nöthigenfalls " auch bis , auf 6 Klafter , mtt weit gerin- 
gem Kosten! und grofser Gewinnung an Zeit, zu Schneepflöcken, 
Backstallen, Tempel-, Lusthaus-, Laternen-, Stallstand-, Meilen- 
und Wegweiser - Säulen, Hutstöcken u. s. w. abzudrehen im 
Stande sey; auf fünf Jahre, vora'i. Dezember 1831« 

loi. Johann Georg Schuster, Werkmeister im k. k. pplj- 
technlschen Institute, auf die Verbesserung der Metallsohreibfe- 
dern, dafs man nähmlich mit diesen Federn besser und reiner, 
alir mit den Kielfedern schreiben Und mit einer einzigen für eine 
immer gleiche Schrift über ein halbes Jahr auslangen kannj dafs 



5:10 

ferner ein Kalligraph mit diesen, die fraiiisi|;e SegrÜnKang der Zü|;t 
beseitigenden Federn , welche in einem mit den Kielfedern gleich 
leichtem Gewichte herzustellen sind, nebst der Erspamib der 
Zeit Eum Federsdbneiden , auch den Vortheil der DauWhaltigVeit 
und sohin d«;r viel gröfseren Wohlfeilheit hat ; auf fünf Jahn, 
vom a« Desember i8ai. 

* * * 

loa* Joseph Gdbel^ landesbef4gter Seidenband - Fabrikant 
in WUn^ »auf die Erfindung , auf Mahlstühlen Bander gans wiD- 
J&Ürlich mit Verbindung einer gewöhnlichen Maschine von oben, 
und swar mit swei Schützen in einem, nöthigenfalls auch inmeb* 
reren Schüssen au brochiren, und auch zugleich zu quadrilliren, 
welches den Vortheil hat, dafs der Arbeiter nicht erst Scbüsse 
sShlen, und durch Treten die Lade in Bewegung setzen mats; 
auf acht Jahre, vom ii. Dezember iSai*. 

io3. Joseph FfuFidheUer^ bürgerlicher Handelsmann ii 
Wiem^ auf die Erfindung neuer Männer- Touren, dafs er nalim* 
lieh aus rohgeförbter Seide auf Weber- oder Zeugmacherstfibles, 
Touren iur Männer auf ein<§ neue Art verfertigt, welche toi 
den natürlichen Haaren nicht unterschieden werden können, nnd 
den Vortheil gewähren, dafs sie wegen ihrer Leichtigkeit den 
Kopf nicht beschweren, wegen ihrer Keinheit und Beschalfenbeit 
überhaupt keine nachtheiligen Folgen mit sich fähren , die Aus- 
dünstung des Kopfes nicht hemmen , und bedeutend billiger all 
Haar - Touren zu stehen kommen , so wie nicht minder aus roh 
gefärbter Seide auf Weber- und Zeugmacherstühlen auf eise 
neue Art Pelzwerke zu erzeugen , die dien natürlichen nicht nur 
sehr ähnlich^ und wegen ihrer Leichtigkeit, Dauer und der Bil- 
ligkeit des Preises den letzteren noch vorauaiehen sind; auf ftitf 
Jahre, vom a. Dezember iSai. 

1 04. Stephan ülfmer Edl. tr. Kifs-Engiiske^ Magister der Pbs^ 
mazie in Wien^ auf seine Entdeckung, welche a) in der Erzeugung der 
rhlorsauren Verbindungen mit Alkalien (oxygenirten salzsauren All»* 
lien nach der früheren Ansicht) auf eine von der bisherigen gaas vc^ 
schiedene Verfahrungsweise mit einem neu ausgedachten Appante 
mitunfrieich gröfsererErsparnnganZeit und Ingrediensten,nftbe* 
deutend reichlicher Ergiebigkeit und mit gänslicher Beseitigvag 
der Gesundheits- Gefahrdung des Manipulanten , dann b) ia der 
zweckmafsigsten Benützung der bisher weggeworfenen Rückstiads 
besteht, indem die Gesetze und Verwandtschaften der Ingredien- 
zien hierbei sztentifisch so ausgemittelt sind, dafs es gar keiaea 
Abfall geben kann, alles lauf die zwcckmärsieste Art angeeignet, 
und für Künste und Haushaltungen überrascne^d nütalich wird« 
auf fünf Jahre , vom i8, Dezember 1821« 

io5, Aloys SeitU'^ ausgetretener k. k. Offisier, in WUn^ 
auf seine Erfindung , die Schafwolle nach der Schur in gansea 
Vliefsen weit besser zu waschen, als man es bei deqi Schwem- 
men hervor zu bringea im Stande ist; auf fünf Jahre, yom 
18. Deaember 181 1« 



Sil 

106. Thomas JBäihXf MaBeliinist ius LotutöH^ auf seine 
Sfascliine, mittelst, welcher Schafwolle für die feinem und fein- 
sten Merinos und Shawls subcreitet und gesponnen wird , welche 
ErfinduTtf; darin besteht, dafs mittelst diefcer Maschine 9 die aus 
fönf Tbeilen susammengesetst ist, die drei ersten die Comhed- 
Schafwolle bereiten, und die beiden letstem solche spinnen, so 
zwar , dafs der erste die Wolle verarbeitet , der sweite , drawing 

frame^ die Wolle cum Ziehen in die Lange bereitet, der dritte, 
spihdU TowingfraniMy die Zubereitung durch Aufrollen vollendet, 
oer vierte, thrquilf aus der SQ zubereiteten Wolle den Aufzug,* 
und der itiufte den Einschlag spinnt, woWi die Maschine den 
Vortheil gewahrt, dafs mitteist derselben .die SchaiWolle so zu* 
bereitet wird , und alle Arten der feinen Game von Nr. So bia 
100 und bis zu den höchsten IVummem für die feinsten Merinos 
und Shawls gesponnen werden; auf zehn Jahre, vom 3« Dezem- 
ber i8si. 

107. Froßu Tumfofi^ Bandmacher, auf die Verbeasening 
der Muhlstühle , dafs er nähmlich vier und zwanzig GSnce von 
Kr. C Figur Band auf einem Müblstuble verfertiget, welche nn- 

Seachtet des Aussehens, als ob zwei Stuhle neben einander stfin- 
en Y welche auch gewöhnlich zwei Arbeiter erfordern , doch von 
einer Perspn betriden werden kann \ auf drei Jahre» vom 3o, De«, 
zember 18a 1« 



f^ 



\ 



XXVI. 

Verzeichnifs der Patentei 

welche 

in Frankreich im Jahre 1820 auf Erfindungen^ Yeri 
besserungen und Einfuhrungen ertheilt wurden. 



1. Uodd und Frin , beide von ParU , auf ein besonderei 
Verfaliren, mittelst dessen sie Basreliefs aller Art in Porsellaa 
machen. — Datirt vom 8. Jänner iSso. -* Dauer des Privile- 
giums auf sehn 3ahre. 

3. RipauU^ L* N,j von Paris ^ auf eine Meuble - Maschine, 
unter dem Kfahmen 9 Cyli^idre ' votier oder volumex.^ — Datirt 
vom 90. Jänner« — Auf fünf Jahre. 

3« Ferdr-nand^ A.^ y